Escape "Glaube ja, ...Kirche nein!" Das Kreuz mit der Kirche
05.03.2006
Serie•Teil 6 / 8Escape
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Generierte Mitschrift
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Einleitung und Problemaufriss
Glaube ja, Kirche nein – das Kreuz mit der Kirche.
Ich möchte ja an Gott glauben, aber wie soll das eigentlich gehen, wenn ich mir anschaue, was die Kirche so in den letzten zweitausend Jahren alles an Gräueln verübt hat? Wenn man diese Frage gestellt bekommt, dann reicht es wahrscheinlich nicht aus, wenn man sagt: Ach, alles nicht so schlimm, weißt du, der Atheismus hat viel mehr Leute auf dem Kerbholz als die Religion. Allein im letzten Jahrhundert sind unter atheistischem Terror der braunen und roten Couleur so viele Leute umgebracht worden wie in allen Religionskriegen zusammen nicht.
Also, die Antwort könnte man geben, aber sie ist tatsächlich ein bisschen billig, oder? Weil einer, ein einziger Mensch, eigentlich schon einer zu viel ist. Und deswegen die Frage: Glaube ja, Kirche nein. Dieses Thema: Kann ich Glauben eigentlich außerhalb der Kirche leben, beziehungsweise welches Verhältnis besteht zwischen dem Glauben auf der einen Seite und der Kirche auf der anderen Seite?
Ich habe mir überlegt: Dieses Thema kam hoch. Was steckt dahinter? Ich denke, es sind zwei Dinge, die dahinterstecken, hinter so einem Ansatz, dass man darüber mal reden muss.
Der eine Punkt ist einfach der, dass immer mehr Menschen merken: Ich habe in mir ein Bedürfnis, mit Gott zu leben. Oder ich will es mal allgemeiner sagen: Ich habe in mir ein spirituelles Bedürfnis. Und dieses spirituelle Bedürfnis wird nicht mehr so von der Kirche bedient, wie ich mir das eigentlich wünsche. Irgendwie findet im Kopf eine Trennung statt zwischen Kirche auf der einen Seite. Kirche ist sicherlich wichtig, wird man noch sagen, und es gibt viele Gründe, warum es Kirche geben soll. Aber Kirche ist da, und hier ist mein persönliches Glaubensleben, mein Erleben von geistlichen Zusammenhängen.
Der zweite Punkt ist der, dass Menschen mehr und mehr zurückschauen und sich die Frage stellen: Welches Recht hat diese Kirche eigentlich noch überhaupt zu existieren bei der Geschichte? Also, ich habe mir auch in den letzten anderthalb Jahren so über den dicken Daumen zweitausend Seiten Kirchengeschichte gegeben, um mal so ein bisschen den Eindruck zu haben, wie hat sich das alles entwickelt. Und ich muss zugeben: Am Ende legt man dann so diese Bücher beiseite und man denkt sich, na ja, irgendwas ist schiefgegangen. Und zwar richtig schiefgegangen.
Ich kann an Hexenverbrennungen denken, ich kann an Kreuzzüge denken, ich kann an Waffensegnungen denken. Die Palette nimmt ja kein Ende. Ich weiß ja nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Irgendwas ist da schiefgegangen. Und irgendwie, ja, es gibt in der Kirche Vorbilder, richtig tolle Vorbilder. Wer von euch die Arbeit der Stadtmission kennt, die jetzt gerade wieder dafür sorgt, dass Menschen auf der Straße nicht erfrieren, weil sie Wärmestuben einrichten, der sagt: Wahnsinn, was für Vorbilder. Aber es gibt so als Kehrseite der Medaille irgendwo Gräuel in der Kirchengeschichte, wo ich sage: Wie kann das bitteschön sein? Das geht doch nicht.
Und deswegen möchte ich heute Abend versuchen, viel zu kurz versuchen, dieses Verhältnis zwischen Glauben und Kirche mal ganz kurz zu beleuchten. Wenn am Ende Fragen übrig bleiben – die müssen eigentlich übrig bleiben bei der Größe eines solchen Themas, man kann nur einen kleinen Ausschnitt betrachten, auch zu plakativ –, wenn Fragen übrig bleiben: Wir haben danach noch Zeit. Jesus inside wird uns nochmal eine ordentliche Portion Musik geben, aber danach ist genug Zeit noch für Gespräche.
Die Punkte, die ich bringe, stehen auch in dem Programmheft, das auf den Sitzen lag, das ist dieses gefaltete, dieses hier. Also: Wer jetzt sagt, habe ich nicht genau verstanden, könnte normal sagen, werde ich jetzt nicht machen, einfach nachlesen.
Der Weg von der frühen Gemeinde zur Machtinstitution
Die anfängliche Bewegung
Glaube ja, Kirche nein – mein erster Punkt
Von der verfolgten Kirche zur Verfolgerkirche
Wir können dieses Thema einfach nicht betrachten, ohne zurückzugehen. Wie fiel Kirche eigentlich an? Das, was wir heute Kirche nennen, hatte irgendwo seinen Start im ersten Jahrhundert. Und es wird in der Bibel ein ganzes Buch lang beschrieben, das Buch heißt Apostelgeschichte, wie Kirche ihren Start nimmt.
Liest man das durch, dann ist man begeistert. Also zumindest bin ich an solchen Stellen begeistert. Man findet, das sind Menschen, für die Glaube eine ganz persönliche Sache ist. Das sind Menschen, die verstanden haben: Jesus ist für meine Sünden gestorben, er hat für meine Schuld bezahlt, er ist für mich auferstanden, ich darf mit Gott ins Reine kommen, ich darf mit Gott leben.
Menschen sind begeistert von diesem Angebot, noch mal von vorne anzufangen, und sie nehmen Jesus, sie nehmen Gott an, sie glauben. Und nicht nur ein oder zwei, sondern relativ viele, aus ganz unterschiedlichen Hintergründen. Da sind Juden dabei, da sind Griechen dabei, da sind Römer dabei, da sind Leute dabei, die in der sozialen Hierarchie ganz oben sind, da sind Leute dabei, die ganz unten sind. Und alle sind begeistert von diesem Persönlichen: Gott will mich, ich kann neu anfangen, ich finde Erlösung.
Was passiert ist: Menschen lassen tatsächlich ihr altes Leben hinter sich. Menschen fangen an, nicht mehr zu lügen, Menschen fangen an, nicht mehr zu stehlen, Menschen fangen an, vernünftig mit ihren Kindern umzugehen, vernünftig mit ihren Frauen umzugehen. Menschen hören auf, den Kaiser anzubeten. Sie hören auf, überhaupt in diese ganzen Götzentempel zu gehen. Sie sind fleißig, sie sind fröhlich und sie sind kompromisslos.
Tausende dieser ersten Christen gehen in den Tod. Sie gehen in die Arena, sie lassen sich kreuzigen, sie verlieren Hab und Gut. Aber obwohl sie von Anfang an verfolgt werden, kommen immer mehr dazu. Die ersten Generationen von Christen erleben das, was Jesus gesagt hat: Wenn ihr mir nachfolgt, dann werdet ihr Probleme kriegen. Ihr werdet euren Arbeitsplatz verlieren, in den Familien wird es Schwierigkeiten geben, man wird euch anfeinden. Man wird euch verjagen, man wird euch unter Druck setzen, man wird euch zwingen, Dinge zu tun, die ihr nicht tun wollt.
Aber es werden immer mehr. Irgendwie kann man das nicht aufhalten. Menschen sind begeistert von diesem persönlichen Angebot: Gott will mich.
In den ersten drei Jahrhunderten, also bis zum Jahr 300, laufen zehn staatlich gesteuerte Verfolgungswellen über die Christen. Man versucht, sie umzubringen, man versucht, ihre Bücher zu verbrennen, man nimmt ihnen die Kinder weg, man wirft sie aus ihren Häusern, aus ihren Arbeitsstätten, man vertreibt sie. Und trotzdem: Es werden immer mehr.
Der Umschlag zur Staatskirche
Und dann passiert etwas ganz, ich würde sagen, Schlimmes. Mit einem Mal, fast über Nacht, wird aus dem Christentum erst eine geduldete Religion und wenige Jahrzehnte später Staatsreligion.
Für die Entwicklung der Kirche ist das eine Katastrophe, obwohl es vielleicht für die einzelnen Leute in der damaligen Zeit schön war, endlich nicht mehr verfolgt zu sein. Aber das, was Kaiser Konstantin hier tut, wird die Kirche zu dem machen, was man heute in der Kirche sieht, wenn man solche Bilder vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen lässt.
Und das Schicksal nimmt tatsächlich seinen Lauf. Aus den Verfolgten werden jetzt Verfolger, aus den Gejagten werden Jäger. Es entsteht eine Institution, und es ist eine Institution der Macht. Es ist ein Apparat, der Terror, Bestechung, Verleumdung und Mord benutzt, wie jeder andere Machtapparat auf dieser Welt auch.
Aber, und das möchte ich heute Abend betonen, eine Kirche, die diese Dinge tut, liegt falsch. Eine Kirche, die sich zurückbesinnt, die sagt: Ich bin Kirche Jesu Christi, die aber nicht versteht, was Jesus gepredigt hat und wofür Jesus auf diese Erde gekommen ist, nämlich für Feindesliebe, für Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Eine Kirche, die all diese Dinge, ich sage mal, dieses Jesusprogramm, für sich durchstreicht, die kann noch sagen: Ich bin Kirche Jesu Christi. Aber sie ist es nicht mehr, nicht an diesen Punkten.
Das ist mir ganz wichtig, am Anfang zu sagen, weil ich denke, dass wir aufpassen müssen, die Gäuel der Kirche nicht Jesus in die Schuhe zu schieben. Ich kann nicht Jesus verantwortlich machen dafür, dass Menschen in seinem Namen Dinge getan haben, die er niemals, wirklich niemals, gut geheißen hätte.
Wir müssen einen zweiten Punkt verstehen: Wie hängen Glaube und Kirche zusammen? Der eine Punkt ist, dass wir in der Geschichte begreifen müssen, es gab da irgendwo so einen Switch, eine Veränderung, wo das Persönliche immer weniger wichtig wurde.
Äußerlichkeit statt innerer Umkehr
Und deswegen heißt mein zweiter Punkt: Taufschein statt Buße.
Mit der Entstehung dieser Staatskirche unter Konstantin wurde es erst einmal schick, richtig schick, Christ zu sein. Klar, wenn der Kaiser sagt: Ich bin jetzt dafür, na ja, dann bin ich auch dafür. Warum soll ich für etwas sein, wofür der Kaiser nicht ist? Das wäre ja albern. Und plötzlich kam man in gute Stellen leichter hinein, wenn man Christ war. Na ja gut, dann mache ich das halt auch.
Zuerst war es schick. Später wurde es zwingend, Christ zu sein, weil nämlich alle, die nicht mehr Christ sein wollten, verfolgt wurden. Es war ja inzwischen eine Staatskirche geworden. Die wurden verfolgt, die waren nämlich Ketzer. Und vielleicht gab es Leute, die einfach sagten: Aber ich will mit dieser Kirche, so wie sie sich da darstellt, nichts zu tun haben. Das ist doch ein Stückchen anders, als es in der Bibel drinsteht. Ich will damit nichts zu tun haben. Mit Gott schon, aber das war nicht mehr die Frage.
Scharenweise werden Menschen gläubig in dieser Zeit. Das ist die Zeit, wo man in der Armee von einer Schar spricht, sodass man immer so 600 Leute sagt: Ihr werdet jetzt getauft, hier ist der Fluss, alle rein. Was passiert an der Stelle? Na ja, scharenweise werden Menschen gläubig.
Aber der Glaube, na ja, der ist nur äußerlich. Der ist wie so ein Hemd, das ich anziehe und das ich jederzeit wieder ausziehen kann. Da geht nichts mehr tief hinein. Das ist nicht mehr persönlich, ich vor Gott. Das ist, na ja, wenn ich halt heute die Parole brüllen soll, dann brülle ich halt die Parole. Und wenn es heute das Parteibuch ist, was mich weiterbringt, na ja, dann ist es halt das Parteibuch.
Um es den Leuten leichter zu machen, führt man anstelle des persönlichen Glaubens eine Zeremonie ein, die man sogar als Kind schon durchlaufen kann: die Taufe. Und man ersetzt den persönlichen Glauben, ich würde sagen, durch die Kirchenzugehörigkeit, durch Dogmen oder dadurch, dass man an bestimmte Dinge glaubt. Vielleicht auch manchmal nur dadurch, dass man bestimmte fromme Handlungen tut, die man halt tun muss. Aber niemand fragt mehr nach: Wie sieht es in deinem Herzen aus? Wie ist deine persönliche Beziehung zu Gott?
Das Furchtbare in meinen Augen ist, dass das Persönliche des Glaubens, die Lebensveränderung, die mit dem Glauben einhergehen muss, dass auch das Radikale des Glaubens, ich stehe vor Gott, ich lebe jetzt mit Gott, dass das völlig verloren geht.
Im zwanzigsten Jahrhundert werden Leute wie zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer, ich denke, er ist noch ein Begriff in unserer Zeit, davon sprechen: von der billigen Gnade. Und er meint genau solche Leute, die eigentlich sagen: Na, ich gehöre doch dazu. Die aber überhaupt kein Verständnis mehr davon haben, dass ein Mensch, den Gott begnadigt, ein Mensch sein muss, der auch tatsächlich anders lebt. Dass ein Mensch, den Gott begnadigt, ein Mensch sein muss, der vor Gott und mit Gott lebt.
Persönlicher Glaube und gemeinsames Leben
Luther ist ein anderes Beispiel. Der Reformator erkennt sehr genau, weil er begriffen hat, was das Evangelium ist. Er hat begriffen, dass es auf den persönlichen Glauben ankommt.
Luther erkennt sehr genau, was ich hier habe in meiner evangelischen Kirche. Das sind eigentlich zwei Haufen. Ich habe den Haufen derer, die wirklich verstanden haben, worum es geht, die im Herzen gläubig geworden sind an Gott. Und dann habe ich den Haufen, wo ich ehrlicherweise sagen muss: Die haben es nicht begriffen. Die gehören formal dazu, aber eigentlich muss man ihnen erklären, was es heißt zu glauben.
Und ich selbst, ich bin lange Jahre bei dieser zweiten Gruppe gewesen, und eigentlich ganz glücklich. Ich habe so ein religiöses Leben gelebt, mich konfirmieren lassen, bin auch ab und zu mal in die Kirche gegangen, auch ethisch. Also ich habe versucht, nicht zu klauen. Hat auch fast immer geklappt. Ich habe nicht so oft gelogen, also manchmal schon, aber gar nicht so oft. Und ich fühlte mich dabei irgendwie ganz passabel. Ich dachte: Ja, das ist es. Bist du doch auch gut dabei.
Bis ich etwa mit zwanzig Jahren, ja, heute würde ich sagen, fast durch Zufall, aber ich glaube nicht an Zufälle, insofern halt nur fast durch Zufall, Leute kennenlernte, wo ich sage: Hm, das war ... Ich habe studiert, bin nach Hause gefahren, in den Semesterferien. Einen Hauskreis. Nie vorher gehört. Hauskreis, treffen sich Leute zum Bibellesen. Ja, also wir machten sowas. Gut, ich bin da hingegangen und dachte mir: Na, das ist interessant. Da sind Leute, die lesen in der Bibel. Und die leben ja tatsächlich so, wie es da drinsteht.
War mir bis dahin in der Kirche so ein bisschen fremd, hatte ich noch nicht so richtig mitgekriegt. Fand ich total gut, hat mich innerlich angesprochen. Dachte ich: So möchtest du irgendwie auch werden. Also ich gehörte zu denen, die nur so ein bisschen religiös waren, und ich treffe da plötzlich Leute, die waren gläubig. Oh, ich hatte mir Wahnsinn. Gehe zurück nach Berlin, ja, suchte dir auch so einen Kreis. Na, hab keinen gefunden. Leider wusste ich damals nicht, wo man suchen muss. Heute wüsste ich, wo ich suchen müsste.
Damals bin ich zu meinem Pfarrer gegangen und habe versucht, ihm das so zu erklären. Er hat gesagt: Hören Sie mal her, ich suche da so einen Hauskreis, so halt, wie ich es da erlebt habe. Er hat mich nicht verstanden.
Die doppelte Antwort auf die Ausgangsfrage
Glaube ja, Kirche nein. Die erste Antwort lautet: Ja, das geht. Ich kann glauben, auch ohne Kirche. Das geht deshalb, weil Glauben eine Sache zwischen mir, beziehungsweise dir, und Gott ist. Es ist eine ganz persönliche Sache, bei der ich die Kirche erst einmal wirklich außen vor lassen kann, bei der ich sagen kann: Hm, lassen wir das mal.
Die Frage lautet: Will ich Jesu Angebot annehmen? Will ich Vergebung? Will ich Gott in meinem Leben? Das sind die ganz persönlichen Fragen, um die es geht. Und da spielt es tatsächlich überhaupt keine Rolle, ob du evangelisch bist, katholisch bist, atheistisch bist, agnostisch oder freikirchlich. Das ist mir völlig egal, das spielt alles keine Rolle, weil diese persönlichen Fragen zwischen dir und Gott allein geklärt werden. Da geht es nur um die Frage: Will ich Gott mein Herz geben, ja oder nein? Will ich Gott glauben, dass das, was Jesus getan hat, reicht, ja oder nein? Ich brauche dazu keine Kirche. Und ich kenne eine ganze Reihe Leute, die die Bibel gelesen haben und einfach durch Bibellesen verstanden haben, worum es geht, und die dann Christ geworden sind.
Also, die Frage Glaube ja, Kirche nein: Antwort ja, das geht. Und doch ist mir die Antwort zu kurz. Ich habe überlegt, ob ich an der Stelle einfach aufhöre. Aber dann dachte ich mir: Das stimmt doch nicht, das stimmt doch nicht. Das ist nur die halbe Miete, also nicht die ganze Miete. Die ganze Antwort geht so: Glaube ja, Kirche nein, nein, also ja und nein. Und das Nein muss ich noch erklären.
Wenn der Glaube an Gott eine ganz persönliche Sache ist, dann trifft der Apostel Paulus in der Apostelgeschichte auf einen, ja, wir würden heute sagen, Gefängnisdirektor. Im Neuen Testament heißen diese Leute Kerkermeister. Und er sagt: Glaube an den Herrn Jesus Christus, und du wirst gerettet werden. Du, dieses Du ist wichtig. Glaube du an den Herrn Jesus, das gilt.
Und trotzdem gilt auch etwas anderes. Und das andere lautet: Wenn du Christ bist, wenn du das glaubst, dann möchte Gott, dass du kein Einzelkämpfer bleibst. Christen sind keine Einzelkämpfer. Wer Christ wird, wird in diesem Moment Teil der Familie Gottes. Und da ist es tatsächlich so, dass ich, wenn ich Teil der Familie Gottes bin, darauf angelegt bin, mich mit anderen zusammenzutun.
Also: Auf der einen Seite braucht niemand die Kirche, um gläubig zu werden. Und auf der anderen Seite brauchen wir, wenn wir gläubig sind, wenn wir mit Gott leben wollen, Menschen, mit denen wir uns zusammentun und mit denen wir gemeinsam Glauben leben.
Der Apostel Paulus vergleicht die Kirche, und ich lasse das mal ganz allgemein stehen, mit einem Körper. Ich brauche die unterschiedlichen Körperteile an mir. Ich brauche meine Ohren, meine Augen, meine Nase, ich brauche die Hand, die Füße, ich brauche sie alle. Und weil ich alles habe, funktioniere ich relativ gut. So ist es mit der Kirche. Kirche ist eigentlich ein Körper, und jeder Gläubige ist ein Körperteil.
Jetzt merkt ihr schon: Dieses Bild bringt zum Ausdruck, dass in einer funktionierenden Kirche, oder wir würden vielleicht sagen in einer funktionierenden Gemeinde, die kleinere Einheit, in einer solchen funktionierenden Gemeinde jeder seine Funktion hat. Du bringst eine Funktion mit, jeder wird gebraucht.
Und die zweite Sache ist: Meine Nase kann ja nicht sagen, ich möchte jetzt alleine hier alles machen. Das geht einfach nicht. Sondern die Nase muss Nase sein, und die Augen müssen Augen sein. Keiner in der Gemeinde kann alles. Versteht ihr diese zwei Dinge? Keiner ist wertlos, weil wir alle Körperteile brauchen. Und keiner ist so einer, der sagt: Ich mache das ohne alle anderen, ich will einfach so. Es geht einfach nicht.
Und das ist der zweite Teil der Antwort: Glaube ja, Kirche nein.
Zusammenfassung und Schluss
Ich will das noch einmal zusammenfassen.
Ich weiß, dass es die Institution Kirche einem nicht leicht macht, sich mit Glaubensdingen auseinanderzusetzen. Auch mir fiel es schwer, ganz unbeschwert über den Glauben nachzudenken. Solche Bilder, wie wir sie da gesehen haben, und vieles andere sind wie ein Riegel, der vor dem Denken liegt. Den muss man erst einmal beiseite nehmen.
Das habe ich versucht, indem ich sage: Wir müssen zwischen der Institution und dem persönlichen Glauben trennen. Wir müssen wirklich eine Trennung machen. Und wenn es um diesen persönlichen Glauben geht, dann ist es so, dass wir die Kirche nicht brauchen. Da geht es um eine persönliche Sache. Du stehst vor Gott, und du musst dir die Frage beantworten: Bin ich mit Gott im Reinen?
Ich weiß, dass viele Menschen einfach davonlaufen und diese Frage gar nicht an sich heranlassen, weil sie weh tut. Und doch ist das die Frage, die ich persönlich mit Gott ausmachen muss. Da bringt mir eine Kirchenzugehörigkeit nichts, da bringt mir Bibelwissen nichts, da bringt mir irgendein Logo, das ich auf der Stirn habe, nichts, und auch keine Taufe, die ich mit Taufscheinen bekundet habe, bringt tatsächlich etwas. Vorsicht: An dieser Stelle stehst du persönlich vor Gott.
Andererseits, und das ist die zweite Seite dieser Medaille, gehöre ich in dem Moment, in dem ich gläubig bin, zur Familie Gottes. In dem Moment bin ich verantwortlich, meinen Beitrag in die Familie Gottes hineinzubringen. Du wirst gebraucht, du wirst gewollt. Und wenn ich mich da herausziehe und sage: Ach nee, ich mag das lieber so alleine machen, dann bekomme ich bestimmte Sachen nicht, die ich brauche. Aber ich kann auch das nicht geben, was andere von mir brauchen. Wo ich eine Bereicherung sein kann, das kann ich dann nicht einbringen.
Ein letzter Punkt: Bei alledem möchte ich, dass wir eines nicht tun. Ich möchte, dass wir darauf achten, den Zustand der Kirche nicht als Ausrede zu verwenden, um uns nicht mit dem Glauben zu beschäftigen. Und es wird immer, gerechtfertigterweise, etwas zu kritisieren geben. Wenn das heute Abend rüberkommt, dass es sich lohnt, über Glauben nachzudenken, und dass ich das, was Kirche getan hat, wirklich einmal beiseite tun darf, weil das nicht das ist, was Jesus will, dann haben wir heute Abend schon eine ganze Menge erreicht.
Bis dahin möchte ich mit einem Gebet schließen.
Gebet
Herr Jesus, wir danken Dir dafür, dass Du auf diese Welt gekommen bist, dass Du Feindesliebe, Barmherzigkeit und Vergebung gepredigt und gelebt hast. Wir sind traurig darüber, dass wir in der Kirchengeschichte oft genug etwas anderes sehen. Wir wünschen uns, dass auch Deine Kirche sich von solchen Dingen distanziert.
Auf der anderen Seite danken wir Dir dafür, dass Glaube immer noch möglich ist. Wir danken Dir dafür, dass Du jeden Einzelnen willst. Und ich bete darum, dass auch heute hier Menschen sind, die anfangen, sich über diesen Punkt Gedanken zu machen.
Ich möchte Dich darum bitten, dass Du Herzen auftust für das Evangelium, für dieses persönliche Angebot, für diesen Neuanfang, den Du anbietest. Bitte hilf, Herr, wir vertrauen uns Dir an. Amen.
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