Generierte Mitschrift
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Einführung in den Predigttext und die Frage nach Gottes Wirken
1. Korinther 2 steht unser Predigttext, 1. Korinther 2,1-12.
Paulus erzählt mit seinen Worten, wie es war, als er nach Korinth kam. Das, was wir vorher in der Schriftlesung gehört haben, wird nun von ihm beschrieben:
Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, um euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte beschlossen, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. So kam ich zu euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern. Und mein Wort und meine Predigt geschah nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern wirkte durch den Erweis des Geistes, des Heiligen Geistes, und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhen sollte, sondern auf Gottes Kraft.
Dennoch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen. Paulus wehrt sich jetzt gegen den Vorwurf, dann sei also der Glaube nur etwas für die Deppen, die nicht richtig zählen können, die zu dumm sind, um auf eine Schule zu gehen. Sagt Paulus: Nein, wir sind für Weisheit, aber unter den Vollkommenen. Nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen, sondern wir verkündigen die geheimnisvolle Weisheit Gottes, die verborgen ist. Gott hat sie vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt.
Keiner von den Herrschern dieser Welt hat sie erkannt. Denn wenn sie sie erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht: Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.
Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist. Denn der Geist, der Heilige Geist, erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. Denn was im Menschen ist, weiß niemand als allein der Geist des Menschen, der in ihm ist, der menschliche Geist, ihr Geist. So weiß auch niemand, was in Gott ist, als allein der Geist Gottes.
Herr, du musst uns jetzt auch deinen Heiligen Geist geben, dass wir das alles verstehen, was wir gelesen haben. Amen.
Ein Bild für die moderne Sehnsucht nach Freiheit
Wir machen das auch gerne in unserer Familie: Wir nehmen unser Zelt, fahren in den Sommerferien irgendwohin und schlagen unser Zelt auf. Campen nennt man das heute, auf gut Schwäbisch. Das ist ein Ausdruck unserer Zeit geworden.
Das Schönste ist für mich dann, wenn man sich gar nicht vorher überlegt, wohin man geht. Man fährt einfach los und sagt: Wir schauen mal, wo wir einen Platz bekommen. Dann schlagen wir unser Zelt auf, solange es uns gefällt. Und wenn es uns nicht mehr gefällt, bauen wir es wieder ab. Die Heringe sind ja schnell herausgerissen, und an einem neuen Platz ist alles wieder aufgebaut.
Das entspricht einer Einstellung unserer Zeit. Es gab sicher andere Zeiten, da liebten die Leute mehr das feste Gebäude, und sie fühlten sich geborgen in einer Burg. Wir lieben heute dieses Ungebundene. Ich meine, dass dies ein Ausdruck unseres Zeitempfindens ist.
Wir wollen einmal ausbrechen aus dem, was uns bindet, was uns normiert, wo wir immer wieder mitmachen müssen. Wir wollen frei sein, ungebunden, zwanglos unser Leben bestimmen, so wie wir es wollen. Das können wir normalerweise nicht. Dann wenigstens im Urlaub, dann doch ganz frei sein und mal hier, mal da sein.
Aber wenn das wirklich ein Ausdruck unseres Zeitempfindens wäre, dann wirkt sich das ja auch auf unser Denken aus. Dass wir das vielleicht auch so gern machen: mal hier, mal da. Und jetzt prüfen Sie einmal unser Leben. Ist das nicht wirklich so, dass der moderne Mensch sich nicht mehr binden will?
Ich verstehe doch unsere jungen Leute so gut, wenn sie sagen, dass sie sich nicht mehr so gut verstanden haben. Ich verstehe sie so gut, wenn sie sagen: Ich will mich mit der Ehe nicht binden. Wie ein Camper mal hier, mal da ein bisschen abgrasen und andere Menschen suchen, ist doch ganz nett. Nicht alles so fest. Man macht einen Job, man wechselt seinen Beruf wieder. Ich fange mal an zu studieren, und dann gefällt es mir nicht, dann mache ich etwas anderes.
Dieses Vagabundieren ist ein Elend des Menschen. Ich sehe dies besonders darin, dass es heute auch kaum einen überzeugten Gottlosen gibt. Gibt es wirklich Leute, die aus voller Überzeugung sagen könnten: Ich glaube nicht an Gott? Wir haben ja mit unserer Missionsarbeit von Licht im Osten sehr viel mit überzeugten Marxisten und Parteigängern zu tun. Nicht einmal da.
Ein bisschen Marx und ein bisschen Religion. Und da sein Zelt aufschlagen und von dieser Zeitmeinung etwas mitnehmen und hier suchen. Und hinter allem steht die große Unsicherheit. Natürlich hat die Unsicherheit auch die Christen erfasst. Die wissen ja oft auch nicht mehr, was wahr ist, was gilt. Weil wir überall unsere Pflöcke einrammen und überall ein bisschen kämpfen.
Wenn doch in unserer Zeit heute Gott einmal eindeutig reden würde, dann hätten wir wieder Grund unter den Füßen. Viele Menschen warten darauf, ein Erlebnis zu haben, wo Gott hineinbricht in unsere Welt. Denn tatsächlich sehen wir in unserer Welt ja nichts von Gott. Wir sehen nur diese gnadenlose Welt und unseren ungnädigen Nächsten. Und die Nöte der Welt und die Schrecken der Welt sehen wir. Aber wo ist etwas von Gott?
Es wird mir schwer, im Alltag daran zu glauben, sagen manche. Ich habe Zweifel. Kein Wunder, dass sie Zweifel haben. Natürlich haben sie Zweifel. Wo sollten sie denn im Glauben gestärkt werden? Fragen über Fragen.
Wo ist etwas von Gott? Ich wollte etwas von ihm sehen. Jetzt will ich das Stichwort hineinwerfen: ein Wunder. Ein Wunder, ja, ein Wunder, das mich überzeugen könnte.
Das Wunder, das Menschen für Gott öffnet
Ich sage Ihnen: Gott gibt Ihnen Wunder am laufenden Band. Ich will es Ihnen heute zeigen, wenn Sie erst einmal darüber sprechen, wo die Wunder heute liegen.
Dass überhaupt ein Mensch in dieser Welt ein Empfinden für Gott hat, ist ein Wunder. Das ist größer als die Heilung von einer schweren Krankheit. Wir nehmen das als selbstverständlich, als ob wir mit Gott Verbindung aufnehmen könnten. Sie wissen doch, wie verschlossen wir für alle göttlichen Dinge sind. In Ihrem Leben ist doch die Gottlosigkeit und die Ferne von Gott eine solche Macht, dass man nur staunen kann, wie es überhaupt möglich ist, dass Menschen zum Glauben kommen.
Das hat uns bei der Entstehung der Gemeinde von Korinth interessiert. Wie kommt es denn überhaupt, dass da irgendwo plötzlich ein paar Leute anfangen, für Gott offen zu sein? Da meinen manche, das sei vielleicht ein religiöser Tick, den man mit den Erbanlagen mitbekommen hat. Nein, nein, das hat gar nichts damit zu tun. Sondern Gott macht dieses Wunder, dass er durch diese ganze Isolierung ihres Lebens hindurchbricht.
Neulich hat mich Ludwig Grinnen, Tiefbauingenieur der Stadt Stuttgart, mitgenommen in den Abwasserschacht, den Sie oben am Bobscher graben, hinunter zur Etzelstraße, in 15 Meter Tiefe. Wir sind dann eingestiegen in dieses Rohr, 1,10 Meter hoch, und hinunter zur Etzelstraße. Nach 50 Metern habe ich Platzangst bekommen, in der engen Röhre so gebückt, mit so einem Helm auf dem Kopf. Dann denkt man: Jetzt ist über dir das Erdreich da vorne. So ein tüchtiger Türke hat in diesem Loch gearbeitet. Ich habe gedacht, ich bin eingeschnürt.
50 Meter zum Außen, da hinten ist ja noch ein Loch, das war noch beruhigend. Aber wenn das runterbricht, dann ist man isoliert, abgeschottet. Das kann man sich nicht vorstellen. Da komme ich nicht mehr durch, da komme ich nicht mehr raus. Da oben sind vielleicht noch Leute, aber ich komme nicht zu ihnen hin.
Der erfahrene Bauman hat über so ein empfindsames Nervenkostüm eines Pfarrers gelächelt. Aber nehmen Sie es mit, um zu wissen, was Isolierung heißt. Der Mensch heute lebt isoliert, einsam, in seiner Berufsarbeit, in seinem kranken Körper, in seiner Welt mit den Ängsten und Nöten. Und er denkt, da ist vielleicht eine Welt Gottes, da gibt es den lebendigen Gott. Das will er gar nie bestreiten, der Mensch heute. Aber er kommt nicht hindurch.
Wie Gottes Geist die innere Distanz überwindet
Ja, wie geschieht das dann? Paulus sagt euch das Wunder der Verkündigung. Ich habe von Jesus gepredigt, und dieses Wort von Jesus hat Menschen erreicht und getroffen. Plötzlich haben sie es begriffen. So ist es doch auch bei ihnen geschehen. Dieses Wort hat sie angesprochen. Sie wissen gar nicht, was das für ein Wunder überhaupt war.
Das kann man beobachten bei jungen Menschen, die vielleicht widerwillig in den Konfirmandenunterricht gehen. Dann gibt es auf einmal Augenblicke, in denen sie das erste Ahnen bekommen: Gott ist da bei mir, er umgibt mich. Sie können es noch gar nicht glauben. Da geht Gott durch diesen ganz dicken Erdring hindurch und geht hinein zu diesen Menschen und erreicht sie. Dass dieses Wunder geschieht, ist das Geheimnis, so wie wir uns zusammenfinden, das ist Gottes Macht.
Und ich wollte, dass Sie einander noch ganz anders erzählen, wie das bei Ihnen passiert ist. Das ist zum Staunen. Da sitzen unter uns junge Leute, die haben das vor 14 Tagen zum ersten Mal richtig begriffen: Gott ist da und er liebt mich. Für sie war das vorher immer so eine Pfarrersrede. Die reden das halt, und das muss irgendwo sein, und so Theorien. Und dann haben sie es begriffen. Das können Sie nicht von sich aus machen, da muss Gott hindurch und Sie ansprechen.
Das Zweite: Wie passieren solche Wunder? Paulus sagt, ich kann da eigentlich recht wenig dazu tun. Wenn Sie anderen in Ihrer Nähe, die nicht glauben können, den kleinen Dienst tun wollen, diese Hebammendienste, damit sie auch zum Glauben kommen, dann wollen wir ja immer ein bisschen das vielleicht demonstrieren. Da meinen wir, wir könnten es vielleicht zeigen mit so einer christlichen Schau. Aber die christliche Schau, die ist ja meist so heuchlerisch, die ist auch gar nicht echt.
Paulus sagt: Als ich zu euch nach Korinth kam, da wollte ich auch euch mal zeigen, was ein richtiger Christ ist, dass ihr sagt: Oh Paulus, so wie du wollten wir auch sein. Keine Spur davon. Paulus war ja auch müde und verzagt und war auch schwach. Er sagt: Ich wollte das nicht demonstrieren, und vor allem wollte ich es nicht mit hohen Worten, hoher Weisheit sagen. Nicht, dass Paulus gegen das Reden in hohen Worten ist. Sie können gern theoretisieren über den Glauben. Übrigens ist das mein Fach, ich mache das gern, wenn es Ihnen Spaß macht. Aber da liegt es nicht darin, dass man hohe theoretische Worte über den Glauben macht.
Ich wollte ganz schlicht reden, ganz einfach, damit umso mehr das Ganze im Geheimnis liegt, im Wunderbaren, dass das Ganze auf Gott fällt, was da geschieht, nämlich im Geist Gottes und in seiner Kraft. Ich will Raum lassen, dass Gott wirklich wirken kann. Ich will da nichts manipulieren mit meiner Art. Ich will ganz still, einfach bloß Gott reden lassen.
Schwachheit, Demut und die Kraft des Geistes
Und ich habe Gott Raum gegeben. Wie habe ich mich gefreut, als heute Morgen noch ein Dritter kam, sodass wir wenigstens drei waren bei der Gebetsgemeinschaft vor dem Gottesdienst. Sie nehmen das vielleicht nicht wichtig, ich nehme das sehr wichtig: dass wir Gott bitten, dass er zu uns rede und diese grosse Isolierung durchbricht.
Haben Sie sich einmal in einen tauben Menschen hineindenken können? Wenn man taub ist, ist das furchtbar. Da sitzt man bei den Festen der Familie dabei, und da wird gesprochen und gelacht, und man sieht die anderen, wie sie reden. Die Tauben haben oft Angst, wenn gelacht wird. Man lacht über sie, weil sie es ja nicht verstehen. Sie sind ganz misstrauisch: Was reden die denn da? Und die gucken so zu mir rüber, und ich weiss nicht, was die reden.
Ich verstehe, dass es dem Menschen, der nicht glauben kann, ähnlich geht. Er hört, wie wir von unserem Glauben sprechen, er hört, wie wir singen, wie wir fröhlich sind. Er beneidet uns sogar um das, was wir haben, aber er kommt nicht hin. Paulus sagt: Glauben kann man nicht über seine Weisheit und über menschliche Brücken, sondern Gott muss die Brücke schlagen. Und das kann nur durch den Heiligen Geist geschehen.
Ohne Heiligen Geist ist die ganze Verkündigung für die Katz, das Kirchehalten und das Singen und das Beten und das Bibellesen. Mir geht es heute noch bei meiner stillen Zeit so, dass ich manchmal wie verboten davor sitze. Das spricht mich nicht an, das erreicht mich nicht, das lässt mich kalt. Sie können auch in einem Gottesdienst drin sitzen und sagen: Heute war es scheusslich. Und Sie haben nichts mitbekommen.
Der heisse Geist kann sogar bei einer ganz dürftigen Predigt reden, durch die Lieder, durch die Lesungen und durch Gebete. Der Geist Gottes schlägt eine Brücke, und er macht uns hell. Er macht uns ein Verständnis, sodass wir all das verstehen können. Paulus sagt: Wer den Geist Gottes hat, der will auch immer mehr von Gott erforschen und ergründen. Er will wachsen im Glauben, er will immer mehr kapieren und hineinkriegen in sein Denken und immer mehr wissen, wie solche Wunder geschehen.
Ich werte damit andere Wunder nicht ab. Wir meinen manchmal, zwischen leiblichen und geistlichen Dingen wäre das so ein weiterer Unterschied. Der Gott, der im Geistlichen solche Wunder wirkt, vermag sie auch im Leiblichen zu wirken. Ich meine sogar, das geistliche Wunder sei das allergrösste: wo wirklich Gott in diese gottlose Welt und in unser gottloses Leben einbricht und uns ein ganz neues Verständnis gibt für seine Welt.
Was können wir dafür tun, dass dieses Wunder geschieht? Paulus sagt: Ich war froh. Eigentlich war in Korinth das Erfolgsrezept, dass ich so schrecklich gezittert habe. Das hätten Sie nicht gedacht. Sie meinen vielleicht auch immer, Sie müssten herkommen, so im Überlegenheitsgefühl wie ein Napoleon und wie ein Sieger von der Seeschlacht. Nein, nein, Paulus sagt: Ich kam mit Zittern.
Das wäre schlimm, wenn hier ein Prediger stünde, der nicht zittert. Nicht weil er nicht reden kann, sondern weil er das nie manipulieren kann: den Heiligen Geist. Den will Gott geben. Dafür müssen wir zubereitet sein, dafür müssen wir uns öffnen. Gott hat es bereitet denen, die ihn lieben, für sie. Sie sollen zum Glauben kommen, sie sollen Durchblick bekommen.
Es war sicher eben doch ein Geheimnis in der Wirksamkeit von Ludwig Hofacker, dass er so leise sprechen musste, dass die hinten kaum verstanden haben, weil er so krank war, und weil Gott sich nicht da hineingeben will, wo wir die geistlichen Sachen mit unserem Ruhm und Erfolg vermischen. Auch das Wachstum des offenen Abends ist ein geistliches Wachsen und nicht irgendein Rezept einer Methode. Man kann viel lernen und auch vom Heiligen Geist sensibel erkennen, was zu tun ist. Aber das letzte Wachsen ist das Geistliche, wo eine Gruppe, ein Hauskreis, wächst und sich sammelt, wo Menschen überhaupt durchsehen aus ihren Anfechtungen heraus. Das geschieht durch den Geist Gottes, und das will er wirken.
Das Zentrum jeder Verkündigung
Solche Wunder passieren heute, und sie geschehen in der Schwachheit. Und sie sind doch so schwach. Sie sagen doch so gern, sie seien so kraftlos und noch nicht fest im Glauben. Da kann ja Gottes Geist ungehindert wirken. Herr, ich kann es doch nicht.
Ihr Zeugnis, das sie sagen, in ganzer Schwachheit bei dem Besuch, wo sie nicht wissen, was jetzt richtig ist, das kann der Geist Gottes benützen, damit der Glaube des Anderen nicht auf ihren schön klingenden Worten beruht, sondern auf der Kraft Gottes, worauf es ankommt.
Ein Letztes: Worauf es ankommt. Paulus sagt: In aller meiner Predigt wollte ich unter euch eigentlich nur vom Gekreuzigten reden. Vom Karfreitag gepredigt, hat er nie die Themen angesprochen, die uns auch bewegen. Er hat nie über unseren Beruf gesprochen oder über die Welt. Lesen Sie doch einmal die Paulus-Predigten. In Athen hat Paulus sehr wohl über die Welt der Religionen gesprochen. Sprechen Sie mit den Menschen über alle Themen.
Aber wie gehört das dann zusammen? Ich will unter euch nichts wissen als Jesus, den Gekreuzigten. Paulus hat jedes Thema aufgreifen können, das er wollte. Er hat von der Geschichte reden können, vom Menschenschicksal, aber jedes Thema hat er auf dem Hintergrund des gekreuzigten Jesus entfaltet. Das heißt: Da gibt es doch keinen Rühmen mehr von Menschen und kein Protzen mehr und kein Hochstapeln.
Paulus hat in seiner Seelsorge mit Menschen ganz offen gesprochen und gesagt: Ich weiß, dass sie mit Gott nicht klarkommen. Und dann sprach er seelsorgerlich über Schuld und Sünde, weil er vom Gekreuzigten wusste. Er wusste, dass das die Menschennot ist. Und er hat Menschen, die verkrampft waren in ihrer Frömmigkeit und die für Gott etwas leisten wollten, zurückgeholt und gesagt: Du kannst es doch nicht, lass dich doch beschenken von der Vergebung Jesu. Das hat er in jeder Predigt gebracht.
Das darf in keiner Predigt fehlen, ob wir über unsere Dienste, über unsere Erziehungsaufgaben reden oder über das, was wir tun. Wir sollen wissen: Wir sind vor Gott eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel. Gott, lass uns dein Heil schauen, auf nichts Vergängliches trauen, nicht Eitelkeit uns freuen.
Es war dem Paulus wichtig, auf dem Hintergrund des Kreuzes Jesu zu predigen, und das ist wichtig für uns, wenn wir zum Glauben kommen wollen.
Hoffnung auf Erneuerung und das Licht in der Finsternis
In Korinth gab es offenbar eine Gruppe in der Gemeinde, die sich sehr gepriesen hat: Wir haben den Heiligen Geist! Und Paulus holt sie immer wieder herunter und sagt: Und ihr bleibt auch mit all dem, was ihr im Glauben erlebt habt, sündige, der Erlösung bedürftige Menschen und lebt von der Gnade Gottes.
Wir haben auch den Geist, sagt er gleich nachher, wir haben ihn auch. Aber wer den Geist Gottes hat, der will in Demut die Tiefen der Gottheit erforschen und Auskunft schaffen.
Wir sehnen uns heute nach einem Durchbruch, dass wieder Menschen zum Glauben kommen, nach einer neuen Missionsbewegung. Ich wünschte mir, dass überall in Stuttgart Hausbibelkreise entstünden, um jede christliche Familie herum, dass wir wieder Wegzeiger werden. Und sie sagen: Wie, ich kann das nicht, warum sollen sie es nicht können? Sie manipulieren das nicht, aber der Geist Gottes will durch schwache Menschen hindurchwirken. So wie das in den großen Zeiten der Erweckung immer wieder geschah. Da waren einfache, notleidende Menschen, die das Kreuz Jesu verstanden haben: Jesus hat sich für mich geopfert, ich kann da unter seinem Kreuz stehen, einen anderen Platz gibt es für mich gar nicht mehr. Ich habe Versäumnisse und Fehler und Schuld, aber er liebt mich, und er will über dieser sündigen Menschenart in dieser Welt etwas Großes bauen, sein Reich. Ich darf in seiner Auferstehungskraft wirken und Großes beginnen.
Wir haben diesen Text heute nach dem Erscheinungsfest immer unter diesem großen Leitgedanken, dass das Licht aufleuchtet in der Finsternis der Heidenwelt. So leuchtet das Licht auf: geistliche Erneuerung, Erweckung, dass der Heilige Geist uns lebendig macht. Für den Apostel Paulus fällt der Empfang des Geistes nicht auseinander mit der Christus-Erkenntnis. Dort, wo er Jesus erkennt, so war es bei ihm vor Damaskus. Dort kam Ananias und hat ihm dies zugesprochen: Jesus liebt dich. Und das hat ihm die Augen geöffnet, das fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Jetzt hat er es verstehen können, da, wo er seine Sünde vor Jesus gebracht hat und im Gehorsam Jesu leben wollte.
Er erleuchte auch die Augen unseres Herzens, dass wir ihn ganz sehen können und erkennen können, was er mit unserem Leben Großes macht, dass dieses Wunder geschieht, dass er sie aus der Isolierung herausholt und durch sie wirkt. Amen!

