Serie•Teil 2 / 21Jesus
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Ein neuer Blick auf Jesus
Also, wir sind, wie angekündigt, in einer neuen Reihe: Jesus-Reihe. Ich kann ehrlich noch nicht sagen, wie viele Predigten es dazu geben wird. Ich habe mal angefangen, ein bisschen Themen aufzuschreiben, die mich interessieren würden, und ich habe gemerkt, das Leben Jesu ist einfach unglaublich vielschichtig. Es gibt so viele Anknüpfungspunkte im Leben, dass man permanent, wenn man anfängt, auf neue Themen stößt.
Ich glaube, ich habe schon zwanzig unterschiedliche Themen gefunden, bei denen ich sagen würde: Jesus sich an dieser Stelle anzuschauen, das wäre total cool. Da müsste man einfach mal darüber predigen. Das hat man auf eine ganz einfache Weise vielleicht noch gar nicht gehört.
Ich dachte mir, ich werde die einzelnen Predigten machen wie man Drei-Fragezeichen-Hörspiele hört. Kennt ihr ja, diese Drei-Fragezeichen-Hörspiele, die Drei Fragezeichen und das Sowieso? So mache ich diese Reihe. Heute gibt es zum Beispiel das Thema Jesus und das Handauflegen. Jesus, der Hauptdarsteller, bleibt immer gleich. Und dann gibt es dazu ein Thema.
Und ich hoffe, dass die Themen so sind, dass ihr dann immer sagt: Oh ja, das ist interessant. Das ist interessant. Wir haben gar nicht so darüber nachgedacht.
Warum sich diese Reihe lohnt
Warum eine Jesus-Reihe? Also, ich glaube, dass man einfach nicht genug über Jesus wissen kann. Und wir alle haben jetzt auch nicht in allen Dingen den Riesendurchblick bei Jesus. Deswegen lohnt es sich einfach, sich mit Jesus zu beschäftigen.
Ich glaube, dass jemand, der Christ sein will, sich mit Christus beschäftigen muss. Und zu sagen: Ich bin Christ, aber ich kenne den Christus nicht, das ist eher so, als würde ich sagen: Ich bin Sanity-Fan, aber ich habe noch nie ein Musikstück von denen gehört. Da würde man auch sagen: komische Art, komische Art von Fan, ja. Du magst sie vielleicht, und du magst auch vielleicht für die Jungs beten, aber Fan bist du einfach nicht.
Und ein Christ ist ein Jesus-Fan. Also, das muss jemand sein, der mit Leib und Seele für Jesus brennt, der einfach sagt: Ja, ich will, dass er in meinem Leben etwas bewegt. Ich will für ihn leben, ich will durch ihn leben, und ich will begreifen, wer er ist. Wenn das nicht da ist, dann fehlt etwas.
Und deswegen ist eine Jesus-Reihe einfach schön.
Punkt zwei: Ich leide manchmal in der Gemeinde hier ein bisschen unter dem, ich nenne es, der Prophet gilt nicht im eigenen Land-Dilemma. Das heißt: Ich kriege nirgendwo mehr Kritik als von euch, was meine Predigten angeht. Und von daher hoffe ich, dass so eine Reihe, die so schön jesusmäßig ist, einfach meine Kritiker mal so ein bisschen versöhnt und mir gleichzeitig die Chance gibt, über Themen zu predigen, die ich irgendwie gut finde.
Ja, also, aber der wichtigste Punkt ist natürlich ein anderer.
Das Ziel geistlichen Wachstums
Der wichtigste Punkt hat mit Galater 4,19 zu tun. Ihr habt den Vers ja auch bei euch auf eurem Zettelchen mit den Predigtnotizen stehen. Das ist der wichtigste Punkt, und ich lese euch den Vers mal vor: Galater 4,19.
Paulus schreibt an eine Gemeinde, die massive Schwierigkeiten hat. Schwierigkeiten, weil Irrlehrer aufgetreten sind, die ihnen Dinge als Wahrheit verkauft haben, die einfach nicht stimmen. Und er möchte sie jetzt zurückgewinnen für das, was echte, gute Theologie ist. Er sagt dann in Kapitel 4, Vers 19:
Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat.
Paulus spricht hier zu Christen, die in der Gefahr stehen, sich auf eine ganz gefährliche Irrlehre einzulassen, unreife Babychristen. Er vergleicht sich mit einer Frau, die, was in Wirklichkeit natürlich nicht geht, ein Kind noch einmal zur Welt bringt und noch einmal Geburtswehen hat. In Wirklichkeit geht das nicht, aber bei Paulus geht das irgendwie schon. Er sagt: Ich stehe jetzt gerade im Blick auf euch in einer Situation, als müsste ich euch noch einmal durch den gesamten Bekehrungsprozess durchbringen. Eine ganz komische Vorstellung. Ich muss euch quasi das Einmaleins des Glaubens noch einmal predigen und dafür sorgen, dass ihr an dieser Stelle noch einmal von Neuem geboren werdet. Oder, wie er es hier schreibt: bis Christus in euch Gestalt gewonnen hat.
Mein dritter Punkt ist das Ziel der Geburt, also der neuen Geburt eines Christen. Es besteht darin, dass Christus in uns Gestalt gewinnt. Und es ist ganz wichtig, dass wir das verstehen, weil wir in einer Zeit leben, die versucht, genau das Gegenteil zu machen. Sie versucht, Jesus meinen Vorstellungen vom Leben anzupassen. Also bastle ich mir meinen Jesus, den, den ich gerne hätte, damit ich weiter so leben kann, wie ich immer gelebt habe.
Und jetzt kommt Paulus und sagt: Hey, stopp, du kannst Jesus nicht ändern. Der Jesus, den es wirklich gibt, der muss sich nicht unseren Vorstellungen anpassen, sondern wir müssen ihm in unserem Leben Raum geben. Wir müssen immer mehr werden wie er. Wir müssen immer mehr sein Denken, seine Prioritäten und seine Einstellungen zum Leben, seinen Umgang mit Zeit, mit Geld, mit Menschen, mit Gott, mit all dem, imitieren, bis er am Ende in uns Gestalt gewonnen hat.
Also geht es darum, dass man dich sieht und Jesus erlebt. Ist das eine klasse Vorstellung? Ja, du begegnest dir, aber eigentlich begegnet man Jesus.
Was Handauflegung mit Gemeinschaft zu tun hat
Und das ist der Hauptpunkt, warum mich diese Reihe so reizt: Jesus und diese Jesus-Reihe. Ich glaube nämlich, dass wir ganz, ganz viel lernen können, ganz praktisch lernen können, von Jesus.
Wir werden jetzt nicht irgendwie eine große, hohe Theologie machen. Ich werde das ein bisschen eindampfen, theologisch eher einfacher. Ich werde mir zwei, drei Bibelstellen herausnehmen und die Dinge darum herum aufbauen. Denn es geht mir wirklich darum, dass wir nicht hier rausgehen mit einem noch größeren Kopf, sondern mit einer Idee: Wie hat Jesus gelebt? Was war ihm wichtig? Wo hat er die Schwerpunkte hingelegt? Und dass wir in der nächsten Woche einfach anfangen, oder vielleicht sogar schon heute nach dem Gottesdienst anfangen, genau das Gleiche zu machen.
Denn wenn wir das nicht tun, dann wird Jesus in uns einfach keine Gestalt gewinnen. Dann werden wir immer wir selber bleiben, irgendwie weit weg von dem, was Gott eigentlich für uns vorhat.
Und wir müssen Christsein ganz einfach denken. Und ganz einfach bedeutet: Wir wollen werden, wie Jesus ist. Und deswegen müssen wir uns Jesus anschauen. Mein erstes Thema lautet deshalb: Jesus und die Handauflegung.
Auch natürlich, weil ich euch ein bisschen, ja, es sollte jetzt nicht unbedingt sein, Jesus und das Gebetsleben. Das gibt es auch irgendwann mal in den Evangelien, das weiß ich schon. Aber bei dem Thema bin ich sicher, ihr hört noch mal zu, weil ihr nämlich noch nicht wisst, genau, was ich sagen möchte.
Wie kommt man auf so ein Thema? Relativ einfach: Man macht vor zwei Wochen eine Reihe über den Hebräerbrief und stellt fest, dass der Autor da, wo er sagt, was so die Basic-Themen für junge Gläubige sind, sagt: Naja, Handauflegung gehört schon dazu. Und du denkst dir: Hm, okay. Hätte ich jetzt, wenn du mich gefragt hättest, was die wichtigsten Themen für junge Gläubige sind, das Thema Handauflegung nicht gewählt.
Aber in Hebräer 6,1-2 steht die Handauflegung. Und weil ich darüber gepredigt habe und mir ein bisschen mehr Gedanken machen musste, dachte ich mir: Ja, schauen wir uns doch mal an, wie war denn das bei Jesus? Wie ist Jesus mit dem Thema Handauflegung umgegangen?
Und bevor wir uns das anschauen, um so zu werden, wie Jesus war oder ist, drei Vorbemerkungen.
Vorbemerkung eins: Wenn ihr sagt, ich möchte mehr zu diesem Thema Handauflegung hören, dann schaut bei Frogwords bitte mal die Predigt über Hebräer 6,2b an. Da habe ich es breiter entwickelt. Heute geht es mir tatsächlich nur um Jesus und Handauflegung. Ich werde das Thema als Ganzes jetzt nicht mit euch erörtern. Wir schauen uns an, was Jesus gemacht hat und was wir von dem, was Jesus gemacht hat, lernen können.
Zweiter Punkt: Das Auflegen von Händen hat etwas sehr Persönliches. Wenn man sich berührt, dann ist man sich nahe. Also ist das Auflegen von Händen etwas, was Gemeinschaft zum Ausdruck bringt. Gemeinschaft, die wir miteinander haben.
Dazu muss man Folgendes verstehen: Im geistlichen Leben gibt es Dinge, die kannst nur du machen, die kann dir keiner abnehmen. Das sind Dinge wie Buße tun, glauben. Auch beim Thema Heiligung musst du eine Entscheidung treffen: Will ich werden wie Jesus oder nicht? Und wenn du sagst, ich will nicht, dann kann kein anderer dir das irgendwie überstülpen.
Dann gibt es Dinge, die kannst du nicht machen in deinem Leben, die macht Gott. Das sind zum Beispiel Wiedergeburt: Du kannst dich nicht selber von neuem gebären, also den Heiligen Geist bekommen und ein neues Herz. Das kannst du nicht selber machen. Auch Auferstehung wird relativ schwierig, wenn du das selber probierst, das wird nicht funktionieren. Selbst ewige Errettung ist etwas, was Gott dir schenkt. Du kannst ja gerne ewig errettet werden wollen, aber du kannst es nicht machen. Das sind Dinge, die Gott dir schenkt.
Also: Manche Dinge muss ich selber machen, manche Dinge muss Gott mir schenken. Und dann gibt es eine dritte Kategorie. Das sind Dinge, die tut Gott an mir durch Gemeinschaft, also genau genommen durch Gemeinde. Die kriege ich nicht, wenn ich nicht aktiver Teil einer Gemeinschaft, einer Gemeinde bin.
Ganz simpel: Taufe. Natürlich kannst du baden gehen, aber eine Taufe ist etwas, wo du sagst: Hier ist eine Gemeinde, und ich lasse mich in diese Gemeinde, in diese Gemeinschaft hineintaufen. Und jemand anders tauft mich, und damit bin ich Teil dieser Gemeinschaft.
Auch Lehre ist etwas, wo man Gemeinschaft braucht. Natürlich kannst du Bücher lesen, ja, aber auch da nimmst du indirekt nur an Gemeinschaft teil. Du musst nicht alles selber erarbeiten. Du darfst dir helfen lassen von Geschwistern, du darfst dich unterweisen lassen, du darfst dich auch leiten lassen.
Und ein Aspekt, den du auch nicht selber machen kannst in Gemeinschaft, ist Handauflegung. Natürlich kannst du dich selber berühren, ja, logisch. Aber wir reden jetzt davon, dass ein anderer dich berührt. Handauflegung gehört also zu den Aspekten, zu der Art von Ausdruck von Gemeinschaft, die wir im Umgang miteinander in einer Gemeinde erfahren.
Ein dritter Punkt: Das Auflegen von Händen hat nichts Magisches. Also wenn ich dir die Hände auflege, und ich würde das immer tun, wenn ich zum Beispiel für dich bete, dann steckt in meinen Händen keine Kraft, die ich irgendwie weitergebe. Wenn ich einem Menschen die Hände auflege, dann identifiziere ich mich mit ihm, mit seinen Sorgen, mit seinen Wünschen.
In dem Moment, in dem ich dir die Hände auflege, stehst du nicht mehr alleine vor Gott, sondern ich stelle mich an deine Seite: mit meinem Glauben, mit meinen Begabungen, als Ältester auch mit meinem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, oder eben auch mit dem speziellen Segen, der auf einer Gemeinschaft von Gläubigen liegt.
Ich kann euch das nicht genau erklären, aber die Bibel spricht davon, dass da, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da etwas ganz Besonderes abgeht. Also dass man alleine leben kann mit Gott, aber Gemeinschaft braucht, um einen besonderen Segen zu genießen, weil dieser besondere Segen darauf liegt, wenn zwei oder drei eins werden, für eine Sache zu beten.
Und deswegen soll Gemeinde immer auch ganz praktisch segnende und heilende Gemeinschaft sein. Eine Gemeinschaft, die zusammen betet, und darum soll es heute gehen: anfasst.
Wie gesagt, für euch ist vielleicht ein ganz komischer Gedanke: anfassen? Ja, aber ich muss den anderen doch nicht anfassen, um für ihn zu beten. Stimmt. Aber die Reihe heißt ja „Jesus“. Und es ist schon spannend, mal zu schauen, was Jesus gemacht hat. Und vielleicht darf er uns heute aus der einen oder anderen Komfortzone herauslocken.
Jesu heilende Berührung
So, es gibt zwei Bereiche, in denen Jesus Leute angefasst hat. Wenn es hier langsam unangenehm wird mit dem Thema, dann wird es die nächsten Male genauso sein. Sich mit Jesus zu beschäftigen, ist echt, also immer total unangenehm, weil er einfach nicht so tickt, wie wir ticken.
Zwei Bereiche, in denen Jesus das Thema Handauflegen ganz praktisch werden ließ. Der eine Bereich: Was könnte es sein? Heilung, genau. Und der zweite Bereich, das habt ihr auch gesehen auf eurem Blatt, wenn ihr schon gelesen habt: Der zweite Bereich heißt Segnung. Also Heilung und Segnung. Das sind so die beiden großen Bereiche, und ich möchte mit dem ersten anfangen.
Jesus heilt. Und wenn er heilt, dann hat das damit zu tun, dass er Leuten die Hände auflegt. Achtung: nicht immer und überall, aber dazu finde ich eben die Verse.
Markus 6,5: Und er konnte dort kein Wunderwerk tun, außer dass er wenigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte, steht es. Jesus kommt, das ist der Prophet im eigenen Land, er kommt nach Nazaret, wo er eigentlich alle Leute kennt, aber die glauben nicht an ihn. Und dann sagt eben Markus: Und er konnte dort kein Wunderwerk tun, außer dass er wenigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte.
Das war eine typische Stelle. Jesus legt den Menschen die Hände auf und heilt sie.
Lukas 4,40: Als aber die Sonne unterging, brachten alle, die an mancherlei Krankheiten Leidende hatten, sie zu ihm; er aber legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie.
Es sind solche Stellen, die mich total faszinieren bei Jesus. Stell dir vor, du bist irgendwo, der Tag ist vorbei, du denkst an ein Abendessen und dann ab ins Bett. Und das ist der Moment, wo das ganze Dorf lebendig wird. Wer noch irgendwo einen kranken, schwachen Alten hat, der noch irgendwie nicht mehr so richtig funktioniert, der wird zu Jesus gebracht, und bitte Hände auflegen, bitte heilen. Und bis spät in die Nacht macht Jesus das. Er legt den Leuten die Hände auf und heilt sie.
Wenn ich das so vorlese, könnte jemand sagen: Jürgen, diese Heilungen von Jesus haben doch für uns eigentlich keine persönliche Relevanz. Das waren Zeichen, Zeichen von Gott, damit die Menschen in Israel damals Jesus als den Messias erkennen können. Und das stimmt. Für etwa drei Jahre heilt Jesus alles, was krank ist, zwei Beine hat und irgendwie ein bisschen Glauben. Es wird wirklich alles, was man ihm so bringt, irgendwie geheilt.
Interessanterweise hört das Händeauflegen selber mit Jesus nicht auf. Und ja, das möchte ich betonen: Es macht einen riesigen Unterschied, ob Jesus heilt oder ob Gott das Gebet eines normalen Christen erhört. Wir sind keine kleinen Messiasse, aber wir sind halt auch keine Nobodys.
Und wenn, und ich springe mal in die Apostelgeschichte rein, wenn dort Ananias für den blinden Paulus betet, damit dieser wieder sehen kann, dann legt er ihm die Hände auf. Oder ein bisschen weiter, auch noch in der Apostelgeschichte: Wenn Paulus dann selber für den Vater des Publius betet, der an Ruhe und Fieber erkrankt ist, dann legt er ihm die Hände auf und heilt ihn.
Ich finde das spannend. Ich möchte keine so fancy Handauflegungstheologie aus ein paar Stellen ableiten. Aber ich sehe hier Menschen, die beten, anderen Menschen die Hände auflegen, und Gott heilt. Und ich frage mich, ob das nicht noch mehr unter uns Kultur werden sollte.
Und natürlich frage ich mich auch: Wenn es heute viele Menschen gibt, die schwach sind, ob das auch daran liegt, weil wir das nicht tun, weil wir die Ressourcen, die wir haben, nicht ausschöpfen, weil es vielleicht auch in Berlin zu viel Einzelkämpferchristentum gibt. Und zu wenig gelebte heilende Gemeinschaft. Dass wir vielleicht zu viel reden über Probleme, statt gemeinsam um Heilung zu flehen. Zu viel dieses: Ich komme schon alleine klar.
Und wenn ihr denkt, das betrifft uns nicht: Ich weiß von Leuten, die schwer krank sind in unserer Gemeinde und die nie auch nur die Ältesten zu sich gerufen haben, die nicht mal wollen, dass man im Update schreibt, dass sie krank sind. Ich denke mir, da geht etwas verloren. Da geht etwas an Potenzial, was Gott in Gemeinschaft hineingelegt hat, einfach verloren, weil Gemeinschaft dieses: Ich komme schon alleine klar, ich brauche die Gemeinschaft nicht, ich glaube das nicht, ich glaube es einfach nicht.
Jeder kann für sich entscheiden, wie er leben will. Ich kann das niemandem überstülpen. Aber mein Eindruck ist der, dass vom Neuen Testament her, gerade wenn wir jetzt sagen, wir wollen mal von Jesus lernen, dann ist Jesus einer, der für Menschen betet, ihnen die Hände auflegt und sie heilt. Bei Jesus gibt es diese heilmachenden Berührungen.
Und ja, ich kann das Zeichenhafte seiner kranken Heilung nicht imitieren. Ich bin nicht der Messias, und du bist es auch nicht. Nirgendwo findet sich in der Bibel über uns eine Verheißung, dass wir die Krankheiten anderer Menschen auf uns nehmen werden. Das ist über Jesus gesagt in Jesaja 53,4. Die Verheißung gibt es nicht.
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich trotzdem etwas von Jesus lernen kann. Und ich möchte gern diesen grundsätzlichen Umgang mit Menschen lernen, einen Umgang, der seinen intimen Höhepunkt darin findet, dass ich den berühre, der mich und mein Gebet braucht. Dass ich ihn berühre und mich mit ihm eins mache in diesem Wunsch, dass er Heilung erfährt oder Kräftigung oder Trost.
Wisst ihr, ich weiß nicht, was Gott für den anderen, für den ich bete, hat. Ich weiß auch nicht, was der andere für eine Berufung hat in dieser Welt. Ich weiß nicht, was sein Glaube braucht, damit er vielleicht noch stärker und noch unerschütterlicher wird. Aber ich möchte mich mit ihm eins machen. Ich möchte an seine Seite treten und ihn spüren lassen, dass ich für ihn bin.
Versteht ihr, wenn ich schon nicht der Messias bin und wenn ich schon nicht sagen kann: Ich garantiere dir, dass du geheilt wirst, weil hinter mir steht die Topverheißung, dann kann ich wenigstens sagen: Ich stehe an deiner Seite. Und ich möchte von Jesus genau das lernen. Ich möchte, dass du weißt: Ich bin mit dir. Und alles, was ich dir geben kann: Lass mich dich anfassen und lass mich für dich beten, so oft du das brauchst. Ich will es dir einfach geben.
Ich will mindestens eines tun: Ich will dir Gutes zusprechen, ich möchte dich segnen. Einen Menschen segnen heißt, ihm etwas Gutes wünschen. Sprüche 24,25 betont, dass das Glück eines Segenswunsches bei dem eintritt, der gerecht lebt. Wenn jemand mit Gott unterwegs ist und gerecht lebt, dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott hört, wenn ich ihm einen Segen zuspreche. Dann darf ich ihn segnen und darf ihm einfach etwas von mir mitgeben.
Eine Kultur des Segnens
Ich will euch noch eine Stelle zeigen, die mich vorletzte Woche, als ich in dieser Bibelwoche war, tief berührt hat, weil sie wieder diesen Aspekt der Gemeinschaft zum Ausdruck bringt.
Da heißt es, lest es bitte mit Markus 10,14 und 16:
Lasst die Kinder zu mir kommen, wehrt ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Und er nahm sie in seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie.
Ein ganz kleiner, schöner Vers. Du möchtest von Jesus lernen? Okay, stellt euch mal eine Gemeinde vor, wo das normal wäre. Eine Gemeinde, wo Mütter mit ihren kleinen Kindern erleben, dass reife Christen auf sie zugehen und fragen: Sag mal, darf ich dein Kind segnen? Ich würde gerne dein Kind segnen. Ich würde das, was Jesus hier gemacht hat, gerne auch machen. Ich würde einfach gerne dein Kind segnen.
Ja, eine Gemeinde, in der es völlig normal ist, dass Eltern ihre Kinder, Großeltern ihre Enkel segnen und wir auch einander segnen. Stellt euch vor, ich würde jetzt von da oben mir die Lucy runterholen und vielleicht noch den Lukas, und ich würde einfach jetzt die beiden segnen. Darf ich das? Komischer Gedanke, darf ich das? Darf ich deine Tochter segnen? Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen.
Also stellt euch vor, das wäre bei uns einfach normal. Wir schauen uns Jesus an, wir merken: Jesus hat diesen Hang zur Nähe, hat diesen Hang zum Anfassen, legt Leuten die Hände auf, betet für sie. Da ist jemand krank, und er geht hin und sagt: Darf ich für dich beten? Klar, komm. Und er macht das. Ich kann es auch distanziert machen, aber es geht mir um etwas, was weitergeht: eine Gemeinschaft, die eben noch nach vorne kommt. Eine Gemeinschaft, die nichts damit zu tun hat, dass wir distanziert bleiben.
So, jetzt stellt euch vor, ich würde einfach jedes Mal, wenn ich diese kleinen Racker sehe, sagen: Vater im Himmel, ich möchte dich für Lucy bitten, dass du ihr Gnade gibst, dass du sie ganz früh in ihrem Herzen schon berührst und dass sie zu einer Frau heranreift, die irgendwie geistliches Stehvermögen hat und die mit ihrem Leben diese Welt prägt.
Und ich würde für Lukas beten: Vater im Himmel, ich bete für Lukas, meinen Enkel. Ich bete, dass er ein Mann Gottes wird, der früh das Evangelium versteht, der zu einem Mann heranreift, der diese Welt mit Gutem prägt.
Stellt euch vor, das wäre völlig normal. Stellt euch vor, das wäre völlig normal. Eine Gemeinschaft, wo man einfach füreinander betet, einander kurz dabei berührt und anfasst und sagt: Hey, wir sind eine Gemeinschaft. Und wo jeder, der nicht zum Gottesdienst kommt, einfach sagt: Mir fehlt da was, weil ich hätte mir gewünscht, dass ein paar Leute für mich beten und dass Leute da sind und mir zeigen, das ist so ein schöner Gedanke.
Ich weiß, es ist ein bisschen weit weg, ja. Deutsch, ehrlich anfassen, das ist auch was für die Afrikaner oder so, ja, ehrlich. Genau, bloß nicht in die Augen schauen, ja, genau. Aber stellt euch ganz kurz vor, wie das wäre.
Und ich möchte euch eine Aufgabe mitgeben, jetzt kriegt ihr eine Aufgabe. Die Aufgabe ist ganz einfach, und ich werde sie euch im Update abfragen. Die Aufgabe lautet: Überleg dir jetzt eine Person, die du in den nächsten drei Tagen segnen möchtest. Es ist egal, wen. Es ist mir auch völlig Wurst, wen. Nimm deine Ehefrau von mir aus, wenn dir sonst niemand einfällt.
Du hast eine Person im Kopf? Wen möchtest du in den nächsten drei Tagen segnen? Zu wem möchtest du hingehen und sagen: Hey, darf ich dir etwas Gutes wünschen? Ich möchte einfach nur für dich beten. Herr, ich bitte dich, dass du ... Und dann wünschst du dem anderen das, was er braucht oder wo du glaubst, dass er es braucht. Das ist das. Er kann das nachher abholen, ich gebe ihm das, das ist kein Problem.
Ein weiser alter Christ, von dem ich persönlich extrem viel gelernt habe, der hat mal gesagt: Wenn du den Kopf eines Kindes streichelst, berührst du das Herz der Mutter. Da dachte ich mir: Boah, könnte es sein, dass der Umgang mit den Kleinsten in der Gemeinde, ein herzlicher, leidenschaftlicher Umgang, etwas ist, was vielleicht viel breitere und größere Auswirkungen hat, als wir uns überhaupt vorstellen können?
Es gibt so viel Gutes, was wir kleinen Kindern wünschen können. Kann es vielleicht einfach daran liegen, dass wir uns der Macht eines Segens nicht mehr bewusst sind? Kann es sein, dass wir uns da eine riesige Chance verbauen? Eine Chance darauf, Liebe zu zeigen. Eine Chance darauf, mit einem kurzen Gebet das Leben eines Kindes zu prägen?
Die Herausforderung, Jesus wirklich nachzufolgen
Ich habe am Anfang Galater 4,19 gebracht. Paulus wünscht sich, dass Christus in uns Gestalt gewinnt.
Wisst ihr, ich habe heute nur vor einer Sache Angst: dass ihr denkt, oh ja, cool, cooles Thema, nach Hause geht und sich dann nichts ändert. Davor habe ich Angst. Dass wir uns Christen nennen, aber in dem Moment, wo wir merken: Oh ehrlich, so praktisch soll das sein? Kannst du nicht ein bisschen theoretisch über Handauflegung reden, wo das das erste Mal im Alten Testament vorkommt und dann, wie das mit diesem Ziegenbock war, dem hat man ja auch die Hände aufgelegt? Können wir das nicht ein bisschen abstrakter machen, ein bisschen weiter weg, sodass ich, wenn ich dann so eine Predigtnotiz kriege, die abheften kann und dann ist irgendwie gut? Davor habe ich Angst.
Ich habe Angst davor, dass wir uns mit Jesus beschäftigen und am Ende sich lediglich eines zeigt, nämlich unsere mangelnde Bereitschaft, so zu leben, wie er gelebt hat. Davor habe ich Angst. Vor irgendetwas anderem habe ich keine Angst. Das ist auch das Einzige, wovor ich in meinem Leben wirklich Angst habe: dass sich in meinem Leben nicht genug Gottesfurcht zeigt, um das zu tun, was Gott mir vorlebt. Und dass ich mir denke: Meine Art, Menschsein zu leben, ist einfach viel cooler als das, was Jesus gelebt hat. Ich weiß es viel besser. Davor habe ich wirklich Angst.
Und deswegen dieser Vers: Paulus wünscht sich, dass Christus in uns Gestalt gewinnt. Vielleicht fängt es da an, wo wir neu darüber nachdenken, wie Jesus sich den Kranken und den Kleinen zuwendet, wie er ihnen die Hände auflegt und sich mit ihnen identifiziert. Und wisst ihr, die Jünger tun sich schwer mit diesem Jesus. Sie würden tatsächlich gern die Kinder wegschicken. Das ist so: ja, weg mit denen. Und Jesus nimmt sie in den Arm, legt seine Hände auf sie und segnet sie. Was für ein Unterschied!
Und für mich stellt sich die Frage: Wie will ich leben? Also das ist die Frage, die sich euch jetzt an der Stelle auch stellen muss. Bin ich wirklich Christ? Also bin ich Christ, der sagt: Jesus ist mein Vorbild, und eigentlich möchte ich das imitieren. Ich weiß vielleicht noch nicht genau wie. Das ist schon okay, das ist geschenkt. Man muss doch nicht auf alle Fragen des Lebens jetzt die Antwort haben. Aber eigentlich möchte ich das leben. Wie will ich das leben? Wie will ich diese Nähe leben?
Ich weiß, dass Gott uns echt viel zumutet, wenn er uns so ein Vorbild vorlebt. Aber ich muss es euch am Ende noch einmal sagen: Jesus ist der Mensch, den Gott sich wünscht. Der Mensch, der Gottes Idee von Liebe in Perfektion lebt. Er ist die Qualität von Menschsein, die Gott in uns verwirklichen möchte. Und irgendwie gehört es zum Leben ganz natürlich dazu, für Jesus, dass er Kranken und kleinen Kindern die Hände auflegt, sich mit ihnen eins macht und betend und segnend für sie da ist.
Und das hat, als ich so darüber nachdachte, in mir noch einmal etwas ausgelöst. Da dachte ich: Boah, Wahnsinn, ja, ich verstehe die Jünger. Ich verstehe die Jünger, dass die sagen: Lass mich bitte in meiner Komfortzone bleiben. Jetzt lassen diese kleinen, quäkenden Belger nicht auch noch. Wir haben schon diese ganzen stinkenden Kranken, und wir müssen hier eh schon über jeden Abend bis spät in die Nacht uns mit diesem hier beschäftigen. Jetzt kommen wenigstens nicht auch noch die. Das ist doch der Gedanke: Mein Leben ist schon voll mit Sorgen, ich habe meine eigenen Sorgen. Und wann immer ich auf jemanden zugehe und sein Kind segnen will: Mann, ehrlich, das ist doch nicht mein Kind, das ist seins, sein Problem, nicht meins. Oder dieses: Boah, ich habe genug eigene Sorgen. Mann, tut mir echt leid, dass du krank bist, aber weißt du, eigentlich möchte ich nicht darüber nachdenken, wie es dir gerade geht, weil da werde ich nicht glücklicher damit.
Jetzt sehen wir Jesus, der an der Stelle einfach sagt: Ich gehe hin, ich gehe aus meiner Komfortzone raus, und ich lasse mich auf Menschen ein. Und ich glaube, wenn wir ihm nachfolgen wollen und ihn imitieren wollen, genau dazu, damit der Heilige Geist uns immer mehr in sein Bild verwandelt, dann müssen wir uns womöglich einen Schubs geben. Wir müssen diesen Moment der Unsicherheit aushalten und auf Geschwister zugehen. Wir müssen ihnen diese Frage stellen, und das möchte ich einfach. Ich möchte eigentlich so eine Gemeinschaft werden. Ich weiß nicht, wie wir da hinkommen.
Wahrscheinlich habt ihr das alles, was ich jetzt predige, sowieso schon vergessen. Nächste Woche und übernächste Woche denkt ihr schon gar nicht mehr daran, und dann denkt man sich: Ach, war das lustig, dass er Luzi und Lukas gesegnet hat. Das ist das Normale bei einer Predigt. Martin hat vorhin gesagt, fünf Prozent werden behalten, die schreiben eh alle nicht mit. Und er hat recht. Deswegen habe ich es euch ausgedruckt, damit ihr nicht mitschreiben müsst.
Aber wie kriegen wir das hin, dass das Leben Jesu wirklich in uns Gestalt gewinnt? Dass wir nicht nur davon reden, Jesus ähnlicher zu werden, sondern dass wir am Ende des Jahres im Weihnachtsgottesdienst Leute haben, die sagen: Hey, ich habe angefangen zu segnen, ich habe angefangen, für Leute zu beten, ich bin nicht nur passiver Zuschauer geblieben, ich habe das gemacht.
Woran sich Gemeinde wirklich messen lassen muss
Und das weiß ich nicht. Aber eines muss uns klar sein: Wenn wir das nicht hinkriegen, Jesus ähnlicher zu werden, dann ist alles, was wir hier tun, Mumpitz. Dann ist es schöne Musik und nette Predigten und die richtige Bibelauslegung und keine Ahnung was noch, Essen für Mildtätige und und und und.
Wenn du nicht Jesus ähnlicher wirst in dieser Gemeinde, dann hat sie ihr Existenzrecht verwirkt. Vielleicht liegt es nicht an der Gemeinde, sondern an dir. Aber dann brauchen wir auch keine Gemeinde. So ein Kuschelclub der Erretteten, wie das früher bei Nimm zwei hieß, das war mal so ein, kennt wahrscheinlich keiner, unser Alter, unser Hintergrund kennt das, liebe Angelika, aber die meisten hier kennen das wahrscheinlich nicht, so ein Kuschelclub der Erretteten, die sich wie so ein Brummkreisel um sich selber drehen und sagen: Mann, sind wir cool, den braucht keiner.
Aber Leute, die sagen: Ich stehe in Ehrfurcht vor dem Wort Gottes. Und ich erzittere, wenn mir jemand solche Stellen vorliest und ich merke, dass dieses Leben, das Jesus gelebt hat, nicht mit dem zusammenpasst, was ich lebe. Ich erzittere davor, und ich werde nicht weichen, bis irgendetwas von dem, was Jesus ausmacht, in meinem Charakter sichtbar wird, bis ich ein Stück mehr so geworden bin.
Das ist eine Gemeinschaft von Leuten, mit denen Gott alles erreichen kann. Weil sie nämlich zuerst sich eines wünschen: ihm ähnlicher zu werden. Und das ist das, was ich uns wünsche.
Und deswegen am Ende nochmals: Ich weiß, diese Frage auf jemanden zuzugehen, den man vielleicht nicht kennt, und zu sagen: Hey, darf ich für dich beten? Darf ich dich berühren und dir dienen? Das ist eine Frage, die geht uns wahrscheinlich nicht leicht über die Lippen. Wir würden dreimal schneller über Autos, Urlaub, Job und sonst was reden.
Aber auf jemanden zuzugehen und zu sagen: Hier ist meine Hand, darf ich dich berühren und darf ich mich eins machen mit dir in deiner Schwäche und in deiner Kleinheit, darf ich das? Und darf ich dir etwas geben, was Gott mir gegeben hat, um es dir zu geben in der Gemeinschaft? Das ist das, was Jesus getan hat.
Und ich glaube, wenn wir das tun, dann werden zwei Dinge wachsen: Auf der einen Seite wird unter uns Gemeinschaft entstehen, und auf der anderen Seite wird in uns Jesusgestalt gewinnen. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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