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Worauf setzen wir unsere Hoffnung?

Überblick über Jesaja, Teil 9/18
21.02.2023Jesaja 14,28-22,25
SERIE - Teil 9 / 18Überblick über Jesaja

Einführung in die historische und prophetische Betrachtung

Was übrig geblieben ist, umfasst all das, was grün markiert ist: Kapitel 14, Vers 28 bis zum Ende von Kapitel 22. Das ist der Abschnitt, den ich heute mit euch anschauen möchte.

Ich werde heute viele Dinge mit euch besprechen und relativ viel vorlesen. Es handelt sich dabei auch ein wenig um eine Geschichtsstunde über die damalige Zeit. Es ist nicht der Anspruch – und ihr solltet auch nicht den Anspruch an euch selbst haben –, euch jedes Detail zu merken, das ich erwähne. Das wäre zu viel.

Lehnt euch einfach gemütlich zurück. Das ist Geralds Gute-Nacht-Geschichte. Zwischendurch werde ich die eine oder andere Schlussfolgerung ziehen oder den einen oder anderen Gedankenanstoß geben. Wenn ihr dabei gut aufpasst, habt ihr heute Abend schon viel gewonnen.

In den Hauskreisen haben wir zur Überraschung des einen oder anderen Jesaja 36 und 37 angeschaut: die Belagerung und Nichteroberung Jerusalams durch das syrische Weltreich. Ich bin überzeugt, dass diese Kapitel – und auch noch zwei weitere – vor allem als einfache Geschichtsschreibung in Jesaja stehen. Ohne Bilder, ohne große Prophetie.

Am Ende seines ersten großen Teils war das für Jesaja das Ereignis, das Wunder seines Zeitalters. Um dieses Ereignis ranken sich viele seiner Prophezeiungen. Es ist der Anknüpfungspunkt, an dem sie ihren Bezug finden.

Dieses Wunder, dass dieses Weltreich, diese Supermacht aus Syrien, vor den Toren Jerusalams scheitert, war für Jesaja das Ereignis überhaupt. Ein Ereignis, auf das er hin prophezeit hat, das er eigentlich schon vorhergesagt hatte. Und ein Ereignis, auf das er hinterher wahrscheinlich auch zurückgeschaut hat, als er aus den Prophezeiungen seines Lebens irgendwann vermutlich dieses Buch zusammengestellt und entschieden hat, was an welche Stelle kommt.

Überblick über die drei Prophezeiungsblöcke

Ich möchte mit euch diese drei Blogs durchgehen. Am Anfang werden wir drei Prophezeiungen über die Nachbarländer Judas lesen. Anschließend betrachten wir hauptsächlich die Prophezeiungen über Kusch und Ägypten. Jesaja zeigt hier in gewisser Weise in drei aufeinanderfolgenden Schritten, welche Auswirkungen und welches Staunen dieser Sieg von den Toren Jerusalems bis in ferne Länder ausgelöst hat.

Als Drittes werden wir dann den vielleicht besonderen, ja sogar erstaunlichsten Abschnitt lesen. In diesem Abschnitt möchte Jesaja uns wahrscheinlich noch einmal besonders herausfordern. Doch dazu kommen wir später.

Wir starten mit den drei Prophezeiungen über die Nachbarländer Israels. Es wäre hilfreich, wenn du eine Karte der Nachbarländer Israels einblendest, damit ihr ungefähr sehen könnt, wo diese liegen.

Die Prophezeiung über Philistia und die Assyrische Bedrohung

Fangen wir mit Philistia an, Jesaja 14. Diese Prophezeiung ist auf das Todesjahr des Königs Ahas, also des Großvaters von Hiskia, datiert. Wir haben bereits gesehen, dass Ahas sehr bedrängt wurde von einer Allianz aus dem Norden, bestehend aus dem Nordreich Israel und Syrien. Letztendlich war er es, der die Assyrer zu Hilfe rief und ihnen einen Anlass gab, von Norden in diese Region einzumarschieren.

Es traf nicht nur Israel, also das Nordreich Israel, und Syrien. Diese assyrischen Invasionen aus dem Norden zogen oft am Mittelmeer entlang nach Süden. Das war die interessanteste Region, denn dort lagen die großen Handelswege. Außerdem war es der Weg, auf dem sich ein großes Heer am leichtesten bewegen konnte. Dabei wurden unter anderem auch die Philister getroffen, die oft als Stadtstaaten organisiert waren.

 Jesaja 14,28: "Im Todesjahr des Königs Ahas geschah dieser Ausspruch."

 Jesaja 14,31: "Heule, Stadttor, schreie, Stadt, schmilz hin vor Furcht, ganz Philistäer! Denn von Norden her kommt Rauch, und kein Vereinzelter ist unter seinen Scharen."

 Jesaja 14,32: "Und was antwortet man den Boten der Nationen?" Hier folgt der entscheidende Satz in dieser Prophezeiung: Der Herr hat Zion, also Jerusalem, gegründet, und die Elenden seines Volkes finden darin Zuflucht.

Jesaja sagt, es gibt nur einen Ort im Nahen Osten, wo ihr Zuflucht finden könntet vor der kommenden Invasion der Assyrer. Dieser Ort ist Jerusalem. Es ist der einzige Ort, wohin ihr fliehen könntet, um vor den Assyrern verschont zu bleiben.

Die Prophezeiung über Moab und die Flucht vor der Assyrischen Invasion

Die Prophezeiung über Moab beginnt ab Kapitel 15, Vers 1. Es ist ein Ausspruch über Moab: „Fürwahr, über Nacht ist es verwüstet, Amor vernichtet, fürwahr, über Nacht ist es verwüstet, Kir Moab vernichtet.“

Am Ende von Vers 2 heißt es: Auf allen seinen Häupten ist eine Glatze, jeder Bart ist abgeschoren – ein Zeichen extremer Trauer, denn Männer scheren sich den Bart ab, wenn sie trauern. Auf seinen Gassen tragen sie Sacktuch um die Hüften. Auf seinen Dächern und auf seinen Märkten jammert alles, zerfließend in Tränen.

Jesaja beschreibt hier das Flüchtlingselend dieser Zeit. Die Invasion der Assyrer kommt von Norden. Die Moabiter, jeder, der fliehen kann, flieht nach Süden, Richtung Edom. In Vers 9 heißt es: „Aber tatsächlich verhänge ich noch mehr Unheil. Ein Löwe über die entronnenen Moabs und über den Überrest des Landes.“

Die Verfolgung wird sie einholen, auch auf ihrer Flucht. Und die, die nicht geflohen sind, wird es erst recht treffen. Dann spricht Gott zu den Moabitern auf ihrer Flucht und gibt ihnen einen Rat: Sendet Lämmer, also Tribut, zum Landesherrscher, zum Berg der Tochter Zion.

Die Leute, die auf der Flucht sind oder bald sein werden, hätten einen Ausweg: Sie könnten Jerusalem Tribut zahlen und bitten, dass man sie aufnimmt. Sie könnten den König von Jerusalem fragen, ob er ihnen Schutz gewährt – der einzige Ort, an dem es Schutz vor den Assyrern gibt. Denn Jerusalem wird die einzige Stadt sein, die die Assyrer nicht erobern und zerstören.

In Kapitel 16, Vers 3 wendet sich vermutlich Gott an die Verantwortlichen in Jerusalem oder legt diese Bitten den Moabitern in den Mund. Das ist aus dem Text nicht genau zu entscheiden. Es heißt: „Triff eine Entscheidung!“ Den Verantwortlichen in Jerusalem wird gesagt: „Verbirg die Vertriebenen, den Flüchtling offenbare nicht! Lass meine Vertriebenen Moabs bei dir weilen, sei ein Versteck vor dem Verwüster!“

Dann folgt eine interessante Wendung in Vers 5: Gott schaut weit in die Zukunft und sagt, dass ein Thron in Treue aufgerichtet werden wird. Auf ihm wird einer sitzen, geprägt von Wahrheit, im Zelt Davids. Dieser wird richten und nach Recht trachten und der Gerechtigkeit kundig sein.

Mit anderen Worten: Gott spricht zu König Hiskia, dass einer seiner Nachkommen der Messias sein wird. Dieser Nachkomme Davids wird in der Zukunft auf dem Thron sitzen und Flüchtlinge aufnehmen, weil er in Treue und Gerechtigkeit regiert.

Wie ist es mit dir? Wahrscheinlich war dieser Appell an die Herrscher Jerusalems unnötig, denn die Moabiter waren zu stolz, um in Jerusalem um Hilfe zu bitten. In Kapitel 16, Vers 6 heißt es: „Wir haben vernommen den Hochmut Moabs, von ihrer großen Arroganz, ihrem Stolz und ihren Wüten, ihrem leeren Prahlen.“

Darum wird Moab heulen, alles wird heulen. Jerusalem wäre der einzige Ort gewesen, an dem sie Schutz vor den Assyrern hätten finden können. Aber selbst wenn Hiskia zugestimmt hätte, waren sie zu stolz.

Gott sagt, es wird so viel Elend und Trauer über dieses Volk bringen, dass sie zu stolz sind. Es war ein lang angekündigtes Schicksal, das Moab trifft. Jesaja hat eine alte Prophezeiung ausgegraben, wahrscheinlich von ihm selbst, aber schon Jahre alt.

Jetzt sagt er: Das, was ich bisher gesagt habe, ist das Wort des Herrn, das der Herr lange zuvor über Moab geredet hat. Nun spricht der Herr: „In drei Jahren, wie die Jahre eines Tagelöhners, wird die Herrlichkeit Moabs verächtlich gemacht werden, samt all der großen Menge, und der Überrest wird sehr gering sein, nicht groß.“

Jesaja sagt, dass diese alte Prophezeiung sich in ungefähr drei Jahren erfüllen wird. Moab wird vernichtet werden durch diese Invasion.

Die Prophezeiung über die Allianz aus Israel und Syrien

Die erste Prophezeiung richtet sich an die Stätte Philistias. Es gibt nur einen Ort, an dem man vor den Assyrern sicher ist.

Die zweite Prophezeiung betrifft Moab. Es gibt nur ein Land, das euch Schutz gewähren könnte.

Die dritte Prophezeiung richtet sich noch einmal an die Allianz aus Israel, Nordisrael und Syrien. Dies geschah zu einer Zeit, als es für sie mehr oder weniger schon zu spät war.

Ich lese ein wenig aus dem Anfang von Kapitel 17 vor. Sie hatten versucht, zur Zeit von Ahas Juda zu erobern, Jerusalem einzunehmen und den König sowie die dortige Dynastie durch einen Marionettenherrscher zu ersetzen. Gegen sie hatte Ahas die Assyrer zu Hilfe gerufen. Die Assyrer fielen in diese Länder ein und deportierten die Bewohner Syriens und Israels.

Doch jetzt spricht Jesaja erneut zu ihnen.

Ausspruch über Damaskus: Siehe, Damaskus hört auf, eine Stadt zu sein, und wird ein Trümmerhaufen. Verlassen sind die Städte von Aroha. Sie werden den Herden preisgegeben, die dort lagern, und niemand schreckt sie auf.

Nun wendet er sich kurz an das Nordreich. Befestigte Städte werden auch aus Ephraim verschwinden, ebenso das Königtum in Damaskus.

Dies geschah unter dem Feldherrn Sargon II., der zu dieser Zeit ungefähr König von Assyrien wurde, zu Beginn der Regierungszeit des Königs Kias. Er hatte Syrien erobert, Samaria, die Hauptstadt des Nordreichs, endgültig zerstört und fast alle Bewohner deportiert.

Jesaja beschreibt dies in den nächsten Versen, besonders in Jesaja 17, Vers 5:

„Und es wird sein, wie wenn ein Schnitter Getreidehalme zusammenfasst und seinen Arm Ähren abmäht. Es wird sein, wie wenn einer Ähren sammelt in der Talebene. Doch wird eine Nachlese davon übrig bleiben, wie beim Abschlagen der Oliven zwei, drei Beeren oben im Wipfel.“

„Vier, fünf und seinen des Fruchtbaums Zweigen,“ spricht der Herr, der Gott Israels.

Er sagt, es wird eine Deportation sein, und es wird so gut wie niemand übrig bleiben. Es ist wie bei der Abernte eines Olivenbaums, wenn zum Schluss noch zwei, drei oder fünf Oliven irgendwo oben in einem Ast hängen. So wird ungefähr das Verhältnis sein zwischen denen, die im Land zurückbleiben, und denen, die deportiert worden sind.

Doch in dieser Situation sagt Jesaja voraus, dass einige aus diesen Ländern tatsächlich zu Gott umkehren werden.

„An jenem Tag wird der Mensch auf den blicken, den er gemacht hat, und seine Augen werden auf den Heiligen Israels gerichtet sein. Er wird nicht mehr auf die Altäre schauen, das Werk seiner Hände, und was seine Finger gemacht haben, wird er nicht mehr ansehen – weder die Ascherah noch die Sonnen.“

Das Wunder Jerusalems als Zufluchtsort

Aber gab es irgendetwas, das dieser assyrischen Flut standhalten konnte? Einige Jahre später kamen die Assyrer, um erneut in Philistia einzufallen und zum ersten Mal wirklich Juda anzugreifen. Sie eroberten alle befestigten Städte Judas. Nur Jerusalem blieb unbesiegt.

Gab es einen Ort, an den die wenigen Überlebenden aus Syrien und dem Nordreich Israel hätten fliehen können? Das syrische Heer war wie eine Flut, die alles in dieser Region überflutete. Jesaja benutzt dieses Bild und sagt: „Wehe dem Getümmel vieler Völker! Wie das Brausen der Meere brausen sie.“ Hier spricht er von dem Heer, das aus vielen Völkern besteht, dem Heer der Assyrer.

Sie brausen wie das Brausen des Meeres, wenn es über das Land kommt. Es ist das Brausen des Meeres und das Rauschen von Völkerschaften. Wie das Rauschen gewaltiger Wasser rauschen sie. Völkerschaften rauschen wie das Rauschen vieler Wasser. Doch der Herrgott zerschmettert sie, und sie fliehen weit auseinander. Sie werden gejagt wie Spreu der Berge vor dem Wind und wie wirbelnde Blätter vor dem Sturm. Zur Abendzeit sieht man Bestürzung, und ehe es Morgen wird, sind sie nicht mehr.

Das ist das Schicksal derer, die uns plündern, und das Los derer, die uns berauben. Dieses Schicksal traf die israelische und syrische Allianz, die von den Assyrern verschlungen wurde. Aber Jesaja sagt, dass dies auch das Schicksal der assyrischen Invasionsarmee sein wird.

Für die drei, vier, fünf Oliven im Olivenbaum, die im Land übrig geblieben sind, wird es eine Zuflucht geben. Der Ort, an dem die Flut des assyrischen Heeres vertrieben wird, als wäre sie Spreu vor dem Wind, ist Jerusalem. Das ist die Botschaft Jesajas in diesen drei Prophezeiungen: Es gibt nur einen Ort, an dem man Sicherheit findet.

Damals war Jerusalem die einzige Stadt, die der assyrischen Flut standhielt. Und heute? In gewisser Weise ist es heute die Gemeinde. Das sind wir. Die Gemeinde ist der Ort, an dem Suchende einen Platz haben und Gott finden können. Die Gemeinde ist der Ort, an dem Elende Zuflucht, Geborgenheit und Heilung finden.

Sind wir unwichtig? Eine kleine, unbedeutende Gruppe irgendwo in einem Völkermeer in einem überbevölkerten Deutschland? Nein, unsere Gemeinschaft ist der Ort auf der Erde, an dem man Rettung finden kann – so wie es Jerusalem damals war – für alle, die nicht zu stolz sind und sich wirklich aufmachen, um Gott zu suchen.

Ja, das ist die Botschaft des ersten Blogs, um den es heute gehen soll.

Das wachsende Staunen Ägyptens über den Sieg Jerusalems

Ganz kurz zum zweiten Block: Jesaja geht noch einen Schritt weiter und beschreibt, wie das Staunen über diesen Sieg Hiskias – wenn man es als Sieg Hiskias bezeichnen kann – immer mehr wächst.

Wie gesagt, Jerusalem ist die einzige Stadt, die dem Vormarsch der Assyrer widersteht und nicht zum Opfer fällt. Und wer staunt am meisten? Am meisten staunt die Großmacht im Süden: Ägypten.

Ägypten war damals nach Assyrien lange Zeit die zweitstärkste Macht gewesen, die zweite Großmacht der Region. Alle Länder und Kleinstaaten entlang der Mittelmeerküste hofften und vertrauten auf Ägypten als ihre Schutzmacht gegen die Bedrohung von Norden, den Pharao.

Zu dieser Zeit herrschte in Ägypten die sogenannte 25. Dynastie. Das ist eine sehr interessante Dynastie, und wenn man sich damit beschäftigt, versteht man, warum die Begriffe Kusch und Ägypten hier oft im Wechsel gebraucht werden.

Ungefähr 750 v. Chr., also 50 Jahre vor der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer, war Ägypten in Kleinstaaten zerfallen. Am meisten störten sich daran die Priester der großen ägyptischen Gottheiten, weil sie davon profitieren würden, wenn es wieder ein großes, geeintes Reich gäbe.

Um 750 v. Chr. wandten sie sich an ein Reich im Süden und an die Könige dort: Kusch. Ein Reich, das schon über Jahrhunderte existierte. Manchmal profitierten sie von den Ägyptern, manchmal wurden sie von den Ägyptern unterworfen, manchmal waren sie einfach ein unabhängiges Reich. Über Jahrhunderte war es das größte und stabilste Reich Schwarzafrikas.

Manche Übersetzungen geben Kusch mit Äthiopien wieder. Das ist an den Stellen, wo das vorkommt, für uns irritierend, weil es uns auf die Fährte des heutigen Staatsgebiets von Äthiopien führt. Das ist jedoch falsch. Die Griechen nannten dieses Land Nubien, das Alte Testament und andere Schriften damals nannten es Kusch.

Es lag direkt südlich von Ägypten. Eine kleine Aufmerksamkeitsfrage: Welcher Staat liegt heute direkt südlich von Ägypten? Sudan. Dort war dieses Reich eine Quelle für viele Nebenflüsse des Nils.

Dieses starke Reich wurde von den ägyptischen Priestern gerufen. Tatsächlich nutzten sie die Gelegenheit, dass sie im Norden Unterstützung hatten, und eroberten Ägypten für hundert Jahre. Die ganze Zeit Jesajas regierten die Kuschiten über Ägypten.

Ein schwarzer Pharao, genauer gesagt fünf schwarze Pharaonen nacheinander, saßen auf dem Pharaonenthron Ägyptens. Wir sind ihnen schon begegnet in Jesaja 37, als ein kuschitischer Heerführer mit seinem Heer gegen die Assyrer zog: Tirhaka in der Bibel.

Zu dieser Zeit war er noch Heerführer. Zehn Jahre später war er der vierte und mächtigste Pharao der 25. Dynastie. Die Pharaonen trugen immer eine Art Krone oder Kopfbedeckung mit einer Kobra, um den Pharao zu schützen – also ein Bild einer Kobra.

Die kuschitischen Pharaonen der 25. Dynastie trugen einen identischen Kopfschmuck mit zwei Kobras, weil sie über zwei Reiche regierten: Kusch und Ägypten.

Die Prophezeiung über Kusch und Ägypten als Reaktion auf Jerusalems Rettung

Der Text in Jesaja 18 ist nicht leicht zu übersetzen, aber vermutlich wird hier zunächst das Königreich Kusch beschrieben.

Vers 1: „He, Land des Flügelgeschwirs entlang der Ströme von Kusch, das Boten entsendet auf dem Meer, den Papyrusboten über die Wasserfläche, geht hin, schnelle Boten!“ Wahrscheinlich werden diese Boten aufgefordert, zurückzugehen in ihre Heimat, um eine Nachricht in dieses ferne Land zu bringen, zu ihren Königen. „Geht hin, schnelle Boten, zu der Nation, die groß und glatthäutig ist, zu dem Volk, gefürchtet nah und fern, der Nation von Kafkaf, also von unverständlicher Sprache, und von Zertretung, deren Landströme zerteilen.“

„Ihr alle, Bewohner des Erdkreises, und die ihr auf der Erde ansässig seid, ihr werdet ein Banner sehen, erhoben auf den Bergen, und eine Posaune hören, die geblasen wird, das Banner der israelischen Armee, nachdem Jerusalem nicht gefallen ist und Assyrer zu schlagen nach Norden abziehen müssen.“ Jesaja sagt: Bringt diese Botschaft bis nach Kusch, Assyrien ist vor Jerusalem gescheitert.

Und was ist die Reaktion? Für sieben Jahre ... Und jetzt kommen diese drei Stufen, die ich am Anfang kurz angedeutet habe.

Die erste Stufe des Staunens: Jesaja 18,7: „In jener Zeit wird dem Herrn, dem Herrn der Heerscharen, ein Geschenk, ein Tribut gebracht werden von einem Volk, das groß und glatthäutig ist, von einem Volk, gefürchtet nah und fern, einer Nation von Kafkaf und Zertretung, deren Land Ströme zerteilen, zur Stätte des Namens des Herrn, des Herrn der Heerscharen, zum Berg Zion.“

Dieses Land, dieses große Reich, wird so beeindruckt sein, dass das syrische Heer, dem sie sich unterlegen fühlten, vor Jerusalem scheitert. Sie werden Tribut bringen zum Gott Jerusalems, um ihr Staunen und ihre Bewunderung auszudrücken.

Aber dieses Staunen nahm zu, als sie fünfunddreißig Jahre später erobert wurden. Ganz Ägypten wurde erobert von den Nachfolgern Sanheribs in der nächsten Generation. Ägypten wird zerschlagen. Die Assyrer setzen ihre Marionettenkönige ein, es gibt wieder verschiedene Stadtstaaten. Die Niederlage der Assyrer vor Jerusalem wird eine Legende im Süden, weil man erfahren hat, wie mächtig die Assyrer sind.

Und die Vergangenheit, das, was eine Generation früher von den Toren Jerusalems passiert ist, wird zu einer Legende, die noch mehr beeindruckt als zur Zeit, als es geschah, weil sie nun selbst überrollt worden sind. Viele in diesem Land beginnen, an das Handeln des Gottes Israels wirklich zu glauben, dass es ein Wunder war. Manche verstehen, dass ihr eigener Untergang vielleicht auch ein Gerichtshandeln dieses Gottes ist.

Wir wissen nicht genau, wann die zweite Stufe sich erfüllt hat oder sich erfüllen wird. Wir haben wenige Überlieferungen aus dieser Zeit des ägyptischen Verfalls. Ob es sich damals schon erfüllt hat oder erst wörtlich in der Zukunft erfüllen wird, wissen wir nicht.

Das, was Jesaja in seiner zweiten Stufe schreibt, steht in Jesaja 19,17: „Und das Land Juda wird für Ägypten zum Schrecken sein. Sie werden Angst bekommen vor diesem Gott Judas. So oft Ägypter erwähnt werden, beben sie wegen des Ratschlusses des Herrn, des Herrn der Heerscharen, den er über sie beschlossen hat. An jenem Tag werden fünf Städte im Land Ägypten sein, die die Sprache Kanaans reden und beim Herrn, dem Herrn der Heerscharen, schwören werden.“

Eine wird Irha-Heres heißen, das ist Heliopolis, eine der größten Städte Unterägyptens. „An jenem Tag wird dem Herrn inmitten des Landes Ägypten ein Altar geweiht sein und eine Denksäule dem Herrn nahe seiner Grenze. Er wird zu einem Zeichen und Zeugnis für den Herrn, den Herrn der Heerscharen, im Land Ägypten sein.“

Jesaja sagt diese Stadtstaaten voraus. Er sagt, verschiedene von ihnen werden sich von den Göttern Ägyptens abwenden, die sie nicht vor den Assyrern schützen konnten, und sich Israels Gott zuwenden. Wie gesagt, wir haben keine Überlieferung, ob dies in dieser wirren Zeit damals passiert ist oder ob es noch aussteht.

Dann kommt Jesaja zu der dritten Stufe des Staunens und seiner Auswirkung. Diese liegt mit Sicherheit noch in der Zukunft.

Vers 23: „An jedem Tag wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien, und die Assyrer werden nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen. Die Ägypter werden mit den Assyrern dem Herrn dienen. An jedem Tag wird Israel das Dritte sein, mit Ägypten und mit Assyrien, ein Segen inmitten der Erde. Wenn der Herr, der Herr der Heerscharen, segnet, spricht er: ‚Gesegnet sei mein Volk Ägypten und Assyrien, meine Hände, Werk, und Israel, mein Erbteil!‘“

701 v. Chr. gab es nur eine Stadt, in die man hätte fliehen können. Rückblickend darauf ist ein Staunen in der Nation ausgebrochen, die stark war. Sie haben sich gewundert und bewundert, wie Gott gehandelt hat.

In Zeiten wie damals, in Zeiten wie dem zwanzigsten Jahrhundert, als Gott plötzlich gehandelt und den Staat Israel gegen alle Wahrscheinlichkeiten der Geschichte neu gegründet hat, und auch in zukünftigen Zeiten, wenn Gott wieder neu handeln wird mit diesem Volk, werden Völker staunen. Menschen aus verschiedenen Völkern werden sich ihm zuwenden, so sehr, dass Israel zu einer Weltmacht aufsteigen wird. Das ist es, was Jesaja voraussagt.

Aber wie ist es bei uns? Auf einem ganz kleinen und nicht so politischen Maßstab sehen vielleicht Menschen auch in unserem Leben und unserer Gemeinschaft das Handeln Gottes und fangen an zu staunen.

Manchmal dadurch, dass sie uns vorher kannten und nachdem wir uns bekehrt haben, und sie darüber staunen, wie wir uns verändert haben. Manchmal, weil wir plötzlich fähig sind, Fehler zuzugeben. Manchmal, weil wir in vielen Situationen zurückbleiben können und nicht in Panik geraten. Manchmal, weil unsere Ehen funktionieren. Manchmal, weil wir, wie Jesus selbst es gesagt hat, als Geschwister Liebe untereinander haben.

Vielleicht beginnt der eine oder andere auch heute darüber zu staunen, über den Gott, der das tut. Er fängt an, unseren Gott zu suchen und vielleicht sogar irgendwann unserem Gott zu dienen.

Ich glaube, das ist die Herausforderung dieses Abschnitts in Jesaja.

Kritik an politischen Allianzen und das Vertrauen auf Gott

Nachdem Jesaja einen Ausflug in die nahe und ferne Zukunft des Nahen Ostens gemacht hat, kehrt er noch einmal zu Israel selbst zurück. Er möchte realistisch bleiben. Manasse hat einen wirklich erstaunlichen Höhenflug des Glaubens erlebt, als die Assyrer vor seiner Stadt standen. Das haben wir in Kapitel 36 und 37 gesehen.

Welches Gottesbild und welches Gottvertrauen er hatte, als er mit dem Brief der Assyrer in den Tempel ging, ihn vor Gott legte und darauf vertraute, dass Gott der einzige Gott ist und die Assyrer wirklich besiegen kann – das war ein geistlicher Höhepunkt.

Doch als die assyrische Invasion begann und die Assyrer sich seinem Land näherten und die ersten Städte eroberten, setzte Manasse zunächst mehr auf politische Allianzen und Maßnahmen, die er selbst durchführen konnte. Jesaja möchte das nicht verschweigen. Er will Manasse und die Bevölkerung Jerusalems zu seiner Zeit nicht zu Helden machen. Deshalb schreibt er einen Abschnitt darüber, worauf wir unser Vertrauen setzen.

Zu dieser Zeit setzten viele ihr Vertrauen vor allem auf Ägypten als Schutzmacht. Das galt nicht nur für Israel und Juda, sondern auch für die Städte der Philister. Jesaja beginnt diesen Abschnitt mit einer kurzen Prophezeiung, in der er noch einmal auf Ägypten zurückkommt. Diesmal jedoch nicht auf das Staunen über Ägypten oder den Untergang Ägyptens, sondern auf Ägypten als hilflose Schutzmacht.

 Jesaja 20,1: „Im Jahr, als der Tartan nach Asdod kam, also der assyrische Heerführer oder Gesandte, den Sargon, der König von Assyrien, gesandt hatte – einige Jahre vor der Invasion in Juda –, und gegen Asdod kämpfte und es einnahm, da redete der Herr durch Jesaja, den Sohn des Amos, und sprach: Geh und löse das Sacktuch von deinen Lenden und zieh deine Sandalen von deinen Füßen! Und er tat so, ging nackt und barfuß.“

Diese alte Prophezeiung, die einige Jahre zurückliegt, bringt Jesaja nun wieder auf. Er aktualisiert sie:

Vers 3: „Und der Herr sprach: So wie mein Knecht Jesaja nackt und barfuß gegangen ist, drei Jahre lang, als Zeichen und Vorbild bezüglich Ägyptens und Äthiopiens, also Kus, so wird der König von Assyrien die Gefangenen Ägyptens und die Weggeführten Kusch wegtreiben – Jünglinge und Kreise nackt und barfuß –, und mit entblößtem Gesäß die Nacktheit Ägyptens zeigen.“

Jesaja sagt damit: Vertraut nicht auf Ägypten! Ägypten wird untergehen, Kusch wird machtlos sein, und die Assyrer werden sie erobern.

Nahum blickt zu seiner Zeit, eine Generation später, zurück auf die Eroberung Ägyptens durch die Assyrer. Für ihn liegt es bereits in der Vergangenheit. Als er den Untergang Ninives, der assyrischen Hauptstadt, voraussagt, schreibt er:

 Nahum 3,8: „Ist Ninive besser als die Hauptstadt von Oberägypten, als Theben, die in den Strömen wohnte, Wasser ringsumher? Kusch war ihre Stärke, und Ägypter in zahlloser Menge, Put und Libyen waren ihre Hilfe. Auch sie ist in die Verbannung, in die Gefangenschaft gezogen. Auch ihre Kinder wurden zerschmettert an allen Straßenecken, und über ihre Vornehmen warf man das Los, und alle ihre Großen wurden mit Ketten gefesselt.“

Jesaja hat vorausgesagt, dass Ägypten als Schutzmacht Geschichte sein wird. Kapitel 20 von Jesaja, Vers 5: „Und sie, alle Kleinstädte der Küstenregion, werden bestürzt und beschämt werden wegen Kusch, ihrer Zuversicht, und wegen Ägyptens, ihres Ruhms. An jenem Tag werden die Bewohner dieses Küstenlands sprechen: ‚Siehe, so ist es mit unserer Zuversicht, wohin wir um Hilfe flohen, um vom König von Assyrien gerettet zu werden. Wie sollten wir entkommen, wenn Ägypten so vernichtet wird? Wie sollten wir entkommen?‘“

Es gibt keinen Schutz durch diese Schutzmacht Ägypten.

Die gescheiterte Allianz mit Babylon und die Warnung vor falschen Bündnissen

Aber Juda hatte eine andere Idee. Ihm wurde zu dieser Zeit eine Allianz angeboten. Jesaja Kapitel 38 berichtet davon. In diesem Abschnitt, in dem Jesaja über Geschichte schreibt, kommt Merodach-Baladan zu Hiskia. Es war kein Freundschaftsbesuch, sondern ein Besuch, der eine politische Allianz zum Ziel hatte.

Merodach-Baladan war sozusagen ein Aufständischer, ein Unabhängigkeitskämpfer. Er stammte aus einer Region südlich von Babylon. Er führte 712 v. Chr. einen Aufstand an, um Babylon von Assyrien unabhängig zu machen. Dieser Aufstand wurde niedergeschlagen, und er musste fliehen. Doch sieben Jahre später, im Jahr 705 v. Chr., machte er sich erneut zum König von Babylon.

Er schickte daraufhin eine Gesandtschaft zu Hiskia, um eine Allianz zwischen zwei Staaten zu prüfen, die damals am äußersten Rand des assyrischen Einflussbereichs lagen. Trotz der Entfernung sollten sie sich verbünden und gegenseitig helfen. Eine gegenseitige Truppenunterstützung war natürlich nicht möglich. Aber vielleicht konnte man durch koordinierte Aktionen verhindern, dass Syrien gleichzeitig mit voller Macht an beiden weit entfernten Punkten zuschlug.

Tatsächlich gewannen sie die Wüstenregion und die Nomadennation Kedar als Verbündeten. So hatten sie eine Verbindungslinie, ohne Botschafter immer durch syrisches Gebiet schicken zu müssen. Dort gab es Karawanenwege nach Duma. Duma wird in diesen Kapiteln bei Jesaja erwähnt.

Spannend ist, was Jesaja über diese Allianz sagt. In Jesaja 21,6 heißt es: "Denn so hat der Herr zu mir gesprochen: Geh hin, stelle einen Wächter auf! Was er sieht, soll er berichten. Wenn er Wagen sieht, Paare von Reitern, Reiter auf Eseln oder Reiter auf Kamelen, dann soll er alarmiert sein und mit großer Aufmerksamkeit beobachten."

Und wer das sieht, ruft laut: "Herr, ich stehe auf der Turmwarte beständig bei Tag, und auf meinem Nachtposten stehe ich da alle Nächte hindurch." Und siehe da, Wagenlenker und Paare von Reitern erscheinen. Der Wächter antwortet und spricht: "Gefallen, gefallen ist Babel." Das ist katastrophal, denn der einzige Verbündete ist gefallen.

Die Assyrer hatten 703 v. Chr., zwei Jahre nach der Machtergreifung Merodach-Baladans, Babylon erobert und den Aufstand niedergeschlagen. "Gefallen ist Babylon. Wir stehen ohne Verbündeten da."

Diese Verbindungsroute war so gut, weil man mit einem großen Heer nicht auf den Karawanenstraßen ziehen konnte. Für Flüchtlinge, die von dort nach Westen zogen, war sie vielleicht geeignet. Aus Babylon kamen Wagen und Reiter in Paaren auf einer Karawanenstraße. Doch tatsächlich schickten die Assyrer ihre Truppen sogar in die Wüste und eroberten Duma.

In der nächsten Prophezeiung sehen wir, wie die Bewohner Kedars nach Süden fliehen, nach Südarabien, wo sie versorgt werden müssen. Diese ganze schöne Allianz war zwei Jahre vor der Belagerung Jerusalems zunichtegemacht worden.

Was hält Jesaja von dieser Allianz? Er deutet an: "Gefallen ist Babel, und alle geschnitzten Bilder seiner Götter hat er zu Boden geschmettert." Die Frage steht im Raum: Hiskia, mit was für Leuten schließt du da Allianzen? Mit Leuten, die auf ihre Götzen vertrauen? Ist das wirklich eine gute Allianz?

Ihr vertraut auf die Schussmacher Ägypten – kann sie euch Schutz geben? Nein. Ihr schließt Allianzen mit Götzendienern – können sie euch wirklich stärken? Nein.

Ich weiß nicht, was das für uns zu sagen hat. Sind wir manchmal versucht, Allianzen einzugehen mit Leuten, mit denen wir normalerweise keine gemeinsamen Sachen machen würden, nur weil wir an einem Punkt die gleiche Meinung haben?

Ich glaube, das Wort Gottes warnt uns auch an dieser Stelle ein wenig. Vielleicht sollten wir als Christen darüber nachdenken, mit wem wir gemeinsame Aktionen planen. Zum Beispiel, mit wem wir demonstrieren gegen Maßnahmen der Regierung oder mit wem wir uns verbünden, um gegen unmögliche oder schwierige Arbeitsverhältnisse in unserer Firma zu protestieren.

Gott ist kritisch gegenüber Allianzen.

Die Verteidigung Jerusalems und die Warnung vor falschem Vertrauen

Aber jetzt, fast am Ende, wendet sich Jesaja direkt an Jerusalem selbst. Er nennt die Stadt „das Tal der Gesichter“, den Ort, an dem die Propheten geweissagt haben und an dem Gott spricht.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der Assyrien das Land erobert. Die ersten befestigten Städte sind bereits gefallen, und das syrische Heer zieht langsam die Schlinge um Jerusalem enger. Jesaja 22,3 berichtet: „Alle deine Führer flüchteten gemeinsam, wurden ohne einen Schuss mit dem Bogen gefesselt.“ Das israelische Heer leistete praktisch keinen Widerstand im Land. Überall ergaben sich die Einheiten kampflos den Assyrern. Sehr bald war nur noch Jerusalem übrig.

Jesaja schreibt in Vers 5: „Denn es ist ein Tag der Panik. Der Feind kommt näher, die Panik steigt.“ Und was tut Hiskia? Er greift zu architektonischen und militärischen Verteidigungsmaßnahmen sowie zu einer gewaltigen Ingenieurleistung. Er befestigt und erhöht die Mauern Jerusalems. Vor allem aber lenkt er die Sihon-Quelle durch einen unterirdischen Tunnel um. So finden die Belagerer außerhalb der Stadt kein Wasser, während die Stadt selbst weiterhin versorgt ist.

Noch heute kann man die Reste dieses Kanalsystems Hiskias in Jerusalem besichtigen – eine beeindruckende Ingenieurleistung. Doch Jesaja begleitet diese Maßnahmen kritisch. In Jesaja 22,9 heißt es: „Ihr seht die Risse der Stadt Davids, dass sie zahlreich sind. Er sammelt das Wasser des unteren Teiches, zählt die Häuser Jerusalems, bricht Häuser ab, um die Mauern zu befestigen, und macht einen Behälter zwischen den zwei Mauern für das Wasser des alten Teiches.“ Dann folgt sein Kommentar: „Aber er blickt nicht auf den, der gemacht hat, und sieht den nicht an, der für lange Zeit gebildet hat.“

Im Vorfeld vertraute Hiskia auf Schutzmächte, politische Allianzen, Ingenieurleistungen und Verteidigungsanlagen. Es ist ein absolutes Wunder, dass er in dem Moment, als die Assyrer vor Jerusalem stehen, plötzlich auf die Macht Gottes vertraut. In dem Augenblick, in dem die Assyrer die Macht Gottes in Frage stellen, erhebt er sich und sagt: Gott ist mächtig, nicht meine Verbündeten, nicht meine Mauern, nicht meine Ingenieurleistung. Gott ist vertrauenswürdig.

Wenn ich mein Leben betrachte, dann ist es oft so, dass ich eher auf meine unzureichenden Möglichkeiten vertraue als wirklich auf Gott. Das ist keine Aufforderung, die Hände in den Schoß zu legen und zu sagen: „Ich tue nichts mehr, Gott wird schon machen.“ Aber die spannende Frage, die wir ehrlich an uns selbst stellen müssen, lautet: Worauf vertrauen wir wirklich? Vertrauen wir auf einen realen Gott? Oder vertrauen wir in Wirklichkeit doch auf unsere vielen Möglichkeiten, uns aus schwierigen Situationen zu retten?

Diese Frage stellt Jesaja hier in diesen Kapiteln.

Die Geschichte von Shebna und Eliakim als Warnung vor Abhängigkeit

Aber ganz zum Schluss, in Kapitel 22, macht Jesaja plötzlich einen großen Bruch. Bisher hat er von Politik gesprochen. Nun spricht er zwar noch ein wenig von Politik, aber nicht mehr von Ländern oder Königen und ihrem Vertrauen. Plötzlich erzählt er die Geschichte von zwei Menschen in Jerusalem, von zwei Politikern, Shebna und Eliakim, auf einer ganz anderen Ebene.

Ich glaube, durch diesen Wechsel der Ebene möchte er diese Geschichte besonders betonen. Der Verwalter des Königspalastes – ich glaube, es gibt zwei Shebna in dieser Geschichte – der Shebna, um den es hier geht, war der Verwalter des Königspalastes, also sozusagen der damalige Bürgermeister Jerusalems. Shebna nutzte sein Amt aus. Es steht nirgendwo explizit, dass er korrupt war, aber er hat seine Möglichkeiten ausgenutzt, ebenso sein Einkommen.

Er führte ein wirklich prunkvolles Leben und ließ sich ein prächtiges Grabmal bauen, so wie das eines Königs, in das er irgendwann einmal einziehen wollte. Ähnlich wie die ägyptischen Pharaonen oder die Könige von Kusch, die sich Pyramiden bauten, ließ er sich ein Grabmal in Jerusalem errichten. Gott sagt ihm: „Ich werde dich absetzen, Shebna. Du bist kein guter Führer in Jerusalem.“

Jesaja kündigt an, dass er von den Assyrern gefangen genommen wird, in Assyrien sterben und ohne Grabmal verscharrt werden wird. Wahrscheinlich wurde er gefangen genommen, als er sich gerade in einer der Städte Judas aufhielt. Es steht nicht genau da, aber da Jerusalem selbst nicht erobert wurde, ist es am wahrscheinlichsten, dass er unterwegs überrascht wurde. Vielleicht fühlte er sich sicher in einer der befestigten Städte wie Lachisch und geriet dort in Gefangenschaft.

Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Der Punkt ist, dass er durch Eliakim ersetzt wird. Eliakim ist der neue Chef des Palastes zur Zeit, als die Assyrer wirklich vor Jerusalem stehen. Jesaja kündigt das an und sagt zu Shebna:

„Es wird geschehen an jenem Tag, da werde ich meinen Knecht Eliakim, den Sohn Hilkias, rufen. Ich werde ihn mit deiner Amtsrobe bekleiden und deinen Bürgermeistergürtel fest umbinden. Ich werde deine Herrschaft in seine Hand legen, und er wird den Bewohnern von Jerusalem und dem Haus Juda zum Vater sein.“ (Jesaja 22,20)

Man hat den Eindruck, dass Eliakim ein wirklich guter Mann ist. Er ist ein Vater für die Bewohner Jerusalems. Das führt dazu, dass viele ihm vertrauen, sich an ihn hängen und sich schließlich mit ihrer materiellen Existenz und Stellung von ihm abhängig machen – von diesem guten Mann.

Jesaja fährt noch ein paar Verse fort: „Ich werde den Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen. Wenn er öffnet, wird niemand schließen, und wenn er schließt, wird niemand öffnen.“ Das ist eine Prophezeiung, die Johannes später auf den Herrn Jesus bezieht.

Weiter heißt es: „Ich werde ihn als Pfosten einschlagen an einem festen Ort.“ Wahrscheinlich ist damit nicht der Boden gemeint, sondern eine Art Garderobenstange in der Wand. „Er wird seinem Vaterhaus zum Thron der Ehre sein.“ Man wird die gesamte Herrlichkeit seines Vaterhauses an ihn hängen, später im Bild alle kleinen Gefäße – von den Beckengefäßen bis zu allen Kruggefäßen. Viele Menschen haben sich an ihn gehängt und von ihm profitiert, von einem guten Mann.

Es ist gut, von guten Leuten zu profitieren, von ihnen zu lernen und ihnen gegenüber loyal zu sein. Aber wenn wir zu abhängig werden, birgt das ein Risiko. Denn irgendwann verlieren auch die besten Leute ihre Position.

In Vers 25 heißt es: „An jenem Tag, spricht der Herr der Herrscherin, wird der Pfosten weichen, der eingeschlagen war an einem festen Ort. Er wird abgehauen und fallen.“

Ich vermute, das war zur Zeit, als der gottlose Sohn Hiskias, Manasse, auf den Thron kam. Mit so einem guten Mann konnte er mit Sicherheit nichts anfangen. Eliakim verlor seine Position, seine Stellung und seinen Ruf. Die Last, die er trug, wird zugrunde gehen.

Hier steckt eine Warnung: Bisher ging es um ungöttliche Allianzen und die Hoffnung auf falsche Dinge und falsche Leute. Jetzt geht es wahrscheinlich um einen guten Mann. Trotzdem warnt Gott: Profitiere von guten Menschen, lerne von ihnen und unterstütze sie, aber pass auf, dass du nicht in deiner Persönlichkeit von ihnen abhängig wirst.

Achte darauf, dass du noch stehst, wenn deine Vorbilder fallen oder verschwinden. Sorge dafür, dass du einen eigenen Stand hast. Leiste deinen eigenen Beitrag, nicht nur auf die Großen in der Gemeinde zu vertrauen, die schon immer da waren und alles durchgetragen haben. Eines Tages sind sie nicht mehr da.

Wenn dann dein Glaube zusammenbricht, weil deine Vorbilder nicht mehr da sind, hast du trotz allem etwas falsch gemacht. Wir müssen selbst Persönlichkeiten werden, so stehen, dass wir nicht fallen, und ein eigenes Profil entwickeln. Wir sollen unsere eigenen Gaben einbringen – auch wenn es gut ist, von guten Leuten zu profitieren.

Schlussgedanken und persönliche Anwendung

Okay, du bist nicht unwichtig. Wir haben gesehen, dass du Dinge hast, die andere brauchen. Dieses kleine Jerusalem war der einzige Zufluchtsort.

Vielleicht profitieren andere mehr von dir, als du es momentan wahrnimmst. Es gibt Menschen, die vielleicht staunen, was sich in deinem Leben schon alles verändert hat.

Sei vorsichtig, aus Unsicherheit falsche Allianzen zu schließen, die Gott gar nicht gutheißt. Gott möchte dir sagen: Du hast etwas zu geben, wenn du wirklich mit ihm unterwegs bist.

Profitiere von starken Vorbildern, aber bring auch das mit ein, was du hast. Ich glaube, das sind einige Lektionen aus diesen sehr, sehr schwierigen Kapiteln.

Vielen Dank an Gerald Dippell, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen! Ein empfehlenswertes Buch des Autors über das Leben von Paulus ist bei CLV erschienen: Paulus persönlich