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Johannesevangelium 5,24 - Ewiges Leben beginnt jetzt oder nie

Johannes 5,2405.04.2021
Serie•Teil 31 / 44Johannes-Evangelium
Du musst Gottes Annahme nicht verdienen. Wer auf Jesus hört und ihm vertraut, hat jetzt schon ewiges Leben – ohne Angst vor dem Gericht.

Ein prägender Vers und die Frage nach dem Evangelium

Hallo, liebe Geschwister!
Es gibt Texte, die bei der Bekehrung oder auch später im geistlichen Leben eine besondere Wucht entfalten. Texte, bei denen man sagt: Die waren wirklich prägend für meine geistliche Entwicklung. Ein solcher Text ist Johannes 5,24, um den es heute gehen soll.
Und bevor ich euch erkläre, warum das so ist, vielleicht ein paar einleitende Gedanken.
Ich komme, was meine religiöse Prägung angeht, aus der evangelischen Kirche. Ich habe in der evangelischen Kirche auch viele gute geistliche Impulse bekommen, so in Richtung Gott. Und wenn ich Menschen erkläre, wie ich zum Glauben gefunden habe, dann spielen diese Impulse, die ich in der evangelischen Kirche bekommen habe, eine große Rolle.
Aber das muss ich dann auch sagen: Bei allem Guten fehlte mir am Ende meines Teenagerseins, also auch nach der sogenannten Konfirmation, immer noch ein klares Verständnis vom Evangelium. Oder um das noch ein bisschen deutlicher zu sagen: Mein Verständnis von Christsein war damals von Selbstgerechtigkeit geprägt.
Für mich war bis zu meiner Bekehrung Anfang zwanzig ein Christ einer, der sich anstrengt, ein gutes Leben zu führen. Und dazu gehörte dann ein Leben der Nächstenliebe, die Ethik der Bergpredigt, Gottesdienstbesuch, Friedensbewegung, solche Sachen. Und irgendwie stand dahinter immer die Hoffnung, dass dieses christliche Leben irgendwie dazu führt, dass Gott am Ende, wenn man ins Jüngste Gericht kommt, sagt: Du darfst durch, hier ist das ewige Leben, das wartet jetzt auf dich.
Also so die Idee: das richtige Leben, und dann werde ich durchgewunken. Das war mein Verständnis von Evangelium.
Und dann kam Johannes 5,24. Der Vers kam und hat alles kaputt gemacht. Und heute würde ich sagen: zum Glück.
Aber fangen wir vorne an.

Die einzigartige Beziehung zwischen Vater und Sohn

Wir sind in Johannes Kapitel fünf. Die Religiösen klagen Jesus an. Vorwurf Nummer eins: Du heilst am Sabbat. Vorwurf Nummer zwei: Du machst dich selbst zu Gott.
Und statt einzulenken, wie jeder normale Mensch, also jeder Mensch, der eben nicht Gott im Fleisch ist, statt einzulenken und das Missverständnis aufzuklären, legt der Herr Jesus noch ein bisschen nach und erklärt, wie eng diese Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn wirklich ist. Und sie ist so eng, dass man die Beziehung zum Vater nur durch den Sohn bekommen kann.
Aber hören wir den Herrn Jesus selbst, diesmal aus dem Matthäusevangelium. Matthäus 11,27: Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater; noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und der, dem der Sohn ihn offenbaren will.
Das ist eine der wenigen Stellen, vielleicht die einzige außerhalb vom Johannesevangelium, wo das Verhältnis von Vater und Sohn so intensiv beleuchtet wird. Hier steht: Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater. Gott der Sohn wird uns immer ein wenig mysteriös bleiben. Wenn man sich anschaut, wie Konzilien sich die Zähne an der Frage ausgebissen haben, wie viele Naturen Jesus hatte, dann merkt man: Der Herr Jesus als menschgewordener Gott ist für uns Menschen nicht wirklich zu verstehen.
Ihn erkennen, wirklich durchschauen, wer er ist und wie er ist, das kann nur der Vater. Aber umgekehrt gilt das auch: Nur der Sohn hat ein wirkliches, tiefes Verständnis vom Vater. Die Beziehung der beiden zueinander ist absolut einzigartig.
Aber Jesus ist bereit, sein Wissen zu teilen. Er ist bereit, den Vater zu offenbaren. Er will zu einem Mittler werden, zu dem Mittler einer Beziehung werden, so wie Petrus das schreibt, 1. Petrus 1,21. Da heißt es: die ihr durch ihn, gemeint ist durch Jesus, an Gott glaubt, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat, so dass euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott gerichtet ist.
Das ist der Weg des Glaubens: durch Jesus an Gott glauben. Warum ist das wichtig? Weil es keinen Glauben an Gott, den Vater, gibt, der an Jesus vorbeigeht. Es gibt keinen irgendwie-Glauben an Gott. Es reicht nicht, dass wir an das Gute glauben oder an eine höhere Macht oder an irgendwie den Gott der Bibel.
Wer eine Beziehung zum Vater im Himmel haben will, der muss durch Jesus an Gott glauben. Er braucht eine Beziehung zum Sohn, durch die er dann den Vater offenbart bekommt und an den Vater glauben kann. Es gibt keine Abkürzung, es gibt keinen Shortcut zu Gott. Und der Vater hat das so eingerichtet, weil er den Sohn lieb hat.

Der Weg zum Leben und die Bedeutung des Hörens

Und deshalb kann Jesus formulieren, Johannes 5,24: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“
Tu mir einen Gefallen: Lerne den Vers auswendig. Wenn du nur zehn Verse in deinem Leben auswendig lernen möchtest, dann lass diesen bitte dabei sein.
 Johannes 5,24: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“
Dieser Vers hat mein Denken, mein falsches Denken über mich, zerschmettert. Und lasst mich erklären, warum.
Hier steht: „Wahrlich, wahrlich.“ Ihr erinnert euch an „Amen, amen“? Was jetzt kommt, ist wichtig. Eigentlich müsste man sagen: Was jetzt kommt, ist super wichtig.
Also, was ist super wichtig? Super wichtig ist, wie ein Mensch ewiges Leben bekommen kann.
Was ist ewiges Leben? Ewiges Leben ist eine Lebensqualität. Es ist die Qualität von Leben, für die der Tod nur ein Übergang in eine von Schönheit, Ruhe, Kreativität und Gerechtigkeit geprägte Welt ist.
Für das ewige Leben hat der Tod, Paulus würde sagen, seinen Stachel verloren. Der Tod ist wie ein Skorpion. Und ich weiß nicht, ob ihr diesen Tieren schon einmal begegnet seid. Wenn man nicht an sie gewöhnt ist, erschrickt man erst einmal. Warum? Weil sie so einen Stachel haben. Und weil sie diesen Stachel haben, bekommt man leicht Angst vor ihnen, selbst wenn sie noch relativ klein sind. Dieser Giftstachel macht sie so gefährlich.
Und so ist auch der Tod. Der Tod hat einen Stachel. Viele Menschen haben Angst vor dem Tod, weil sie einfach nicht wissen, wie es weitergeht. Das ist verständlich. Wenn man über den Tod nachdenkt, ist es nachvollziehbar, Angst zu haben. Angst deshalb, weil der Tod so unausweichlich ist. Ja, wir werden sterben. Deshalb sprechen wir ja auch davon, dass etwas ganz sicher ist, wenn es todsicher ist.
Und jetzt kommt das ewige Leben, und mit einem Mal brauche ich keine Angst mehr vor dem Tod zu haben. Warum? Weil das ewige Leben den Tod nur noch als Übergangsstation benutzt, hin zu etwas viel Besserem.
Ich weiß: Ich habe ein Leben, das sich nicht mehr vor dem Tod fürchtet. Ganz ehrlich, ich bin nicht so der emotionale Typ, aber ich erinnere mich gut daran, wie ich vor der Herz-OP in den OP-Bereich hineingeschoben wurde. Das ist so dieser Moment, in dem man ausgeschaltet wird, die Vollnarkose. Das Letzte, was man dann sinngemäß hört, ist vielleicht: „Sie bekommen jetzt ein Beruhigungsmittel.“
Das ist der Moment, wo du wissen musst, ob du ewiges Leben hast, weil du nicht mehr weißt, ob du das überlebst. Das ist der Moment, wo du wissen musst: Ich habe den Sieg über den Tod. Ich habe ihn in der Tasche.
Und zwar, weil ich den Herrn Jesus kenne, weil ich an ihn glaube, weil ich durch den Herrn Jesus an Gott glaube und weil ich ewiges Leben geschenkt bekommen habe.

Gegen Selbstgerechtigkeit: Leben beginnt im Jetzt

Also die Frage: Wie bekommt man ewiges Leben? Johannes 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.
Hören auf das, was Jesus sagt, und Glauben an den, der Jesus gesandt hat — darüber will ich jetzt gar nicht so viel predigen, das wissen wir hoffentlich. Ich höre auf Jesus, und ich glaube an Gott. Es sind die Worte des Sohnes, die den Glauben an Gott ermöglichen. Es ist eben nicht irgendein Glaube an Gott, so ein Patchwork-Ding, so ein Pippi-Langstrumpf-Gott nach dem Motto: Ich mach mir Gott und Welt, wie sie mir gefällt. Nein, nicht irgendein Glaube an Gott, sondern es ist der Glaube an den Gott, der durch die Predigt des Herrn Jesus offenbart wird. Darum geht es: Hören und Glauben.
Wenn du ein Argument dafür brauchst, dich viel mit den Evangelien zu beschäftigen, hier ist es: Durch das Hören auf die Worte Jesu wächst der Glaube an Gott. So simpel, wie Paulus das in Römer 10,17 sagt: Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi. Und das, was Paulus sagt, gilt für rettenden Glauben an das Evangelium. Aber natürlich gilt das auch für die Vertiefung des Glaubens nach der Bekehrung.
Zurück zum Anfang meiner Predigt: Warum hat Johannes 5,24 für mich eine so immense biographische Bedeutung? Johannes 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.
Alles hier liegt an dem Wörtchen „hat“. Der hat ewiges Leben. Vor meiner Bekehrung dachte ich, dass ewiges Leben etwas ist, was man irgendwann später mal bekommt. Also war meine Idee: jetzt artig sein, später ewiges Leben bekommen. Ganz praktisch: Ich war fleißig, ich habe mir vorgenommen, meistens die Wahrheit zu sagen, ich habe in den Klausuren nicht geschummelt, ich war meiner Freundin treu, ich habe sogar vor dem Schlafengehen gebetet. Ich habe auch so ein paar pseudochristliche Bücher gelesen, in denen es darum ging, dass man nur lieb sein muss, wenn man als Christ durchgehen möchte.
Wie gesagt: jetzt artig sein, nicht mit Frauen rummachen, keinen Koma saufen, keine Drogen, und später dann gibt es die Belohnung. So einfach war meine Theologie, und das ist das klassische Konzept der Selbstgerechtigkeit. Und dann kommt Johannes 5,24 und macht einfach mal alles kaputt.
Wisst ihr, der Teufel hat kein Problem mit artigen Pseudochristen, die glauben, sich den Himmel verdienen zu können, weil sie nicht auf Jesus hören, sondern auf liberale Theologen oder den Dalai Lama. Mein Denken war: jetzt artig sein, später bekomme ich dann das ewige Leben. Falsch! Ganz falsch! Falscher geht nicht. Und deswegen heißt die Predigt heute: Ewiges Leben beginnt jetzt oder nie!
Ewiges Leben beginnt jetzt oder nie! Wer hört und glaubt, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, und er ist aus dem Tod — gemeint ist der geistliche Tod, die Verlorenheit meiner Seele, die nur darauf wartet, in alle Ewigkeit verloren zu gehen — aus dem Tod ins Leben, ins ewige Leben, in das eigentliche Leben, in das Leben mit Gott übergegangen.
Also nicht jetzt artig sein und dann ins Gericht kommen und hoffen, dass man irgendwie durchgewunken wird ins ewige Leben. Nein, sondern jetzt ewiges Leben haben. Ewiges Leben beginnt jetzt oder nie. Wer ins Gericht kommt, also ich meine ins jüngste Gericht, vor dem großen weißen Thron, und sich dort als Angeklagter wiederfindet, für den ist es definitiv zu spät. Der wird nach seinen Werken gerichtet und geht verloren, weil ihm der rettende Glaube an Gott durch das Hören auf die Worte Jesu fehlt.

Gewissheit des Heils und die abschließende Einladung zum Austausch

Ein letztes Mal Johannes 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.
Für mich war dieser Vers das Aus meiner Selbstgerechtigkeit. Und wenn ich nicht weiß, wo jemand geistlich steht, mit dem ich mich unterhalte, dann frage ich ihn gern: Sag mal, weißt du, dass du ewiges Leben hast? Ja? Also, wenn du heute stirbst, wie geht es dann mit dir weiter? Wo kommst du dann hin?
Und wenn die Antwort lautet: Hey, hey, das kann man aber nicht so wissen. Das wird man dann mal sehen. Dann bringe ich Johannes 5,24. Kann man nämlich doch. Man kann wissen, ob man ewiges Leben hat, wie Johannes das dann im ersten Johannesbrief noch einmal, vielleicht sogar noch ein Stück pointierter, auf den Punkt bringt, wenn er schreibt: 1. Johannes 5,13. Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt. Amen.
Lasst uns in den Austauschgruppen Folgendes machen: Einmal kurz Johannes 5,17-29 vorlesen, damit wir den ganzen Zusammenhang noch einmal vor Ohren und Augen haben. Dann eine Introfrage mit dem Wunsch, dass möglichst viele sich beteiligen. Die Frage lautet: Welche Texte der Bibel sind dir bei deiner Bekehrung oder früh im geistlichen Leben von besonderer Bedeutung gewesen?
Und dann eine Austauschfrage, bei der wir uns einfach Gedanken darüber machen, wie wir unserer Teenager-Tochter die Frage beantworten, wie Glaube und gute Werke zusammengehören. Wie erklärst du deiner Teenager-Tochter den Zusammenhang zwischen Glauben an Gott und guten Werken? Welche Bibelstellen bringst du, welche Bilder verwendest du? Das wäre die Austauschfrage.
Ich wünsche euch ganz, ganz viel Segen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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