Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer – Teil 6
Jesu Leben und Lehre | Episode 736
Matthäus 23,2312.08.2026
Serie•Teil 3 / 8Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer
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Einleitung und biblischer Ausgangspunkt
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist
Episode 736: Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer, Teil 5
Matthäus 23,23
Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben. Diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.
Noch einmal die Frage: Was machen die Schriftgelehrten und Pharisäer falsch?
Sie nehmen ein weniger wichtiges Gebot, in diesem Fall das Geben des Zehnten, und übererfüllen es, indem sie ihr Augenmerk auf absolute Randbereiche des Gebotes legen. Sie geben also nicht nur den Zehnten, sondern sie geben ihn auch in den Fällen, die nicht offensichtlich vom Wortlaut des Gesetzes selbst abgedeckt waren.
Dafür, und das ist das eigentliche Problem, lassen sie andere, viel wichtigere Bereiche des Gesetzes unangetastet. Sie kümmern sich um das Verzehnten von Küchenkräutern, aber nicht um Gerechtigkeit, nicht um Barmherzigkeit und nicht um den Glauben.
Drei moderne Spiegelbilder
Weil mir das Thema so wichtig ist, würde ich euch gern drei moderne Varianten vorstellen. Es gibt natürlich noch viel mehr. Ich möchte nur, dass wir eines verstehen: Pharisäisches Denken ist nicht nur die Gefahr der anderen, es kann sich auch in unser eigenes Glaubensleben einschleichen.
Drei Beispiele:
Ich sehe da den liturgisch Korrekten, der peinlich genau darauf achtet, dass im Gottesdienst alles richtig läuft. Die Musik darf nicht zu emotional sein, die Kleidung muss angemessen sein, beim Abendmahl muss der Ablauf perfekt sein, und wehe, die Sprache des Predigers lässt es an Ernsthaftigkeit mangeln. Liturgische Korrektheit, das ist sein Steckenpferd. Und er ist bereit, nach dem Gottesdienst jeden anzusprechen, der etwas „falsch“ gemacht hat. Das ist ihm wichtig.
Aber wenn eine alleinerziehende Mutter überfordert ist, wenn ein psychisch kranker Mensch Geduld braucht oder wenn ein junger Christ ermutigt werden muss, weil er mit Sünde kämpft, dann ist er nicht da. Dann steht er als Unterstützer, Zuhörer oder Ermutiger nicht zur Verfügung. Hier bleibt die Barmherzigkeit auf der Strecke.
Oder ich sehe den bibeltreuen Kämpfer, der schnell damit ist, jede Irrlehre und Abweichung von der Schrift zu benennen, falsche Begriffe zu korrigieren und saubere theologische Grenzlinien zu ziehen. Das kann nötig sein. Aber gleichzeitig ignoriert er den Machtmissbrauch in der eigenen Gemeinde, schützt problematische Leiter, weil sie seine theologische Sicht teilen, übergeht die Opfer, redet offensichtliches Fehlverhalten klein und ist auf diese Weise blind für Recht und Gerechtigkeit.
Oder wie wäre es mit dem Moralisten, der ganz klare Regeln hat für Medienkonsum, Kleidung, Erziehung, Gemeindebesuch, Gebetszeiten und so weiter. Vieles davon kann durchaus sinnvoll sein. Aber bei ihm wird aus Weisheit ein System, aus geistlicher Hilfe wird sozialer Druck. Aus Nachfolge wird Kontrolle. Bei ihm lernt man nicht, dem guten Hirten zu vertrauen, sondern Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Er strukturiert die Randbereiche persönlicher Heiligung, verliert aber das Zentrum aus dem Blick: das Vertrauen auf Gott, die innere Erneuerung und das Leben aus Gnade.
Das eigentliche Problem hinter der Frömmigkeit
Der moderne Pharisäer ist nicht einfach der, dem Gehorsam wichtig ist. Eine solche Beschreibung greift zu kurz. Der moderne Pharisäer ist derjenige, der in kleinen, sichtbaren und kontrollierbaren Dingen maximal streng ist, aber bei den Herzensanliegen Gottes wegschaut.
Und warum schaut er weg? Müssten ihn diese Dinge als Frommen nicht besonders interessieren? Eigentlich schon. Aber das Wegschauen ist ja das Symptom dafür, dass ganz grundsätzlich etwas nicht stimmt. Jesus nennt diese Leute Heuchler, Narren und Blinde. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind religiös und wirken fromm, aber sie sind nicht gläubig. Ihr Desinteresse an Recht, Barmherzigkeit und Glauben ist ein Symptom für ein tieferliegendes Problem: Sie haben keine echte Beziehung zu Gott. Und deshalb müssen wir uns davor hüten, sie zu kopieren.
Auch als Nachfolger Jesu kann sich pharisäisches Gedankengut einschleichen. Und warum?
Erstens, weil Details Sicherheit geben. Klare Regeln erzeugen das beruhigende Gefühl: „Ich bin gehorsam, ich bin richtig unterwegs, ich bin sicher.“ Und das ist natürlich trügerisch, aber es fühlt sich eben gut an.
Zweitens, weil sichtbarer Gehorsam Anerkennung bringt. Wer streng, korrekt und konsequent wirkt, bekommt schnell den Ruf, geistlich ernsthaft unterwegs zu sein. Dabei spielt es unter Umständen kaum eine Rolle, wie es hinter den Kulissen aussieht.
Drittens, weil die großen Dinge Gottes Selbstkritik verlangen. Ich kann mich nicht nach Recht, Barmherzigkeit und Glauben ausstrecken, ohne mit meinem eigenen Unrecht, meinem Mangel an Liebe und meinem eigenen halbherzigen Vertrauen konfrontiert zu werden. Natürlich ist das der Weg echter Nachfolge und echter Heiligung. Ohne sie wird, wie es im Hebräerbrief heißt, niemand den Herrn sehen. Aber es ist eben maximal herausfordernd. Wer diesen Weg gehen will, muss wirklich aus Gnade leben. Da werden Selbstverleugnung, das Bekennen von Sünde oder die Abhängigkeit von der Gemeinschaft plötzlich ganz real. Denn es ist so einfach, fehlende Liebe, lieb gewordene Sünde und etwas Heuchelei hinter Korrektheit zu verstecken und damit das eigene Gewissen zu beruhigen.
Und fünftens, weil Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glaube etwas kosten. Sie gefährden Freundschaften, erzeugen Konflikte und zwingen mich dazu, Position zu beziehen.
Was dem Pharisäer wichtig ist
Also, was ist dem Pharisäer wichtig? Sicherheit, der Applaus der anderen, das Übersehen der eigenen Unzulänglichkeit, ein ruhiges Gewissen und ein möglichst entspanntes Leben.
Aber Vorsicht! So leben Heuchler, Narren und Blinde. Das dürfen wir nie vergessen. Wir dürfen uns an ihnen kein Vorbild nehmen.
Ein drastisches Bild und ein letzter Impuls
Zum Schluss noch etwas Humor. Matthäus 23,24: Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt.
Worum geht es hier? Sowohl die Mücke als auch das Kamel gehören zu den unreinen Tieren. 3. Mose 11,4: Nur diese von den Wiederkäuenden und von denen, die gespaltene Hufe haben, dürft ihr nicht essen: das Kamel, denn es käut wieder, aber gespaltene Hufe hat es nicht. Unrein soll es euch sein. 3. Mose 11,20: Alles geflügelte Kleintier, das auf Vieren geht, soll euch etwas Abscheuliches sein.
Also waren sowohl das Kamel als auch die Mücke unrein. Wer besonders sorgfältig sein wollte, konnte seinen Wein deshalb durch ein Tuch sieben, um nicht versehentlich ein kleines Insekt mitzutrinken. Jesus greift diese Vorstellung auf und treibt sie ins Absurde. Er achtet peinlich genau darauf, die winzige Mücke nicht zu verschlucken, und schluckt gleichzeitig ein ganzes Kamel hinunter.
Ihr hütet euch vor der kleinsten Sünde und überseht die ganz großen. Das sind die Pharisäer: im Detail darauf versessen, alles richtig zu machen, aber an den Stellen, wo es Gott wirklich drauf ankommt, Heuchler, Narren, Blinde und ein Comedy-Gag.
Was könntest du jetzt tun? Nimm dir bitte Zeit, um still zu werden, und bitte Gott darum, dass er dir zeigt, ob du etwas ändern musst.
Das war's für heute. Wenn du Fehler im Podcast findest, schreibe mir gern eine E-Mail. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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