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Apostelgeschichte 17,29-34 - Das evangelistische Gespräch 3

Apostelgeschichte 17,29-17,3421.03.2021
SerieTeil 44 / 64Apostelgeschichte
Warum stößt das Kreuz so viele ab? Weil hier nicht Leistung zählt, sondern die Frage: Nimmst du Jesu Rettung an – oder bleibst du bei dir selbst?

Rückblick auf den bisherigen Weg

Schön, dass ihr da seid! Ich freue mich, ich freue mich auf die Predigt. Ich freue mich deshalb auf die Predigt, weil sie der dritte Teil ist, und wir kommen heute gedanklich am Ziel an.
Wenn ihr euch noch erinnert, wo wir waren: Wir waren in der Apostelgeschichte, Kapitel 17, und wir haben gemeinsam betrachtet, wie der Apostel Paulus auf dem Areopag Stück für Stück den Heiden antwortet auf ihre Fragen und sie mitnimmt hinein in eine Präsentation des Evangeliums.
Mir war es wichtig, euch zu zeigen, wie man ein evangelistisches Gespräch aufbauen kann. Nicht nur, wie es damals vielleicht möglich und typisch war, sondern auch, wie wir heute an der Stelle ein Stück weit so vorgehen können.
Wenn ihr euch erinnert, war der erste Schritt der, dass ich euch Mut gemacht habe, einfach mal mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Einfach mal zu schauen: Na ja, was machen eigentlich so die Leute um mich herum, um glücklich zu werden? Was machen sie so, um ihrem Leben einen Sinn zu geben?
Es ist ganz offensichtlich, wenn man in diese Welt hineinschaut, dass der Mensch mehr will als einfach nur vegetieren. Essen, Trinken, Schlafen – ja, das gehört auch dazu, aber das reicht dem Menschen nicht. Und so gibt es tatsächlich ganz viele Anknüpfungspunkte für ein tiefes geistliches Gespräch in dem, was Menschen tun, um einer bestimmten Sehnsucht, die sie haben, Erfüllung zu geben.
Und das kann dann ganz, ganz unterschiedlich sein. Da kann der Wunsch nach Gesundheit im Mittelpunkt stehen oder vielleicht eher die Frage, wie man über bestimmte Themen spricht. Das geht bis hin zu artgerechter Tierhaltung oder Umweltschutz. Wir haben Sehnsüchte in uns, und die Frage ist: Wo kommen die her?
Sehnsüchte, die nicht einfach nur widerspiegeln, dass wir sind, sondern die widerspiegeln, dass wir hier mit einem bestimmten Ziel sind. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Ewigkeit, nach Verantwortlichkeit, letztlich eine Sehnsucht nach der Begegnung mit Gott.
Und genau das können wir Menschen zeigen. Wir können sagen: Schau mal, in dir spüre ich etwas. Du möchtest so viel mehr vom Leben haben, und ich weiß, wie du das bekommen kannst.
Das war so mein erster Schritt: dass wir uns Gedanken darüber machen, wo sind Bezüge in der Gesellschaft, im Verhalten der Zuhörer, und wo sind Sehnsüchte, an die wir einfach anknüpfen können, weil sie da sind?
Ja, Menschen müssen verstehen, wofür brauche ich eigentlich das Evangelium? Und die ganz einfache Sache ist: Weil das Evangelium, richtig verstanden und richtig gelebt, genau das ist, wonach deine Seele sich sehnt.
Und auch wenn du das vielleicht heute noch nicht so genau sagen und verstehen kannst, weil du dich nach allem Möglichen ausstreckst: Am Ende ist es Gott, den du suchst.

Wenn menschliche Strategien an ihre Grenze kommen

Zweiter Schritt, und das war beim letzten Mal unser Thema: Denke die Strategie zu Ende, die Menschen in ihr Leben hineinbringen, um diese tiefe Sehnsucht, die sie haben, zu stillen. Und wenn du das tust, dann wirst du feststellen: Menschen haben eine Sehnsucht. Sie haben eine Strategie, diese Sehnsucht zu stillen, aber das geht nicht auf.
Paulus macht das deutlich am Beispiel der Athener, die in einem Tempel einen Altar dem unbekannten Gott hinbauen, so nach dem Motto: Wenn es denn diesen Gott noch gibt, dann vorsichtshalber dem auch noch einen Altar. Paulus überlegt sich: Sag mal, denk noch mal nach. Das geht doch nicht auf! Wenn ihr schon den unbekannten, den Schöpfergott anbeten wollt, durch den wir sind, durch den wir leben, in dem wir sind, der allem Leben gegeben hat, dann fangt doch nicht an, da eine Figur aus Gold, Silber oder Stein hinzustellen.
Ich lese euch vor: Apostelgeschichte 17,29. Da kommt dieses Argument. Er nimmt das Denken der Leute auf und führt es einfach ein Stück weiter. Er sagt: Das kann es nicht sein. Also, ich verstehe eure Sehnsucht danach, Gott anzubeten, den richtigen Gott anzubeten, aber doch bitte nicht auf diese Weise.
 Apostelgeschichte 17,29: Da wir nun Gottes Geschlecht sind, sollen wir nicht meinen, dass das Göttliche dem Gold und Silber oder Stein, einem Gebilde der Kunst und der Erfindung des Menschen, gleich sei.
Das kann nicht sein. Wenn ihr verstanden habt, wie Gott ist und dass er uns gemacht hat, dann bitte: Wie kommt ihr auf diesen absurden Gedanken, Gott wieder reduzieren zu wollen auf irgendetwas, was Menschen gebastelt haben? Das ist doch Quatsch!
Frage: Wo hat Paulus diese Idee her, dass wir Gottes Geschlecht sind, dass die Gottesvorstellung quasi nicht hinter dem Menschsein zurückbleiben darf?
Vers 28: Denn in ihm leben wir und bewegen uns und sind wir, wie auch einige eurer Dichter gesagt haben: Denn wir sind sein Geschlecht.
Antwort: Wo hat Paulus das her? Aus der Kultur.
Wir müssen eigentlich in einem evangelistischen Gespräch nicht mehr tun, als nur darauf hinzuweisen, dass wir als Christen gar nicht die Ersten sind, die eine bestimmte Wahrheit formuliert haben. Auch wenn uns das komisch vorkommt: Das Argument ist, dass es ganz häufig die Dichter und die Poeten sind, die unsere Welt, in der wir leben, erstaunlich gut durchschauen. Und deswegen dürfen wir sie zitieren.
Lasst mich euch ein Beispiel dazu geben. Ich mache einen Podcast. Es gibt so fünf kleine Impulse pro Woche, fünf geistliche Impulse von mir. Letzte Woche ging es um das Thema Apologetik, also Glaube und Wissenschaft. Und es ging um Einwände gegen den Glauben. Der erste Einwand, den ich am Montag behandelt habe, hieß: Wer an Wunder glaubt, ist naiv. Das war der erste Einwand. Dazu habe ich etwas gemacht, sieben Minuten lang.
Ich habe mir überlegt: Wie kann ich dieses Thema behandeln, „Wer an Wunder glaubt, ist naiv“? Und dann fiel mir Paulus in Athen ein. Ich kann auf so einen Satz, „Wenn du an Wunder glaubst, bist du naiv“, natürlich antworten. Ich könnte sagen: Schau her, ich glaube an den Schöpfergott, und es ist überhaupt nicht naiv zu glauben, dass, wenn der Schöpfer die Naturgesetze geschaffen hat, er sie dann auch jederzeit außer Kraft setzen kann. Das wäre normalerweise mein erstes Argument gewesen. Und das ist richtig, das ist logisch, das passt.
Aber ich dachte an Paulus. Und dann dachte ich mir: Nee, ich fange anders an. Auf den Einwand „Wer an Wunder glaubt, ist naiv“ war meine erste Antwort: Nena.
Jetzt wirst du Nena vielleicht nicht mehr kennen. Sie wurde mal bekannt mit 99 Luftballons, das ist schon einen Moment her, aber sie singt immer noch. Und Nena singt unter anderem ein Lied, das heißt: Wunder geschehen, ich hab’s gesehen, es gibt so vieles, was wir nicht verstehen. Und wisst ihr was? Das singt sie vor zwei Jahren bei so einer Deutschland-Tournee, und da hast du in Dortmund die Halle. Und die Halle steht da nicht und sagt: Was für ein blöder Text, Wunder gibt’s überhaupt nicht, was macht denn die da vorne? Sondern die Halle singt mit. Überall sind die Lichter. Wunder geschehen, ich hab’s gesehen, es gibt so vieles, was wir nicht verstehen.
Versteht ihr? Auf die Frage: Bin ich naiv, wenn ich an Wunder glaube? Nein. Ja, warum nicht? Ich habe meine Prophetin ins Rennen geschickt. Hier ist Nena. Nena spricht aus, was alle denken. Es mag sein, dass du mich für naiv hältst, wenn ich an die Wunder der Bibel glaube. Aber darf ich dir etwas zurückspiegeln? Keiner von uns möchte in einer Welt leben, in der es keine Wunder gibt, zumindest dann nicht, wenn du eine schlimme Diagnose bekommst oder vor den Scherben deiner Beziehung stehst. Das wollen wir auch nicht.
Und das war mein erstes Argument. Ich bringe es nur, damit ihr versteht: Wir dürfen hineingreifen in das, was diese Welt schon immer glaubt, und wir dürfen es bringen und sagen: Hey, wir wollen nur da weitermachen, wo andere, die überhaupt nicht an Jesus glauben, angefangen haben zu denken. Da ist evangelistisches Sprechen.
Punkt eins: Wo liegen die Sehnsüchte der Menschen?
Punkt zwei: Zeig ihnen einfach, dass ihre Strategien nicht aufgehen. Und du kannst gerne die Bibel dazu verwenden, logisch. Aber du kannst auch den gesunden Menschenverstand heranziehen, der sich gerade in Kunst und Literatur widerspiegelt. Bis dahin ist ein solches Gespräch immer cool. Bis dahin gibt es im Allgemeinen keine Probleme.

Der Anstoß des Evangeliums

Jetzt kommen wir zum dritten Teil, und da wird es jetzt haarig. Wir kommen nämlich zum Evangelium selbst. Und das Evangelium selbst ist, ob wir das wollen oder nicht, immer so ein Stolperstein, etwas, woran man sich stoßen kann, wo man sich wirklich böse auch daran wehtun kann.
Paulus hat das erlebt. In 1. Korinther 1,18 schreibt er: Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.
Das Wort vom Kreuz meint damit den Kern des Evangeliums, oder die Tatsache, dass wir an einen jüdischen Rabbi glauben, der circa dreißig nach Christus irgendwo am Rand des Römischen Reiches als Verbrecher hingerichtet wurde, und dass dieser Mann Gott war und dass sein Tod das mit Abstand wichtigste Ereignis der Weltgeschichte ist. So etwas zu glauben, ist entweder eine absolute Dummheit, Torheit, oder aber es ist Durchblick, wie man ihn bei einem Menschen ganz, ganz selten findet.
Und wenn man das jetzt predigt, das Evangelium, dann kommt man eben an so einen Punkt, wo man Dinge predigen und sagen muss, die dazu führen, dass Menschen eine Entscheidung treffen müssen. Und das, was man da so sagt, klingt in den Ohren der Zuhörer zum Teil so absurd und unglaubwürdig, dass es wirklich leichtfällt zu sagen: Was für einen Blödsinn glaubst du da? Du bist ja sonst ein ganz normaler und ein ganz Netter, aber jetzt mal ganz ehrlich, das glaubst du?
Das ist ein ganz hässlicher Punkt, wenn wir das Evangelium predigen, an dem wir nicht vorbeikommen. Es ist für die einen, denen wir das Evangelium erklären, Gotteskraft, wodurch sie gerettet werden, und für die anderen einfach nur unglaublicher Murks.
Woher kommt es, dass das Evangelium so extrem polarisiert? Es liegt daran, dass im Zentrum des Evangeliums ein Kreuz steht. Und das Kreuz ist das Ende aller menschlichen Bemühungen, sich selbst zu retten.
Als Podcaster bin ich immer noch am Lernen, das heißt, ich schaue mir auch mal die Konkurrenz an. Und da gibt es zum Beispiel einen Podcast, der da heißt: Gott erfahren, erkennen, verehren, dienen. Das ist jetzt nichts Christliches, das ist so Yoga-Vedanta-Spiritualität. Da heißt es dann zum Beispiel, Zitat: Spiritueller Fortschritt kommt allmählich. Du musst lange praktizieren, daher gilt es, bis zum letzten Atemzug spirituelle Praktiken zu üben. Triff deine Entscheidung, langfristig zu praktizieren. Vielleicht wirst du mit deinem letzten Atemzug Gott verwirklichen.
Das kommt an: Ich werde Gott! Vielleicht erst mit dem letzten Atemzug, aber ich kann etwas tun. Ich kann mich reinhängen. Ich kann Gott werden. Wecke den Gott in dir. Hauptsache, der Mensch kann irgendetwas machen. Diese Botschaften werden immer ankommen: Ich kann etwas leisten.
Aber wehe, wir predigen das Evangelium. Das Evangelium ist ganz anders. Das Evangelium beginnt damit, dass ich nichts tun kann, weil ich nichts habe und Gott schon alles getan hat, und das vor langer Zeit. Und das mag der Mensch einfach nicht hören. Das ist etwas, womit der Mensch so wenig anfangen kann.
Ein Gott, den ich nicht beeindrucken kann, der sich von mir und meiner Leistung und meinen Errungenschaften und meinen Titeln einfach nicht beeindrucken lässt. Und dann zu sagen, es gibt keine andere Errettung, als diesem Gott zu begegnen und vor diesem Gott zu kapitulieren, ja, das ist es.
Und weil das so ist, gibt es in einem evangelistischen Gespräch unweigerlich irgendwann die Konfrontation mit der Wahrheit. Wir kommen dann eben auf Themen zu sprechen, die so dicht an diesem Kern dran sind, an dem, was Gott getan hat, dass sich unsere Zuhörer entscheiden müssen: Möchte ich dieser neuen Information, Gott hat schon alles getan, Glauben schenken, oder geht es mir darum, einfach mein Leben so weiterzuleben wie bisher?
Und genau diesen Punkt haben wir in unserem geistlichen Gespräch auf dem Areopark jetzt erreicht. Wenn ihr euch erinnert, ganz am Anfang, die Zuhörer haben Paulus nicht so richtig verstanden. Da war irgendwas mit Jesus und mit der Offenbarung. Wir lesen nochmals Vers 18, das ist Ihre Frage: Aber auch einige der epikureischen und stoischen Philosophen griffen ihn an, und einige sagten: Was will wohl dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Er scheint ein Verkündiger fremder Götter zu sein, weil er das Evangelium von Jesus und der Auferstehung verkündigte.
Hier haben wir das Evangelium von Jesus und der Auferstehung. Irgendwie haben sie dann mitgekriegt, dass es eine gute Nachricht, eine gute Botschaft, hat, aber sie kriegen das nicht zusammen. Es überrascht jetzt nicht, dass, wenn Paulus dieses Gespräch auf den Punkt bringt, auf das Zentrum des Evangeliums, er diese Aspekte Auferstehung und Jesus wieder aufgreift. Das ist das, wo die Frage im Raum steht: Wie passt das zusammen?
Paulus bringt das zusammen, und er macht es folgendermaßen. Ihr werdet merken: Die nächsten beiden Verse sind die Präsentation des Evangeliums mit einem Schwerpunkt Auferstehung, und es sind die beiden Verse, wo sich danach die Gruppe teilt. Eben noch sind alle interessiert und sagen: Sag mal, was hast du uns so zu erzählen? Und dann heißt es am Ende nach diesen beiden Versen, die einen spotten, und die anderen denken sich: Wow, das ist interessant, da würde ich gerne mehr zu hören.
Noch mal: Wir haben immer einen dritten Schritt bei der Präsentation des Evangeliums, wo wir an einen Punkt kommen, wo Leute sich entscheiden müssen. Das ist der Punkt. Apostelgeschichte 17,30-31. Da sagt Paulus: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat; und er hat allen dadurch den Beweis gegeben, dass er ihn auferweckt hat aus den Toten.
Das ist so ein bisschen bang, merke: Es gibt jetzt kein Zurück mehr. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, übersehen im Sinne von nicht gerichtet. Gott hätte den Götzendienst der Antike in jedem Jahrhundert vor Jesus schon richten können, hat er aber nicht getan. Was er getan hat, ist etwas ganz anderes. Er hat gewartet, und jetzt kommt Paulus und sagt: Jetzt gebietet Gott den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen.
Wir merken, das Evangelium ist keine neutrale Botschaft. Auferstehung ist passiert. Da ist einer von den Toten auferweckt worden, und seine Auferweckung ist Beweis. Die Frage ist: Wofür? Was beweist die Auferstehung? Die Auferstehung beweist, dass er, der da auferweckt worden ist, eine ganz besondere Bestimmung zu erfüllen hat, nämlich die Bestimmung, Richter der ganzen Erde zu sein. Gott selbst legt in seiner Souveränität einen Tag des Gerichts fest, und er setzt mit der Auferstehung den Richter ein.
Und weil Gott gehandelt hat, weil da etwas passiert ist, weil das Grab wirklich leer war, das, was wir an Ostern feiern werden, weil das passiert ist, deshalb müssen die Menschen jetzt handeln, deshalb müssen sie Buße tun. Gott gebietet, Buße zu tun.
Was ist Buße? Buße ist die komplette Veränderung meiner Lebenseinstellung, die komplette Neuausrichtung meines Lebens, das, was wir Paradigmenwechsel nennen würden. Ich war vorher mein eigener Gott, jetzt lebe ich für Gott, und jetzt will ich Gott mit meinem Leben gefallen. Und das ist das, was Gott möchte, überall für alle Menschen, dass sie Buße tun.
Buße ist das, was ein Mensch braucht, wenn er gerettet werden will. Ich muss mein altes Leben hinter mir lassen, ich muss mich hundertprozentig Gott zuwenden und dann auf ihn hin leben. Er muss sein Denken und sein Verhalten in mir wiederfinden, und ich muss mich komplett auf ihn ausrichten.
Es geht Gott nicht darum, es ist wichtig, dass wir das vielleicht verstehen, es geht ihm nicht darum, ein paar neue Gottesdienstbesucher zu rekrutieren. Was Gott sucht, das sind Menschen, die Buße tun, die sich ganz auf ihn ausrichten. Gott gebietet Buße. Warum? Weil es einen Tag des Gerichts gibt. Die Auferweckung Jesu ist nichts anderes als die Auferweckung des Richters.

Der Richter und seine Bevollmächtigung

Frage: Warum setzt der Vater den Sohn zum Richter ein? Das steht nicht hier im Text, ist aber ein schöner Gedanke, den ich euch kurz zeigen möchte. Er tut es, weil er den Sohn liebt. Der Vater hat ein unglaubliches Interesse daran, dass man den Sohn ehrt, wie man den Vater ehrt. Und damit alle Menschen den Sohn ehren, bekommt der Sohn die Aufgabe, das Gericht über alle Menschen zu sprechen.
In Johannes 5,22-23 steht das: Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
Der Vater könnte die Menschheit richten, klar. Aber er verzichtet auf dieses Recht, weil er will, dass alle Menschen den Sohn ehren, wie sie Gott, den Vater, ehren. Und das Gegenteil ist auch wahr: Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
Also: Es geht nicht, dass jemand sich hinstellt und sagt: Ich glaube an Gott, Gott bedeutet mir unheimlich viel, aber mit dem Sohn kann ich eigentlich nichts anfangen. Das geht nicht. Das geht aus Gottes Perspektive nicht. Das geht nur, wenn ich gar nicht an den Gott der Bibel glaube, sondern an einen selbstgemachten Gott, der meinen eigenen Überlegungen entsprungen ist und der sich so verhält, wie ich mir das wünsche. Aber wenn ich es mit dem lebendigen Gott zu tun habe, dann gelten seine Regeln. Dann will er, dass ich seinen Sohn Jesus von Nazareth, den Menschen, der keinen menschlichen, sondern nur einen himmlischen Vater hat, ehre, wie ich den Vater im Himmel ehre. Es darf da keinen Unterschied geben.
Kommen wir zurück zum Areopag. Paulus predigt Gericht, und er predigt die Auferstehung als Beleg dafür, dass Gott sich einen Richter auserwählt hat. Warum kann Jesus Richter sein und kein anderer Mensch? Antwort: Weil er auferstanden ist. Aber warum ist er auferstanden? Weil Gott ihn gerechtfertigt hat. Das heißt, die Auferstehung macht klar, dass das Opfer, das Jesus gebracht hat, genügt. Gott ist mit diesem einen Opfer für die Sünden der Menschheit völlig zufrieden.
Er hat unsere Gerechtigkeit auf sich geladen, ging ans Kreuz und hat dort unsere Schuld durch seinen Tod gesühnt. Und als diese Sühnung beendet war, als das Projekt, Sünden und Schuld zu erledigen, die Rettung von Sünden zu erledigen, abgeschlossen war, da hat Gott ihn, den Gerechten, wieder auferweckt.
In 1. Johannes 2,1-2 steht es: Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Beistand beim Vater. Jetzt wird dieser Beistand beschrieben, den wir heute haben: Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden; nicht allein für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.
Jesus ist der Gerechte, die Sühnung für unsere Sünden. Meine Sünde lag auf ihm, er wurde zum Fluch, aber er hat gesühnt, er hat bezahlt, er hat mich erlöst und erkauft. Das ist das, was hier steht.
Kein Mensch kann mehr tun, als genau daran zu glauben, dass das für ihn am Kreuz passiert ist. Ich glaube entweder daran, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist, oder ich werde ins Gericht gehen, wo jede meiner Sünden mich verdammt. Das sind die zwei Alternativen. Das ist der Kern des Evangeliums.
Und so sind wir tatsächlich am Ende der evangelistischen Predigt von Paulus angekommen. Wir starten mit der Sehnsucht der Menschen. Wir zeigen, dass ihr Weg, die Sehnsucht zu stillen, eigentlich nirgendwo hinführt. Das könnten sie wissen, aber sie gehen manchmal argumentativ nicht weit genug. Und dann enden wir bei der Präsentation des Evangeliums mit einem Blick auf den Mann, der vom Himmel her kam, um jeden zu retten.
Und dieser letzte Schritt der Evangeliumspräsentation enthält zwei ganz bittere Pillen für die Zuhörer. Punkt eins: Jeder Mensch muss Buße tun, jeder Mensch muss eine Entscheidung für oder gegen Jesus treffen. Niemand kommt an dieser Entscheidung vorbei. Und der zweite Punkt: Wenn er es nicht tut, dann spart Gott nicht, dann geht er verloren. Gericht ist eine Realität. Ewiges Leben gibt es tatsächlich nur bei Jesus.
Er wird entweder unser Retter oder aber er wird unser Richter, eins von beiden wird er sein. Er wird entweder heute der sein, der mir sein ewiges Leben schenkt und mich mit hineinnimmt in seine Auferstehung, oder ich werde ihm begegnen. Er wird vor mir stehen und mir die Frage stellen: Warum hast du dich nicht retten lassen? Was hat dich davon abgehalten, im Kreuz das zu sehen, was so einfach hätte gesehen werden können: der Ort, wo ich für deine Schuld gestorben bin.

Reaktionen auf die Botschaft

Und so kommen wir zum Schluss: Apostelgeschichte 17,32-34.
Als sie aber von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen. Die anderen aber sprachen: Wir wollen dich darüber auch noch einmal hören.
So ging Paulus aus ihrer Mitte fort. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und glaubten, unter denen auch Dionysius war, der Areopagit, das heißt ein Mitglied des Gerichtshofs, und eine Frau mit Namen Damaris sowie andere mit ihnen.
Ein letzter Gedanke: Wir können Menschen die Entscheidung für oder gegen das Evangelium nicht abnehmen. Also, wir können ehrlich sein, wir müssen ehrlich sein: Es geht beim Evangelium immer um Leben und Tod. Aber die Entscheidung selbst bleibt immer zu 100 % bei den Zuhörern. Niemand muss glauben, aber jeder darf interessiert sein, weitere Fragen stellen, sich uns anschließen und zum Glauben finden.
In diesem Sinn: Möge Gott es uns schenken, dass wir noch vielen Menschen das Evangelium erklären dürfen, und möge er es uns schenken, dass wir uns dabei klug anstellen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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