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2. Petrus 3,1-9: "Gericht Gottes über Irrlehrer und Spötter"

2. Petrus 3,1-3,928.10.2012
Serie•Teil 7 / 82. Petrus
Warum greift Gott das Böse nicht sofort auf? Weil seine Geduld Zeit zur Umkehr schenkt. Doch wer meint, alles bleibt ewig wie es ist, unterschätzt: Gericht und Neuanfang kommen.

Ein offener Anfang und die zweite Reihe

Ich habe euch letzte Woche gebeichtet, dass ich ein Typ bin, der Dinge anfängt, ohne sie zu Ende zu bringen. Ich werde das heute fortfahren.
Es gibt nämlich nicht nur eine offene Predigtreihe, es gibt zwei. Also für die, die letztes Mal dachten: Da war doch noch mehr. Ja, stimmt. Ich habe eine zweite Predigtreihe offen.
Was ich jetzt machen werde, das habe ich mir ganz fest vorgenommen: Ich werde alle guten anderen Gedanken zum Thema Predigen, die ich habe, mir einfach nur aufschreiben. Und bis ich diese beiden Reihen beendet habe, werde ich nichts anderes predigen, außer entweder Geistesgaben wie letztes Mal oder eben Zweiter Petrusbrief, wo ich heute weitermachen möchte.
 2. Petrus 3,1-9 wird heute unser Thema sein. Wir haben da schon ein paar Lektionen, also sprich die ersten beiden Kapitel miteinander betrachtet. Und ich versuche einfach noch einmal einen Einstieg in das Buch Zweiter Petrusbrief, Neues Testament. Petrus ist der Apostel und befindet sich ziemlich weit hinten in der Bibel.

Das doppelte Ziel der Angriffe

Wenn man den Brief von oben betrachtet und in die Metaebene geht, dann ist das Thema ein doppeltes. Es gibt Angriffe auf die Gemeinde, und zwar einmal von innen und einmal von außen.
Die Angriffe von innen sind Leute, die im Petrusbrief als Irrlehrer bezeichnet werden. Das sind Typen, die sagen: Die Gemeinde, das ist so meine Kuh, und die melke ich. Ich bringe mich so ein, ich mache so ein bisschen in der Gemeinde mit. Aber im Hintergrund läuft eigentlich eine andere Agenda. Ich will mein eigenes Schärflein ins Trockene bringen. An Gottes Ideal für Gemeinde habe ich gar nicht so großes Interesse. Gemeinde, das ist für mich der Bereich, wo ich mir selber raushole, was ich haben möchte.
Die Frage ist: Was denkt Gott? Was ist Gottes Ideal für Gemeinde? Wenn man das einmal versucht zu fassen, dann bekommen wir in der Bibel eine ganze Menge Bilder.
Ein Bild ist, dass Gott sagt: Gemeinde ist eine Gemeinschaft von Heiligen. Vorsicht: Heilige nicht in einem katholischen Sinn, wo man erst sterben muss und dann irgendwann später sagt einer: Hast du gut gemacht, du kriegst jetzt so einen Heiligenschein. Sondern Heilige, so wie die Bibel das sagt, das sind Menschen, die auf der einen Seite heilig gemacht werden. In dem Moment, wo ich an Gott glaube, wo ich anfange zu sagen: Hey, ich schaffe das sowieso nicht, ich gehe den Weg, den Gott hat, in dem Moment beschenkt mich Gott mit Heiligkeit.
Am Kreuz, wenn ich zum Kreuz gehe, es ist mehrfach gebetet worden unter dem Kreuz, schenkt mir Gott Heiligkeit, nämlich die Heiligkeit Jesu Christi. Und weil ich Beschenkter bin, deswegen bin ich von diesem Wunsch beseelt, in meinem Leben der Sünde keine Chance zu geben. Ich möchte das, was ich bin, auch leben.

Bilder von Gemeinde und ihr Gegenbild

Das ist Gemeinschaft von Heiligen, ein Bild, ein Ideal für Gemeinde. Ein anderes Bild, das die Bibel gebraucht, ist: Die Gemeinde Gottes ist wie eine Braut. Eine Braut, die sich schmückt, um ihrem Bräutigam zu begegnen, die sich schön macht. Auch da wieder der Gedanke: Wir lassen dem Dreck in unserem Leben und der Sünde keine Chance, weil wir uns einfach schön machen wollen.
Keine Braut würde auf den Gedanken kommen, sich am Tag ihrer Hochzeit ein weißes Kleid überzuziehen und zu sagen: Jetzt koche ich mal einen großen Topf Tomatensoße, ohne Schürze. Ja, gestern waren wir auf einer Hochzeit. Die Braut hatte am Buffet eine riesenlila Schürze an, damit nur ja das weiße Brautkleid nichts abbekommt. Das ist die Realität.
Und so, wenn die Gemeinde als Braut beschrieben wird, dann macht sie sich schick. Dann schaut sie, dass sie ohne Flecken und Runzeln, ohne irgendetwas Negatives, vor Gott erscheinen kann. Und sie ist natürlich, wenn sie wirklich Braut ist, dann ist sie begeistert von dem Bräutigam. Dann sagt sie: Boah, was für ein Typ. Ja, du heiratest ja nicht irgendeinen Dödel, sondern du heiratest den, bei dem du sagst: Super.
Und wenn Gemeinde Braut ist, dann heißt das: Wir machen uns schick für den Moment, wo wir Jesus begegnen, und wir sind begeistert von ihm. Anderes Bild, anderes Ideal. Und ihr merkt es: Immer wieder wird die gleiche Idee in unterschiedliche Bilder gepackt.
Wir sind eine Herde, die Jesus, dem guten Hirten, folgt, weil sie ihn kennt und seine Stimme hört. Manche sind es ganz andere Gedanken: eine Schafherde. Schafe sind nicht übermäßig intelligent, das Bild ist an der Stelle schwierig, aber die Idee ist klar. Wir haben einen guten Hirten. Wir haben jemanden, der uns zeigt, wo es langgeht.
Und Gottes Ideal von Gemeinde ist, dass wir eine Gemeinschaft von Heiligen sind, eine Braut sind, eine Herde sind, die dem guten Hirten folgt, dass wir ein Tempel Gottes sind, in dem das Wort Gottes gepredigt wird, wo Anbetung stattfindet.

Die erste Front: falsche Lehre und falsches Leben

Und diese unterschiedlichen Aspekte von Gemeinde, eine Gemeinschaft, eine Braut, eine Herde, ein Tempel, werden von Irrlehrern angegriffen. Und wie? Ich glaube, doppelt, immer doppelt.
Auf der einen Seite erzählen sie Quatsch, und auf der anderen Seite leben sie Quatsch. Also, du kannst schlechterdings das Falsche predigen und das Richtige leben. Das geht so ein bisschen, aber im Großen und Ganzen ist das, was du auf der Kanzel predigst, so in der groben Linie auch das, was du privat lebst.
Und bei den Irrlehrern ist das so: Die sagen eigentlich, weißt du was, du kannst leben, wie du willst. Es spielt keine Rolle, wie du lebst. Und die Irrlehrer stellen sich hin und sagen: Schau mich doch an, ich lebe nach meinen eigenen Regeln, ich genieße mein Leben in vollen Zügen, ich habe meinen Spaß. Ich nehme dieses ganze Gottesgedöns mit Heiligkeit und Geboten, was weiß ich, kein Sex außerhalb der Ehe, sich nie betrinken, immer nur Schätze im Himmel ansammeln und so, das alles nehme ich nicht so ernst. Und schau, wie es mir damit geht: Ich lebe immer noch, und ich stehe sonntags auf der Kanzel. Und weißt du was? Die jungen Christen folgen mir, die finden mich total cool.
Das sind die Irrlehrer. Und was sagt Petrus? Wir haben das schon miteinander betrachtet. Wenn jemand so denkt, wenn jemand so drauf ist, Kapitel 2, Vers 3 haben wir gelesen: Ihr Verderben schlummert nicht. Ein bisschen später, 2,9: Gott weiß die Ungerechten für den Tag des Gerichts aufzubewahren.

Der Blick auf Christus und die Gewissheit des Gerichts

Also, Petrus ist klar: Wenn das deine Denke ist, wenn du so lebst, dann wird Gott dich irgendwann dafür richten.
Woher weiß er das? Er weiß es daher, weil er in seinem Leben einen Moment hatte, in dem etwas ganz Besonderes passiert ist. Er war mit wenigen anderen zusammen auf einen Berg gegangen, und dort hatte er Jesus einmal auf eine ganz andere Weise gesehen. Man nennt das die Geschichte vom Berg der Verklärung.
Er hatte einen Blick auf den verherrlichten Jesus geworfen. Jesus ist sonst immer so der, der mit seinen Schlappen und seinem einfachen Gewand da durch Galiläa schlurft und predigt. Und von außen hat man den Eindruck: nichts Besonderes. Aber da gibt es eben im Leben von Petrus diesen einen Moment, in dem er einmal einen Blick auf Jesus werfen darf. Jesus fängt an zu strahlen, so ein bisschen, als hätte da jemand hinter ihm eine Flutlichtanlage eingeschaltet.
Wir sind gestern im Vogtland in Aue eine Hochzeit gefeiert. Als wir nach Aue hineinfuhren, war gerade Zweitligaspiel, und das Stadion war an. Es war schon dunkel, und du hast diese fetten Flutlichtanlagen da, wo du nicht reinschauen kannst, weil es zu hell ist. Mit vier solchen Masten wird ein ganzes Feld beleuchtet. Und so etwas passiert da: Er ist auf diesem Berg, erwartet nicht einmal ein bisschen etwas, und plötzlich geht da Licht an. Und er denkt: Huh, was ist hier los?
Dann kommen Mose und Elija. Das heißt, er fängt an, mit Toten zu reden, und denkt sich: Hm, irgendwie ist das eine Erfahrung, die Petrus mit Jesus macht, wo Jesus ihn ganz kurz für so einen Moment einfach mal hineinschauen lässt in die Realität. Der Mensch Jesus Christus tritt ein Stück zurück, und der verherrlichte Christus, so wie Jesus uns in alle Ewigkeit begegnen wird, tritt nach vorne. Und Petrus darf das erleben. Er sagt dann später über diese Begegnung mit der Majestät Jesu, dass wir Augenzeugen seiner herrlichen Größe geworden sind.
Und weil Petrus das erlebt hat, deswegen ist er sich sicher, dass all das, was Jesus gepredigt hat, wahr ist. Und Jesus hat gepredigt, dass er wiederkommen wird. Jesus hat gepredigt, dass er wiederkommen wird, um diese Welt zu richten.
Der Apostel Paulus, ein ganz anderer, also nicht Petrus, hat in Athen auf einer Missionsreise, Apostelgeschichte 17, den Athenern das folgendermaßen gesagt. Er sagt in Apostelgeschichte 17, 30 und 31: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat – also Gott hat gesehen, dass die Leute in Athen, und das gilt für uns auch, noch nicht so genau wussten, wo es langgeht, und hat das einfach mal laufen lassen –, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen.

Die Botschaft der Umkehr in der Gegenwart

Ja, warum denn? Warum ist Paulus hier in Athen? Ich weiß es nicht genau, aber wir befinden uns wohl in den Fünfzigern des ersten Jahrhunderts. Warum war zu diesem Zeitpunkt ein Moment in der Weltgeschichte angebrochen, in dem alle Menschen Buße tun sollen?
Buße – dieses Wort bedeutet: Ich gehe in eine Richtung, am besten gehe ich von Gott weg. Und irgendwann bleibe ich stehen, merke: Boah, ich bin auf dem falschen Weg. Dann drehe ich mich um und gehe wieder zurück zu Gott. Dieses Umdrehen, dieses Einsichtigwerden, dass ich falsch unterwegs bin, und das Zurückgehen in die richtige Richtung, das ist Buße.
Warum Buße in diesem Moment? Warum kann Paulus sich in Athen hinstellen und sagen, dass Gott jetzt von allen Menschen Buße möchte? Die Begründung lautet: Weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis, also die ganze Erde, in Gerechtigkeit richten wird, und zwar durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat. Und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn aus den Toten auferweckt hat.
Die Auferstehung ist der Moment, in dem Gott für die gesamte Welt deutlich macht: Jesus ist Retter und Richter, und du wirst ihm auf die eine oder andere Weise begegnen.
Und genau hier, an dieser Stelle, kommt nun die zweite Angriffswelle. Die erste Angriffslinie auf die Gemeinde kam von innen: durch Irrlehrer, die irgendwelchen Blödsinn erzählen und Leute dazu bringen wollen, so zu leben, dass sie nicht mehr heilig sind, da sie die Gemeinde Gottes nicht mehr repräsentieren. Jetzt gibt es eine zweite Angriffslinie, und die kommt von außen.

Die Spötter und ihre scheinbar moderne Logik

Diese Linie von außen lesen wir uns gemeinsam mal durch: 2. Petrus 3,1-4. Vielleicht kommt sie euch relativ bekannt vor. Ich glaube, das ist eine sehr moderne Linie des Argumentierens.
 2. Petrus 3,1-4. Petrus schreibt: Diesen zweiten Brief, Geliebte, schreibe ich euch bereits, in welchen beiden ich durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufwecke.
Bah, das kann man ja kaum mehr verstehen. Also sage ich es noch einmal mit deutschen Worten: Zweiter Brief, ich habe euch schon mal geschrieben. Was wollte ich? Ich wollte euch aufwecken. Ich wollte also, dass ihr etwas noch einmal hört. Wiederholung ist gut.
Was will ich aufwecken? Lautere Gesinnung, lauteres, ungetrübtes Denken. Euer Denken ist eigentlich schon geradeaus, aber ich möchte dieses richtige Denken, das bei euch da ist, noch ein bisschen anstupsen. Da gibt es so ein bisschen Schubsen. Ihr lauft schon, aber es könnte noch ein bisschen mehr sein. Ihr habt es nicht völlig vergessen, aber es ist auch nicht so, dass es für die nächste Prüfung abrufbar wäre. Ich gebe euch da noch mal ein bisschen Input mit.
Damit ihr gedenkt. Was sollen die also machen? Sie sollen nachdenken, sich erinnern, damit ihr gedenkt der von den heiligen Propheten zuvor gesprochenen Worte und des durch eure Apostel überlieferten Gebotes des Herrn und Heilandes.
Also relativ simpel: Was ich möchte, wenn ich euch diesen Brief schreibe, ist, euch an etwas zu erinnern, was andere vor mir schon gesagt haben, nämlich die Apostel und die Propheten.
Und da merken wir, dass für Petrus alttestamentliche Propheten und neutestamentliche Apostel nicht zwei getrennte Kategorien sind, von denen die einen Hü und die anderen Hot sagen, sondern dass alle in dieselbe Richtung argumentieren. Das ist ein großes Ganzes, ob ich mir das Alte oder das Neue Testament anschaue, weil es derselbe Gott ist, der dahintersteht, derselbe Geist, der dahintersteht.
Inspiration heißt immer, dass derselbe Gott Menschen inspiriert, Dinge weiterzugeben, die ihn betreffen. Und deswegen ist es nicht verwunderlich, dass alttestamentliche Propheten und neutestamentliche Apostel identische Dinge über Gott zeigen. Es wäre eher komisch, wenn es nicht so wäre.

Warum die Verheißung angezweifelt wird

Was müssen jetzt die Empfänger dieses Briefes verstehen? Vers 3: Und zuerst dies wisst, dass in den letzten Tagen Spötter mit Spötterei kommen werden, die nach ihren eigenen Begierden wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so von Anfang der Schöpfung an.
So, das ist jetzt ein bisschen Petrus schreibt nicht ganz einfach, aber inhaltlich ist das total modern. Petrus sagt: in den letzten Tagen. Also in den letzten Tagen, das sind die Tage, die wir haben. Das ist komisch, ich weiß, es hört sich merkwürdig an, dass die Bibel von den letzten Tagen spricht, und du denkst dir: Oh, die gehen aber schon ganz schön lange. Das sind schon zweitausend Jahre letzte Tage.
Ja, das stimmt. Warum das so ist, werden wir nachher noch sehen. Wichtig ist, dass wir diesen Begriff richtig fassen. Die letzten Tage sind ein Begriff für die Zeit, bevor Jesus wiederkommt. Also die letzten Tage, das sind die Tage, wo ich jetzt nicht noch fünf andere Ereignisse erwarte, bis Jesus wiederkommt, sondern es ist das, was passiert, bevor er wiederkommt, diese Zeit.
Und diese Zeit wird geprägt sein von, auf der einen Seite, Gnade. Da ist eine Einladung, da ist die Einladung zum Kreuz. Und auf der anderen Seite ist da Opposition. Das heißt, Christen müssen in dieser Zeit damit rechnen, dass es Leute gibt, Spötter mit Spötterei. Das klingt schon gar nicht positiv, oder? Also Leute, die andere auslachen, die sie für andere lustig machen, die sie verhöhnen, die sagen: Wie blöd bist du denn, dass du an Gott glaubst?
Menschen, die davon geprägt sind, dass sie leben, wie es ihnen gefällt, nach ihren eigenen Begierden wandeln. Gar kein Interesse für Gott, gar kein Interesse für Gottes Gebote, gar kein Stück Interesse für Heiligkeit. Sie ziehen einfach ihr eigenes Ding durch. Und die sagen dann: Wo ist die Verheißung seiner Ankunft? Also, wo bleibt er denn?
Ankunft, dieses Wort Parusie, ist ein Fachbegriff. So ein Fachbegriff wie SD-Karte. Wenn du SD-Karte nicht kennst, kennst du SD-Karte nicht, ist halt so. Es gibt halt Fachbegriffe, du kannst machen, was du willst. Ankunft ist so ein Fachbegriff. Ankunft meint, wenn Jesus wiederkommt.
So, und die Leute fragen jetzt zugegebenermaßen zu einem Zeitpunkt, wo man auch gar nicht so fragen müsste. Heute ist die Frage viel interessanter: Wo ist er denn? Na, sag doch mal, glaubst du, dass Jesus wiederkommt? Ja. Ja, und wo ist er? Na ja, noch nicht da. Hä, ist blöd, oder? Also ich meine so ganz nüchtern.
Du sagst, ich glaube daran, dass Jesus wiederkommt, und diese Typen, die sagen: Na ja, was hältst du von folgender Theorie, vielleicht kommt er gar nicht mehr wieder. Seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles von Anfang der Schöpfung an. Gemeint ist: so wie es immer schon war.
Ist ein bisschen schwierig ausgedrückt, wie Petrus das hier schreibt, aber die Idee ist uns doch total bekannt, oder? Seitdem die Väter entschlafen sind, das heißt seit alttestamentlichen Zeiten. Mit dem Begriff „Väter“ sind so die Heroen des Alten Testaments gemeint und noch ein bisschen davor. Seit der Schöpfung, mal ganz ehrlich: Ist denn nicht alles einfach nur so eine Folge von Ursache und Wirkung? Wirkung wird Ursache, neue Wirkung, ja, Wirkung wird Ursache, neue Wirkung. Alles irgendwie mit Naturgesetzen zusammengehalten, und dann schütten wir noch so eine Soße über Karma und Schicksal drüber, und dann ist gut.
Ist das denn nicht auch eine Theorie, die schön ist? Ist das nicht eine Theorie, die vielleicht sogar ein bisschen realistischer ist? Wenn du zweitausend Jahre darauf wartest, dass Gott wiederkommt, und er kommt zweitausend Jahre nicht wieder, macht es nicht Sinn, darüber nachzudenken, ob er vielleicht überhaupt nicht mehr kommt, ob wir uns da vielleicht geirrt haben, einfach mit dieser Theorie?
Du sagst, Jesus kommt wieder, und er ist nicht da, ganz nüchtern. Und die haben schon, also der zweite Petrusbrief hier, der ist vielleicht in den Sechzigern geschrieben, des ersten Jahrhunderts. Das heißt, nach 40, 50 Jahren, und nach 40 Jahren oder nach 30 Jahren fragen die schon: Wo bleibt der denn? Wenn die gewusst hätten. Überlegt, das ist irre.

Die erste Antwort: Gott hat schon einmal gerichtet

Also, heute diese Frage: Wenn du dich heute mit jemandem, mit deinem Arbeitskollegen, unterhältst und sagen würdest: Jesus kommt wieder, warum glaubst du das? Er hat gesagt, dass er wiederkommen wird.
Der würde nicht sagen: Schön, super, ja, freue ich mich drüber. Sondern er würde sagen: Wenn das so lange dauert, wenn so lange nichts passiert ist, hast du dir mal überlegt, ob an deinem Denken vielleicht etwas falsch ist?
Und Petrus geht auf diese Frage ein. Er sagt, jemand, der so argumentiert, der sagt, Jesus kommt vielleicht gar nicht wieder, hat er mal überlegt, ob nicht alles einfach immer beim Alten bleibt? Wenn jemand so argumentiert, hat er drei Dinge nicht richtig verstanden.
Erstens hat er nicht verstanden, dass Gott bereits richtend eingegriffen hat. Wenn Jesus wiederkommt, kommt er wieder zum Gericht. Wenn jemand sagt: Nein, der kommt nicht wieder, dann hat er nicht verstanden, dass Gott ja schon einmal richtend eingegriffen hat in der Geschichte.
Zweitens hat er nicht verstanden, dass es vernünftig ist, daran zu glauben, dass Gott, wenn er einmal eingegriffen hat, es wieder tun wird.
Und drittens hat er nicht verstanden, dass es vielleicht einen guten Grund hat, wenn Gott damit wartet, diese Welt zu richten.
Und die drei Punkte möchte ich mit euch noch anschauen.
Erster Punkt: Petrus argumentiert und sagt, dieses Denken von den Spöttern, die sich hinstellen und sagen: Vergiss es doch mit deinem Gott, der kommt nicht wieder, alles Mythos, Märchen. Das ist ein Punkt, der nicht stimmt, weil Gott bereits eingegriffen hat.

Schöpfung, Flut und die Erinnerung an Gottes Eingreifen

 2. Petrus 3,5-6 Denn denen, die dies behaupten, ist verborgen, dass von alters her Himmel waren und eine Erde, die aus Wasser und durch Wasser Bestand hatte.
Aus Wasser – wenn wir uns den Schöpfungsbericht anschauen – kommt alles irgendwie aus dem Wasser. Durch Wasser: Das Wasser hat da eine ganz aktive Funktion. Da wird etwas geteilt. Da ist übrigens oben und unten. Wasser spielt eine ganz zentrale Rolle.
Wenn man sich ein Element im Schöpfungsbericht heraussuchen würde, was so das Element mit der wichtigsten Rolle ist, würde man sagen: Wasser. Auch biochemisch ist es durchaus interessant, wenn man das einfach mal so wortwörtlich gelten lässt.
Aus Wasser, durch Wasser, aber natürlich nicht durch Wasser allein. Wir glauben nicht an eine Schöpfung, die einfach nur dadurch passiert, weil in der Materie irgendwelche geheimen Kräfte verborgen wären. Zu der Materie brauche ich immer noch etwas dazu, damit Schöpfung passiert. Ich brauche immer noch den Willen und die Macht Gottes. Und beides kommt in der Bibel durch den Begriff Wort Gottes zum Ausdruck. Im Wort Gottes steckt der Wille Gottes und die Macht Gottes.
Deswegen heißt es hier, dass die alte Erde aus Wasser, durch Wasser und durch das Wort Gottes war. Und dann heißt es: durch welche also genau das, was die Erde geschaffen hat, Wasser und Wort, packt jetzt die Erde, durch welche die damalige Welt vom Wasser überschwemmt unterging.
Wow! Also auf der einen Seite: Gott ist der Schöpfer. Die Bibel bezeugt uns das, wir müssen das festhalten. Die Schöpfung dieser Welt ist nichts, wo irgendwo im Nirwana sich ein Punkt hochkonzentrierter Materie gebildet hat, der dann einmal plopp machte und, ohne dass das irgendjemand groß mitbekommen hat, entstand alles daraus. Sondern dahinter steckt eine Idee. Dahinter steckt die Idee Gottes, eine Welt zu schaffen, Erde und Himmel zu machen. Gott ist Schöpfer.
Und es ist schon so: In unserer Zeit gilt das Wort aus Hebräer 11,3 vielleicht mit besonderer Härte: Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind.

Ordnung, Komplexität und die Frage nach dem Ursprung

Wenn du heute sagst: Ich stelle mich hin und denke mir, Gott steckt dahinter, dann finde ich das immer ganz lustig. Mein Lieblingsbeispiel ist das, wenn ich jemandem erklären muss, warum ich glaube, dass die Welt durch Gott geschaffen ist. Warum glaube ich, dass es einen Schöpfer gibt?
Mein Lieblingsbeispiel ist immer das Kinderzimmer. Also: Schau dir ein x-beliebiges Kinderzimmer zu einem x-beliebigen Zeitpunkt an. Schau dir ein Jungenzimmer kurz bevor die Gäste kommen an, und du hast den Eindruck, die natürliche Tendenz aller lebenden Systeme geht dahin. So: Kein Kinderzimmer räumt sich von alleine auf. Es ist einfach so. Warum auch immer. Kinderzimmer neigen zur größtmöglichen Unordnung. Und das ist ein Prinzip in unserem Universum.
Aber der Clou ist: Das Universum, in dem ich lebe, ist hochgeordnet. Wie komme ich bei einem Kinderzimmer von einem Zustand der Unordnung zu einem Zustand der Ordnung? Na ja, da ist der Wille des Vaters oder der Mutter. Da ist Macht dahinter. Da braucht es Kraft und einen Weg. Und dann landet die Materie tatsächlich manchmal in den Körben, wo sie hingehört.
Das heißt: Materie wird durch einen Willen und durch Macht geordnet. Diese drei Dinge fließen in einem Kinderzimmer zusammen, und am Ende habe ich etwas Aufgeräumtes. Und jetzt übertrage ich dieses simple Prinzip auf diese Erde: Ich habe eine aufgeräumte Erde, auf der die Dinge halbwegs vernünftig funktionieren. Angefangen von den kleinsten Kräften, die einen Atomkern zusammenhalten, bis hin zu den Dingen, die dafür sorgen, dass unsere Galaxie nicht auseinanderfliegt. Hochgeordnet. Superkompliziert.
Wenn du Spaß daran hast, Naturwissenschaft zu studieren, wirst du nie fertig. Selbst wenn du dir das kleinste Teilgebiet heraussuchst, kannst du dort immer weiter forschen. Du kannst irgendwo einsteigen und dein Leben damit verbringen, nur diesen Winzbereich zu studieren, und kommst nicht ans Ziel. Nicht im Ansatz ans Ziel.
Du machst als Wissenschaftler – ich habe eine Weile in der Wissenschaft gearbeitet – eine Tür auf, weil du denkst, dahinter ist die Lösung. Vielleicht hast du die Lösung. Aber mit der Lösung bekommst du tausend neue Fragen und tausend neue Türen. Das ist die Realität: Ordnung, Komplexität bis zum Abwinken. Gott ist Schöpfer.

Gericht in der Geschichte und die Flut als Warnung

Und jetzt sagt er hier: Im Zentrum dieser Schöpfung steht der Mensch. Und Gott hat es gewagt, eine Schöpfung, die er die erste Erde nennt, nicht einfach nur zu machen, sondern sie untergehen zu lassen. Er spricht hier von dem, was im Alten Testament Sintflut genannt wird.
Gott macht die Erde, lässt den Menschen darauf wohnen, und dann kommt etwas, wo du sagst: Oh, das ist aber schon irgendwie eine schwierige Geschichte. Überleg mal: Da lebt der Mensch so eine Weile, und es gibt ein paar davon. Noch nicht so viele wie heute, ja, viel, viel weniger, aber eben trotzdem genug. Und dann kommt Gericht, ein Gericht, wo am Ende eine Familie übrig bleibt: Noah, Noah und seine Nachkommen. Ende. Und alle anderen gehen unter.
Man kann sich die Frage stellen: Ist das eigentlich wirklich passiert? Ist das vielleicht nur so ein Hirngespinst? Ja, ist das wirklich passiert, dass Gott in der Geschichte Menschen gerichtet hat, dass Menschen wirklich bis auf eine Familie gestorben sind? Ist das passiert? Ich persönlich glaube, dass das passiert ist. Und es gibt einen Grund dafür, warum ich das glaube, und das ist nicht nur der Grund, weil es in der Bibel steht. Das ist ja so ein typischer Christengrund: Ich glaube alles, was in der Bibel steht. Das tue ich in der Tat. Aber das ist nicht mein Argument.
Was mich an der Stelle fasziniert, ist, dass ich mir anschauen kann, wo auf der Erde Kulturen in ihren Erzählungen, wie die Erde entstanden ist, einen Flutbericht haben. Ich stelle fest: Wenn ich eine Landkarte nehme, finde ich auf jedem Kontinent, von Australien über Südamerika, Nordamerika, Asien sowieso, ich finde überall Kulturen, und zwar Kulturen, die nicht vom Christentum geprägt worden sind, sonst wäre es ja ganz einfach. Ich finde überall Kulturen, die in ihren Mythen, wie die Erde entstanden ist, in ihren Erzählungen eine Flut berichten. Da scheint so eine Art universelles Wissen der Menschheit zu sein.
Und für mich ist das naheliegendste, daran zu glauben, dass das tatsächlich auch passiert ist, auch wenn ich zugebe, dass ich bei den Details nicht so genau weiß, wie das genau abgelaufen ist, und da einem breiten Spektrum an Interpretationen von mir aus zustimmen kann. Aber dass es irgendwo dazu gekommen ist, dass Gott gerichtet hat und dass am Ende eine Familie übrig blieb, dass es so eine Art kollektives, katastrophales Ereignis gibt, das sich in die Seele der Menschheit eingebrannt hat und wenn man nur lange genug sucht, man in den ganzen alten Kulturen wiederfindet, daran glaube ich ganz, ganz stark.

Die Gegenwart als Spiegel der alten Bosheit

Und das heißt: Wenn Gott schon einmal gerichtet hat, wisst ihr, warum er gerichtet hat? 1. Mose 6,5. Einfach nur mal zuhören.
Da beschreibt er, wie die Erde war, bevor das Gericht kam, bevor die Sintflut kam. Und der Herr sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag.
Wie geht es euch denn, wenn ihr diese Geschichte von Lance Armstrong verfolgt? Findet ihr das auch blöd? Also mir geht es so, dass ich mir denke: Sei doch einfach ehrlich. Wenn du gedopt hast, und wenn alle sagen, dass du gedopt hast, wie lange willst du das noch durchziehen? Der hat die Nummer ja bis zum Schluss ausgehalten. Ich glaube, der ist immer noch nicht an dem Punkt, dass er sagt: Okay, ich gebe es zu. Inzwischen wissen es alle, nur er anscheinend nicht.
Ist das nicht verrückt, dass die Bosheit, alles Sinnen der Gedanken seines Herzens, nur böse ist? Es ist so völlig abstrus, wenn man manche Geschichten hört. Oder Leute, die, ich weiß nicht, Milliardenwerte verzocken, wo du einfach sagst: Hallo, schon mal überlegt, was du da machst, wie du Menschen damit in Masse schädigst? Das ist doch irre.
Also ich lese 1. Mose 6,5 und denke mir: Es ist eigentlich eine Beschreibung meiner Zeit. Es würde mich nicht überraschen, wenn es mal wieder so eine Flut gibt. Also nicht so wie in dem Film 2012, da gibt es ja auch eine gigantische Flut. Übrigens war die Anspielung wieder an die Bibel sehr, sehr irre: Was bauen wir? Wir bauen Archen. Logisch, nicht eine mehr, sondern mehrere, ein bisschen größer und technischer.
Okay, das, glaube ich, wird nicht mehr passieren. Aber ich glaube, dass die Welt heute nicht besser dasteht als vor der Zeit der Sintflut. Und Jesus unterstreicht das damit, dass er auf diese Zeit vor der Sintflut Bezug nimmt und sagt: Genauso wie vor Noah die Leute gegessen und getrunken haben, sich um nichts gekümmert haben, ihr eigenes Ding durchgezogen haben, genauso wird es sein, wenn ich wiederkomme.

Warum Gottes Geduld kein Freibrief ist

Also, der erste Punkt, den wir festhalten müssen, ist: Gott hat schon einmal eingegriffen.
Der zweite Punkt ist: Wenn Gott schon einmal eingegriffen hat, dann ist es doch eigentlich nur vernünftig, daran zu glauben, dass er es noch einmal tun wird, oder? Es ist doch logischer zu glauben, dass Gott, wenn er schon einmal in der Geschichte gerichtet hat, weil ihm das alles so völlig auf den Keks gegangen ist, gesagt hat: Nein, jetzt nicht mehr, dass er dann, wenn sich das Ganze noch einmal potenziert um den Faktor tausend oder eine Million oder eine Milliarde, sagt: Ja, da werde ich auch noch einmal etwas zu sagen. Das wird mir auch noch einmal wichtig sein, das zu beurteilen. Da werde ich Gericht halten darüber.
Oder glauben wir, dass ein Adolf Hitler einfach davonkommt? Du machst ein Ding, oder ein Stalin, oder ein Mao: Du lässt Millionen sterben, Millionen! Und dann gibst du dir einfach eine Kugel und sagst: Und tschüss. Sorry, daran glaube ich nicht. Also, wenn es so einfach wäre, wow, aber das stimmt nicht. Das stimmt nicht für den Einzelnen, der vor seiner Sünde flieht, und das stimmt nicht für eine Welt, die von dieser Sünde geprägt wird.
Und deswegen heißt es dann in Vers 7: Die jetzigen Himmel und die jetzige Erde aber sind durch dasselbe Wort aufbewahrt, auch da ist wieder Gott dahinter, aufbewahrt und für das Feuer aufgehoben zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.

Gottes Zeit und unsere Zeit

Mir ist egal, ob das Feuer an der Stelle real ist oder ob es ein Bild für Gericht ist oder beides, was ich persönlich denken würde. Wichtig ist, dass wir auf einen Tag zusteuern. Jetzt leben wir in den letzten Tagen, und dann kommt ein Tag, ein abschließender Tag. Es ist der Tag des Gerichts, der letzte Tag, wenn, wie es in der Offenbarung heißt, ein großer weißer Thron aufgestellt wird und Gott diese Erde richten wird, wenn er die Toten auferwecken wird und ein Gericht halten wird über alle.
Entschuldigung, Jürgen, schön mit dem Gericht, aber dauert das Ganze nicht schon ein Stück zu lang? Also ja, wenn der hundert Jahre gewartet hätten, in Ordnung, vielleicht auch zweihundert, aber zweitausend Jahre ist einfach zu viel. Und deswegen muss Petrus noch ein Stück weiter argumentieren und muss sagen: Achtung, es mag sein, dass Leute sagen, das dauert mir zu lang. Ich wünsche mir früher das Gericht. Warum hat Gott nicht gerichtet vor dem Holocaust? Warum hat Gott nicht gerichtet vor, ich weiß nicht, der Sklaverei in Südamerika oder Nordamerika, egal wo? Warum hat, warum, warum?
Und zwei Dinge gilt es da zu verstehen. Erstens: Gottes Zeitgefühl und unser Zeitgefühl, das sind zwei Paar Schuhe. Wenn ich sage zweitausend Jahre, dann denke ich: Boah, das ist ganz schön lang. Das sind zweitausend Jahre, das sind drei Nullen hintendran. Und ich werde maximal so eine Null hintendran kriegen, denke ich. Also hundert ist schon grenzwertig, das würde ich jetzt nicht erwarten, wäre auch witzig. Aber drei Nullen, überlege mal, das ist schon ganz schön lang.

Die Geduld Gottes als Raum zur Umkehr

Und weil ich Mensch bin, denke ich mir: Bei drei Nullen, das ist zu lang, also einfach mehr, als ich denken kann. Bin jetzt, weiß ich, ein Vierteljahrhundert Christ und denke mir, vielleicht bin ich noch mal ein Vierteljahrhundert Christ, und dann wahrscheinlich nicht noch mal ein Vierteljahrhundert. Also du weißt ja, das ist ein überschaubarer Bereich.
Und jetzt kommt einer mit so einer Zahl, zweitausend, und denkt dir: Boah, das ist schon ganz schön lang. Und Petrus sagt jetzt in 2. Petrus 3,8: Dies eine aber sei euch nicht verborgen, Geliebte, dass beim Herrn ein Tag ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag.
Du denkst dir: Okay, das heißt, wenn Gott vor sich so die Zeit sieht, dann lacht Gott, schnipp, und tausend Jahre sind rum. Und du denkst dir: Hm, das empfinde ich ganz schön anders. Ja, das stimmt. Das empfindest du ganz schön anders.
Überlege mal, wie du empfinden würdest, wie du das Leben eines Menschen empfinden würdest, wenn du eine Eintagsfliege wärst. So eine Eintagsfliege, die sagt: Boah, 24 Stunden, genial, ja. Tic tac, schon wieder eine Minute rum, einmal ein bisschen weiter, ja. Also wenn du so deinen Tag hast und diesen Tag so voll auslebst, ja, und denkst dir: Boah, das war tolle Zeit, ja. Also, ba, ja, Eintagsfliege. Ist halt eine Eintagsfliege.
Und jetzt stellt euch vor, so eine Eintagsfliege trifft auf einen Menschen, und da halten sich zwei Eintagsfliegen miteinander. Und jemand sagt zu der Eintagsfliege: Du, der lebt viel länger. Ja, wie viel länger? Na ja, viel länger einfach, also so 365-mal länger und das Ganze noch ungefähr noch mal 70, 80-mal länger. Boah. Und wie empfindet der so einen Tag? Ich meine, wie empfindet der unser ganzes Leben? Wie empfindet so ein Mensch den ganzen Tag?
Wenn du so einen stressigen Tag mit Schülern hast, das macht schnipp schnapp, kann ich mir vorstellen, ist der Tag vorbei. Und für so eine Eintagsfliege ist das alles, was sie hat. Aber Gott ist im Verhältnis zu uns eher so: Da sind wir die Eintagsfliege. Wir denken: Boah ja, 70, 80 Jahre, boah, das zieht sich ganz schön hin. Und Gott sagt: Schnipp schnapp.

Gottes Langmut und der hohe Preis der Gnade

Das ist auch im Alten Testament so, wenn man manchmal sieht, wie lange Gott wartet. Da bekommt Abraham diesen Satz in 1. Mose 15: „Ich werde dich segnen, ich werde dir eine große Nachkommenschaft schenken, ihr dürft hier im Land leben.“ Ganz toll. Und dann heißt es sozusagen mit einem kleinen Aber: Bevor ich euch das Land geben kann, muss das Volk, das hier lebt, mit seiner Sünde so weit sein, dass es vertrieben werden kann. Und das braucht noch eine Weile. Da muss er noch warten: 400 Jahre.
Ja, das ist so ein Punkt. Du sagst: Super, ich kriege eine Verheißung für eine reiche Nachkommenschaft. 400 Jahre. Stell dir vor, du wüsstest das, ziehst nach Ägypten, mit den ersten 60 oder 70 Leuten, die da rübergezogen sind, und denkst dir: Jetzt bleiben wir 400 Jahre hier. Ich weiß nicht, ob die so gedacht haben. Aber stell dir vor, du lebst im Jahr 200 nach dem Auszug. Und es wird langsam kritisch, weil der neue Pharao die ganze Geschichte mit Josef nicht kennt. Und du merkst: Wir haben ja schon bessere Zeiten erlebt in Ägypten. Dann passieren die ersten Erfahrungen der Unterdrückung, und jemand sagt dir: Du, ist nicht schlimm. Du wirst es nicht erleben. Deine Kinder werden es nicht erleben. Deine Enkel werden es nicht erleben. Deine Urenkel auch nicht. Aber dann, ja, dann kommt es vielleicht.
Weil Gott in anderen Dimensionen tickt als wir. Für uns sind 2000 Jahre eine unvorstellbar lange Zeit, und wir kreisen uns am Kopf und denken: Boah, Wahnsinn. Für Gott ist es ein Tag. Und wenn ich das im Kopf habe, dann mache ich auch nicht den Fehler zu sagen: Jesus kommt nicht wieder, weil es schon so lange dauert. Das ist überhaupt kein Argument.
Wenn Gott in zehn Jahren Jesus wieder schicken würde, dann wären das zehn Tage. Ich hoffe nicht, dass es so lange dauert, das will ich ganz ehrlich sagen. Und ich glaube auch nicht, dass diese Erde uns noch zehntausend Jahre erträgt. Aber aus der Perspektive Gottes wäre das trotzdem nur ein Schnippschnapp.
Also, das ist die eine Sache. Die andere Sache ist viel schöner. Warum, und das ist mein dritter Punkt: Wenn Gott wartet, diese Welt zu richten, dann hat das vielleicht einen guten Grund.
Und dieser Vers, also wenn ihr einen Vers auswendig lernen wollt, den habe ich auswendig gelernt, weil er einfach schön ist: Da heißt es, der Herr verzögert nicht die Verheißung. Gemeint ist die Erfüllung der Verheißung. Er verzögert nicht zu kommen. Also ist es nicht so, dass Gott ein Typ ist, der sich erst etwas vornimmt und dann sagt: Doch noch nicht. So wie Vokabeln lernen, ja, ich fange morgen Abend an, und dann macht man es doch drei Tage später. Oder Winterreifen aufziehen oder sonst irgendetwas, was man so vielleicht vor sich herschiebt.

Der Sinn hinter dem Warten

Gott ist niemand, der etwas vor sich herschiebt. Wenn er sich etwas vorgenommen hat, dann tut er das. Er verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten. Wenn einer sagt: Ach, Gott will gar nicht, doch Gott will. Es ist in diesem Sinn keine Verzögerung, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.
Gott ist ein langmütiger Gott. Das ist ein wunderschöner Vers, schon im Alten Testament. Da stellt sich Gott vor und sagt: Ich bin barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue. Unglaublich, dass wir das verstehen dürfen: Gott ist ein langmütiger, ein geduldiger Gott.
Und das heißt: Gottes Geduld, was ich jetzt sage, ist ganz wichtig, hält ihn zurück, gegen den Sünder in dem Moment loszuschlagen, wo der Sünder sündigt. Diese Idee, da tut einer etwas Böses und dann müsste Gott doch richten. Gott tut das nicht. Das heißt nicht, dass Gott nie richten wird. Nein, Gott wird richten. Nur tut er es nicht in diesem Moment, sondern er schafft Raum zur Buße. Er schafft eine Zeit der Gnade.
Vielleicht kann man das aus einer menschlichen Perspektive so sagen: Gott steht in einer seelsorgerlichen Spannung. Auf der einen Seite müsste er das Böse sofort bestrafen. Das wäre moralisch richtig, das wäre sogar erzieherisch gut. Jeder, der Kinder hat, weiß: Wenn du deinem Kind zwei Wochen später erklärst, was es vor zwei Wochen falsch gemacht hat, dann bringt das gar nichts. Es hat das längst vergessen.
Wenn hier so ein kleiner Willi oder so aus einer Steckdose robbt und sagt: Ich muss mal schauen, ob da wirklich Strom drin ist, dann muss man in diesem Moment sagen: Nein, auch nicht später. In diesem Moment.

Die Gemeinde im Blick und der Preis der Geduld

Also, wenn Gott mit den Menschen umgeht, dann wäre es, wenn er mit Sündern umgeht, eigentlich richtig, sofort hart durchzugreifen. Das wäre erzieherisch gut. Aber wenn Gott das tun würde, dann bliebe kein Raum mehr für den, der das Böse tut, Buße zu tun. Tote können einfach keine Buße tun. Das ist ein Riesenproblem.
Und wenn Gott sofort sagt: Bam, du lügst, und bei der allerersten Lüge denkt man sich dann: Oh, jetzt ist es vorbei, du hast einmal gelogen, dein Leben ist rum, dann macht Gott das nicht. Er hält diese seelsorgerliche Spannung aus. Und er möchte, dass durch eine vorschnelle Bestrafung niemand verloren geht. Das ist ein ganz, ganz schöner Gedanke.
Hier heißt es: euch gegenüber. Das heißt, im Blick ist nicht die Welt da draußen, sondern im Blick ist die Gemeinde. Er hat quasi alle Gläubigen im Blick. Und er sagt: Von denen, von denen ich weiß, dass sie zum Glauben finden werden. Und Gott weiß das vorher, wer gläubig wird. Da wird er dafür sorgen, dass keiner durch eine vorzeitige Bestrafung, durch einen vorzeitigen Tod, diesen Moment der Buße nicht erlebt.
Gott ist geduldig. Er möchte nicht, dass die, von denen er weiß, dass sie Buße tun wollen, keine Buße tun können. Ich finde das einen ganz schönen Gedanken. Und deswegen, weil er uns sieht, weil er weiß, wer in dieser Welt zu ihm möchte. Und weil er sagt: Ich möchte da wirklich auch alle haben.
Ich lese das noch mal: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche gemeinten, irgendwelche Christen verloren gehen, sondern dass alle gemeinten, alle, die die Buße tun wollen, zur Buße kommen.
Da wird niemand im Himmel sein, der sagt: Ich hätte auch gewollt. Sondern der, der will, wo Gott sieht, da ist etwas in ihm drin, wo er sagt: Hey, ich möchte, ich möchte mit Gott ins Reine kommen, der kommt auch an.
Aber der Preis ist hoch. Der Preis heißt, dass Gott das Böse dieser Welt auch ein Stück weit laufen lässt, dass Gott Ja sagt zu den Grausamkeiten dieser Welt, weil es da einzelne gibt, die er sieht und wo er sagt: Dich möchte ich, und damit du deinen Weg noch finden kannst, halte ich mein Gericht noch zurück.
Achtung: Das Gericht wird kommen. Es wird einen Punkt geben, wo niemand mehr auf dieser Erde dieses Gericht aufhalten kann. Es wird ein Zu-spät geben. Aber diesen Punkt kennt alleine Gott.

Schlussgedanke und Ausblick

Und wenn Leute sagen: Warum glaubst du an Gott? Der kommt doch eh nicht mehr wieder. Dann können wir sagen: Doch, er kommt wieder.
Erstens: Gott hat schon einmal eingegriffen. Die Sintflut ist mehr als ein Mythos. Sie ist eine Warnung an die Menschheit, mit Gott nicht zu spielen.
Zweitens: Wenn Gott einmal eingegriffen hat, dann ist es vernünftig, daran zu glauben, dass er es noch einmal tun wird. Gerade weil er gesagt hat, dass er es tun wird, hat er sich sogar schon einen Richter ausgesucht, nämlich Jesus.
Und drittens: Wenn Gott damit wartet, diese Welt zu richten, dann hat das vielleicht einen guten Grund. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Gott geduldiger, liebevoller und vergebungsbereiter ist, als wir uns das vorstellen können. Er kann warten und ist bereit, einen hohen Preis dafür zu bezahlen. Aber, und das dürfen wir auch nicht vergessen: Er wartet nicht in alle Ewigkeit.
Bis dahin. Nächstes Mal schauen wir uns noch den letzten Rest an.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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