Das Sakrileg
08.01.2006
Serie•Teil 8 / 10Familienfreizeit 2006 - Nr. 4
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Einleitung und erste Einordnung
Da Vinci Code, das ist ja der englische Titel davon. Ich gehe einmal davon aus, dass, wenn ich euch diese beiden Begriffe vor etwa zwei Jahren genannt hätte, ihr dann nur mit den Achseln gezuckt hättet.
Also: Hätte ich euch vor zwei oder vor drei Jahren gefragt, was euch zum Stichwort Sakrileg einfällt, dann hätten die meisten wohl gesagt: Sakrileg, das ist doch irgendwie so ein religiöser Begriff, was ist denn das noch? Ach ja, das heißt doch so viel wie Gotteslästerung oder etwas Heiliges in den Dreck ziehen. Denn das ist die ursprüngliche Bedeutung von Sakrileg. Also: Irgendetwas, was anderen Leuten heilig ist, das mache ich schlecht, das ist Sakrileg. Und ja, das ist das, woran man gedacht hätte.
Oder andere hätten wahrscheinlich bei Da Vinci Code auch etwas länger gerätselt und sich die Frage gestellt: Da Vinci Code? Also, ihr könnt ja versuchen, zurückzuüberlegen, so vor zwei Jahren, zweieinhalb Jahren: Ja, was ist denn das? Manche hätten vielleicht gerätselt, das sei nun ein Computercode oder so, nicht? Code klingt ja so, und Da Vinci, nein. Oder vielleicht ist das ein Wurm oder irgendein Virus oder so etwas, der Da Vinci Code. Oder manche hätten möglicherweise gemeint, es sei eine Diskussion von Kunsthistorikern, denn da steckt ja Da Vinci, also möglicherweise Leonardo da Vinci drin.
Heute sind wir alle klüger, vielleicht nicht in der Sache selbst, aber zumindest was diese beiden Begriffe angeht. Heute wissen wir: Sakrileg ist der ultimative Bestsellerroman, wir könnten sagen, der letzten hundert Jahre. Und zwar ist es tatsächlich so: Sakrileg ist nicht nur ein Erfolgsroman unter vielen anderen, sondern der ist in der modernen Verlagsgeschichte ohnegleichen. Innerhalb der letzten drei Jahre wurde das Buch zwischenzeitlich über 55 Millionen Mal verkauft. Und das ist immens weltweit, also in Deutschland eine immense Auflage. Zwischenzeitlich hat man dann noch einmal ein bisschen gesteigert, das Ganze als Taschenbuch zu verkaufen. Das war so ein riesiger Erfolg gewesen.
Der Autor Dan Brown hat natürlich auch sehr gut daran verdient. Irgendwo hatte ich das mal in einem Interview gelesen. Ich meine, er hätte bis zu dem Zeitpunkt, das Interview war vom Anfang des Jahres, an Buch- und Filmrechten, ich meine, 170 Millionen Dollar verdient. Nicht schlecht, nicht? Also man muss sagen, für ihn hat es sich durchaus gelohnt. Und ganz ehrlich muss ich sagen, ich würde ja auch gerne solch einen Bestseller schreiben, nicht? Also, ich meine, allein schon nur, ich hätte ja ausgesorgt für den Rest meines Lebens. Ich könnte ja an der Bibelschule gratis arbeiten, ich könnte eben mal so den Neubau von der Turnhalle finanzieren oder euch hier alle auch gratis an der Freizeit teilnehmen lassen, das würde ich ja alles nur von den Zinsen bezahlen können. Also, von daher: Vielleicht überlege ich es mir ja noch einmal, so einen Bestseller zu schreiben.
Also, das muss man auf der einen Seite sagen. Und auf der anderen Seite ist dann der Film, der herausgekommen ist, der ja den englischen Titel des Buchs trägt, was auf Deutsch Sakrileg heißt. Und auch der hat Erfolg gehabt. Das war zwar nicht der große Renner, aber immerhin ist er in den meisten Kinos über mehrere Wochen gelaufen, haben auch relativ viele Leute gesehen. Manche haben ihm allerdings vorgeworfen, das sei jetzt ja nur billiges Hollywoodkino und so, und Actionkino. Und zum Teil stimmt das ja auch, weil viele der Erklärungen, die im Buch seitenlang gemacht werden, im Film natürlich nur ganz kurz auftauchen, so dass ich mich manchmal frage, ob jemand, der das Buch nicht gelesen hat, überhaupt genau verstehen kann, worum es im Film geht, weil manche der Details mir dann so ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen scheinen. Aber da könnt ihr mir wahrscheinlich später noch genauer Bescheid sagen, für diejenigen, die nur den Film gesehen haben, aber den Roman nicht gelesen haben.
Ihr habt wahrscheinlich auch mitbekommen, dass es in den letzten Monaten einige Aufregung um diesen Film und auch um das Buch gegeben hat. Und so wird jeder irgendwelche Berührungspunkte damit gehabt haben, entweder über Kollegen, die das gelesen haben, oder dadurch, dass ihr selbst gelesen habt, oder dass ihr einen Film angeschaut habt oder davon gehört habt oder in der Zeitung gelesen habt. Da wird es so Berührungspunkte gegeben haben.
Also, mein erster Berührungspunkt, der geht schon ein paar Jahre zurück, und zwar war das so etwa vor zweieinhalb Jahren, schätze ich mal. Das Buch kam in Deutsch gerade neu heraus, und da war ich kurz vor dem Examen bei der Jutta Seidel im Büro. Wir haben noch ein paar Sachen abgesprochen über das Examen, und dann hat sie mich gefragt: Ja, Ihr Bruder, der ist eben nicht gläubig, der hat einen neuen Roman gelesen, und da war er ganz fasziniert, und darin stünde, dass Jesus verheiratet gewesen sei. Und jetzt wollte sie von mir gerne wissen, was ich denn für Argumente meinem Bruder nennen könne, dass das nun nicht der Fall gewesen ist.
Und dann habe ich in der Bibliothek ein paar Sachen herausgesucht, was ich eben nennen kann. In den nächsten Monaten habe ich in Jugendstunden von Gemeinden oder eben auch da, wo Menschen so ganz normal in der Welt leben, immer mehr Leute getroffen, die diesen Roman auch gelesen haben. Das hat mich dann herausgefordert, mir das Buch zu kaufen, es auch durchzulesen, mal zu sehen, was denn da drin steht. Und es ist ja schon ein etwas umfangreicherer Schmöker von über sechshundert Seiten. Ich fand ihn erst einmal ganz spannend, kann man sagen, so spannend, wie halt ein Thriller manchmal ist. Manche Sachen fand ich auch ein bisschen komisch in der Geschichte, da komme ich gleich noch darauf zu sprechen. Aber das war so ein Anlass.
Und mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es nicht nur ein paar Leute lesen, sondern immer mehr. Und dann habe ich angefangen, mich intensiver damit auseinanderzusetzen, so Bücher zu lesen, die darüber geschrieben worden sind, und habe dann vor etwas über einem Jahr selbst ein Büchlein geschrieben in der Darstellung: Was steht denn da überhaupt drin, was können wir denn dazu sagen usw. In dieser Recherche bin ich auch darauf gestoßen, zum Beispiel im Internet, dass es da eine ganze Menge Leute gibt, die das alles glauben, was da in dem Roman drinsteht. Und da gibt es zum Beispiel auf Amazon, das gibt es ja so als Buchhändler, wo man kurze Rezensionen schreiben kann, dann habe ich das durchgegangen, auch bei anderen Internetseiten, um zu sehen, wie beschreiben die Leser das. Und viele der Leser schreiben darin, das finden sie ganz toll, das Buch, und endlich sagt mal jemand die Wahrheit über die Kirche, und schon immer habe ich geahnt, dass da irgendetwas nicht stimmt, und jetzt bin ich darin bestätigt.
Oder eine andere junge Frau aus Baden-Württemberg hat dann geschrieben, sie habe ihrem Lehrer empfohlen, dass man dieses Buch lesen sollte, und der Religionslehrer sei auch ganz begeistert davon gewesen. Dann haben sie zusammen Religionen gelesen, und jetzt meint eben die Klasse generell auch, sie wüssten besser über Jesus Bescheid. Denn wir dürfen nicht den Eindruck gewinnen, dass die Thesen, die da vertreten werden, nur von dummen Leuten geglaubt werden.
Zwischenzeitlich war ich ein paarmal an Universitäten, habe dort Studentengruppen einen Vortrag darüber gehalten, und da sagen selbst Studenten: Das glaube ich, das war doch bestimmt so. Na ja, wenn ich jetzt noch weiter rede, dann muss ich doch vielleicht mal erzählen: Ja, was war wieso? Denn ich kann ja nicht davon ausgehen, dass ihr alle jetzt Bescheid wisst, sonst rede ich hier die ganze Zeit und ihr hört mir zu wie ein Blinder, der von der Farbe hört oder so etwas.
Also, ich werde euch erst einmal ein bisschen erzählen, worum geht es überhaupt darin? Denn ich vermute, dass hier heute Nachmittag einige sitzen, die weder den Film gesehen noch das Buch gelesen haben. Also, worum geht es in der ganzen Geschichte?
Dan Brown startet seine Geschichte mit einem Professor Langdon. Der kommt aus Amerika, soll Professor an der Harvard University sein, die gibt es auch. Er hat dort einen Lehrstuhl für Symbolik, den gibt es nicht, aber es ist ja auch ein Roman, nicht? Und dieser Symbolikprofessor, der kommt nun nach Frankreich, steigt da in einem der besten Hotels von Paris ab und will am nächsten Morgen den Direktor des Louvre, des größten französischen Museums, treffen. Denn er recherchiert gerade so über Matriarchat, also so über Frauenherrschaft und so etwas, und da will er sich halt mit dem Professor zusammensetzen und ein paar Daten abgleichen.
Dazu kommt es gar nicht mehr, denn er wird des Abends von der französischen Polizei abgeholt, denn in diesem Moment wurde der Direktor des Louvre ermordet. Und wir als Leser des Buches oder als Zuschauer des Filmes bekommen auch mit, wie das geschieht. Es ist dann nämlich so ein zwielichtiger Killer, der sich in das Museum hineinschleicht, als schon alle weg sind. Das war der Direktor natürlich, und den schießt er da nieder, und wir wissen nicht ganz genau warum. Es kommt höchstens heraus: Da gibt es irgendein Geheimnis, auch wenn wir nicht wissen, was für ein Geheimnis das ist.
Professor Langdon kommt also auch in den Louvre, ist dann natürlich alles schaurig dabei, liegt da der Tote noch herum und sonst alles leer und dunkel. Und das, was er nicht weiß, aber was wir als Leser mitbekommen, ist, dass die französische Geheimpolizei ihn des Mordes verdächtigt, denn er ist immerhin einer der Letzten, der einen Termin mit ihm gehabt hat. Und darüber hinaus könnte es ja ein Konkurrent sein, was weiß ich, für Absatzzahlen von Büchern oder sonst was, weil sie über dasselbe Thema geforscht haben.
Und in diesem Moment taucht dann eine junge, hübsche, intelligente Frau auf. Das muss es ja auch geben, denn wie kann man solch einen Roman, so etwas Spannendes schreiben, ohne dass da nicht auch ein bisschen die Funken sprühen zwischen Mann und Frau? Also, die muss jetzt auftreten. Zufälligerweise ist sie auch Polizistin, sonst würde sie ja nicht an den Ort kommen, und noch zufälligerweise ist sie Enkelin des Louvre-Direktors. Und sie ist nun gar nicht sehr erstaunt darüber, dass ihr Großvater umgebracht worden ist. Zumindest in dem Buch scheint sie kaum eine Träne zu verlieren. Sie ist da und verliebt sich so ein bisschen gleich in den Professor, und sie lotst ihn dann in die Herrentoilette und sagt ihm dann eben, dass er verdächtigt wird. Aber sie verdächtigt ihn nicht, sie weiß sofort, er hat damit nichts zu tun, so intuitiv, das ist die Intuition der Frau. Woher sie das weiß? Und dann hilft sie ihm zur Flucht.
Der Rest des Buchs geht halt darum, dass sie vor der französischen Polizei, vor dem geheimnisvollen Killer und seinem Auftraggeber durch Paris fliehen und dann nach England fliehen usw. und gleichzeitig das Geheimnis des Mordes klären wollen. Denn der Louvre-Direktor hat noch vor seinem Ableben mit seinem Blut und noch ein paar Stiften, die er gehabt hat, alle möglichen geheimnisvollen Sachen aufgeschrieben. Und dann hat er sich noch richtig hingelegt und in einer bestimmten Pose sein Leben ausgehaucht.
Und diese Rätsel, die da kommen, die hinter einem Gemälde und auf dem Boden gemalt sind, die müssen sie nun lösen. Sie wissen nicht genau, worum es geht, aber einen ersten Hinweis bekommen sie zu einem Geheimschließfach in einer Bankfiliale, einer Schweizer Bank in Paris. Und da kommen sie auch hin. Erst einmal wissen sie natürlich nicht, was das Geheimwort ist, das Kennwort, wie kommen sie überhaupt rein? Sie rätseln ein bisschen herum, und natürlich finden sie das, das ist ja auch klar. Und dann hoffen sie, dass sie jetzt die Lösung endlich haben, aber alles Pustekuchen: Sie finden darin nur noch einen weiteren Hinweis für einen nächsten Schritt. Und das geht immer so weiter, ein Rätsel nach dem anderen.
Dann überlegen sie sich, dass ihnen jemand helfen könnte, und sie gehen in die riesengroße Villa des Sir Teabing, der wohnt in einem Vorort von Paris und ist der ultimative Graalskenner. Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich: Der Gral, was ist denn das? Na ja, also der Gral ist eigentlich so die wichtigste Reliquie des Mittelalters. Äh, jetzt fragt ihr euch, was ist denn eine Reliquie? Ja, also da müssen wir noch ein bisschen weitergehen.
Reliquie ist also ein Überrest von einem Heiligen. Also von irgendeinem vorbildlichen Gläubigen oder einer wichtigen Person der Bibel. Wenn die gestorben ist und dann ist irgendetwas von ihr übrig geblieben, das heißt ein paar Haare, ein paar Knochen oder eben Kleidungsstücke, dann geht man davon aus oder ging man davon aus in der katholischen Kirche, bis heute, das hat einen besonderen Grad der Heiligkeit, weil das ja in unmittelbarer Beziehung zu einer Person hat, die in ganz besonderer Nähe zu Gott stand. Also muss dann noch etwas Heiliges an ihr kleben sozusagen. Das ist bis heute in der katholischen Kirche üblich, denn diese Reliquien werden ja bis heute in allen Kirchen. Also in jeder katholischen Kirche gibt es eine Reliquie, normalerweise ist die unter dem Hauptaltar, und dadurch wird die Kirche geweiht. Wenn keine Reliquien, dann keine geweihte Kirche. Also das geht nicht, das ist die Idee bis heute.
Und so ganz fern ist diese Idee ja auch nicht, denn im nichtgläubigen Bereich gibt es so einen Reliquienkult ja auch, nur man nennt es dann anders. Aber stellt euch mal vor, da ist irgendeine Versteigerung und da wird die letzte Socke von Elvis Presley versteigert oder sowas. Oder was weiß ich, die Zahnspange von Madonna oder so. Und dann sagen die Leute: Ja, ich will das haben, ich gebe hier hunderttausend Euro dafür. Da muss man ja auch sagen, das ist es ja nicht wert, aber die finden das gut. Da ist der Schweiß von Elvis Presley oder von Michael Jackson mit dran, und da muss was Besonderes drin sein. Ich meine, das könnt ihr euch so ein bisschen vorstellen, was die Leute mit Reliquien verknüpft haben. So wie sie denken: Jetzt ist ein bisschen von Michael Jackson bei mir oder von Madonna oder von sonst jemandem, so sind die davon ausgegangen: Jetzt ist ein bisschen von Paulus oder Petrus oder dem heiligen Augustinus bei mir.
Und jetzt gab es einen Bestsellerautor im Mittelalter, so einen Romanschreiber, Wolfram von Eschenbach hieß der. Der hat wirklich gut geschrieben, kann man sagen, so ähnlich wie Dan Brown, nicht? Deshalb hat er den ja auch als Vorbild genommen. Und der hat eben den Gral erfunden. Der hat gesagt: Jetzt sind gerade Reliquien innen im Mittelalter, also muss in meinem Roman auch eine supertolle Reliquie drin sein. Und dann hat er die erfunden, und seine Reliquie soll nämlich der Kelch des letzten Abendmahls sein. Und das ist ja doppelheilig, einerseits, weil hier das erste Abendmahl gefeiert worden ist, und in der katholischen Kirche, und die gab es ja zu der Zeit von Wolfram von Eschenbach im dreizehnten Jahrhundert nur, also zu dieser Zeit, da ist ja die Eucharistie, wie die das nennt, das ist ja unheimlich wichtig. Und zum Zweiten soll in dem Becher dann auch noch das Blut Jesu aufgefangen worden sein, was er am Kreuz vergossen hat. Und dann ist es ja doppelheilig, denn das ist doch das Blut, wo Jesus für uns gestorben ist, wo unsere Sünden abgewaschen sind und all solche Sachen.
Und jetzt ist dann seine Geschichte von dem Gral: Es ist die Suche nach dem Endlosen, die Jagd nach diesem heiligen Gefäß. Denn wenn das gefunden würde, dann würde die Welt sehr besser gehen, Hunger und Armut würden vorbei sein, der Herrscher, der das hätte, der würde keine Schlacht mehr verlieren. Und so gibt es natürlich ein eifriges Gerangel darum. Da ist ja, das kennt ihr vielleicht, diese Geschichte von Parsival und so, das gehört alles mit dazu, die Suche nach dem Gral.
Er ist natürlich auch klug als Romanschreiber, der Wolfram von Eschenbach, denn diesen Gral findet man nie. Das ist ja auch klar. Wenn man einmal gefunden hätte in den Romanreihen, dann wäre es vor Ende, dann könnte er nicht mehr weiterschreiben. Also schreibt er einen Roman nach dem anderen, und man jagt ihm nach und jagt ihm nach, und er taucht halt nie auf. Und deshalb kann sich Sir Teabing in dem Roman auch noch bis heute mit dem Gral beschäftigen und darüber nachsuchen.
Und als nun die Sophie, also diese Polizistin, und Professor Langdon dort gemütlich in der Villa sitzen, dann erklärt er ihr alles Mögliche mit dem Gral, und dann erklärt er auch seine These. Denn er ist davon überzeugt, dass der Gral eigentlich gar kein Trinkgefäß sei. Sondern der Gral, das sei, da sagt er, das sei das größte Geheimnis der Weltgeschichte. Also jetzt verrate ich euch das größte Geheimnis der Weltgeschichte. Und er sagt auch, wenn dieses Geheimnis bekannt werden würde, dann würde die gesamte christliche Kirche zusammenbrechen. Also ihr müsst euch festhalten, was da kommt, sonst bricht euer Glaube auch gleich noch zusammen und so.
Nämlich das große Geheimnis ist: Der Gral ist eine Frau. Und zwar ist es nämlich so, dass Jesus nicht wortwörtlich sein Blut aufgefangen hat, sondern dass er sein Blut sozusagen in einer Blutslinie über Generationen hinweg vererbt hat, so dass bis heute noch Nachkommen Jesu unter uns leben. Und im Laufe des Buchs kommt dann auch heraus, wen wundert es denn schon, dass Sophie eine Nachkomme Jesu ist. Ja, also nicht bis heute. Und dann wird auch noch im Buch entwickelt, dass sie deshalb auch einen Anwärter auf den israelischen Königsthron hat und auch auf den französischen.
Ja, jetzt wisst ihr vielleicht nicht, warum auf den französischen. Ja, das hängt ja damit zusammen, dass, als Maria dann geheiratet, also das soll die Frau sein von Jesus, nicht? Als Jesus und Maria geheiratet haben, dann hatten sie Kinder, und als Jesus gestorben war, dann war eben der böse Petrus, der wollte unbedingt die Maria loswerden. Also musste sie mit Joseph von Aramäa fliehen, und die beiden sind nach Südfrankreich geflohen, haben sich dort niedergelassen, haben die Kinder Jesu aufgezogen, und diese Kinder Jesu waren eben erfolgreich und hübsch und so weiter, so dass sie dann in das merowingerische französische Königstum eingeheiratet haben, so dass dann eben die Nachkommen Jesu gleichzeitig die Merowinger sind. Da die Merowinger hinterher abgesetzt worden sind durch die Kapetinger, aber das sei auch alles in der Verschwörung mit drin gewesen, weil eben die bösen Leute das alles unterdrücken wollten. Deshalb sind heute die Nachkommen Jesu auch gleichzeitig die Nachkommen des französischen Königs.
Kleiner Schönheitsfehler an der Sache, so ganz nebenbei, ist, dass es ja weder in Israel noch in Frankreich heute Könige gibt. Also von daher wird das alles ziemlich witzlos, aber zumindest klingt ja schon mal ganz gut. Ich meine, vielleicht bin ich auch über hundert Ecken mit Karl dem Großen verwandt, ich müsste mal dem nachforschen, kann ich vielleicht auch Anspruch erheben auf den Thron von Deutschland oder so, König von Deutschland wäre doch auch nicht schlecht, so ja. Also ich muss mal nachforschen, vielleicht bis nächstes Jahr kann ich euch dann genaue Auskunft darüber geben, ob ich mich dann im Wahlkampf melde, hier Monarchie für Deutschland oder so etwas.
Aber gut, Spaß beiseite dabei: Er behauptet, dass das alles so gewesen sei. Also das größte Geheimnis der Weltgeschichte: Jesus verheiratet, und er hatte Nachkommen, die leben bis heute. Und während sie da nun so debattieren und die Sophie natürlich ganz erstaunt ist, was da alles so in der Geschichte sich getan hat, währenddessen steht plötzlich der Killer vor ihnen, den hatten sie ganz vergessen während ihrer Diskussion. Und der Killer steht vor ihnen, zack, will sie umbringen. Und dann ist der Sir Teabing, der ist zwar ein Krüppel, das heißt, er kann nicht richtig laufen und so, der hat dann aber eine Krücke, und mit der schlägt er den Profikiller schachmatt. Also das ist schon eine Leistung, muss man sagen, nicht? Der kann richtig dazuschlagen und so, also vor dem muss man sich in Acht nehmen.
Und während sie ihn gerade besiegt haben und schön zusammengebunden haben, steht plötzlich die französische Polizei vor der Tür. Also damit haben sie dann auch nicht gerechnet, doppelt verfolgt. Was machen sie? Sie schwingen sich in den Land Rover, der steht natürlich gerade bereit, machen sich vom Acker, fahren, sie fliegen tatsächlich so mitten über den Acker rüber, und kommen dann zum Privatflughafen. Den hat man natürlich auch so nebenher, wie man das sonst machen soll. Da steht auch schon der Düsenjet bereit von dem reichen und spleenigen englischen Sir Teabing, und dann jetten sie gerade mal nach England rüber.
Und als sie in England sind, da besuchen sie noch ein paar Kirchen, und schließlich kommt auch heraus, wer nun den geheimnisvollen Killer auf sie gehetzt hat. Und der Leser wie der Zuschauer des Filmes bekommt zwischendurch suggeriert, das sei die katholische Kirche, insbesondere in Form des Opus Dei, eines katholischen Ordens, denn der wird immer wieder erwähnt, und vor allen Dingen dessen Bischof wird dort erwähnt.
Aber in dieser Kirche in London kommt schließlich heraus, dass der Bischof des Opus Dei selbst ein Hereingelegter ist, dass er selbst eigentlich das gar nicht gewesen ist und ein ganz anderer dafür verantwortlich gewesen war. Nun seid ihr sicherlich gespannt, wer das war, aber ich werde es euch nicht verraten. Denn falls ihr das Buch noch lesen wollt oder den Film doch noch sehen wollt, ist es ja sonst total langweilig, und für die Handlung des Buches ist es eigentlich auch nicht interessant, es ist nicht so wichtig. Also es ist schön, wenn man das weiß, aber für die grundgesetzliche Argumentation spielt es keine Rolle.
Nun, nachdem schließlich entschleiert ist, wer das ist, wird der Sinn auch festgesetzt, der bringt noch ein paar Leute vorher um, und der Killer stirbt dann schließlich auch noch dabei. Und der Abschluss ist dann schließlich in der Rosslyn Chapel, solch einer kleinen mittelalterlichen Kirche an der Grenze nach Schottland. Und da trifft Sophie zwar nicht den Gral, denn den finden sie bis zum Ende nicht, das hat er dann so wie Wolfram von Eschenbach gemacht, man weiß halt nicht, wo er ist, und da hält er sich immer noch offen, ob er den Gral vielleicht nochmal auftreten lässt, nicht Dan Brown in einem nächsten Roman.
Nun, da kommen sie in die Rosslyn Chapel, die Sophie lernt plötzlich ihre Großmutter kennen, von der sie ausgegangen ist, dass die schon lange tot ist, und lernt dort auch ihren Bruder kennen. Und damit endet das eigentlich alles. Und dann machen die beiden, zwinkern sich noch zu, der Professor Langdon und die Sophie, und wollen sich vielleicht irgendwo in der Zukunft mal treffen. Und wie das nun weitergeht mit der Liebesgeschichte, das kann man dann selbst weiterspinnen.
Ja, das ist im Großen und Ganzen eigentlich die Handlung. Als ich diese Handlung und auch den Roman gelesen habe, muss ich sagen, der ist schon in gewisser Weise spannend, wobei ich viel lese, und das war dann auch nicht so schlimm, das so nebenher noch zu lesen. Und ab und zu lese ich auch gerne mal spannende Romane oder Thriller, und da war das schon, würde ich sagen, ganz spannend, war schon ganz interessant zu lesen, wobei manche Sachen in der Handlung fand ich irgendwie ein bisschen komisch. Also so als versierter Romanleser habe ich mir gedacht: Na, das klingt aber schon ein bisschen seltsam.
Also zum Beispiel ganz am Anfang diese Geschichte, als der Louvre-Direktor erschossen wird. Da soll er also noch ein Profikiller sein, der steht in einem geschlossenen Gebäude, hat das Opfer direkt vor sich, und dann steht da, dass eine ganze Magazinladung von seinen Kugeln da reinschießt, nicht so eins nach dem anderen, und er trifft ihn nur einmal. Und er trifft ihn dann nicht mal tödlich, sondern nur irgendwo im Bauch. Und da muss ich schon sagen, also so einen blöden Killer habe ich auch kaum mal in einem Noir-Roman oder in so einem Thriller gelesen, der nicht mal richtig schießen kann, scheinbar hat er irgendwelche Probleme mit den Augen.
Und dann ist es noch so: Dann steht er neben seinem Opfer und schaut ihn noch an und sieht, der zuckt da noch ein bisschen und erlebt noch etwas, und dann lädt er seine Pistole nach. Aber er erschießt ihn jetzt nicht, gibt ihm nicht mal den Rest, wobei er damit rechnen muss: Irgendwie kann er doch noch verraten, der kann doch jetzt noch aufschreiben, wer der Mörder ist, der hat ihn ja gesehen. Also kein Profikiller würde das, glaube ich, tun, sondern er würde sagen: Wenn ich hier schon nicht daneben geschossen habe, dann gebe ich ihm noch den Rest. Aber das darf ja in der Geschichte nicht sein, dann wäre der jetzt tot, dann hätte er ja nicht mehr aufschreiben können, wenn er nichts aufgeschrieben hätte, dann hätten sie nicht die Suche machen können, dann wäre alles vorbei. Also deshalb muss die Geschichte ja so kommen, auch wenn es ein bisschen blöd ist.
Und auch dieser Louvre-Direktor, der hat mich schon von Anfang an ein bisschen verblüfft. Nämlich, er ist ja Kunstkenner und so, aber dann ist er da am Boden und sagt, also ist er jetzt getroffen, und der ist scheinbar nebenher auch noch Professor für Medizin. Also ich meine, zumindest muss man davon ausgehen, denn der diagnostiziert sofort. Also er sagt nicht: Das tut mir jetzt weh, und hofft, dass ihn jemand findet, sondern der diagnostiziert: Ah, das ist ein Magendurchschuss, okay, mit einem Magendurchschuss habe ich eine Viertelstunde zu leben, jetzt mache ich mich mal eifrig daran und schreibe noch ein paar Sachen auf. Ja, wirklich, genau so ist das in dem Roman. Und da muss man sagen: Klingt doch schon ein bisschen komisch, nicht?
Also ich weiß nicht, ich bin ja jetzt nicht Mediziner, aber wenn ich irgendwie einen Schuss im Bauch hätte, wahrscheinlich würde ich an andere Sachen denken. Und vor allen Dingen: Woher bitte sehr weiß er denn genau, dass sein Magen getroffen ist? Das könnte doch genauso gut der Blinddarm oder der Dickdarm oder der Dünndarm oder die Niere oder die Bauchspeicheldrüse oder was weiß ich alles sein. Woher weiß er genau, dass das der Magen ist? Steht auch nicht da, aber der weiß das. Und er weiß auch sofort, wie lange er noch zu leben hat. Also, weil mich das halt interessiert hat, hatte ich da mal nachgeschlagen in einem Buch über Medizin, und da stand dann eben drin, dass so bei Bauchverletzungen, wenn jetzt nicht die Aorta getroffen ist, dann wäre es sowieso vorbei, dann bist du innerhalb von wenigen Sekunden zack hinüber, weil du dann verblutest. Aber wenn irgendein anderes Organ getroffen ist und man dich innerhalb der nächsten Viertelstunde findet, dass dann etwa 80 Prozent der Menschen überleben. Also das heißt, so sicher hätte es eigentlich gar nicht sein müssen, dass er tot ist. Also ist da die Frage: Warum muss er das dann unbedingt jetzt aufschreiben und rechnet schon damit? Also das sagt der Roman dann auch nicht, aber auch da habe ich mir gedacht: Klingt ein bisschen komisch, nicht?
Na ja, und dann, als ich das weitergelesen habe, da werden, das ist auch das, was das für viele Leute anziehend und spannend macht, da werden in dem Roman eine ganze Menge Details genannt aus der Geschichte, aus der Kunstgeschichte, aus der Naturwissenschaft. Da tauchen Namen auf von Leonardo da Vinci über Newton, also den Physiker dort, und über Biologie und über Mathematik und alles Mögliche. Und so ein paar Dinge, die kennt jeder, denn die Namen hat man schon mal gehört und ordnet die irgendwie ein, und dann werden da so Fachvorträge gehalten. Natürlich meistens zu der Sophie, die dann gerne zuhört dabei. Und da werden uns so manche Sachen unterschoben, so nach und nach, und bei manchen Dingen, an die ich mich halt noch so erinnere, da habe ich gedacht: Irgendwie scheint mir das komisch.
Also zum Beispiel hat er dann erzählt, wie toll die Schriftfunde von Qumran sind, weil die die Wahrheit sagen würden und die Bibel sei falsch, das eine seiner Thesen. Und dann sagt er so dem Bajar die Funde von Qumran, die von neunzehnhundertfünfzig gefunden worden sind. Da habe ich mir gedacht: Na ja, also ich kenne mich doch ein bisschen aus, da muss ich doch mal nachschlagen. Ich hatte es mich anders in Erinnerung, und tatsächlich: Die Funde von Qumran sind nicht neunzehnhundertfünfzig, sondern neunzehnhundertvierzig. Naja, jetzt kann man ja sagen, wenn man auf dem Weg zur Weltverschwörung ist, dann kommt es auf diese Feinheiten ja nicht mehr an, nicht? Wenn man die größten Geheimnisse der Weltgeschichte entschleiert, wer muss da schon noch auf drei Jahre achten? Ja, umgekehrt könnte ich natürlich fragen: Wenn einer schon in diesen Details, wo er nur mal im Internet auf Wikipedia hätte klicken müssen, da schon nicht genau hinschaut, wie soll ich dem glauben bei Sachen, die noch viel spektakulärer sind? So ging es mir ja.
Oder dann erzählt er seitenlang über die Wunder der Zahl Phi, wo die überall in der Natur vorkäme, in den verschiedenen Verhältnissen der Natur, in der Länge und Breite, von den Blütenstängeln zu den was weiß ich und so, er führt da alles Mögliche auf. Und eine Sache hat mich dann auch ein bisschen nachdenklich gemacht: Da erzählt er zum Beispiel, dass das Verhältnis der weiblichen zu den männlichen Bienen im Bienenstock ebenfalls der Zahl Phi entspräche. Ich meine, wer beschäftigt sich schon mit diesen Sachen, kann man sagen, aber immerhin, mich interessiert Biologie nach wie vor, und ich hatte es als Leistungskurs an der Gymnasium gehabt und erinnerte mich daran an die Bienen, da war doch was. Und tatsächlich ist es auch so: Nämlich mit den Bienen im Winter gibt es nämlich gar keine Drohnen, also die männlichen Bienen, das heißt, im Winter ist das Verhältnis eins zu null und nicht eins zu vier, also hat das damit nichts zu tun. Und im Sommer habe ich dann auch nachgeschaut, im Sommer ist das Verhältnis im Durchschnitt eins zu fünfzig und nicht eins zu vier, also da ist er so um den Faktor etwa dreißig daneben, liegt er dann da.
Da kann man auch wieder sagen: Naja, hätte ja sein können und so, aber das Buch ist voll von solchen Sachen. Also als meine Frau jetzt im Frühling in Paris gewesen ist, so unsere Verwandten besuchen, da war sie häufig in der U-Bahn unterwegs, hat mir auch gesagt, in der U-Bahn haben unheimlich viele Leute das Acrylid gelesen, nicht? Gerade in Frankreich, weil da spielt ja auch in Paris dort das Ganze ab. Und ja, dann hat sie so einige Sachen da eben gelesen und hat dann auch mein Heft da durchgelesen, also um mir dann so Korrekturen, Rechtschreibkorrekturen zu geben, ehe es dann alles gedruckt worden ist. Und da schreibt er dann zum Beispiel so nebenbei, als sie dann durch Paris durchfahren, da roch der Jasmin und so etwas, und das so im Frühling gewesen sein. Und dann sagte mir Viviane: Im Frühling wächst gar kein Jasmin in Paris. Also auch da hätte er nachschauen können.
Oder er hat vorne in seinem Roman, besonders in der Hardcover-Ausgabe, einen Stadtplan von Paris reingemacht, und da habe ich mal ein bisschen verfolgt, wo er dann lang gefahren ist. Und manchmal sind die Beschreibungen im Buch ein totaler Schwachsinn, im Grunde von dem, was er da im Stadtplan drin hat. Beispielsweise: Sie sind etwas nördlich vom Louvre, jetzt sollen sie vom Louvre fahren, und zwar ganz schnell mit der Polizei. Was beschreibt er? Jetzt fahren sie erst einmal weiter in die entgegengesetzte Richtung, also weiter in den Norden hinein, machen eine Drehung, fahren dann in den Süden zurück. Vollkommen unsinnig! Oder dann sollen sie die Bankfiliale in der Rue de Ruxaux suchen, und statt dann bei der Rue de Ruxaux ganz in den Osten zu fahren, fährt er ganz in den Westen und fährt noch durch den Bois de Boulogne, bloß weil er da noch ein paar Schwule sehen will, und vollkommen unsinnig. Ich meine, die will er nicht sehen, aber die will er im Roman beschreiben. Da will er auch sagen, wie dunkel es ist, und da schleichen die durch die Gegend und so, hat aber mit der Geschichte nichts zu tun, und die Straße ist auch gar nicht beim Bois de Boulogne.
Und da habe ich mir auch gedacht: Irgendwie mag ich Romane ja wenigstens, wenn sie schon etwas Erfundenes haben, dass sie so ein bisschen Realitätsbezug haben. Und wenn einer dann noch historische Personen nennt und von einer Stadt spricht und Straßen spricht und Orten spricht, die es wirklich gibt, aber die alle falsch beschreibt, dann ist das ein bisschen komisch, nicht? Oder er beschreibt dann zum Beispiel auch so eine Verschwörungstheorie, dass Mitterrand, der den Louvre erneuert hat, die Glaspyramide, die ja im Innenhof des Louvre steht, genau sechshundertsechsundsechzig Glaskacheln einbauen lassen hätte. Warum? Natürlich, weil das die Zahl der Offenbarung des Antichristen ist. Und so wird am Ende noch spekuliert, vielleicht sei ja genau unter dieser Glaspyramide der Gral vergraben. Geheimnisvoll, nicht? Wenn ihr das nächste Mal nach Paris geht, könnt ihr ja anfangen zu graben im Louvre. Wobei: Erst einmal zählen. Also, erst einmal ist es so, dass zwischenzeitlich der Louvre tatsächlich eine Sonderführung anbietet, könnt ihr im Internet lesen, Sonderführung auf den Spuren von Dan Brown. Voll ausgebucht diese Sachen immer, dann genau hinzugehen, wo der da herumgelaufen ist, also der Professor Langdon und so.
Und mit den 666 Kacheln ist auch noch ein kleines Problem: Diese Pyramide hat nämlich vier gleichseitige Flächen, und die Kacheln sind auch alle gleich groß, und rechnet immer schnell im Kopf nach, ihr merkt nämlich, es bleibt ein Rest von zwei. Also insofern hat er auch ein kleines Problem hier dabei, es sind keine 666 Kacheln. Und so sind viele Sachen von denen Sachen, wo man einfach sagen muss, das ist ja noch ein bisschen mühsam beim Lesen. Aber gut, immerhin spannend ist es schon, und Romanautor hat ja auch ein bisschen Freiheit, das Ganze zu erfinden. In meinem Buch nenne ich noch so zwanzig, dreißig andere Punkte, wo er total danebenliegt, das sind nicht alle, ich habe mir ja kein Ziel gesetzt, alle aufzuschreiben, aber zumindest ein paar. Das war also der Ausgangspunkt.
Die erste theologische Hauptthese
Und dann kommen natürlich all diese theologischen Thesen, die er aufbringt, und diese theologischen Thesen werden von vielen Menschen tatsächlich geglaubt. Also, die erste These, die uns theologisch interessiert, ist dann: Jesus war verheiratet gewesen. Und wie gesagt, das ist nicht so.
Manche tun das als Roman einfach weg und sagen: Roman, schön, habe ich gelesen, zack, und den Nächsten. Und bei den Leuten ist das ja alles kein Problem. Aber es gibt eben sehr, sehr viele Leute, die das lesen und sagen: Da ist was dran. Und das sind, wie ich vorhin gesagt habe, nicht nur dumme Leute.
Beispielsweise, als der Film hier anlief in Lippe, da hat die Lippische Landeszeitung, also die Lokalzeitung von dieser Gegend, die sieht man ja auch immer ausliegen, einen Pfarrer interviewt, einen Jörg Langbein hier aus einer Gemeinde da. Und der wurde dazu interviewt und schreibt: Na ja, in dem Roman sei manches erfunden, aber die Ehe Jesu, die sei real, Jesus sei tatsächlich verheiratet gewesen. Ja, und wenn jetzt ein Zeitungsleser das liest in Lippe, der ging doch davon aus: Wenn der Pfarrer da schon sagt, der studiert hat, dann muss das doch stimmen, der kennt sich doch aus, nicht? Also, wie gesagt: nicht nur dumme Leute.
Und dann schreibt er in seinem Artikel sogar, in der Bibel stünde sogar, dass Jesus verheiratet sei. Da steht nämlich sogar die Hochzeitsfeier Jesu, das sei nämlich die Hochzeit von Kana, das sei die Hochzeitsfeier Jesu gewesen. Ich habe das auch mit staunoffenem Mund gelesen und habe mich nebenbei gefragt, ob ich mich dann schon der Mehrehe, also der Polygamie, verdächtig mache, weil ich ja schon auf vielen Hochzeiten gewesen war. Und logischerweise müsste das ja so sein: Aha, ich bin auf einer Hochzeit, also bin ich der Bräutigam. Aber irgendwie so ganz schlüssig war das für mich nicht.
Ich habe mich auch gefragt: Wenn da steht, dass Jesus einfach eine Hochzeit besucht hat, wie viele andere Gäste auch, wieso soll er nicht einfach da gewesen sein als Besuch? Woher weiß er, dass das seine Hochzeit gewesen ist? Also, wie gesagt, in der Bibel steht nichts davon, aber in der frommen Fantasie des Pfarrers ist das drin.
Und dieser Pfarrer hat zwischenzeitlich auch ein Buch geschrieben, das heißt eben Sakrileg und die heiligen Frauen und so. Könnt ihr auch kaufen, nicht bei mir, lohnt sich auch nicht zu lesen. Ich habe es gelesen natürlich und dann werde ich zu sehen, was er darüber schreibt. Ich habe auch bei der Lippischen Landeszeitung angerufen, sie haben da mit mir noch ein zweites Mal gesprochen. Glücklicherweise haben sie es auch veröffentlicht.
Aber so bei den Journalisten ist es ja so: Ich habe jetzt einigen Journalisten gesprochen in der Zwischenzeit, also in den letzten Monaten, und da ist es so, die recherchieren häufig gar nicht so viel, weil die haben auch gar keine Zeit dazu. Heute bei einer Zeitung, da ist es als Journalist: Du musst so und so viele Artikel produzieren, und da hast du gar nicht so viel Zeit, da richtig nachzugehen. Und wenn dann schon der Pfarrer, der klingt ja glaubwürdig, der hat sogar ein Buch darüber geschrieben, wenn der das sagt, ja, dann muss das doch stimmen. Hinterher die Journalisten, die haben mir gesagt: Ja, so ganz geheuer war uns das ja auch nicht, aber irgendwie ja.
Aber wie gesagt, zumindest haben sie dann noch einen zweiten Artikel gebracht, fand ich auch ganz gut, und ich hoffe, dass sie den manchen dazu gebracht haben, das von der anderen Seite mal nachzusehen. Oder dann war ich in Bielefeld, habe da einen Vortrag gehalten. Dann war da von der Neuen Westfälischen Zeitung Journalisten, und mit denen habe ich dann hinterher auch gesprochen. Und die waren auch davon ausgemerkt, dass er sagt: Ja, aber irgendwas muss da doch dran sein, irgendwie stimmt das doch schon, und irgendwie war Jesus doch offen für die Frauen und so.
Das waren halt so eine Frau und ein Mann, und die waren nicht gläubig, nicht besonders religiös, aber die haben den Roman gelesen und hatten sich erst mal geärgert, dass ich das da so kritisiere, weil sie dachten, das war doch so eine schöne Idee. Also, wir müssen durchaus davon ausgehen: Es sind nicht nur einfache Leute, auch nicht nur dumme Leute, sondern durchaus auch intellektuelle Leute, die für solche Sachen offen sind.
Zum Teil liegt es sicherlich auch daran, dass vielen Leuten diese Geschichte der Bibel viel zu einfach, viel zu simpel und natürlich auch viel zu kompliziert ist. Wenn Jesus ein ganz normaler Mensch wäre, der ganz normal verheiratet gewesen wäre, das wäre doch viel einfacher.
Und National Geographic, also diese durchaus renommierte Zeitschrift, hatte vor eineinhalb Jahren, kurz vor Weihnachten, einen Artikel. Ich hatte mir die Nummer dann auch gekauft. Da stand dann drin, dass sogar Jesus zweimal verheiratet gewesen ist. Damit passt er ja umso mehr in unsere Zeit hinein, nicht? Dann können auch alle die froh sein, die nicht nur einmal verheiratet sind, sondern zweimal verheiratet sind, genau wie Jesus.
Ich habe das natürlich den ganzen Artikel durchgelesen, habe dann gesucht: Welches war denn jetzt die zweite Frau Jesu? Und dann kommen sie dabei heraus, das sei Lydia, die Purpurkrämerin, gewesen. Man kann staunen, nicht? Vor allem, weil Jesus ja schon tot war zu dem Zeitpunkt. Aber ja, was nicht alles möglich ist. Sie haben dann halt spekuliert, er sei nun gar nicht richtig gestorben und jetzt eine neue Lebensabschnittsgefährtin, sogar vor der Kreuzigung eine und nach der Kreuzigung eine, und dann sei er mit ihr herumgezogen.
Ich habe in dem ganzen Artikel natürlich gesucht. Da wurden dann Professor XY und Doktor So und so zitiert. Ich habe die ganze Zeit gesucht: Wo kommen denn die Argumente für die Ehe? Und weder für die erste Ehe noch für die zweite Ehe gab es irgendein Dokument, kein einziger historischer Hinweis dabei, sondern immer nur das Argument: Es hätte ja sein können oder wir könnten uns vorstellen oder so. Und da muss ich natürlich sagen: Ja, vorstellen kann ich mir auch viel, nicht? Aber das muss nicht deshalb unbedingt Realität sein.
Und insofern muss ich persönlich sagen: Wenn man morgen irgendein historisches Dokument ausgraben würde, meinetwegen das Standesamtarchiv von Nazareth, und würde da drinstehen: Ah, hier, was weiß ich, fünfzehn nach Christus oder zwanzig nach Christus, Jesus Christus – na, Christus hieß er ja nicht, aber Jesus, der Sohn des Joseph, hat geheiratet, Maria, die So und so –, ja, das wäre interessant, dann können wir darüber diskutieren. Aber solange es ja nicht ein Fitzelchen eines historischen Beweises dafür gibt, ist die Frage: Wie kommt man überhaupt auf die Idee?
Also, das wäre ja ungefähr, als wenn ich euch jetzt argumentieren würde: Na ja, Karl der Große aß gerne Bananenpudding. Na gut, zugegebenermaßen ist nicht ganz so spektakulär, nicht? Aber immerhin, man kann darüber diskutieren. Jetzt könnt ihr natürlich einwenden: Michael, damals in dieser Zeit erkannte man doch die Bananen in Europa gar nicht. Zugegebenermaßen, ihr habt recht, aber Dan Brown kümmert sich ja auch nicht um die historischen Details.
Also: Erich, ich mag gerne Bananenpudding. Dann sagt ihr mir vielleicht: Ja, wo hast du denn irgendeinen Hinweis? Gibt's einen Hinweis in seinem Tagebuch, dass er gern Bananenpudding gegessen hat? Dann sage ich: Nein, kein Hinweis in seiner Biografie, kein Hinweis in seinen Tagebüchern, gar kein Hinweis, aber es war einfach so, ich weiß das. Denn die Bananenlobby heute, die wollte das nur unterdrücken, dass man das damals schon gegessen hat, und was weiß ich, irgendeine Verschwörungstheorie, und bestimmt ist der KGB noch dahinter, deshalb durfte man in der DDR früher keine Bananen essen.
Ihr merkt, das kann man jetzt entwickeln zu einem ganzen Roman, das ist die Weltgeschichte der Banane. Ja, übrigens, ihr meint vielleicht, dass er das jetzt also aus der Nase gezogen hat, ganz so ist es nicht. Also zum Beispiel der Erich von Däniken, ein Büchlein habe ich auch über den geschrieben, der geht tatsächlich davon aus, dass die Banane von den Außerirdischen auf die Erde gebracht worden ist, als besondere Powernahrung für die Menschen, die sich deshalb so gut entwickelt hätten. Und der meint das allen Ernstes, nicht? Also auch als Wissenschaftler meint er.
Aber gut, wie gesagt, ich sage das jetzt über Karl den Großen, und dann würde ich euch mal fragen: Wie glaubhaft ist sowas? Und wahrscheinlich würde ich mir sagen: Das ist gar nicht glaubhaft, wenn wir gar keinen historischen Hinweis darauf haben. Aber genauso ist es bei Dan Brown, der sagt: Ja klar, Jesus war verheiratet gewesen. Wo ist irgendein historischer Hinweis? Und es gibt gar keinen.
Nun, er hat tatsächlich aber eine Argumentation in seinem Buch, und auf die will ich auch eingehen. Seine Argumentation ist: Ein Jude zur Zeit Jesu, insbesondere ein Rabbiner, hätte verheiratet sein müssen. Und da hat er recht, denn im Judentum war die Ehe positiv gefüllt. Im Gegensatz zur katholischen Kirche, wo der Priester ja unverheiratet sein muss, waren im Alten Testament alle Priester, die wir kennen, und die meisten der Propheten verheiratet gewesen. Warum? Weil die Ehe ja von Gott eingesetzt worden ist, schon vor dem Sündenfall. Die war ja gut, die ist ja nicht schlecht, an der Ehe ist nichts Anrüchiges sozusagen.
Und tatsächlich war es auch so, dass es im Judentum normal war, dass ein Mann geheiratet hat. Also so lediglos zu leben, wie das heute manchmal der Fall ist, das gab es da nicht, weil man gesagt hat: Ehe ist Geschenk Gottes, Kinder sind Geschenk Gottes, das ist die Erfüllung, die ein Mensch suchen soll, und deshalb sollte man auch heiraten.
Aber Dan Brown behauptet ja nicht, dass es der Normalfall war, sondern er sagt, Jesus hätte heiraten müssen, es sei gar nicht anders möglich gewesen. Und da müssen wir einhaken. Und da möchte ich zu bedenken geben, dass ganz so eindeutig sind die Sachen doch wohl nicht.
Gehen wir mal ins Alte Testament, dann meine ich zumindest, dass wir bei einigen Propheten einen vagen Hinweis darauf haben, dass sie nicht verheiratet waren. Also ich gehe zum Beispiel eher davon aus, dass Elia nicht verheiratet war. Erstens, weil nie eine Frau erwähnt wird, zweitens, weil er häufig unterwegs ist, sogar über mehrere Monate, zum Beispiel bei der Witwe von Zarephath, die ihn ja durchfüttert, aber seine Frau ist nicht dabei. Und hier würde ich davon ausgehen: Wenn er eine Frau hätte, würde er die wohl kaum in Israel verhungern lassen, das wäre ja zumindest kein guter Ehemann, und er geht nach Zarephath und haut sich den Bauch voll. Dann würde er zumindest ab und zu mal ein paar Kuchen dahinschicken und sowas, macht er auch alles nicht.
Das ist also ein Hinweis, er war nicht verheiratet. Als er dann sterben will in der Wüste und meint, er sei der Einzige, der übrig geblieben ist, dann gelingt ihm auch nicht an seine Frau. Also scheinbar waren die dann nicht gläubig und die Kinder auch nicht oder sie gab es gar nicht, was wahrscheinlich eher der Fall ist. Also er scheint so der Typ eines ledigen Propheten gewesen zu sein. Ist etwas spekulativ, aber es gibt einige Hinweise darauf.
Genauso habe ich den Eindruck, es ist auch mit Johannes dem Täufer gewesen. Denn erstens wird nie eine Frau erwähnt, und zum zweiten habe ich auch starke Bedenken, ob eine Frau mit ihm da in der Wüste das karge Mahl von gebratenen Heuschrecken und Wildmohn nicht geteilt hätte. Dann hätte es wahrscheinlich schon ein bisschen besser gehen müssen, zumindest denke ich, dass die Frau dafür gesorgt hätte, dass sie etwas Anständiges anzuziehen bekommen hat, nicht die ganze Zeit nur mit dem hehrenden Mantel herumzulaufen. Also zumindest meine Frau hätte dafür gesorgt, sie hätte das so nicht akzeptiert.
Zugegebenermaßen, auch das ist jetzt kein ganz ernsthafter Grund, aber es muss ja auch etwas Spekulation dabei möglich sein. Zumindest glaube ich schon, dass es ernsthafte Hinweise dafür gibt.
Viel eindeutiger haben wir es bei Paulus, denn der schreibt ja im 1. Korinther 7, dass er unverheiratet gewesen ist und sagt: So wie ich das war, so sollten es auch andere sein, die von Gott berufen werden. Und Paulus ist ja insofern wichtig: Der war ja jüdischer Pharisäer und Rabbiner gewesen, und das sogar ganz strenger. Und wenn er hätte heiraten müssen, ja wieso war er nun verheiratet? Und warum hat er sogar den wichtigen Auftrag bekommen, da hier nach Damaskus zu gehen, die Christen zu verfolgen? Das war ja nicht irgendein Pharisäer, sondern scheinbar ein ziemlich wichtiger Pharisäer, dass er diesen Job bekommen hat. Und er sagt ja auch später: Ja, wenn es schon Pharisäer gegeben hat, wenn einer durchs Gesetz gerettet werden würde, dann ich. Also er hat das ganz ernst genommen. Aber er war nicht verheiratet. Und das ist nie bestritten worden, es gibt ja auch keinen Hinweis, und er selbst sagt genau, er sei so nicht. Also er sei nicht verheiratet gewesen.
Und hier müssen wir sagen: Hier hätten wir eine Person zur Zeit Jesu, einen Zeitgenossen Jesu, der religiös anerkannt war, der Rabbiner gewesen ist und für den es scheinbar kein Problem war, unverheiratet zu sein. Dann habe ich auch im Talmud, also im heiligen Buch der Juden, nachgeschaut, und da gibt es zahlreiche Aussagen über Rabbiner zur Zeit Jesu. Und auch da finden wir den Hinweis, dass es andere Rabbiner gegeben hat zur Zeit Jesu, die auch unverheiratet waren. Zugegebenermaßen keine große Zahl, der Normalfall war, verheiratet zu sein, aber es gab durchaus auch andere Rabbiner, die im Talmud erwähnt werden, die nicht verheiratet gewesen sind.
Und dann haben wir als Letztes die Leute von Qumran. Das sind ja gerade die, auf die sich Dan Brown immer wieder stützt, wo er sagt, die haben die Wahrheit über Jesus. Und dann hätte er nur ein bisschen in meinen Forschungsberichte reinschauen müssen, dann hätte er nämlich gemerkt, dass bei den Leuten von Qumran der Großteil erst sehr spät geheiratet oder gar nicht geheiratet war, weil die nämlich davon ausgegangen sind, dass die Ehe, die fleischlich und irdisch ist, nicht so wichtig sei. Die geistige Entwicklung, das sei das Wesentliche, und deshalb heirateten meine Besten gar nicht.
Und diese Leute wurden damals in Israel als fromm angesehen, zum Teil als Vorbilder angesehen im geistlichen Bereich, obwohl sie nicht verheiratet waren, ein großer Teil von ihnen. Und hier merken wir: alttestamentliche Propheten, möglicherweise der Johannes, in jedem Fall der Paulus und die jüdischen Rabbiner im Talmud und die Leute von Qumran. Da war es möglich, immer unter frommen Juden auch nicht verheiratet zu sein und trotzdem als jüdischer Gelehrter und Mann anerkannt zu werden.
Und hier müssen wir sagen: Wenn wir diese fünf Gruppen haben, warum sollte Jesus dann unbedingt heiraten müssen? Ich würde sagen, dieses Argument ist dann ungültig, ist unsinnig, wenn es das einzige Argument ist. Denn wenn ich jetzt noch andere zitieren kann, irgendwo was finde, also wirklich einen Brief von Maria Magdalena oder eine Heiratsurkunde oder so, dann kann ich darüber diskutieren oder irgendeinen Augenzeugen oder sonst was. Aber es gibt ja zur Zeit Jesu gar keinen Kritiker des Christentums, wie noch irgendjemanden, der damals gelebt hat, der das aufschreibt oder nahelegt.
Also müssen wir sagen: Nur die Spekulation, Jesus hätte heiraten müssen, ist absurd und ist, wie ich jetzt gezeigt habe an einigen Fakten, auch nicht schlüssig.
Übrigens muss ich nebenher sagen: Ich persönlich hätte auch gar nichts dagegen, wenn Jesus geheiratet hätte. Also, ich persönlich bin ja verheiratet und bin es ganz gerne. Und ich hätte Jesus das durchaus auch gegönnt. Warum nicht? Irgendwann mal abends nach Hause kommen, mit seiner Frau noch zu sprechen und so und, was weiß ich, von ihr betreut zu werden, ich denke, das wäre für Jesus auch schön gewesen, nicht?
Und es wäre ja biblisch auch nicht verboten gewesen, denn in der Bibel gibt es ja kein Gebot, wo drinsteht: Du darfst nicht heiraten. Also für besonders geistliche Leute oder so, das würde ja genau dieser Auffassung der katholischen Kirche entsprechen, zu sagen: Also, du darfst nur heiraten, du darfst nicht heiraten, wenn du geistlich bist. Also da würde ich sagen, hätte ich ein gewisses geringeres Problem damit, dass er geheiratet hat. Und in meinem Glaubensbekenntnis übrigens steht ja auch nicht drin: Ich glaube an Jesus den Ledigen. Ich meine, bei euch wahrscheinlich auch nicht. Steht auch nicht in der katholischen Kirche, in der lutherischen Kirche, in der reformierten, bei den Baptisten, Mennoniten, Methodisten steht das auch nicht drin. Warum? Weil das eben untergeordnet wichtig ist.
Mein persönlicher Glaube würde auch nicht zusammenbrechen, wenn wirklich ein Beweis herauskommen würde, Jesus sei verheiratet. Wieso auch? Denn ich glaube ja nicht daran, in erster Linie an den Zivilstand Jesu, sondern ich glaube daran, dass er von Gott kommt, dass er Gott ist, dass er für meine Sünden gestorben ist, dass er auferstanden ist. Das gibt mir Zuversicht für die Zukunft, das gibt mir Sicherheit, dass meine Sünden vergeben sind, das gibt mir die Sicherheit, ich werde meine Ewigkeit bei Gott sein. Der Ehestand Jesu ist aber unwesentlich.
Aber nicht, dass ihr jetzt schon denkt: Also hier, der Michael würde uns überzeugen, Jesus sei verheiratet gewesen. Gar nicht, er spricht ja gar nichts dafür. Aber ich glaube sogar, Jesus hat freiwillig darauf verzichtet, nicht weil es sündig ist, sondern ich denke, er hat darauf verzichtet, weil er sich gedacht hat: Das gibt hinterher so einen Trubel, das gibt solch ein Durcheinander, die Menschen verstehen das nicht. Plötzlich meinen dann noch die Kinder oder die Ehefrau, sie seien besonders wichtig, weil sie Nachfolger Jesu Christi sind, so wie der Papst das dann auch meinte. Und dann hat er gesagt: Den ganzen Trubel, den lassen wir mal, schalten wir das aus. Und vor allen Dingen die Frau wäre hinter einer Witwe als Leine zurückgeblieben, wäre auch ein Problem. Also lassen wir.
Ich glaube, Jesus hat freiwillig darauf verzichtet, aus diesen geistlichen Gründen, zumal die Kinder wahrscheinlich hätten immer gedacht: Vielleicht bin ich ja jetzt ein Halbgott, Jesus ist Gott, dann bin ich vielleicht auch ein bisschen Gott. Was natürlich auch unsinnig ist, denn genauso mag Maria, die Mutter Jesu, ja auch nicht Gott, nur weil sie Gott geboren hat, also in Jesu, sondern war ein ganz normaler Mensch, genauso mit Sünde und all so etwas. Deshalb wäre das auch so kein Problem gewesen.
Aber wir sehen ja an Mohammed, der hatte ja gleich viele Frauen, und da gab es dann hinterher tatsächlich ein Hauen und Stechen und einen Mord, nachdem er tot war, wer nun der Nachfolger ist, unter den Söhnen und Frauen und Enkeln. Wir haben unsöhn und so, und wahrscheinlich wusste er das im Voraus: Das klappt nicht gut. Und dann sagt er: Auch meine Brüder und Schwestern sind die, die den Willen meines Vaters im Himmel tun. Also besser so als diese ganze Verdrehung da mit den Familien.
Aber ich denke, dass es biblisch nicht unbedingt hätte sein müssen, aber Jesus es getan hat, eben nicht geheiratet hat. Was ich dir einfach zum Ausdruck bringen will, ist diese Gesamtkonzeption: Die Kirche würde zusammenbrechen, wenn bekannt werden würde, Jesus sei verheiratet. Das halte ich für absurd. Das ist eine Sache, die mich in der Geschichte auch ein bisschen ärgert. Die finde ich gar nicht logisch. Also verstehe ich nicht, wie irgendein Kirchenführer jemanden ermorden sollte, nur für die Frage, ob Jesus verheiratet gewesen sei, oder dass gar die ganze Kirche zusammenbrechen würde.
Ich denke, wenn es wirklich einen historischen Beweis geben würde für die Ehe Jesu, würde keine einzige Kirche zusammenbrechen. Man würde sich ein bisschen ärgern, ein bisschen diskutieren, man würde sich freuen, besonders die Feministinnen: Aha, Jesus und die Frau war auch gut und so. Würde es für manche sogar noch einen Aufschwung geben, ja super. Aber das würde wahrscheinlich relativ wenig ändern. Es würde wahrscheinlich nur einige geben, die sagen: Ja, jetzt war er bestimmt nicht Gott, er war nur ein ganz normaler Mann gewesen, wie alle anderen auch. Aber das würde nicht grundsätzlich zum Zusammenbruch der gesamten Kirche oder der Bibel oder sonst was führen. Das will ich jetzt nur nebenbei sagen. Und ich betone nochmals: Ich glaube nicht, er war verheiratet.
Nun, wenn wir die Geschichte weitergehen, dann müsste die eigentlich beendet sein. Aber gehen wir doch noch mal etwas auf Dan Brown ein, denn er bleibt ja nicht dabei stehen: Jesus war verheiratet, er meint sogar zu wissen, wer es war. Denn im Normalfall wüssten wir das ja nicht. Im Normalfall haben die Juden, und er meint ja, Jesus hätte geheiratet wie jeder andere Jude auch, im Alter geheiratet, im Alter von fünfzehn, sechzehn damals die Männer, also ihr wärt hier schon zum größten Teil verheiratet. Und dann hätte Jesus jetzt irgendeine Dorfschönheit aus Nazareth geheiratet, so wäre das normalerweise. Und von der hätten wir nie wieder was gehört, weil die in der Bibel ja nicht auftaucht.
Das wäre aber langweilig für Spekulanten wie für Dan Brown, also durchforsten sie das ganze Neue Testament und suchen da: Wo ist da eine Frau, die vorkommt? Da tauchen ja nicht viele Frauen auf. Maria, die Mutter Jesu, scheidet von vornherein aus, das geht ja nicht, ist ja seine Mutter. Also dann gehen sie weiter, was tauchen da noch für Frauen auf, und dann sind da gar nicht mehr so viele. Manche werden nur einmal genannt, was weiß ich, wie die Witwe von Nain, also dem Jüngling von Nain nur einmal genannt, oder die blutflüssige Frau auch nur einmal genannt. Und die sind auch nicht so spektakulär, nicht so irgendwie mit Faszination dabei. Also bleiben die Spekulanten immer an derselben Person hängen, nämlich Maria Magdalena.
Und dann wurde sie über Jahrhunderte hinweg noch zusammengeworfen mit der großen Sünderin, die die Füße Jesu wäscht mit den Tränen und mit den Haaren trocken, und sagt, das sei dieselbe. Und dann wird dann noch spekuliert, sie sei eigentlich mal Prostituierte gewesen oder zumindest Ehebrecherin. Wobei das natürlich alles nicht in der Bibel steht, denn bei der Sünderin, die die Füße wäscht, da steht nämlich gar kein Name, und welche Sünde sie getan hat, steht da auch nicht. Da steht nur eine große Sünderin, und ob sie eine große Diebin gewesen war oder eine große Lügnerin oder sonst was, das wissen wir alles nicht, reine Spekulation. Und dass Maria Magdalena gewesen ist, ist es noch viel unwahrscheinlicher, denn bei Maria Magdalena lesen wir in Lukas 8,1-2, dass Jesus von ihr sieben Dämonen ausgetrieben hat und dass sie deshalb aus Dankbarkeit für diese Heilung mit Jesus umhergezogen ist. Das ist das einzige, was wir von ihr wissen.
Und dann taucht sie auf, dass sie noch mal beim Kreuz dabei ist und bei der Auferstehung dabei ist und so weiter, eine Jüngerin Jesu, jemand, der Jesus nachgefolgt ist aus Dankbarkeit, dass Jesus ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben hat, das ist Maria Magdalena. Von einer engeren Beziehung ist in der ganzen Bibel keine Rede. Aber auf diese Frau stößt man nun also, und die muss es gewesen sein. Und jetzt fragen wir uns wieder: Woher wissen sie das denn? Außer dass wir sagen: Es hätte sein können. Ich könnte ja auch die These aufbringen, vielleicht war er mit Salome verheiratet. Also da gibt es ja nicht diese Salome, also nicht die Tochter von der Herodias oder so, sondern da gibt es ja noch diese andere Salome, auch in Lukas 8 erwähnt, die da mit herumzieht, oder die Frau des Ruhers, die war ja schon verheiratet, deshalb sei ihr Mann gestorben, aber ich könnte ja noch irgendeine andere Frau annehmen.
Also, was nennt er dabei? Er nennt insbesondere zwei Stellen aus sogenannten apokryphen Evangelien. Nun, was sind diese apokryphen Evangelien? Da gibt es eine ganze Menge, da gibt es zum Beispiel das Thomasevangelium. Dan Brown zitiert insbesondere aus dem Evangelium der Maria Magdalena und aus dem Philippusevangelium und aus der Pistis Sophia. Es gibt noch ein paar andere. Diese Evangelien berichten auch über das Leben Jesu, aber aus viel späterer Zeit. Man nennt sie apokryph, weil sie pseudonym geschrieben worden sind. Also, was ist das? Pseudonym ist: Da nimmt einer den Namen einer wichtigen biblischen Person an und sagt, das hat diese Person geschrieben, zum Beispiel Maria Magdalena, und sagt, das ist so.
Diese Evangelien sind aber, wie wir heute wissen, aus dem Ende des zweiten Jahrhunderts, also das heißt so 180, 200, manche sogar noch später. Und jetzt die schwierige Quizfrage: Ein Evangelium, das um 200 nach Christus herauskommt, kann das von Maria Magdalena geschrieben worden sein? Nein. Warum nicht? Zu dem Zeitpunkt war sie tot. Ja, die war doch zum Zeitpunkt lange tot. Maria Magdalena ist nicht zweihundert Jahre alt geworden, denn seit Psalm 90 wissen wir: Das Alter des Menschen ist siebzig, wenn es hochkommt achtzig und manchmal dann auch neunzig, aber zweihundert wird seit Noah niemand mehr. Also, da wissen wir, das ist gar nicht möglich.
Und sie war ja kirchengeschichtlich tot, wir wissen das. Und das war von irgendwelchen anderen frommen oder weniger frommen Leuten geschrieben worden, aber die haben sich gedacht: Wenn da Heinz Müller drunter steht, dann liest das ja niemand. Heinz Müller schreibt über Jesus? Sondern haben sie gesagt: Aber wenn Maria Magdalena über Jesus schreibt oder Philippus, der Jünger Jesu, dann liest man das doch. Aber wie gesagt, bewusst sind sie nicht in der Bibel drin, weil sie apokryphe Evangelien sind, weil sie erst viel später geschrieben worden sind.
Und von denen zieht er nun zwei heran, drei genauer gesagt, die drei, die ich jetzt genannt habe, und aus denen zitiert er und meint, beweisen zu können, dass Maria Magdalena die Frau Jesu war. Nun, was steht denn da drin? Also in einem dieser Evangelien steht das, zitiert er dann auch: Da steht Maria Magdalena, also Jesus küsste Maria Magdalena. Ist das nicht schockierend? Und für Dan Brown ist gleich ganz klar: Aha, geküsst, die sind verheiratet gewesen.
Also, er fälscht allerdings noch ein bisschen, muss man sagen, obwohl er an Seite neun seines Romans da schreibt, dass er alle Dokumente zuverlässig und historisch genau zitiert hätte, was übrigens beim Leser noch den Eindruck erweckt, er sei jetzt wirklich historisch genau. Könnt ihr nachlesen im Vorwort? Und er dankt noch allen möglichen Museen, dass sie so recherchiert hätten, wobei er hat recherchiert ziemlich oberflächlich, muss man sagen, und er fälscht seine Dokumente so auch hier. Er schreibt nämlich: Und Jesus küsste Maria Magdalena auf den Mund. Im Originaldokument steht aber von dem Mund nichts, sondern einfach nur, dass er so und so geküsst hat. Aber nehmen wir mal erst einmal das So küssen und hinterher auf den Mund küssen.
Also, ich muss sagen, dieser schockierende Verweis ist für mich nicht überzeugend, dass sie verheiratet gewesen sind. Ich muss hier ehrlich bekennen, ich habe schon verschiedene Frauen geküsst, nicht? Also, ich meine nicht, dass ihr jetzt denkt, euer Bibelschullehrer von Brake so, hallo, dreht hier überall rum, küsst alle möglichen Frauen. Nein, so nicht. Ich meine jetzt alles so im legitimen Bereich, also ich meine meine Frau natürlich, meiner Mutter habe ich früher auch ab und zu mal einen Kuss gegeben, meinen Töchtern auch, auch jetzt noch. Die sind ja noch in dem Alter, wo das dann durchaus legitim ist und so. Also, das ist ja durchaus möglich, und dazu ist meine Frau ja aus Frankreich, und da ist das sowieso ein bisschen anders, da küsst man nämlich ein bisschen eifriger als in Deutschland.
Und das war dann auch so, als ich das erste Mal nach Frankreich kam, meine späteren Schwiegereltern getroffen habe, dann habe ich nach guter norddeutscher Manier meinem zukünftigen Schwiegervater die Hand entgegengestreckt, so guten Tag gesagt, und dann kam auf mich zu, hat gar nicht meine Hand beachtet, sondern mich umarmt, dann mich gleich abgeküsst. Ich war erst mal etwas erschreckt, aber ich kann euch versprechen: Ich habe meinen Schwiegervater später nicht geheiratet.
Ja, aber ich meine, Dan Brown sagt doch nicht, geküsst, also geheiratet. Und da muss ich sagen, das ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, ich finde das nicht unbedingt ganz logisch. Zumal wir ja zum Beispiel im vorletzten, im drittletzten Vers, im 2. Korintherbrief könnt ihr nachlesen, was Paulus da nämlich schreibt. Da schreibt er nämlich: Grüßt einander mit dem heiligen Kuss der Liebe. Aha, scheinbar war es nicht nur heute in Frankreich, sondern auch damals zumindest unter den ersten Christen üblich, sich mit einem Kuss zu begrüßen. Dieser Kuss war also nichts Anstößiges, hat nichts zu tun mit irgendeiner Liebschaft oder einer Ehebeziehung, sondern dieser apokryphe Autor aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, der hat halt gesehen, in der Gemeinde ist das so üblich, dann hat Jesus wahrscheinlich die Maria Magdalena, weil sie ja auch seine Jüngerin war, auch mal geküsst. Und was ist dabei? Nichts.
Und so müssen wir sagen: Dieser Hinweis auf den möglichen Kuss Jesu, wahrscheinlich hat er nie stattgefunden, aber selbst wenn er stattgefunden hat, sagt er uns über die Ehe Jesu nichts. Und hier müssen wir sagen, so geht er mit Argumentation vor, und Leuten, die sich nicht auskennen, Leuten, die nicht nachfragen, für die scheint das erst mal plausibel: Ja, er war verheiratet!
Und dann kommt die zweite Stelle, und die ist dann natürlich noch schockierender dabei. Wie gesagt, aus etwas späterer Zeit, nicht historisch, sage ich ja immer wieder dazu, nicht dass ihr denkt, das sei jetzt nun wirklich in den historischen Evangelien. Und zwar zitiert er aus einem anderen Evangelium, da steht nämlich: Maria Magdalena war die Gefährtin Jesu. Und dann schreibt Dan Brown weiter: Jeder, der des Aramäischen mächtig ist, weiß, Gefährtin heißt Ehefrau. Aha, hier hat er also einen wörtlichen Hinweis: Jesus war mit Maria Magdalena verheiratet.
Nun, und da ich in meinem Studium neben Latein und Griechisch auch Hebräisch gelernt habe und ein bisschen Aramäisch, habe ich mir gedacht: Ich bin da so ein bisschen des Aramäischen mächtig, schlage ich mal nach und sehe im Lexikon. Jeder, der des Aramäischen mächtig ist, stellt fest: Die Gefährtin heißt nicht Ehefrau. Ja, also da müssen wir einfach sagen, wahrscheinlich war Dan Brown nicht des Aramäischen mächtig und hat deshalb geschrieben.
Also, ich habe da nachgeschlagen: Erste Bedeutung ist Begleiter auf einer Reise. Also wenn man Gefährte ist, man reist zusammen irgendwohin, das ist der Begleiter. Und das war ja Maria Magdalena tatsächlich in der Bibel. Wie gesagt, in Lukas 8 steht ja, er hat Jesus begleitet, sie hat Jesus begleitet auf der Reise, wie andere auch. Dazu bedeutet es als zweite Sache Mitglied einer religiösen Organisation oder politischen Partei, also so ähnlich, wie man Genosse sagen würde. Nicht Genosse, so sagt man dann Gefährte: Du bist mein Gefährte, du bist auf demselben Weg in dieser religiösen Gruppe oder in der Partei. Und das war Maria Magdalena ja auch, denn sie war Mitglied der ersten Gemeinde, sie war Nachfolgerin Jesu, also das bedeutet erst einmal Gefährte.
Und dann habe ich gelesen, so als Fußnote ganz am Ende nach fünf anderen Bedeutungen, da kommt: In seltenen Fällen kann es auch Ehepartner heißen, aber dann muss es aus dem Kontext deutlich werden. Jetzt habe ich den Kontext in dem apokryphen Evangelium nachgelesen, und da steht nie irgendetwas, was auf Ehe hindeuten sollte. Es ist sogar so, dass ein Kapitel weiter berichtet wird von Johannes, dem Jünger Jesu, er sei Gefährte Jesu im selben Evangelium, nur ein Kapitel weiter.
Und da haben wir natürlich ein kleines Problem: Wenn Gefährte wirklich immer Ehepartner bedeutet, dann hätte Jesus hier ein Problem, nicht? Dann hätte er nicht nur Maria Magdalena geheiratet, sondern auch noch den Johannes. Also Polygamie und dann auch noch Homosexualität und so, also das wäre ja nun wirklich sehr revolutionär. Aber ich vermute, dass Dan Brown dieses Evangelium nie gelesen hat, sondern dass er nur irgendwo mal gehört hat: Ah, da steht was von Gefährtin, das passt gut, also zack, bauen wir das damit ein.
Und dann bin ich dem noch etwas weiter nachgegangen und war ganz verblüfft, als ich festgestellt habe, dass dieses Evangelium ursprünglich gar nicht auf Aramäisch geschrieben worden ist, sondern eben auf Koptisch. Das heißt, ob nun Gefährtin auf Aramäisch Gefährtin, also Frau, Ehefrau, bedeutet, spielt gar keine Rolle, weil es eben gar nicht auf Aramäisch geschrieben ist. Nun, ich kann euch allerdings auch versichern, ich habe dann auch nachgeprüft mit dem Koptisch, und auf Koptisch heißt Gefährtin auch nicht Ehefrau. Also hier können wir sagen, diese wichtige Stelle, die er zitiert, aus dem wahren apokryphen Evangelium sagt uns über die Ehe Jesu nichts aus.
Jetzt können wir sagen: Die Bibel sagt nichts, historische Dokumente sagen nichts, die von ihm zitierten apokryphen Evangelien sagen auch nichts über eine Ehe, sondern sagen bloß etwas über eine Beziehung, dass man in einer religiösen Gemeinschaft ist und dass man sich einen Kuss gegeben hat, mehr nicht.
Ja, was spricht denn sonst noch für eine Ehe Jesu? Und dann kommt Dan Brown mit dem Gemälde, was ihr da hinten gepuzzelt habt. Dann sagt er nämlich: Leonardo da Vinci, der wusste über die Ehe Bescheid und hat deshalb ganz geheim in sein Bild Maria Magdalena in das letzte Abendmahl eingeschleust. Interessante Idee, nicht? Also wir können uns jetzt darüber unterhalten, ob das wirklich Maria Magdalena ist oder nicht. Selbst wenn sie es ist, wie stark ist denn das historische Argument?
Überlegt mal: Der Leonardo da Vinci lebt im 15. Jahrhundert, 1400 Jahre nach dem Leben Jesu. Wenn der nun auf die Idee kommt, Jesus sei verheiratet, dann hat das nicht mehr historische Qualität, als wenn Dan Brown das in einem Roman behauptet, nämlich gar keine. Denn der Leonardo da Vinci, auf welche Dokumente kann er sich denn stützen? Auch auf keine. Und das heißt, wenn er im 15. Jahrhundert auf die Idee kommt, dann hat das keine Auswirkung. Das ist ähnlich so, wie ich jetzt anfange zu spekulieren über Karl den Großen, und der ist nicht mal so lange tot, der ist erst 1200 Jahre tot. Jesus war zu seinem Zeitpunkt schon 1400 Jahre tot, und plötzlich kommt eine neue Idee. Das hat gar keine Relevanz.
Darüber hinaus gibt es eigentlich gar keinen Hinweis darauf, dass das Maria Magdalena sein soll, und da merkt man auch: Dan Brown argumentiert nicht wirklich tiefgehend, er sagt bloß einfach: Schau diese Person an, die sieht doch ganz weiblich aus. Ja klar, wenn man da erst einmal hinschaut, könnte man sagen, das wäre unter Umständen auch eine Frau. Welche Argumente sprechen für ihn dafür? Wesentliche lange Haare und kein Bart.
Nun, wenn ihr mich heute anschaut, ich habe heute Morgen auch keinen Bart, weil ich ihn abrasiert habe. Ihr müsst allerdings keine Bedenken haben, ich bin deshalb trotzdem keine Frau. Nun, zugegebenermaßen, bei mir fehlen die langen Haare, nicht? Aber es gab durchaus auch Männer in der Vergangenheit mit langen Haaren, schaut euch mal manche Bilder von den Pietisten an, nicht? So aus der Zeit, da war es nämlich üblich, manche hatten ihre langen gepuderten Perücken und manche hatten auch so lange Haare als Männer. Und in der Renaissance war das sowieso üblich. Schaut euch so Selbstdarstellungen von Dürer an oder so, der hat schulterlange Haare aus dieser Zeit. Oder eben auch in der Zeit von Kollegen von Leonardo da Vinci hatten auch lange Haare, das war nämlich in der Renaissance durchaus üblich, besonders Künstler hatten dann lange Haare.
Und wahrscheinlich hat ja Dan Brown einfach bloß die Leute so gemalt, wie er sie sich zu seiner Zeit vorgestellt hat. Deshalb sind übrigens die Leute auf dem Bild auch alle so bleichhäutig, und deshalb haben die auch alle keine schwarzen Haare. Das ist ja nicht historisch, er will damit ja nicht sagen, die haben sich alle damals gefärbt oder das waren Germanen gewesen, sondern damals die Jünger Jesu, die waren wahrscheinlich alle braunhäutig und dunkelhaarig, aber von den Typen auf dem Bild ist also kein einziger. Also dann merkt man: Das ist ja nicht historisch, gar nichts ist da historisch, als einfach bloß die Vorstellung eines Renaissancemenschen, wie er es gewesen sein könnte. Aber er sagt über die Historie nichts aus.
Und übrigens, wenn er auf das Bild schaut, ich denke, er findet noch drei andere Jünger ohne Bart und noch mehrere mit langen Haaren, ohne dass Dan Brown jetzt sagt: Da sind noch mehr Frauen, die sich darunter gemischt haben.
Nun, wer ist es denn wirklich? Es ist Johannes, und da war nie ein Streit darüber. Denn in der Bibel steht, dass er bei diesem letzten Abendmahl an der Brust Jesu lag, und das tut er nämlich genau, der liegt da ganz nah bei Jesus. Warum? Weil es der Jünger ist, den Jesus lieb hatte. Und das hat nichts mit Homosexualität zu tun, wie manche von Homosexualität und Kirche der Organisation behaupten. Es hat einfach damit zu tun: Er hatte ihn gern, so wie andere Männer ja auch Männer gern haben können. Es muss ja nicht gleich eben dann da Homosexualität hinterstehen.
Ja, also ist es Johannes, und Johannes wird nämlich auch bei anderen Künstlern weiblich gemalt. Warum? Weil er soll eben mehr der weibliche Typ sein. Er ist mehr der einfühlsame, nicht so der Kämpfer wie ein Petrus, sondern mehr der etwas ruhige. Und von diesem Typ wird er eben gemalt, weiblich. Und das nicht nur bei ihm, sondern auch bei anderen.
Leonardo da Vinci schreibt in all seinen Tagebüchern keinen einzigen Hinweis, dass er dachte, Jesus sei verheiratet oder von Maria Magdalena. Es gibt kein zeitgenössisches Dokument, nur die Spekulation von Dan Brown, sechshundert Jahre nach Leonardo da Vinci. Insofern hat das nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Jesus wirklich verheiratet war.
Damals konnte ein Künstler auch nicht einfach malen, was er wollte, sondern er hat Auftragswerke bekommen, da wurde ganz genau festgeschrieben, was drin sein sollte. Also es wäre auch gar nicht möglich. Er phantasiert von Leonardo da Vinci auch sonst noch viel zusammen.
Dan Brown zum Beispiel schreibt in seinem Roman, dass Leonardo da Vinci Hunderte von Auftragswerken gemalt hätte für den Vatikan. Schaut mal in der Biografie nach, er hat ein einziges Auftragswerk für den Vatikan gemalt, zwar für ein paar andere Kirchen, aber für den Vatikan nur eins. Und dann merkt man auch, das ist alles nicht, er hat keinen Hand, Hand und Fuß, und er spekuliert dann, dass eben die Mona Lisa, da stecke eine geheimnisvolle Verdrehung von Worten drin, in Wirklichkeit sei das nämlich eine mannweibliche Figur, deshalb sei die Mona Lisa auch nicht ganz männlich und nicht ganz weiblich, spekuliert er darin, und da sei eigentlich Amon et Isa stünde da drin, und Amon ist eben ein griechischer, ägyptischer Gott, ein männlicher Gott, und Isa als eine ägyptische Göttin, und das sei hier vermischt worden.
Kleines Schönheitsproblem wieder hier: Leonardo da Vinci hat seinem Gemälde nämlich gar keinen Namen gegeben. Dieser Name kommt erst Generationen später, also Jahrzehnte später wird ihm erst gegeben, und zwar von Kunsthistorikern aus der nachfolgenden Zeitlinie, die spekulieren, wer könnte das gewesen sein. Und wenn er dem Bild keinen Namen gibt, dann kann er selbstverständlich auch nicht in den Namen irgendwas Geheimes einbauen, nicht? Eigentlich logischerweise.
Aber wie gesagt, Dan Brown geht mit der Geschichte ein bisschen freier um, könnte man sagen. Also, jetzt sehen wir: Mit der Ehefrau klappt das nicht ganz so gut und mit Maria Magdalena auch nicht.
Frauenbild, Mutterkult und die Rolle Jesu
Ich möchte noch auf zwei weitere wichtige Thesen eingehen, die für uns als Christen von Bedeutung sein können, ehe ich dann, ehe wir in die Diskussion kommen, noch einige andere Sachen anspreche.
Also, der nächste Punkt ist: Er geht davon aus, Frauen sind gut und Männer sind schlecht. Zumindest wird er jetzt das Herz der Hälfte des Publikums hier erreicht haben, wenn er euch schmeichelt und sagt: Ja, ich habe als Frau doch schon immer gewusst, wir sind die besseren Menschen.
So definiert er das dann auch. Er beschreibt dann, die Männer sind verantwortlich für die Kriege, die sind so kriegerisch, also die sind böse. Die Männer sind auch verantwortlich für die Umweltzerstörung, denn die haben ja alle die Maschinen erfunden, die die Umwelt kaputt machen. Also, das ist auch so. Und überhaupt, die Männer quälen ihre Frauen und so weiter und so weiter. Also, die Männer sind böse.
Und deshalb war Jesus auch der Frauenkenner und der Frauenversteher. Jesus hat schon immer eine Ader für die Frauen gehabt, schreibt er dann, und deshalb hat er auch gewollt, dass Maria Magdalena die erste Päpstin werden sollte. „Maria Magdalena sollte die erste Päpstin werden“, sagt Anne Brown, hätte Jesus gesagt.
Das kleine Schönheitsproblem ist natürlich auch da, dass Jesus ja gar keinen Papst, weder männlichen noch weiblichen, eingesetzt hat. Denn er sagt ja nur zu Petrus: Du bist der Felsen, auf den will ich die Gemeinde bauen. Dass es da irgendwelche Nachfolger gibt und dass die jetzt an der Spitze irgendeiner Kirche stehen, das steht ja in der ganzen Bibel nicht. Und dass Maria Magdalena das sein soll, steht da auch nicht. Aber er meint, das sei nun so, und das stünde insbesondere in den apokryphen Evangelien, wo denn auch sonst.
Und tatsächlich müssen wir sagen, und da geht er noch weiter: Er sagt sogar, Jesus sei der Anhänger des großen Mutterkults gewesen. Also hätte Jesus an die große Muttergöttin geglaubt und hätte die verehrt. Und nur der böse Petrus, weil das so ein Macho gewesen sei, der hätte das alles unterdrückt. Und deshalb hätte er Magdalena ja auch ins Exil getrieben, eben nach Südfrankreich und so, und hätte sich an ihre Stelle gesetzt und hätte das Ganze unterdrückt. Aber Jesus hätte die große Muttergöttin angebetet.
Da kann man sich fragen: Wie kommt man denn auf diese verrückte Idee? Da steht doch in der Bibel gar nichts drin. Und tatsächlich steht in der Bibel nichts. Und wenn ihr lest, es gibt kein einziges historisches Argument, was er anführt. Es gibt dann so Spekulationen, zwar seit dem Matriarchatsforscher Bachofen. Der hat am Ende des 19. Jahrhunderts diese Idee aufgebracht. Besonders stützt man sich auf so kleine Figurinen. Also man hat dann so kleine Figurinen, das sind weibliche Figuren aus der Steinzeit, meistens mit dickem Bauch und großer Brust. Und da sagt man, das seien Fruchtbarkeitsgöttinnen.
Jetzt kann man fragen: Woher weiß man denn das? Ja, das weiß keiner so ganz genau. Denn man findet die ja nicht mit dem Beipackzettel. Da steht ja nicht dran: Hier, das ist Muttergöttin aus unserer Zeit. Zack, zack, wenn ihr die später mal findet. Sondern man findet einfach diese Figuren, und dann kann das alles Mögliche sein, nicht? Und ob es nun männliche Figuren gibt, das weiß ja keiner, weil man ja nie alles ausgegraben hat. Und stellt euch mal vor, in zweitausend Jahren gräbt mal einer unsere Müllkippen um. Was findet der denn da? Da findet er lauter Barbie-Puppen, nicht? Und dann sagt er auch: Aha, damals hatten sie die weibliche Gottheit gehabt. Ja, natürlich, das wäre doch die logische Schlussfolgerung, oder? Denn wer weiß, ob diese Figuren nicht steinzeitliche Barbie-Puppen gewesen sind. Wäre doch genauso möglich. Oder vielleicht waren es einfach Sachen, die man zur Dekoration an die Wand gestellt hat. Wäre genauso möglich.
Also, dass es jetzt nun Göttinnen gab und dass es nur Göttinnen gab, ist totale, reine Spekulation. Das weiß kein Mensch. Aber Dan Brown geht davon aus, das ist Fakt, das ist Tatsache. Überhaupt: Der Gott des Alten Testaments ist ein matriarchaler Gott, die Frauen sind super, die Männer sind schlecht, und Jesus hat deshalb auch an die tollen Frauen geglaubt.
Tja, und dann weist man noch hin, dass es irgendwelche Mythen gibt, von den Amazonen und sowas, eben dem griechischen Turm und so. Aber diese Mythen sind ja halt nur Mythen, keine historischen Fakten.
Ich habe unter anderem an der Universität auch Religionswissenschaft studiert, also mich mit den Religionen der Welt auseinandergesetzt. Und wenn wir jetzt schauen, die ältesten Religionen, die es gibt, also das sind insbesondere die historisch gesehen Indiens, Babyloniens, Chinas, Assyriens und so weiter, Ägyptens, wenn wir die sehen, dann gab es da immer, und zwar von Anfang an, sowohl männliche als auch weibliche Gottheiten. Und zwar war die Geschichte meist so: Vater, Mutter, Kind.
Why? Wenn sich ein Mensch nämlich Gott erfindet, wie das ja der Ursprung vieler Religionen ist, dann macht er das genauso als Abbild von dem, was er auf der Erde findet. Und hier auf der Erde gibt es halt nicht nur Frauen, sondern es gibt Vater, Mutter, Kind. Also haben die Götter auch Vater, Mutter, Kind. Und dann gibt es Eifersuchtszenen, und der eine bringt den anderen um, und der geht mal fremd, und so ist die ganze Götterwelt da, und zwar in allen diesen Religionen.
Und in allen diesen Religionen sind die Frauen nicht immer die Friedlichen und die Guten und die Netten. Und ich hoffe, ich verscherze es mir jetzt nicht mit allen Frauen, die hier sind. Ich glaube auch nicht, dass die Frauen immer die besseren Menschen sind. Frauen können manchmal auch gemein sein. Also, ich rede dabei nicht über meine Frau.
Aber immerhin denkt man in der Weltgeschichte: Da gab es solche Leute wie Maggie Thatcher, die eiserne Kanzlerin. Die konnte zuschlagen, Falklandkrieg und sowas. Also, das war wirklich hier eine harte Frau. Ihr Nachfolger, der John Major, der galt eher als Schwächling dazu, nicht? Oder denkt an Katharina die Große. Die hat ihre Liebhaber einen nach dem anderen abserviert und umbringen lassen. Auch nicht gerade friedlich als Frau, oder? Und die ganze Geschichte ist voll auch von solchen Frauen.
Also ist es nicht unbedingt so, dass Frauen immer lieb und nett sind. Und auch heute, also ich meine, ich will euch jetzt nicht denken als Ehemänner, dass ihr sagt: Ja, meine Frau auch. Nein, das sollt ihr ja nicht tun. Eure Frauen sind ja alle lieb und nett. Aber es gibt Frauen, das soll ich sagen, die auch nicht nur lieb und nett sind. Und in der Bibel lesen wir auch: Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen. Und da sind nicht nur Männer mitgemeint, sondern auch Frauen mitgemeint.
Und wie gesagt, in der Götterwelt ist es so, dass da die Frauen auch nicht immer lieb und nett sind. Also, da gibt es zum Beispiel die Athene im Griechentum. Das ist eine Göttin des Krieges, wird deshalb meistens mit Helm und Schild dargestellt. Nicht unbedingt die Pazifistin, nicht Peace oder so, sondern Krieg.
Oder denken wir an Artemis, die wird dargestellt, wie sie einer wilden Meute des Nachts umherzieht und schwangere Frauen und kleine Babys verfolgt. Auch nicht gerade friedlich, nicht? Oder denkt an Amaterasu, die höchste Göttin der Japaner. Die hat erst mal den gesamten Götterhimmel von Männern befreit und dann alle umgebracht und sich dann an die Spitze gestellt. Auch nicht friedlich, oder? Oder denkt an Kali, eine der älteren hinduistischen Gottheiten. Die wird normalerweise dargestellt mit blutriefendem Mund, Blut kommt heraus, und Totenköpfen um den Hals. Auch nicht gerade friedlich, oder?
Und in meinem Heft zeige ich euch noch einige andere weibliche Gottheiten, wo ihr hinterher sagen könnt: Na ja, die weiblichen Gottheiten waren nicht ganz so, wie Dan Brown sie beschreibt. Also, das ist mehr so eine Fantasievorstellung. Und er denkt: Ach, die glückliche Muttergottheit. Ich weiß nicht, vielleicht hat er auch irgendein Problem mit seiner Frau oder mit seiner Mutter oder was weiß ich. Wenn ich jetzt Freud wäre, müsste ich das ja sagen und er träumte sich deshalb hinein, da die große Mutter, und in die wird alles nur lieb und nett und so. Aber in der Religionsgeschichte war das nicht so.
Also hier müssen wir sagen: Es gibt keinen Hinweis, erst mal, dass es früher ein Matriarchat gab, wo wirklich nur die große Muttergottheit angebetet wurde. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass Jesus oder im Alten Testament diese große Muttergottheit angebetet worden ist.
Was richtig wichtig ist: dass Jesus den Frauen viel positiver gegenüberstand als viele andere Menschen seiner Zeit. Deshalb werden gerade im Lukasevangelium viele Frauen genannt, die mit ihm als Rabbi herumzogen. Und Rabbiner haben sich damals mit Frauen normalerweise nicht abgegeben. Es gab dann zu der Zeit sogar die sogenannten wundgestoßenen Pharisäer. Das waren nämlich diejenigen, die sich für besonders heilig hielten. Jedes Mal, wenn sie einen Frauenrock um die Ecke schwappen sahen, dann haben sie die Augen geschlossen und sind weitergelaufen. Und dann haben sie gesagt: Wir haben mit unseren Augen nie eine unreine Frau gesehen.
Und ihr könnt euch natürlich vorstellen, dann sind sie weitergelaufen, dann kamen sie an die Wand, brrr, dann lagen sie da. Und deshalb hießen sie die wundgestoßenen Pharisäer, weil die halt so heilig waren, dass sie lieber auf der Nase lagen, als eine Frau anzuschauen. Das war zum Teil so im Judentum zur Zeit Jesu.
Aber Jesus war so nicht, sondern er geht zur Sünderin, er geht zur Frau am Brunnen, er nimmt solche Leute wie die Maria Magdalena in seine Jüngerschar mit auf. Auch Frauen haben in der Urgemeinde eine wichtige Stellung. Ich will jetzt nicht diskutieren, darf eine Frau Älteste sein oder Pfarrerin werden oder sowas, das ist etwas ganz anderes, da sagt die Bibel auch etwas anderes darüber. Aber Frauen haben eine wichtige Stellung bei Jesus, und das war schon anders. Aber eine wichtige Stellung heißt nicht, dass er sie angebetet hätte. Und da müssen wir sagen, ist ein deutlicher Unterschied.
Also auch hier: Dan Brown, da hast du historisch sehr schlampig gearbeitet, müssen wir sagen.
Der Streit um Bibel, Kanon und historische Zuverlässigkeit
Und dann kommen wir zum letzten Punkt. Der letzte Punkt trifft uns natürlich auch als Christen. Da behauptet Dan Brown, dass das Neue Testament, das wir heute haben, nur rein zufällig so geworden sei, und zwar insbesondere unter dem Druck von Konstantin dem Großen, der im Jahr 311 das Römische Reich erobert habe und danach das Christentum zur Staatsreligion erhoben hätte. Dann hätte er die Bibel verfälscht, weil es seinen politischen Vorstellungen so am ehesten entgegenkam.
Und das ist natürlich ein hartes Stück. Denn dann müssten wir ja sagen, dass diese Bibel, wie wir sie heute haben, nicht zuverlässig ist, dass sie uns gar nicht sagt, wer Jesus wirklich war. Damit wird uns die Grundlage unseres Glaubens in Frage gestellt.
Und es gibt ja tatsächlich diese apokryphen Evangelien. Dan Brown schreibt zwar davon, dass es Hunderte davon gab, so viele sind es nun doch nicht. Er schreibt auch, dass sie hochgeheim seien und deshalb von der Kirche unterdrückt würden. Das ist auch falsch. Ihr könnt in jeden Buchladen gehen, außer vielleicht bei A. Louis, der hat solche komischen Sachen nicht. Aber ihr braucht einfach nach Lemko zu gehen, in irgendeinem Buchladen könnt ihr die apokryphen Evangelien kaufen, wie viel ihr wollt. Denn die sind heute nicht geheim.
Also er schreibt auch, dass die Rollen von Qumran, dass alles geheim sei, man solle es unterdrücken, und die Funde von Nag Hammadi, die seien auch geheim und unterdrückt. Alles total falsch. Die könnt ihr heute alle kaufen, ist gar kein Problem. Und ihr könnt darin lesen, und da steht gar nichts Besonderes drin. Da steht auch nicht drin von der Ehe Jesu, da steht nichts von der Muttergöttin drin. Diese Sachen stehen da alles nicht drin. Das heißt, er nennt immer diese Sachen, da steht häufig sogar das Gegenteil drin von dem, was Dan Brown behauptet.
Also, ich habe diese Schriften ja gelesen. So Auszüge zitiere ich auch in meinem Büchlein, da könnt ihr mal drin lesen und könnt euch versuchen, das zu verstehen. Da steht dann zum Beispiel: „Ja, die Astralseele zog durch den Kosmos und kämpfte gegen die Archonten.“ Solche Sachen stehen da drin. Und ihr fragt euch jetzt: Astralseele, Archonten, was ist denn das? Und genauso sagen die meisten Forscher heute auch. Ich zitiere da einen Forscher, der sagt: Aus diesen apokryphen Evangelien, die sind zwar ganz interessant, aber keiner kann sie so richtig verstehen. Und den brauchen wir natürlich auch nicht.
Und zum Beispiel in einem Evangelium, dem Thomasevangelium, steht, da sagt nämlich Petrus zu Jesus und sagt: Wie kann Maria Magdalena denn in den Himmel kommen, da sie doch eine Frau ist? Und Jesus antwortet darauf: Kein Problem, wir werden sie zu einem Mann machen. Das ist natürlich jetzt nicht biblisch, das sind apokryphe Evangelien. Aber nur insofern, weil ja Dan Brown sagt, diese apokryphen Evangelien seien so total super auf Frauen drauf, also Frauen seien so super und Frauen seien so toll, würden die apokryphen Evangelien schreiben. Dann zitiert man nur solche Sachen. Also steht an mich gar nicht drin, Frauen werden in apokryphen Evangelien den meisten eher etwas abgehört, im Gegensatz zur Bibel. Also auch hier falsch.
Er sagt dann auch, dass Konstantin der Große in die Bibel, die wir jetzt haben, erst hineininterpretiert hätte, dass Jesus Gott sei. Das stände früher gar nicht drin, und die apokryphen Evangelien würden das auch nicht schreiben, sagt er. Und das sei beim Konzil von Nicaea 325 erst beschlossen worden, und das nur ganz knapp, sagt er.
Also, ich unterrichte unter anderem Kirchengeschichte. Ich habe dann gleich mal nachgeschaut: Die Abstimmung ging aus 116 zu 2, knappes Ergebnis, nicht? Ja, ich meine 116 dafür. Aber nicht einmal dafür, dass Jesus Gott war, denn das stand früher lange fest. Es ging nämlich bei dem Konzil von Nicaea gar nicht um die Gottheit Jesu, sondern nur um das Verhältnis der göttlichen und der menschlichen Eigenschaften zueinander.
Denn das kann ich euch auch sagen, und ihr könnt nachlesen, in welchem apokryphen Evangelium ihr wollt: Kein einziges apokryphes Evangelium sagt, Jesus sei nicht Gott. Das Problem der apokryphen Evangelien war eher, dass sie gesagt haben, er sei nicht Mensch. Also genau das Gegenteil. Dan Brown will ja sagen, er sei nur Mensch, und deshalb habe er geheiratet, Kinder gehabt und so. Die apokryphen Evangelien sagen im Gegensatz: Er war nur Gott. Man nennt das eben so, dass er ein Scheinleib hatte, also das wird da behauptet.
Warum? Weil die meisten der apokryphen Evangelien gnostischen Hintergrunds sind. Und die Gnostiker gingen davon aus: Es gibt zwei Götter. Der eine Gott ist der böse Gott der Schöpfung, der die Materie geschaffen hat. Die Materie ist schlecht, und damit ist auch das Fleisch schlecht und alles andere. Und der gute ist der Geistgott, das sei Jesus. Und deshalb müsse man das Alte Testament auch abschreiben, das hat nichts mehr zu sagen, das ist ja der böse Gott. Der gute geistige Gott ist Jesus, und deshalb hätte Gott ja auch nie Fleisch annehmen können. Weil er damit ja das Negative angenommen hätte. Er sei dann mit einem Geistleib, man nennt das auch Doketismus, über den Boden sozusagen geschwebt.
Und das sei das Ziel auch für uns. Wir müssten uns vergeistigen durch Meditation, durch die richtige Ernährung, mit Lichtnahrung, die wir aufnehmen. Gibt es heute in der Esoterik auch wieder diese ganzen Geschichten, und dann würden wir zum reinen Geistbrot werden. Und diese Spekulation gibt es hinterher immer wieder: Altes Testament abgewertet, Judentum abgewertet und so weiter.
Und jetzt gibt es zwei Wege davon noch. Die einen sagen: Weil der Leib nichts mehr wert ist, deshalb müssen wir uns enthalten von Ehe, enthalten von Essen und so weiter. Und die anderen sagen: Weil der Leib nichts wert ist, kannst du mit dem Leib machen, was du willst, weil es ja nicht darauf ankommt. Die einen sind die sogenannten Libertinisten, das andere sind eben die Gesetzlichen sozusagen.
Und genau diese Leute treten schon auf am Ende des ersten Jahrhunderts, die ersten von denen. Und Johannes, der Jünger Jesu, hat mit ihnen zu tun und schreibt deshalb in seinem Evangelium wie auch in seinem ersten Brief genau über diese Leute. Was sagt nämlich Johannes dort? Wenn ein Geist nicht bekennt, dass Jesus ins Fleisch gekommen ist, der ist nicht von Gott. Und genau das ist ja diese These der Gnostiker, genau die These, die wir in diesem gnostischen Evangelium wiederfinden.
Und deshalb schreibt er auch im Johannesevangelium: Das Wort war bei Gott, und das Wort Logos ist eben der heilige Begriff der Gnostiker, da haben sie ja das Wort, Wort, Weisheit, Wissen, das ist super, das ist rein geistig. Und dann schreibt er, und da ekelte es tatsächlich den Gnostikern, und das Wort wurde Fleisch. Oh, das ist natürlich für einen Gnostiker fürchterlich, das geht ja gar nicht. Und da ist der springende Punkt.
Also die gnostischen Evangelien bezeichnen gerade nicht Jesus nur als Mensch, das Menschliche finden sie ganz schlimm. Und deshalb stimmen sie natürlich nicht überein, dass er geheiratet hat und Kinder gehabt hat, sondern sie gehen davon aus, er war eben nur Gott. Und da müssen wir sagen: Dan Brown, wenn du diese These vertreten willst, Jesus war Mensch, dann beruf dich doch besser auf die biblischen Evangelien, denn die sagen, er war Mensch, zwar nicht nur Mensch, aber er war immerhin Mensch mit Angst, mit Hunger, mit Freude, mit Tränen und all diesen Sachen: Mensch und Gott.
Und wenn wir sehen, hat denn tatsächlich erst dieses Konzil beschlossen, dass Jesus Gott war, dann müssen wir doch mal hineinschauen: Was steht in unseren biblischen Evangelien? Und diese biblischen Evangelien sind ja tatsächlich im ersten Jahrhundert geschrieben, das bezweifelt ja auch kein Mensch. Wir haben ja Funde, Carsten Peter Thiede datiert so ein Fragment aus dem Markusevangelium auf das Jahr 60 bis 65 nach Christus. Dann haben wir von Papias, dem Schüler von Johannes, dem Jünger Jesu, der schreibt schon um das Jahr 115, dass die Evangelien alle abgeschlossen sind, dass die alle jeder kennt, historisch gesichert.
Wenn wir das lesen, dann schauen wir doch mal in die Evangelien rein. Da wird ja doch schon als Gott gesagt. Da sagt er: Ich und der Vater sind eins. Oder: Niemand kennt den Vater als nur durch mich. Oder da steht, als Thomas vor ihm niederkniet, sagt: Mein Herr und mein Gott. Oder solche Sachen. Und dann sagt er: Ich kann Sünden vergeben. Als der Gelähmte durchs Dach gelassen wird, vergibt er ihm die Sünden, und die Pharisäer sagen: Das kann doch nur Gott tun. Und Jesus sagt: Ja, genau so ist es.
Also er bezeugt sich doch so, dass er Gott ist. Er kann den Sturm stillen, was nur Gott tun kann, wo die Leute das merken. Also das war doch eigentlich alles ganz klar. In den Evangelien war so klar, dass nie jemand im Christentum, weder die Apokryphen noch die Irrlehrer noch sonst jemand, auf die Idee gekommen wäre, er wäre nicht Gott. Auf diese Idee kommt erst die atheistische Neuzeit mit Dan Brown und solchen Leuten. Aber in dieser Zeit ist niemand auf die Idee gekommen, also von daher total absurd.
Und jetzt ist die Frage: Wurde denn die Bibel wirklich nach politischen Ideen zusammengestellt? Und da müssen wir sagen: Nein, denn der Kanon des Neuen Testaments stand schon lange fest, vor dem Konzil von Nicaea. Lange bevor Konstantin der Große an die Macht kam, stand das fest. Übrigens sagte auch Konstantin der Große, er hätte ein Staatschristentum eingeführt, was historisch auch falsch ist. Das wurde nämlich erst hundert Jahre später eingeführt. Konstantin der Große hat das Christentum nur zur religio licita, das heißt zur erlaubten Religion, erklärt. Die anderen Religionen wurden währenddessen genauso weiter praktiziert, also auch das nebenbei war falsch bei ihm.
Wir finden nämlich schon bei jenem Papias, der schreibt: nur diese vier Evangelien, die sind wahr. Dann haben wir den Kanon Muratori, 150 nach Christus, das ist so ein Kanon, in dem beschrieben wurde, welche Bücher in der Gemeinde als wirklich von Gott eingegeben angesehen wurden. Und da finden wir wieder dieselben Bücher. Dann haben wir den Irenäus von Lyon, um 180 nach Christus, lange vor Konstantin dem Großen, und er schreibt wieder: Genau diese Bücher sind wahr, und diese anderen gnostischen Evangelien, die kannte er auch, und über die schreibt er auch, und er sagte: Das weiß doch sowieso jeder, dass die nur erfunden sind und nicht zuverlässig sind.
Das heißt, das war in der Gemeinde gar nicht umstritten. Es ist nie irgendwie in der Gemeinde diskutiert worden, ob das Maria-Magdalena-Evangelium oder das Philippusevangelium in die Bibel aufgenommen werden sollte. Und unter Konstantin dem Großen wurde das nur in einer offiziellen Verlautbarung der Kirche noch einmal festgeschrieben, nichts anderes. In der Gemeinde war das lange, lange vorher bekannt. Das schreibe ich übrigens in meinem Heft auch, da könnt ihr ja noch die Details nachlesen, wenn ihr das wollt.
Also hier sollten wir uns auch von Dan Brown nicht einschüchtern lassen. Die Christen hatten damals auch ihre festen Gründe dafür. Erster Grund war: Ein biblisches Buch konnte nur aufgenommen werden, wenn es von einem Autor war, der Jünger Jesu war oder der seine Information direkt von einem Jünger Jesu gehabt hat. Also damit ist zum Beispiel Matthäus, Johannes, die sind Jünger Jesu, klar, die können da hineinkommen.
Bei Paulus war das so eine Sache, aber Paulus schreibt von sich selbst ja, dass er der Spätberufene, der Letzte der Apostel sei. Er begegnet Jesus ja auch, wird direkt von ihm berufen. Er hat übrigens ja auch als Zeitgenosse Jesu gelebt. Er schreibt ja später davon, dass er bei der Steinigung des Stephanus dabei war, also wahrscheinlich war er Zeitgenosse Jesu gewesen. Darüber hinaus schreibt Petrus in seinem Petrusbrief, da erkennt er ihn auch als Apostel an. Beim Apostelkonzil sagen die anderen Apostel auch: Er ist Apostel wie wir. Also da merken wir, das ist eine Ausnahme, deshalb kommt auch er darin vor.
Und dann haben wir natürlich die Offenbarung, das ist auch durch den Jünger Johannes geschrieben. Und dann haben wir solche Sachen wie Lukas. Lukas war Begleiter des Paulus, das lesen wir im Kolosserbrief und auch in der Apostelgeschichte, und er schreibt nicht auf, was er erfunden hat, sondern er schreibt nur auf, was der Paulus ihm gesagt hat über das Leben Jesu und der Petrus, denn den kannte er auch. Also das heißt, er hat mehr gesammelt, was die anderen geschrieben haben, und aufgeschrieben, deshalb kamen die rein.
Aber alle, die nicht Augenzeugen waren, die nicht Jünger waren oder nicht ihre direkten Schüler, die wurden nicht in die Bibel aufgenommen. Nicht aufgenommen wurden auch diejenigen, die anonym geschrieben haben. Man hat gesagt: Anonyme Autoren kann man nicht trauen, man weiß nicht, wer dahinter steht, so wie man bei einer anonymen Anzeige normalerweise auch nicht nachgeht, so auch da nicht. Und deshalb wurden all diese Leute, die unter dem falschen Namen geschrieben haben, rausgeschmissen.
Deshalb wurde unter anderem auch beim Hebräerbrief lange gestritten: Soll man ihn aufnehmen oder nicht? Weil der Hebräerbrief steht ja kein Autor dabei. Aber dann waren sich die Christen der damaligen Zeit ziemlich sicher. Die haben gesagt: Das muss nicht von Paulus sein, von der Theologie her passt das ganz gut zu ihm. So gingen sie aus der Wahl von Paulus oder von Barnabas aus. Da haben manche auch auf Barnabas getippt, da haben sie gesagt: Na ja, gut, Barnabas, hier Mitarbeiter des Paulus und so, und das geht auch noch. Und dann hat man ihn reingenommen. Aber das war der einzige Streitpunkt, den man gehabt hat.
Aber alle anderen flogen raus, wo man sicher war, die sind erst viel später, die können gar nicht von biblischen Personen sein. Ein drittes Argument war ein dogmatisches Argument. Da hat man gesagt: Wenn da etwas drinsteht, was gegen die Schriften steht, die wir genau wissen, dass sie von Jesus sind, das wird nicht aufgenommen. Warum? Paulus sagt doch schon in Galater 1, selbst wenn ein Engel vom Himmel komme und ein anderes Evangelium predige, er sei verflucht. Da ist doch das lehrmäßige Argument drin.
Und so wurde überprüft: Stimmt es mit dem Alten Testament überein, was da wahr ist? Und stimmt es mit den gesicherten neutestamentlichen Schriften überein? Und dann flogen natürlich viele dieser apokryphen Schriften, kam erst gar nicht in Frage, denn wenn da von zwei Göttern steht und davon, dass die Schöpfung schlecht sei oder solche Sachen, das ist doch ganz klar, dass das falsch war. Und wenn da drin steht, dass Jesus nicht für deine Sünden gestorben ist, sondern dass er nur ein Vorbild war und du dich selbst heraufarbeiten kannst in deiner Meditation, dann wusste man auch: anderes Evangelium, zack, kommt da nicht rein. Es waren keine politischen Gründe, sondern ganz schlichte logische Überlegungen.
Und dann haben die Leute noch ein viertes Argument gehabt, und das war mehr das Lebenspraktische. Da haben die nämlich gemerkt, das verändert unser Leben, was da drinsteht. Die haben gemerkt, da steckt Autorität dahinter. Wir lesen das ja auch in der Bibel, als Jesus gepredigt hat, dass die Leute merkten, er sprach mit Vollmacht und nicht wie die Pharisäer lehrten. Und da haben die Leute gemerkt, das lässt sich umsetzen, er verändert mein Leben, das ist erlebbar. Und so haben die Leute das ausgewählt, dass in den einzelnen Gemeinden von der Basis sozusagen die Leute sich einig gewesen sind: Diese biblischen Schriften gehören rein wegen Autorenschaft, anonymer Autoren, Lehre und dem persönlichen Erleben und Prüfen, so dass, als Konstantin der Große gekommen ist, schon lange klar war, welche Schriften dazugehören.
Also auch da sollten wir uns von Dan Brown nicht irgendwie verunsichern lassen. Nun, an dieser Stelle möchte ich einfach mal kurz einen Unterbruch machen. Ich könnte euch noch mehr darüber erzählen. Ihr könnt aber auch noch mehr, wenn euch das interessiert, nachlesen. Ich habe ja da vorne auf dem Tisch hier beim Ausgang, wo der Missionstisch ist, ein paar meiner Bücher hingelegt. Da findet ihr mal ein Heftchen über das Sakrileg. Da braucht ihr dann nicht 600 Seiten zu lesen, sondern das sind nur 100 Seiten, und da habt ihr noch viel mehr Information und vor allen Dingen zuverlässige historische Information, bei Dan Brown werdet ihr das mitnehmen. Ihr könnt natürlich so ein bisschen drin lesen, solltet mir 4 Euro dalassen, könnt ja irgendwie ins Kästchen da werfen.
Und ich habe da auch noch ein paar von meinen anderen Büchern hingelegt, so eines über den Islam, so ein bisschen umfangreiches Gewalt im Islam, wenn das interessiert, könnt ihr nachschauen, eines über Weihnachtsbräuche, eines über Homosexualität, da ist mein Name zwar vorne nicht drauf, aber innen drin ist er, wenn ihr ihn sucht, also über Homosexualität, woher das kommt, dann über Schöpfung und Evolution, über chinesische Methoden, Akupunktur und so etwas, über UFOs steht da noch ein Heftchen, ich glaube, das sind sie. Und da könnt ihr gerne nachschauen, könnt das mitnehmen, und ihr könnt darin lesen, wenn ihr wollt. Wenn ihr das mitnehmt, dann allerdings gebt mir das Geld dafür. Also das könnt ihr machen.
Ihr könnt auch jetzt gerne noch Fragen stellen. Nach einem kurzen Unterbruch werde ich nämlich noch Zeit für Fragen geben. Ich möchte hier vielleicht nur noch damit abrunden, indem ich sage: Seht das Sakrileg nicht nur als negativ an. Das Sakrileg hat auch seine positiven Seiten, und zwar zum Beispiel die, dass wir über diesen Roman mit vielen Menschen ins Gespräch über den Glauben kommen können. Denn viele eurer Arbeitskollegen und Zeitgenossen interessiert Jesus so viel. Aber dadurch, dass sie im Roman darüber gelesen haben, sind viele Leute überhaupt erst einmal dazu gekommen, in der Öffentlichkeit über Jesus neu zu diskutieren. Es gab nie so viele Artikel über Jesus, seine mögliche Ehe und sowas wie in den letzten Monaten, wo man darüber diskutiert hat.
Wir müssen die Situation natürlich nutzen, sonst werden die Leute negativ beeinflusst. Also nutzen wir das, wenn jemand sich jetzt schon für Jesus interessiert, wenn auch falsch, um das geradezubiegen. Ich glaube, das ist eine Chance. Und übrigens, wir sollten ja sowieso nur die Chance nutzen, denn wenn wir Trübsal blasen und sagen, wie schlimm die Welt ist und wie böse sie schreiben, das hilft sowieso keinem, denn die Leute lesen das und viele glauben es halt trotzdem. Also das ist eine Chance. Ich habe das ja in meinem Buch gemacht, ich habe das mit zahlreichen Interviews gemacht, ich habe Vorträge gehalten, auch von nichtgläubigen Leuten, und habe gute Gespräche gehabt und gute Diskussionen damit gehabt. Also das ist eine Chance, die wir dafür nutzen sollten.
Und eine andere Sache sollten wir auch nicht aus dem Blick verlieren: Jesus ist nicht auf die Welt gekommen, um hier zu heiraten und Kinder zu bekommen. Und diese Frage ist letztlich auch gar nicht die so wichtige, sondern Jesus ist ja auf die Erde gekommen, und daran müssen wir uns immer wieder erinnern, weil er Gott ist, weil er uns zeigen wollte, wie Gott für uns denkt, dass er seine Liebe zu uns ausgedrückt hat. Da lesen wir ja in der Bibel: Wer hat größere Liebe, als der sein Leben gibt für seine Freunde? Dafür ist Jesus gekommen. Er ist hier gestorben, hat gelitten, damit ich und du Vergebung der Sünden bekommen können. Und das ist das Entscheidende. Und da geht Dan Brown an dem Entscheidenden vorbei, und darauf sollten wir hinweisen, nicht nur zu streiten, war er verheiratet oder nicht, das ist nebensächlich dabei.
Und Jesus ist für uns gestorben, was bedeutet das? Ich würde es am besten vergleichen mit dem, was wir heute auch in unserem Justizsystem haben. Manche Leute haben ja den Eindruck, ich muss nur genug gute Taten tun, und die werden irgendwann mal aufgewogen gegen das Böse. Vor ein paar Jahren war ich in Griechenland im Nationalmuseum, und da haben sie eine goldene Waage ausgestellt bei den alten Griechen. Das soll die Seelenwaage sein: auf der einen Seite die guten Taten, auf der anderen die bösen. Und wenn die im Ausgleich sind, dann darfst du in den Himmel hinein. Das ist aber biblisch gesehen falsch, und das ist auch falsch bei unserem heutigen Rechtssystem.
Ihr könnt es ja mal probieren: Setzt euch heute Abend ins Auto und fahrt mal so mit 80 durch die Innenstadt über die roten Ampeln, bis irgendwann mal die Polizei kommt und euch festhält. Und dann sagt ihr dabei, meinetwegen bei der roten Ampel: Die letzten 50 Mal bin ich immer bei der roten Ampel angehalten. Also, dann können sie doch jetzt bei dem einen Mal die Augen zudrücken, oder? Oder ihr könnt mal jemanden ermorden, also tut es nicht, das ist jetzt rein hypothetisch, ermordet ihr jemanden und dann sagt ihr: Die letzten 50 Menschen, die ich begegnet habe, die habe ich nicht ermordet. Also wiegen wir das auf, fünfzig nicht, einer doch, also du gehst in den Himmel. Wird irgendein Polizist auf sowas eingehen? Also ich denke mal nicht.
Auch wenn ihr einen Straßensünder dann habt, vielleicht sagt ihr noch mal: Also gut, vielleicht hat er einen guten Grund. Aber so aufwiegen, das geht nicht. Denn da wird wahrscheinlich jeder Polizist sagen, dass du hier 50 Mal bei der roten Ampel angehalten hast, das ist doch selbstverständlich, dafür gibt es keine Punkte. Aber dafür, dass du jetzt durchgefahren bist, dafür gibt es Punkte, aber negative, nicht? Und dafür musst du bezahlen.
Und genauso ist es bei Gott auch. Gott wird schon sagen: Super, dass du für das rote Kreuz gespendet hast, super, dass du in die Kirche gegangen bist, super, dass du nicht gelogen hast, darüber freut sich Gott ja auch. Aber dadurch wirst du nie in den Himmel kommen, denn verurteilt wirst du weder bei der Polizei noch bei Gott für das Gute, was du getan hast. Darüber freuen sich alle, sondern du wirst verurteilt für das Böse, was du getan hast. Und so kommt in den Himmel nur der, der nie in seinem Leben etwas Böses getan hat. Und da sagt uns im Römerbrief: Es gibt keinen Menschen, der nie etwas Böses getan hat. Und deshalb heißt für Gott für jeden das Urteil: Strafe.
Und jetzt ist das große Problem, was uns Jesus sagt: Du kannst diese Strafe eben nicht bezahlen. Also du hast nichts, wofür du bezahlen kannst, weil alles, was dir gehört, gehört ja auch schon Gott. Gott ist der Schöpfer dieser Welt. Also wenn du sagst, das hier ist mein Auto, dann sagt er ja: Aber gut, wer hat das Metall gemacht? Und dann sagt Gott: Das ist meins. Also was willst du ihm geben? Sagst du, ich gebe ihm Gold, dann sagt er: Wer hat das Gold gemacht, wem gehört das eigentlich? Ja, es gehört ja auch schon Gott. Was willst du Gott denn geben? Gibt es ja gar nichts. Dann sagst du: Ja gut, mein Leben. Selbst das ist nicht genügend, das hat er dir auch geschenkt, das hat er erhalten. Also was willst du denn Gott geben für die bösen Taten, die du getan hast?
Und dann sagt die Bibel: Du hast eben gar nichts. Da muss es etwas geben, was so wertvoll ist, dass es das Böse von all den Menschen auslöscht, und das ist dann eben Jesus. Jesus kommt sozusagen wie bei der Polizei. Ich meine, wenn ihr jetzt angehalten werdet und ihr müsst gleich Strafe bezahlen, manchmal kann man das ja direkt bezahlen, manchmal wirst du dann irgendwo aufgeschrieben oder geblitzt, dann kannst du sofort bezahlen. Wenn du kein Geld bei dir hast und neben dir sitzt dein Freund, dann kann der das Geld ja auch geben. Dem Polizisten ist es normalerweise egal, aus welchem Portemonnaie das kommt, wenn du es weitergegeben hast.
Und genauso ist es bei Jesus auch. Wir können mal vor Gott stehen und sagen: Jesus bezahlt für mich, ich kann nicht bezahlen, Jesus hat bezahlt, er hat sein Leben gegeben für mich. Und das ist der Kern des Evangeliums, und das ist der Kern deshalb, weil Jesus auf die Erde gekommen ist. Und da sollen wir uns nicht zu weit ablenken lassen auf diese Diskussion.
Trotzdem sollten wir die Diskussion um das Sakrileg kennen, denn es ist nicht nur dieser Bestseller-Roman, den Millionen gelesen haben. Sondern diese Argumentation gibt es, im Spiegel stand das, im Focus stand das, in ProSieben waren Sendungen auch positiv darüber, in National Geographic als renommiertem Magazin stand genau dasselbe drin. Das ist heute so, dass das weit, weit verbreitet ist. Der Heilige Gral und seine Erben, mehrere Hunderttausend Mal verkauft, als Sachbuch, als Pseudosachbuch wird darin verkauft, das sei tatsächlich bewiesen, dass Jesus verheiratet war mit Maria Magdalena und all der anderen Quatsch. Und das sind viele, viele Leute, die das behaupten, und diese Sache wird nicht vorbei sein, wenn der Film nicht mehr im Kino ist, sondern diese Diskussion wird uns noch über Jahre hinweg begleiten und wird sich in den Köpfen der Menschen festsetzen.
Und da ist es gut für uns, dass wir gesichert zum Glauben stehen können, auch mit Argumenten, nicht nur sagen: Ich glaube das, sondern ich habe Argumente dafür, und dass wir anderen auch gute Argumente nennen können, dass sie diese Vorbehalte fallen lassen müssen. Und ich glaube, dafür ist es gut, wenn wir uns heute Nachmittag damit beschäftigt haben. Ich hoffe, es hat euch auch weitergeholfen dabei, und jetzt seid ihr dran.
