Zum Inhalt

Absolut sicher

17.09.1995
Einsam, auf der Flucht, ohne Plan – und dann sagt Gott: Ich lasse dich nicht los. Die Frage ist nicht, ob dein Leben brüchig ist, sondern ob du diesem Zuspruch traust.

Einführung in die biblische Szene

 1. Mose 28, das ist heute der Predigttext, über den in unserer Kirche gepredigt wird, ab Vers 10. Viele kennen das Lied „Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir“. Dann kommt der Vers: „Wenn mir wie Jakob dort Nacht auch hereinbricht, mir zum Ruheort nur einen Stein.“ Das ist auf diese Geschichte gedichtet.
Vers 10: Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran und kam an eine Stätte. Da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.
Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel. Und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und Isaaks Gott. Das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden. Und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.
Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.
Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht. Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.
Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf. Und er nannte die Stätte Bethel; vorher aber hieß die Stadt Luz.
Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der Herr mein Gott sein. Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden. Und von allem, was du mir gibst, will ich dir den zehnten geben.

Ein Leben auf der Flucht und die Erfahrung der Einsamkeit

Zech London hat ja so tolle Bücher geschrieben. Ich habe sie als junger Kerl gerne gelesen, von den Vagabunden, von den Tramps, die da als blinde Passagiere in den Güterzügen durch die Vereinigten Staaten von Amerika reisen. Die liegen da unten drauf und verstecken sich, und bei Nacht streifen sie obdachlos durch die Großstädte.
Mir hat das ungemein gefallen, aber heute habe ich Zweifel, ob das wirklich so arg schön ist, so ein Leben als Tramp, als Vagabund. Da sitzt Jakob am Straßengraben, und sein Leben ist Schutt, alles ist kaputt, alles ist aus. Vertrieben von daheim, das kann er nicht riskieren, dem Zorn seines Bruders noch einmal gegenüberzutreten. Hinausgeschleudert hat er eine Reise durch die Wüste vor sich, zu Fuß, ohne Geld. Das ist das Gebiet des heutigen Irak. Wie soll er denn da durchkommen?
Wissen Sie, was Einsamkeit ist? Einsam da zu sitzen, niemanden zu haben, niemanden zu kennen, niemand tritt für uns ein, niemand kann uns helfen, ganz allein auf uns gestellt, keine Liebe, keine Ansprache, gar nichts. Es gibt ja manche unter uns, die so in der Großstadt leben, einsam, verlassen, die wissen, wie das ist. Da kann man viele Menschen um sich her haben, sogar viele können unter dem gleichen Dach wohnen, aber man ist einsam. Man hat niemanden, man fehlt niemandem. Wenn ich nimmer da wäre, sagt jemand, da würde gar nichts fehlen, das würden die anderen kaum merken.
Vielleicht haben Sie die Situation erlebt. Ich kann mir so vorstellen, wie der Jakob noch fern Hundebellen hört. Da muss ein Beduinenzelt sein, da sind Menschen, aber ich darf nicht hin. Jetzt, wie die Sonne untergeht, überlegt er sich: Wie wird es jetzt sein? Mutti wäscht das Geschirr ab und Vati richtet sich zum Schlafengehen, aber ich bin nicht dort, wo die Menschen sind, wo das Leben ist. Ich bin draußen.
Heimatlos, einsam, verlassen, ohne Ziel, ein Niemand, ein Namenloser. Und dann ein Traum. Nur ein Traum? Das ist jetzt die Frage. Was war denn dort in dem Traum los? Vielleicht sehnen Sie sich und sagen: Ich will auch so einen Traum haben. Der Traum ist gar nicht der entscheidende Knüller von dem Bibelwort. Also ganz bestimmt nicht. Sie brauchen jetzt gar nicht erzählen, was Sie normalerweise träumen, sehr wirres Zeug.
Was der Jakob träumt, ist ja: Der Inhalt ist entscheidend. Der Inhalt, und das ist gar nichts Neues. Ich kenne viele Christen, die mir heute Träume erzählen, erzählen mir irgendwelche Phasen, die großen Neuigkeiten, die über das Wort der Bibel hinausgehen. Das, was da reinkommt, in dem Traum, ist eigentlich das, was schon Gott zu Abraham und zu Isa gesagt hat, wortwörtlich genau das Gleiche. Sondern was da passiert ist, dass Gott eine merkwürdige Weise hat, seinen Zusagen Menschen ganz bewusst persönlich zuzusprechen.

Gottes Zusage wird persönlich und unmittelbar

Wenn Sie erzählen würden, wo Gott Sie persönlich angesprochen hat, würden Sie ganz interessante Dinge erzählen. Vielleicht bei einem Unfall. Da war es plötzlich klar: Gott ist mir auf den Versen.
Und Jakob wusste das ja schon von Kindertagen an, dass Gott diese Pläne mit diesem Land hat. Er hat das immer wieder gehört. Er war ja sogar ein Mann, der sich nach dem Segen Gottes sehnte. Warum hätte er denn das ganze trickreiche Verfahren überhaupt gemacht, wenn es ihm nicht wichtig gewesen wäre, von Gott den Segen zu erben?
Und doch ist etwas ganz anderes, wenn ein Mensch merkt: Gott meint mich, mich spricht er an, mir gilt das. Das Evangelium ist immer eine Sache per du. Und ich wollte zu dir reingehen und die Hände auflegen und sagen: Dich meint er. Und mit jedem Wort, das ich heute sage, meine ich dich.
„Ich bin mit dir, spricht der Herr. Ich will dich behüten, wo du hingehst.“ Ja, wie gerade eben hat doch der Jakob noch eine ganz böse Betrugsgeschichte hingelegt. Kann denn Gott so einfach darüber hinweggehen? Ich komme nachher noch einmal darauf zurück. Aber Gott geht so darüber hinweg.
Wenn Gott anfangen wollte, mit uns zuerst über alle Missstände unseres Lebens zu reden, würden wir bis zu unserer Todesstunde nicht fertig werden. So ist nur Gott. Heute spricht er es ihnen zu. Und wenn deine Sünde gleich blutrot wäre: Ich habe dich doch lieb, ich suche dich doch, ich lasse dich doch nicht los.
Und wenn du meinst, du seist vergessen und einsam, und niemand fragt nach dir, und niemand will etwas von dir, und niemand tritt für dich ein: Gott lässt dich nicht los. Absolut fest und sicher und zuverlässig. Und niemand darf das ungeschehen machen, was der ewige und heilige Gott für dich zuspricht. Dir gilt das, und für dich ist das zugesprochen, und niemand kann das ungeschehen machen.
Haben Sie das begriffen, was am Evangelium so wichtig ist? Ob es Gott Ihnen durch einen Traum sagt oder ob Sie es durch einen Freund im Hauskreis hören, ob es Ihnen in einem Krankenbett zugesprochen wird, ob Sie verzagt und mutlos sind, ob Sie in Depression und Schwermut sind oder in einer anderen Krankheit oder in einer Wirtschaftskrise stecken: Du, das gilt dir. Gott lässt dich nicht los. Er will dich behüten.
Und ganz gleich, was in deinem Leben drin ist: so, ohne irgendwelche Rückversicherung, ohne Klausel, bindet sich Gott an einen sündigen Menschen mit einer Menge Unrecht, an die eigene Lebensgeschichte. Und das muss man einmal begreifen. Das ist kein Traum, das ist keine Märchengeschichte. Und der Traum ist wirklich das schwächste Glied in der ganzen Kette.
Ich bin so froh, dass ich es in der Bibel lesen kann und dass das in der Bibel immer und immer wieder vorkommt. Und dass das der Sohn Gottes in seiner Liebe noch einmal bestätigt hat und sagt: Sogar deine Haare, die werden bei mir immer weniger, die sind schon gezählt. Gott kennt dich ganz durch und durch. Und was dich auch bewegt, du darfst es ihm sagen, und er weiß um alles.
Kein Traum, sondern absolut sicher. Das ist mein zweiter Teil: absolut sicher.

Angst, Unsicherheit und die Zerbrechlichkeit menschlicher Sicherheiten

Wissen Sie, der junge Mann, der da im Straßengraben hockt, was ist so ein junger Mann? Sicher, der war vorher ganz großspurig, und dann ist er wieder so klein. Es gilt ja bei uns noch, auch wenn wir im vorgerückten Alter sind, nicht ganz anders: am einen Tag erhoben, am nächsten Tag zittern wir und haben Angst und wissen nicht, wie alles werden soll.
Da wird uns der Jakob so lieb, wie er da hockt am Straßengraben, nicht weiß, wie es weitergeht. Der Kerl hat Angst, ganz einfach Angst. Kapitel 25 ist es, da steht es doch, ja, Vers 27: Am Ende Jakob aber war ein gesitteter Mann. Das war kein Tramp, kein Wackerbund, es gibt ja so Chaoten. Da war der Esau. Er hatte schon so eine raue Haut, der brauchte keinen Regenmantel mehr. Er war ein gesitteter Mann und wohnte und blieb bei den Zelten. Der hing so am Mutterschoß und am Rockzipfel der Mutter, auch noch, wie er schon, Sie kennen das doch schon, wie er 24 war. Der wollte sich nicht lösen.
Und jetzt, für den war das so schwer, draußen da zu hocken und keine Heimat mehr zu haben, nicht mehr zu wissen, wie alles weitergeht. Da hat man Angst. Und jetzt können Sie alles einsetzen: Angst kommt, eine Krankheit, ja, wissen Sie, wenn heute die Leute sich absichern wollen, und was ich alles höre, was junge Leute schon Sorgen haben mit der Rentenversicherung, das weiß kein Mensch, was da mal sein wird mit der Rentenversicherung, bis die jungen Leute ins Rentenalter kommen und so. Wenn sie sich absichern wollen in der Welt, viele von uns haben zwei Inflationen mitgemacht, die können euch was erzählen. Wie man sie absichern kann, das weiß kein Mensch. Es ist ja alles so unsicher.
Und dann ein Skorpion vielleicht unterwegs auf der Wüste. Würden Sie sich da so in der Steppe niederlegen und einfach so schlafen? Aber es gibt gar keine andere Möglichkeit. Er war ja todmüde, legte sich hin, Angst: werde ich das überstehen, wie geht das alles aus? Und dann Angst vor den Menschen. Er geht ja zu seinen Verwandten, entfernten Verwandten nach Haran, aber nicht alle Verwandten sind so lieb wie ihre Verwandten, die Verwandten, die der Jakob hatte. Das war ein Spitzbub, der Laban. Er hat ja bei ihm ein Dienstverhältnis begonnen, aber manche machen das sogar als Verwandte noch besonders trickreich, da sie ihn betrogen haben, wie schlimmer nimmer geht. Die haben alles verändert.
Ein junger Mann von unserer Gemeinde hat neulich einen Job angenommen, war so froh, für Frau und Kind endlich einen Job zu haben, und nach sechs Wochen ist er dahinter gekommen, dass der Arbeitgeber überhaupt kein Geld hat und nie daran gedacht hat, ihm Geld dafür zu zahlen. Ein Betrüger, er ist so bitter. Mir hat er seine Wut gegeben. Wenn ein junger Mensch als erstes Arbeitsverhältnis das erleben muss, dass einer morgens mit ihm betet, aber nachher ihm keinen Lohn zahlt, noch im frommen Gewand. Mensch, die Welt ist doch so gemein, besonders wo man es unter der Verwandtschaft noch so treibt.
Und dann denken Sie, wie der, der wurde ja noch sein Schwiegervater, dieser Chef. Also, es gibt manche, da kommt alles zusammen. Sind Sie froh, dass bei Ihnen nicht so ist? Der Schwiegervater gibt dem die falsche Braut. Und da die verschleiert war, merkt er es erst, als die Hochzeit rum ist. Deshalb machen wir ja Trauungen immer ohne Schleier. Sehen Sie sich mal vor, was das war für diesen Jakob, wenn man so betrogen wird, wenn man so betrogen wird an der ganzen Zukunft. Und da geht er in diese Zukunft hinein: wie soll denn das gut gehen, wie soll denn das gut?
Und Gott sagt: Ich will dich behüten. Ja, Gott, warum hast du den Jakob nicht behütet? Gott hat sehr viel Schweres auch im Leben Jakobs bewusst zugelassen. Aber wir haben vorhin das Lied gesungen: Wohl dem, der einzig schaut nach Jakobs Gott und Heil. Gerade in diesen schweren Jahren hat er Gottes Güte überwältigend erlebt. Und als er wieder zurückkommt, über den Jabbok-Fluss und dann über den Jordan, da spricht er das aus: Herr, ich bin es ja gar nicht wert. Was du an mir getan hast, das ist so überwältigend groß.
Die Propheten, Hosea zum Beispiel, der hat ja immer an Israel gerügt und hat gesagt: Ihr bleibt immer noch Kinder Jakobs. Ihr wollt im ganzen Leben diese Cleverness sein, die alles jonglieren und manipulieren und sich so durchlavieren. Habt ihr nicht gemerkt, dass er einmal vor dem ewigen Gott den Offenbarungseid machen müsste und sagen müsse: Herr, ich kann ohne dich nichts mehr, ich hänge ganz ab von deiner überwältigenden Gnade, du bist in meinem Leben das Ein und das Alles? Das können Sie doch in ihrer Bekehrung gar nicht verstehen. Aber wir verstehen es in ihrer Todesstunde.
Beim Jakob hat es Jahre gebraucht, bis er dahin kam und bis er begriffen hat, auch wenn es in dieser Welt ganz unheimlich zugeht. Jemand anders aus der Gemeinde erzählt ihm seine ganzen Ersparnisse, hat er so eine Zeitungsannonce abgegeben, alles Geld weg, alles Geld weg. In der Welt leben wir, keine Sicherheit. Binde du dich ganz an den lebendigen Gott, absolut fest, dass er dich auch durch alle Nöte hindurchführt, durch alle schweren Krankheitszeiten, durch alle Belastungen und Traurigkeiten. Und er will umso mehr dort, wenn es schwierig und kompliziert wird, dieses Wort wahrmachen: Ich will dich behüten, wo du hinsiehst. Und wenn es ganz dunkel um dich her ist, dann wird Gott der Mächtige sein mittendrin und den Weg hinausweisen.
Du wirst staunen, und der Himmel ist offen, und die Heerscharen Gottes gehen herauf und hernieder. Sagen Sie nicht, das sei so ein kindliches Bild. Sie können das ja gar nicht begreifen, wie sie umgeben sind von der Güte Gottes und wie die Boten Gottes rundum sie bedienen. Und woher weiß sie, dass sie brauchen keine Träume? Lesen Sie es im Wort! Und da wird ihnen immer und immer wieder zugesagt, dass sie jeden Tag so beginnen dürfen. Gott wird sein Wort nicht brechen, ganz gewiss wird er es einlösen. Es geschah, alles, auf dass erfüllt würde, was geschrieben steht.

Der Umgang Gottes mit Schuld und menschlicher Verfehlung

Aber was wird mit der bösen Sache? Das ist mein letzter Teil.
Wir sind ja sehr genaue Buchhalter, wenn es um die Versäumnisse und die Schuld der anderen geht. Und wenn wir jetzt einen Hauskreis hätten, dann wäre das gleich die erste Frage: Ja, was ist das mit der Schuld? Dann können wir lange diskutieren: Wie macht das Gott mit der Schuld? Wir sind da so arg streng.
Also, wenn es nach uns gegangen wäre, wenn wir Seelsorge gewesen wären in Bethel – das hieß ja übrigens Haselnussstadt, Luz hat er Bethel genannt –, dann hätten wir gesagt: Also, Jaköble, Jaköble, jetzt zuerst einmal bewähre dich, und dann zeig mal das. Und dann wollen wir sehen, ob du es ernst meinst. Und dann wollen wir mal sehen, wie wir das weitermachen. Wir werden nicht fertiggemacht, wir werden nicht abgekanzelt.
Der beste Zuchtmeister, um Schuld zu erkennen, ist überwältigende Barmherzigkeit. Das weiß Gott. Und darum spricht er uns das oft zu, in Augenblicken, wo wir es gar nicht verdient haben. Wenn uns manchmal beim Abendmahl die Tränen herunterlaufen, wenn wir sagen: Das kann doch gar nicht wahr sein, dass Gott das alles wegwischt. Aber wir wissen bei uns selber, dass gar nichts anderes seinen Wert hat als Liebe. Und so macht es Gott.
Was wird aus der bösen Sache? Jakob hat es dann an sich selber erleben müssen, wie böse Betrug ist, als ihn Laban, sein Onkel, reinlegte. Und er hat es noch einmal spüren müssen. Und das ist das, was Sie immer sehen müssen bei dem, was in der Zeitung steht, von den Bosheiten: Ach, das ist ja immer meine Schuld. Verstehen Sie? Auf einmal sehen Sie es so, wie Gott mir vergeben hat. Und dann werden Sie auf einmal barmherzig und gütig.
Was hat alles der Jakob mitmachen müssen? Kennen Sie die Bibel? Aus einem Kinderkreis wurden zwei Mörder, die Tochter Dina wurde geschändet, und der Josef. Da sagten sie: Drücken Sie sich ein wildes Tier, hat ihn zerrissen. Und dann haben sie ihn als Sklaven verkauft nach Ägypten.
In dieser Welt gedeiht der Glaube Jakobs. Wohl dem, der einzig schaut nach Jakobs Gott und Heil. Das können Sie nicht verrechnen, wo sehe ich die Güte Gottes in meinem Leben.
Als später der Jakob nach Ägypten gebracht wird, ganz am Ende, und Joseph erhöht war und Gott zu seinem Ende gekommen war, da werden ja die Kinder Jakobs noch einmal in das Sterbebett geführt. Und Jakob gibt all den Kindern einen Segen. Und dazwischen richtet sich der sterbende Jakob noch einmal auf und dann ruft er seiner Kinderschar zu das Vermächtnis seines Glaubens: „Herr, ich warte auf dein Heil.“
Da war nichts mehr von trickreichem Spielen und Können und Machen. Wissen Sie, was Glauben ist? Sich so hinklammern an den lebendigen Herrn und sagen: Jetzt will ich sehen, was du kannst. Jesus, du bist so stark, ich vertraue dir, ich gebe dir das Feld frei, werde du der Herr meines Lebens.

Bethel, seine Geschichte und die bleibende Freiheit Gottes

Jetzt habe ich gar nichts dazu gesagt, dass Jakob den Stein nahm und ihn mit Öl salbte und den Ort Bethel, Haus Gottes, nannte, einen heiligen Platz. Jetzt interessiert sicher noch, was aus Bethel geworden ist.
Wir haben es in unserem Israel-Büchlein schön zusammengefasst, und das ist ja erschütternd. Nach den biblischen Angaben haben wir nur eine kurze Notiz im Richterbuch, dass vielleicht kurz die Bundeslade dort stand. Und dann wurde Bethel das Heiligtum, eine Stätte des Götzendienstes. So beschreibt die Bibel einen furchtbaren Götzendienst.
Der König Jerobeam ließ in Bethel sein goldenes Kalb aufrichten. Und als Jerobeam dort ein Opfer darbrachte, was der König ja gar nicht durfte, kam ein Priester, ein Mann Gottes, hinein und rief: Altar, Altar! Wehe, dir geschieht Unrecht, so wird Gott nicht verehrt, das ist nicht der Glaube Jakobs. Da ruft doch Jerobeam: Greift ihn! Und in dem Augenblick wird seine Hand unbeweglich.
Lassen Sie mal die Bibel geschehen, es gehört zu Bethel. Die Geschichte von Bethel geht weiter mit dem vertrottelten Propheten, dem Alten, der nicht mehr die Ordnungen Gottes verkündigt, sondern anderen zum Verhängnis wird. Und das endet dann, kurz vor der Zerstörung durch die Assyrer, mit dem Propheten Elisa, der nach Bethel kommt. Und da waren nicht Kinder vom Kindergarten, wie Sie das immer meinen. Das ist eine unglückliche Übersetzung von Luther. Das sind junge Leute, die nach der biblischen Bezeichnung dreißigjährig sind, das sind so ganz radikale Chaoten gewesen, fünfundzwanzig-, dreißigjährig.
Und der Elia kommt, und Sie wissen: Die Propheten dürfen nie das Schermesser an ihrem Haupt haben, sie gingen nie zum Friseur. Mit wallendem Haar ruft Elisa zur Buße Gottes, zum Glauben Jakobs, und kommt nach Bethel, wo das erlebt war, wo der Vater des Glaubens das erfahren hat. Und dann sind da 50 Leute, das sind solche, wie sie neulich Hannover unsicher gemacht haben, und die brüllen: Glatzkopf, Glatzkopf, Glatzkopf, weil der so lange Haare hat, verstehen Sie? Die lästern den Boden Gottes mit seinem Auftrag. Da fällt ein unheimliches Gericht über diese, nicht Kinder, über diese Männer, über diese Lästerer.
Es ist so gut, dass Gott sich nicht an Städte bindet. So wichtig uns Kirchen und heilige Plätze sein mögen, daran hängt der Segen Gottes nicht. Das kann sogar in Familien wachsen, und da kann der Segen ausziehen. Gott bleibt der, der niemanden übersieht und den auch einen Namenlosen im Straßengraben kennt. Der Herr sieht mich, der Herr kennt mich, der Herr weiß um mich. Und dann läuft das wie ein Stern in der Nacht über ihrem Leben.

Vertrauen, Weggemeinschaft und der bleibende Zuspruch

Im Jahr 1975 hatte ich die Gelegenheit, im grössten Terrorregime von Idi Amin an einer Versammlung der Gläubigen in Uganda teilzunehmen. Da waren nur noch ganz wenige Engländer im Land. Sie wurden furchtbar behandelt.
Da nahm mich eine Frau aus der Versammlung heraus und sagte: Ich muss Ihnen etwas erzählen. Mein Name ist Wilson. Wir haben eine riesige Teeplantage, Wilson Tee. Wir müssen gehen, wir können nur noch unsere Tasche mitnehmen. Was wir hier aufgebaut haben, ist alles kaputt.
Aber mein Lieblingslied ist ein englisches Lied, das es leider im Deutschen in keiner glücklichen Übersetzung gibt. Wenn wir mit dem Herrn gehen, dann geht er uns voran mit seinem Stern. Und da heisst es im englischen Refrain nicht mehr „Trust and obey“, also „Vertrau und gehorch“. Sie sagt, das ist alles nicht schlimm. Was wir zurücklassen, was wir verlieren, ist ihm. Sondern herrlich ist, dass wir einen Herrn haben, mit dem wir wandern können.
Und wenn Sie das so begriffen haben wie Jakob, einen Gott, der es in ihrem Leben zeigen will, durch alle Tücken und durch alle Schwierigkeiten: Ich will dich nicht verlassen, ich bin mit dir, ich will dich behüten. Dann wird er ihnen auch ihre Schuld zeigen und seine Vergebung ganz wunderbar. Aber dass er sie nicht loslässt, ist wunderbar. Ein wunderbarer Herr, dem man vertrauen kann, absolut sicher. Amen.