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Die Sackgasse der guten Vorsätze

Der Brief an die Römer, Teil 9/18
15.06.2010Römer 7,1-25
SERIE - Teil 9 / 18Der Brief an die Römer

Einleitung: Die Herausforderung zwischen Kapitel 6 und 8

Ja, heute ist so ein ganz wüstenhaftes Kapitel, irgendwie das Kapitel zwischen Kapitel sechs und Kapitel acht. Es ist ein Kapitel, das sehr frustrierend endet. Es ist ein Abenteuer, das sehr frustrierend enden wird, nur dass man sich schon darauf einstellen könnte.

Letztes Mal hatte Paulus darüber geschrieben, und wir hatten es gelesen und uns angeschaut in Kapitel sechs seine Frage: Ja, wenn wir jetzt aus Gnade gerettet sind, können wir dann nicht einfach weiterleben wie bisher? Oder zumindest, wenn wir unter Gnade stehen und nicht unter dem Gesetz, ist es dann so schlimm, wenn man mal sündigt, weil man gerade danach ist, weil es gerade naheliegend ist oder weil es gerade einen Vorteil bringt?

Paulus hat durch den Heiligen Geist sehr entschieden gesagt, zweimal in diesem Kapitel. Er hat das jeweils auch sehr ausführlich begründet. Er hat sehr entschieden gesagt, dass es auf keinen Fall eine Option ist, Sünde in seinem Leben einfach zu tolerieren und auf die leichte Schulter zu nehmen.

Im ersten Teil von Kapitel sechs hat er es damit begründet, dass er gesagt hat: Zum einen hat Sünde so einen hohen Preis gefordert, und eigentlich habt ihr gesagt, dass euer altes Leben unter dem Urteil, unter dem Todesurteil Gottes steht. Ihr könnt doch nicht so weiterleben wollen wie bisher. Zum anderen hat Gott extra einen Weg gezeigt, wie man anders leben kann. Offensichtlich ist es Gott wichtig, dass man nicht weiterleben kann wie bisher.

Im zweiten Teil hat er gesagt: Schaut mal, selbst wenn ihr nur ab und zu sündigen wollt und sagt, na ja, ich kann ja hinterher kommen und mir Vergebung abholen, unterschätzt die Sünde nicht. Unterschätzt nicht, was sie mit eurem Leben macht, unterschätzt nicht das Suchtpotenzial, das in der Sünde steckt.

Wir haben im Hauskreis darüber nachgedacht, warum Sünde für uns oft so ein Suchtpotenzial hat. Für den einen sind es bestimmte Sünden, für den anderen vielleicht andere. Paulus hat gesagt, selbst wenn ihr vielleicht nicht mehr verloren gehen könnt, selbst wenn die Beziehung zu Gott nicht endgültig zu Bruch gehen kann, gefährdet ihr ganz praktisch die Beziehung zu Gott, wenn ihr Sünde auf die leichte Schulter nehmt – ganz praktisch in eurem Alltag, in eurem Leben.

Also die Botschaft von Römer Kapitel 6 war: Verbannt Sünder aus eurem Leben, lebt den geraden Weg, das, was ihr erkannt habt, was Gott will, was gerecht ist in den Augen Gottes. Lebt so, als wärt ihr darunter versklavt, seid rechts und links in Leitplanken und könntet gar nichts anderes als gerecht leben. Setzt euch Grenzen.

Aber die Frage steht im Raum: Wie funktioniert das? Wie soll das aussehen? Viele von den Lesern und Hörern damals, die diesen Brief gelesen oder vorgelesen bekommen haben in der Gemeinde, haben wahrscheinlich erst einmal gedacht: Ja, wenn wir unter der Gerechtigkeit leben sollen, als wären wir unter der Gerechtigkeit versklavt, wenn wir nicht rechts und links gehen sollen, ja, wir haben ja einen tollen Maßstab für unser Leben.

Gott hat ja einen Maßstab gegeben. Er hat ja schon mal gesagt, was ihm gefällt und was ihm nicht gefällt. Er hat ja schon mal gesagt, was gerecht ist in seinen Augen und was nicht gerecht ist, oder? Wir haben doch das Gesetz, wir haben die Zehn Gebote. Ein Christ hält die Zehn Gebote, oder? Oder die Bergpredigt oder keine Ahnung, was du sonst lebst.

Zweifel an der Gesetzeslösung

Wenn die Zuhörer damals gut zugehört haben und die Leser sorgfältig gelesen haben – und wenn wir selbst aufmerksam waren und gut gelesen haben, was bisher im Römerbrief stand – dann wird uns diese Lösung, diese naheliegende Lösung, schon ein wenig verdächtig vorkommen.

Wir haben ja das Gesetz, das uns helfen kann, einen geraden Weg zu gehen. Doch wenn wir genau hinschauen, fällt auf, dass das Gesetz nicht die Lösung für ein gerechtes Leben zu sein scheint. Zum Beispiel haben wir im fast evangelistischen Abschnitt in Römer 3 gelesen: „Darum wird aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden, denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ (Römer 3,20)

Hier geht es darum, dass man durch das Gesetz nicht wirklich gerecht wird in den Augen Gottes. Das ist zwar nicht die direkte Fragestellung in Kapitel 6 oder 7, aber trotzdem klingt es nicht so, als ob das Gesetz eine echte Hilfe wäre, um überhaupt ein gerechtes Leben zu führen. Vielmehr scheint etwas anderes dahinterzustecken.

Wenn wir in Römer 6 noch einmal nachsehen, sehen wir, dass es dort sehr deutlich gesagt wird: „Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“ (Römer 6,14)

Das heißt, die Sünde wird nicht über euch herrschen, weil ihr nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade seid. Moment mal – das bedeutet ja, wenn ich unter dem Gesetz bin, herrscht die Sünde über mich. Das klingt ziemlich hart, oder?

Gott hat seine Regeln und Gebote gegeben, weil sie seine moralischen Maßstäbe sind. Er hat sie als etwas Gutes gegeben, oder nicht? Und jetzt heißt es, wenn wir unter dem Gesetz stehen, herrscht die Sünde über uns? Paulus deutet hier schon sehr deutlich an, dass es offensichtlich keine Option ist, um Gerechtigkeit zu leben, einfach das Gesetz zu nehmen und zu versuchen, es so genau wie möglich zu befolgen.

In Kapitel 7 geht es genau um diese Frage: Was ist jetzt eigentlich mit dem Gesetz?

Viele der damaligen Leser wussten um das Gesetz. Die eine Hälfte von ihnen waren ursprünglich Juden, die Christen geworden waren. Ein größerer Teil des übrigen Publikums, der nicht jüdischer Abstammung war, hatte seinen ersten Schritt zum Glauben dadurch getan, dass er sich für den Gott des Alten Testaments interessiert hatte.

Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, sehen wir, dass Paulus immer zuerst in die Synagoge ging. Und wer wurde dort hauptsächlich durch seine Predigt bekehrt? Nicht in erster Linie die Juden, sondern vor allem Heiden, die frustriert waren, weil Aphrodite und Zeus keine befriedigende Antwort auf die Frage nach Gott boten. Sie schauten sich um und stießen auf den Gott der Juden, den Gott des Alten Testaments. Sie gingen in die Synagoge, um diesen Gott kennenzulernen, der ein befriedigenderes Gottesbild vermittelte.

Sowohl die ursprünglich jüdischen Christen als auch die Heiden, die ihren ersten Schritt zum Glauben durch die Suche nach dem Gott der Juden getan hatten, hatten ein großes Bild vom Gesetz vor Augen.

Man muss sich das vorstellen: Das Gesetz war ihnen sehr plastisch präsent. Immer wieder hatten sie es gehört: Gott war auf dem Berg, Mose erschien, und Gott hatte zumindest die zehn Gebote in Stein geschrieben. Mose brachte sie vom Berg herunter und legte diese steinernen Tafeln in eine goldene Kiste, die Bundeslade.

Mit dieser Lade wurden sie vierzig Jahre lang in der Wüste herumgetragen. Immer wieder wurde sie in einem Zelt aufgestellt, und schließlich kam sie in den Tempel Gottes in Jerusalem.

Das war keine Kleinigkeit, das waren nicht einfach irgendwelche Regeln, die sich jemand ausgedacht hatte. Gott hatte gesprochen, und das Gesetz stand ihnen lebendig vor Augen.

Das Gesetz als lebenslange Bindung und der Ausweg durch den Tod

Die Frage in Kapitel sieben lautet: Was ist mit dem Gesetz? Es gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil lesen wir von der großen Scheidung – unserem Verhältnis zum Gesetz als eine große Trennung.

Im zweiten Teil geht es darum, wozu das Gesetz eigentlich gut war, nämlich um Fluch und Segen, die aus dem Gesetz kommen.

Im dritten Teil wird es etwas allgemeiner. Wir betrachten nicht nur die Zehn Gebote, sondern allgemein die guten Regeln und Maßstäbe, die Gott gibt, sowie ein anderes Gesetz, das daneben existiert und sich als Stärke erweist.

Beginnen wir mit dem Anfang. Ich lese die ersten sechs Verse:

„Oder wisst ihr nicht, Brüder, wenn ich zu denen rede, die das Gesetz kennen, dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt? Denn die verheiratete Frau ist durch das Gesetz an den Mann gebunden, solange er lebt. Wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes. Also wird sie denn während der Mann lebt eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird. Wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei von dem Gesetz, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird. Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, das aus den Toten auferweckt ist, damit wir Gott Frucht brächten. Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, dem wir festgehalten wurden, sodass wir im Neuen des Geistes dienen und nicht im Alten des Buchstabens.“

Dieser Abschnitt richtet sich an Menschen, die das Gesetz kennen, also eigentlich nicht an euch. Trotzdem schauen wir ihn uns an. Paulus sagt, ihr wart wie mit dem Gesetz verheiratet. Das war eine sehr enge Bindung, auf die wir gleich noch zurückkommen.

Schaut mal, er sagt ganz ehrlich: Was ist daraus geworden? Er spricht zu denen, die das Gesetz sehr ernst genommen haben. Vielleicht sind das heute Menschen, die sehr religiös sind und die Regeln, die Gott gibt, sehr ernst nehmen.

Wir hatten das schon in Kapitel drei, wo es um religiöse Menschen ging – klassische Beispiele sind fromme Katholiken, Zeugen Jehovas oder Moslems, für die bestimmte Regeln ganz wichtig sind. Auch Juden, die hier seltener vorkommen, und manchmal Kinder aus christlichem Elternhaus, die klare Regeln haben und versuchen, ihnen zu gehorchen, um Gott näherzukommen, um Gott zu gefallen oder als Sklaven der Gerechtigkeit zu leben, wie wir in Römer 6 gelesen haben.

Paulus fragt: Wie war das, bevor ihr neu geboren wurdet, als ihr versucht habt, religiös zu leben und Gott zu gefallen? Vers 5 sagt: „Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen.“ Was heißt das?

Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind – das ist das Problem an Regeln. Nichts gegen Regeln an sich, aber Regeln haben ein Problem. Das erste Problem ist, dass Gebote und Verbote keine wirkliche Motivation bieten. Du darfst das und das nicht tun – aber wo ist die Motivation? Warum soll ich das nicht tun? Es ist einfach eine Regel.

Regeln motivieren nicht wirklich. Das kennt ihr noch aus der Schule und aus vielen Situationen: Regeln motivieren nicht wirklich.

Was noch dazu kommt: Regeln, besonders Verbote, reizen auf Dauer. Menschen haben die innere Neigung, Verbote zu übertreten, um auszuprobieren, wie es auf der anderen Seite ist. Emotional empfinden wir das ein Stück weit als Beweis von Stärke, wenn wir es schaffen, eine Regel zu brechen.

Ich habe das oft beobachtet, zum Beispiel bei Kollegen. Es gibt Leute, die ihre innere Stärke darin zeigen, Regeln zu verletzen. Ein Beispiel: Sie sprechen mit Vokabular über moralisch unmoralische Dinge, das man normalerweise als halbwegs situierter Mensch nicht benutzt. Sie überwinden diese innere Grenze, etwas zu tun, was man normalerweise nicht tun würde.

Man macht Witze über Kindesmissbrauch – das ist eine Verletzung einer Norm. Manchmal reizt es, zu zeigen: Ich bin stärker, ich stehe über diesen allgemein anerkannten Normen.

Auf einer viel niedrigeren Ebene reizen Gebote und Verbote immer wieder dazu, sie zu übertreten.

Was Verbote noch bewirken: Sie führen dazu, dass wir uns innerlich mit dem beschäftigen, was verboten ist. Selbst wenn wir das Verbot nicht brechen, fragen wir uns: Warum ist das verboten? Was wäre, wenn ich es täte?

Ich denke, das sind die Punkte, die Paulus meint.

Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen.

Was heißt „dem Tod Frucht bringen“? Es geht hier nicht um irgendwelche Gebote und Verbote, die Menschen sich ausgedacht haben, oder gesellschaftliche Normen, sondern um das, was Gott gesagt hat und gegeben hat.

Wenn wir nicht motiviert sind und die Regeln Gottes uns reizen, sie zu übertreten oder uns zumindest mit dem Verbotenen beschäftigen, dann bringt das „dem Tod Frucht“ – das heißt, die Beziehung zu Gott leidet, sogar schon bevor wir das Gesetz tatsächlich übertreten haben.

„Ah, ich darf das nicht, wäre schön, aber ich darf es nicht“ – das sind Gedanken, die unsere Beziehung zu Gott in Frage stellen, verletzen und ein Stück weit töten.

Paulus sagt, das ist, was das Gesetz gemacht hat: eine unheilvolle Verbindung zwischen Regeln und unseren Leidenschaften. Sie haben uns nicht weitergebracht, sondern uns von Gott entfernt.

Jedes Mal, wenn wir innerlich oder äußerlich ein Gebot gebrochen haben, haben sie die Mauer zwischen Gott und uns höher gemacht. Das hatten wir im letzten Kapitel.

Die Sünde hatte bei uns geherrscht, heißt es in Kapitel 6, Vers 14: „Denn wir sind nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.“

Hier spricht Paulus ein Thema an, das viele von uns nicht kennen: Wenn man einmal unter dem Gesetz ist, bleibt man unter dem Gesetz. Selbst wenn man merkt, dass das Gesetz nicht zu Gott führt, sondern eher von Gott weg, wie soll ein Jude aus dem Gesetz herauskommen?

Er war als Kind beschnitten worden, war unter dem Gesetz aufgewachsen und hatte sich vielleicht bewusst dafür entschieden.

Paulus sagt: Unter dem Gesetz Gottes zu sein, als Jude oder jemand, der zum Judentum konvertiert ist, ist eine lebenslange Entscheidung.

Frag mal einen Moslem, wie man es schafft, kein Moslem mehr zu sein, wenn man es einmal war. Er wird dir sagen: Das geht nicht. Wenn du einmal Moslem bist, bist du immer Moslem. Du kannst machen, was du willst. Das gehört zu deinem Land, zu deiner Kultur, zu deiner Familie – da kommst du nicht raus.

Es gibt Dinge, die du nur durch den Tod loswirst.

Wenn du einmal bei der Mafia bist, kannst du nicht aussteigen, es sei denn, man glaubt wirklich, dass du tot bist.

Und Paulus sagt: So war es im Alten Testament.

„Oder wisst ihr nicht, Brüder, denn ich rede zu denen, die das Gesetz kennen, dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt.“ Es gibt keinen Ausstieg.

Aber ich möchte da raus, weil das Gesetz mich nicht zu Gott gebracht hat, sondern von Gott weg. Ich möchte auf einer anderen Grundlage leben.

Paulus sagt: Ja, das geht jetzt. Ich habe eine Botschaft für euch, die ihr unter dem Gesetz gelebt habt, die ihr ein Leben lang an das Gesetz gebunden wart.

Man kann rauskommen.

Es gibt nur einen Weg, nicht mehr Moslem zu sein, nicht mehr zur Mafia zu gehören, nicht mehr unter dem Gesetz zu stehen: Du musst sterben.

Blöd, oder? Dann habe ich ja nichts mehr davon.

Johannes sagt: Warte mal, ich möchte euch erklären, warum das so ist mit dem Sterben.

Er gibt ein Beispiel, das er in zwei Zusammenhängen verwendet.

Er sagt: Es gibt ein ganz besonderes Gesetz im Alten Testament, das Gesetz, das sich mit der Ehe beschäftigt.

Das ist ein besonderes Gesetz, weil es nicht nur ein Bund zwischen dir und dem Gesetz ist – also zwischen zwei Parteien –, sondern ein Bund zwischen zwei Personen und dem Gesetz. Es ist sozusagen eine Ehe zu dritt: Mann, Frau und Gesetz.

Das Gesetz sagt: Ihr bleibt zusammen, bis der Tod euch scheidet.

Wie kann man aus diesem Gesetz herauskommen? Durch den Tod.

Wessen Tod? Das Gesetz stirbt nicht. Wenn ich sterbe, habe ich nichts mehr davon.

Aber bei diesem Ehegesetz ist etwas Besonderes: Es sind zwei Personen beteiligt. Wenn der eine stirbt, ist der andere von diesem Gesetz befreit und kann jemand anderen heiraten.

Paulus sagt, die meisten Gesetze sind nicht so.

Die meisten Gesetze sind ein Bund zwischen dem Gesetz auf der einen Seite und mir auf der anderen Seite.

Es ist so, als wäre ich mit dem Gesetz verheiratet.

Das Gesetz stirbt nicht, sodass dieser Bund nur durch meinen Tod beendet werden kann.

Ein Drittel kann nicht sterben, weil es dazugehört.

Nur ich kann sterben.

Und genau das ist passiert.

Jesus ist gestorben.

Er hat gesagt: Das war dein Urteil für alles, was das Gesetz von dir fordert, für alle Ansprüche, die das Gesetz an dich hat, dass du für immer zu ihm gehörst und ihm immer gehorchen musst.

Er hat auch für alles gestorben, wofür du verurteilt wirst, weil du nicht gehorcht hast.

Gott sieht es so an, als wärst du gestorben.

Damit ist deine Beziehung zum Gesetz beendet, weil der Tod eines der beiden Partner eingetreten ist – du und das Gesetz.

In Gottes Augen bist du dem Gesetz gestorben.

Diese Ehe zwischen dem Gesetz und dir ist zu Ende, weil der Tod eines Partners eingetreten ist.

Jetzt bist du frei.

Paulus sagt in Vers 4: „Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, das aus den Toten auferweckt ist, damit wir Gott Frucht brächten.“

In diesem Satz steckt viel.

Wir gehören nicht mehr dem Gesetz, das uns nicht zu Gott gebracht hat.

Stattdessen haben wir eine ewige Verbindung mit dem lebendigen, auferstandenen Christus.

Jetzt bringen wir nicht mehr dem Tod Frucht.

Nicht alles, was wir tun, zerstört die Beziehung zu Gott.

Wir bringen Gott Frucht.

Endlich kann in unserem Leben etwas entstehen, das Gott wirklich gefällt – durch die Verbindung mit dem auferstandenen Jesus.

Vers 6 sagt Paulus noch einmal: „Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in dem wir festgehalten wurden, sodass wir im Neuen des Geistes dienen und nicht im Alten des Buchstabens.“

Es gibt eine ganz neue Grundlage, Gott zu dienen.

Eine Grundlage, auf der wirklich etwas entsteht, das Gott gefällt.

Wie das geht, verrät Paulus erst in Kapitel acht.

Eines ist wichtig: Das Gesetz ist nicht die Lösung.

Paulus beschreibt das Gesetz eher als ein Hindernis, um Gott Frucht zu bringen.

Er sagt, es ist ein Segen, dass wir diese Beziehung zum Gesetz in dieser Form loswerden können – für alle, die jemals diese Beziehung hatten.

Das Gesetz ist nicht Sünde, aber es offenbart die Sünde

Aber wie ist das? Ich meine, jetzt schreien die Juden endgültig auf und sagen: „Das kannst du doch nicht sagen! Du tust ja gerade so, als wäre das Gesetz etwas Schlechtes, als wäre es etwas Sündiges. Dürfen wir dich noch mal daran erinnern, dass Gott das Gesetz gegeben hat?“

Ja, sagt Paulus. In Vers 7 fragt er: „Was sollen wir nun sagen, ist das Gesetz Sünde?“ – „Nein, auf keinen Fall, das sei fern!“ So ist das Gesetz nicht Sünde, es kommt von Gott. Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch das Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn ich das Gesetz nicht gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren.“ Die Sünde aber, durch das Gebot Anlass nehmend, bewirkte jede Begierde in mir. Denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.

Ich aber lebte einst ohne Gesetz. Als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf, ich aber starb. Und das Gebot, das zum Leben gegeben war, dieses erwies sich mir zum Tode. Denn die Sünde, durch das Gebot Anlass nehmend, betrug mich und tötete mich durch dasselbe. Also ist das Gesetz heilig, und das Gebot heilig, gerecht und gut.

Reicht nun das Gute mir zum Tode? Nein, auf keinen Fall. Sondern die Sünde, damit sie als Sünde erschien, indem sie mir durch das Gute den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.

Hier in Vers 7 bis 13 spricht Paulus in der Vergangenheitsform. Ich glaube, das, was er hier schreibt, ist wirklich autobiographisch – aus seiner Vergangenheit, aus seiner Erfahrung als Jude, als jemand, der das Gesetz wirklich kannte, der mit dem Gesetz groß geworden ist.

Und was hat er gesagt? Er sagt: „Ich kann euch sagen, wie es mir mit dem Gesetz ergangen ist und dass das Gesetz mir wirklich gut getan hat. Schaut mal, bei mir war das so.“ Vers 9: „Ich aber lebte einst ohne Gesetz.“ Wann lebte Paulus ohne Gesetz? Er hat gesagt, er sei aus dem Stamm Benjamin, Jude aus einer jüdischen Familie, in aller Strenge des Gesetzes erzogen. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich früher ohne Gesetz letzten Endes gelebt habe.

Er hat nicht gesetzlos gelebt. Er war einfach ein Kind aus gläubigem Elternhaus, und in seiner Kindheit und Jugend hat ihn das Gesetz einfach gar nicht berührt, weil alle Gebote, die er kannte, für ihn ganz weit weg waren: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht Ehe brechen, du sollst nicht stehlen.“ Ich meine, das war ein anderes Universum, das diese Gebote verboten haben. Das war nicht mal in der Nähe seiner Lebenserfahrung.

Irgendwie hatte er gar keine Berührung mit dem Gesetz. Er empfand es einfach nur als Teil seiner normalen Kultur. Und er lebte einfach. Zu Gott zu gehören und zu Gott dazuzugehören war für ihn etwas völlig Selbstverständliches. Er hatte auch gar nicht das Gefühl, dass da irgendetwas im Weg stehen könnte. „Ich aber lebte einst ohne Gesetz.“

Und was ist passiert? Irgendwann, wahrscheinlich in seiner Jugend, hat er plötzlich ein Gesetz entdeckt. Das war ja nicht fremd, aber irgendwie wurde ihm plötzlich klar: Da gibt es ein Gesetz, das nicht weit weg ist. „Du sollst nicht gelüsten, du sollst nicht begehren.“

Er sagt in Vers 7: „Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn ich das Gesetz nicht gesagt hätte: Du sollst nicht begehren.“ Die Sünde aber, durch das Gebot Anlass nehmend, bewirkte jede Begierde in mir.

Er hat dieses Gesetz gesehen und sich überlegt, was es eigentlich bedeutet. „Du sollst nicht begehren“, das heißt: Ich soll niemanden beneiden, ich soll nicht etwas haben wollen, was mir nicht zusteht, oder ich soll nicht haben wollen, was jemand anderem gehört. Und plötzlich hat er entdeckt – eigentlich erst durch dieses Gesetz, sagt er – wie viel Begierde und wie viel Neid in seinem Herzen und seinen Gedanken ist. Durch diese Beschäftigung wurde es eher größer als kleiner.

Und im Versuch, sich dagegen zu wehren, wurde es eher mehr als weniger.

Vers 7 am Anfang: „Ist das Gesetz Sünde?“ – „Das sei fern!“ Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt als nur durch das Gesetz. Denn auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn ich das Gesetz nicht gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren.“ Die Sünde aber, durch das Gebot Anlass nehmend, bewirkt jede Begierde in mir. Denn ohne Gesetz ist die Sünde tot, ist die Sünde kraftlos.

„Ich aber lebte einst ohne Gesetz, als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf, ich aber starb.“ Das beschreibt, wie er sagt: Vorher hatte ich den Eindruck, in meinem kindlichen Glauben, in meinem naiven Glauben, dass Gott auf meiner Seite ist und dass ich irgendwie – ja, vielleicht nicht so unversöhnlich – aber irgendwie ein Verhältnis zu Gott habe und eine Beziehung. Irgendwie war das alles für mich selbstverständlich und schön.

Dann kam dieses Gebot, und ich habe entdeckt, was in meinem Herzen ist. Es wurde noch größer, was in meinem Herzen ist, und irgendwie starb meine naive, kindliche Beziehung zu Gott. Ich hatte wirklich das Empfinden, dass dazwischen etwas ist. Je mehr ich dagegen kämpfe, umso größer wird es dazwischen. „Ich aber starb.“

Und das Gebot, das zum Leben gegeben war – wenn man es hätte erfüllen können – erwies sich mir zum Tode. Denn die Sünde, durch das Gebot Anlass nehmend, betrug mich und tötete mich durch dasselbe.

„Sünde lebte auf“, steht in der zweiten Hälfte von Vers 9. Als das Gebot kam, lebte die Sünde auf. Er hatte plötzlich den Eindruck: Sünde ist etwas Lebendiges. Was ist etwas Lebendiges? Etwas Lebendiges ist etwas, das wächst. Und etwas Lebendiges ist etwas, das sich vermehrt.

Er sagt, diese Sünde, die ich in mir entdeckt habe, sie ist gewachsen, sie hat sich vermehrt, letzten Endes durch das Gebot. Und meine Beziehung zu Gott ist irgendwie gestorben.

Also, in Vers 12: „Das Gesetz ist heilig, und das Gebot heilig, gerecht und gut.“ Reichte das Gute mir zum Tode? Nein, auf keinen Fall. Sondern die Sünde, damit sie als Sünde erschien, indem sie mir durch das Gute den Tod bewirkte, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.

Paulus sagt: „Und wisst ihr was? Trotz allem bin ich so dankbar, dass ich das Gesetz hatte. Denn ohne das Gesetz hätte ich nicht verstanden, was Gnade ist. Ich hätte nie kapiert, dass ich überhaupt Gnade brauche. Ich wäre immer in der Illusion herumgelaufen, dass sich Gott doch eigentlich gefallen muss.“

Aber die Sünde, damit sie als Sünde erschien, bewirkte mir durch das Gute den Tod. Ich habe entdeckt, was wirklich in mir drinsteckt und wie wenig ich zu Gott passe. Paulus sagt, dafür ist das Gesetz gut. Das Gesetz ist heilig.

Das Gesetz kann dich aber nicht heilig machen. Aber das Gesetz kann zumindest eines tun: Es kann dich aufwecken und dir zeigen, wer du wirklich bist und wie deine Beziehung zu Gott eigentlich ist oder eigentlich sein müsste.

Ohne das Gesetz, sagt Paulus, hätte ich niemals erkannt, wie sündig ich bin. Wahrscheinlich wäre ich niemals als verlorener Sünder zu Gott gekommen.

Ich glaube wirklich, dass Paulus die Christen so massiv verfolgt hat wegen Römer 7 – diese tiefe Verzweiflung, nicht so zu sein, wie es sein sollte. Und da gibt es Leute, die einfach ungezwungen mit Gott umgehen, mit diesem heiligen Gott, wo ich merke, dass ich nicht zu ihm passe. Das muss ihn verrückt gemacht haben.

Das ist meine persönliche Meinung zu dem Abschnitt.

Die zeitlose Erfahrung des Kampfes mit dem Gesetz

Ja, okay, Paulus, das ist deine Vergangenheit. Du warst mit dem Gesetz verheiratet, das ist deine Vergangenheit. Du hast diese Erfahrung mit dem Gesetz gemacht, das ist deine Vergangenheit.

Aber ich meine, was hat das mit uns zu tun? Für uns ist es doch immer noch schön: Wir sind jetzt gläubig geworden. Wir suchen ja gar nicht Gerechtigkeit aus dem Gesetz. Wir haben ja gar nicht den Eindruck, dass wir unter dem Gesetz versklavt sind. Wir suchen ja nur die guten Lebensregeln, mit denen man Gott wohlgefällig leben kann. Ist nicht das Gesetz gut dafür?

Vers 14: Denn wir wissen, sagt Paulus, dass das Gesetz geistlich ist. Ich aber bin fleischlich und der Sünde verkauft. Denn was ich vollbringe, was ich tue, dazu stehe ich eigentlich innerlich nicht. Denn nicht, was ich will, tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.

Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es recht ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was Recht ist, finde ich nicht.

Denn nicht das Gute, das ich will, übe ich aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde. Also finde ich das Gesetz für mich, da ich das Rechte ausüben will, dass das Böse bei mir vorhanden ist.

Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch, wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?

Und jetzt ist nicht mehr Vergangenheit, dieser Abschnitt ist Gegenwart. Ich glaube, es ist deswegen in der zeitlosen Gegenwartsform geschrieben. Paulus sagt, das ist eine Erfahrung, die man machen kann als religiöser Mensch, aber das ist eine Erfahrung, die man auch noch machen kann als Christ. Das ist zeitlos.

Ich weiß nicht, ob ihr das so beim Vorlesen spürt: Diese Verzweiflung, die Paulus hier reinlegt, diese Verzweiflung, die er offensichtlich selbst durchlebt hat, vermute ich hauptsächlich vor seiner Bekehrung.

Er sagt: Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, es ist einfach gut, es passt zu Gott, das ist einfach vollkommen. Die Regeln Gottes sind einfach vollkommen.

Das Problem ist: Ich bin nicht geistlich. Und das Gesetz und ich, wir passen einfach nicht zusammen. Ich bin fleischlich, ich bin irgendwie – es ist schon ein heftiger Ausdruck – unter die Sünde verkauft.

In diesem ganzen Abschnitt, Vers 7 bis Vers 24, kommt Gott nicht vor, der Heilige Geist auch nicht, und weder der Vater noch Jesus. Sondern viel ich. Irgendwie ist er ein Mensch, der sagt: Ihm möchte Gott gefallen, wo sind die Regeln?

Und Paulus sagt, die Erfahrung, die man macht, ist: Ich bin unter die Sünde verkauft.

Ja, wir sind doch nicht mehr Sklaven der Sünde, hast du in Kapitel 6 gesagt. Ja, darauf komme ich in Kapitel 8 zurück, sagt Paulus.

Aber wenn ich versuche, einfach nach Regeln so zu leben, dass es Gott gefällt, merke ich, dass ich irgendwie trotzdem Sklave der Sünde bin.

Woran merke ich das? Denn was ich tue, was ich vollbringe, bei mir steht, erkenne ich nicht, dahinter stehe ich eigentlich nicht. Denn nicht das, was ich will, tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.

Ich will Dinge tun, gute Dinge. Und es gibt Dinge, die ich wirklich schlecht finde. Ich finde es schlecht zu lügen, ich finde es schlecht zu tratschen über andere Leute hinter ihrem Rücken. Ich finde es schlecht, negative Dinge zu denken. Ich finde es schlecht, Leuten, die mich komisch behandeln, etwas Negatives zu wünschen. Ich finde es schlecht, im Sommer Frauen anzuschauen, bloß weil sie wenig anhaben.

So viele Dinge, die ich schlecht finde, die ich eigentlich hasse – und Paulus sagt: Ich merke es alles, und das, was ich hasse, ich merke, ich tue es. Ich tue es immer wieder.

Wahrscheinlich spricht er völlig an euren Erfahrungen vorbei. Aber ihm ging es so.

Und dann sagt er: Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, stimme ich dem Gesetz bei, dass es recht ist. Ich meine, ich sage ja nicht, das sind Dinge, die man eigentlich tun sollte. Innerlich bin ich überzeugt, das Gesetz hat Recht, das sind Sachen, die schlecht sind, die ich da tue. Das Gesetz hat Recht, ich bin blöd.

Vers 17: Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.

Herr, jetzt wird der schizophrene Mensch draus, oder? Meine Sünde ist ja keine Person, die etwas tut. Und Paulus schreibt hier so, als würde er sagen: Es gibt hier einen Teil meiner Persönlichkeit, der mich dazu bringt, Dinge zu denken und Dinge zu tun, hinter denen ich von meinen Überzeugungen nicht stehe.

Irgendwie gibt es da einen Teil meiner Persönlichkeit, mit dem möchte ich mich gar nicht identifizieren, den würde ich gerne loswerden, mit dem möchte ich mich distanzieren. Dumm ist es, es bleibt immer ein Teil meiner Persönlichkeit.

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.

Und jetzt nur für Bibelstudierende: Wenn ihr das irgendwann mal lest, Römer 7, dann müsst ihr mal schauen, was hier steht.

So Vers 15 bis 17 wird ganz genau vom Gedankengang noch mal wiederholt, Vers 18 bis 20 jeder Punkt.

Paulus ist es so, er sagt, ich muss es noch mal mit anderen Worten sagen, und er sagt noch mal genau dasselbe.

Er sagt noch mal: Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was Recht ist, finde ich nicht. Denn was ich vollbringe, Vers 15, dahinter stehe ich nicht.

Denn nicht das Gute, das ich will, übe ich aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Was für uns heißt: Nicht das, was ich will, tue ich, sondern das, was ich hasse, das übe ich aus.

Er hat es schon mal gesagt, und er sagt es noch mal: Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.

Vers 20, Vers 17: Nun aber vollbringe nicht mehr ich es, sondern die in mir wohnende Sünde.

Es ist wirklich etwas, was ihn beschäftigt, was er einfach noch mal sagen muss, dass es eine Erfahrung ist, die ihm nicht loswird, die ihn wirklich angreift.

Er sagt: Ich will eigentlich etwas tun, ich will den Maßstäben Gottes gehorchen, und ich merke, ich tue genau das, was ich ablehne, immer wieder.

Da ist etwas in mir, was mich dazu bringt.

Und in Vers 21 sagt er dann – und hier bekommt das Wort Gesetz plötzlich eine ganz andere Bedeutung: Also finde ich das – und ich sage es mal das Naturgesetz – für mich, der ich das Rechte ausüben will, dass das Böse bei mir vorhanden ist.

Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen. Ich bin überzeugt, es ist gut, was Gott möchte. Ich habe die Motivation, eigentlich das zu tun, was Gott möchte. Meinem inneren Menschen, meinem Intellekt, meinen Überzeugungen stehe ich dahinter.

Ich sehe aber ein anderes Naturgesetz in meinen Gliedern, das diesem Gesetz meines Sinnes, das, was ich mir eigentlich vornehme, das ich eigentlich gut finde, entgegenstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Jetzt gibt er diesem Naturgesetz seinen Namen. Er sagt, es gibt ein Naturgesetz, wie das Gesetz der Schwerkraft, das in mir wohnt, und ich nenne es einfach mal Gesetz der Sünde.

Und dieses Naturgesetz zieht mich, wie die Schwerkraft mich nach unten zieht, moralisch nach unten. Und es ist einfach da.

Und ich kann mir so viele gute Vorsätze zu Neujahr nehmen, und noch viermal im Jahr nach irgendwelchen guten Predigten und nach einer tollen Freizeit.

Ich kann mir in der Bibel durchlesen, was eigentlich gut wäre, und kann zu allem Ja sagen und auch wirklich dahinterstehen.

Und ich merke trotzdem: Es gibt ein Naturgesetz in mir, das mich davon wegzieht und mich dazu bringt, Dinge zu tun, die ich ablehne.

Und da ist es wirklich zum Verzweifeln.

Ich schaffe es nicht, mit allen Regeln, die von außen kommen, und mit allen Regeln, die ich mir selbst mache, so zu leben, wie ich eigentlich will und wie ich denke, wie es Gott eigentlich gefallen würde.

Vers 23: Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch, wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?

Und das ist wirklich ein Ausspruch der Verzweiflung.

Wer wird mich retten von dieser Persönlichkeit, die so verdorben ist?

Es kann ein Ausruf sein: Wer wird es schaffen, mich anders zu machen?

Aber es kann auch ein Ausruf sein von Todessehnsucht.

Wenn es erst im Himmel anders werden kann, wer setzt meinem Leben ein Ende?

Wie lange muss ich noch mit diesem frustrierenden Kampf auf dieser Erde leben, wenn ich immer nur verliere?

Ich kenne Leute, die es aufgegeben haben, mit Jesus zu leben.

Weil sie sich jeden Sonntag vorgenommen haben, es soll anders werden, und spätestens dienstags gemerkt haben, dass sie es nicht schaffen.

Und irgendwann haben sie gesagt: Ich bin müde, ich mag nicht mehr. Wenn ich es eh nicht schaffe, kann ich es auch lassen.

Bis Vers 25 klingt das irgendwie fatalistisch:

Die zweite Hälfte: Also diene ich selbst mit dem Sinn, also mit meinen Gedanken, meinen Überzeugungen, dem Gesetz Gottes, und mit meinem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

Beides ist in mir, beides hat seinen Platz.

Das eine werde ich nicht los, das andere will ich nicht loswerden.

Wie soll es weitergehen?

Ausblick auf die Lösung in Christus

Ich möchte es noch einmal sagen: Irgendwie fehlt hier etwas ganz Entscheidendes. Etwas, das bereits zu Beginn von Kapitel sieben angedeutet wurde, fehlt hier noch.

Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz gestorben durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden – des auferweckten aus den Toten –, damit wir Gott Frucht bringen. Wo ist die Frucht für Gott? Ja, aber wo ist das „Ich bin eines anderen geworden“?

Mein Kapitel sechs hat gesagt, dass wir Sünde nicht auf die leichte Schulter nehmen sollen. Wir sollten unter der Gerechtigkeit leben, als wären wir ihr versklavt. Aber nur mit Regeln, selbst mit den besten Regeln, scheint es nicht zu funktionieren.

Und dann sagt Paulus zu Beginn von Vers 25, mitten hinein, so als unerklärter, an diesem Kapitel unerklärter Satz, der einfach stehen bleibt: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Irgendwie scheint er eine andere Perspektive zu haben. Man hat den Eindruck, dass diese Verzweiflung seine Erfahrung ist, aber offensichtlich nicht nur eine Erfahrung zu dem Zeitpunkt, als er diesen Brief geschrieben hat.

Offensichtlich hat er eine Lösung gefunden – etwas, wie es anders werden kann. Etwas, wie man dieses Gesetz der Sünde, das nach unten zieht, besiegen kann.

Es ist schön, dass er hier am Ende dieses Textes schon einen Lichtpunkt gesetzt hat. Irgendetwas muss zu tun haben mit der Gemeinschaft, mit dem Auferstandenen – Kapitel 7, Vers 4. Aber was genau, das kommt erst in Kapitel 8.

Vielen Dank an Gerald Dippell, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen! Ein empfehlenswertes Buch des Autors über das Leben von Paulus ist bei CLV erschienen: Paulus persönlich