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Gottes Plan für die Ehe

Ehe-Coaching mit Michael Welzel
27.01.2023

Einstieg in das Thema Beziehung und Ehe

Wenn du das sagst, ist das klar, aber man muss sich das erst einmal bewusst machen. Ich habe den Ausdruck „lebendige Beziehung mit Gott“ gehört. Das ist bei mir tief angekommen. Damals hatte ich keine Ahnung, was das wirklich bedeutet.

Was du im Grunde sagst, ist: „Ich liebe mich, und dazu brauche ich dich.“ Viele, glaube ich, haben nicht verstanden oder darüber nachgedacht, wie Beziehungen dauerhaft funktionieren können. Als Tauschgeschäft funktionieren sie nicht. Sie funktionieren nur als Geschenkgemeinschaft.

Die Frage ist nicht: Wen wähle ich, damit er mich den Rest meines Lebens glücklich macht? Das hat man vorher schon geklärt. Vielmehr geht es darum: Wem möchte ich meine Liebe schenken?

Ich glaube, die meisten Eheprobleme entstehen nicht wegen der Ehe selbst, sondern weil jeder von uns Dinge in die Ehe mitbringt, die nicht förderlich für eine Beziehung sind. In der Ehe, in dieser engen, nahen Beziehung, kommen diese Probleme dann zum Vorschein.

Das ist auch der Grund, warum zwischen Standesamt und kirchlicher Trauung ein riesengroßer Unterschied besteht. Denn das weltliche Bild von Ehe und die göttliche Idee von Ehe sind etwas ganz anderes. Aber derjenige, der den Bund aus diesem Jahr liest, ist Gott – nicht wir.

Damit willkommen beim Bibelfitdienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten. Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das gibt es alles gratis auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.

Heute geht es um das Thema Beziehung und Ehe. Meine Frau und ich beginnen in diesen Tagen unser zweites Ehejahr und haben bis hierhin eine sehr gesegnete Ehe. Aber das soll auch so bleiben. Das setzt bei uns beiden Offenheit und die Bereitschaft voraus, an unserer Ehe zu arbeiten und an uns selbst.

Vorbereitung auf die Ehe und Beratungsangebote

Vor fast zwei Jahren, als es langsam in Richtung Verlobung ging, haben wir begonnen, in regelmäßigen Abständen Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Das machen wir bis heute. Wer in der christlichen Welt solche Angebote sucht, kommt früher oder später auf das Lisa Ehe Atelier.

Die dort tätigen Berater haben sich auf biblischer Grundlage viele und tiefgehende Gedanken darüber gemacht, was eine christliche Ehe eigentlich ist und was nicht. Sie haben aus jahrzehntelanger Erfahrung heraus überlegt, wie vermeidbares Leid in eurer Beziehung und Ehe vermieden werden kann. Mehr dazu findest du im Link in der Videobeschreibung.

Einer der Berater dort ist Michael Welzel. Er ist kein Unbekannter. Zusammen mit seiner Frau gibt er regelmäßig Workshops und Beratungen zum Thema Ehe nach Gottes Bild. Die beiden unterstützen seelsorgerlich bei Beziehungskrisen und komplizierten Ehefragen. Michael schreibt gerade an einem Eheratgeber.

Wer ihn schon einmal auf Bühnen oder in Workshops sprechen gehört hat, merkt schnell, dass die Leute sofort mitschreiben, sobald er den Mund aufmacht. Deshalb lohnt es sich, auch schon etwas für Notizen bereit zu halten.

Michael selbst hat eine bewegte Geschichte, die ich hier in Auszügen teilen darf. Er ist ohne lebendigen Glauben aufgewachsen und sagt von sich selbst, er hätte Jesus nicht gekannt. Er hat eine sehr erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft hinter sich, doch dann kam das Leben mit all seinen Irrungen und Wirrungen.

Eines Tages war er als Nichtchrist verheiratet und bald darauf wieder geschieden. Lange Zeit später lernte er eine neue Partnerin kennen und heiratete ein zweites Mal. Dieser Lebenslauf ist in der Welt, besonders in Unternehmen, in denen ich viele Jahre gearbeitet habe, ab einem gewissen Alter durchaus üblich.

Doch dann kam er zum Glauben. Seine Frau und er lernten das Christentum ganz neu kennen und bekehrten sich beide tatsächlich. Das veränderte alles. Plötzlich waren sie in der kuriosen Situation, dass sie weltlich geheiratet hatten, aber nun Christen waren. Im Christentum bedeutet Ehe etwas ganz anderes als beispielsweise beim deutschen Standesamt.

Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber welchen Weg die beiden miteinander gegangen sind, wie Michael Jahre später Seelsorger und Berater wurde und welche Grundlagen er heute Menschen mitgibt, die vielleicht noch nie gehört haben, was Ehe im Christentum bedeutet, das erfährst du hier.

Michael und ich haben uns zweieinhalb Stunden zusammengesetzt. Ich habe währenddessen viel mitgeschrieben und durfte unser Gespräch aufzeichnen. Nun stelle ich dir einen Zusammenschnitt der wichtigsten Stellen zur Verfügung.

Hinweise zum Gespräch und Einladung zur Interaktion

Deshalb vier kurze Punkte:

Erstens: Wichtig ist, dass das, was Michael jetzt darlegt, nicht noch einmal gilt für Ehen oder Beziehungen, in denen Gewalt herrscht oder in denen sexueller, körperlicher, emotionaler oder geistlicher Missbrauch stattfindet. Das sagt er auch gleich noch einmal ausdrücklich. Dennoch sollte das von vornherein glasklar sein, okay?

Zweitens: Fühl dich frei, deine Fragen zu Ehe und Beziehung hier in die Kommentare zu schreiben. Ich werde Michael bitten, von Zeit zu Zeit hier reinzuschauen und einige Dinge selbst zu beantworten.

Drittens: Drückt gern die Glocke unter diesem Video, damit mehr Paaren solche Inhalte angezeigt werden. So können wir als Christen in Deutschland ein Stück weit besser verstehen, was Gott sich unter der Ehe gedacht hat.

Und viertens: Die Tonverbindung, bei der Michael und ich das aufgenommen haben, war nicht die beste. Der einzige Zeitpunkt, an dem wir aufnehmen konnten, war, als Michael an einem Ort mit eingeschränktem Internet war. Trotzdem haben wir beide entschieden: besser jetzt ein unvollkommener Beitrag als ein vollkommener Beitrag, der niemals kommen würde. Die Inhalte sind gut.

Also lass uns jetzt inhaltlich starten.

Ursachen für Schwierigkeiten in Beziehungen

Es gibt viele hundert Vorstellungen von Ehe und Beziehungen, ebenso gibt es tausende Ratgeber. Trotzdem funktioniert das bei vielen Menschen nicht gut. Michael, was denkst du, woran könnte das liegen?

Ja, so genau weiß ich das natürlich auch nicht, aber ich habe eine Hypothese. Ich glaube, viele Beziehungen und Ehen scheitern einfach daran, dass wir falsche Vorstellungen davon haben, wie Beziehungen und Ehe dauerhaft gelingen können.

In den meisten Beziehungen gibt es eine Phase, in der wir alle miteinander richtig glücklich sind – die Verliebtheitsphase. Wenn du schon mal verliebt warst, dann kannst du jetzt kurz innehalten und dich erinnern: Woran kannst du dich erinnern, was du in der Verliebtheitsphase gemacht hast? Woran glaubst du, dass dein Partner sich so richtig von dir geliebt gefühlt hat?

Ich glaube, jeder, der schon mal verliebt war, kann viel dazu sagen, was in dieser Verliebtheitsphase alles toll war. Wo man sich geliebt gefühlt hat und alles getan hat für den Partner, damit er die Liebe spürt und man sie ihm zeigen kann. Und das ist auch super. Die Verliebtheitsphase mit den Schmetterlingen im Bauch ist wirklich eine tolle Geschichte.

In dieser Phase haben wir uns gegenseitig so richtig gutgetan, oder? Was man dabei auch merkt, ist die Anziehungskraft, die da war – diese Eros-Liebe, diese Biochemie, die in uns alles zum Aufblühen gebracht hat. Das ist einerseits das Gute daran, aber auch die Krux und das Problem: Diese ganze Phase basiert auf Biochemie, und diese endet bei den meisten nach etwa sechs bis zwölf Monaten.

Die Verliebtheitsphase und die Biochemie sind also ein Motor für Liebe, der nicht dauerhaft hält und nach einer Weile ins Stottern gerät. Das ist einer der Gründe, warum viele Beziehungen auf Dauer nicht so gut funktionieren und uns nicht mehr so glücklich machen wie am Anfang. Wir haben oft nicht bemerkt oder gelernt, zu erkennen, wann dieser Motor anfängt zu stottern. Die entscheidende Frage ist dann: Was mache ich stattdessen? Was mache ich, wenn die Chemie weg ist und ich nicht mehr mit jeder Faser meines Körpers nach meiner Frau, meiner Freundin oder meinem Freund sehne?

Das ist der Punkt, an dem wir oft nicht wissen, wie wir es schaffen können, die Beziehung auf Dauer aufrechtzuerhalten. Aus der Verliebtheitsphase wissen wir, wie es funktioniert – wir haben es oft erfahren. Aber wir wissen nicht, wie wir das dauerhaft schaffen können.

Bei meinen Schwiegereltern hängt im Flur, glaube ich, ein christliches Poster, auf dem sinngemäß steht: „Sich verlieben ist einfach, verliebt zu bleiben hingegen nicht.“ Genau das ist das Thema. Zum Verlieben muss ich ja nichts tun. Das übernehmen die ganzen Hormone und Botenstoffe in meinem Körper. Das kann ich einfach geschehen lassen und genießen. Aber danach bin ich gefragt, meinen Beitrag dazu zu leisten, dass dieser Liebesmotor weiterläuft.

Die Frage ist also: Was ist dieser Liebesmotor? Meine Erfahrung ist die folgende: Ich habe viele Beziehungs- und Eheratgeber gelesen, als meine Frau und ich angefangen haben, uns kennenzulernen und zu daten, weil ich bestimmte Fehler, wenn möglich, vermeiden wollte. Manche Ratgeber waren wirklich sehr gut, andere dagegen waren eher problematisch. Manchmal hatte ich das Gefühl, jemand hätte einfach alte Facebook-Posts abgeschrieben. Mehr als Kalendersprüche war da oft nicht drin – das war schon schwierig.

Die Bibel als Beziehungsratgeber

Was würdest du denn da empfehlen? Welcher Beziehungsratgeber wäre vielleicht eine gute Anlaufstelle?

Ich denke, auch bei den vielen Beziehungsratgebern, die es im Buchhandel gibt, sind einige sicherlich ganz brauchbar. Es gibt aber auch viele, die tolle Tipps geben, die letztlich nicht funktionieren.

Deswegen schlage ich vor, dass wir mal in den aus meiner Sicht wichtigsten Beziehungsratgeber hineinschauen: ins Original. Und das Original ist die Bibel. Gott hat uns als Beziehungswesen geschaffen und sich auch überlegt, wie das funktionieren kann – wie wir als Beziehungswesen miteinander in Liebe leben können.

Deshalb bin ich überzeugt, dass wir dort nicht nur gute, sondern sogar die besten Hinweise darauf finden, wie Beziehung und Ehe von Gott her gedacht sind. Wenn Gott es durchdacht hat, dann ist es auch möglich. Gott überlegt sich nichts für uns, was wir hinterher nicht umsetzen könnten.

Ich würde Gottes Ideen in zwei Bereiche unterteilen: Zum einen hat er uns einen guten Bauplan gegeben, wie wir Beziehungen gestalten können, wie wir aus seiner Sicht Beziehungen leben sollen. Zum anderen hat er uns eine ganze Reihe von guten Hinweisen gegeben, wie wir dann in diesem Bau und in diesen Strukturen leben können.

Der erste Schritt oder die erste Überlegung, wie Gottes Bauplan aussieht, finden wir an einer Stelle in der Bibel, die ich sehr bezeichnend finde. Dort kommen einige Menschen auf Jesus zu. Sie wollen ihn eigentlich ein bisschen überlisten und ihm etwas entlocken, das sie gegen ihn verwenden können. Sie fragen ihn: „Lehrer, was ist das größte Gebot im Gesetz?“ Wahrscheinlich waren sie schon gespannt, was er sagen würde, oder hatten eine Hypothese.

Jesus antwortet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ Ich fasse zusammen: Mit allem – Gott lieben mit allem. Das ist das größte und erste Gebot.

Das zweite aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Dann fügt Jesus noch hinzu: „An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“

Man muss bedenken, dass es damals das Neue Testament noch nicht gab. Im Grunde hatten sie als Bibel nur das Gesetz, insbesondere Mose, und die Propheten. Das war also die Bibel. Und Jesus fasst sie zusammen: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, und deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Das ist die Zusammenfassung der damals existierenden Bibel. Ich finde, das ist eine starke Aussage (Matthäus 22,36-40).

Wenn man sich das grafisch vorstellt, kommt heraus, dass wir als Menschen für Beziehungen geschaffen sind – für Beziehungen zu Gott, zu unserem Nächsten, aber eben auch für uns selbst.

Das andere, was interessant ist, ist der Hinweis auf den Motor, den Gott meint, der dauerhaft funktionieren kann. Dort steht nicht „Eros“, wie wir in Deutschland oft Liebe verstehen, sondern „Agape“.

Im Griechischen, im Urtext, steht nicht Eros, diese Liebe, die in der Verliebtheitsphase wirkt, sondern Agape. Agape ist die Liebe, die bedingungslos ist, ein Geschenk.

Das ist der Unterschied zu Eros. Eros beruht auf der Liebenswürdigkeit des Anderen. Ich bin verliebt und finde mein Gegenüber toll – wegen seines Lächelns oder weil er sportlich ist und mich mitnimmt. So reiße ich mich aus meiner Faulheit heraus, finde es spannend, zusammen joggen zu gehen.

Oder ich bin Couch Potato und der andere ist aktiv, hat immer Ideen, was man machen kann. Das ist eros.

Agape hingegen beruht nicht auf der Liebenswürdigkeit des Anderen, sondern entspringt meinem Herzen. Es ist eine Entscheidung.

Nicht anders wäre es möglich, dass Gott daraus ein Gebot macht: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Jesus formuliert das später in der Bibel sogar noch einmal – ich glaube, im Johannesevangelium –, dass das wichtigste Gebot ist, einander zu lieben.

Wie soll das gehen, wenn es nur auf Biochemie, Gefühlen und Anziehungskraft beruht? Dann kann es nicht dauerhaft funktionieren, sondern nur, wenn der andere sich so verhält, wie ich es toll finde.

Aber was ist, wenn ich mal einen schlechten Tag habe und nicht nett bin? Was soll meine Frau dann machen? Wenn ihre Liebe auf Eros basiert, ist das keine Liebe mehr, wenn ich nicht liebenswürdig bin.

Das ist der große Unterschied.

Bei mir schwanken die Gefühle ziemlich stark, sogar mehrmals am Tag. Ich wache auf und mir geht es gut. Zwei Stunden später bekomme ich schlechte Nachrichten, bin betrübt und schlecht gelaunt. Dann habe ich Hunger, aber nicht genug gegessen, dann Durst. Wenn ich mich von meinen Gefühlen leiten lasse, ist das gefährlich.

Aber eine Entscheidung zu treffen, zu lieben, meine Frau zu lieben – unabhängig davon, ob sie sich gerade liebenswürdig verhält oder nicht – das ist ein Beziehungsmotor, der laufen kann.

Deshalb ist aus Gottes Sicht alles ganz einfach, wie Beziehungen funktionieren: Ich soll Gott lieben, mich selbst lieben und meinen Nächsten lieben – also Agape, bedingungslos schenken, unabhängig davon, wie der andere gerade ist. Dann funktioniert Beziehung.

Also ist das doch easy, oder? Eigentlich könnten wir mit diesem Satz aufhören, denn damit wäre alles gesagt über Beziehungen und wie sie dauerhaft funktionieren können.

Das Problem ist nur: Wir sind leider unvollkommen.

Ich muss sagen, menschlich gesehen ist das dauerhaft nicht möglich. Ich schaffe es nicht, meine Frau zu lieben – unabhängig davon, wie sie sich mir gegenüber verhält oder wie es mir gerade geht. Ich kriege das nicht hin, das jeden Tag zu machen.

Ich weiß nicht, wie es dir geht. Easy, easy, easy – ich bin auch ein super konstanter Mensch, ganz pflegeleicht, immer umgänglich, habe keine Ecken und Kanten. Es gibt niemals jemanden, der es mit mir nicht ausgehalten hat.

Nee, nee, ist klar.

Ja, ja, also kann man nur sagen: Willkommen im Club. Wir haben alle unsere Herausforderungen. Aber das ist noch gar nicht das Problem.

Gottes Lösung für die menschliche Unvollkommenheit

Dafür hat Gott, Gott sei Dank, eine Lösung geschaffen. Dieses dreifache Liebesgebot – Gott, den Nächsten und mich selbst zu lieben – kann ja schon ganz schön Druck auslösen. Aber Gott hat sich das anders gedacht.

Gott hat dich und mich zuerst geliebt, damit wir ihn, unseren Nächsten und uns selbst lieben können. Für mich ist das so schön, wenn ich mir das vorstelle wie eine Schale. Wenn ich eine Schale bin und zuerst leer, dann kommt Gott und füllt diese Schale mit Liebe. Aber er hört nicht auf, wenn die Schale voll ist, sondern lässt seine Liebe weiter hineinfließen.

Dann bin ich mit Liebe gefüllt, und es fließt noch so viel mehr Liebe über. Es ist noch so viel Liebe da, dass ich Gott auch lieben kann, meinen Nächsten und mich selbst. Diese Liebe, die hineinkommt, ist ja zuerst Gottes Liebe, mit der er mich liebt. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mich selbst auch liebe.

Genau hier denke ich, dass Gott uns mit diesem Gebot nicht alleine lässt, das sich menschlich kaum schaffen lässt. Er sagt auch: „Ich habe eine Lösung für dich. Ich habe dich zuerst geliebt und gebe dir erst einmal die Liebe, die du brauchst, damit du etwas zum Weitergehen hast.“

In diesem Bibelvers mit dem dreifachen Liebesgebot finde ich noch eine ganz andere große Wahrheit versteckt. Wenn zwei Menschen zusammenkommen, mit ihren drei Beziehungsdimensionen, und ich schaue hier auf der horizontalen Ebene: „Ich soll meinen Nächsten lieben.“ Mein Gegenüber hat auch das Gebot, seinen Nächsten zu lieben.

Was passiert also, wenn die zwei zusammenkommen? Das ist, finde ich, so bezeichnend. Oft haben wir die Vorstellung, dass in einer Beziehung, zum Beispiel zwischen meiner Frau und mir, die Verantwortung für die Liebe 50 zu 50 verteilt ist. Jeder hat also die Hälfte der Verantwortung.

Aus diesem Bild entsteht für mich aber die Erkenntnis: Nein, so ist es von Gott her nicht gedacht. Jeder hat für seinen Anteil, den anderen zu lieben, hundert Prozent Verantwortung. Das ist seine Entscheidung, sein Versprechen und seine Verantwortung, diese Agape-Liebe fließen zu lassen.

Hier kommt auch der große Unterschied zu Eros ins Spiel: Eros beruht darauf, dass man liebenswürdig gegenüber dem anderen ist. Agape-Liebe braucht das nicht. Deshalb übersteht Agape-Liebe oder eine Beziehung mit Agape-Liebe auch schwierige Zeiten. Selbst wenn einer mal schwächelt, nicht kann oder nicht will, kann Agape-Liebe das überbrücken. Sie sorgt dafür, dass die Liebe dauerhaft fließen kann, weil sie unabhängig von äußeren Umständen ist.

Das macht mich fast unruhig, frustriert und auch ein bisschen beschämend. Dieses Bewusstsein: Ich bin nicht zu 50 Prozent dafür verantwortlich, dass es zwischen meiner Frau und mir funktioniert, sondern mein Anteil liegt bei hundert Prozent von dem, was ich beeinflussen kann.

Wenn man sich das vor Augen führt und einfach mal durchdenkt, wird man demütig. Man muss seinen Kopf erst mal darum wickeln. Diesen Grundgedanken findet man in den meisten Beziehungsratgebern nicht so klar formuliert. Und das macht etwas mit einem.

Wenn ich diesen Grundgedanken verinnerlicht habe und auf dieser Basis wirklich eine Entscheidung treffe, heißt das nicht, dass alles funktioniert und alles leicht wird. Aber es bedeutet, dass meine Herzenshaltung eine andere ist. Auch an schwierigen oder schlechten Tagen kann ich mich daran erinnern und sagen: „Im Moment war es zwar ein schlechter Tag, aber ich habe Versprechen abgegeben.“

Ich entscheide mich dann, das, was ich kann und wo ich mich mit Gottes Hilfe und seiner Liebe füllen lassen kann, zu meinem Versprechen zu machen. Ich liebe mein Gegenüber, meine Frau, und schenke ihr meine Liebe.

Wie gesagt, es ist immer noch nicht leicht. Aber mit dieser Herzenshaltung und diesem Bewusstsein ist viel mehr möglich, als wenn ich mich nur auf Eros, Anziehung und Gefühle verlasse, die jeden Tag und manchmal mehrmals am Tag schwanken.

Die Ehe als Bund mit Gott

Und was passiert jetzt, wenn zwei Menschen wirklich sagen: „Okay, wir treffen diese dauerhafte Entscheidung miteinander, wir gehen in die Ehe“? Die Ehe wird in der Bibel auch als Bund beschrieben. Was heißt das jetzt?

Das bedeutet letztendlich, dass ich in diese Zweierbeziehung Gott bewusst mit hineinnehme. Er ist ja sowieso schon da. Wenn ich ein Leben mit Gott lebe, steht er immer an meiner Seite, weil er meine Liebesquelle ist. Wenn zwei Menschen aus ihrer Beziehung, die sie miteinander haben, und jeder aus seiner Gottesbeziehung heraus sagen: „Wir wollen uns wirklich ein Leben lang verbinden, einander binden und ein Leben lang Liebe schenken“, dann schließt Gott diesen Bund.

Aus einer Beziehung, die vielleicht noch eine gewisse Unverbindlichkeit hat, wird dann ein Bund. Gott hat an diesem Bund ein ganz besonderes Interesse. Er möchte, dass dieser Bund tatsächlich von Liebe erfüllt ist. Dass die beiden es schaffen, einander ihr Versprechen ein Leben lang zu erfüllen. Er ist als Garant dieses Bundes bereit, alles zu tun, was in seiner Kraft und Verantwortung steht.

Das bedeutet nicht, dass wir keine Verantwortung mehr haben. Die Verantwortung bleibt selbstverständlich bei uns. Aber mit Gottes Hilfe bekommt dieser Bund eine ganz andere Kraft. Es ist nicht nur so, dass wir aus menschlicher Kraft unser Bestes geben, damit die Beziehung gelingt und die Bindung hält. Auch Gott verbindet uns.

Das verstehe ich so: Jeder ist zu hundert Prozent verantwortlich für seinen Teil der Beziehung, und Gott hilft mit. Aber was heißt das jetzt ganz praktisch, in Farbe und 3D? Wie kann ich das konkret leben, gerade in den Turbulenzen des Alltags? In der Ehe und Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Wie mache ich das?

Das Bild des Liebesflusssystems

Ich glaube, wir können mit einem Bild beginnen, das helfen könnte, das eigentliche Ziel zu verstehen – nämlich das, was wir im Alltag umsetzen wollen.

Mir persönlich hilft es sehr, wenn ich mir dieses Beziehungssystem wie ein Liebesflusssystem vorstelle. Es ist so: Ich habe eine Beziehung zu meiner Frau, sie hat eine Beziehung zu mir, ich habe eine Beziehung zu Gott und Gott hat eine Beziehung zu mir. Wenn ich das mit Linien zeichne, kann ich mir das wie ein Röhrensystem vorstellen. Gottes Idee ist, dass in diesen Röhren Liebe fließt.

Offensichtlich ist es nicht primär Eros-Liebe, obwohl diese natürlich auch dazugehört. Das ist nicht falsch, aber in erster Linie soll Agape-Liebe fließen. Diese ist der Garant und die Basis für eine dauerhafte Beziehung. Gott ist in diesem System die Quelle. Ich habe also eine Quelle, ein Röhrensystem, und durch dieses soll Liebe fließen. Die Idee ist, dass zwischen Mann und Frau nichts anderes fließt als Liebe. Das ist Gottes Plan.

Kriegen wir das immer hin? Wie schon gesagt, nicht immer. Aber was passiert, wenn es nicht klappt? Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, meine Frau anmotze, mich zurückziehe oder etwas wirklich Unfreundliches zu ihr sage? Dann gibt es Störungen im Liebesfluss. Da sind Brocken drin, die nicht hineingehören. Es gibt Vergiftungen, die den Liebesfluss blockieren. Statt Liebe fließt dann etwas, das nicht so nett ist.

Für mich ist es hilfreich, dieses Bild als Ziel vor Augen zu haben: den Liebesfluss. Ich schule meine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, um zu erkennen: Fließt hier gerade Liebe oder nicht? Dabei geht es nicht darum, die Schuld bei meiner Frau zu suchen, sondern zu fragen: Was kann ich jetzt tun? Was habe ich getan, dass gerade keine Liebe fließt? Was ist mein Anteil daran? Und wie kann ich meiner Frau die Liebe zeigen, die ich ihr versprochen habe?

Wichtig ist, dass wir lernen, mit solchen Störungen umzugehen. Das ist leider normal. Wenn zwei unvollkommene Menschen zusammenkommen, werden sie nicht vollkommen. Es sind zwei unvollkommene Menschen in einer Beziehung. Entscheidend ist, wie wir mit den Störungen umgehen.

Beispielsweise, wenn ich mich von meiner Frau verletzt fühle, kann ich ihr vergeben. Wenn ich etwas Unfreundliches gesagt habe, kann ich um Verzeihung bitten. Sie kann mir vergeben. So bereinigen wir den „Dreck“ im Liebesfluss und bringen die Liebe wieder zum Fließen.

Ich habe zum Beispiel die Tendenz, mich zurückzuziehen, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Wenn du dir das als Liebesflusssystem vorstellst und ich gehe von meinem Platz weg, dann gibt es zwei Röhren, durch die die Liebe einfach herausfließt. Es fließt keine Liebe mehr, und ich kann auch keine Liebe mehr empfangen, weil ich weggegangen bin.

Damit umgehen zu lernen, ist ein Weg. Es passiert mir leider immer wieder, aber Gott sei Dank wird es seltener. Ich bemerke es früher und kann dann innerlich sagen: Was ist denn jetzt gerade los? Ah, ich bin enttäuscht und verletzt. Dann kann ich erst einmal zu Gott gehen, mich über meine Frau beschweren. Er gibt mir meistens nicht Recht, sondern zeigt mir meinen Anteil und was ich tun kann. Dann kann ich wieder auf meinen Platz zurückgehen, und die Liebe kann fließen.

Deshalb ist dieses Bild für mich sehr kraftvoll. Es hilft mir im Alltag bei allen möglichen Störungen, bewusster und schneller wahrzunehmen: Im Moment fließt keine Liebe. Dann kann ich mit Gottes Hilfe überlegen, was ich tun kann, um zumindest meinen Anteil beizutragen, der für den Liebesfluss wichtig ist.

Die Liebesformel: Freiheit und Zuwendung

Das wäre genau meine Frage an dich: Was kann ich tun oder was muss grundsätzlich passieren, damit Liebe überhaupt möglich ist, damit Liebe fließen kann?

Eine Basis dafür ist die sogenannte Liebesformel. Damit ist nicht gemeint, dass man Liebe produzieren kann, sondern dass Freiheit und Zuwendung die Liebe ermöglichen. Das sind zwei ganz wichtige Zutaten.

Freiheit geht in zwei Richtungen. Das eine ist Agape. Liebe ist eine Entscheidung, hat Nürnberg gesagt. Diese Entscheidung sollte ich hoffentlich in Freiheit treffen, denn sonst ist es nicht wirklich ein Geschenk, wenn ich sie unter Zwang oder Druck treffe. Wenn ich sie aber in Freiheit getroffen habe, dann ist es etwas, das ich tun möchte. Ich habe mich dafür entschieden, meiner Frau meine Liebe zu schenken.

Mit Freiheit geht auch Verantwortung einher. Wir leben in einer sehr freiheitsliebenden Zeit. Wir können vieles wählen: unsere Partner, unsere Berufe, wo wir wohnen, welches Handy wir haben und so weiter. Das heißt, wir treffen ständig Entscheidungen. Das Problem dabei ist, dass ich dann auch für meine Wahl verantwortlich bin.

Ich habe zum Beispiel früher eine Ausbildung als Bankkaufmann gemacht. Das habe ich gewählt, die Ausbildung absolviert und danach in der Bank gearbeitet. Doch dann habe ich gemerkt, dass das nicht meine Welt ist. Ich dachte: „Okay, das war jetzt gut, aber ich will hier nicht bleiben.“ Dafür brauche ich nicht einen Schuldigen zu suchen. Das machen wir aber oft: Wir suchen die Schuld bei jemand anderem für unsere eigenen Entscheidungen.

Freiheit und Verantwortung sind eben zwei Seiten einer Münze. Wenn ich in Freiheit gewählt habe, meiner Frau meine Liebe zu schenken, dann bin ich auch dafür verantwortlich. Das ist das Hundert-Prozent-Prinzip. Ich bin verantwortlich dafür, ob ich mein Versprechen halte oder nicht.

In der Verliebtheitsphase funktioniert das alles oft anders. Da mache ich eigentlich den anderen dafür verantwortlich, ob ich ihn liebe, weil er ja liebenswürdig sein muss. In dieser Phase fließt viel Liebe, und wir denken, das kann gut funktionieren. Aber das ist nicht dauerhaft so.

Wenn du das sagst, ist das so klar. Aber man muss sich das erst einmal vor Augen führen.

Freiheit bedeutet auch, meinem Gegenüber, meiner Frau in dem Fall, die Freiheit zu schenken, dass sie ein Mensch mit eigenen Wünschen und Stärken ist – aber auch mit Schwächen. Ich gebe ihr die Freiheit, an ihren Stärken, Schwächen und Macken mit Gott zu arbeiten, wenn sie so weit ist. Ich versuche nicht ständig, sie zu verändern.

Gott ist der Töpfer, und wir neigen dazu, ständig aneinander herumzutöpfern und zu versuchen, einander zu verändern. Das funktioniert aber nicht. Der einzige Mensch, den ich verändern kann, oder besser gesagt, der sich von Gott verändern lassen kann, das bin ich selbst.

Sobald ich versuche, meine Frau zu verändern, passiert Folgendes: Unser Liebesfluss wird gestört. Ich übe Druck auf sie aus, kritisiere sie und so weiter. Und ich merke sofort, dass unser Liebesfluss gestört ist und nicht mehr vorankommt.

Das ist genau das, was wir lernen dürfen: Wie wir mit Fehlern umgehen und den Liebesfluss wieder zum Laufen bringen. Es ist diese Fähigkeit, jeden Tag neu anzufangen, immer wieder zu bereinigen, zu bereinigen, zu bereinigen.

Das zweite Element in der Liebesformel ist die Zuwendung. Freiheit kann nämlich auch ganz schnell in Gleichgültigkeit umschlagen. Manchmal haben wir Dauerbrennerthemen, zum Beispiel den Umgang mit Finanzen. Wir sind sehr unterschiedlich geprägt und haben uns zwar aneinander gewöhnt, aber die Unterschiede bleiben.

Dann gibt es Themen, bei denen mein Partner ganz anders handelt als ich, etwa beim Shoppen. Manchmal komme ich an den Punkt, wo ich denke: „Mach doch einfach deinen Mist allein, mach, was du willst, machst ja sowieso.“ Das sieht zwar nach Freiheit aus, aber der Ton zeigt, dass es nicht liebevoll ist. Eigentlich ist das eher Gleichgültigkeit.

Deshalb ist Zuwendung so wichtig. Zuwendung heißt, ich bleibe in der Beziehung. Wenn ich sage: „Mach doch, was du willst“, dann ziehe ich mich zurück, gehe aus dem Beziehungsdreieck raus. Zuwendung bedeutet, ich bleibe da.

Das heißt nicht, dass ich alles gutfinden muss, was meine Frau tut, und sie muss nicht alles gutfinden, was ich mache. Aber ich sage: „Das verstehe ich jetzt nicht, warum du das machst. Ich würde es anders machen, aber das darfst du entscheiden.“ Ich bleibe zugewandt, ansprechbar und in einer Position, von der aus Liebe fließen kann.

Ich kann ihr im nächsten Moment etwas Gutes tun, anstatt stinksauer zu sein, wegzulaufen, mich abzuwenden – auch körperlich, vielleicht sogar die Tür knallend hinter mir zu schließen.

Diese Zuwendung ist natürlich das Wichtigste: wirklich in Beziehung bleiben, auch in kritischen Situationen.

Dann gibt es noch andere Ausdrucksformen von Zuwendung. Eine, die gerade in der Ehe wichtig ist, ist Treue. Zuwendung auf Dauer.

Ich glaube, das ist etwas, das wir uns alle wünschen, auch wenn es viele polyamore oder offene Beziehungen gibt. Ich habe persönlich wenig Erfahrung damit, aber von dem, was ich gelesen und gehört habe, sind die wenigsten damit wirklich glücklich. Meistens ist nur einer glücklich, wenn überhaupt.

Das ist einfach nicht das, wofür wir gemacht sind – das ist meine Überzeugung.

Andere Formen von Zuwendung sind die kleinen Dinge im Alltag: ein freundliches Lächeln, ein liebes Wort, meine Frau in den Arm nehmen, wenn sie nach Hause kommt und frustriert oder müde ist, ihr etwas zu essen machen, wenn sie hungrig ist, kleine Geschenke, Blumen oder mal ein Stück Schokolade mitbringen.

Wir wissen ja aus der Verliebtheitsphase eigentlich, was unser Gegenüber gerne mag. Das geht oft verloren. Diese kleinen Gesten sind Formen von Zuwendung, die sehr hilfreich sind im Alltag, damit Liebe wirklich entstehen und fließen kann.

Das muss man sich erst einmal vor Augen führen. Überlege mal: Was wäre, wenn ich das nicht tun würde? Was wäre, wenn ich keine Zuwendung mehr zeigen würde? Was wäre, wenn es keine Treue gäbe?

Diese Balance zu halten, ist wichtig. Ja, ich wäre vielleicht frei, mich punktuell abzuwenden. Aber will ich das überhaupt? Ist das das Versprechen, das ich gegeben habe? Ist das der Effekt, den ich haben will? Was hat das für eine Folge für den Liebesfluss?

Paulus sagt an einer schönen Stelle: „Ihr seid berufen, liebe Freunde, in Freiheit zu leben – nicht in der Freiheit, euren sündigen Neigungen nachzugehen, sondern in der Freiheit, einander in Liebe zu dienen.“ (Galater 5,13)

Das ist genau die Entscheidung, die Wahl, die ich habe: Wem schenke ich meine Liebe? Ich bin frei, das zu tun, und nicht irgendwelchen sündigen Neigungen nachzugehen.

Ich bin frei, meine Liebe zu schenken. Ich bin frei, das zu tun. Und das heißt: Wenn ich mich abwende oder Liebesentzug als Bestrafung praktiziere, dann muss ich mich selbst ganz kritisch hinterfragen. Ich muss das nicht machen. Es ist eine Entscheidung in beide Richtungen.

Genau das ist es: Ich bin frei, auf meinem Platz in diesem Beziehungssystem, in diesem Liebesflusssystem zu bleiben. Ich bin frei, weiter Liebe zu schenken, obwohl ich mich enttäuscht und verletzt fühle.

Das ist eine riesige Freiheit. Nicht: „Wie zahle ich es ihr jetzt am besten heim?“ Das ist keine Freiheit, das zu tun, wofür ich mich entschieden habe. Das ist das Gegenteil. Ich bin zerstörerisch unterwegs.

Ein weiteres schönes Zitat stammt von Matthias Claudius. Er schrieb einen Brief an seinen Sohn Johannes, als dieser das Haus verließ, um zu studieren. Darin steht ein Satz, der für mich großartig ist: „Nicht der ist frei, der tun und lassen kann, was er will, sondern der ist frei, der tun will, was er tun soll oder wofür er sich entschieden hat, was er tun will.“

Wir haben oft einen Freiheitsbegriff, der sagt: „Ja, wir sind alle frei, ich kann tun und lassen, was ich will. Jeder kann sich verwirklichen, wie er will, egal ob zum Vorteil oder Nachteil für andere Menschen.“ Das ist ein Toleranz- und Freiheitsbegriff, der sehr beliebig ist.

Ich finde es schön, dass hier nicht die Beliebigkeit des Freiheitsbegriffs im Vordergrund steht, sondern die Freiheit, wirklich das zu tun, wofür ich mich entschieden habe. Das Gute zu tun, auch wenn ich die Möglichkeit habe, anders zu handeln.

Es geht um die Freiheit, einander in Liebe zu dienen, einander die Liebe zu schenken – jeder zu hundert Prozent verantwortlich für seinen Anteil an der Beziehung.

Das ist kein Geben und Nehmen im Sinne eines Tauschgeschäfts. Natürlich entsteht am Ende ein Geben und Nehmen, aber weil jeder in Freiheit den anderen beschenkt.

Entscheidungen sind das Hauptthema.

Bibelfit Leitfaden und das Problem der Tauschgeschäfte

Um dabei zu helfen, kannst du dir hier den Bibelfit-Leitfaden für bessere Lebensentscheidungen kostenfrei mitnehmen. Es handelt sich um eine Übersicht, die auf meinen eigenen zehntausend Stunden Berufserfahrung als Berater basiert.

Was sind die vier Punkte? Wenn die meisten meiner Klienten diese vier Punkte beherzigt hätten, wäre ihnen ein großer Teil des Leids in ihrem Leben erspart geblieben.

Früher haben sich Klienten in meiner Beratungsstelle den Leitfaden gern mitgenommen und dann weiter verschenkt. Du kannst ihn jetzt zusammen mit einem extra Erklärvideo hier online gratis erhalten. Klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.

Wir leben in einer Welt, in der Tauschgeschäfte normal sind. Wir wachsen damit auf: Tauschgeschäfte sind überall. Ich tausche meine Zeit gegen Geld und gehe irgendwo arbeiten. Ich tausche Geld gegen eine Wohnung und schließe einen Mietvertrag ab. Ich tausche Geld gegen Käse, den ich im Supermarkt kaufe, oder gegen ein T-Shirt, das ich irgendwo kaufe. Überall gibt es Tauschgeschäfte.

Dadurch sind wir auch im Kopf so geprägt, dass das normal ist. Das ist im Alltag nicht schlecht. Doch die Gefahr besteht, dass wir, wenn wir nicht kurz innehalten und darüber nachdenken, dieses Prinzip auch auf unsere Beziehungen übertragen.

Genau das ist der Punkt, den viele, glaube ich, nicht verstanden oder über den sie nicht nachgedacht haben: wie Beziehungen dauerhaft funktionieren können. Als Tauschgeschäft funktionieren sie nicht. Beziehungen funktionieren nur als Geschenkgemeinschaft.

Diese Klarheit finde ich besonders in der Bibel als Beziehungsratgeber von vorne bis hinten. In den meisten anderen Beziehungsratgebern taucht das in dieser Form gar nicht auf.

Das ist sehr gut, dass du das auf den Punkt bringst. Ich bin selbst nicht christlich aufgewachsen und kannte nur das weltliche Bild von Beziehung. Über Ehe müssen wir gar nicht reden – da habe ich lange gebraucht, um zu verstehen und wirklich zu verinnerlichen, dass es so nicht funktioniert.

Ich sage vorsichtig, ich habe erst angefangen zu begreifen, dass es nicht um ein Quid pro Quo, Tauziehen oder Ähnliches geht, sondern darum, erst einmal zu geben, ohne sofort etwas zurückzuverlangen. Du hast es besser ausgedrückt, als ich es könnte, aber es resoniert gerade sehr stark mit mir.

Unterschiedliche Beziehungsformen und der Bund der Ehe

Jetzt haben wir viel darüber gesprochen, wie Männlein und Weiblein zueinanderstehen können. Dabei gibt es in der Bibel verschiedene Abstufungen. Es gibt zum Beispiel die Freundschaft, die Datingphase, die Beziehung und schließlich die Ehe. Die Ehe ist vor Gott etwas ganz Besonderes.

Aber wo liegt der Unterschied zwischen dem Kennenlernen, einer Beziehung und der Heirat? Der wesentliche Unterschied zwischen Freundschaft und Ehe ist der Grad der Verbindlichkeit und der Platz, den Gott darin einnimmt. Biblisch betrachtet ist die Ehe ein Bund. Jeder Bund, den Gott in der Bibel schließt – etwa mit Abraham oder Mose – geht von ihm aus. Er ist der Garant des Bundes und wird ihn niemals brechen. Er wird immer seinen Anteil leisten, damit der Bund erfüllt wird.

Das ist, aus Gottes Sicht, der größte Unterschied. Freundschaft ist gut und wichtig, aber ein Bund bedeutet, dass zwei Menschen vor Gott treten und gemeinsam mit ihm diesen Ehebund eingehen. Wenn man das in den drei Beziehungsdimensionen betrachtet, ist es wie ein Beziehungsviereck, in dem Gott den Bund schließt. Wir sagen zwar „Ja“ zueinander, aber derjenige, der den Bund schließt, ist Gott – nicht wir. Das ist zumindest bei einer christlichen Trauung und Ehe der Fall.

Wozu sagen wir eigentlich „Ja“? Was passiert, wenn wir heiraten? Der große Unterschied zwischen Freundschaft und Ehe ist die Heirat. Das ist der große Moment, den viele als den wichtigsten Tag ihres Lebens sehen. An diesem Tag wählt man, mit wem man den Rest des Lebens verbunden sein möchte. Oft denken wir, wir wählen nur den Partner. Ich glaube aber, wir wählen viel mehr. Aus meiner Sicht sind es drei Dinge:

Erstens wähle ich die Eheform, die wir eingehen wollen.
Zweitens wähle ich, wie ich in die Ehe hineingehe und mit meiner Vergangenheit umgehe.
Drittens wähle ich meinen Partner.

Ich gehe auf die drei Punkte ein und beginne mit der Eheform, weil die Partnerwahl oft als einziges Element gesehen wird, meiner Meinung nach aber nur eines von mehreren ist.

Was meine ich mit der Wahl der Eheform? Weltlich betrachtet gibt es viele Vorstellungen und Motive für die Ehe. Weit verbreitet ist das romantische Bild, das uns die romantische Liebe vermittelt – ein Harmonieprinzip. Das ist an dem Tag der Hochzeit oft schön, aber es fängt ja erst an und soll ein Leben lang weitergehen. Wenn man mit diesem Bild startet, sind Konflikte schwierig. Sie werden als Ausdruck fehlender Liebe gesehen. Man wünscht sich Harmonie und dass alles schön bleibt.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es das Bild von Ehe als praktischem Arrangement. So nach dem Motto: „Wir sind jetzt vier Jahre zusammen, da können wir auch heiraten.“ In Deutschland gibt es steuerliche Vorteile, etwa das Ehegattensplitting. Manche heiraten im Dezember, um den Steuervorteil für das ganze Jahr zu bekommen, obwohl sie nur wenige Wochen verheiratet sind. Das ist praktisch und wird so gemacht.

Dann gibt es noch die Vorstellung „Wir sind füreinander bestimmt“. Das höre ich oft in christlichen Kreisen: „Gott hat uns zusammengeführt.“ Das kann sein, aber ich glaube nicht, dass Gott das so macht. Er führt vielleicht Menschen zusammen, die zusammenpassen könnten. Wichtig ist, dass ich wähle. Sonst passiert das, was im Paradies nach dem Sündenfall geschah: Gott fragt Adam, wo er ist, und Adam antwortet, die Frau, die du mir gegeben hast. Die Gefahr besteht, dass ich Gott die Schuld gebe, wenn es nicht läuft, und sage: „Gott, du hast mir diese Frau gegeben, aber sie ist nicht nett zu mir.“ Das ist nicht Gottes Idee.

Deshalb ist es wichtig, dass wir wählen – nicht nur den Partner, sondern auch die Art der Ehe. Eine weitere weltliche Vorstellung ist die der Ehe als „Glückshafen“. „Endlich bin ich verheiratet, ich bin kein Single mehr, und jetzt wird mich jemand bis ans Lebensende glücklich machen.“ Das ist die Umkehrung des Agape-Liebe-Prinzips. Ich suche nicht meinen Traumpartner oder Seelenverwandten, sondern trete mit Gott als Garant in den Bund ein und entscheide mich, jemandem meine Agape-Liebe zu schenken – in guten wie in schlechten Tagen.

Das ist ein ganz anderes Bild von Ehe. Es ist nicht nur eine Beziehung zwischen mir und meiner Frau, sondern eine Beziehung mit Gott an der Spitze, der seinen Beitrag leistet. Auf ihn kann ich mich verlassen, wir sind nicht allein unterwegs. Es gibt die Bibelstelle: „Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ Eine andere Übersetzung sagt: „Nicht trennen.“ Das ist wichtig. Es geht nicht nur um Scheidung, sondern um das Ende vieler trennender Momente.

Alles, was den Liebesfluss stört und zerstört, ist trennend. Wenn ich mich zurückziehe, etwas Unfreundliches sage oder versuche, meine Frau zu verändern, sind das trennende Verhaltensweisen. Am Ende kann eine Scheidung stehen, aber es fängt viel früher an. Dieses „Nichttrennen“ gelingt mit Gottes Hilfe besser als mit einem romantischen Glückshafenbild.

Deshalb ist es wichtig, sich klar zu sein, welche Art von Ehe wir führen wollen. Es ist gut, wenn beide dieselbe Vorstellung haben. Wenn der eine die Ehe als praktisches Arrangement sieht und der andere als Bund mit Gott und Agape-Liebe, funktioniert das nicht.

Das zweite Thema ist: Wie gehe ich mit meiner Vergangenheit um? Auch das ist eine Wahl. Ich gehe als ganzer Mensch in die Ehe – mit Stärken, Schwächen, Prägungen und Erfahrungen. Manche sind hilfreich für eine lebenslange Ehe, andere nicht. Ich habe das Bild einer Reise vor Augen: Was nehme ich mit?

Wenn ich Strandurlaub mache, packe ich Badehose, Schwimmbrille, Sonnencreme ein, aber keine Bettwäsche oder Schlafsack, weil das im Hotel vorhanden ist. Bei einer Alpenüberquerung brauche ich andere Dinge, etwa Pflaster, wetterfeste Kleidung, und nehme wenig Gepäck mit.

So ist es auch bei der Ehe. Wenn ich die Ehe als praktisches Arrangement sehe, kann ich vieles mitnehmen. Wenn ich aber in einen Ehebund auf Agape-Liebe eingehe, sind manche Erfahrungen und Verhaltensweisen hinderlich. Ich habe vielleicht Verletzungen erlebt und ziehe mich schnell zurück. Das ist nicht förderlich für eine Ehe, die auf Agape-Liebe beruht. Ich bin verantwortlich, mein Gepäck zu prüfen und nur das mitzunehmen, was hilfreich ist.

Wir empfehlen Paaren, ihre Liebesfähigkeit, ihr Bild von Liebe und ihr Verhalten in engen Beziehungen – etwa Familie und Freundschaften – zu reflektieren. Wie verhalte ich mich bei Konflikten? Sind das Muster, die eine lebenslange Ehe fördern? Wenn nicht, gibt es Möglichkeiten, daran zu arbeiten.

Das gelingt nicht immer, denn in der Ehe kommen oft Dinge zum Vorschein, die vorher nicht klar waren. Die meisten Eheprobleme entstehen nicht wegen der Ehe, sondern weil jeder Dinge mitbringt, die nicht förderlich sind. Diese zeigen sich in der engen Beziehung.

Das dritte Thema ist die Partnerwahl. Dabei gibt es verschiedene Perspektiven. Oft spielen äußere Merkmale eine Rolle: Aussehen, Sportlichkeit, soziale Stellung, Einkommen, Beruf, Freundeskreis. Das Problem ist, dass das alles vergänglich ist. Falten, Gesundheit und andere Veränderungen können kommen.

Deshalb ist es wichtig, die Frage zu stellen: Wem möchte ich meine Liebe schenken – nicht wer macht mich glücklich. Das ist eine völlige Umkehrung der weltlichen Sichtweise. Früher dachte ich: Mein Ziel ist es, maximal glücklich zu sein. Welchen Menschen kann ich dafür am besten nutzen? Das klingt wie ein Patentrezept, das aber nicht funktioniert. Es ist im Grunde: Ich liebe mich und brauche dich dafür.

Das ist eine unmögliche Verantwortung für den Partner und widerspricht Gottes Idee von Liebe, Beziehung und Ehe. Es geht darum, dass zwei Menschen sich ihre Liebe schenken und jeder zu hundert Prozent für seinen Teil verantwortlich ist.

Deshalb ist der Unterschied zwischen Standesamt und kirchlicher Trauung so groß. Es geht nicht nur um das schönere Gebäude. Bei der kirchlichen Trauung wird eine andere Frage gestellt. Beim Standesamt schließe ich einen Vertrag. Der Standesbeamte sagt nach dem Ja-Wort: „Hiermit erkläre ich Sie rechtmäßig nach deutschem Recht für Mann und Frau.“ Die meisten haben das Kleingedruckte im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht gelesen. Dort geht es vor allem um Scheidung und finanzielle Regelungen, nicht um das, was Ehe eigentlich ist.

Die kirchliche Trauung ist anders. Die Frage lautet: „Michael, ich frage dich vor Gottes Angesicht: Nimmst du deine Braut Nelly als deine Frau und versprichst du ihr, die Treue zu halten in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, sie zu lieben, zu ehren und zu achten, bis der Tod euch scheidet?“ Die Antwort ist: „Ja, mit Gottes Hilfe.“

Das ist eine ganz andere Frage als beim Standesamt. Entscheidend ist das Wort „versprichst du?“ – ich gebe ein Versprechen ab, keinen Vertrag. Und das Schlusswort „Ja, mit Gottes Hilfe“ zeigt, dass ich weiß, dass ich dieses Versprechen nicht allein halten kann. Agape-Liebe ist menschlich kaum möglich ohne Gottes Hilfe. Selbst mit Gottes Hilfe gelingt es nicht immer, und ich brauche die Gnade, Barmherzigkeit und Geduld meiner Frau und umgekehrt.

Das zeigt den Unterschied zwischen weltlichem und göttlichem Eheverständnis. Es geht um eine andere Geisteshaltung und Herzenshaltung. Ich übernehme hundertprozentig Verantwortung für mein Versprechen. Meine Frau kann keine Verantwortung für mein Versprechen übernehmen und ich nicht für ihres. Das führt zur Freiheit: Ich trage meinen Teil und bin froh, nicht für den Anteil meiner Frau verantwortlich zu sein – und das Ganze mit Gottes Hilfe.

Michael, ich glaube, wir müssen Schluss machen. Ich bin emotional nicht mehr aufnahmefähig. So spannend, was du erzählt hast. Drück gern auf die Glocke unter diesem Video, damit mehr Paare solche Inhalte sehen und Christen in Deutschland besser verstehen, was Gott unter Ehe versteht. Vielen Dank.

Das haut mich um. Ich höre das nicht zum ersten Mal, aber trotzdem – emotional bin ich vom Stuhl gefallen. Das ist ein ganz anderes Ding und eine große Sache. Es geht darum, seine Rolle und die des Ehepartners wahrzunehmen und welche Rolle Gott darin spielt. Das ist krass.

Trotzdem: Wenn wir in die Ehe gehen, hoffen wir, meistens gesund zu sein, eher Reichtum als Armut zu haben und dass die guten Tage die schlechten überwiegen. Aber das ist nicht immer so. Vielleicht ist es bei dir oder mir auch anders.

Woher weiß ich am Ende, dass ich das Versprechen dem richtigen Menschen gegeben habe? Woher weiß ich, dass ich gut gewählt habe? Das Gute ist: Es hängt nicht vom Menschen ab, sondern von der Qualität meiner Wahl. Ich habe mich entschieden, meiner Frau meine Liebe zu schenken – in guten wie in schlechten Tagen.

Die Realität sieht manchmal anders aus. Es ist wichtig zu verstehen, was diese Wahl bedeutet. Sie heißt, ich habe Nelly angenommen, so wie sie ist und wie sie sich verändern wird. Wir verändern uns jeden Tag, und damit verändert sich auch unsere Ehe. Eine lebendige Ehe verändert sich ständig. Eine Ehe, die sich nicht verändert, ist tot.

Das bringt Herausforderungen mit sich. Wir verändern uns nicht immer zum Guten. Manche Muster wie Rückzug oder Schwierigkeiten, Wertschätzung auszudrücken, sind Lernfelder. Wer sagt, dass das mit zunehmendem Alter nicht schlimmer wird? Es kann passieren.

Was passiert, wenn einer von uns schwer krank wird oder im Rollstuhl sitzt? Dann ist die Liebe nicht hinfällig. Meine Entscheidung hängt nicht davon ab, ob Nelly auf ihren Füßen oder mit vier Rädern unterwegs ist. Das ist unabhängig davon.

Wie weiß ich, ob ich gut gewählt habe? Viele suchen Sicherheit. Aber die finde ich nicht beim anderen, sondern bei mir selbst. Ich sollte prüfen, ob ich mein Ja zur Ehe, zum Umgang mit meiner Vergangenheit und zu meiner Frau in Freiheit getroffen habe. Oder ob ich es unter Druck getan habe, etwa „Wenn du mich nicht heiratest, verlasse ich dich.“

Wenn wir uns in der Ehe wie im Gefängnis fühlen, gibt es zwei Möglichkeiten: Ich will raus oder ich sitze es ab. Beides führt nicht dazu, dass wir glücklich sind. Paare, die sich wirklich entschieden haben, finden Wege, miteinander umzugehen, wenn es schlechte Tage gibt. Andere suchen Ausreden oder Auswege, etwa Trennung oder Scheidung.

Ich habe das selbst erlebt und kann es nicht empfehlen. Natürlich gibt es Fälle von Gewalt oder kriminellen Machenschaften, da ist Trennung ein Thema. Aber der Normalfall ist, dass man sich in trennendem Verhalten verloren hat und kein Frieden oder Liebe mehr da ist.

Wenn ich mich entschieden habe, merke ich, wenn die Liebe nicht mehr fließt. Dann gehe ich mit der Haltung ran: Trennung ist keine Option, aber Mangel an Liebesfluss auch nicht. Was kann ich tun? Ich fange bei mir an, um den Liebesfluss wieder in Gang zu bringen.

Das ist oft kontraintuitiv und entgegen unserer menschlichen Natur. Paulus würde sagen, es ist nicht fleischlich, sondern geistlich. Ich bin jeden Tag mit Gott dran, meine Impulse wahrzunehmen und Verantwortung zu übernehmen. Mit Gottes Hilfe kann ich anders reagieren als aus eigener Kraft.

Du hast oft von Entscheidungen und bewusster Wahl gesprochen. Was ist, wenn Menschen die Entscheidung nicht bewusst getroffen haben? Vielleicht waren sie jung, beeinflussbar oder sind erst später zum Glauben gekommen. Dann hatten sie ein anderes Verständnis von Ehe und haben sich auf etwas anderes eingelassen als Gott vorgesehen hat.

Ist es dann zu spät? Gibt es Hoffnung? Ja, es gibt Hoffnung. Ich habe das nicht nur in der Seelsorge erlebt, sondern auch persönlich. Ich bin geschieden und habe zweimal geheiratet. Selbst bei der zweiten Ehe war ich nicht so bewusst in meiner Wahl. Es ist ideal, wenn man das vorher macht, aber es ist nie zu spät.

Mein Versprechen bei der Heirat kann ich jeden Tag halten oder brechen. Ich bestätige meine Wahl jeden Tag neu. Wenn du merkst, dass du nicht bewusst gewählt hast, kannst du das jetzt nachholen und sagen: „Ich möchte das bewusst tun.“

Du kannst deine Wahl jeden Tag neu bestätigen und dein Versprechen halten. Wenn ihr das beide bewusst macht, könnt ihr euren Eheversprechen symbolisch erneuern – allein oder mit anderen. Das wirkt auf Herz, Haltung und Liebesfluss.

Mit Gottes Hilfe könnt ihr den Liebesfluss immer wieder in Gang bringen, bereinigen, was schadet, und das Leben im Ehebund neu aufstellen – mit Gott als Garant und Hilfe.

Deine Wahl ist entscheidend, und Gott gibt seinen Teil dazu, weil er segnen will.

Wenn du noch Single bist, denkst du vielleicht, du kannst das alles nicht üben, weil du erst einen Partner brauchst. Das ist eine große Lüge. Du kannst es überall üben. Das Liebesgebot „Liebe den Herrn deinen Gott und deinen Nächsten wie dich selbst“ gilt für jeden Nächsten, nicht nur für Ehepartner.

Ob du in einer WG wohnst, bei deinen Eltern, Geschwistern oder Freunden – jede Beziehung funktioniert am besten, wenn sie auf Agape-Liebe beruht und du Gott als Liebesquelle annimmst.

So kannst du deine Liebes- und Beziehungsfähigkeit wachsen lassen und Gottes Prinzipien von Liebe, Beziehung und Ehe erleben und erlernen.

Es ist wichtig, deine menschlichen Impulse wahrzunehmen, zu überwinden und zu erleben, was passiert, wenn du jemandem in Liebe begegnest, der dich verletzt hat. Wenn du innerlich vergibst und dann in Liebe auf diese Person zugehst, kannst du sehen, wie sich eure Beziehung verändert.

Du musst nicht verheiratet sein, um Gottes Prinzipien von Liebe, Beziehung und Ehe kennenzulernen und darin zu wachsen. Das ist das Eine.

Persönlicher Glaubensweg und lebendige Beziehung mit Gott

Ich bin ja noch gar nicht so lange Christ. Zwar bin ich in einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen und habe meine Kindheit und Jugend in der katholischen Kirche verbracht. Sogar wurde ich einmal zum Messdiener des Jahres gewählt. Im Nachhinein ist mir aber klar geworden: Ich habe damals Kirche gehen gelernt, aber Gott nicht. Das hat sich vor ungefähr acht Jahren geändert.

Damals sind Nelli und ich, ohne großartig zu planen – wir müssen da gar nicht ins Detail gehen – in einer Kirche gelandet, wo wir etwas ganz anderes erlebt haben. Ich erinnere mich noch, dass eine der ersten Predigten, die ich dort hörte, ein bestimmtes Thema hatte. Ich weiß nicht mehr genau, worum es ging, aber der Pastor sagte einen Satz, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: „Eine lebendige Beziehung mit Gott.“ Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber ich erinnere mich an das Gefühl, das ich dabei hatte, als ich zum ersten Mal in meinem Leben diesen Ausdruck hörte.

Das hat mich von oben bis unten durchdrungen. Ich hatte damals keine Ahnung, was das bedeutet, aber ich wusste, da ist etwas dran, und das wollte ich haben. Ich habe mich auf diesen Weg gemacht. Es klingt ja erst einmal schön: Gott als Liebesquelle. Aber wie wird diese Liebe lebendig in mir? Was passiert, wenn ich von Liebe erfüllt sein will?

Das ist wie beim Autofahren: Wenn der Tank leer ist, gehe ich an die Tankstelle, tanke auf und fahre weiter. So weit, so gut. Dann kommt der unangenehme Teil: Man muss auch dafür bezahlen. Wenn ich dieses Bild auf die Liebe übertrage, sind wir alle liebensbedürftig. Das ist einfach Teil unserer menschlichen Natur. Doch wo stille ich diese Liebe?

Da gibt es viele Möglichkeiten: Netflix, Schokolade, Shopping oder was auch immer. Aber oft stelle ich fest, dass das alles nicht funktioniert. Vielleicht ist der bessere Weg, zu Gott zu gehen und zu sagen: „Okay, Gott, du weißt, ich brauche jetzt Liebe. Ich wünsche mir das von dir und komme einfach zu dir.“ Leg dich auf den Boden, stell dich hin, mach die Arme auf, öffne dein Herz und probiere einfach mal aus, was passiert. Frag Gott, wie er dir seine Liebe schenken möchte. Vielleicht zeigt er dir ein anderes, ein schöneres Bild als die Tankstelle.

Das Gute ist auch: Wenn ich zu Gott gehe und mich füllen lasse, dann kommt diese Liebe von ihm – die Agape-Liebe – als Geschenk. Dafür braucht es meinen Anteil, nämlich zu Gott zu gehen und zu sagen: „Gott, ich wünsche mir, dass du mich mit deiner Liebe füllst.“ Damit habe nicht nur ich Liebe, sondern ich habe auch etwas für die Menschen um mich herum, das ich weitergeben kann.

Kürzlich hatte ich ein spannendes Erlebnis. Wir hatten ein Männercamp in unserer Kirche. Markus, du warst angemeldet, konntest aber leider krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Morgens um sieben haben wir einen kleinen Gang auf den Berg gemacht. Von Jesus wird berichtet, dass er morgens früh allein auf den Berg ging, um zu beten. Wir haben das in Gemeinschaft gemacht, mit mehreren Männern.

Auf dem Weg nach oben hatte ich genau dieses Thema im Kopf: sich von Gott füllen lassen und das einfach mal ausprobieren. Oben auf dem Berg, in der Stille, mit einem tollen Blick auf den Sonnenaufgang. Wir sind in Stille hochgegangen, jeder für sich im Dialog mit Gott. Ich war mit Gott im Gespräch über meinen „Liebestank“ und den Wunsch, mich von ihm mit Liebe füllen zu lassen.

Ich möchte das heute vielleicht noch einmal anders erleben als bisher, um zu sehen, ob Gott mich überraschen möchte. Dabei kam in mir die Frage auf: „Michael, wie sieht es eigentlich mit deiner Lebensfreude aus?“ Das ist ein Thema, mit dem Gott mich schon mehrmals konfrontiert hat. Er hat mich aufgefordert, mich damit zu beschäftigen.

Ich spürte in mich hinein und schätzte meinen „Lebensfreudetank“ auf ungefähr ein Drittel gefüllt. Für mich war das in dem Moment ganz okay, ich fühlte mich damit wohl. Das reichte mir. Doch Gott sagte: „Dir vielleicht, aber ich habe etwas anderes für dich vorgesehen.“ Das hat mich einerseits ertappt, aber wenn Gott etwas offenbart, dann nicht, um mich schlecht dastehen zu lassen, sondern um mir zu zeigen, wo er mich beschenken und verändern möchte.

Dann kam noch ein weiterer Gedanke: „Du schaust gar nicht bewusst auf deinen Lebenstank.“ Das stimmt. Ich hatte monatelang nicht wirklich darauf geachtet, nur in diesem Moment und dachte: „Ja, ein Drittel, das ist eigentlich okay.“ Also schaue ich gar nicht hin und gehe dementsprechend auch nicht zu Gott und sage: „Hey Gott, ich wünsche mir mehr Lebensfreude von dir.“

Freude ist die Frucht des Geistes, das lesen wir im Galaterbrief. Das bedeutet, ich kann Freude nicht selbst produzieren. Was wir oft für Lebensfreude halten – uns beschenken, tolle Sachen kaufen, Erlebnisse haben – ist für mich nicht echte Freude, sondern Vergnügen. Vergnügen braucht einen äußeren Anlass, äußere Bedingungen. Wenn diese wegfallen, zum Beispiel nach einer schönen Bergwanderung, dann ist das Vergnügen vorbei. Vielleicht zehre ich noch ein oder zwei Tage davon, habe schöne Erinnerungen, aber das führt nicht dazu, dass ich nachhaltig mit Freude erfüllt bin. Diese Freude ist unabhängig davon, ob der Tag gut oder schlecht ist.

Ich glaube, so verhält es sich auch mit der lebendigen Beziehung zu Gott. Es geht darum, zu Gott zu gehen und das Bewusstsein zu haben, dass er mich mit seiner Liebe beschenken möchte. Damit ich erfüllt bin und diese Liebe weitergeben kann. Wo stehe ich da? Habe ich Gottes Liebe empfangen? Habe ich eine Sehnsucht danach? Und welcher Weg ist für mich gut, um das zu erleben?

Es kommt nicht nur auf die Gefühle an, aber ich glaube, sie kommen mit der Zeit. Ich spüre, ob ich voll von Liebe bin, so berstend voll, dass sie aus mir herausfließt, oder ob ich eher leer bin. Einen Weg zu finden und sich mit Gott auf diesen Weg zu machen – das ist lebendige Beziehung. Zum Beispiel mit dem Thema Liebe anzufangen.

Eine lebendige Beziehung zu Gott muss man sich immer wieder vor Augen führen. Das Entscheidende daran ist: Es geht immer von Gott aus. Er macht immer den ersten Schritt, auch beim Thema Liebe. Da ist dieses Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen.“ Aber vorher steht: „Ich habe dich zuerst geliebt.“ Dieses Bewusstsein ist wichtig: Gott hat dich ausgewählt, sein Kind zu sein.

Er ist der liebende Vater, der nichts lieber tun möchte, als seine Kinder zu beschenken und zu erziehen. Aber nicht, um sie zu unterdrücken, sondern damit sie leben. Das ist auch der Sinn der Gebote, die wir im Alten Testament finden. Wozu sind diese Gebote da? Ganz oft steht dabei: „Damit du lebst.“ Nicht, damit Gott dich unterdrücken kann oder dir etwas wegnehmen möchte, sondern damit du lebst.

Gott weiß, wie Leben geht, wie Beziehung funktioniert und wie Liebe fließen kann. Deshalb finde ich die Bibel den Beziehungsratgeber Nummer eins. Wenn wir gegen diese geistlichen Naturgesetze verstoßen, wundern wir uns über die zerstörerischen Folgen.

Das könnte ich nicht mehr unterschreiben. Ich fahre mit 200 km/h auf der Autobahn, möchte an der Ausfahrt raus und bremse nicht. Das kann ich machen, aber dann brauche ich mich nicht zu beschweren, wenn die Fliehkraft und die Reibungskraft in einer engen Ausfahrt nicht ausreichen. Gott hat mich nicht bestraft, der Autohersteller auch nicht, und der Bauherr der Autobahn ebenfalls nicht.

Eine Bibelstelle, die mir lange Zeit oft gelesen, aber nicht bewusst war, ist Römer 8,1-2: Das Gesetz des Geistes des Lebens und das Gesetz der Sünde und des Todes. Es ist mir nie bewusst gewesen, dass da „Gesetz“ steht. Und zwar Gesetz nicht im Sinne von niedergeschriebenen Regeln, sondern wie Naturgesetze.

Es gibt das Gesetz der Sünde – und das ist da. Es gibt aber auch ein anderes, übergeordnetes Gesetz, das stärker ist. Ein schönes Bild, das nicht von mir stammt: Das Gesetz der Schwerkraft kann ich überwinden durch ein anderes, stärkeres Naturgesetz, zum Beispiel das Flugzeug. Solange ich fliege, wirkt die Schwerkraft weiter, aber ich merke sie erst, wenn ich auf die Idee komme, oben die Tür zu öffnen und rauszuspringen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn man Galater 5 liest: die Werke des Fleisches und die Frucht des Geistes. Jeder Mensch spürt, dass die Frucht des Geistes gut ist, dass es sich gut anfühlt. Das andere nicht.

Ein Bild, das mir dazu einfällt, ist das Glas: Jeder weiß, wenn ich das Glas fallen lasse, wird es zerbrechen. Warum sollte ich das tun? Es ist doch dumm. Aber wenn man Menschen sagt, gegen Gottes geistliche Gesetze und die Gesetze von Liebe und Beziehung zu verstoßen, fühlen sie sich oft angegriffen.

Viele Menschen haben das Gefühl, in Beziehungen fremdgesteuert zu sein. Nach dem Motto, wie Paulus sagt: „Ich tue nicht, was ich will, sondern was in mir handelt.“ Dann fragt man sich: Was oder wer handelt da in dir?

Viele wollen auch nicht die Konsequenzen ihrer Taten übernehmen. Das kenne ich von mir selbst gut. Es ist kein Thema im Sinne von Ignoranz, sondern eher dieses: Ich will mich nicht beschränken lassen. Das ist die Vergötterung der Freiheit, von der du vorhin gesprochen hast. Eine falsch verstandene Freiheit, die meint: „Ich bin frei von allen Beschränkungen.“ Aber nicht die Freiheit, etwas zu tun, das aufbaut und Leben spendet, auch in schwierigen Situationen.

Um das überhaupt denken zu können, muss ich aus meinem Hedonismus herauskommen. Und da scheitert es oft, aber mit Gottes Hilfe – ja, mit Gottes Hilfe, Amen.

Ohne Gott scheitert es auch beim Thema Umgang mit meiner Schuld und der Vergebung meiner Schuld. Ein anderer Mensch kann mir nicht wirklich vergeben. Man kann zwar sagen: „Ich habe mich entschuldigt, der andere vergibt mir, und damit ist es bereinigt.“ Vielleicht fühlt es sich in gewissem Maße so an, aber damit bin ich in einer vollkommenen gegenseitigen Abhängigkeit.

Absolut. Michael, vielen herzlichen Dank für alles.

Gerne. Ich bin schon gespannt, wie du aus den zweieinhalb Stunden Aufnahme jetzt 38 Minuten machst.

Ich auch.