Serie•Teil 24 / 25Hebräerbrief
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Einordnung und Rückblick auf den bisherigen Abschnitt
Bibelwoche 2019, immer noch Hebräerbrief, Kapitel 13, Verse 1 bis 14. Und ich grüsse die Jugend. Schön, dass ihr da seid. Mutig, mutig, schön. Ja, also, freut mich.
Gestern endete der Text mit den Worten: Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Also, wir dürfen als Gläubige des neuen Bundes immer mal wieder darüber nachdenken, dass wir uns nicht in die Verdrängung darüber, wer Gott ist, hineinbegeben. Und wenn der Autor des Hebräerbriefes hier schreibt: Auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer, dann schwingen hier Worte mit, die Mose an das Volk Israel gesagt hat. Und ich möchte mit denen heute anfangen: 5. Mose 4,23-24.
Ich lese das mal vor: Hütet euch, dass ihr ja nicht den Bund des Herrn, eures Gottes, vergesst, den er mit euch geschlossen hat, und euch ein Götterbild macht in der Gestalt von irgendetwas, das der Herr, dein Gott, dir verboten hat. Denn, und jetzt merkt ihr, wo der Hebräerbriefschreiber seine ganzen Ideen her hat, aus dem Alten Testament: Denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein eifersüchtiger Gott.
Das sind Worte, ja, da hat man nicht mehr so ein verzehrendes Feuer, ein eifersüchtiger Gott. Ich finde das großartig, dass Gott ein Gott ist, der uns mit niemandem teilen will. Ich möchte das deshalb an den Anfang stellen, weil wir das nicht vergessen dürfen, wenn wir das nächste Mal nachdenken, irgendwelchen modernen Götzen nachzulaufen.
Was sind moderne Götzen? Es sind nicht so Götzen, wie wir sie aus der Bibel kennen. In der Bibel, wenn es um Götzen geht, sind das Dinge aus Stein oder aus Gold. Ich muss zugeben, dass mich das inzwischen aber schon erstaunt, wie viele Buddha-Statuen man überall sieht. Ist euch das mal aufgefallen, in wie vielen Vorgärten, Läden, Restaurants immer so ein Ding steht? Ich vermute trotzdem, dass kaum einer hier wacht und denkt: Oh ja, so ein Ding will ich bei mir auch im Wohnzimmer haben. Oder, was noch lustiger ist, diese Winkekatze. Kennt ihr diese Dinger, wo du sagst: Hallo, was bist du denn für einer? Ich meine, wie viel Geschmackssinn muss man haben, um sich so ein Ding irgendwo hinzustellen?
Wahrscheinlich haben wir damit keine Probleme. Aber es gibt natürlich andere Götzen, Götzen, die nicht aus Stein oder aus Gold sind. Ich sage mal: Oder vielleicht muss man fragen, was ist ein Götze? Ein Götze ist das, wofür ich lebe. Und ich sage: Das ist mir im Leben das Wichtigste. Und da, glaube ich, gibt es Dinge wie Gesundheit, Aussehen, Wohlstand, Macht, vielleicht auch Zerstreuung oder Familie. Und etwas, wo ich plötzlich so ein bisschen zucke, wenn ich das vorlese: Bildung. Dinge, wo ich merke: Wow, die werden mir, wenn ich so darüber nachdenke, ganz schnell ganz wichtig. Und die können den Platz in meinem Leben einnehmen, der eigentlich Gott gehört.
Wenn das passiert, wenn du merkst, da gibt es Dinge neben Gott, die einfach immer wichtiger werden, dann lass uns nicht vergessen, was wir gestern gelernt haben, nämlich dass wir ein unerschütterliches Reich empfangen haben. Wir leben im Glauben. Wir leben im Glauben an den Sohn Gottes, von dem es heißt, dass er sich für uns hingegeben hat, damit wir jetzt für ihn leben, für ihn, nicht für uns. Das war gestern.
Jetzt starten wir nach vorne, Hebräer 13. Man kann nur sagen: Was jetzt kommt, das sind abschließende Ermahnungen. Das ist also jetzt so ein Punkt nach dem anderen. Man könnte sich vorstellen, der Schreiber sitzt da und denkt: Ich habe eigentlich alles gesagt, und jetzt will ich zum Schluss einfach noch so ein Kapitel füllen mit Dingen, die auch irgendwie wichtig sind, die man halt so am Ende sagen kann, weil es immer gut ist, über diese Dinge nachzudenken.
Geschwisterlichkeit und gelebte Nähe
Hebräer 13,1 Die Bruderliebe bleibe!
Ich weiß nicht, ob ihr gerne Bibelverse auswendig lernt. Wenn ihr sagt: Oh ja, ich möchte heute damit anfangen, dann ist das ein guter Vers für den Start, denn er lässt sich relativ schnell lernen: Die Bruderliebe bleibe!
Bruderliebe: Der Begriff bezeichnet sprachlich erst einmal tatsächlich die Liebe zwischen leiblichen Geschwistern. In der Bibel wird der Begriff aber noch anders gebraucht. Er wird dort von den leiblichen Geschwistern auf die geistlichen Geschwister ausgedehnt, also auf die Leute, die in einer Gemeinde sind, die gläubig sind, die zur Familie Gottes gehören.
Und dieser Gedanke, dass man Bruderliebe hat, dass man sich untereinander wie Geschwister betrachten kann, wie Geschwister einer Familie, dieser Gedanke geht auf Jesus zurück. Jesus hat einmal in Matthäus 23,8 gesagt: Ihr aber lasst euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder oder Geschwister.
Ganz wichtig: Warum soll hier in so einer Gemeinde nicht einer über dem anderen stehen? Warum soll hier keiner reinkommen und alle sagen: Rabbi, Rabbi, Rabbi? Ganz einfach: Weil wir alle Geschwister sind.
Ich habe eine Frau, die zu uns in den Gottesdienst kommt, und die kommt immer auf mich zu: Herr Pastor, Herr Pastor. Und ich muss immer sagen: Nein, das will ich nicht. Ich bin ganz normal hier der Jürgen, und ich gehöre ja auch hierhin. Und Ende. Versteht ihr? Also: Macht nichts aus Leuten, weil wir sind alle Geschwister. Und weil wir alle Geschwister sind, deswegen ist Bruderliebe so wichtig.
Bruderliebe ist das, was wir füreinander empfinden sollen. Das ist noch viel mehr als nur so ein, ich nenne das mal, sentimentales Wirgefühl, das uns irgendwie miteinander verbindet. Bruderliebe muss etwas sein, was man erleben kann. Sie kommt dadurch zum Ausdruck, dass man füreinander da ist. Deswegen heißt es an anderer Stelle auch, sie soll herzlich sein oder sie soll ungeheuchelt sein, also ehrlich.
Und dass hier steht: Die Bruderliebe bleibe, das finde ich ganz schön. Es zeigt nämlich, dass die Hebräer einander bereits lieb hatten. Und der Autor muss jetzt nur noch sagen: Hey, das, was da ist, bleibt dabei.
Auf der anderen Seite ist in 1. Thessalonicher 4,9-10 Bruderliebe etwas, wovon man nie genug bekommen kann. Also wenn du sagst, ich weiß gar nicht, was ich für mich beten soll, ich bin schon so ein heiliger Christ, mir fällt gar nicht mehr ein, an welcher Stelle es in meinem Leben noch vorangehen kann: Probier Bruderliebe.
1. Thessalonicher 4,9-10: Was aber die Bruderliebe betrifft, so habt ihr nicht nötig, dass man euch schreibt. Na, das ist doch super, warum schreibst du dann? Ihr habt nicht nötig, dass man euch schreibt, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben. Das tut ihr ja auch gegen alle Brüder in ganz Mazedonien. Wir ermahnen euch aber, Brüder, reichlicher zuzunehmen.
Ist das schön? Du kannst von der Bruderliebe nie genug haben. Selbst wenn du dich hinstellst und sagst: Gott hat es mir beigebracht, und ich mache es, kommt Paulus und sagt: Da geht noch was. Und deswegen: Wenn du nicht genau weißt, wofür du beten sollst, versuch mal Bruderliebe.
Offenheit für Fremde und Solidarität mit Leidenden
Und was für geistliche Geschwister gilt, das gilt auch für fremde Leute.
Das Wort Gastfreundschaft heißt wörtlich übersetzt die Liebe zu Fremden, philoxenia, 1. Korinther 13,2. Die Gastfreundschaft vergesst nicht, denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt.
Okay, wenn es um Gastfreundschaft geht, sind wahrscheinlich zuerst fremde Christen im Blick. Allerdings muss man sagen, dass Gastfreundschaft als Tugend auch unter den Juden und den Heiden sehr angesehen war. Gastfreundschaft heißt: Ich nehme jemanden auf, ich beherberge ihn und ich versorge ihn mit Essen und Trinken.
Jetzt muss man wissen: In der Antike waren Gasthöfe, was Sauberkeit und Sicherheit angeht, so eine Sache. Da wollte man eher nicht absteigen. Dort ist man nur abgestiegen, wenn es nicht anders ging. Ansonsten hat man versucht, Privatquartiere zu bekommen.
Die Gastfreundschaft vergesst nicht, oder vernachlässigt sie nicht. Es geht im Grunde um den bewussten Verzicht. Da sind anscheinend Leute, die sagen: Ich mag das nicht mehr, Christen aufnehmen. Man könnte sich überlegen, warum.
Vielleicht hatten Leute Angst, dass, wenn ich Christen beherberge, mein Christsein auffliegt. Dass andere sagen: Bist du auch so einer? Du hast ja die ganze Zeit diese Christen beherbergt, wahrscheinlich gehörst du da auch dazu.
Vielleicht hat man auch Angst, wenn Christen verfolgt wurden, selbst so ein Ziel von Anschlägen zu werden, wenn man verfolgte Christen aufnahm. Das sind Gedanken, die vielleicht mitschwingen.
Klar ist: Die Gastfreundschaft vergesst nicht. Es ist etwas, woran wir denken sollen. Ich weiß nicht, wann du das letzte Mal Gäste hattest.
Und jetzt kommen die ganz klugen Leute, die sagen: Haha, meine Wohnung ist nicht groß genug, ich kann das nicht. Okay, ich gebe dir einen Tipp, wenn das so ist und es gibt kleine Wohnungen.
Ja, ich hatte mal ein Studentenwohnheim mit sechzehn Quadratmetern. Mein Wohnzimmer waren acht, und da stand noch ein Bett drin. Das war wirklich klein.
Aber was du machen kannst, ist: Du kannst Essen kaufen und du kannst zu einer Familie hingehen und sagen: Hört mal her, euch einzuladen, das geht nicht. Aber könnte ich zu euch kommen, bei euch kochen? Ich bringe alles mit und bewirte euch, und ihr müsst euch um nichts kümmern. Ihr müsst nur eure Küche haben.
Das geht. Also, du kannst irgendwie, wenn du geschickt bist und es willst, auch gastfrei sein, selbst wenn deine Wohnung nur acht Quadratmeter hat.
Warum ist das so wichtig? Denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. Engel beherbergt. Wer das Alte Testament ein bisschen kennt, der denkt sofort an 1. Mose 18. Das ist Abraham, der da Besuch bekommt und erst im Nachhinein checkt, dass das Engel waren.
Die Idee hinter diesem Satz, dass man Engel beherbergen könne, ist: Wenn man gerne Gastfreundschaft praktiziert, dann kann es sein, dass wir aus der Begegnung mit diesen fremden Leuten mehr Gutes gewinnen, als wir selber geben.
Wenn man ins Alte Testament oder überhaupt in die Bibel schaut, da, wo Engel auftauchen, da kommen sie als Boten Gottes. Es sind Leute, die Segen bringen, eine Beauftragung aussprechen, Verheißungen geben.
Und es ist wichtig, dass wir den Vers so verstehen: Gastfreundschaft lohnt sich.
Ich möchte dir Mut machen, dein Haus oder deine Wohnung aufzumachen und Leute aufzunehmen. Vor ich weiß nicht wie langer Zeit, das ist wahrscheinlich inzwischen fast zwanzig Jahre her, denke ich heute noch mit Schmunzeln daran.
Da ist ein mexikanischer Missionar auf dem Weg nach Russland wegen Visaproblemen bei uns gestrandet. Ihr werdet es vielleicht seltener haben, dass jemand anruft und sagt: Jürgen, ich habe hier einen, der kommt nicht weiter. Und dann war der da.
Ihr könnt euch ja vorstellen: Mexikaner bei uns in Berlin, es war irre. Wir wussten nicht, wann er endlich weiterkommt. Unsere Kinder hatten Spaß ohne Ende, er war eine unglaubliche Bereicherung.
Er hat Süßigkeiten mitgebracht, mit Chili. Das hatten unsere Kinder noch nie probiert und das werden sie vielleicht auch nie wieder probieren. Aber es war unglaublich cool.
Und ich möchte euch so viel Mut machen: Traut euch Gastfreundschaft zu. Ladet nach dem Gottesdienst regelmäßig Leute ein und unter der Woche. Macht es nicht kompliziert.
Wenn du so der überkorrekte Muttertyp bist, es gibt so Frauen, die niemanden einladen, weil sie denken, es wäre immer zu dreckig zu Hause oder sie hätten nie das richtige Essen oder sonst irgendetwas, schieb es mal beiseite. Stimmt nicht.
Also, wenn du Männer einlädst, sehen die überhaupt nicht, wie dreckig es bei dir zu Hause ist, weil die wissen, dass es bei ihnen zu Hause noch dreckiger ist. Und macht Nudeln mit Soße, dann werden alle satt.
Bitte, bitte, bitte, bitte, lasst euch bloß nicht an der Stelle von Gastfreundschaft abhalten, weil ihr irgendwie euren persönlichen Anspruch da oben habt. Schön runterfahren, und da kann auch jeder mithelfen, der als Gast kommt, beim Abspülen danach. Geht alles. Macht es einfach. Es lohnt sich wirklich.
Und wenn du dann wirklich mal schwierige Gäste hast, die gibt es auch, wo du dann froh bist, wenn die wieder los sind, also wenn die wieder gehen, dafür gibt es auch einen Bibelvers, nämlich 1. Petrus 4,9. Da heißt es: Seid gastfrei ohne Murren.
Also, da muss man sich auch im Nachhinein nicht aufregen. Das passiert mal, aber das sind nicht alle.
1. Korinther 13,3: Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene, derer, die geplagt werden, als solche, die auch selbst im Leib sind.
Wir haben das schon in Kapitel 10 gesehen, dass die Briefempfänger sich um eingekerkerte Christen gekümmert haben, dass sie bereit waren, mit den Gefangenen zu leiden. Und genau das sollen sie wieder tun: Gedenkt der Gefangenen.
Gedenken bedeutet, dass man sich zu den Gefangenen stellt, dass man sie besucht, sich um sie kümmert, dass man sie versorgt mit dem, was sie brauchen, vielleicht auch für ihre Freilassung kämpft.
Ich weiß nicht, ob ihr den Gefangenen des Monats kennt. Also, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte und die Evangelische Nachrichtenagentur idea nennen einmal im Monat den sogenannten Gefangenen des Monats.
Für diesen Monat September ist es ein pakistanischer Christ, Sawan Masih, der wegen angeblicher Blasphemievorwürfe bereits 2014 zum Tod verurteilt wurde. Nächsten Dienstag geht seine Berufungsverhandlung weiter.
Du könntest ihm beziehungsweise du könntest dem pakistanischen Präsidenten einen Brief schreiben. Das könnte man machen. Einen Musterbrief gibt es bei idea.de. Oder du gehst auf Frogwords, schaust dir das Skript zu dieser Predigt an und findest dort den Direktlink.
Da hast du einen Brief, einen Musterbrief auf Deutsch oder auf Englisch. Du könntest ihn ausdrucken und unterschreiben und müsstest ihn lediglich dann an die pakistanische Botschaft in Berlin schicken. Das ist nicht viel Aufwand. Ich würde sagen, alles in allem fünf Minuten. Wenn du so wie ich nicht weißt, wo die Briefmarken sind, brauchst du vielleicht zehn. Das geht.
Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene. Wir sollen der Gefangenen, wir sollen ihrer so gedenken, als wären wir selber inhaftiert.
Stell dir mal kurz vor, du würdest im Gefängnis sitzen in Pakistan, weil dir irgendjemand etwas angehangen hat, und du hast das nie gemacht. Du hast sowieso schon vorher kaum dein Auskommen gehabt, er war ein Straßenfeger, er ist nicht unbedingt jemand, der reich war, und jetzt hängst du da im Gefängnis seit fast sechs Jahren. Was würdest du dir wünschen?
Und wenn du das weißt, wenn du dir wünschen würdest, dass irgendwo im Ausland reiche Christen sich hinsetzen und einen Brief schreiben und für dich eintreten, damit du da vielleicht noch mal rauskommst und nicht umgebracht wirst, vielleicht wäre das etwas, dass wir uns auch hinsetzen und so einen Brief schreiben.
Mir heißt das im Text: derer, die geplagt oder gequält oder misshandelt werden, als solche, die auch selbst im Leib sind. Wer im Leib ist, wer selber einen Körper hat, der kann sich vorstellen, was es bedeutet, auf eine bestimmte Weise gequält oder misshandelt zu werden.
Diese Fähigkeit, mich in das Schicksal von Betroffenen hineinzuversetzen, ist die Basis für unser Mitgefühl.
Ich fordere die Jugend dieser Gemeinde heraus. Philipp, wo bist du? Sehe ich dich irgendwo? Okay, gut. Also, ich fordere euch heraus, von heute an jeden Monat so einen Brief zu schreiben. Es ist kein Aufwand, aber schickt das Ding ab und stellt euch zu den Leuten und kümmert euch darum, herauszufinden, wen es da gibt, was Leute durchmachen in dieser Welt.
Denn das, was wir hier erleben, so anders und so untypisch für die Kirchengeschichte, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen.
Wir dürfen, weil wir uns vorstellen können, was das heißt, in einem kalten, nassen Kerker zu verrotten, wo wahrscheinlich Ratten leben und wo mich sowieso keiner mag, weil ich der blöde Christ bin und alle anderen sind Moslems und haben es auch noch mal auf mich abgesehen. Wir können uns vorstellen, was das heißt.
Nur weil es uns gut geht, wir in Frieden leben, unsere Kinder nicht hungrig zu Bett gehen, und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Nachbarn, wenn wir nur in Berlin sind, dass unsere Nachbarn in nächster Zeit brandschatzend über unser Kirchengebäude herfallen. Ich kann mir das nicht vorstellen.
Aber das ist genau das, was vielen Geschwistern weltweit passiert. Genau das. Und nur weil es mir nicht passiert, heißt das nicht, dass es mich nichts angeht.
Und deswegen: Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene, derer, die geplagt werden, als solche, die auch selbst im Leib sind.
Als ich das heute vorbereitet habe, dachte ich mir: Hey, da muss ich noch mal drüber nachdenken. Ich selber. Das hat mich total noch mal angesprochen.
Und ich habe in meinem Leben so eine Datei, die heißt Visionen und Ziele, und die führe ich schon seit Jahren. Und immer, wenn ich so eine Idee habe, wo ich sage, das muss noch mal wachsen, schreibe ich das da rein, weil ich dann, wenn ich Auszeiten habe, darüber nachdenke, was da drinsteht.
Ich bin selber noch nicht zufrieden, wie ich mit diesem Thema umgehe.
Treue in Ehe und Umgang mit Besitz
Hebräer 13,4 Neues Thema Ehe
Die Ehe sei ehrbar in allem und das Ehebett unbefleckt; denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.
Ehrbar in allem. In der Gemeinde gilt es, die Ehe in Ehren zu halten. Gott hat die Ehe mit Beginn der Schöpfung, ganz kurz nach der Erschaffung von Mann und Frau, eingesetzt. Sie stellt, man nennt das, eine Bundesbeziehung zwischen einem Mann und einer Frau dar. Sie ist etwas ganz Kostbares, das zerbrechen kann, aber nicht zerbrechen soll.
Und der Text sagt: Man soll eine Ehe nicht geringschätzen, zum Beispiel dadurch, dass man den Begriff Ehe mit Dingen füllt, mit Ideen füllt, die man sich selber ausdenkt. So, als hätten wir das Recht, den Begriff Ehe so zu definieren, wie wir das brauchen oder wollen. Oder dass man zwar alle Vorzüge einer Ehe genießt, aber in wilder Ehe lebt, das heißt, nicht bereit ist, der Ehe als Institution damit einen Wert beizumessen. Beides ist falsch.
Die Ehe sei ehrbar in allem, und das Ehebett unbefleckt. Ein Ehebett wird dadurch befleckt, dass man mit jemandem Sex hat, der nicht mein Ehepartner ist. Das ist befleckt. Warum? Weil Gott auf Ehe steht. Ich weiß nicht, das können wir uns fast nicht mehr vorstellen in unserer Gesellschaft, aber es ist so. Hier steht es: Denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.
Also, wenn du dir das Gericht Gottes zuziehen willst, das sind zwei gute Gelegenheiten: Mach das! Unzüchtige. Unzucht ist der ganz allgemeine Begriff, der alle Formen von falschem sexuellem Verhalten umfasst. Und ich will es mal positiv formulieren: Die Bibel sieht Sexualität als etwas ganz Geniales an. Aber Sexualität ist etwas, das exklusiv in eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gehört, die nicht miteinander verwandt sind. Der Rest ist Unzucht.
Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten. Ehebrecher. Ich habe gesagt, die Ehe ist ein Bund, den man brechen kann. Woher weiß ich das eigentlich? Na ja, es gibt ein Gebot. Das Gebot heißt: Du sollst nicht ehebrechen. Ein Gebot macht aber nur Sinn, wenn das etwas Verbotene ist, wenn man das auch wirklich tun kann. Also kann man eine Ehe zerbrechen.
Wenn das so ist, stellt sich natürlich sofort die Frage: Okay, was muss ich tun, um eine Ehe zu zerbrechen? Fremdgehen? Ja, das wäre eine Möglichkeit, aber ich denke in eine ganz andere Richtung. Ich denke, so wie Jesus. Jesus gibt uns einen guten Hinweis, wo Ehebruch anfängt. Nämlich im Herzen. Jesus macht das Beispiel, dass ich im Herzen einer anderen Frau begehre, und wenn ich das tue, begehe ich Ehebruch. Warum? Weil ich nicht mehr exklusiv an meiner Frau hänge.
Aber wisst ihr was, genau das habe ich ihr am Tag der Hochzeit versprochen. So, jetzt wird es vielleicht ein Tick kompliziert, aber es ist wichtig für die Seelsorge. Ehebruch ist der Bruch einer Bundesbeziehung und fängt da an, wo ich nicht mehr an meinem Ehepartner klebe. Wenn ich eine Ehe schließe, sage ich: Ich will an dir kleben, ich will mit dir eine Einheit bilden. Das verspreche ich meinem Ehepartner. Und wo ich sage: Ich will nicht mehr an dir kleben, wo mir anderes wichtiger wird als mein Ehepartner, an der Stelle beginnt Ehebruch.
Das kann, und wird wahrscheinlich oft im Fall eines Ehemanns, eine andere Frau sein. Aber das kann genauso gut auch ein Hobby sein oder die Karriere oder die Kumpels oder der Alkohol. Desinteresse ist genauso ein Ausdruck von Ehebruch wie Fremdgehen oder Gewalt. Immer geht es darum, dass ich den Bund mit meinem Ehepartner dadurch zerbreche, dass ich mich nicht mehr an das Versprechen halte, das ich ihm zu Beginn der Ehe gegeben habe.
Bitte nehmt das mit. Nehmt das mit und stellt euch, wenn ihr verheiratet seid, einfach mal die Frage: Klebe ich noch an meinem Ehepartner? Ist das, was ich da vor zehn, zwanzig, vierzig und wie vielen Jahren versprochen habe, noch Realität in meinem Leben? Und wenn nein, wenn du merkst, eigentlich ist da zwischen uns etwas zerbrochen, wir haben uns zwar noch nicht scheiden lassen, aber irgendwo ist da eben doch ein heftiger Knacks da, dann nimm das ernst. Nimm das bitte ernst.
Gott wird Ehebrecher richten, und ich bin davon überzeugt, dass Gott nicht nur richtet, wenn wir uns dann irgendwann mal, weil das Ding so weit auseinander ist, dass man es nicht mehr gekittet kriegt, scheiden lässt, sondern viel früher. Das ist ein Wort an Ehepaare: Bitte lasst uns in einer Weise zusammenleben, dass wir aneinander kleben und dass wir uns wirklich mit aller Macht dafür einsetzen, zusammenzubleiben. Und da, wo wir etwas versprochen haben, dass wir das halten und dass wir mit Leidenschaft aneinander kleben. Und lasst uns dem wirklich eine ganz hohe Priorität geben.
Ehebrecher wird Gott richten, weil sie die Ehe als einen exklusiven Bund entehren.
Die Verse 5 und 6, Hebräer 13, neues Thema:
Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnügt euch mit dem, was vorhanden ist; denn er hat gesagt: Ich will dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen, so dass wir zuversichtlich sagen können: Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was soll mir ein Mensch tun?
Geldliebe. Die Liebe zum Geld, das ist so die Sehnsucht danach, immer mehr zu besitzen: mehr Besitzen, mehr Einkommen, mehr finanzielle Sicherheit, eigentlich so der Wunsch, reich werden zu wollen. So, jetzt gibt es in der Bibel, es gibt so etwas wie eine gesunde Vorsorge, aber es gibt eben auch eine übertriebene Sorge um die Entwicklung des eigenen Bankkontos. Eine Sorge, die mich dann davon abhält, freigebig zu spenden, großzügig zu sein, wenn ich merke, da hat jemand ein Problem mit Geld oder da braucht die Gemeinde mal eine Finanzspritze.
Der Wandel sei ohne Geldliebe. Was ist das Gegenteil von Geldliebe? Genügsamkeit. Begnügt euch mit dem, was vorhanden ist. Ich glaube, das ist ein Begriff, den man heute nicht mehr oft hört, oder? Genügsamkeit. Genügsamkeit heißt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Und die Bibel fordert uns dazu auf, spätestens dann, wenn unsere Grundbedürfnisse gestillt sind: Du hast Nahrung, du hast Kleidung, du hast eine Wohnung. An der Stelle zufrieden zu sein.
1. Timotheus 6,8-10, klassischer Text zu dem Thema, den man kennen sollte. Da heißt es: Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, und hinter dem Wort Kleidung versteckt sich Bedeckung, das, was ich anziehe, und das, wo ich wohne, wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken. Wow, denn eine Wurzel alles Bösen ist die Geldliebe, nach der einige getrachtet haben und von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.
Merkt ihr, Geldliebe ist eine Gefahr, und wir können ihr dadurch entgehen, dass wir uns mit dem begnügen, was wir haben, dass wir wirklich darauf vertrauen, dass Gott weiß, was wir wirklich brauchen, und dass er uns, wie es im Text heißt, in Hebräer 13,5, nicht aufgeben oder verlassen wird. Gott wird immer da sein und sich um unsere Bedürfnisse kümmern. Gott will, Hebräer 13,6, unser Helfer sein. Und weil Gott mir beisteht, deshalb kann ich mir selber sagen: Ich will mich nicht fürchten.
Manchmal gibt es Situationen, wo man sagt: Wie wird das ausgehen? Ich will mich nicht fürchten. Gott steht auf der Seite der Genügsamen. Wir müssen uns wirklich keine Sorgen machen.
Matthäus 6,31-34, wahrscheinlich kennt ihr sie. Aber die Frage ist, ob man sie glaubt. Jesus sagt: So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen. Ja, das ist heidnisch, wenn mein Leben sich um die Frage dreht, wie kriege ich all das Zeugs, was ich brauche. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt.
Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden. Das ist Jesus. Trachte du nach dem Reich Gottes, kümmere dich um Gott und seine Angelegenheiten, kümmere dich um Gerechtigkeit, schau, dass dein Leben von Gerechtigkeit geprägt wird, und du hast das, was du brauchst.
So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug. Ich mag das. Wenn du so mitten im Stress bist und denkst: Boah, wie wird die Woche werden? Einfach zu sagen: Stopp, erst mal heute. Heute ist gut. Der Tag hat an seinem Übel genug. Um das Übel kümmere ich mich jetzt, dafür bete ich, und da schaue ich, dass ich an Gott dranbleibe und die Sorgen gebe ich ihm ab. Da erlebe ich einfach mal, wie er sich darum kümmert. Und morgen ist morgen, der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.
Vorbilder, Lehre und die bleibende Gemeinschaft mit Gott
Hebräer 13,7, neues Thema.
„Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, schaut den Ausgang ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach.“
Das Wort Führer hat im Deutschen einen etwas hässlichen Beigeschmack bekommen. Ja, das ist fast nicht mehr so gut. Ich weiß nicht, warum man das hier so übersetzt hat. Man könnte auch mit Leiter übersetzen, das wäre netter. Ich sage mal: Gemeindeleiter. Gemeindeleiter sind Vorbilder.
In Zeiten der Not ist es besonders hilfreich, wenn man sich an solchen Christen orientiert, die sich in der Bibel auskennen. Deswegen hier: die das Wort Gottes zu euch geredet haben. Das heißt also Leute, die tätig sind im Bereich Evangelisation, Jüngerschaft, Lehre, Seelsorge, die die Bibel kennen. Orientier dich an solchen Leuten. Schaut den Ausgang ihres Wandels an. Schaut euch an, wie Gemeindeleiter mit schwierigen Zeiten umgehen.
Ausgang muss nicht unbedingt bedeuten, dass sie schon tot sind. Kann sein. Du kannst auch eine Biografie lesen von jemandem, der schon tot ist. Das kann dich auch total inspirieren. Auf alle Fälle dieses „ahmt ihrem Glauben nach“. Ahmt Glaube ist hier Glaubensleben. Ahme ihr Glaubensleben nach.
Wenn du sagst: „Ah, ich bin gerade zum Glauben gekommen“ oder „ich weiß eigentlich gar nicht so genau, wie ich jetzt geistlich leben soll“, dann schnapp dir einen von den Ältesten. Ja, und sag: „Hey, ich würde gerne wissen, wie machst du das mit dem Beten? Ich fange jetzt gerade frisch an. Wie machst du das mit dem Bibellesen? Wie hast du das hingekriegt, deine Bibel so gut kennenzulernen? Wie machst du das mit dem Thema Entscheidungen treffen, Zeit einteilen? Wie machst du das mit diesen Themen, wie wir hatten: Bruderliebe, Gastfreundschaft, Ehe, Geld usw.? Wie gehst du damit um?“
Traut euch, Leute zu fragen, die geistlich weiter sind. Das befreit einen in meinen Augen nicht davon, selber eigene Überzeugungen zu entwickeln. Aber solange man die noch nicht hat oder wenn Themen wirklich kompliziert sind und du sagst: „Boah, da möchte ich jetzt einfach mal erst keinen großen Fehler machen“, mein Tipp: erst mal nachahmen. Und wenn du dann merkst, du kannst das noch besser, super, dann machst du es besser. Aber fang bei einem guten Niveau an.
Hebräer 13,8: Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.
Warum ist es wichtig, dass Jesus unveränderlich ist? Ganz einfach deshalb, weil er damit unsere Errettung garantiert. Alles, was wir sind und alles, was wir haben, sind wir in und durch ihn. Und deswegen gilt, weil Jesus unveränderlich ist, das, was in Vers 9 steht.
Hebräer 13,9: Lasst euch nicht fortreißen durch verschiedenartige und fremde Lehre.
Für die Jungen, die jetzt den Anfang der Bibelwoche nicht mitgekriegt haben: Das Problem der Empfänger des Briefes ist, dass sie in einer Gesellschaft leben, wo es ganz viel Judentum gibt, sie aber als Christen da leben und in der Gefahr stehen, jetzt zu überlegen: „Na ja, vielleicht lasse ich das mit dem Christsein und konvertiere wieder zurück zum Judentum.“
„Lasst euch nicht fortreißen durch verschiedenartige und fremde Lehren, denn es ist gut, dass das Herz durch Gnade gefestigt wird, nicht durch Speisen, von denen die keinen Nutzen hatten, die danach wandelten.“
Okay, nicht durch Speisen. Fangen wir da an. Speisen steht für ein jüdisches Denken, in dem Speisegebote eine ganz hohe Bedeutung haben. Das Einhalten von diesen jüdischen Geboten kann tatsächlich das Herz festigen. Also wenn ich so Regeln habe, an die ich mich halte, das kann so eine innere Sicherheit geben. Ich habe so die Speisegebote, und dann habe ich noch die Feiertage und die Kleidungsvorschriften, und ich mache das alles mit, und ich gewinne dadurch den Eindruck: Jetzt bin ich richtig.
Das ist eine ganz starke Versuchung. Also unser Fleisch, so der Mensch, der ohne Gott unterwegs ist, der liebt Gebote. „Gib dem Gebote, die er einhalten kann.“ Super, vor allem solche, die nichts mit der Rettung zu tun haben. Da ist er ganz scharf drauf.
Und jetzt gilt es, weil in uns diese Tendenz ist, ich nenne das mal eine Tendenz zur Übergerechtigkeit, jetzt gilt es dafür zu sorgen, dass wir uns nicht fortreißen lassen. Ich glaube, die meisten von euch haben wahrscheinlich wenig Angst, dass sie so dieses jüdische Denken beeinflusst.
Klammer auf: Obwohl auf YouTube eine ganze Reihe YouTuber unterwegs sind, die genau das hier gerade wieder forcieren, die sagen, wenn du Christ bist, dann musst du aber auch Sabbat, und dann musst du aber auch Speisegebote, und dann musst du auch ... Leute, die ganz bewusst Passer feiern, wie man früher Passer gefeiert hat, zumindest so nah dran wie möglich, weil sie sagen, wenn du Christ bist, musst du dich an die Sachen halten. Das ist näher dran, als wir uns das manchmal denken.
Der Autor sagt: Lass dich davon nicht wegziehen, und bringt jetzt ein irres Argument.
Hebräer 13,10: Wir haben einen Altar.
Ich muss euch bitten, jetzt die nächsten 30 Sekunden total konzentriert zu sein, weil das wirklich schwer ist. Und wenn du es nicht verstehst, mach einen Strich drunter und vergiss es, das ist auch nicht schlimm. Aber es ist tolle Theologie.
Wir haben einen Altar, von dem zu essen, die kein Recht haben, die dem Zelt dienen. Gemeint ist die Stiftshütte oder ganz praktisch der Tempel in Jerusalem, die dem Zelt dienen. Also: Wir haben einen Altar. Gemeint ist: Wir haben eine Tischgemeinschaft. Altar ist ein Bild für Tischgemeinschaft mit Gott.
In 1. Korinther 10,18 heißt es: „Seht auf das Israel nach dem Fleisch: Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar?“ Schlachtopfer essen: Man hat damals Opfer zum Priester gebracht, der hat die Opfer geschlachtet, da hat man was zurückgekriegt, und das konnte man dann essen. Und man hat das gegessen und hat damit zum Ausdruck gebracht: Man ist in Gemeinschaft mit dem Altar. Es ist Tischgemeinschaft mit Gott gewesen. Das wollte man dadurch zum Ausdruck bringen.
Und deswegen steht der Altar als Bild für Tischgemeinschaft, für die Gemeinschaft, die ich mit Gott habe. Wir haben einen Altar, wir haben eine Qualität von Gemeinschaft mit Gott. Wir haben einen Altar, von dem zu essen, die kein Recht haben, die dem Zelt dienen. Wir haben eine Qualität von Gottes Beziehung, die selbst denen unmöglich ist, die als levitische Priester im irdischen Heiligtum dienen.
Frage: Was macht unseren Altar, also unsere Gemeinschaft mit Gott, so besonders? Um jetzt im Bild des Opfers zu bleiben – ich weiß, dass das echt schwierig ist –, aber um in diesem Bild zu bleiben: Wir essen von einem Opfer, von dem kein Priester im Alten Testament essen durfte.
Wenn ich mir nämlich anschaue, welches Opfer am besten den Kreuzestod Jesu widerspiegelt, also wenn ich ins Alte Testament reinschaue und mir sage: Okay, alle diese Opfer deuten ja irgendwie auf Jesus hin, welches Opfer macht am deutlichsten klar, was Jesus am Kreuz getan hat, dann wird man sagen: Das ist das Opfer, das am großen Versöhnungstag gebracht wird. Wenn ihr das nochmal nachhören wollt, das kommt in Hebräer 9, hatten wir letztes Jahr. Das ist das Opfer vom großen Versöhnungstag, was am deutlichsten bildhaft zum Ausdruck bringt, was auf Golgatha passiert.
Und dieses Opfer hat eine Eigenart.
Hebräer 13,11: Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohen Priester für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt.
Also das Opfer, das am allermeisten symbolisiert, wofür Jesus steht, ist ein Opfer, von dem niemand im Alten Testament gegessen hat. Diese Tiere wurden komplett verbrannt, sie wurden nicht gegessen.
Woher weiß ich, dass Jesus genau dieses Opfer symbolisiert? Vers 12: Darum hat auch Jesus, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen, außerhalb des Tores gelitten.
Also wie man die Tiere des Alten Testaments, die am großen Versöhnungstag geschlachtet wurden, außerhalb des Lagers geschafft hat, so wurde auch Jesus außerhalb von Jerusalem, auf Golgatha – übersetzt Schädelstätte – hingerichtet.
Von jetzt an kommt der große Versöhnungstag für Juden überhaupt keine Gemeinschaftserfahrung bereit. Da ist nichts. Die machen das, aber sie essen nichts. Bei allen anderen Opfern essen sie und merken: „Boah, ich habe Gemeinschaft mit Gott.“ Aber am großen Versöhnungstag fehlt dieses Element.
Es fehlt nicht bei uns. Wir haben Gemeinschaft, und zwar genau mit dem Opfer, das Gott in der Person von Jesus auf Golgatha ein für allemal bringt. Wenn aus dem Schatten des Alten Testamentes, dem großen Versöhnungstag, wenn aus dem Schatten die Wirklichkeit wird, nämlich Golgatha, dann ist es für uns möglich, an diesem Altar am Kreuz Gemeinschaft mit Gott zu haben. Und deswegen, weil wir diese Gemeinschaft haben können, eine Gemeinschaft, die im Alten Testament nicht möglich war, deswegen:
Hebräer 13,13: Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers und seine Schmach tragen.
Also wenn das stimmt, und wir bleiben immer noch in diesem Bildhaften: Es geht nicht darum, wörtlich irgendwo hinzugehen. Es geht darum, dass außerhalb des Lagers ein Ort ist, ein Ort der Schande. Da hat man bestimmte Opfer verbrannt, da wohnten die Unreinen, da hat man, wenn man aufs Klo musste, ging man außerhalb des Lagers und hat da das, was man da so macht, vergraben. Da hat man Kriminelle hingerichtet. Das ist außerhalb des Lagers.
Und der Autor hier sagt im Bild: Lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen. Nimm das in Kauf, dass du, wenn du Christ wirst, von anderen Leuten genau so behandelt wirst, wie das bei Jesus der Fall war.
Wenn wir hinausgehen, außerhalb des Lagers, dann gehen wir nach Golgatha, und wir identifizieren uns mit dem Kreuz. Wir verlassen das Lager, also in dem Fall jetzt hier das Judentum, aber vielleicht in unserem Fall das Heidentum, und wir machen uns angreifbar, weil wir an einen gekreuzigten Verbrecher glauben. Und dann wird die Schmach Christi unsere Schmach, weil Menschen uns ablehnen werden, wie sie unseren Herrn abgelehnt haben.
Macht es Sinn, so zu leben? Ja, das macht Sinn. Es macht Sinn, weil wir Pilger sind. Wir gehören hier nicht wirklich her. Wir sind Pilger auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem, dieser ultimativen und endgültigen Begegnung mit Gott.
Letzter Vers für heute, Vers 14: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Gestern haben wir gesehen, was wir schon alles haben. Und da fehlt auch nichts, bis auf die Tatsache, dass wir noch hier sind und dass wir erst noch sterben müssen und auferstehen müssen, um dann endgültig bei Gott zu sein. Und in diesem Sinn suchen wir tatsächlich noch die bleibende Stadt, obwohl wir geistlich gesehen schon in ihr wohnen.
Und bis wir da ankommen, bei dieser zukünftigen bleibenden Stadt, bis dahin die Dinge, die heute gesagt wurden:
Punkt eins: Lasst uns die Geschwister lieben.
Punkt zwei: Lasst uns offen sein für Gäste.
Punkt drei: Lasst uns um Geschwister kümmern, denen es nicht gut geht.
Punkt vier: Lasst uns treue Eheleute sein und gut überlegen, ob wir alles getan haben, um an unseren Ehepartner zu kleben.
Punkt fünf: Lasst uns dem Geld keine zu hohe Bedeutung beimessen.
Punkt sechs: Lasst uns auf Gott vertrauen.
Punkt sieben: Lasst uns gute Vorbilder suchen.
Und Punkt acht: Lasst uns ein bisschen vorsichtig sein, wenn so ganz neuartige Lehren sich bei uns einschleichen wollen.
Punkt Nummer neun: Wir werden Ablehnung erfahren, wenn wir als Christen leben. Lasst uns das gerne in Kauf nehmen, weil das die logische Konsequenz davon ist, dass wir eine Gemeinschaft mit Gott haben, die sonst außer uns niemand mehr hat.
Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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