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Das Untergewand und den Mantel

Jesu Leben und Lehre, Teil 209/693
18.01.2023Matthäus 5,40
SERIE - Teil 209 / 693Jesu Leben und Lehre

Einführung in das Thema Umgang mit Beleidigungen

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 208: Das Untergewand und den Mantel.

In der letzten Episode haben wir uns mit dem Umgang mit Beleidigungen beschäftigt. Idee Nummer eins: Ich stecke die Beleidigung einfach ein. Als Menschen ist es uns sehr wichtig, Recht zu bekommen. Wehe dem, der sich ungerecht behandelt fühlt.

Aber was, wenn ich zwei Dinge glauben könnte? Erstens, dass der Herr Jesus von seinen Jüngern erwartet, dem Bösen nicht noch mehr Böses entgegenzusetzen. Und zweitens, dass mein Leben nicht in meiner Hand liegt, sondern in der Hand Gottes.

Was, wenn ich glauben könnte, dass alles Böse in meinem Leben nicht das letzte Wort hat – einfach deshalb nicht, weil Gott mit mir ist und mich sieht? Was, wenn ich glauben könnte, dass es wichtiger ist, Gott zu gefallen und ihm zu vertrauen, als Recht zu bekommen beziehungsweise keinerlei Nachteile zu erdulden?

Was wäre dann?

Ich merke, wie mich der Text herausfordert, auch der von heute. Doch ich sehe auch, wie der Herr Jesus selbst mit Bosheit umgegangen ist.

Das Vorbild Jesu im Umgang mit Leid und Bosheit

 1. Petrus 2,21-23

Denn hierzu seid ihr berufen worden: Auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren folgt. Er hat keine Sünde getan, und in seinem Mund wurde kein Trug gefunden. Er wurde geschmäht, doch er schmähte nicht zurück. Leidend drohte er nicht, sondern übergab sich dem, der gerecht richtet.

Dieser Text ist sehr eindrucksvoll. Wir sind berufen – wozu? Zum Vorbild Jesu zu werden, besonders im Umgang mit Leid und Bosheit.

Und was tut Jesus? Es heißt hier, dass er, obwohl er geschmäht wurde, nicht zurückschmähte. Er drohte nicht, obwohl er litt, sondern übergab sich dem, der gerecht richtet. Jesus ist der, der die andere Wange hinhält. Er verlangt nichts von uns, was er nicht selbst bereit war, auf extreme Weise vorzuleben.

Er konnte das tun, weil er etwas wusste, was auch wir wissen dürfen: Unser Leben ist in Gottes Hand. Wenn das Böse versucht, uns seinen Willen aufzuzwingen, mag es äußerlich so aussehen, als wären wir die Verlierer. Aber Vorsicht, ganz vorsichtig! Wer uns antastet, bekommt es mit dem zu tun, der gerecht richtet.

Unsere Aufgabe ist es, heilig zu leben und uns nicht vom Bösen zum Bösen verführen zu lassen. Gottes Verheißung besteht darin, dass wir, die wir auf dem Weg der Nachfolge leiden, verherrlicht werden. Paulus sagt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit (Römer 8,18).

Die Aufforderung Jesu zur radikalen Nachfolge in der Bergpredigt

Aber gehen wir weiter im Text der Bergpredigt, Matthäus Kapitel 5, Vers 40: „Und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch den Mantel.“

Wie der Name schon sagt, ist das Untergewand das, was wir heute als Hose und Hemd bezeichnen. Der Mantel ist, wie heute auch, ein Überwurf, der gleichzeitig oft als Decke für die Nacht diente.

Worum geht es hier? Wenn das Oberthema Rache ist, dann kann es sich bei dem Gerichtsverfahren eher nicht um einen gerechtfertigten Anspruch an mich handeln.

Wenn ich Schulden habe, sie nicht bezahle, angeklagt und vom Gericht dazu verurteilt werde, als Entschädigung mein Unterkleid zu geben, dann ist das nicht schön, aber kein Grund, um auf Rache zu sinnen. Es ist auch kein Grund, meinen Mantel noch oben draufzulegen.

Es muss hier also um einen Anspruch gehen, der nicht gerechtfertigt ist. Jemand benutzt das Gericht beziehungsweise seinen Einfluss auf die richterliche Entscheidung, vielleicht auch falsche Zeugen und gefälschte Beweismittel, um mich zu schädigen.

Die provokative Haltung Jesu gegenüber ungerechter Behandlung

Und jetzt wird es spannend, denn Jesus sagt hier nicht einfach nur: Lass es über dich ergehen. Er formuliert vielmehr: Wenn jemand dein Untergewand nehmen will, dem lass auch den Mantel, also leg noch etwas drauf.

Die Frage ist: Wie kann es sein, dass der Herr Jesus seine Nachfolger dazu auffordert, noch eins draufzulegen? Ich persönlich denke, dass es hier um mehr geht als nur ums „Drauflegen“. Dazu müssen wir verstehen, was Jesus hier beschreibt. Wir müssen uns bildhaft vorstellen, was in dieser Situation passiert.

Jemand kommt und will mir mein Untergewand wegnehmen. Allein dieses Anliegen zeigt schon, dass ich arm bin. Wäre ich reich, würde er mir mein Geld abnehmen, aber das habe ich nicht – also nimmt er mein Untergewand.

Warum nicht den Mantel? Weil man rechtlich an das Obergewand nicht herankam. Das durfte man einem Armen nicht wegnehmen. Mein Feind will ja nicht als Räuber dastehen, sondern versteckt seine Boshaftigkeit hinter einer Fassade aus Rechtschaffenheit.

Es kommt also jemand, der mir mein Untergewand nehmen will. Die logische Reaktion darauf wäre Empörung, Zorn, ein Wutausbruch, vielleicht sogar eine Schlägerei. Aber was, wenn ich ihm einfach mein Untergewand gebe? Und dann auch noch den Mantel dazu?

Ihr müsst euch jetzt die Situation vorstellen: Wie stehe ich da? Die Antwort ist: mehr oder weniger nackt. Ich trage vielleicht noch etwas wie einen Lendenschurz, aber das war es dann auch. Wahrscheinlich vermutet ihr schon: Nackt zu sein war eine Schande.

Die tiefere Bedeutung der Aufforderung und ihre Herausforderung

Wenn Jesus sagt in Matthäus 5,40: „Und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch den Mantel“, dann stellen sich seine Zuhörer etwas vor, das so nicht möglich ist.

Hier geht es nicht nur darum, etwas draufzulegen – nach dem Motto: „Du willst mein Hemd und meine Hose, dann bekommst du auch meine Jacke.“ Vielmehr geht es darum, zu provozieren.

Jesus fordert uns auf, dem Bösen nicht zu widerstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir es nicht auf kreative Weise bloßstellen dürfen. Ich denke, diese Idee der Provokation und des Bloßstellens schwingt im Text mit. Dennoch darf sie uns nicht von dem ablenken, was Jesus weiterhin von uns als seinen Jüngern verlangt.

Er verlangt, dass wir dem Bösen nicht widerstehen, dass wir nicht an unserem Besitz hängen und auf keinen Fall das Böse mit Bösem vergelten. Wir sollen auf Rache verzichten und auch auf Entrüstung.

Wir tun das, indem wir unser Leben in Gottes Hand legen – genau so, wie es Jesus selbst getan hat.

Persönliche Reflexion und praktische Anwendung

Darf ich ehrlich sein? Mich provoziert der Text ungemein. Ich habe ein tief sitzendes Gerechtigkeitsempfinden, und ich komme da kaum aus meiner Haut heraus. Das ist eine dieser biografisch bedingten Macken, die ich mit mir herumschleppe.

Mir geht dieser Text völlig gegen den Strich, und ich stelle gerade fest, dass ich noch keinen einzigen Vers aus diesem Abschnitt Matthäus 5,39-41 auswendig gelernt habe. Das ist natürlich ein Indiz dafür, dass es sich hier um ein Thema handelt, dem ich mehr oder weniger bewusst aus dem Weg gehe.

Was tun? Ich weiß nicht, was ihr tut, wenn ihr merkt, dass es ein Gebot gibt, das ihr nicht ganz versteht und bei dem sich in euch sofort ein Widerstand breitmacht, wenn ihr es lest. Ich weiß aber, was ich in einem solchen Fall tue.

Ich habe gerade Matthäus 5,39-40 als neue Verse in meine Bibelverslern-App aufgenommen, und ich werde sie auswendig lernen. Ich möchte, dass Gottes Wort mich prägt, gerade an den Stellen, wo es mir nicht passt.

Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, auf welche Weise unser Verzicht auf Rache daran gekoppelt ist, dass wir Gottes Führung vertrauen.

Abschluss und Segenswunsch

Das war es für heute. Wie sieht es eigentlich mit deinen Gebetslisten aus? Sind sie aktuell und frisch?

Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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