19.07.2026
Serie•Teil 1 / 2SoBS 2026 1Kor 7,1-9
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Generierte Mitschrift
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Einleitung in die Woche und in das Thema
Sommerbibelschule 2026
Es geht weiter im 1. Korintherbrief.
Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch. Dein geistlicher Impuls für den Tag.
Mein Name ist Jürgen Fischer, und ich darf euch zwei Wochen lang die Predigten der Sommerbibelschule 2026 präsentieren.
Ich weiß nicht, wie du heute hier bist, und ich weiß auch nicht, ob du dich auf diese Woche einlassen kannst. Die Bibel zu studieren, durch den 1. Korintherbrief weiterzugehen, ich weiß nicht, ob du letztes Jahr dabei warst und den ersten Teil mitbekommen hast. Es gibt ganz viele Fragen, die einen am Anfang von so einer Sommerbibelschule beschäftigen können. Und ich hätte mir gewünscht, dass wir heute ein bisschen leichter in diese Woche starten könnten.
Aber ihr seht die Folie hier vorn schon: Es geht mit drei Buchstaben los, die uns innerlich irgendwie kribbelig machen. Warum auch immer, das ist ja eine spannende Frage. Manche lässt es irgendwie komisch grinsen, manche kriegen ein komisches Bauchgefühl. Wenn wir über Verlangen und Sex reden, geht das, glaube ich, den wenigsten einfach so vorbei. Da ist sofort wesentlich mehr Aufmerksamkeit da.
Kathrin hat vor ein paar Wochen in unserer Gruppe geschrieben, dass ihr Papa Jürgen, unser lieber Freund, an dem Abend wohl predigen sollte und nicht predigen kann. Ich habe die Nachricht ehrlich gesagt nur halb auf der Arbeit gelesen und gesagt: Ja, wir können schon tauschen. Ich bin eh die ganze Woche da und will mich dem Bibeltext stellen.
Ich dachte erst an Mittwoch, und dann hieß es Sonntag. Und ich wusste am Sonntag, wie es losgeht. Ich dachte mir: Boah, das ist ein dickes Brett, das wir heute zusammen bohren müssen. Je länger ich dann darüber nachgedacht habe, desto mehr dachte ich aber auch: Es ist irgendwie ein schönes Brett, weil es so ein wichtiges Thema ist.
Ich glaube, es macht uns so kribbelig, weil es ein großes Geschenk ist, das uns von Gott gegeben ist: Sexualität.
Meine Frau und ich schauen gern Bares für Rares. Ich weiß nicht, ob ihr die Sendung kennt. Das ist eher etwas für Mitdreißiger plus, wahrscheinlich. Außer ein paar Memes, die finden vielleicht auch ein paar Jüngere cool. Aber der Herr Horst Lichter mit seinem gekräuselten Schnauzer, ich weiß nicht, es ist ja eher so Kaffeefahrt-Unterhaltung. Aber wir finden das ganz lustig, mal zum Abschalten und um ein paar Sachen reinzuziehen.
Es ist manchmal ganz spannend, wie die Leute bei Bares für Rares auftreten. Für alle, die das nicht kennen: Das ist eine Sendung, in der Leute Krempel von zu Hause mitbringen, Antiquitäten zeigen das irgendeinem Experten, und der bewertet, wie wertvoll das ist. Danach dürfen sie das in der Händlerrunde verkaufen.
Manche kommen dort an und denken, sie hätten den größten Schatz der Welt, und bekommen dann gesagt: Ja, zehn, fünfzehn Euro, wenn es hochkommt, vielleicht fünfzig. Und manche kommen dort an mit Dingen, wo du denkst: Ist das Kunst oder kann das weg? Aber es ist tatsächlich irgendein besonderes Designermöbel, das doch noch drei- bis viertausend Euro bringen sollte.
Das sind so Sachen, bei denen wir uns irgendwie immer freuen, wenn etwas viel wertvoller ist, und bei denen wir uns mit den Leuten mitärgern, wenn etwas weniger wert ist.
Ich glaube, bei Sexualität kann uns das passieren, dass wir sie entweder völlig underraten, würde man heute sagen, oder völlig überbewerten. Ich habe das Thema heute so überschrieben: Sex ist nicht Dreck. Sex ist nicht Gott. Sondern dein Verlangen, das in dir schlummert, gehört Jesus. Deine Sexualität, dein Körper, gehört eigentlich Jesus.
Und wir wollen uns das gleich im 1. Korintherbrief anschauen. Aber ich glaube, ähnlich wie bei Bares für Rares handeln manche mit Sexualität. Manche denken: Hey, das ist für die Mülltonne, ja nicht. Das ist irgendwie so ein dreckiges Thema, das will ich ganz weit weg von mir haben. Ich habe da mein Leben lang gegen irgendwelche negativen Verlangen anzukämpfen, ich will das irgendwie wegwerfen. Und es wird in die Mülltonne geworfen: Sex ist schmutzig, der Körper ist verdächtig, Begierde ist irgendwie peinlich. Wer wirklich geistlich ist, hält sich von diesem Thema lieber fern.
Und die anderen holen Sexualität aus der Mülltonne und setzen sie direkt auf ihren Thron im Leben. Dann soll Sex uns sagen, wer wir sind. Unsere Sexualität soll bestimmen, welche Identität wir haben. Sie soll uns bestätigen, trösten, erfüllen, Freiheit geben. Ohne Sex, so die Botschaft, fehlt euch etwas Entscheidendes. Und ich glaube, das ist etwas, was uns an jeder Ecke in unserer Welt gepredigt wird: Ohne Sex fehlt euch etwas Entscheidendes.
Und was macht Paulus? Wir werden es gleich lesen. Paulus wirft Sexualität nicht in den Dreck, er wirft sie nicht in die Tonne, aber er setzt sie auch nicht auf den Thron. Er legt unseren Körper und unsere Sexualität dort hin, wo sie hingehören: in die Hände von Jesus Christus.
Und genau in dieser Spannung, wie man sich das kaum vorstellen kann, lebten die Menschen vor knapp zweitausend Jahren auch schon, also in Korinth. Irgendwo in den 50er, 60er, 70er Jahren waren genau die gleichen Fragen präsent. Korinth war eine Stadt, in der Körper und Sexualität benutzt wurden für Lust, Geld, Macht und Religion.
Ich hatte das Vorrecht, ich durfte schon mal in Korinth sein. Ich durfte die Reste der Tempel, die es dort noch gibt, in Akrokorinth und so, besuchen, bis hoch auf die große Festung und die Agora gehen. Es ist schon beeindruckend, wie diese Stadt damals gewesen sein muss: ein Schmelztiegel ganz vieler Kulturen, eine Stadt voller Tempel, voller Reisender, voller Möglichkeiten.
Und mitten in dieser Stadt entsteht eine Gemeinde, die Jesus nachfolgt. Menschen kamen zum Glauben, vertrauten diesem einen Herrn, mitten in dieser sexuellen Unordnung, die in dieser Stadt herrschte. Vielleicht vergleichbar mit Berlin, du hast vorhin gesagt: Sodom und Gomorra. Manche hatten andere benutzt, manche waren selbst benutzt worden, und manche kannten Schuld und sicherlich ganz viel Scham.
Offenbar schlugen einige jetzt ins andere Extrem um, wenn wir uns den Text gleich anschauen. Sie wollten komplett auf Sexualität verzichten, weil sie meinten: Boah, damit kann so viel Schlechtes gemacht werden, es kann so eine Riesengefahr sein, davon müssen wir uns so weit wie möglich distanzieren. Wäre es nicht geistlicher, ganz auf Sex zu verzichten, vielleicht sogar in der Ehe? Das ist es, was sie, die Korinther, vielleicht Paulus sinngemäß geschrieben haben.
Unsere Welt sieht vielleicht ein bisschen anders aus, aber wie ich schon sagte: Die Spannung ist heute irgendwo die gleiche. Vielleicht ist die Spannung noch viel höher als damals, ich kann das nicht bewerten. Die einen, vielleicht in konservativen Gemeinden, sagen: Sex ist irgendwie dreckig, zur Fortpflanzung vielleicht irgendwo notwendig, aber mehr auch nicht. Und unsere Kultur sagt: Sexualität, das ist der Gott unserer Zeit, auch wenn sie das nie so sagen würden. Aber sexuelle Freiheit wird großgeschrieben.
Und Paulus möchte uns irgendwie beibringen, dass unser Verlangen Jesus gehört. Das Thema ...
Die Spannungen rund um Sexualität heute
Und da will ich ganz offen mit umgehen: Das trifft uns wahrscheinlich sehr unterschiedlich. Ich weiß, dass hier ganz viele unterschiedliche Menschen sitzen und dass das Thema überhaupt nicht leicht ist. Ich weiß, dass hier in den Reihen Verheiratete sitzen und Singles, Menschen, die sich nach Ehe sehnen, Menschen, die an ihrer Ehe leiden, Menschen mit sexueller Schuld, Menschen mit Pornografiegeschichten, Menschen mit Verletzungen, die ganz tief sitzen, vielleicht Menschen, die missbraucht wurden, Menschen, die aber auch die Sexualität genießen, für die das etwas wirklich Schönes ist, was sie in ihrer Ehe erleben dürfen, aber auch Menschen, die Angst davor haben, Menschen, die sich schämen, Menschen, die denken: Bitte rede jetzt ja nicht zu sehr darüber, und vielleicht der eine oder andere, der sagt: Endlich sagt mal jemand etwas zu dem Thema.
Und in dieser Spannung sitzen wir heute in diesem Raum. Und ich glaube, Paulus redet darüber klar, würdig, nüchtern und voller Hoffnung. So wollen wir auch darüber reden. Und wir wollen das in diesen drei Punkten tun: Sex ist nicht Dreck, Sex ist nicht Gott, dein Verlangen gehört Jesus.
Und wir wollen uns den Bibeltext anschauen. Ihr könnt gern auf Seite 14 oder in euren Bibeln aufschlagen, 1. Korinther 7,1-9. Dort schreibt der Apostel Paulus:
Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren. Aber wegen der Unzucht habe jeder seine eigene Frau, und jede habe ihren eigenen Mann. Der Mann leiste der Frau die eheliche Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau. Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft eine Zeit lang, damit ihr euch dem Gebet widmet, und dann wieder zusammen seid, damit der Satan euch nicht versucht, weil ihr euch nicht enthalten könnt. Dies aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl. Ich wünsche aber, alle Menschen wären wie ich; doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Ich sage aber den Unverheirateten und den Witwen: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten; denn es ist besser zu heiraten, als vor Verlangen zu brennen.
Der erste Irrweg: Sexualität verachten
Wir wollen uns den ersten Punkt anschauen: Sex ist nicht Dreck.
Paulus beginnt mit dem Vers: Was aber das betrifft, wovon ihr geschrieben habt: Es ist gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren. Wir haben den Brief der Korinther, den sie wahrscheinlich an Paulus geschrieben haben, nicht vorliegen. Aber ich stelle mir so etwas richtig cool vor: jemanden, der vom Heiligen Geist inspiriert schreiben kann. Irgendwie so einen Brief vorzulegen: Das sind meine zehn, zwanzig wichtigsten Fragen, antworte uns mal. Und Paulus schreibt einen ganzen Brief darüber.
Ich glaube, danach haben sie sich nicht so sehr gefreut, die Fragen gestellt zu haben, weil es doch die eine oder andere relevante Antwort gab, wie wir schon vor einem Jahr gesehen haben. Also ist der Antwortbrief von Paulus vielleicht ein bisschen anders ausgefallen, als sich das die Korinther gewünscht haben.
Aber eine Frage oder eine Aussage der Korinther ist: Es ist gut, keine Frau zu berühren. Und Paulus greift hier sehr wahrscheinlich ihren Satz auf. Gemeint ist damit sexuelle Gemeinschaft. Einige der Korinther, die aus einer sehr sexualisierten Gesellschaft kamen und in einer sehr sexualisierten Stadt wohnten, dachten offenbar: Wenn wir wirklich geistlich sein wollen, also so richtig Jesus nachfolgen wollen, dann darf dieses Thema bei uns keine Rolle mehr spielen. Dann müssen wir das irgendwie aus unserem Leben verbannen, vielleicht sogar als Ehepaar möglichst enthaltsam leben.
Und das klingt radikal. Aber nicht alles, und das sage ich ganz bewusst, nicht alles, was radikal klingt, ist heilig und gut. Man kann Sünde bekämpfen und dabei Gottes gute Schöpfung verachten. Man kann Sünde bekämpfen und dabei Gottes gute Schöpfung verachten.
Und so antwortet Paulus in Vers 2: Aber wegen der Unzucht habe jeder seine eigene Frau und jede habe ihren eigenen Mann. Also er sagt nicht: Sex ist eigentlich schmutzig, aber schwache Menschen brauchen ihn eben. Er sagt: Eheliche Sexualität hat einen guten, geschützten und von Gott gewollten Ort, dort, wo es hingehört. Er sagt: Eheliche Sexualität hat einen guten, geschützten und von Gott gewollten Ort.
Und dann wird er irgendwie erstaunlich konkret: Der Mann leiste der Frau die ehelichen Pflichten, ebenso aber auch die Frau dem Mann. Ich weiß nicht, wie dieser Satz in euren Ohren klingt. Ich glaube, in unserer heutigen Gesellschaft klingt das erst mal irgendwie weird. Irgendwie sehr schräg und komisch. Aber in der damaligen Welt war es nichts Besonderes, über die Pflicht einer Frau zu reden. Also das, was eine Frau in einer Ehe zu leisten hat, war in der damaligen Kultur Standard, das irgendwie von vornherein klarzumachen.
Aber Paulus spricht hier genauso die Männer an. Und vielleicht sollten die heute einen Ticken mehr ihre Ohren spitzen. Keine Ahnung, ich bin Mann, vielleicht möchte ich deswegen euch ganz besonders ansprechen. Beide tragen Verantwortung füreinander in einer Ehe, beide geben einander und beide empfangen.
Und dann Vers 4: Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Körper, sondern der Mann, ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Körper, sondern die Frau. Und ich weiß nicht, ob ein anderer Vers, mit Sicherheit aber das ist einer der Verse, die in der Vergangenheit am öftesten missbraucht worden sind. Er wurde benutzt, um Druck zu machen. Aber Paulus gibt keinen der beiden Ehepartner irgendwie so eine Waffe in die Hand und sagt: Jetzt beginne der Kampf, jetzt beginne das Duell.
Und das sage ich, und ich wiederhole mich in erster Linie an euch Männer: Er sagt nicht, du gehörst mir, also nehme ich. Paulus sagt: Ich gehöre dir, also gebe ich mich dir. Und das ist der Unterschied, glaube ich, zwischen Herrschaft und Hingabe. Herrschaft fragt: Was steht mir zu, was kriege ich? Und Hingabe fragt: Was kann ich dir Gutes tun? Wie kann ich dich am besten lieben?
Und vielleicht erkennt hier schon der ein oder andere unseren Herrn Jesus Christus in gewisser Gestalt wieder. Er ist der Prototyp, er hat es vorgelebt. Er war derjenige, der nicht mit einer Herrschaft aus dieser Welt gekommen ist, sondern in Hingabe, um uns mit Gott zu versöhnen. Und wir sollen unsere Beziehung, wir sollen unsere Sexualität genauso leben.
Sex ist deshalb nicht bloß eine körperliche Dienstleistung, ich würde sagen, er ist das Armen des Körpers zum Eheversprechen. Wenn sich zwei Menschen einander geben, vor dem Traualtar, dann ist das erst mal ein wörtliches Ich gehöre dir, ich bleibe dir treu. Und in der ehelichen Sexualität sagt auch der Körper Ja zu diesem Versprechen. Es schließt den ganzen Körper ein. Mit Haut und Haaren gehöre ich dir. Und es vollzieht sich das, was Gott im ersten Buch Mose sagt, wenn er sagt: Und ihr werdet ein Fleisch sein. Ihr seid untrennbar zusammen. Und ich schenke euch etwas unheimlich Schönes zu erleben.
Darum ist Vers 5 so wichtig: Entzieht euch einander nicht! Und noch mal: Paulus sagt nicht, fordert voneinander. Er sagt: Entzieht euch nicht. Macht Sexualität nicht zur Waffe, nicht zur Strafe, nicht zum Machtmittel und nicht zum frommen Rückzug.
Er sagt auch, es kann Zeiten für Enthaltsamkeit geben, und es kann gut und richtig sein. Und Paulus nennt dafür drei Bedingungen. Das erste ist gemeinsam, also es muss sich darauf geeinigt werden, sich zu entziehen. Das zweite ist für eine begrenzte Zeit, klar definiert. Und das dritte ist mit einem geistlichen Ziel. Gemeinsam, für eine begrenzte Zeit und mit einem geistlichen Ziel.
Und was sagt er dann? Danach sollen beide wieder zusammenkommen, dann soll Ehe wieder gelebt, soll wieder vollzogen werden. Glaube ich ist geistig genug, um realistisch zu sein. Wir haben Körper, wir haben Sehnsucht, wir haben Schwachheit, und wer so tut, als gäbe es das alles nicht, wird nicht heiliger, sondern oft nur unehrlicher.
Sex ist nicht Dreck. Und vielleicht hast du gelernt, über Sexualität nur in Scham nachzudenken, nur in deinem stillen Kämmerlein dir irgendwelche Quellen zu suchen, die sehr fragwürdig sind, weil niemand in deinem Umfeld wirklich darüber reden will, weil es irgendwie so ein Thema ist, das entweder weggekichert wird oder wo man sich davor wegduckt. Vielleicht hast du gelernt, dass immer Warnungen kommen, immer Grenzen gezogen werden, immer geschwiegen wird.
Aber wir müssen uns eins bewusst machen, und das sage ich uns allen: Gott ist nicht rot geworden, als er unseren Körper und unsere Sexualität geschaffen hat, sondern er hat uns ganz bewusst so geschaffen. Er hat uns ganz bewusst so gemacht: Mann und Frau, Nähe, Ehe und Freundschaft geschaffen. Und wir müssen uns bewusst machen, dass die Sünde unsere Sexualität verdreht hat. Aber ganz wichtig: Sünde hat Sexualität nicht erfunden. Schreibt euch das ganz tief in eure Herzen: Sünde hat Sexualität nicht erfunden, für alle, die vor allem mit diesem Thema kämpfen. Sondern hinter Sexualität steckt eine gute Absicht Gottes.
C. S. Lewis, ein Autor, den ich sehr mag, schreibt, dass das Christentum fast die einzige große Religion ist, die den Körper ganz und gar bejaht, inklusive ihrer Sexualität. Gott nennt Materie gut. Jesus nahm seinen wirklichen Körper an, als er auf diese Erde kam, und unsere Hoffnung ist die Auferstehung unseres ganzen Körpers, unseres Leibes. Und Jesus selbst hatte Gefühle, er wurde müde, er hatte Hunger, er weinte, er blutete, er starb körperlich und er stand körperlich aus dem Grab auf.
Und deswegen ist es so wichtig zu verstehen, dass dein Körper kein peinlicher Anhang von deiner Seele ist, sondern dass Jesus Christus dich ganz rettet, wenn er dich rettet, wenn du ihm gehörst.
Gegenseitigkeit, Schutz und die Würde des Leibes
Aber gerade weil Sex nicht Dreck ist, dürfen wir ihn nicht dreckig behandeln. Paulus spricht von Gegenseitigkeit, und ich würde sagen, das schützt beide Ehepartner. Es schützt den Partner mit stärkerem Verlangen vor kaltblütiger Gleichgültigkeit, und es schützt den Partner mit weniger Verlangen vor Druck und Forderung.
Unterschiedliche Lust ist nicht automatisch Sünde. Unterschiedliche Lust ist nicht automatisch Sünde. Und alle, die verheiratet sind, kennen das vielleicht ziemlich gut: Stress, Krankheit, Schwangerschaft, Wochenbett, Hormone, Schmerzen, seelische Belastung. Alte Erfahrungen spielen alle in unser Leben, in unsere Ehe, in unsere Sexualität hinein. Und dann hilft kein schneller Vorwurf.
Der eine darf nicht sagen: Wenn du mich liebst, musst du wollen. Das ist ein total verqueres Denken, was Paulus hier nie fordern würde. Aber der andere darf auch nicht dauerhaft sagen: Deine Sehnsucht, dein Verlangen ist allein dein Problem. Ich glaube, manche Ehen brauchen kein neues Argument, um in irgendeiner Diskussion irgendeinen Vorteil zu haben. Ich glaube, das wäre der völlig falsche Ansatz, sondern ein ehrliches Gespräch miteinander, manchmal vielleicht medizinische Hilfe, manchmal auch Seelsorge oder Therapie. Immer aber Geduld und Demut, Geduld und Demut voreinander.
Und wenn Sexualität Angst, Ekel, Schmerzen, Erstarren und alte Bilder auslöst, dann ist dieser Text auf keinen Fall ein Freibrief für irgendeinen Druck, den irgendjemand ausüben dürfte. Liebe würde niemals über Grenzen treten. Liebe verhält sich nie wie ein Täter. Und für manche beginnt Gehorsam nicht mit mehr Aktivität, sondern damit, Sicherheit herzustellen und Heilung zu suchen. Sicherheit herzustellen, liebe Männer, und Heilung zu suchen, liebe Frauen.
Doch Ehe hat noch eine zweite Seite, und ich glaube, über die reden wir seltener. Ich möchte das mit aller Vorsicht tun, aber ich möchte es dennoch machen: Sexualität ist nicht so gedacht, dass einer immer sucht, wirbt und begehrt, während der andere nur wartet, zulässt oder ablehnt. Ich weiss das aus vielen Gesprächen. Es gibt Frauen, die Sexualität nur als Pflicht erleben. Er will das eben, dann halte ich es aus. Dann ist die gegenseitige Freude, von der Paulus spricht, nicht da. Im Gegenteil: Das ist etwas, das Gott sich niemals darunter vorgestellt hat.
Es gibt aber auch eine andere Form von Passivität. Die Frau erwartet, dass der Mann immer wirbt, immer beginnt, immer beweist, immer leistet, wie sehr er sie begehrt, und sie entscheidet nur, ob seine Bemühungen heute genügen. Und auch das ist keine echte Gegenseitigkeit. Viele Männer sagen es kaum laut, aber ich mache es: Auch wir als Männer wollen nicht nur geduldet werden. Wir möchten erleben, meine Frau will mich, sie sucht meine Nähe, sie freut sich an mir. Wenn nicht immer nur einer sucht und der andere bewertet, wird der eine zum Bittsteller und der andere zum Richter.
Darum dürfen auch Frauen Initiative zeigen, ihren Mann begehren und seine Nähe suchen. Und noch einmal ganz wichtig: nicht als neue Pflicht und schon gar nicht als Munition für uns Männer. Männer, wenn ihr diesen Abschnitt benutzt, um Druck zu machen, habt ihr ihn bereits verdreht. Manchmal liegt hinter dieser Passivität Scham, Schmerzen, Erschöpfung, ein negatives Körperbild oder Verletzung, und dann braucht es Geduld und Hilfe und keine Anklage.
Aber manchmal, und wir wollen Dinge ansprechen, die in unseren Herzen, in unserem Leben verändert werden müssen, manchmal ist es auch eine bequeme Rolle: Mein Mann, er muss alles tragen, ich muss nichts riskieren, was Sexualität angeht. Und auch das darf Jesus verändern. Von Gott geschenkte Sexualität ist nicht, dass einer sich immer bemüht und der andere bewertet. Von Gott geschenkte Sexualität ist immer die gemeinsame Freude an dem Geschenk, dass man einander hat, zur Ehre Gottes.
Und ich finde es so wunderbar, was das Hohelied sagt: Esst, Freunde, trinkt und berauscht euch an der Liebe. Und vielleicht hast du Sexualität innerlich immer in die Mülltonne geworfen, vielleicht hast du das nie laut gesagt. Auch dein Partner nie. Paulus sagt: Holt Gottes Geschenk heraus aus dieser Verachtung, nicht um es anzubeten, sondern um es dankbar und heilig zu empfangen, so wie Gott sich das vorgestellt hat. Denn Gott verachtet deinen Körper nicht, er will ihn und deine Sexualität heiligen.
Schluss und Segenswort
Das war’s für heute. Die Sommerbibelschule findet nächstes Jahr vom 8. bis 14. August in Volkenrohd statt. Der Herr segne dich. Er erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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