Hallo zusammen! Es könnte durchaus sein, dass sich der eine oder andere in ein paar Minuten auf den Schlips getreten fühlt. Aber gerade jetzt, wo das Jahr zu Ende geht, habe ich nachgedacht.
Ich habe nachgedacht, weil in den letzten zwei, drei Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz in unserer Christenheit einige Dinge ziemlich gut gelaufen sind, andere dagegen echt schlecht. Das können wir auch mal ehrlich aussprechen.
Ich bekomme ja auch von euch viele Leserbriefe, zahlreiche Zuschriften und Kommentare. Aus all dem Feedback, das ihr mir gebt, habe ich überlegt: Was können wir als Christenheit nächstes Jahr vielleicht besser machen? Welche Dinge sollten wir alle besser begreifen? Dabei nehme ich mich selbstkritisch völlig mit ein.
Zu den ganz großen Themen kommen wir gleich. Deshalb lass uns doch erst einmal oberflächlich anfangen.
Umgang mit Nachrichten und Informationsflut
Das Thema Nachrichten lesen – und damit meine ich nicht Benachrichtigungen auf dem Handy, obwohl das auch ein Thema wäre – sondern Nachrichten aus unserem Land und aus aller Welt. Es geht um das Lesen und Anschauen von Nachrichten.
Ich möchte hier kein Fass aufmachen zum Thema Pressefreiheit. Mir geht es um etwas viel Grundlegenderes. Überlegt doch mal selbst: Warum ist es eigentlich so, und ist es wirklich gut, dass viele von uns Nachrichten einen so großen Stellenwert in ihrem Leben einräumen?
Es ist so: Wir alle haben nur begrenzte Aufnahmefähigkeiten. Studien zeigen, dass die meisten von uns ein deutlich schlechteres Gedächtnis haben, als wir glauben. Das bedeutet, dass wir das Allermeiste, was wir sehen, hören oder lesen, wieder vergessen werden. Ein Ohr rein, anderes Ohr wieder raus – sage ich auch ganz selbstkritisch als der Typ mit dem Bücherregal.
Schau auch mal in deinen eigenen Kalender: Wir haben nur sehr begrenzte Stunden am Tag zur Verfügung. Überlege einfach mal, wie viel Energie und wie viel Platz im Kopf das einnimmt, wie viel Raum es in deinem Herzen beansprucht, wie viel Lebenszeit und Arbeitszeit dafür draufgeht. Und jetzt mal ganz platt: Rechne das in Euro um, in deinen Stundenlohn. Wie viel Geld „verschwenden“ so viele von uns damit, Nachrichten zu schauen, zu hören oder zu lesen?
Überleg doch einfach mal, ob das wirklich das ist, was wir in der Tiefe wollen. Mal in Zahlen: Ein Menschenleben hat weniger als 800.000 Stunden. Wenn du also 800.000 Stunden verbracht hast, hast du ein ganzes Menschenleben genutzt.
Das heißt, wenn 40 Millionen Menschen in Deutschland acht Minuten Nachrichten schauen, dann geht dafür ein komplettes Menschenleben drauf. Bedeutet das jetzt, dass du keine Nachrichten mehr schauen sollst, dich einigeln und von der Außenwelt abschotten musst oder nie wieder wählen darfst? Natürlich nicht.
Aber es heißt vielleicht, ein Stück weit ehrlicher zu werden. Das bedeutet, dass wir uns selbstkritisch anschauen, ob das, was wir tun, verhältnismäßig ist. Und uns hinterfragen: Wollen wir das überhaupt? Wollen wir süchtig sein nach Informationen über Dinge, die völlig außerhalb unseres Einflussbereichs liegen? Wollen wir täglich an unseren Fernsehern, Handys, Tablets oder anderen Geräten kleben?
Wollen wir als Christen wirklich, dass jede zweite Predigt, jede mindestens dritte kirchliche Verlautbarung wie ein Kommentar zur Tagesschau klingt? Ist das wirklich gesund für unsere Seelen?
Und dann wundern wir uns, warum in Deutschland immer mehr Menschen Gefühle von Hilflosigkeit und Angst haben und warum psychische Auffälligkeiten zunehmen. Ursache und Wirkung – denk mal selbst darüber nach.
Ich habe es hier schon mehrfach empfohlen: Prediger sollten in den Wochen vor ihren Predigten vielleicht lieber keine Nachrichten lesen. Ist es wirklich so, dass manche Prediger Angst haben, ihnen würden die Themen ausgehen, wenn sie die Zeitung vom Vorabend nicht gelesen haben? Das kann doch nicht sein.
Meine persönliche Meinung – und du darfst das gerne anders sehen – ist, dass es Predigten nicht schlechter, sondern besser macht, über zeitlose Wahrheiten zu sprechen und Fragen aus der Gemeinde zu beantworten.
Du musst dir einfach vor Augen halten: 99 Prozent der Themen, die gestern noch hochbrisant waren, spielen in fünf Jahren keine Rolle mehr und werden keinen Einfluss auf unseren Alltag haben.
Ein letzter Punkt dazu: Deutschland ist nicht die Welt. Manchmal haben wir so eine Scheuklappenaufsicht und sind so kurzsichtig, dass wir völlig vergessen, dass 99 Prozent aller Menschen auf der Welt nicht in Deutschland leben. Und dass 99 Prozent von allem, was auf der Welt passiert, mit Deutschland fast nichts zu tun haben. Einfach nur so als Gedanke zum Thema Selbstüberschätzung.
Es ist manchmal so: Manche Leute binge-watchen, also schauen ohne Pause am Stück Serien auf den üblichen Streamingportalen – und behandeln das wie Nachrichten. Ich weiß einfach nicht, ob das wirklich der Weg ist, wie du dein Leben verbringen willst und ob das für deine Seele gesund ist.
Entschuldige die harten Ansagen, aber ich bin davon überzeugt, dass es Sinn macht und gut ist, sich nicht von Schlagzeilen jagen zu lassen, sondern bei dem zu bleiben, was gestern wahr war und morgen noch wahr sein wird.
Einführung in die Themenreihe und Angebote
Und damit willkommen beim Bibelfürdienst. Hier versuchen wir, beständig und zugleich tief in die Bibel einzutauchen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.
Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All das gibt es kostenlos auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.
Wir steigen gleich weiter zu den ganz großen Themen ein. Schauen wir uns die nächsten Punkte an, bei denen ich denke, dass es gut wäre, wenn wir Christen sie besser verstehen würden.
Naivität im Glaubensalltag
Naivität ist nicht gut. Ich habe viele Jahre als Berater gearbeitet und dabei oft erlebt, dass unter den Hunderten und Tausenden Menschen, für die ich Workshops gegeben habe, besonders viele Christen recht naiv waren.
Bei denjenigen, die an meinem Beratungstisch saßen oder bei 1-zu-1- oder 1-zu-2-Terminen, musste ich oft feststellen, dass manche nach dem Motto lebten: „Wenn ich Christ bin, gelten für mich bestimmte Konsequenzen nicht.“ Oder: „Gott versorgt mich, ich muss mich um nichts kümmern.“
Drei reale Beispiele: Eine Medizinstudentin sagte mir, sie müsse nicht so hart für Prüfungen lernen. Wenn Gott wolle, dass sie bestehe, käme sie auch so durchs Studium. Da dachte ich: „Wow, ich glaube nicht, dass ich in zwei Jahren dein Patient sein will.“
Ein weiteres Beispiel: „Ich muss nicht so viele Bewerbungsgespräche führen. Wenn Gott das will, bekomme ich sowieso den Job, den ich haben will.“ Dahinter steckt oft eine gewisse Faulheit.
Im finanziellen Bereich höre ich oft: „Ich muss meine Altersvorsorge nicht anpacken. Ich mache einfach das Minimum, um den Tag irgendwie rumzukriegen. Alles andere ist nicht mein Problem.“
Das ist wirklich kindlich. Es ist nicht gut, naiv zu sein. Vieles, was Christen in Gemeinden oder in der Wirtschaft tun, ist oft halbherzig und hemmsärmelig – das ist gar nicht nötig.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich nehme mal ein ganz einfaches Beispiel: das Thema Geschirr abwaschen. Wenn ich das oberflächlich mache, brauche ich 15 Minuten. Wenn ich es gut mache, dauert es vielleicht 17 Minuten.
Das heißt, im Grunde ist es Jacke wie Hose, die Zeit ist sowieso weg. Also kann ich es auch gleich richtig machen.
Wertschätzung von Einzelpersonen unabhängig von Familienstand
Ein weiteres Thema, das vielen helfen könnte, es besser zu verstehen, ist folgendes: Ein Christ ohne Ehepartner und ein Christ ohne Familie sind trotzdem vollwertige Christen.
Manchmal scheint es so, als würden manche Menschen denken, dass Christen ohne Ehepartner oder Kinder Christen zweiter Klasse seien oder dass ihnen etwas fehle oder mit ihnen etwas nicht stimme. Dieses Denken geht sogar so weit, dass ich Anfang dieses Jahres eine Zeit lang Leserbriefe von jungen Frauen bekommen habe. Diese berichteten, sie hätten sich in ihren Gemeinden regelrecht bedrängt gefühlt, zu heiraten. Und wenn sie verheiratet waren, dann gleich ein Kind bekommen sollten. War ein Kind da, wurde erwartet, dass bald das nächste folgt.
Aus dieser Haltung ist sehr viel Leid entstanden, sagt Hans-Peter Reuer dazu. Sinngemäß meint er: Es gibt nichts im Verheiratetsein, das man braucht, um ein vollwertiger Christ zu sein.
Zum Thema, ob es wirklich biblisch ist, dass Christen Kinder bekommen müssen, haben wir uns dieses Jahr die Bibel einmal genauer angeschaut. Dabei haben wir einige ziemlich überraschende Dinge entdeckt.
Wer möchte, kann gerne die Glocke unter diesem Video drücken, damit das Video auch angezeigt wird.
Respektvoller Umgang mit Gottes Namen
Die nächste Sache, die wir gut verstehen sollten, ist das Thema Blasphemie. Blasphemie bedeutet, den Namen Gottes respektlos zu gebrauchen.
Im Vaterunser gibt es sogar eine eigene Bitte: „Geheiligt werde dein Name“. Gott macht im Alten und im Neuen Testament immer wieder sehr deutlich, wie wichtig ihm sein Name ist. Dafür gibt es sogar eines der Zehn Gebote: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen.“
Ich glaube, für Gott ist das eine große Sache. Wir können es nicht einfach ignorieren, wenn Leute Ausdrücke verwenden wie „O Gott“ oder „O je“, was nur eine Kurzform von „O Jesus“ ist.
Wenn Christen solche Ausdrücke im Alltag benutzen, also völlig unnötige Redewendungen, oder wenn so etwas sogar im Gottesdienst Leuten herausrutscht, wollen wir das dann? Wollen wir das einfach so stehen lassen?
Umgang mit Emotionen und deren Realität
Nächstes Thema: Emotionen. Auch hier eine klare, liebevolle Ansage: Emotionen sind nur Emotionen. Oft sind sie zudem nicht real.
Ein Beispiel: Agoraphobie. Das bedeutet, jemand läuft über einen großen, offenen Platz und bekommt plötzlich eine Panikattacke. Er hat Angst zu sterben, und dass alle Leute ihn dabei sehen – was ihm extrem peinlich ist. Das macht die Situation noch schlimmer. Die Panikattacke selbst ist real. Das, was die Person in dem Moment fühlt, ist real. Aber das, worauf sich diese Angst bezieht – also die Angst zu sterben, wenn man über einen großen Platz läuft – das ist nicht real.
Ähnlich ist es bei Klaustrophobie. Menschen haben Angst, sie könnten sterben oder ersticken, wenn sie in einem kleinen, engen Raum sind. Das ist natürlich nicht real. Meistens stirbt oder erstickt man nicht.
Ein weiteres Beispiel: Wenn du dir einen sehr bewegenden Film anschaust oder ein emotionales Buch liest – ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich packen solche Geschichten manchmal sehr. Ich fühle mit den Charakteren mit und habe schon die eine oder andere Träne verdrückt. Die Emotion, die ich dabei empfinde, ist real. Aber das, worauf sie sich bezieht, ist nicht real. Die Handlung ist in der Realität nie passiert, die Charaktere gibt es nicht wirklich.
Das bedeutet: Du und ich können Emotionen für Dinge empfinden, die es gar nicht gibt. Das sollte man sich wirklich vor Augen halten.
Emotionen sind oft vergleichbar mit körperlichen Bedürfnissen wie Hunger. Ich habe Hunger, aber der vergeht wieder. Ich bin müde, aber irgendwann bin ich es nicht mehr. Ebenso gehen Emotionen vorüber – sowohl positive als auch negative.
Zum Beispiel ein guter Freund von uns. Er hat sein Leben lang davon geträumt, irgendwann ein Haus am Strand zu besitzen. Das war sein großer Traum. Eines Tages konnte er sich diesen Traum erfüllen und hat tatsächlich ein Haus am Strand gekauft. Nach ungefähr fünf Wochen oder vielleicht auch drei Monaten – ich weiß nicht genau – hat er sich selbst in seinen Tagebucheinträgen dabei ertappt, dass er das Haus und den Traum nicht mehr so richtig vor Augen hatte. Er spürte nicht mehr dieses tiefe Gefühl von Dankbarkeit, sondern hatte sich einfach daran gewöhnt.
Umgekehrt weiß jeder, der mit Kindern arbeitet oder selbst Kinder hat: Wenn ein kleines Kind einen Weinkrampf hat, hört dieser irgendwann auf. Ich sage nicht, dass es pädagogisch richtig ist, ein weinendes Kind einfach in die Ecke zu stellen – das weiß ich nicht. Aber ich möchte nur sagen: Emotionen, auch die größten, ob positiv oder negativ, gehen vorüber. Ein Kind wird nicht 90 Jahre lang weinen, bis es irgendwann als Rentner stirbt – so ist das nicht.
Emotionen gehen vorbei. Sie hören auf. Und du bist nicht deine Emotionen. Du bist nicht deine Emotionen, sie machen dich nicht aus. Es gibt keinen Grund, warum du und ich uns mit unseren vorübergehenden oder auch länger anhaltenden Emotionen identifizieren sollten.
Wertschätzung der technischen Möglichkeiten und Community
Nebenbei: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, was für ein Wunder es ist, dass du das hier sehen kannst? Denk einmal selbst darüber nach. Auf YouTube gibt es mehr als 20 Milliarden Videos.
YouTube hat über zwei Milliarden monatliche Zuschauer, und täglich werden zwischen drei und fünf Millionen neue Videos hochgeladen. Weißt du, was das bedeutet? Es bedeutet auch, dass du und ich von 99 Prozent aller Videos und Podcasts, von 99,9 Prozent, niemals etwas hören oder sehen werden.
Und trotzdem bist du hier, und wir beide können gerade diesen Austausch haben. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.
Weißt du, wem du das zu verdanken hast? Nicht mir, sondern ganz maßgeblich fast zehntausend Menschen, die in den letzten zweieinhalb Jahren hier die Glocke unter diesem Video gedrückt haben. Das ist so eine technische Sache: Je mehr Leute bei diesem Kanal die Glocke drücken, desto mehr spielt YouTube diesen Kanal aus und verbirgt solche Inhalte nicht.
Deshalb drückt gern mit die Glocke. Dadurch werden in den nächsten Tagen mehr Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz christliche Inhalte angezeigt, und YouTube verbirgt sie nicht.
Ausgewogene Sicht auf Wirtschaft und Wohlstand
Nächster Punkt: Die Wirtschaft ist nicht komplett böse. Viele Christen reagieren beim Thema Wirtschaft sehr hysterisch. Dabei fallen sie oft auf zwei Seiten vom Pferd.
Es gibt Menschen, die sagen so etwas wie: „Ja, Wohlstandsevangelium – je mehr Geld du hast, desto mehr gesegnet bist du, desto mehr mag Gott dich, desto näher bist du bei Gott. Deshalb muss es dein Ziel sein, so viel Geld wie möglich anzuhäufen.“ Das ist kein biblisches Konzept.
Auf der anderen Seite gibt es Leute, die behaupten, alles sei ganz böse und schlimm. Je ärmer wir sind, desto näher sind wir an Gott, und die Wirtschaft ist sowieso das Schlimmste, was es gibt. Aber so ist es nicht.
Für die Bibel ist es kein Entweder-oder. Es ist nicht so, dass du entweder einen Taufschein hast oder einen Erbschein. Es ist nicht so, dass du entweder 144 Euro im Depot hast oder Teil der 144 Versiegelten aus der Offenbarung bist. In der Bibel steht nicht, dass du entweder wohlhabend bei Gott bist oder wohlhabend auf Erden.
Es ist auch nicht so, dass du entweder einen Eintrag im Grundbuch hast oder einen Eintrag im Buch des Lebens. Diese falschen Gegenüberstellungen haben viel Leid verursacht – und vor allem Leid, das vermeidbar gewesen wäre.
Das schauen wir uns in den nächsten Wochen noch einmal genauer an, in einem kritischen Beitrag über das unbiblische Wohlstandsevangelium.
Du kannst gern die Glocke unter diesem Video drücken, damit dir das auch angezeigt wird.
Unterschied zwischen Beschreibung und Bewertung in der Bibel
Ein weiterer Punkt, den wir mehr beachten sollten, ist der Unterschied zwischen einer Beschreibung und einer Bewertung.
Eine Beschreibung gibt zunächst wieder, wie etwas ist oder wie etwas war. Eine Bewertung hingegen beurteilt, ob etwas gut oder schlecht ist, ob man es tun sollte oder lieber lassen sollte. Diese beiden Dinge sind also grundlegend verschieden.
Das findet sich auch in der Bibel. Zum Beispiel wird dort von Polygamie gesprochen, also davon, dass Menschen mit mehreren anderen Menschen verheiratet sind. Nur weil dies beschrieben wird, bedeutet das nicht automatisch, dass es eine Vorschrift ist oder dass es gutgeheißen wird.
Ebenso wird beschrieben, wie König David eine Stadt erobert. Diese Darstellung ist eine Beschreibung der Ereignisse. Das heißt jedoch keineswegs, dass wir das auch tun sollen.
Zusammenfassend gilt: Eine Beschreibung ist nicht gleichzusetzen mit einer Vorschrift.
Warnung vor Überforderung und Stresskultur
Nächster Punkt: Es ehrt uns nicht, überfordert zu sein. Viele von uns haben eine Einstellung nach dem Motto: „Ja, am Anschlag sein“, „voll im Stress sein“ oder „Es ist eine volle Woche, ein voller Monat, ein volles Jahr, immer an der Grenze zum sozialen Burnout“. Wir nehmen das irgendwie wie einen Ritterschlag.
Aber nein, das ist nicht gut, das ist nicht cool und auch nicht bewundernswert. So soll es nicht sein. Vielmehr ist das ein Alarmsignal, etwas, das wir ändern müssen.
Ein Tipp dazu: Bevor eine neue Lebensphase beginnt, bevor du dir eine neue Herausforderung suchst, ein neues Ehrenamt übernimmst, ein neues Projekt startest oder sogar einen neuen Job beginnst, solltest du erst einmal mindestens eine andere Sache loslassen – am besten zwei.
Ich selbst, als Nichtchrist, hatte damals den Eindruck – ganz subjektiv – von vielen Christen, als ich noch nicht Christ war: Viele von ihnen wirkten immer gehetzt, ständig überbeschäftigt, immer busy, immer gestresst und überfordert. Ich dachte damals, ob das bei Christen irgendwie ein Gebot ist, so zu leben, oder ob sie das vielleicht sogar gut finden.
Dem steht jedoch in der Bibel die Freude gegenüber. Dort heißt es: „Freut euch!“ Wir sollen Freude ausstrahlen. Damit hängt zusammen: Lass dich nicht so schnell ablenken.
Fülle deinen Alltag nicht so sehr, dass dein Kopf und dein Herz übervoll sind. Wie soll Gott dann noch mit dir reden? Ich persönlich bin fest davon überzeugt – du darfst das gerne anders sehen –, dass unsere Seelen dadurch Schaden nehmen und wir uns weiter von Gott entfernen.
Vergleiche das nur mal mit internationalen Christen. So viele Menschen, auch viele Glaubensgeschwister auf der Welt, haben nicht genug zu essen. Dort gibt es Kälte, Hitze, Verfolgung, kaum Gesundheitsversorgung und kaum Bibeln. Und alles, was wir tun, ist, uns mit unseren selbstgemachten Erste-Welt-Problemen zu überfordern.
Die Bedeutung des Nein-Sagens
Nächster Punkt: Du darfst auch mal Nein sagen. Du musst sogar zu vielen Dingen Nein sagen. Einfach mal hart auf hart, schwarz-weiß gemalt.
Was bist du denn am Ende des Tages für ein Mensch, wenn du bei Dingen zustimmst, die du eigentlich gar nicht willst? Dann weiß niemand, woran er bei dir ist, und du lebst in einer Lüge.
Das hast du wahrscheinlich auch schon zigmal gehört, nach dem Motto: „Ich weiß, ich soll ja nicht zu allem Ja und Amen sagen, sobald jemand etwas von mir möchte, aber ich kriege es einfach nicht hin, Nein zu sagen.“ Was soll ich denn machen?
Kommt dir das bekannt vor? Schau einfach mal hier rein: Die achtzehn biblischen Tipps zum Nein sagen ohne Schuldgefühle – mit praktischen Beispielen. Das sind konkrete, praktische Beispiele aus jahrelangen Workshops. Dieses Kapitel war im vorletzten Buch auch das meistgelesene.
Du kannst es dir hier einfach gratis mitnehmen, mit einer praktischen Übersicht und Audio für unterwegs.
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Gemeinschaft im Glauben und Gemeindebindung
Christsein ist Teamsport, das heißt, entscheide dich für eine Gemeinde.
Ich bin wirklich schockiert, und in den nächsten Wochen wird es dazu auch einen Gastbeitrag geben – von jemandem, den viele hier aus der Community bereits kennen. Das Thema lautet: Warum brauche ich die Ortsgemeinde?
Du brauchst deine Ortsgemeinde, ich brauche meine Ortsgemeinde. Das ist wirklich wichtig für uns. Such dir eine bibeltreue Gemeinde, dann sei dort und sei auch wirklich präsent.
Ich gebe immer den Tipp, dass du mindestens zwei Jahre in dieser Gemeinde bleiben solltest. So vermeidest du, dass Leute ständig "Gemeindehopping" betreiben und alle zwei Monate in einer anderen Gemeinde sind. Ein Jahr ist oft zu kurz, zwei Jahre hingegen ermöglichen es dir, wirklich Teil der Gemeinde zu werden. Nicht nur die Füße nass machen, sondern richtig reinspringen.
Das heißt aber nicht, dass du deine Gemeinde nicht wechseln darfst. Das ist völlig in Ordnung. Man darf seine Gemeinde wechseln, das ist kein Problem. Aber dann solltest du nicht einfach austreten und sagen: „Diese Gemeinde gefällt mir nicht, ich gehe erst mal raus und schaue weiter.“
Das machst du doch auch nicht, wenn du aus einer Wohnung ausziehst. Du kündigst doch nicht erst die Wohnung und bist dann erst einmal obdachlos. Nein, du suchst dir erst eine neue Wohnung, eine neue Gemeinde, in die du dann gehst.
Das bedeutet: Es sollte nicht ein „Weg von“ sein, sondern ein „Hin zu“.
Prioritäten setzen und Konflikte vermeiden
Nächster Punkt: Wichtiges vom Unwichtigen unterscheiden.
Weißt du, die Hauptsache ist, dass es hauptsächlich um die Hauptsache geht. Schau selbst in Gottes Wort hinein, und du wirst sehen, dass es sehr wohl einen Unterschied gibt zwischen wichtigeren und weniger wichtigen Dingen, zwischen Wichtigen und Unwichtigen.
Deshalb lass uns gut überlegen, welche Themen es wirklich wert sind, dafür Uneinigkeit unter Christen zu riskieren, und welche von den Tausenden Themen es einfach nicht wert sind. Dafür brauchst du Kriterien, um das Ganze besser beurteilen zu können.
Unabdingbar sind diejenigen Themen, die du unbedingt verstehen musst, um beim Jüngsten Gericht gerettet zu werden. Darüber müssen wir uns alle einig sein. Das ist sozusagen Pflicht.
Aber bei allem, worüber zwei Christen unterschiedlicher Meinung sein können und beide am Ende des Tages gerettet werden, würde ich persönlich mir dreimal überlegen, ob ich dafür einen Konflikt vom Zaun breche.
Jesus als Herr des Lebens anerkennen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, Jesus nicht nur den Herrn zu nennen, sondern ihn auch wirklich als Herrn sein zu lassen. Das gilt besonders in Situationen, die uns vielleicht keinen Spaß machen oder in denen wir kurzfristig mehr Freude hätten, wenn wir uns nicht an seine Gebote halten würden.
Dazu drei kurze Beispiele: das Thema Spenden, der Zehnte oder auch die Kirchensteuer. Natürlich hätten wir mehr Geld zur Verfügung, wenn wir diese Dinge nicht tun würden – das ist klar. Aber wir handeln nicht für unseren eigenen Vorteil, sondern weil wir sagen: Das ist für etwas Größeres, und uns ist das wichtiger.
Ein weiteres Beispiel sind manche Gebote, auf die wir manchmal keine Lust haben, wie zum Beispiel das Gebot „Ehre deine Eltern“. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe gehört, dass es Menschen gibt, die Konflikte mit ihren Eltern haben. Trotzdem sollten wir uns immer wieder vor Augen führen, dass wir unsere Eltern ehren sollen – auch in Momenten, in denen es uns keinen Spaß macht. Natürlich gibt es für Eltern auch andere Gebote in der Bibel, das ist klar.
Auch das Thema Sexualität ist ein Beispiel: Kein Sex ohne Trauschein, also nur innerhalb der Ehe. Ist das immer schön oder so, wie wir es uns gerade wünschen würden? Ganz bestimmt nicht. Aber darum geht es nicht. Wenn wir Jesus unseren Herrn nennen, dann hat er auch das Recht dazu. Wir wollen ihm dieses Recht geben, Herr über unser Leben zu sein – auch in den Bereichen, in denen du und ich es vielleicht gerade anders wollen.
Kollektive Verantwortung und individuelle Zuständigkeit
Wir kommen jetzt zu den wichtigen Schlusspunkten. Der erste Punkt klingt zwar philosophisch, ist aber ganz praktisch: Kollektive Appelle sind keine individuellen Handlungsaufforderungen.
Das bedeutet auf Deutsch: Nur weil etwas in der Gruppe passieren muss, heißt das nicht, dass du derjenige sein musst, der es erledigt. Ein flapsiges Beispiel: In Deutschland muss es einen Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin geben. Das ist etwas, das in der Gruppe – der Bundesrepublik Deutschland – passieren muss.
Das bedeutet aber nicht, dass von allen 80 Millionen Menschen ausgerechnet du derjenige sein musst, der den Wahlkampf führt. Du kannst es tun, aber es gibt keine logische Brücke, die besagt, dass du es musst.
Ein weiteres Beispiel: Im Krankenhaus deiner Stadt muss es einen Chefarzt geben. Das ist notwendig. Aber auch hier heißt das nicht, dass du derjenige sein musst, der diese Aufgabe übernimmt.
Es ist wichtig, das zu verstehen – auch im Hinblick auf die Gemeinde. Nur weil es ein Amt gibt, das frei ist, heißt das keineswegs zwangsläufig, dass du derjenige bist, der es erfüllen muss. Es bedeutet auch nicht, dass du in jedes Ehrenamt hineinstürmen musst.
Das heißt auch: Du bist nicht dein Engagement.
Bibellesen als Grundlage des Glaubens
Drittletzter Punkt: Das Thema Bibellesen.
Also, ich persönlich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe da irgendwie Schwierigkeiten. Wenn ich sehe, dass es Leute gibt, die schon seit Jahren im Glauben sind, Christen sind, dann verstehe ich nicht, warum sie ihre Bibel nicht einfach durchgelesen haben.
Wie kann es sein, dass jemand fünf Jahre lang Christ ist und seine Bibel keine zwei Mal durchgelesen hat? Ich verstehe den Sinn dahinter nicht.
Vor kurzem habe ich auf YouTube eine Umfrage gemacht. Die Frage war: Womit verbringst du mehr Zeit – mit Beten oder mit Bibellesen? Oder: Womit verbringst du mehr Zeit – mit Nachrichten schauen oder mit Bibellesen?
Meine persönliche Meinung dazu ist, dass Bibellesen wichtiger ist als Beten. Sonst weiß ich am Ende des Tages hart gesagt gar nicht, zu welchem Gott ich eigentlich bete. Ich denke auch, es ist wichtiger, die Bibel zu lesen, statt einfach nur darüber zu reden.
Sonst kommt es am Ende dazu, dass du zum Beispiel im Hauskreis ständig die gleichen fünf Phrasen hörst, statt dass man sich wirklich mal die Bibel nimmt und sie liest.
Deswegen mein Tipp: Lies die Bibel so, dass du die Stellen, die du gerade nicht liest, im Hinterkopf behältst. Aber die, die du gerade liest, solltest du lesen, als ob du sie zum ersten Mal hörst.
Es geht immer um die Balance. Überlege dir bei diesen Sachen immer wieder: Was fehlt mir, solange ich kein Christ bin? Guck mal, was darauf die biblischen Antworten sind.
Darauf findest du Dutzende Beiträge auf diesem Kanal. Drück dazu einfach die Glocke, dann werden sie dir auch angezeigt.
Klarheit über den Glauben und seine Bedeutung
Und vorletzter Punkt: Was ich denke, was wir Christen besser machen können, was wir besser begreifen müssen, ist Klarheit über unseren eigenen Glauben. Also wirklich mal Klarheit darüber, warum wir eigentlich Christen sind.
Aus meiner Sicht ist die beste Antwort darauf: Weil es wahr ist, weil das Christentum wahr ist. Warum? Wenn das Christentum nicht wahr ist, wenn die Kernaussagen des Christentums einfach nicht stimmen, wenn Jesus zum Beispiel nicht von den Toten auferstanden ist, dann sollte niemand von uns Christ sein – auch du und ich nicht.
Aber wenn diese Kernaussagen des Christentums wirklich stimmen, wenn das Christentum wirklich diese eine Weltanschauung ist, die die Realität richtig beschreibt, dann macht es doch total Sinn, dass wir alle Christen werden.
Und dann natürlich die zweite Frage: Wofür bist du eigentlich Christ? Oder was fehlt dir, wenn du nicht Christ bist? Ich denke, auch da ist die biblische Antwort: Um mit Gott versöhnt zu sein. Ich bin Christ, um mit Gott versöhnt zu sein. Das ist durch Jesus Christus möglich.
Dringlichkeit der Verkündigung des Evangeliums
Und ein letzter Punkt dazu: Ich denke, wir Christen müssen besser und mehr anderen von Jesus erzählen.
Vor kurzem war ich bei einer Podiumsdiskussion an der Technischen Universität Dresden. Es war sehr eindrücklich, und ich hatte das Gefühl, dass manche Leute dort einfach nicht wissen, worum es im Christentum geht. Ich sage es mal ganz flapsig: Wenn du ihnen eine Waffe an den Kopf hältst und sagst, „Ich drücke in drei Sekunden ab, wirklich, ich drücke ab, wenn du mir nicht sofort sagst, was der Unterschied ist zwischen Islam, Christentum und Hinduismus“, dann könnten sie es dir nicht sagen. Wirklich, sie könnten es dir nicht sagen.
Natürlich können wir jetzt schimpfen auf das Bildungssystem, auf die Allgemeinbildung und so weiter. Aber warum fangen wir nicht einfach mal bei uns selbst an? Wie kann es sein, dass es Leute in unserem Umfeld gibt, die nicht wissen, wer Jesus ist, die nicht wissen, worum es im Christentum geht, die nicht drei oder vier handfeste gute Gründe kennen, Christ zu sein?
Ich denke, das ist nicht gut. Wir sollten uns Sorgen machen – auch um diese Menschen. Und wir sollten uns Sorgen machen um ihr ewiges Schicksal. Warum? Weil, wenn du dir keine Sorgen um das ewige Schicksal anderer Menschen machst, dann mache ich mir Sorgen um deins.
