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Die verändernde Kraft des Wortes Gottes in der Seelsorge

07.07.2016
Ein Seminar von Thomas Jeising auf der Evangelium21-Konferenz 2016. Was wirkt eigentlich in der Seelsorge? Ist es das Einfühlungsvermögen des Seelsorgers und seine Persönlichkeit? Oder zählen die richtigen Methoden? So vielfältig das Wort Gottes ist, so vielfältig ist auch seine Wirkweise, wenn es in der Seelsorge angemessen Raum erhält.
Herzlich willkommen! Wir haben ja gesagt, wir haben noch so fünf Minuten, in denen auch noch Verspätete sich einen Platz suchen können. Insofern nutzen wir die fünf Minuten am Anfang für das eine oder andere Vorgeplänkel. Nein, ich will mich ein bisschen vorstellen.
Ich habe noch einen technischen Hinweis. Ich habe nämlich gerade im Moment erfahren, ich hätte mir meinen Beamer selbst mitbringen müssen, um die Präsentation an die Wand zu schmeißen. Aber meinen kleinen Taschenbeamer habe ich nicht dabei. Insofern: Wer Interesse daran hat, die Präsentationen, die Sie nicht sehen können, auf seinem eigenen Laptop oder Netbook anzuschauen oder die Notizen zu haben, der kann sie haben. Auch nachträglich kann ich sie noch per E-Mail versenden, falls Interesse besteht. Das können Sie mir aber auch hinterher sagen, außer es ist jetzt jemand da, der sagt: Ich möchte gleich hier auf meinem Kleingerät schauen, da habe ich es auch auf dem Stick. So viel zum technischen Hinweis.
Mein Name ist Thomas Jaising. Das klingt zwar so ein klein bisschen indisch, Jaising, hat aber nichts Indisches. Der Name stammt aus Westfalen, aus der Münsterländerecke. Dort kommt mein Vater her, und da lebt auch so der Jaising-Clan, von denen ich nur relativ wenig kenne, aber da begegnet man dem Namen am häufigsten.
Ich bin verheiratet, stamme eigentlich aus dem Ruhrgebiet. Wer ein bisschen genau hinhört, hört das noch an der einen oder anderen Stelle, aber nicht so stark. Ich habe drei Kinder, die Jüngste wird demnächst das Haus verlassen, die Älteren sind schon weg. Meine Frau ist gleichzeitig mit mir in Hamburg, aber auf einer anderen Tagung. Sie ist Ärztin und ist auf einer Medizinertagung, und wir haben es noch nicht geschafft, uns per SMS hin und her zu schicken, um uns dann hier zu sehen. Irgendwie passt das mit den verschiedenen Kongressterminen nicht überein.
Ich erwähne das auch deswegen, weil meine Frau Ärztin für psychosomatische Medizin ist. Insofern fragt sich der eine oder andere immer: Ja, Seelsorge und Psychologie, was hat das miteinander zu tun oder nicht miteinander zu tun? Ich werde das an der einen oder anderen Stelle auch erwähnen, natürlich nicht intensiv, weil es ja nicht das Hauptthema heute ist. Aber Sie können daran sehen: Wir haben das zumindest in unserer Ehe ohne Hauen und Stechen miteinander vereinigt, in gewisser Weise.
Ich arbeite für den Bibelbund, hauptsächlich, das heißt zu etwas über 50 Prozent, dort bin ich zuständig für die Schriften des Bibelbundes. Wer schon am Tisch des Bibelbundes gewesen ist, der hat gesehen, zu diesen Schriften gehören diese Zeitschrift Bibel und Gemeinde, die es seit 116 Jahren gibt. Und der Bibelbund setzt sich seit seiner Entstehung mit dieser Frage der Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift auseinander beziehungsweise versucht, auf verschiedenen Ebenen zum einen im wissenschaftlichen Gespräch, dann für Gemeindemitarbeiter, Pastoren, aber inzwischen auch immer mehr für Gläubige die Zuverlässigkeit der Bibel, die Vertrauenswürdigkeit der Bibel zu begründen, zu bezeugen und zu Angriffen Stellung zu beziehen.
Natürlich hat sich das im Laufe von 120 Jahren immer wieder ein bisschen geändert. Am Anfang des Bibelbundes gehörten auch noch etliche bibeltreue Theologieprofessoren zum Bibelbund. Leider gibt es davon heute nur noch sehr, sehr wenige, jedenfalls in Deutschland. In Amerika ist das etwas anderes. Wer Interesse hat und sich für die Arbeit des Bibelbundes interessiert, wie gesagt: Zeitschriften, wir machen auch Konferenzen, Seminare, Bibelwochen mit unseren Referenten, bieten das auch für Gemeinden an, der kann später gerne an den Tisch des Bibelbundes kommen. Wie gesagt, dafür arbeite ich.
Dann gehöre ich zum Leitungsteam im BUZA-Seminar für den Zweig Seelsorgeausbildung. Dort arbeite ich mit Ron Kupsch zusammen, und wir erarbeiten den Seelsorgeunterricht für das BUZA-Seminar.
Ja, so viel mal in Kürze zu meiner Person. Ich habe ja schon so allerlei gemacht. Außer eben Theologie studiert habe ich auch noch zuerst mal was Ordentliches gelernt und bin Schreiner geworden. Ich kann aber auch ein Schwein schlachten, das habe ich von meinem Vater gelernt. Wenn Sie jetzt Veganer oder Vegetarier sind, dann mögen Sie das vielleicht nicht gerne hören. Ich mache das auch nicht täglich.
Im Übrigen habe ich schon ein christliches Hotel geleitet. Ich habe in Rostock in einer missionarischen Arbeit gearbeitet, jetzt zuletzt ungefähr 15 Jahre im Gemeindedienst in der Nähe von Kassel. Da lebe ich jetzt auch noch. Allerdings mache ich den Gemeindedienst nur noch ehrenamtlich, weil ich das andere sonst nicht mehr alles schaffen würde.
Gut, so viel der Vorrede. Jetzt zum Thema. Ich denke, wir haben uns so einigermaßen sortiert. Hier vorne gibt es auch noch Plätze.
Die verändernde Kraft des Wortes Gottes in der Seelsorge
Ich möchte das an drei Hauptpunkten deutlich machen, wobei der mittlere der größte ist. Zuerst geht es mir darum zu zeigen, wovon wir ausgehen. Wir gehen aus, wenn es um die Kraft des Wortes Gottes in der Seelsorge geht, von der Gewissheit. Wir gehen aus von der Gewissheit der Kraft. Das heißt, wir fragen uns nicht zweifelnd: Ja, kann man das Wort Gottes jetzt in der Seelsorge auch gebrauchen, oder kann man dann vielleicht so am Abschluss noch irgendwie ein Kärtchen mit dem Bibelspruch verteilen? Sondern wir gehen aus von der Gewissheit der Kraft.
Dann möchte ich konkret darüber sprechen, wie denn die Kraft des Wortes Gottes in der Seelsorge wirkt, wie sie überhaupt wirkt und wie sie dann auch in der Seelsorge wirkt. Das ist natürlich nicht total unterschiedlich. Aber wir wollen uns dessen bewusst machen: Wie wirkt denn die Kraft des Wortes Gottes?
Schließlich will ich dann noch einmal, das ist zum Teil Wiederholung, zum Teil auch noch leichte Ausführung dazu, fragen: Was sind die Konsequenzen konkret für die Seelsorgepraxis aus dem, was ich sage?
Die verändernde Kraft der Seelsorge: Wir werfen einen Blick auf die Gewissheit der Kraft des Wortes. Wir gehen also davon aus, dass das Wort Gottes Kraft hat. Wir fragen uns nicht zweifelnd, hat es das eventuell, sondern wir sagen: Nein, wo wir Menschen in der Seelsorge begegnen und ihnen helfen wollen, da tun wir das mit der Gewissheit, dass das Wort Gottes Kraft hat.
Nun, warum tun wir das? Zuerst einmal, weil natürlich die Bibel selber davon spricht, nicht nur an ein oder zwei Stellen, sondern an einer ganzen Reihe. Wir haben heute Morgen auch aus dem Thessalonicherbrief eine gehört, wo der Apostel Paulus Wert darauf legt, dass er selber schwach kam, aber das Wort sich unter den Thessalonichern nicht nur als bloßes Wort erwiesen hat, sondern in Kraft.
Aber ich nehme eine Stelle aus dem Alten Testament, die Ihnen vielleicht auch vor Augen ist: Jesaja 55, denn gleich wie Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie Samen gibt zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein. Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Jesaja 55,10-11.
Das ist insofern interessant, dass ja hier der Vergleich mit Regen und Schnee deutlich macht, dass Wasser gebraucht wird für das Wachstum der Pflanzen. Das sagt Gott: Das, was zum Wachstum gebraucht wird, das wirkt sein Wort. Und warum Regen und Schnee? Nun, da ist noch ein interessantes Detail, dass ja der Schnee, der im Winter fällt, wir kennen das hier im Moment nicht mehr so, aber eigentlich dient das ja als so eine Art Wasservorrat, gefrorener Wasservorrat, der dann im Frühjahr halt abtauen kann und dann, wenn die Pflanzen ganz besonders viel Wasser brauchen, zur Verfügung steht. Da wirkt dann das Wasser nicht sofort, sondern verzögert, aber es kommt zur Wirkung. Gott spielt hier in diesem Wort darauf an. Auf jeden Fall wirkt das Wort allerdings nicht unbedingt so, dass man sagen kann: Du hast es gesagt, und gleich ist das Ergebnis. Es wirkt, was Gott will. Das ist noch etwas, worauf ich später noch eingehen werde.
Das zweite Wort, was da recht klar ist und eben auch im Blick auf die Seelsorge für uns wichtig ist, ist aus Hebräer 4,12: Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidiges Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.
Hier wird das Wort Gottes mit einem Schwert verglichen, das ist das zweischneidige Schwert. Das ist ziemlich sicher nicht das, was sich die meisten darunter vorstellen. Also es ist kein Beidhänder, also ist nicht gemeint, dass das Schwert auf beiden Seiten geschliffen ist, sondern da steht im Griechischen das Wort doppelzüngig. Ich bin ja in meinem ersten Beruf Schreiner, und wie gesagt, von meinem Vater habe ich gelernt, wie man Messer scharf macht. Und in diesem griechischen Wort kommt etwas zum Ausdruck, dass man nämlich eine Waffe oder eine Schneide, die man scharf haben möchte, doppelt anschleift. Man gibt ihr einerseits einen etwas steileren Schliff und dann noch einen zweiten, etwas flacheren Anschliff.
Was will man damit erreichen? Man möchte beides haben, nämlich dass erstens die Schneide sehr scharf ist und zweitens, dass sie haltbar ist, also Standfestigkeit im Schnitt hat. Das macht der Schreiner regelmäßig, wenn er seine Beitel anschleift, und der Metzger, wenn er seine Messer scharf macht. Er versucht diesen doppelten Schliff, weil er natürlich das Messer nicht sehr, sehr scharf, aber nach jedem Schnitt wieder stumpf haben will, sondern er möchte beides drin haben.
Und dieser Aspekt kommt auch hier zum Ausdruck: Gottes Wort ist ausgesprochen scharf, aber es wird auch nicht einfach stumpf, sondern es kann, so heißt es hier, sogar Mark und Bein, also sogar Knochen durchschneiden, ohne stumpf zu werden.
Wir sehen also: Gottes Wort spricht selber davon, dass es Kraft hat und dass es wirkt. Und deswegen sollten wir auch, oder dürfen wir auch, Zuversicht haben. Aber es gibt noch etwas anderes, nämlich wenn wir die Bibel lesen, dann lesen wir die ausdrücklichen Aussagen, aber wir lesen auch den Ton der Heiligen Schrift. Und der Ton der Heiligen Schrift lässt eigentlich nichts anderes zu, als dass wir mit Gewissheit, mit Zuversicht auftreten, dass wir das Wort Gottes auch mit Zuversicht, mit Gewissheit im Handeln als Seelsorger einsetzen und damit leben.
Es ist eben nicht so, wie man das auch etwa, wenn Sie sich das Hauptwerk etwa von der biblisch-therapeutischen Seelsorge anschauen und dort einfach mal lesen, im Blick auf das Wort Gottes dann finden Sie da fast regelmäßig eher entschuldigende Sätze, dass, wo das Wort Gottes und der Glaube und der Heilige Geist ins Spiel kommt, das ist eher untergeordnet. Das heißt zwar biblisch-therapeutisch, aber eigentlich müsste das Konzept mindestens umgekehrt heißen: Das Therapeutische steht im Vordergrund, das Biblische kommt vielleicht noch irgendwie dazu. Und es hat fast immer einen entschuldigenden Ton.
Das aber ist nicht das, was der Ton der Bibel von uns verlangt, sondern die Zuversicht, mit der wir in der Heiligen Schrift lesen, das ist die Zuversicht, die auch für uns in der Seelsorge im Umgang mit Gottes Wort entscheidend ist.
Gestern hat ja Kevin de Young schon Martin Luther zitiert, einen kleinen Satz aus seiner Schrift Vom unfreien Willen. Luther hat von dieser Schrift gesagt: Also kann alles untergehen, was ich geschrieben habe, aber na gut, die Bibelübersetzung und diese Schrift Vom unfreien Willen, da bringe ich das auf den Punkt, was ich in der Reformation sagen wollte.
Und da schreibt er als Antwort auf den Humanisten Erasmus von Rotterdam, dem er durchaus auch dankbar war. In diesem Jahr ist ja 500 Jahre das Erasmus-Testament, mit dem auch Luther gearbeitet hat, also das griechische Neue Testament, das Erasmus von Rotterdam erarbeitet hat. Aber im Streit mit Erasmus sagt Martin Luther dann: Ferne seien von uns Christen die Skeptiker, nahe aber seien uns die, welche mit äußerster Hartnäckigkeit ihre festen Meinungen vertreten. Wie oft, frage ich, fordert der Apostel Paulus jene Sicherheit, das heißt eine ganz sichere und feste Behauptung des Gewissens. Römer 10 etwa nennt er sie ein Bekenntnis, mit dem Munde erfolgt das Bekenntnis zur Seligkeit. Und Christus sagt Matthäus 10, wer mich bekennt vor den Menschen, den werde ich bekennen vor meinem Vater. Und Petrus befiehlt, Rechenschaft abzulegen von der Hoffnung, die in uns ist. Was bedarf es vieler Worte? Nichts ist bei den Christen bekannter und öfter gebraucht als die feste Behauptung einer Meinung.
Und weiter: Nimm die sicheren Gewissheiten weg, und du hast das Christentum weggenommen. Ja, sogar der Heilige Geist wird den Christen vom Himmel gegeben, dass er Christus verherrliche und bekenne bis zum Tode. Heißt das nicht, eine feste Meinung vertreten, des Bekenntnisses und der festen Meinung wegen sterben? Ja, so fest bejaht der Heilige Geist, dass er auch ungebeten kommt und die Welt der Sünde anklagt und gleichsam den Kampf herausfordert. Ich bin mehr als töricht, sagt Luther, wenn ich mit einer Sache, die klarer ist als die Sonne, Worte und Zeit verliere. Welcher Christ könnte den Satz ertragen, dass feste Meinungen nicht zu ertragen seien? Das würde ja nichts anderes bedeuten als ein für allemal alle Religion und Frömmigkeit zu verleugnen und fest zu behaupten, dass Religion und Frömmigkeit oder irgendeine Lehre nichts sei.
Also Martin Luther trifft hier den Ton der Bibel sehr genau, dass er sagt: Jawohl, wir leben mit der Gewissheit, und aus dieser Gewissheit kommen für uns auch gewisse und feste Überzeugungen.
Warum lege ich darauf so viel Wert? Weil wir alle mit der Muttermilch die Skepsis und den Skeptizismus, den heute unsere Gesellschaft bestimmt, eingesogen haben. Skeptizismus heißt in gewisser Weise: Man kann nichts genau wissen, man muss alles hinterfragen, man muss alles in Frage stellen, man hat nichts, worauf man wirklich bauen kann. Das hat eben auch unsere christlichen Überzeugungen betroffen, und das führt auch dazu, davon haben wir schon gehört, dass wir dem Wort Gottes in seiner Kraft immer weniger zutrauen und dann diese Kraft auch immer weniger erleben.
Wir nehmen aber auch die Wirkung des Wortes Gottes im seelsorgerlichen Handeln wahr. Wir nehmen die Wirkung des Wortes Gottes im seelsorgerlichen Handeln wirklich wahr. Und da befinde ich mich vielleicht dann schon im Streit mit dem einen oder anderen, der dann sagt: Na ja, wirkt das denn überhaupt? Also, was weiß ich, Verhaltenstherapie zum Beispiel hat doch eine gewisse Wirksamkeit nachgewiesen, aber kann man die Wirksamkeit des Wortes Gottes nachweisen? Wirkt das überhaupt?
Nun, ich habe selber an zahlreichen Sterbebetten Menschen bis zum letzten Atemzug begleitet. Mit was denn? Dass ich so ein netter Mensch bin? Mit Gottes Wort. Ich habe den Menschen unterschiedlich, manche, auch die lange, viele, viele Jahre Christen gewesen sind, sind schwer angefochten worden in ihrer Todesstunde. Aber womit habe ich sie getröstet? Mit Gottes Wort. Und erlebt, wie Menschen im Frieden sich darauf verlassen konnten.
Was man dann allerdings manchmal auch erlebt, ist, dass man wie in einem Altersheim, wo ich eine alte Schwester, über hundert Jahre ist sie geworden, und dann kam so eine Pflegerin und wollte ihr mit einem buddhistischen Ritual das Sterben erleichtern. Ich sage: Raus mit Ihnen! Wollen Sie? Nein, wir bleiben dabei, dass wir mit Gottes Wort arbeiten. Und wir erleben auch die Wirkung.
Aber was diese Wirkung heißt, darüber müssen wir uns noch Gedanken machen. Denn ich will ein anderes Beispiel nennen: Eine junge Frau, die bis zu ihrem fast siebzehnten Lebensjahr von ihrem Vater missbraucht wurde, dann aber aus der Familie ausgebrochen ist und dann auch in unsere Gemeinde kam und Hilfe und Wegweisung gesucht hat. Sie hat einen ersten Halt und auch schließlich den Schritt zum Glauben gefunden. Warum? Dadurch, dass ich ihr zeigen konnte, von Gottes Wort her, was es eigentlich heißt, dass Gott unser Leben führt und leitet und dass er, und das war ein ganz wichtiger Punkt auch für sie, derjenige ist, der am Ende Gericht üben wird.
Denn jeder von euch, der damit zu tun hat, wird das wissen: Wer einen solchen Missbrauch erlebt hat, stellt, selbst wenn er den anderen anklagt, sich in Frage, fragt sich vor allen Dingen nach der eigenen Schuld und verneint sich selber. Und da ist es ein ganz wesentlicher Punkt, ich werde später noch darauf kommen, von Gottes Wort her einem Menschen zu zeigen: Wie kannst du dein Leben, wie kannst du das, was du erlebt hast, im Blick von Gottes Willen und Wort sehen?
Sie ist zum Glauben gekommen. Waren alle Probleme beseitigt? Nein, natürlich nicht. Das wäre noch eine lange Geschichte, die ich hier erzählen könnte. Aber das Entscheidende hat Gott gewirkt an ihr, und er wird es noch wirken bis zur Ewigkeit.
Wir brauchen aber auch, das ist mein Punkt, diese Gewissheit der Kraft des Wortes Gottes aufgrund der besonderen Herausforderung der Seelsorge. Seelsorge ist nach meiner Überzeugung nämlich in wesentlichen Teilen ein prophetischer Dienst, indem wir das Evangelium in die besondere Situation eines Menschen hineinsagen, der in einer besonderen Not oder Herausforderung ist.
Was meine ich damit? Nun, ich sehe den Dienst der Seelsorge so, dass der Seelsorger eben nicht in erster Linie Lehrer des Wortes ist, sondern in erster Linie Prophet. Prophet nicht im Sinne, dass er irgendwelche Eingebungen hat, sondern seine Herausforderung ist, das Wort Gottes und das Evangelium in die spezielle Situation des Menschen hineinzusagen, den er da nun vor sich hat, dem er helfen will, dem er Rat geben will.
Er steht in gewisser Weise in der Spannung, und ich muss ehrlich sagen, ich genieße in gewisser Weise diese Spannung, dass ich zu einem Menschen komme oder dass ein Mensch mich fragt: Du, ich muss mal mit dir reden, oder wie auch immer, und wir kommen in ein Gespräch. Ich weiß nicht genau, was auf mich zukommt. Ich weiß nicht: Wird Gottes Wort diesem Menschen etwas sagen können, oder kommt da irgendein Problem, kommt da irgendeine Sache, wo Gott und sein Wort nichts zu sagen haben, wo ich dann sagen muss: Tut mir leid, aber du bist ganz und gar falsch bei mir, es geht um Automechaniker.
Könnte natürlich passieren, wenn jemand sagt: Mein Auto scheppert. Aber nein, wenn es jetzt um seelsorgerliche Probleme geht, dann zu erleben, dass — und das kann und will ich nur bezeugen — dann tatsächlich Gottes Wort Menschen Antwort gibt, dass es möglich ist, natürlich bitte nicht instant. Ja, also deswegen nenne ich das auch prophetischer Dienst. Das ist eine Herausforderung, aber es ist möglich. Und wir können gewiss sein, dass tatsächlich wir mit Gottes Wort in die besondere Situation des Menschen hinein, in seine besondere Not hinein sprechen können. Gottes Wort reicht dazu aus. Es ist, wir haben von der Genügsamkeit der Schrift gehört. Wir brauchen diese Gewissheit im seelsorgerlichen Dienst.
Und noch etwas, was wir uns vor Augen führen wollen unter diesem ersten Punkt, die Gewissheit der Kraft des Wortes Gottes, dass sich nämlich die Kraft des Wortes Gottes gewissermaßen positiv und negativ erweist. Was meine ich damit? Nun, die Kraft des Wortes Gottes führt nicht zwangsläufig zur Heilung. Also, das müssen wir uns klar sein. Das war übrigens auch eine Sache, die ganz besonders die sogenannte Orthodoxie beschäftigt hat, also die Zeit, die ein bisschen in Verruf gekommen ist, die Zeit der theologischen Lehrbildung direkt nach der Reformation.
Und man hat sich hier ganz intensiv gefragt: Wenn es doch Gottes Wort ist, das Menschen rettet, wenn es doch die Kraft des Wortes ist und wenn durch das Wort der Heilige Geist zu uns kommt, ja, warum geschieht denn das nicht immer und jedes Mal? Warum ist es dann so, dass unter einer Predigt des gleichen Evangeliums die einen zum Glauben kommen und die anderen nicht? Die haben doch das Gleiche gehört. Und wenn man dann nicht der Überzeugung ist und sagt: Ja, das liegt doch irgendwie alles an dem Menschen alleine und an seinen Entscheidungen und was weiß ich was, sondern wenn man glaubt, es liegt nicht an des Menschen Wollen oder Laufen, sondern eigentlich an Gott, dann war natürlich die Frage: Ja, gibt es irgendwas, was die Kraft des Wortes Gottes einschränkt?
Und da muss man sagen: Ja, es gibt etwas, nämlich die Grenzen, die Gott diesem Wort und der Wirkung seines Wortes selber auferlegt hat. Also, Gott wollte, dass sein Wort kein Zauberwort ist, also kein magischer Zauberspruch, den ich dann nur aussprechen muss und dann schwupp ist es erledigt. Wir kommen gleich, wenn wir zu den Wirkweisen des Wortes kommen, wird uns das noch bewusster werden. Gott hat dem Wort selber Grenzen auferlegt. Es wirkt nicht so, wie mir vor Jahren mal eine russlanddeutsche Frau bekannt hat, als ihre Söhne dann in die russische Armee gingen. Was haben sie gemacht? Sie haben ihren Söhnen in die Hemdkragen Bibelverse eingenäht. Aber nicht etwa, damit die die dann irgendwann heimlich auftrennen und mal einen Bibelvers lesen können, sondern weil sie magisch denkend meinten: Der richtige Bibelvers im Hemdkragen, der bewirkt es, der schützt dann vielleicht vor irgendwelchen Querschlägern oder vor irgendwelchen Partisanen im Krieg in Afghanistan oder Ähnliches.
Aber es ist uns klar: Die Kraft des Wortes Gottes, die hat Gott in bestimmte Grenzen gelegt seines Willens, und das zeigt dann eben auch die Wirkweise des Wortes. Deswegen sage ich mal: Wir müssen dann auch mit dem Vorwurf mangelnder Wirksamkeit in gewisser Weise leben, wenn uns jemand sagt: Du willst jemanden mit Gottes Wort therapieren. Gut, dann sage ich ihm: Will ich gar nicht. Gottes Wort ist kein Therapiemittel, wenn auch natürlich Heilung von ihm ausgeht, was ja nichts anderes heißt als therapeutisch. Wir bewirken aber auch mit dem Wort Gottes Ablehnung und vielleicht sogar Verschlimmerung der Symptome, mit denen jemand gekommen ist. Das gehört zum Wort Gottes dazu.
Der Apostel Paulus sagt: Wir sind für manche auch ein Geruch des Todes zum Tode. Und das geschieht auch in der Seelsorge. Wir sind ja als Seelsorger alle ganz liebe, nette Menschen. Wir wollen natürlich allen helfen und wir wollen alle umarmen, ist klar. Aber man muss auch damit leben, dass, wenn wir mit Gottes Wort umgehen, dass wir dann auch für manche ein Geruch des Todes sind, dass manche eben nicht hören und was sie dann hören, sich letztlich zum Gericht hören.
Aber selbst das geschieht, und das habe ich auch schon erlebt: Eine Frau, die ich seit Jahren immer wieder begleite, die an einer Schizophrenie leidet, die dann sagt: Ja, krank geworden bin ich, als ich zum Glauben kam. Das ist natürlich jetzt ein extremer Fall. Jetzt könnte natürlich jemand hergehen und sagen: Ja, da haben wir es ja. Die krank machende Wirkung des Glaubens oder manche sprechen sogar dann von einer krankmachenden Gemeinde usw.
Aber wir müssen im Einzelfall sogar sehen: Die positive Wirkung des Wortes, nämlich dass es tut, was es will, einem Menschen Rettung und damit echte Heilung zu schenken, kann unter Umständen auch dazu führen, dass er in seinem leiblichen Dasein mit Problemen zu kämpfen hat, vielleicht sogar mit größeren, als würde er nicht glauben. Wir wollen uns nichts vormachen. Christ zu werden heißt nicht, es wird automatisch alles besser, es kann sogar schlimmer werden in deinem leiblichen Leben. Ich bitte euch, das ist ein ganz wesentlicher Punkt auch einer ehrlichen Seelsorge, dass wir damit umgehen. Es kann auch sein, dass ein Mensch, seit er Christ geworden ist, ganz andere Anfechtung zu erleiden hat und dass es ihm vielleicht sogar vorher, in Anführungsstrichen, besser ging.
Nun, lasst uns anschauen die Wirkweisen des Wortes Gottes, denn da kommen wir dann der Kraft näher, und daraus ergeben sich dann auch für uns als Seelsorger direkte Konsequenzen.
Nun, mein erster Punkt unter diesem Die Wirkweisen des Wortes Gottes heißt: Der Charakter von sprachlicher Mitteilung bestimmt unsere Erwartung der Wirkung. Wir haben es bei dem Wort Gottes um sprachliche Mitteilung zu tun. Wir rechnen deswegen nicht mit einem mystischen Wirken des Wortes. Was meine ich mit mystischem Wirken? Nun, mystisch im Sinne davon, dass Gott irgendwie wirkt, ohne dass wir das wahrnehmen.
Wir rechnen damit, dass Wort wirklich Wort ist, dass es sich bei dem Wort Gottes tatsächlich um Sätze handelt, also dass das Wort Gottes tatsächlich Sprache ist. Vielleicht ist das so selbstverständlich, dass wir gar nicht so richtig wahrnehmen, aber spätestens wenn man mal in andere Religionen hineinschaut, dann sieht man sehr wohl den Unterschied. Man sieht den Unterschied, dass ein Muslim, wenn er die drei Suren, die er als Kind gelernt hat, auf Arabisch aufsagt, tatsächlich innerlich betroffen ist, ihm die Tränen kommen und er tatsächlich tief bewegt ist. Aber er weiß nicht, was er sagt. Er hat, weil er die Sprache, das Arabisch des Korans, gar nicht kennt, keinen Zugang zu den Inhalten dessen, was er gelernt hat. Er kennt die Inhalte nicht.
Aber ich habe auch viele Gespräche mit Muslimen, zum Teil auch seelsorgerlicher Natur, aber eben auch evangelistischer, wobei ich auch eine Überschneidung sehe an manchen Stellen. Das ist tatsächlich so: Da sind Menschen tief betroffen, ohne ein Wort zu verstehen. Das ist aber nicht der Charakter der Bibel. Die Bibel hat Wörter, Sätze, Sprache. Und sie hat sprachliche Mitteilung, und diese sprachliche Mitteilung bedeutet, dass uns Wahrheit, Wirklichkeit mit Wörtern gebracht wird. Das heißt, da ist eine Wirklichkeit, die Wirklichkeit Gottes, und die Sprache ist das Mittel, der Transportweg, um es zum Menschen hinzubringen.
Kann ich das mit einem Beispiel noch deutlich machen? Ich hätte euch das gerne an die Wand geworfen, das Foto eines Telegramms. Dieses Telegramm ist aufgegeben worden 1949, und zwar in Frankfurt/Oder. Da steht drauf: Ich komme, erwarte dich, dein Helmut.
Nun, die Geschichte hinter diesem Telegramm ist folgende: Eine Frau hatte, das war in der Zeit des Dritten Reiches nicht so ganz selten, einem Frontsoldaten geschrieben, den sie nicht kannte. Sie hatte die Adresse vom Reichswehrkommando oder wie das damals hieß gehabt, denn man wollte die Soldaten an der Front ein bisschen ermutigen. Und Frauen haben dann gesagt: Na gut, ich schreibe Ihnen Briefe, Brieffreundschaft.
Nun, diese Frau hat mit dem Helmut an der Front so eine Brieffreundschaft angefangen und hat sich dann, er hat vor Stalingrad gekämpft, in ihn verliebt und er sich in sie. Bitte, sie haben sich nie gesehen, sie haben sich nur Briefe geschrieben und keine SMS oder E-Mails oder so, sondern Briefe unter Kriegsbedingungen, das heißt, da waren dann eben auch noch Wochen dazwischen. Dann geriet der Helmut in Kriegsgefangenschaft, und sie haben sich unbekannterweise über fünf Jahre geschrieben, von Stalingrad, später von Sibirien aus, der Kriegsgefangenschaft. Sie haben sich kein einziges Mal gesehen, aber sie waren sich sicher, dass sie füreinander bestimmt waren und haben sich ineinander verliebt.
So, jetzt: Helmut kommt aus der Kriegsgefangenschaft frei, macht sich auf den Weg zurück, und der erste Ort auf dem dann wieder deutschen Boden war Frankfurt/Oder, und da setzt er ein Telegramm ab. So, jetzt ist die entscheidende Frage: Ist eigentlich der Mensch, den ich durch die Briefe, durch Wörter kennengelernt habe, der Mensch, dem ich dann am Bahnhof begegnen werde? Ist das möglich?
Also, die moderne Philosophie und das moderne Denken sagen: Nein, das geht nicht. Man kann durch Wörter so niemanden kennenlernen. Dieses Beispiel, und es gibt noch andere, ich habe auch einen Freund, der auf ähnliche Weise als Missionar seine Frau gefunden hat, also dieses und andere Beispiele zeigen: Es ist sehr wohl möglich. Denn die beiden haben sich dann, nachdem sie sich am Bahnhof begegnet sind und zum ersten Mal gesehen haben, noch dreimal getroffen und dann geheiratet. Sie haben vier Kinder gehabt und sind fast sechzig Jahre verheiratet gewesen bis zu ihrem Tod.
Was will ich mit diesem Beispiel deutlich machen? Nun, der Apostel Paulus sagt, dass er den Galatern, Galater 3,1, dass er denen Christus vor die Augen gemalt hat, also er hat Christus mit Wörtern gemalt. Wenn wir Epheser 1,18 dazunehmen: Die Augen des Herzens haben Christus gesehen. Oder 1. Petrus 1,8: Da sagt Petrus: Ihn habt ihr lieb, obwohl ihr ihn nie gesehen habt. Jesus Christus, nur mit Wörtern lernen wir ihn kennen.
Also: Mit sprachlicher Mitteilung wird uns Wahrheit, Wirklichkeit, da wird uns sogar die Person von Jesus Christus gebracht. Wir kommen also durch sprachliche Mitteilung in Verbindung mit der Wahrheit, und daraus bezieht auch diese Mitteilung ihre Kraft.
Natürlich könnte man jetzt sagen: Ja, auch eine Lüge kann einen Menschen verändern. Muss doch gar keine Wahrheit sein, oder? Ich habe gerade in diesen Tagen gehört, dass der sogenannte Enkeltrick tatsächlich funktioniert. Da hat mir jemand erzählt, wie die eigene Großmutter genascht wurde von einem Anrufer, der dann gesagt hat, oder die gesagt hat, sie sei die Enkelin und sie bräuchte unbedingt Geld für dieses oder jenes. Und die Großmutter war der festen Überzeugung: Jawohl, meine Enkelin hat wirklich angerufen und die möchte jetzt 30 Euro von mir haben, ob ich die mal eben vom Konto abholen kann.
Ja, also wenn bei mir jemand anruft und 30 Euro will, dann kann ich immer sagen: Tut mir leid, ich wüsste nicht, wo ich es hernehmen sollte, ich kann das gar nicht bei mir auf dem Konto abholen, insofern bin ich da gewahrt. Aber was will ich damit sagen? Nun, Lügen können natürlich auch Menschen verändern, sie können sie in die Irre führen, und wir haben in der Seelsorge oft damit zu tun, dass Menschen an bestimmten Lügen hängen. Aber Lügen funktionieren nur deswegen, weil sie Wahrheit vortäuschen. Lügen funktionieren nur deswegen, weil der Teufel so tut, als ob er das System Gottes benutzt und Falsches vortäuscht. Eine Lüge hätte keine Wirkung, wenn man sofort wüsste, dass sie eine Lüge ist. Also die Oma, wenn ihr sofort klar gewesen wäre, es ist eine Lüge, dann hätte sie höchstens gelacht über die Geschichte und wieder aufgelegt. Oder sie hätte gesagt: Wie können Sie sich sowas einfallen lassen, hier bei mir anzurufen.
Aber der Apostel Paulus kann in Römer 1,18 sagen, das Evangelium, das ist eine Kraft Gottes. Das ist eine Kraft Gottes. Sprachliche Mitteilung.
Warum gehe ich da so darauf ein? Nun, weil wir als Seelsorger, womit arbeiten wir denn? Also meine Frau kann Pillen verteilen, obwohl sie das auch nicht so viel tut, sie macht auch viel mit Gesprächen, aber ich kann keine Pillen verteilen. Womit ich arbeite als Seelsorger, sind Wörter. Jetzt könnte man sagen: Nur Wörter? Ja, wenn es nur hohle und leere Wörter sind, dann sind es nur Wörter. Wenn meine Wörter, meine Sprache, das, was ich sage, aber gefüllt ist von der Wirklichkeit Gottes, von der Wahrheit des Evangeliums, dann kann ich gewiss sein: Ich habe es mit Kraft, mit kraftvollen Worten zu tun, die gefüllt sind von dem, was er sagt.
Nun, wenn wir in die Bibel hineinschauen, dann sehen wir: Gott sucht und will auch den gehorsamen Hörer. Also sprachliche Mitteilung, wir haben das gestern auch, wurde das kurz erwähnt, sie sucht auch den, der hört und der sein Leben verändert. Gott spricht natürlich auch schöpferisch. Psalm 33: Wenn Gott spricht, dann geschieht es. Oder Matthäus 8, wo der Hauptmann sagt: Sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund. Also Gott kann auch dieses schöpferische Wort sprechen. Aber das ist etwas, das tut Gott. Das ist nicht etwas, was in unsere Hände kommt. Dieses schöpferische Wort bleibt immer bei Gott.
Deswegen macht Jesus das ja deutlich, indem er gelegentlich sogar bei seinen Heilungen vor allem Gott bittet, obwohl er das natürlich auch direkt tun könnte, er ist ja Gottes Sohn. Aber er macht deutlich: Wir stellen uns immer, wenn es um das schöpferische Wort Gottes geht, unter Gott und erwarten von ihm. Aber wir sind nicht diejenigen, die eigentlich heilen. Übrigens: Auch ein Arzt heilt nicht. Das ist eine Täuschung. Jeder ehrliche Arzt wird sagen: Ich kann niemanden heilen, ich kann vielleicht die Umstände verbessern, in denen die Heilung besser vorankommt, aber ich kann nicht heilen. Würde das nicht von selbst irgendwie heilen, dann könnte ich gar nichts machen. Ich kann natürlich irgendwas wegschneiden, aber dass das heilt, das müssen irgendwie die Heilungskräfte machen.
Aber was für uns interessanter ist, ist, dass wir zu tun haben mit dem Wort, das Gehorsam sucht. Das ist das Wort des Glaubens, sagt der Apostel Paulus, das den Gehorsam aufrichten will, Römer 1,5 oder Römer 16,26. Oder er spricht auch im Römerbrief davon und sagt: Wisst ihr nicht, wem ihr euch zu Knechten macht, dem müsst ihr gehorchen. Also wir haben es bei dem Wort Gottes damit zu tun, dass es auch Gehorsam fordert, also Hören des Menschen und Handeln des Menschen. Dazu will das Wort überzeugen. Weißt du nicht, hast du nicht gehört, Jesaja 40,28, oder auch noch einmal Römer 2: Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet? Gott argumentiert, er versucht, seine Wahrheit dem Menschen ins Herz zu sagen. Das sind Dinge, die dann für uns im seelsorgerlichen Gespräch ganz entscheidend sind.
Noch ein Punkt zum Charakter der sprachlichen Mitteilung: Sie kann natürlich ganz vielfältige Formen haben. Bitte versteht mich nicht falsch, denkt nicht, man müsste immer nur argumentierend reden, sondern natürlich hat die sprachliche Mitteilung des Wortes Gottes auch begleitet von Musik als Lied ihren Sinn. Das ist ein für mich sehr wichtiges Element, gerade von Krankenseelsorge oder auch von Sterbebegleitung. Das Lied ist ein sehr wichtiges Element, auch bei der Seelsorge an Dementen, etwas, was eine große Herausforderung ist und wo Sie bitte nicht sagen, dass das überhaupt gar keinen Sinn hat, das brauchen wir nicht zu machen, die sind ja sowieso dement, verstehen ja kein Wort mehr. Nein, das ist nicht so. Es ist vielmehr so, dass es sich tatsächlich lohnt, und ich habe das oft erlebt, auch in Altenheimen erlebt, dass mir die Pfleger sagen: Die Frau redet nie ein Wort. Wenn Sie da sind und hier Gottes Wort sagen, eine Bibelstunde für Demente mache ich gelegentlich, und singen, dann fängt sie an zu reden.
Und ich denke auch an einen jungen Mann, einen Sohn eines Kollegen von mir, inzwischen ist er allerdings gestorben, der dann aufgrund eines Unfalls und eines Sauerstoffmangels vollkommen gelähmt, unfähig war. Der Eindruck war: Er ist debil, also bekommt gar nichts mehr mit, man musste ihn füttern und wickeln und alles machen, hat kein Wort mehr sprechen können. Aber wenn aus der Bibel gelesen wurde und wenn Lieder des Glaubens gesungen wurden, dann wachte dieser junge Mann auf, dann hat er mitgesungen. Dann hat er Bibelverse mitgesprochen. Also bitte nicht denken, das hätte alles gar keinen Sinn, sondern so ist das. Übrigens auch, wenn ich am Krankenbett spreche, spreche ich auch zu Menschen, die kein Bewusstsein haben, die im Koma liegen, so, als ob sie alles mitbekommen. Wenn ich hinterher mit ihnen spreche, wenn sie aufgewacht sind, was nicht immer möglich ist, aber manchmal, dann ist es unterschiedlich. Manche sagen mir: Ich habe nichts mitbekommen. Manche aber haben es auch gehört und mitbekommen. Wir wissen es nicht, aber wir sollten gerade da auch so mit Menschen umgehen.
Also Lied, dichterische Form, argumentierende Rede, Gespräch, Gebet, es gibt viele Formen sprachlicher Mitteilung, aber es bleibt immer sprachliche Mitteilung.
Weiter: Wie wirkt Gottes Wort? Wir sprechen über die Wirkweisen des Wortes Gottes. Nun, ich habe erst über den sprachlichen Charakter gesprochen, ich will reden über die Wirkung der Autorität Gottes als dem eigentlichen Sprecher. Das heißt, in Markus 1,22: Jesus lehrte hos exousian, wie einer mit Vollmacht, nicht so wie die Schriftgelehrten. Da fragt sich natürlich: Ja, was heißt das? Nun, das bedeutet doch, Jesus wusste, was Gott tatsächlich will, er kannte Gottes Wesen, er wusste auch, wie alles ausgeht, und so hat er gelehrt, anders als die Schriftgelehrten, die sagen mussten: Na, vielleicht ist es so, vielleicht ist es anders, man kann die Sache so sehen und man kann sie auch so sehen.
Was heißt das für den Seelsorger? Nun, als Seelsorger sollen wir wissen, wovon wir sprechen, und wir sollen es mit Gewissheit sagen. Und die Frage ist: Wie kommen wir dazu?
Zum einen brauche ich als Seelsorger, ich nenne das jetzt mal Selbstvergewisserung aus dem Wort Gottes. Das heißt, ich muss mich fragen: Woher ist eigentlich das, was ich jetzt dem anderen sage? Wie ist das gerechtfertigt? Worauf kann ich das eigentlich stützen? Ist das mein Bauchgefühl, sind das meine Meinungen, was ist das eigentlich? Und es ist für mich als Seelsorger ganz entscheidend, dass ich weiß, worauf ich mich stützen kann. Welche Zusagen Gottes habe ich eigentlich, damit ich dem anderen etwas sagen kann, und welche habe ich nicht?
Und ich glaube, dass wir als Seelsorger auf dieser Grundlage auch ganz gut unterscheiden müssen, und auch in dem, wie wir mit Menschen reden: Was ist gewiss und was ist ungewiss? Das heißt, was ist Meinung von Menschen und was ist Gottes Zusage? Und ich meine damit nicht, dass wir nicht im seelsorgerlichen Prozess auch jemandem einen Rat geben: Werde Metzger, das ist ein guter Beruf. Also wenn man mit jungen Leuten zu tun hat, die sich fragen, was soll aus meinem Leben werden und so weiter, dann könnte man sagen: Werde Metzger, da werden ordentlich welche gesucht. Steht aber nicht in der Bibel, ist doch klar.
Insofern ist für mich als Seelsorger das eine ganz brisante Sache, weil ich es für mich für ganz wesentlich halte unter dieser Maßgabe, wie wirkt eigentlich die verändernde Kraft des Wortes Gottes, dass ich unterscheiden möchte, was meine Sichten, meine Meinungen sind, die ich aus allerlei Quellen habe, die ich aus meiner Lebenserfahrung, aus meiner Weisheit oder sonst woher habe, und was sind die Gewissheiten Gottes? Ich muss das unterscheiden, und ich muss mit diesen Dingen auch ehrlich sein.
Wie gesagt, ich glaube nicht, dass wir deswegen überhaupt nichts mehr tun. Also ich arbeite auch gelegentlich mit jungen Leuten daran und überlege, was die richtige Lebensperspektive ist. Und da gibt es aber eben göttliche Gewissheiten, und dann gibt es natürlich menschliche Wägbarkeiten und Unwägbarkeiten. Das muss man unterscheiden, sonst würde man auch als Seelsorger seine Macht missbrauchen, und man würde, ich sage jetzt mal, unter der Kraft des Wortes Gottes mit falschen Ratschlägen segeln. Und das wäre nicht gut und ehrlich, das wäre ein Missbrauch. Davor möchte ich auch in diesem Zusammenhang warnen.
Gott übt natürlich seine Autorität aus, und er übt sie aus, weil er hinter seinem Wort steht. Er übt sie aus auch durch Drohung und Verheißung, er übt sie aus durch Gesetz und durch Evangelium. Wir nehmen auch diesen ganzen Reichtum wahr, der gehört auch zu unserer Seelsorge dazu.
Die Wirkweisen des Wortes Gottes: Die Wirkung wirklichkeitskongruenter Welterklärung. Was heißt das? Francis Schaeffer hat mal darauf hingewiesen in seinem Buch Gott ist keine Illusion, dass das biblische System, so ist das jedenfalls in der deutschen Übersetzung, dass das biblische System einzig und allein unter allen anderen eine vollständige Übereinstimmung mit der tatsächlichen Welt, mit der Schöpfung aufweist. Also, er hat gesagt, das biblische System hat als Alleinstellungsmerkmal eine vollständige Kohärenz zur Schöpfung. Das heißt, das, wie die Bibel die Welt sieht, das ist das, was am besten zu dieser Welt und Schöpfung passt.
Wir leben in einer konkreten Welt, wir müssen irgendwie dann, wenn wir Eier kochen wollen, das Wasser auf hundert Grad bringen oder auf den Berg steigen, da geht es vielleicht dann auch bei anderen Temperaturen, aber wir leben in einer konkreten Welt, die Gott geschaffen hat, und die Bibel gibt uns einen Blick für diese konkrete Welt. Und Schaeffer, das kann man in diesem Büchlein ganz gut nachlesen, hat eben auch gesagt, er hat immer wieder versucht, Menschen zu zeigen, dass ihre eigenen Denkvoraussetzungen gar nicht zu dieser Welt passen, dass sie sie auch gar nicht leben können.
Warum gehe ich darauf ein? Nun, das ist etwas, was wir in der Seelsorge sehr häufig erleben: Der, der bei uns Rat und Hilfe sucht, der sehnt sich nach einer Sinnerklärung seiner Not, er fragt sich, warum, wie kam es dazu, warum ist das alles so? Und es ist so, dass auch die Attraktivität vieler psychologischer Modelle gerade darin liegt, dass sie eine Welterklärung geben. Auch wenn das irgendwie unbeweisbare Theorien bleiben, also wenn man jetzt das ganze tiefenpsychologische System von Sigmund Freud ansieht, wo man aus wissenschaftlicher Sicht sagen muss, das hat sich grundlegend als falsch erwiesen. Trotzdem gibt es natürlich, man nennt das Psychodynamik, also trotzdem gibt es natürlich bis heute psychodynamische Therapieverfahren, die in gewisser Weise aber nur noch entfernt auf dem System von Freud beruhen.
Nun, das Entscheidende bei Freud war: Er konnte den Menschen alles erklären, woher das kam, und hatte eine ganze Welterklärung, die natürlich mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmte, also seine Welterklärung von irgendwelchen Ödipuskomplexen und so weiter, was ich muss das hier im Einzelnen nicht erklären, das ist Unsinn, das stimmt mit der Welt nicht überein. Trotzdem sehnt sich der Mensch danach, und er kann dann, meint zumindest, seine Situation damit erklären zu können.
Nun ordnet die Bibel unser Leben in ein ganz bestimmtes biblisches Weltverständnis ein, von Gottes Schöpfung, Gottes Wirken in dieser Welt bis zu Gottes Gericht, wo wir auch Antwort geben können auf die Frage, wenn jemand fragt: Ja, warum lässt Gott das zu? Wir können allerdings nur eine allgemeine Antwort geben. Also in der Physik unterscheidet man dazwischen und sagt: Nun, es gibt eben allgemeine Gesetze, aber es gibt auch kontingente Ereignisse, und das ist immer eine ganz gute Hilfe.
Also jetzt kommt das Frühjahr, aber der Herbst würde uns jetzt besser helfen. Wenn man so einen Baum mit Herbstlaub sieht, dann kann man genau sagen: Also gut, da zieht sich eben der Saft zurück und die Blätter verfärben sich und so weiter, und deswegen fallen die dann runter. Man kann sehr wohl erklären, warum die Blätter sich verfärben und warum sie runterfallen. Aber man kann nicht vorhersagen, welches Blatt als nächstes fallen wird. Das ist, trotzdem man die ganzen Gesetzmäßigkeiten kennt, nicht möglich.
Das ist für mich ein schönes Bild dafür, dass ich einem Menschen natürlich Gottes Plan mit seinem konkreten Leben nicht eröffnen kann. Um es konkret zu sagen: Ich kann ihm nicht sagen, an welchem Tag er sterben wird und woran. Und das ist auch gut so. Aber ich kann ihm sehr wohl helfen, sein Leben, sein Schicksal, sein Leiden, seine Fragen in Gottes großen Plan, in Gottes Bild vom Menschen und von dieser Welt einzuzeichnen.
Wenn ich darauf so viel Wert lege, dann deswegen, weil ich glaube, dass das eine der Grundanforderungen für einen Seelsorger ist, dass er dieses, nennen wir es jetzt biblische System, kennt. Schaeffer hat gesagt: Je mehr wir die moderne Welt, in der wir leben, und ganz besonders die Bibel studieren, desto besser werden wir in der Lage sein, Rede und Antwort zu stehen. Wir müssen in der Bibel zu Hause sein und wissen, welchen Inhalt das biblische System hat. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, ob wir Seelsorger sein können, die auf der Kraft des Wortes Gottes stehen oder eben nur Leute, die alle irgendwie lieb haben. Und bitte, das ist auch nicht schlecht, es ist auch eine christliche Tugend. Aber als Seelsorger wollen wir Menschen helfen, und darum ist es auch für einen Seelsorger ganz entscheidend, ob er gewisse Grundantworten innerlich bejaht, ob er die Antworten Gottes zu Leid und Tod, zu Schuld und Vergebung, zu Schöpfung und Erlösung von Herzen teilt.
Ich denke heute immer noch mit Schrecken an eine Person, die ich über eine Zeit begleitet habe, und in diesem Begleitungsprozess ist sie an Krebs erkrankt. Sie stammte ursprünglich aus einem christlichen Haushalt, hatte sich aber irgendwie vom Glauben entfernt, aber wollte wieder zurück, wusste irgendwie nicht wie, und es gab so viel Ungeklärtes im Leben. Und dann, innerhalb dieses Gesprächsprozesses und der Hilfestellung, ist sie an Krebs erkrankt, und zwar in so ernster Weise, dass sich ihr Tod abgezeichnet hat.
Und dann, ich war als Seelsorger einige Kilometer entfernt. Und dann hat mich sehr erschreckt, dass sie mir, als ich über das Sterben mit ihr sprach und die Vorbereitung auf das Sterben, dass sie mir dann sagt: Du bist der Einzige, der mit mir darüber gesprochen hat. Sie lebte in einer frommen Stadt hier in Deutschland, ich nenne den Namen nicht, und mit ganz vielen frommen Freundinnen. Aber was haben die ihr gesagt? Die haben gesagt: Du musst nicht so negativ denken, dann wird der Krebs sich auch nicht so ausbreiten. Iss mehr Orangen, Vitamin C ist gut. Ja, ernsthaft, ja? Und so weiter und so weiter.
Sie haben mir viele Ratschläge gegeben, aber niemand hat mit ihr gesprochen über ihren bevorstehenden Tod. Niemand. Sie haben gebetet, dass sie wieder gesund wird. Alles gut. Gott hat sie aber zu sich geholt. Bitte, das ist für mich erschreckend, und da muss ich sagen: Was ist das für eine Seelsorge, ja? Das ist nicht die Seelsorge, die auf die Kraft des Wortes Gottes baut, die, wie gesagt, Orangen empfiehlt und positive Gedanken. Sondern wir wollen Menschen tatsächlich helfen, sich auf das zu stützen, was Gott zugesagt hat. Und deswegen gehört auch, dass wir eben mit den biblischen Grundwahrheiten vertraut sind, dass wir sie kennen, dass wir darin auch sie dann in die Not des Hilfesuchenden, des Ratsuchenden einzeichnen können.
In dieser Hinsicht wirkt eben auch die tröstende Hoffnung des Wortes Gottes. Nun, es ist ganz erstaunlich, welche Kraft darin liegt, wenn jemand die Zuversicht hat: Es wird gut ausgehen. Man kann vieles, vieles ertragen mit dieser Gewissheit. Das, was viele Menschen in Krankheit und Not am meisten zu schaffen macht, ist die Unsicherheit. Wenn ich getragen bin von der Zuversicht, es wird gut ausgehen, ist das etwas ganz anderes.
Was haben wir denn für eine christliche Hoffnung? Bitte, ich kann nicht sagen, ob jemand vom Krebs geheilt wird. Das kann ich als Seelsorger nicht. Mir hat auch Gott, auch wenn das bei anderen vielleicht möglich ist, mir hat auch Gott noch niemals gesagt, derjenige wird vom Krebs geheilt. Ich habe schon für Menschen gebetet, die dann nicht zur OP mussten, ja, ich habe das alles schon erlebt, aber das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass die christliche Hoffnung uns auf jeden Fall zu Gott bringen wird, dass es bei aller Not gut ausgehen wird. Darum sollte der Seelsorger auch die Achse christlicher Hoffnung genau kennen. Wir haben schon auch in diesen Tagen darüber gehört, sich dieser Schätze des Reichtums, der Hoffnung vergewissern. Das ist ein ganz wichtiges Thema, dass ihr über die Ewigkeit Bescheid wisst, über das, was die Bibel vom Himmel sagt, von der Begegnung mit Gott. Ein ganz wesentlicher Punkt der Frage: Lebt ihr und arbeitet ihr als vollmächtige Seelsorger oder nicht? Baut ihr auf die Kraft des Wortes Gottes oder nicht?
Ich mache weiter, wir sind bei den Wirkweisen. Etwas, was ihr in allen möglichen Studien lesen könnt, vor ein paar Tagen habe ich gerade wieder einige gelesen, da ging es um Borderline-Störungen und die Frage, wie kann man die psychotherapeutisch behandeln, und dann gibt es halt vier Verfahren, die einigermaßen Hilfe versprechen, aber man darf auch nur sagen: einigermaßen. Meine Frau sagt, wenn wir in der ganzen Klinik ein oder zwei Borderline-Leute haben, dann sind wir schon als ganze Klinik damit voll ausgelastet. Also jetzt zu denken, das ist so eine einfache Sache.
Aber dann ist ganz interessant, die Leute schreiben also, da gibt es diese vier, und dann heißt es: Aber entscheidend ist wahrscheinlich doch die therapeutische Beziehung. Und wenn ihr zu der Frage der Wirkweisen von psychotherapeutischen oder überhaupt therapeutischen Verfahren schaut, dann werdet ihr sehr, sehr oft diesen Satz finden. Entscheidend ist wahrscheinlich doch Aaron T. Beck, kognitive Verhaltenstherapie. Seine Ideen haben auch, ja, ich will mal sagen, das System von etlichen Seelsorgekonzepten, die sich biblisch nennen, beeinflusst, wo man denkt, man muss halt durch Erkenntnisprozesse Menschen verändern.
Der sagt auch, fast noch wichtiger, das haben wir festgestellt bei unseren Untersuchungen, ist, dass die Therapeuten die Leute mal zu Hause besuchen. Hausbesuche haben eine sehr gute Wirkung. Besser als die technische Anwendung von bestimmten Methoden. Aber worauf ich hinaus will, ist, dass darin eine Wahrheit liegt, und zwar auch eine Wahrheit für uns Christen. Aber wir fragen uns: Warum, worin liegt da eigentlich die Wahrheit? Nämlich die Wirkung des Wortes, da hat Gott beschlossen, es durch den Boten wirken zu lassen.
Das ist etwas ganz Erstaunliches im Neuen Testament, das könnt ihr feststellen. Das Neue Testament legt sehr viel Wert darauf, dass die Botschaft und der Bote zusammengehören. 1. Korinther 15, da ist deutlich: Es ist Teil des Evangeliums, dass das Evangelium von Menschen bezeugt wird. So haben wir es gepredigt, und ihr habt es geglaubt. Es ist Jesus wichtig, dass er sagt, Lukas 10: Wer euch hört, der hört mich, wer euch verachtet, der verachtet mich. Es ist so, dass der Apostel Paulus im Zweiten Korintherbrief sehr, sehr daran arbeitet, dass er als Bote eins ist mit der Botschaft, aber nicht sich selbst predigt, 2. Korinther 4, wo er sehr deutlich macht: Wir predigen nicht uns selbst, keine Angst, darum geht es nicht, aber wir sind ganz eins mit der Botschaft, die wir predigen. Deswegen kann er dann auch im Zweiten Korintherbrief sagen: Wir sind Botschafter an Christi statt. Wir stehen an der Stelle von Christus.
Insofern seht ihr, dass auch vom Wort Gottes her ganz klar ist, dass die Rolle des Botschafters und in diesem Fall in der Seelsorge des Seelsorgers von hoher Bedeutung ist. Für uns steht deswegen an erster Stelle: Botschaft, Absender der Botschaft und der Bote. Also Botschaft das Evangelium, um es kurz zusammenzufassen, der Absender ist Gott selber, der Bote ist in diesem Fall der Seelsorger. Wir haben eine wichtige, eine ziemlich entscheidende Rolle.
Und warum, das habe ich versucht deutlich zu machen, könnte ich noch viel mehr dazu sagen, reicht heute die Zeit nicht dazu. Aus biblischer Perspektive geht es darum, auch nicht spezielle Methoden anzuwenden für die Seelsorge. Methoden sind nachrangig. Für die Vollmacht des Seelsorgers ist seine Person, und zwar in gewisser Hinsicht nämlich, dass er sich eins macht mit der Botschaft des Evangeliums, von großer Wichtigkeit, ganz entscheidend.
Darum meine ich auch, dass jeder, der merkt, dass Gott ihn als Seelsorger gebrauchen will, ziemlich einen Auftrag hat. Er hat einen Auftrag, damit er Menschen nicht in die Irre leitet, dass er, was wir jetzt genannt haben, das biblische System kennt, dass er darauf achtet, aber auch im Blick auf seine eigene Person, dass er daran arbeitet, in der Selbsterkenntnis zu wachsen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
Wir haben sehr, sehr viele Seelsorger, die ihre eigenen Probleme bei allen anderen Leuten entdecken können. Und die können auch ihre eigenen Probleme bei den anderen überall behandeln. Nur, sie können ihre eigenen Probleme nicht bei sich erkennen. Übrigens interessanterweise, oder das hat natürlich seine Parallele in den psychotherapeutischen Berufen. Also es ist leider tatsächlich so: Die meisten Psychotherapeuten sind behandlungsbedürftig, ganz eindeutig. Die meisten Psychotherapeuten sind behandlungsbedürftig. Manche sind auch in Behandlung. Das heißt nicht unbedingt, dass sie deswegen schlechte Therapeuten sein müssen, aber manche sind so gefangen auch in ihren eigenen Problemen, dass sie die natürlich immer nur bei den anderen Leuten erkennen und dann bei den anderen Leuten ihre eigenen Probleme heilen wollen, nur nicht bei sich selber. Das ist auch ein Riesenproblem in der Seelsorge.
Es gibt sehr, sehr viele selbstberufene Seelsorger, die leider auch auf diese Art und Weise nur Menschen in die Irre führen. Übrigens bei solchen Seelsorgeseminaren hat etwa die BTS, die es ja immer noch gibt, festgestellt, da kommen inzwischen zu 70 oder 80 nicht Leute hin, die eigentlich in der Lage sind, Seelsorger zu sein, sondern die alle selber Seelsorge brauchen. Sie lassen sich zum Seelsorger ausbilden, weil sie selber Seelsorge brauchen und auch suchen. Inzwischen hat man, wie ich gehört habe, die Seminare auch mehr in diese Richtung umgestellt. Das ist nicht so ungewöhnlich. Bitte, das ist ja an sich nichts Schlechtes. Ich brauche auch Seelsorge als Seelsorger. Aber das ist auch eine hohe Verantwortung, und ich glaube, wir sind nur insofern, weil wir als Boten so eine besondere Stellung auch haben, an der Stelle Christi, vereinigt mit der Botschaft, dass wir uns deswegen nicht selber betrügen, dass wir eine gewisse theologische Reife brauchen und auch in der Menschenkenntnis lernen müssen, damit wir nicht Menschen in die Irre führen.
Im Übrigen: Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis hat viel miteinander zu tun. Aber das wäre wieder ein ganz eigenes Seminar. Ich muss weitermachen und zum Schluss kommen, denn ihr wollt vermutlich noch irgendwann Mittagessen haben.
Also Konsequenzen für die Seelsorgepraxis: Ich will noch ein paar Dinge nennen, ich habe schon das eine oder andere hier und da genannt, aber ich will noch ein paar Dinge nennen.
Konsequenzen für die Seelsorgepraxis, mein letzter Punkt. Unter a. Ich wähle Kolosser 1,28 als einen Leitvers für die Seelsorge. In dem heißt es, Paulus schreibt: Ihn, Christus, verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen. Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen.
Warum sage ich, dass das für mich Leitvers von Seelsorge ist? Weil es tatsächlich, das habe ich schon gesagt, ein ganz entscheidender Punkt ist als Seelsorger: Wir verkündigen das Evangelium, wir zeichnen es in das Leben einzelner Menschen in die besondere Not hinein, und darum ist das entscheidend. Die Kraft daraus haben wir da. Da könnte man jetzt nach 2. Timotheus 3,15-17 schlagen, natürlich aus dem Wort Gottes, aus der Bibel, aus dem geschriebenen Wort. Die Kraft des Wortes Gottes entfaltet sich im Seelsorgegeschehen durch das Einzeichnen des Evangeliums in der konkreten Lebenssituation. Das halte ich für den entscheidenden Punkt, wo tatsächlich Gott mit seiner Kraft, mit der Kraft des Evangeliums im Leben eines Menschen wirkt.
Und da bitte ich, ich glaube, ihr habt mich schon verstanden, ich meine nicht, dass wir einfach die richtigen Worthülsen sagen, dass wir die dogmatisch richtigen Sätze nur sagen. Natürlich sollt ihr dogmatisch richtig sein, ja? Aber bitte, es geht nicht darum, nur die Sätze alle abzuspulen, um dann zu sagen: Ja, wir sind durch das Blut Christi gerettet, sondern die Aufgabe der Seelsorge ist gerade, das in das Herz des Menschen hineinzuschreiben, mit dem ihr zu tun habt, in seiner speziellen Not. Wir müssen auf diese Sache noch im Einzelnen eingehen, aber wir haben ja heute nur einen Aspekt zu betrachten.
Deswegen braucht der Seelsorger, das habe ich gesagt, eine gute Kenntnis der biblischen Weltsicht und auch eine gute Kenntnis vom Menschen oder vom, wir sagen manchmal Menschenbild, wobei ich glaube, dass die Bibel kein Menschenbild im eigentlichen Sinne hat. Der Seelsorger muss seine Verpflichtung, hat eine Verpflichtung, stets klarzumachen, womit er seine Überzeugung rechtfertigt, worauf beruft er sich? Das ist für mich, für den Seelsorger ganz entscheidend. Ich habe das ja auch gerade schon erwähnt: Wir berufen uns auf Gottes Wort. Das heißt für mich nicht, dass wir nicht auch von Weisheit im Sinne von Erfahrung, die durch Gottes Wort gedeutet ist, dass unsere Ratschläge nicht durch diese Weisheit ergänzt werden können, gar keine Frage. Aber wir müssen klar machen, worauf berufen wir uns eigentlich. Da haben wir auch eine Verpflichtung, den Menschen das deutlich zu machen.
Was ist unser primäres Ziel in der Seelsorge? Das sollte auch klar sein. Es gilt für uns das primäre Ziel, dass ein Mensch an Christus glaubt. Und zwar, und das ist ja gerade die Herausforderung der Seelsorge, in dieser konkreten Situation. Also ich will wieder ein Beispiel nennen: Was heißt das dann für jemanden, der gerade noch voll in seiner Kraft stand und dann durch Krankheit bettlägerig wird und der wirklich im Dienst für Jesus stand und alles getan hat und jetzt bettlägerig wird und im Grunde genommen von heute auf morgen nichts mehr tun kann? Was heißt dann für ihn Glaube? Und dann mit jemandem zu sprechen und ihm zu helfen, dass er vielleicht von Herzen sagen kann: Ja, jetzt schaut auch vielleicht nicht mehr so sehr die sichtbare, aber mindestens die unsichtbare Welt auf mich. Es ist immer noch die Frage, ob ich jetzt, Francis Schaeffer hat gesagt, Augenblick für Augenblick darauf vertraue, dass ich bei Christus bleibe, auch wenn ich jetzt zu nichts mehr nutze bin, nur noch anderen zur Last falle. Bleibe ich bei ihm? Und tatsächlich da einem Menschen dazu zu helfen, ist Aufgabe von Seelsorge.
Vollmächtige Seelsorge im biblischen Sinne kann nur derjenige sein, der sein Handeln, sein Reden diesem Ziel, nämlich Glaube an Christus, unterwirft und das auch deutlich macht. Bitte versteht mich nicht falsch: Zeitlich kann das durchaus sein, dass man zuerst mal mit Menschen praktische Probleme löst, dass man versucht, Streit zu schlichten, dass man um Trost, Hilfe bei der Lebensplanung oder anderes bemüht ist. Das gehört natürlich zur Seelsorge. Damit habe ich auch zu tun, gar keine Frage. Aber die Frage ist: Von vollmächtiger Seelsorge, geht es mir eigentlich darum, dass ich am Ende jemandem geholfen habe, seinen Beruf zu finden? War das jetzt erfolgreiche Seelsorge? Für mich doch nicht. Sondern das eigentliche Ziel ist, dass jemand im Glauben seinen Weg dann vielleicht in den Beruf geht und dass er im Glauben das aus der Hand Christi nimmt und dass er Gott die Ehre geben will auf dem Weg, den er dann gefunden hat und den er dann geht. Ich glaube, ihr habt mich verstanden. Darauf muss ich nicht mehr weiter eingehen.
Natürlich ist es klar: Die Bibel hat natürlich in der Seelsorge nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar ihren Platz, das heißt, zur Seelsorge etwa bei Kranken und Sterbenden gehört auch das Einprägen eines Trostwortes. Zu meiner Sterbebegleitung gehört dazu, dass ich versuche, mit dem Sterbenden einen Vers zu finden, an den er sich klammert. Wenn sich das abzeichnet, das ist gar nicht so selten der Fall, dass man dann auch einen Menschen begleiten kann, dann versuche ich auch ein Bibelwort zu finden, an das man sich klammern kann. Denn das Sterben und auch die verschiedenen Phasen des Sterbens, die sind auch ein Kampf, und da hilft es oft, so eine eiserne Ration, hat man im Ersten Weltkrieg gesagt, also das Allernötigste noch zu haben. Man kann nicht mehr die ganze Sache aufsagen, man ist dann vielleicht sogar zu schwach, hat mir jemand gesagt: Ich kann nicht mal mehr das Vaterunser beten, ich bin zu schwach. Aber vielleicht kann man wenigstens noch so ein Wort ihm einzuprägen, ein Bibelwort, nicht irgendwas, nicht: Wird schon alles wieder werden oder irgendwie so ein Quatsch, sondern das ist da auch ganz praktisch.
Man kann natürlich auch als Teil des seelsorgerlichen Handelns mit jemandem einen Bibelabschnitt lesen und kann mit ihm zusammen fragen, was die Aussagen dieses Bibelabschnittes für sein Leben zu bedeuten haben. Also da hat die Bibel dann auch ganz konkret Platz. Ich meine deswegen auch, dass wir nicht auf Seelsorgemethoden vertrauen, und selbst wenn sie biblisch genannt werden, weil Methoden haben immer die Neigung, sich in Konkurrenz zu setzen, zu vertrauen auf das Wort Gottes. Man vertraut sehr schnell auf Methoden.
Lest mal genau bei Jay Adams nach. Also bitte, ich habe nichts gegen ihn, aber Jay Adams hat ein sehr schönes System mit Hausaufgaben entwickelt. Das könnt ihr in der Seelsorge wunderbar gebrauchen. Aber wenn ihr genau nachschaut, dann seht ihr in seinem Buch, wie er selber sagt, wie sehr er darauf baut, dass die Seelsorgesuchenden am Ende darauf vertrauen und ihre Kraft daraus ziehen, dass sie eine Hausaufgabe erfolgreich geschafft haben, dass sie dann die nächste auch wieder schaffen und am Ende vertrauen sie auf das Hausaufgabensystem, auf die Methode.
Bitte, ich bin deswegen nicht der Meinung, also ich halte das für falsch, dann zu denken, wir haben gar keine Methoden. Natürlich hat jeder Methoden, und wir dürfen auch welche anwenden. Aber wir sollten ganz in der Seelsorge sehr aufpassen, dass wir keinen Methodismus haben, denn das Vertrauen geht ganz schnell vom Wort Gottes auf die Methode, ganz, ganz schnell. Und deswegen Achtung. Und ich würde deswegen auch nicht von biblischen Methoden sprechen, weil damit Methoden so geadelt werden. Natürlich brauchen wir auch bestimmte Methoden. Wir können da auch dieses und jenes verwenden, ich bin kein Feind davon, aber wir müssen sehr aufpassen, denn darin liegt eine große Gefahr.
Wir bleiben bei der Zuversicht auf die Kraft des Wortes Gottes, auch dann, wenn das Evangelium Ablehnung erfährt. Und es erfährt leider auch dann Ablehnung, wenn der, der bei uns Hilfe gesucht hat, Hilfe gefunden hat, Lebenshilfe, sein Problem ist gelöst, und er kann fröhlich und in Freuden und ohne Glauben und ohne Christus sein Leben führen. Mich schmerzt das als Seelsorger, das sage ich nicht. Na, guck mal, jetzt, sein Problem ist überwunden, sondern ich wünsche mir, dass er zu Christus findet. Das ist das Erste. Natürlich freue ich mich auch, wenn Probleme überwunden werden, aber wie gesagt, das ist nicht das Primäre.
Die verändernde Kraft des Wortes Gottes in der Seelsorge.
Ich habe gesehen, ich habe das in verschiedenen Seiten ausgeführt. Jetzt habt ihr wahrscheinlich 25 oder 30 oder bis 50 oder bis 100 Fragen. Aber ich bin gerne bereit, noch Fragen zu beantworten. Nur, wenn ich das, ich weiß es nicht genau, wie war das mit der Zeit? Ich glaube, mit der Zeit bin ich jetzt komplett fertig, und ihr seid eingeladen zum Essen.
Darf ich noch beten für uns?
Himmlischer Vater, unser Herr Jesus Christus, du hast alles für uns getan, alles! Und wir glauben und wissen: Das Einfachste für dich wäre, uns ein bequemes und angenehmes Leben zu geben. Viel schwerer ist es für dich, dass wir im Vertrauen auf dich bleiben, dass wir nicht mit unserer Sünde gegen dich anlaufen, dass wir nicht unsere eigenen Herren sind, sondern dir vertrauen. Aber das willst du mit uns schaffen, das ist das Größte. Und vielleicht brauchen wir manche Schwächung, manche Not, damit wir auf deinem Weg bleiben. Hilf uns, das zu erkennen, hilf uns, im Vertrauen auf dich auch wiederum anderen Menschen zu helfen, auf dich zu schauen und Freude an dir zu gewinnen.
Ich danke dir für meine Geschwister hier, danke dir für den Auftrag, in den du sie berufen hast, gib ihnen Kraft, Zuversicht, Mut. Und segne sie! Danke jetzt auch für all die guten Gaben, die du uns geschenkt hast. Wir dürfen essen und genießen, haben ein Dach über dem Kopf, danken dir, dass du uns versorgst. Segne das Essen für uns und segne auch die, die es für uns zubereitet haben. Amen!
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!