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Gottes Reich – und mein Geld

Matthäus 6,19-2409.05.2013
Geld ist kein Nebenthema: Es zeigt, wem dein Herz gehört. Wer nur behalten will, verliert Freiheit – wer loslässt, wird reich an dem, was wirklich trägt.

Einleitung und biblische Grundlegung

 Matthäus 6, ab Vers 19, da geht es in der Bergpredigt um das Reich Gottes und unser Geld:
Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost sie fressen und wo Diebe durchgraben und stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.
Vers 24: Niemand kann zwei Herren dienen. Denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
An der zweiten Bibelstelle, Lukas 16,10-13, da sagt der Jesus, das ganze Kapitel handelt auch von Geld und Reichtum:
Wer im Geringsten treu ist, der ist auch in vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch in vielem ungerecht. Wenn ihr nun dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? Und wenn ihr dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben?
Dann noch eine dritte Stelle, 1. Timotheus 6,6:
Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn. Denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, so ist es offenbar, dass wir auch nichts hinausbringen können. Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, die die Menschen versenken in Verderben und Untergang. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, der nachstrebend einige von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.
Ja, unser Thema ist ein sehr heißes Eisen. Es ist Gottes und mein Geld. Und es ist auch sehr demütigend, darüber nachzudenken und noch mehr darüber zu sprechen. Bitte glaubt nicht, dass ich in diesen ganzen Fragen und in diesen Dingen, die uns die Bibel hier sagt, darüber erhaben bin. Im Gegenteil: Das trifft mich als Ersten. Das ist für mich auch eine demütigende Sache, darüber zu sprechen.
Man sagt ja im Allgemeinen hier in Deutschland: Über Geld spricht man nicht, man hat es. Oder wir kennen den Ausspruch von Voltaire, diesem französischen Spötter: Wenn es ums Geld geht, haben alle Menschen die gleiche Religion. Nun, das ist eine recht gute Beobachtung. Dann haben alle den gleichen Gott: Mammon.
Warum spricht man eigentlich in unseren Gemeinden selten oder nie über Geld und den Umgang mit Geld? Ich weiß nicht, wann ihr die letzte Predigt darüber gehört habt. Warum gibt es so wenig Bücher zu diesem Thema? Ich würde euch so gerne eine Menge vorstellen, aber es gibt nicht viele. Zum Thema Ehe haben wir eine ganze Batterie da hinten liegen, Familie, Erziehung, Seelsorge, Depression, was nicht alles. Aber zum Thema Geld nur ganz wenig.
Ich zitiere aus einem Buch, das ich euch nachher ein bisschen versuche, liebzumachen, auch wenn es recht teuer ist:
Jesus Christus sprach mehr über Geld als über alles andere, denn was die wahre Natur des Menschen betrifft, ist das Geld von größter Bedeutung. Geld ist ein deutlicher Index für den wahren Charakter eines Menschen. Durch die ganze Bibel hindurch gibt es eine enge Korrelation, also eine Wechselbeziehung, zwischen der Entwicklung des Charakters eines Menschen und seinem Umgang mit Geld.
Das ist eine interessante Feststellung.

Warum Geld ein geistliches Prüfstein ist

Nun, wir haben keine Probleme, wenn die Bibel etwas über Friede, Freude, Liebe oder Gnade sagt. Darüber kann man predigen, und damit wird man niemanden ärgern oder verärgern. Aber über Geld und Besitz zu sprechen, das haben wir nicht so gerne, da bedanken wir uns.
Und leider sind auch wir, die wir uns oder die meisten von uns wahrscheinlich als bibeltreu bezeichnen würden, manche auch als Fundamentalisten, die die Bibel sehr genau und wörtlich nehmen, nicht viel anders. Die Passagen, in denen über Geld geredet wird, nehmen wir, auch wenn unser Herr Jesus selbst darüber spricht, oft nicht so ernst. Viele sagen dann: Die Zeiten haben sich geändert, das war damals. Man muss das zeitgeschichtlich sehen. Dann sind wir auf einmal auch ein bisschen kritische Theologen. Das gilt nicht mehr für unsere Zeit, oder manche sagen: Das war für den jüdischen Überrest damals oder für die Jünger Jesu. Die Zeiten haben sich geändert.
Er schreibt in diesem Buch sehr auffällig über Geld, Besitz und Ewigkeit. In der Bibel gibt es 2.350 Verse über Geld, doppelt so viele wie über Glaube und Gebet zusammen. Der Herr sprach mehr über Geld als über Himmel und Hölle zusammen. Wir fragen uns: Hat er sich da vertan? Er hat ausgerechnet 15 aller Worte unseres Herrn in den Evangelien handeln von Geld und vom Umgang mit Geld. Und die Frage ist: Ja, wusste Jesus etwas über Geld und Güter, was wir nicht wissen, oder wollen wir das nicht so gerne wissen?
Ich habe in den vergangenen Tagen, als ich über das Thema nachdachte, eine Biografie hervorgekramt, die es heute gar nicht mehr gibt. Aber ich kann sie euch gar nicht anpreisen, mit dem Titel „Im wilden Turkestan“. Das ist jetzt nicht das Buch von Karl May, er hat auch so einen Wälzer geschrieben, sondern von Hermann Jantzen, einem Mennoniten, ein Leben unter Moslems. Wer das irgendwo noch auffinden kann, der sollte das mal lesen.
Und er erzählt dann, wie er als Missionar, er lebte von 1866 bis 1959, vor allem in Tadschikistan, in Kasachstan, dort in dieser Ecke, in Turkmenistan, viel missioniert hat. Unter seinem Dienst und seiner Verkündigung, durch das Verteilen von Traktaten, Büchern und Bibeln, bekehrte sich eine Frau, deren Mann völlig gegen den Glauben war. Er war ein reicher Mann, hatte eine Schlachterei und eine große Wurstfabrik, und er war wütend, dass sich seine Frau bekehrt hatte. Ich bin nicht sicher, ob er Muslim war. Auf jeden Fall hat er sie gequält, er hat gedroht, sie zu erstechen, und hat sie geschlagen und was nicht alles. Aber nach einiger Zeit, weil sich die Frau auch so verändert hatte und Bruder Jantzen dort Besuche gemacht hatte, kam er damals zur Verkündigung, und irgendwann ist er tatsächlich dann zum Glauben gekommen.

Ein getauftes Portemonnaie als Bild der Hingabe

Nun, dann wollte er sich natürlich auch taufen lassen. Und wie das bei den Mennoniten und Baptisten üblich ist, tauft man gerne in einem Fluss oder See.
So kam der Tag der Taufe. Am Ufer standen viele Geschwister, um sich mitzufreuen, als dieser Herr Laubach ins Wasser steigen sollte, der sich endlich bekehrt hatte. Man hatte viel für ihn gebetet. Ein kleines Zelt war dort aufgestellt, wo man sich umziehen konnte. Dann ging dieser Bruder die Treppe hinunter ins Wasser. Es herrschte Totenstille. Alle schauten andächtig zu, freuten sich oder beteten. Und bevor er ins Wasser stieg, blieb er stehen, ging ziemlich entschlossen wieder zurück und ging wieder in seine Umkleidekabine in dieses Zelt.
Alle wunderten sich und empfanden das auch als sehr peinlich. Was machen wir jetzt? Aber er kam dann nach ein paar Sekunden oder einer Minute wieder heraus und stieg dann fröhlich ins Wasser und wurde getauft. Die Leute haben alle ein bisschen komisch geguckt, aber keiner wusste, was los war.
Nun, dieser Evangelist Hermann Janssen war bei ihm zu Gast. Und am nächsten Morgen bekam er von diesem Herrn Laubach 300 Rubel geschenkt. Das war damals eine ganze Menge Geld. Er sagte ihm: Hör mal, kauf dafür Brot und verkündige das Evangelium. Einen leeren Magen zu predigen ist nicht gut. Wir hören besser zu, wenn wir satt sind. Geh zu den Armen hin und verteile es.
Nun, da hat sich Bruder Janssen sehr gefreut. Und am nächsten Morgen bekam er genau das Gleiche wieder: 300 Rubel. Und am dritten Tag auch wieder 300 Rubel, mit demselben Auftrag: Kauf Brot für die Armen und verkündige das Evangelium.
Schließlich sagte Bruder Janssen dann: Hör mal, ist das nicht ein bisschen viel? Kannst du so viel Geld hier weggeben für die Armen? Also, es ist mir fast peinlich, das jetzt anzunehmen.
Und dann erzählte ihm dieser Bruder Laubach, und den Brüdern, die dabei waren: Meine lieben Brüder, mein Portemonnaie ist auch getauft worden, Gott dem Herrn! Habt ihr bei meiner Taufe nicht gemerkt, wie ich vor dem Einsteigen ins Wasser noch einmal in den Umkleideraum zurücklief? Die Ursache war diese: Als ich mich zur Taufe umkleidete, sagte der Geist Gottes zu mir: Adam, nimm auch dein Portemonnaie mit, das muss auch getauft werden. Doch der Teufel flüsterte mir zu: Du hast noch Frauen und Kinder zu versorgen. Da folgte ich ihm, dem Teufel.
Als ich aber ins Wasser steigen wollte, sagte der Geist Gottes wieder zu mir: Adam, halt, jetzt oder nie. Geh schnell zurück, hol deine Brieftasche, die muss getauft werden, denn von nun an gehört sie mir. Da bin ich schnell zurückgelaufen und habe sie geholt, vor den Menschen verborgen, und so wurde mein Portemonnaie mitgetauft und gehörte nun voll und ganz dem Herrn. Darum, liebe Brüder: Seid nicht besorgt um mich, ich weiß, was ich tue, und nun glückliche Reise in die Altstadt, um den Armen das Evangelium zu verkündigen.
Das fand ich eine sehr passende Anekdote zu unserem Thema. Und Luther hat ja auch den bekannten Satz ausgesprochen: Nicht nur unser Herz, unser Verstand muss bekehrt werden, sondern auch unsere Brieftasche, unser Portemonnaie. Und das ist unser Thema.
Von den Germanen erzählt man ja, als sie in den ersten Jahrhunderten zwangsgetauft wurden, dass sie bei der Taufe den rechten Arm oder die rechte Hand hochgehalten haben. Das war ein Symbol dafür: Ihr könnt alles von uns haben, aber unsere rechte Hand, unser rechter Arm, mit dem wir das Schwert führen, der wird nicht getauft.
Wie würden wir uns verhalten, wenn wir ehrlich und aufrichtig wären bei der Taufe? Würden wir auch unsere Brieftasche über Wasser halten oder unsere Kreditkarte? Oder kann man in unserem Leben erkennen, dass wir wirklich Bürger dieses Reiches Gottes sind, dass wir danach trachten, ihm zu gefallen, und dass diese Welt hier unter der Herrschaft Gottes des Teufels keine Macht mehr über uns hat?

Der Zehnte als Zeichen der Verwalterschaft

Ich möchte ganz kurz etwas zum Alten Testament sagen, über den Zehnten. Im Alten Testament gibt es sehr, sehr viele Abgabeverordnungen. Die Zeit fehlt, um darüber zu sprechen. Aber den Zehnten kennen wir ja wahrscheinlich alle. Interessant ist, dass der Zehnte gegeben wurde, als das Gesetz im zweiten und dritten Buch Mose noch gar nicht ausgesprochen oder aufgeschrieben war.
Und zwar finden wir in 1. Mose 14 in der Begegnung von Abraham mit Melchisedek, diesem geheimnisvollen König und Priester, der ihn in einer ganz bestimmten Situation segnet. Aus Reaktion auf diesen Segen gibt Abram dem Melchisedek den Zehnten von allem, was er so hat und was er in diesem Krieg, in der Schlacht der vier gegen fünf Nationen, erbeutet hat.
So können wir erkennen, ich mache es ganz kurz, dass der Zehnte damals im Alten Testament eine freiwillige Abgabe war. Das hatte Gott damals nicht geboten, sondern es war ein Zeichen dafür, dass diesem König, diesem Melchisedek, dem König von Salem, eigentlich alles gehört, was Abraham besaß. Und als Zeichen dafür oder als Anerkennung, dass Melchisedek der König war, hat Abraham ihm den Zehnten gegeben. Das war damals so üblich.
Und ich denke, dass diese erste Erwähnung im Alten Testament vom Zehnten wirklich eine tiefe symbolische Bedeutung hat für die ganze Bibel und auch für das Neue Testament. Hier wird ein Prinzip gezeigt. Da geht es im Neuen Testament nicht mehr um den Zehnten, sondern darum, dass wir durch unser Verhalten, durch unseren Umgang mit Geld anerkennen, dass dem Herrn alles gehört und dass wir nur Verwalter sind.
Ob wir dann den Zehnten geben oder zwanzig Prozent oder fünfzig oder neunzig Prozent, das hängt von unseren Umständen und auch von unserem Herz ab. Ich möchte nur ganz kurz dieses Prinzip deutlich machen: Der Zehnte im Alten Testament ist die Anerkennung, dass das, was wir haben, uns nur anvertraut ist. Es gehört uns nicht. Wir sind nicht Besitzer, sondern nur Verwalter.
Deswegen, wenn ich Herr Jesus sage und wenn ich seine Herrschaft über mein Leben anerkenne, und das tue ich ja ganz deutlich, wenn ich getauft werde, dass ich ihm gehöre mit allem, was ich habe, dann muss ich auch realisieren: Alles, was Gott mir zur Verwaltung gibt, dafür muss ich Rechenschaft ablegen. Und das ist mir anvertraut, damit ich damit in seinem Sinne umgehe.

Das Vorbild Jesu im Umgang mit Besitz

Und so möchte ich dann jetzt ganz kurz versuchen, und wie gesagt, man müsste eigentlich mehrere Stunden darüber sprechen. Ich möchte ganz kurz versuchen, einmal das Vorbild unseres Herrn im Umgang mit Geld und Gut vor eure Augen zu stellen, dann auch das Vorbild der Apostel und das Vorbild der ersten Christen. Das kann ich auch nur ganz kurz anreißen. Dann zweitens das, was der Jesus über den Umgang mit Besitz und Geld lehrt, und auch, was die Apostel, vor allem Paulus, darüber zu sagen haben. Und im dritten Teil: Wie kann man das heute praktizieren? Was können wir damit anfangen, was können wir lernen, wie können wir das umsetzen?
Also zuerst einmal das Vorbild unseres Herrn. Und wir lesen in 1. Johannes 2,6, und es ist entscheidend wichtig, dass wir das auch realisieren: Wer da sagt, und man könnte auch sagen, wer bekennt, dass er in ihm bleibt, in dem Herrn Jesus, der zu Herrn Jesus gehört, der ist schuldig, so zu wandeln, das heißt so zu leben in der Öffentlichkeit, wie er, unser Herr, gewandelt hat. Und das ist interessant. Das sollte der Maßstab sein für unser Verhalten, auch im Umgang mit Geld. Wie ist der Jesus damit umgegangen? Das ist mein Vorbild. Und wenn ich mich Christ nenne, Nachfolger Jesu nenne, ja, dann muss ich mich daran messen. Wir sind schuldig, sagte Johannes im Brief, so zu wandeln, wie er uns das vorgelebt hat.
Ich erinnere nur ganz kurz an seine Geburt. Wer war er? Gott selbst, dem alles gehört, der alles geschaffen hat. Es war kein Raum für ihn in der Herberge, als er geboren werden sollte. Wir wissen alle, dass er in eine Futterkrippe gelegt wurde, wahrscheinlich auf freiem Feld, denn in der Herberge war kein Raum für Maria und Josef und für den, der geboren werden sollte. Offensichtlich waren die Eltern sehr arme Israeliten, denn etwa sieben Tage nach der Geburt war es üblich, dass der Erstgeborene Gott geweiht wurde. Man ging zum Tempel, und dann lesen wir in Lukas 2, ab Vers 12, dass die Eltern das geringste, billigste Opfer brachten, nämlich zwei Tauben oder Turteltauben. Sie hatten offensichtlich nicht mehr Geld, um ein Lamm oder ein anderes Opfertier zu bringen. Es war das Opfer der Armen.
Also ist Jesus in ganz armen Umständen aufgewachsen. Warum? Das war doch kein Zufall, sondern Gott hat es so gewollt, der Jesus hat es so gewollt, um uns eine Lektion zu lehren. Als er erwachsen war, etwa mit dreißig Jahren, und dann auch in Israel umherging und predigte, hatte er keine feste Wohnung. Als jemand recht begeistert die Hand gehoben hat, ich will dir folgen, oder nach vorne gekommen ist oder sich ihm irgendwie anschließen wollte mit einem feurigen Bekenntnis, da sagte er ihm in Lukas 9,58: Hör mal gut zu, die Füchse des Feldes, die haben Höhlen für ihre Jungen, und die Vögel des Himmels, die haben Nester für ihre Jungen. Aber der Sohn des Menschen, damit zeigt er auf sich, hat nicht, wo er sein Haupt hinlegt.
Dann hören wir von dem jungen Mann, der so begeistert war, nichts mehr. Ihm wurde klar, was die Kosten der Nachfolge sind, und er verschwand dann in der Einsamkeit. Wir lesen nicht wieder, dass er irgendwo auftaucht.
In Lukas 21 wird Jesus beschrieben als Mensch, und gerade zu seinem Umgang mit Geld und diesen Dingen, da lesen wir in Kapitel 21, Vers 37, wenn er gepredigt hat, des Tages, übernachtete er des Nachts auf dem Ölberg. Er konnte sich nicht zurückziehen, er hatte kein Haus, er hatte keine Wohnung, er hatte kein Zimmer. Natürlich, er war ab und zu zu Gast in Bethanien im Haus von Martha und Maria, aber wenn die Menschen alle nach der Predigt am Abend in ihr Haus gingen, ging er an den Ölberg und übernachtete da selbst. Aber wenn man da einen Augenblick drüber nachdenkt, da kommen einem die Tränen in die Augen. So hat unser Herr gelebt, dem alles gehört. Warum hat er es getan? Er hat uns ein Beispiel gegeben.
Als er einmal Steuer zahlen musste, wir kennen diese Begegnung mit den Steuereinnehmern und wie Petrus sich da verhalten hat, da konnte der Jesus nicht in irgendeinen Geldbeutel oder in eine Brieftasche greifen, um da Geld herauszuholen, sondern wir wissen, dass er Petrus an den See schickte, und er sollte dort ein Geldstück holen, aus einem Fisch, aus dem Maul eines Fisches. Er hatte kein Geld bei sich.
Und wenn er den Jüngern befohlen hat, wenn sie hinausgehen zu evangelisieren, tragt keinen Beutel mit, nehmt keine Vorräte mit, er hat es ihnen vorgelebt. Dort am Kreuz, wo er starb, wo das buchstäblich war: Er hatte nicht, wo er sein Haupt hinlegen konnte, kein Kopfkissen, kein Sterbebett, sondern ein Holzpfahl. Dort hing er zwischen Himmel und Erde, ausgestoßen von den Menschen, als Zeichen dafür: Für dich ist auf dieser Erde kein Platz, geh zurück dahin, von wo du gekommen bist. Und der Himmel konnte ihn auch nicht aufnehmen, weil er, Jesus, dort am Kreuz für unsere Sünde gemacht wurde, zwischen Himmel und Erde.
Da lesen wir am Ende: Er neigte sein Haupt und übergab den Geist. Er konnte sein Haupt nicht zurücklegen. Der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegt, sondern sein Haupt fiel nach vorne, und er übergab den Geist, er verschied.
Sein Nachlass, das war ein Oberkleid, offensichtlich sehr schlicht und einfach, denn es wurde von den Soldaten zerteilt, zerrissen, in vier Teilen. Allerdings, sein Unterkleid war wohl recht wertvoll, und die haben gesagt: Also, das ist zu schade, wenn man das jetzt auch zerreißen soll, da wollen wir lieber losen, wer das kriegen soll. Das finde ich auch ganz interessant. Das macht etwas deutlich, was auch schon im Alten Testament angedeutet wird in der Stiftshütte. Wenn ihr an die Decken der Stiftshütte denkt, da gab es ganz kostbare, wunderbare Decken, aber die oberste Schicht war eine ganz schlichte, graubraune Decke, um anzudeuten, als Vorbild, als Typus auf unseren Herrn Jesus: eine verborgene Herrlichkeit, nach außen hin keine Pracht.
Das lesen wir auch in den alten Schriften im Propheten Jesaja. Als wir ihn gesehen haben, ja, der sah nicht so aus, als hätten wir seiner bedurft. Er war nicht so ein Strahlemann, wie er im Jesusfilm oder sonstwo gezeigt wird, überhaupt nicht. Er war verachtet, man hat vor ihm sicherlich nicht nur am Kreuz das Angesicht verborgen. Das war nicht ein Mann mit einer körperlichen Ausstrahlung, sondern schlicht und einfach. Und ich glaube, das wird auch deutlich: das Oberkleid einfach, schlicht, nichts wert. Das Unterkleid war sehr wertvoll.
Wie schön, wenn das auch von uns verstanden würde, in unserem Auftreten, in unserer Kleidung, wie wir den Herrn hier in dieser Welt repräsentieren wollen. Obwohl er Gott selbst war, obwohl er in der Offenbarung der König der Könige genannt wird, arm geboren und in bitterster Armut und Einsamkeit gestorben. Warum? Nun, für den Herrn wäre es kein Unterschied gewesen, wenn er in einem Königsschloss geboren worden wäre. Der Unterschied, der qualitative Unterschied zwischen Himmel und Königsschloss, der ist noch so gewaltig. Für ihn war das nicht wichtig, ob er im Königsschloss oder in Bethlehem in eine Krippe gelegt wurde. Aber aus unserer Sicht wollte er uns etwas demonstrieren, und wir sollen von ihm lernen, so zu leben, so zu wandeln, so aufzutreten wie er, wenn wir uns nach ihm nennen.
Das war ganz kurz ein paar Gedanken zum Leben unseres Herrn. Ich weiß, das war wenig, man müsste da viel mehr drüber sprechen, aber vielleicht reizt euch dieses Thema an, mal die Evangelien zu studieren, wie da Jesus mit Geld, mit materiellen Dingen umgegangen ist. Das ist sehr bewegend und beschämend für uns.

Das Zeugnis der Apostel und der ersten Gemeinde

Wiederum ganz kurz das Vorbild der Apostel, Apostelgeschichte 3:
Da sehen wir einen Lahmen an der Pforte des Tempels, der um Geld bettelt. Petrus und Johannes gehen wie üblich in den Tempel, um dort Kontakte zu knüpfen, auch um zu predigen. Und dieser lahme Bettler streckt seine Hände aus und möchte natürlich irgendwie eine Gabe von ihnen bekommen. Dann sagt Petrus zu ihm: Sieh uns an. Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen des Herrn Jesus Christus, des Auferstandenen, steh auf und wandle.
Petrus konnte sagen: Silber und Gold habe ich nicht. Nun, wenn das die sogenannten Nachfolger Petri, Ratzinger und jetzt Franziskus, auch sagen könnten, wäre das schön. Aber könnten wir das auch sagen? Silber und Gold habe ich nicht. Wir haben Silber und Gold, wir haben Geld, aber leider haben wir nicht die Autorität und die Vollmacht, auch nicht die moralische Vollmacht zu sagen: Steh auf und wandle.
Zwei kurze Zitate aus dem Korintherbrief. Da sagt der Apostel Paulus in 1. Korinther 4,11-12, er zählt ein bisschen aus seinem Leben auf. Er zählt eine ganze Reihe von Dingen auf, unter denen er gelitten hat um des Herrn willen, um des Reiches Gottes willen. Bis auf die jetzige Stunde leiden wir Hunger und Durst, sind nackt, das heißt, man hatte nur ein leichtes Unterkleid an, haben keine bestimmte Wohnung. So hat Paulus gelebt. Jesus war sein großes Vorbild, und er hatte alles aufgegeben, um ihn zu erkennen, aber auch, um ihm gleichförmig zu sein, so weit es ihm als Mensch möglich ist.
 2. Korinther 6,10 oder Vers 20, da sagt er von sich und von den Aposteln: als die Armen, aber viele reich machend. Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke und auch ein beschämender Gedanke für uns: als nichts habend und alles besitzend? Was war sein Reichtum? Sein Reichtum war Christus. Und er sagt ja im Philipperbrief, wenn dort davon erzählt wird, wie er zum Glauben kam, dass er alles andere, was ihm früher wertvoll war, für Schaden und Dreck, für Kot gehalten hat um der Vortrefflichkeit Christi willen. Das war sein Reichtum: als Armer, aber viele reich machend. Wenn man das von uns sagen könnte, wenigstens ansatzweise.
Das also ganz kurz dazu, wie die Apostel gelebt haben. Ebenfalls ganz kurz zum Vorbild der ersten Christen:
 Apostelgeschichte 2,44: Da lesen wir, sie hatten alles gemeinsam, verkauften ihre Güter und Habe und verteilten sie an alle, so wie sie Bedürfnis hatten.
Kapitel 4,32: Auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein Eigen wäre, sondern es war ihnen allen alles gemein. Also sie verteilten ihre Habe und gaben sie weiter.
Und die Folge ist in Kapitel 4,33: Und mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung des Herrn Jesus. Und ich glaube, das ist wirklich ein Zusammenhang. Wenn wir so leben wie der Herr, gerade auch in Beziehung auf Besitz und Geld und dergleichen mehr, wenn wir teilen und weitergeben, wenn wir praktizieren, dass wir ja nicht Besitzer, sondern Verwalter sind, dann kann der Herr unser Zeugnis segnen. Dann ist auch große Kraft da, um Zeugnis abzulegen von der Auferstehung des Herrn Jesus.
Das finden wir in der Apostelgeschichte am Anfang an mehreren Stellen, wo ganz deutlich wird, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Umgang mit Geld und geistlichem Segen oder auch, dass Menschen zum Glauben kommen. Da gibt es einen Zusammenhang.
Kann man bei diesen Gedanken auch einen Umkehrschluss ziehen? Je materiell reicher wir sind als Christen, umso mehr schwindet unsere geistliche Kraft und auch unser geistlicher Reichtum.

Jesu Lehre über Sorgen, Reichtum und Genügsamkeit

Kommen wir jetzt zur Lehre des Neuen Testamentes. Zunächst einmal: Was hat Jesus gelehrt? Vielleicht haben wir noch die Bibel aufgeschlagen, Matthäus 6, die Bergpredigt. Er warnt in diesen Versen hier, auch in den Folgen, die wir nicht gelesen haben, vor zwei Gefahren.
Zum einen davor, dass die Jünger, die ihm folgen wollen, die im Reich Gottes sind, bedroht oder angefochten sind durch Armut. Und deswegen ermutigt Jesus sie: Sie sollen sich nicht sorgen, sie sollen keinen Kleinglauben haben, sie sollen auf den Herrn vertrauen. Sorgt nicht – wie oft wird das hier in der Bergpredigt erwähnt, was Nahrung, Kleidung und Wohnung betrifft. Sorgt nicht. „Ich sorge für euch“, mit anderen Worten. Sondern: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, wie wir soeben gesungen haben. Das ist die Marschroute, die Jesus seinen Jüngern gegeben hat in der Bergpredigt.
Das ist jetzt nicht ein Aufruf zur Faulheit. Ein Bruder, dem ich einigermaßen viel verdanke, war Geschäftsmann. Der hat mir mal gesagt: In jungen Jahren, wenn man einen gläubigen Christen entlässt oder wenn er in Rente geht aus der Firma, dann müsste man eigentlich zwei neue für ihn einstellen. Ein Christ ist, der muss fleißig sein, der muss sein Bestes geben, und er muss auch darin ein Vorbild sein. Also, das ist hier nicht ein Aufruf zur Trägheit: Sorgt nicht. Sondern ganz im Gegenteil.
Aber Jesus sieht, dass es eine Gefahr gibt, wenn wir bescheiden leben, nämlich dass man sich Sorgen macht, dass man vielleicht auch neidisch wird auf die, die mehr haben, denen Gott mehr gegeben hat. Dass man versucht ist, sich selbst irgendwie zu helfen, nicht auf Gott zu vertrauen, vielleicht dass man sogar betrügt oder dass man Schwarzarbeit macht, um über die Runden zu kommen. Sorgt nicht.
Und dann spricht Jesus auch von der Gefahr des Reichtums, nämlich dass man selbstsicher ist, dass man nicht mehr abhängig ist von dem Herrn, nicht mehr beten muss, dass man vielleicht auch überheblich und stolz wird. Aber auch der Reiche macht sich Sorgen. Man sagt hier unter den Menschen: Geld macht nicht glücklich, aber beruhigt. Stimmt das? Nun, seit dem Fall Uli Hoeneß wissen wir, dass es nicht stimmt, spätestens dann. Die Bibel sagt: Der Reichtum des Reichen lässt ihn nicht schlafen. Und alle, die das ein bisschen verfolgt haben im Kicker oder in der Tageszeitung, die wissen, wie wenig Hoeneß in den letzten Wochen geschlafen hat. Sein ganzer Reichtum und seine Kungelei und seine Zinsen und seine Steuern in der Schweiz und in Deutschland, das hat ihm den Schlaf geraubt.
Also Geld macht wirklich nicht glücklich und beruhigt auch nicht, ganz im Gegenteil. Und deshalb sagt Jesus: Verkauft, gebt, sammelt nicht das, was vergänglich ist. Das erinnert an Motten und an Rost. Er sagt mit anderen Worten: Hütet euch vor dem Zauber des Geldes. Und er sagt, und das ist so ein wichtiger Satz: Wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Woran denken wir, wovon träumen wir, worum drehen sich unsere Gedanken?
Und ich denke, das Gebet des Agur in Sprüche 30,8 ist sehr, sehr weise. Da sollte man auch darüber nachdenken. Ich lese mal diese Verse. Da ist eine Bitte, die dieser Agur ausspricht. Wir wissen gar nicht so recht, wer das war. Ein ganzes Kapitel haben wir Aussprüche von ihm. Da sagt er in Vers 7: Zu Gott zweierlei erbitte ich von dir, verweigere es mir nicht, ehe ich sterbe. Erstens: Eitles und Lügenwort entferne von mir. Und dann: Armut und Reichtum gib mir nicht, sondern speise mich mit dem mir beschiedenen Brot, damit ich nicht satt werde und ich verleugne und spreche: Wer ist der Herr? Und damit ich nicht verarme und stehle und mich vergreife an dem Namen meines Gottes.
Ich denke, das ist ein ganz weises Gebet. Er sieht ganz deutlich die Gefahr der Armut, dass man in Gefahr steht, sich etwas zu nehmen, was einem nicht gehört, und dass man damit Gott verunehrt. Reichtum wollte er auch nicht haben, damit er nicht satt wird und nicht mehr an Gott denkt und spricht: Wer ist der Herr? Sondern: Speise mich mit dem mir beschiedenen Brot. Genügsamkeit – das, was Gott ihm gibt. Das ist das, was Jesus in der Bergpredigt gelehrt hat und auch in der nächsten Rede, aus der wir in Lukas 16 etwas gelesen haben.

Die apostolische Warnung vor Habsucht und die Kraft der Genügsamkeit

Was haben die Apostel gelehrt? Ich konzentriere mich jetzt auf Paulus. Petrus hat auch darüber gesprochen, aber die Zeit reicht einfach nicht, um alle Bibelstellen hier zu behandeln.
Paulus spricht in 1. Timotheus 6,8. Dort heißt es: Wenn wir Nahrung und Bedeckung haben, dann soll das genug sein. Also, wenn wir zu essen haben und Bedeckung, und damit ist nicht nur ein Hut gemeint oder ein Anzug oder ein Kleid oder ein Rock oder was auch immer, sondern wahrscheinlich auch eine Wohnung, die uns der Herr durchaus zugesteht, dann soll das für uns als Pilger, als Fremdling, als Wanderer zur ewigen Heimat genug sein.
Und wenn ihr mehr haben wollt, sagt Paulus, dann ist das Habsucht. Und die Folge ist, dass man in viele Versuchungen und Fallstricke hineingerät. Wenn man mehr haben will, dann ist das Habsucht.
Ich habe vor einigen Jahren, das ist schon ein bisschen her, einen Katalog zugeschickt bekommen. Und ich habe mich gewundert: Wer schickt mir einen Katalog mit Golduhren, mit Silber, mit Ketten und allen möglichen Perlen und Korallen? Da wird auf den Seiten vorgeschwärmt. Das Alibaba-Erlebnis, eine Handvoll Edelsteine zu besitzen, geisterte nicht nur in den Köpfen von Spekulanten. Was für sie die größte Kapitalanlage auf kleinstem Raum ist, ist für andere ein Symbol der Macht mit magischer Attraktivität. Männer in hervorragender Stellung schmücken sich in Friedenszeiten mit kostbaren Kleinodien, um die Blicke der Bewunderer, auch der weiblichen, auf sich zu lenken. Mehr als Geld begehrt man ihren Besitz, für die Menschen höchste Zier, als Bitte und Gunst den Göttern geweiht, usw. usw. Schönheit, Seltenheit und Unvergänglichkeit.
Ja, und dann habe ich ein bisschen darin herumgeblättert, um zu sehen: Wo kommt dieser Prospekt her? Und dann sehe ich vorne das Bild, ich zeige euch das nicht, und den Namen eines damals sehr bekannten Evangelisten. In unserem Liederbuch Loben ist ein wunderschönes Lied von ihm drin: Wie der Töpfer nimmt den Ton. Und der schwärmt auf einmal von Gold und Silber. Dann könnt ihr euch da eine Kette kaufen für 6 Euro, eine Uhr für 7 und so weiter und so weiter.
Also: Seine Fähigkeit zu begeistern, seine Fähigkeit, den Herrn Jesus und den geistigen Reichtum großzumachen, hat er eingetauscht mit Handel, Gold, Silber, Edelsteine, Perlen, Korallen, Habsucht. Da ist jeder von uns auch in der Lage, wenn wir nicht auf die Warnungen des Neuen Testaments achten.
Wer reich werden will, zweifelt an Gottes Genügsamkeit und Versorgung. C. Louis hat einmal gesagt, und das finde ich einen tiefsinnigen Satz: Wer Gott und alles hat, hat auch nicht mehr als einer, der nur Gott hat. Stimmt das? Ich wiederhole den Satz noch einmal: Wer Gott und alles andere hat, hat auch nicht mehr als einer, der nur Gott hat. Und das ist eine ganz tiefe geistliche Wahrheit. Das kann jeden von uns trösten, besonders auch die, die materiell nicht beschwert sind mit vielem Reichtum.
Aber positiv sagt Paulus in 1. Timotheus 6: Gottseligkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn. Ist das nicht interessant? Da warnt er also vor Reichtum und sagt: Jetzt stelle ich euch mal den wirklichen Reichtum vor, das ist nämlich Gottseligkeit, auf Gott ausgerichtet sein. Er ist mein Reichtum und er ist auch mein Maßstab für mein Leben. Wenn das gepaart ist mit Genügsamkeit, dann ist das wirklich Gewinn.
Was gewinnt man mit solch einer Lebenshaltung? Man gewinnt Zeit für den Herrn, man gewinnt Zeit für das Werk des Herrn, man gewinnt Zeit für die Gemeinde und die Arbeit in der Gemeinde. Man findet auch Zeit für die Ehe und für die Familie. Darüber müsste man jetzt auch ein bisschen länger sprechen, aber die Uhr tickt, und ich habe nur noch zehn Minuten, die ich hier füllen darf.
Gottseligkeit mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn. Hudson Taylor, ich zitiere diesen Satz von ihm sehr gerne, hat einmal am Ende seines Lebens gesagt: „Ich habe das Glück genossen, wenig zu besitzen, für das ich sorgen muss.“ Habt ihr das verstanden? Für mich war es ein Glück, wenig zu haben, für das ich sorgen muss. So kann man auch sein Leben einschätzen, wenn man sich freigemacht hat, das als ein Glück zu bezeichnen, weil ich dafür nicht mehr sorgen muss.
 1. Korinther 7,30-31: Da sagt Paulus, dass die Kaufenden nicht Besitzende sind. Und das meint: Wir sind Verwalter, und wir sollen uns dessen bewusst sein. Wir gehören nicht uns selbst, das hat er im 1. Korintherbrief sehr deutlich gemacht. Und Gott gibt uns sicherlich auch manches in die Hand zu verwalten, aber wir sind Sklaven eines guten Herrn, und wir arbeiten in seinem Auftrag. Es gehört uns nicht.

Praktische Fragen für den Alltag des Glaubens

Wie kann man das umsetzen? Wie kann das auch in unserer Zeit praktisch aussehen, in unserem Leben?
Ich möchte nur ein paar Fragen stellen: Was möchte ich mir anschaffen, oder welche Gedanken habe ich, wenn ich vor der Wahl stehe, ein Auto zu kaufen oder ein Haus zu kaufen, eine Wohnung zu mieten, mir einen Anzug und Hosen zu kaufen, in Urlaub zu fahren, mir irgendwelche technischen Geräte oder neue Medien anzuschaffen oder einem Hobby nachzugehen? Was überlege ich da, wenn ich vor dem Kauf stehe?
Ich glaube, es ist gut, wenn wir die Fragen stellen: Ist es wirklich nötig, dass ich mir das anschaffe oder antue? Warum will ich mir das anschaffen? Will ich auffallen? Repräsentiere ich einen verworfenen, bescheidenen, in Armut lebenden Christus? Wenn ich mir das so und so kaufe, anschaffe oder mache, bringe ich seinem Namen und meinem Namen als Christ im Reich Gottes Ehre?
Ich fand es sehr schön, was man im Leben von Georg Müller hört. Über ihn könnte man im Zusammenhang mit Geld und Vertrauen viele Beispiele erzählen. Er schreibt, dieser bekannte Waisenvater von Bristol, der im Vertrauen auf den Herrn seine ganze Arbeit gemacht hat und Tausende von Waisen versorgt hat und eine Menge Glaubenserfahrung gemacht hat, bekam im Jahr 1842 eine goldene Uhr und eine goldene Kette geschenkt. Und diesem Geschenk war ein ganz kurzer Brief beigefügt, und der begeistert mich.
Da stand drauf: Ein Pilger braucht nicht eine Uhr wie diese goldene, um glücklich zu sein. Eine geringere wird genügen, ihm zu zeigen, wie schnell die Zeit dahin fliegt und wie schnell er dem Kanaan entgegeneilt, wo es keine Zeit mehr gibt. So können Sie damit tun, was Ihnen gut dünkt.
Und dann: Es ist die letzte Reliquie irdischer Eitelkeit. Möge ich, solange ich im Leibe walle, vor allem Götzendienst bewahrt bleiben.
Ist das nicht herrlich? Die letzte Reliquie irdischer Eitelkeit, möge ich, solange ich noch lebe, vor allem Götzendienst bewahrt bleiben.
Ich finde es schön, wenn man Brüder und Schwestern kennenlernt, die mit wenigem zufrieden sind, die nicht auffallen wollen, sondern die den Herrn vor Augen haben und nicht anders sein möchten in dieser Welt als er, auch wenn der Abstand meilenweit nach wie vor ist.
Aber man sollte auch die Frage stellen: Muss ich Schulden machen? Ehrt das den Herrn, wenn ich Schulden mache? Ich weiß, das ist ein großes Thema, und ich möchte auch nicht hier jemanden unter Druck setzen. Aber ist es nicht schön, wenn man auf den Herrn vertrauen kann, auch in diesen Dingen?
Herr, wenn du willst, dass ich das gebrauche, dann sorge auch dafür, dass ich die Mittel habe.
Denke daran: Du bist nicht Besitzer, sondern Verwalter.

Vorbilder aus Erweckung und gelebter Großzügigkeit

Von John Wesley, dem Erweckungsprediger, gibt es viele schöne Anekdoten. Dieser Mann war vorbildlich im Umgang mit Geld. Seine Theologie ist vielleicht etwas umstritten, wenigstens in meinen Augen, darüber kann man so oder so denken. Aber sein Leben war ein lebendiges Zeugnis für den Herrn. Und wie viele hat er zum Herrn geführt!
Er war unterwegs auf seinem Pferd. Ihr wisst ja, ihr kennt ja die Geschichten: Er hat zu Pferde sitzend über zweihundert Bücher geschrieben. Er hat die Zeit ausgekauft. Deswegen nannte man die Leute auch Methodisten, weil man nach Methode lebte. Als er fünfundachtzig Jahre alt war, konnte er bekennen, dass er seit sechzig Jahren jeden Morgen um vier Uhr aufsteht. Das hat auch etwas mit Methode zu tun.
Dieser Mann war schon früh unterwegs, um zu predigen und dergleichen. Und er war unterwegs zu irgendeiner Stadt, als plötzlich einer im Galopp angeritten kam und ihn anhielt. Er sagte: Bruder Wesley, es ist etwas Furchtbares passiert, euer Haus ist abgebrannt.
Und dieser Bruder Wesley blieb im Augenblick still und sagte: Du irrst dich, Bruder, das war nicht mein Haus, sondern das Haus des Herrn. Und ich habe jetzt ein Problem weniger, eine Sorge weniger. Er brauchte sich keine Gedanken mehr zu machen.
Das ist für dich wahrscheinlich weit weg, solch eine Lebenshaltung. Aber er hat das praktiziert. Er hat als junger Mann, also so jung war er gar nicht, als er zum Glauben kam, ich glaube mit 35 Jahren, sich angewöhnt, auch mit seinem Geld richtig umzugehen. Er verdiente damals im Jahr etwa 28 englische Pfund. Das ist schon einigermaßen etwas, umgerechnet, glaube ich, 20 Euro Jahresverdienst, aber für unsere Bedürfnisse noch sehr bescheiden.
Und als er älter wurde, immer bekannter wurde, seine Bücher verkauft wurden, bekam er Tantiemen und Spenden. Was nicht alle tun, aber er hat sich daran gehalten: Er wollte mit 28 Pfund im Jahr auskommen. Alles andere hat er für das Werk des Herrn weitergegeben, den Armen.
Lest mal seine Biografie, das ist bewegend und vorbildlich. Was mache ich mit dem, was der Herr mir gegeben hat?
Nun, der Herr erwartet nicht, dass wir jetzt alles verschenken, dass wir alles verkaufen, alles auflösen, wegschmeißen. Nein, wir wissen aus dem Neuen Testament, dass Matthäus oder Levi, der ihm nachfolgte, ein großes Haus hatte und ein großes Mahl machen konnte, wo er seine ganzen Kollegen eingeladen hat. Und er hat ihnen sicherlich ein gutes Essen bereitet. Also Levi hatte verstanden, dass er Verwalter ist.
Oder denken wir an die Frauen, die Jesus begleiteten. Sie dienten ihm mit ihrer Habe. Das heißt also nicht, wir müssen alles weggeben, sondern dem Herrn dienen und den Gläubigen damit dienen.
Oder denken wir an Lydia, die Purpurkrämerin, eine reiche Frau, die zum Glauben kommt und die jetzt Gastfreundschaft übt, die Apostel in ihr Haus einlädt. Das können wir mit dem machen, was der Herr uns anvertraut hat: in seinem Auftrag verwalten, unsere Häuser öffnen und teilen, unsere Autos teilen. Und wer das praktiziert, der weiß, dass sie meist mit ein paar Macken oder Schrammen zurückkommen. Aber da müssen wir dann auch mitleben.
Ein gläubiger Bankdirektor hat ein Buch geschrieben zu dem Thema und hat den Rat gegeben: Gib mit warmer Hand. Das finde ich auch schön, solange deine Hände noch warm sind. Wenn sie kalt sind, wenn du gestorben bist, kannst du sie nicht mehr geben. Gib mit warmer Hand.

Schlussgedanken: Glaubwürdigkeit, Freiheit und Erbe

Warum ist das so wichtig? Und damit komme ich jetzt zum Ende: weil der Herr Jesus es uns so vorgelebt hat. Auch wenn uns das sehr demütigt, bitte nehmt es einfach mit. Das demütigt mich genauso wie euch auch, vielleicht noch viel mehr, weil die Glaubwürdigkeit des Evangeliums durch einen bescheidenen, einfachen Lebensstil unterstrichen wird.
Ich glaube, da haben wir uns als Christen schuldig gemacht, auch hier im Siegerland, wenn ich an manche Entwicklungen denke, aber auch in der ganzen Welt. Wir werden nicht erkannt als die Bescheidenen, als die Armen, wie der Jesus und die Apostel. Und dadurch verliert das Evangelium, das wir verkündigen, an Kraft und an Glaubwürdigkeit.
Wir singen vom Himmel und wir reden vom Himmel, aber wir leben, als würden wir hier im Tausendjährigen Reich schon leben. Wir werden mobil, wenn wir keine Immobilien haben. Ich hoffe, ihr habt das verstanden. Das hat Wesley erfahren. Er braucht sich um sein Haus nicht mehr zu kümmern, es war nicht mehr da. Und wir werden beweglich. Könntest du in die Mission gehen oder einen Auftrag des Herrn ausführen, wenn er dich heute dazu rufen würde? Oder hindern dich deine Immobilien daran?
Unser Schatz wird im Himmel sein, das dachte Jesus, und damit auch unser Herz. John Wesley konnte sagen: Geld bleibt nie bei mir, es würde mich verbrennen. Er wusste um die Gefahr des Geldes. Ich werfe es so schnell wie möglich von mir, damit es nicht den Weg in mein Herz findet. Und am Ende seines Lebens schrieb er in seinem Tagebuch: Ich habe in meinem Testament niemandem Geld hinterlassen, weil ich keines mehr habe.
Was hinterlassen wir unseren Kindern? René Elkhörn schreibt in diesem dicken, aber unwahrscheinlich spannenden Buch: Ein an die Ewigkeit ausgerichtetes Wertesystem ist das größte Erbe, das wir unseren Kindern mitgeben können.
Im September 2000 starb in Indien ein Mann. Bei dessen Beerdigung, er war 97 Jahre alt, als er starb, folgten etwa 250 Menschen dem Sarg. Ganz Hyderabad stand Kopf, die Leute sind auf die Bäume gestiegen, haben Transparente getragen. Vorher hatten schon 600 an seinem Sarg Abschied von ihm genommen. Die ganze Stadt war in Bewegung, weil ein Mann gestorben war, der aus reichem Elternhaus kam, eine große Karriere vor sich hatte, aber nach seiner Bekehrung enterbt wurde. Seine Frau hat ihn verlassen. Er hatte seitdem kein Bankkonto, kein Portemonnaie, kein Auto, kein Motorrad, noch nicht mal ein Fahrrad. Er hatte kein Haus, keine Wohnung, nur ein Zimmer von neun Quadratmetern, das er oft mit anderen geteilt hat. Er hatte nie Reklame gemacht für sich, und doch kamen Tausende zu seinen Evangelisationen.
Er war ein Beter, der Erfahrungen mit dem Herrn gemacht hat, gerade auch in Bezug auf Geld und Versorgung. Und durch seinen Dienst sind in Indien etwa sieben- bis achthundert Gemeinden entstanden. Sein Name war Bhag Singh, den meisten von euch unbekannt. Die Biografie liegt hinten auf dem Büchertisch. Gott konnte diesen Mann segnen, weil sein Schatz im Himmel war und sein Herz dort auch. Und er hat in vielen Indern vorgelebt, was es heißt, auf Gott zu vertrauen.
Ich wünsche so sehr, dass der Herr uns das auch schenkt, an diesem Tag, an dem wir über das Reich Gottes nachdenken, dass wir auch über unseren Umgang mit Geld nachdenken und darin dem Herrn Jesus so ein ganz kleines Stückchen ähnlicher werden.