Serie•Teil 3 / 4Habakuk
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Die erste göttliche Antwort und ihre Folgen
Wir bleiben bei der Antwort Gottes stehen, die er auf die ersten Fragen Habakuks gab. Gott wirkt: Er erweckt die Kaldäer. Und von diesem Volk heißt es, dass es schrecklich und furchtbar sei.
Dann wird die Art beschrieben, in der sie ihre Feldzüge führen: schneller als Pardel, rasch wie Leoparden sind seine Rosse, rascher als Abendwölfe. Wölfe, die den Tag über nichts gefressen haben und abends die Schafherden überfallen, die sich zur Ruhe gelegt haben. So gehen sie auf ihre Beute los, sie kommen zur Gewalttat, allesamt.
Der Prophet hatte über Gewalttat geklagt, in Kapitel 1, Vers 2: Er sehe Gewalttat und nichts als Gewalttat in Jerusalem. Und jetzt sagt Gott, er sende die Chaldäer, und sie kommen zur Gewalttat, allesamt. Ja, ist denn das eine Antwort auf dieses Problem? Da ist Gewalttat, und jetzt geschieht noch mehr Gewalttat? Ja, es ist die Antwort. Das ist die gerechte Strafe für die Sünde Jerusalems und Judas. Was der Mensch sät, das muss er ernten. Sie tun Gewalt, und darum ernten sie Gewalt. Das ist gerecht, was ihnen widerfährt.
Es heißt dann von den Babyloniern: Von dem Heer der Babylonier spottet es der Könige, Fürsten sind ihm zum Gelächter. Nun, Gott hatte den Babyloniern diese Macht gegeben. Gott selbst hatte befohlen und dafür gesorgt, dass alle Nationen sich unter das Joch Nebukadnezars beugen. Das hat Jeremia geweissagt, und zwar steht das in Jeremia 27,2-11, von den Jochstäben Babylons, die über alle Nationen kommen müssen:
So sprach der Herr zu mir: Mache dir Bande und Jochstäbe und lege sie um deinen Hals. Und sende sie an den König von Edom und an den König von Moab und an den König der Kinder Ammon und an den König von Tyrus und an den König von Zidon durch die Boten, welche nach Jerusalem zu Zedekia, dem König von Juda, gekommen sind. Und befiehl ihnen, dass sie ihren Herren sagen: So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Also sollt ihr euren Herren sagen: Ich habe die Erde gemacht, die Menschen und das Vieh, die auf der Fläche der Erde sind, durch meine große Kraft und durch meinen ausgestreckten Arm, und ich gebe sie, wem es mir gut dünkt. Und nun habe ich alle diese Länder in die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, meines Knechtes, gegeben. Und auch die Tiere des Feldes habe ich ihm gegeben, dass sie ihm dienen. Und alle Nationen werden ihm dienen, und seinem Sohn und seinem Sohnes Sohn, bis die Zeit auch seines Landes gekommen ist. Und viele Völker und große Könige werden ihn dienbar machen. Und es wird geschehen: Die Nation und das Königreich, welche ihm, Nebukadnezar, dem König von Babel, nicht dienen und ihren Hals unter das Joch des Königs von Babel nicht geben wollen, selbige Nation, spricht der Herr, werde ich heimsuchen mit dem Schwert und mit Hunger und mit der Pest, bis ich sie durch seine Hand aufgerieben habe.
Also sehen wir hier, dass Gott es befiehlt, verordnet und bewirkt, dass alle Nationen Babylon untertan werden. Gott gibt also Babylon diese Siege in all seinen Feldzügen.
Und was passiert mit Babel? Diese schnell gewonnenen Siege steigen ihm zu Kopf, er wird größenwahnsinnig. Und das wird in den folgenden Versen so umschrieben: Er spottet der Könige, kann nur noch lachen über diese Schwächlinge, die alle vor ihm fallen wie Pappfiguren. Fürsten sind ihm zum Gelächter. Es lacht jede Festung, und er schüttet Erde auf und nimmt sie ein. Er tut so, als seien seine Kraft und sein Verstand die, die all das wirken.
Und dann steht in Vers 11, in der alten Elberfelder: Dann fährt es daher wie der Wind. Wie steht das in der neuen Elberfelder? Bitte? Auch so. Hat jemand eine andere Übersetzung? Hat jemand Luther? Vers 11, Habakuk 1,11. Ja, wir sind nicht mehr in Jeremia, ja, verzeiht, ich habe jetzt einen Sprung gemacht. Dann fahren sie dahin wie ein Sturm und jagen weiter. Mit alledem machen sie ihre Kraft zu ihrem Gott. Ah ja, mit alledem machen sie ihre Kraft zu ihrem Gott. Ja, diese seine Kraft ist sein Gott.
Aber der erste Teil des Verses kann auch anders übersetzt werden: Dann ändert sich sein Geist. Ruach, das hebräische Wort Ruach, kann Wind oder Sturm heißen, aber auch Geist. Dann ändert sich sein Geist. Also führen diese vielen Siege dazu, dass Babylon größenwahnsinnig wird. Sein Denken verändert sich, und er beginnt, sich und seine militärische Macht wie einen Gott zu verehren. Diese seine Kraft ist sein Gott.
Menschen missbrauchen immer wieder das, was Gott ihnen gibt. Gott hat Babylon als Gerichtswerkzeug erwählt. Gott gibt ihm darum Sieg über die Nationen, und anstatt dass Babylon daran lernt, diesen Gott zu fürchten, schreibt Babylon sich selbst all das zu, wird größenwahnsinnig und gibt sich die Ehre. Es betet sich und seine Kraft an, anstatt Gott.
Aber wir verstehen, dass der Prophet mit dieser Antwort Gottes seine Schwierigkeiten hat. Und das sehen wir in den Versen 12 bis 17. Jetzt antwortet Habakuk auf diese Antwort Gottes:
Bist du nicht von alters her Herr, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. Herr, zum Gericht hast du es gesetzt, und, o Fels, zur Züchtigung es bestellt. Du bist zu rein von Augen, um Böses zu sehen, und Mühsal vermagst du nicht anzuschauen. Warum schaust du auf Räuber, schweigst, wenn der Gesetzlose den verschlingt, der gerechter ist als er, und machst die Menschen wie die Fische des Meeres, wie das Gewürm, das keinen Herrscher hat? Er hebt sie alle mit der Angel herauf, er zieht sie herbei mit seinem Netz und sammelt sie in sein Garn. Darum freut er sich und jubelt. Darum opfert er seinem Netz und räuchert seinem Garn, denn durch sie ist sein Teil fett und seine Speise feist. Soll er deshalb sein Netz ausleeren und beständig darauf ausgehen, Nationen schonungslos hinzumorden?
Zunächst sagt hier also der Prophet, dass er versteht, dass Gott diese Nation zur Züchtigung bestellt hat, obwohl Gott das nicht direkt sagt. Der Prophet hat ja zuerst gesagt: Herr, warum geschieht hier immer Gewalttat, und du schaust zu? Dann sagt Gott: Ich wirke, ich erwecke die Kaldäer, sie werden kommen. Und dann sagt hier der Prophet: Ich verstehe, du verwendest sie jetzt als Züchtigung über diese Sünden. Du hast es zum Gericht und zur Züchtigung gesetzt, das verstehe ich.
Aber jetzt sind es andere Dinge, die er nicht versteht. Bist du nicht von alters her Herr, mein Gott, mein Heiliger? Ja, du bist der ewige Gott von Anfang an. Du hast Abraham erwählt, du hast Abraham Verheißungen gegeben, Verheißungen des Lebens. Du hast seiner Nachkommenschaft Leben verheißen. Das geht alles von dir aus, und du bist mein Gott, mein Heiliger, und darum werden wir nicht sterben.
Das alles versteht der Prophet, weil du es verheißen hast, weil du von alters her Abraham Verheißungen gegeben hast und du mein Heiliger bist. Darum weiß ich: Wir werden nicht sterben. Aber ich verstehe nicht, wie dieses Geschehen, das du hier ankündigst, das Erreichen dieses Zieles fördern soll. Das verstehe ich nicht. Wie soll das jetzt zusammenpassen? Du hast uns zum Leben berufen, du hast uns das Leben verheißen, wir werden darum auch leben und nicht sterben. Aber was jetzt geschieht, das ist ja Zerstörung. Das bedeutet ja Vernichtung, das ist ja Untergang.
Und so entstehen neue Fragen, durch die Antwort Gottes geweckt, neue Fragen. Du bist zu rein von Augen, um Böses zu sehen. Mühsal vermagst du nicht anzuschauen, ich weiß doch, du bist so. Warum schaust du denn auf Räuber? Jetzt kommen Räuber, die sind ja noch schlimmer als die jetzt in Jerusalem waltenden Gottlosen, regelrechte Räuber. Und Leute, die sich selbst als Gott verehren. Gott hat es ja selbst gesagt: Diese seine Kraft ist sein Gott. Und Habakuk greift das auf und sagt: Ja, darum opfert er seinem Netz. Im Vers 15: Das Netz, das ist die Armee der Babylonier, mit der sie Völker fangen, wie der Fischer im Netz die Fische fängt. Und darum opfert er seinem Netz, also bietet seine militärische Schlagkraft an.
Die Grausamkeit der Eroberer und die Schärfe der Frage
Nun, um die Probleme des Propheten wirklich zu verstehen, müssen wir auch bedenken, wie die Babylonier waren und wie sie Krieg führten. Gott beschreibt sie ja auch. Er beschreibt sie als Wölfe. Und dass sie kommen wie Raubvögel, wie Adler, die sich auf die Beute stürzen, in ihrer Gier und in ihrer Zerstörungswut. Gott hat sie so beschrieben, aber sie waren tatsächlich so.
Nun, wir kennen die Babylonier aus diesen Beschreibungen der Bibel, und wir haben auch Bestätigungen dieser Beschreibungen aus der Bibel in den zeitgenössischen Quellen, die uns erschlossen sind. Zeitgenössische Quellen, einmal Annalen, Berichte von Feldzügen und auch Kunsterzeugnisse, Reliefs, die die Babylonier, die Assyrer und die Babylonier, von ihren Künstlern, von ihren Steinmetzen erstellen ließen, um so ihre Taten, ihre Kriegstaten, zu verherrlichen und zu verewigen.
Die Assyrer waren die Ersten, die eroberte Völker verschleppten. Das hier ist eine Darstellung der Belagerung von Lachisch. Nun, das sind jetzt assyrische Reliefs, aber das Gleiche gilt auch für die babylonischen Kriege, die die Babylonier führten. Die Babylonier und die Assyrer waren miteinander eng verwandt, sie sprachen die gleiche Sprache, sie hatten weitgehend die gleiche Kultur, und auch ihre Art, Krieg zu führen, war gleich. Auch die Babylonier haben eroberte Völker verschleppt.
Hier also sehen wir die Belagerung von Lachisch, und da wandern jetzt Frauen und Männer aus der Stadt und werden weggeführt. Das ist eine besonders grausame Art, besiegte Feinde zu behandeln. Das haben die Assyrer erfunden. Sie haben Feinde aus eroberten Städten ausgezogen und dann gepfählt. Sie nahmen einen Spitzenpfahl und schoben diesen unter den Brustkasten, in den Brustkorb, und dann rammten sie diesen Pfahl mit aller Wucht in den Boden. Und dann fuhr dieser Spitzenpfahl, dort sieht man, wie zwei Männer genau das tun, sie rammen diesen Pfahl in den Boden, und dann fuhr dieser zugespitzte Pfahl dem Aufgehängten in die Lunge, und so hing er da, bis er tot war.
Nun könnte man sagen: Ja, solche Grausamkeiten passieren immer im Krieg. Aber sie haben das nicht nur getan, sondern sich dessen auch gerühmt. Sie ließen das von Künstlern verewigen und darstellen und schmückten ihre Paläste mit solchen Reliefs. Das stammte aus dem Königspalast in Ninive. Sie haben sich aus ihrer Grausamkeit gerühmt, und sie führten Schreiber mit auf ihre Eroberungsfeldzüge. Da sehen wir zwei Schreiber, die stehen da, und die mussten immer aufschreiben, welche Städte sie eroberten, wie lange das dauerte, wie viele Gefangene sie machten und wie viele sie töteten. Und hier zählen sie die Köpfe von abgeschlagenen Feinden. Die wurden aufgestapelt zu Bergen, und sie haben genau gezählt, wie viele es waren.
Man kann diese Texte nachlesen. Man hat ja ganze Bibliotheken gefunden, Archive von babylonischen, von assyrischen Königen mit Beschreibungen ihrer Feldzüge. Und da wird in protzigem Ton berichtet, wie viele sie erschlugen, wie viele sie häuteten, wie vielen sie die Augen ausstachen. Und sie taten das mit einem beispiellosen Zynismus. Das hier ist Sargon II., der Eroberer von Samaria, und da sehen wir, wie er Feinde blendet, so sticht er ihnen die Augen aus. Und das wird uns auch berichtet, dass der babylonische König Nebukadnezar das auch mit dem jüdischen König Zedekia machte, 2. Könige 25,5-7:
Aber das Heer der Chaldäer jagte dem König nach, und sie erreichten ihn in den Ebenen von Jericho. Und sein ganzes Heer zerstreute sich von ihm weg. Und sie ergriffen den König und führten ihn zu dem König von Babel nach Ribla hinauf. Und man sprach das Urteil über ihn, und man schlachtete die Söhne Zedekias vor seinen Augen und man blendete die Augen Zedekias.
Warte die Reihenfolge. Man hatte ihn nicht geblendet und nachher die Söhne getötet, sondern man ließ ihn zuerst zuschauen. Das war das Letzte, was er mit seinen Augen sah: wie seine Söhne geschlachtet wurden. Dann hat man ihm die Augen ausgestochen, mit einem beispiellosen Zynismus.
Und wir verstehen: Der Prophet kannte ja diese Leute, er wusste, wie die Assyrer sind und wie die Babylonier sind. Und wir verstehen, er ist erschüttert. Oh Gott, wie kannst du da zuschauen, wenn die kommen und so schalten und walten und wüten? Und so stellt er eben diese Frage: Bist du nicht von Alters her mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. Und du bist so rein von Augen, um Böses zu sehen, Mühsal vermagst du nicht anzuschauen. Warum schaust du auf Räuber und schweigst, wenn der Gesetzlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
Dabei werden doch auch solche verschlungen werden, die nicht so böse und so gesetzlos sind wie die Babylonier. Da kommen ja auch Gerechte um und müssen leiden. Ja, wie kann Gott überhaupt ein solches Gerichtswerkzeug als sein Werkzeug verwenden? Ja, das ist uns nicht leicht zu verstehen. Das ist uns nicht leicht zu verstehen.
Das Buch Hiob zeigt uns, dass Gott auch den Satan verwendet. Und das Buch der Offenbarung zeigt uns, dass ganz am Ende, kurz vor dem Erscheinen Jesu Christi, Gott die Erde tatsächlich dem Satan übergibt. Er wird auf die Erde geworfen und hat dreieinhalb Jahre uneingeschränkte Gewalt und Macht auf der Erde. Der Reformator Martin Luther nannte den Satan das Werkzeug des Zornes Gottes.
Es ist uns nicht leicht zu verstehen, wie Gott solche Werkzeuge verwendet, verwenden kann. Wie passt das zu seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit, und wie passt das zu seiner Liebe? Und dann heißt es hier noch von diesen Herrschern, wie sie die Menschen behandeln: Sie behandeln die Menschen wie Gewürm, auf das man tritt. Ja, ist denn Gott ein Menschenverächter? Und der Prophet sagt sogar: Du machst die Menschen wie die Fische des Meeres, wie das Gewürm, das keinen Herrscher hat. Von dir geht das ja aus, du gibst ihnen diese Macht, das zu tun. Sie behandeln die Menschen wie Gewürm, auf das man tritt und gar nicht achtet, und wie Fische, die man ins Netz sammelt.
Das ist eine auffällige Ausdrucksweise. Und hier ist ein Relief eines anderen mesopotamischen Königs aus etwas früherer Zeit, auf der sogenannten Geierstele. Und dieser König Ningirsu wird hier dargestellt, in der rechten Hand die Kriegskeule, die einfach für seine Macht steht, Feinde zu schlagen, in der linken Hand ein Netz und im Netz Menschen. Also genau dieser Vergleich. Und offensichtlich war es üblich, dass die altorientalischen, die mesopotamischen Könige sich so darstellten, dass sie Völker fingen wie der Fischer die Fische im Netz, um so zu zeigen: Wir haben sie in der Hand, wir fangen sie und machen mit ihnen, was wir wollen.
Ja, das sind schwierige Fragen. Bekanntlich wurde das in der Nachkriegszeit zur Frage oder sogar zum Schlagwort: Also Gott ist tot, das ist schon älter, es wurde dann einfach in besonderer Weise aktuell. Aber zum Schlagwort wurde dann die Frage an den Gottglauben nach Auschwitz. Kann man das? Kann man an den Gott der Bibel glauben, nachdem solche Dinge geschehen sind wie in Auschwitz, industriell betriebene Massenvernichtung von Menschen? An Gott glauben nach Auschwitz, ein Schlagwort der Theologie der Nachkriegsjahre. Ja, was sagt ihr da?
Und das sind Dinge, wir müssen uns solchen Fragen einfach stellen. Wir dürfen nicht mit verschlossenen Augen durch diese Welt und durch diese Zeit gehen, wir müssen den Dingen ins Gesicht sehen. Habakuk tut das mit ganz offenen Augen und nennt die Dinge beim Namen und stellt Gott diese Fragen. Er bekommt Antworten, und so kann er als jemand, der mit offenen Augen durch seine Zeit geht, seinem Gott loben und seinem Gott vertrauen.
Lesen wir jetzt weiter. Ich lege noch einmal diese Einteilung auf. Ja, Sie hier. Es kommt Gottes zweite Antwort. Die zweite Antwort Gottes, die ist lang, es ist fast das ganze zweite Kapitel. Aber wir müssen vorher den Vers 1 lesen, denn der Vers 1 vom zweiten Kapitel gehört noch zu den Worten des Habakuk. Habakuk hat also jetzt zum zweiten Mal eine Reihe von Fragen gestellt: Warum schaust du auf Räuber? Vers 17. Weshalb sollte er beständig sein Netz ausleeren? In diesem Zynismus handeln dürfen. Und dann sagt er zum Schluss, Kapitel 2, Vers 1: Auf meine Warte will ich treten und auf den Turm mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird und was ich erwidern soll auf meine Klagen.
Das ist ganz entscheidend. Das zeigt uns, dass Habakuk wirklich Probleme hat. Er versteht Gottes Handeln nicht, und darum stellt er solche Fragen. Er stellt sie deutlich, aber er stellt diese Fragen nicht, um damit Gott zu widersprechen. Man kann ja Fragen stellen und damit eigentlich nur sagen wollen: Gott ist ungerecht, und alles ist verkehrt, so tut. An einen solchen Gott kann ich nicht glauben, will ich nicht glauben. Und manche stellen ja nur Fragen, um Gott zu hinterfragen, um damit zu sagen: Die Bibel und das, was die Bibel über Gott sagt, stimmt alles nicht. So wenn Leute uns im Gespräch fragen: Ja, was ist denn mit denen, die das Evangelium nie gehört haben? Die wollen gar keine Antwort, sondern die wollen damit nur sagen: Das kann ja gar nicht wahr sein, dieser Quatsch, den du da erzählst, denn sonst wäre ja so und so.
Habakuk stellt nicht solche Fragen, sondern er stellt wirkliche Fragen, und er bittet Gott, zu antworten. Und so sagt er: Ich will auf meine Warte treten, mich auf den Turm stellen, und ich will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird. Und so dürfen wir Fragen stellen, wir sollen auch Fragen stellen, wenn wir Fragen haben: Oh Gott, ich verstehe das nicht, ich bekenne, ich bin verwirrt. Wie passt das jetzt zu deinen Verheißungen, was hier geschieht? Aber wenn wir so fragen, dann müssen wir auch bereit sein, zu warten und an Gott reden zu lassen.
Und dann hat Gott geantwortet. Da antwortete mir der Herr und sprach: Schreibe das Gesicht auf, grabe es in Tafeln ein, damit man es geläufig lesen könne. Denn das Gesicht geht noch auf die bestimmte Zeit, und es strebt nach dem Ende hin und lügt nicht. Wenn es verzieht, so harre sein, denn kommen wird es und nicht ausbleiben.
Nun, diese Antwort, die Gott dem Habakuk gibt, dient gleichzeitig zur Antwort für alle, die ähnliche Fragen haben. Und darum sagt Gott: Schreibe es aus, so dass alle es lesen können. Und wir lesen sie heute. Und wie dankbar sind wir dafür, dass Habakuk fragte und dann hörte und dann aufschrieb. Und so gibt uns Gott hier Antworten für die, die hören wollen. Und die, die hören wollen, die werden glauben können, und die werden durch ihren Glauben leben.
Und darum wollen wir gut hören, was jetzt Gott sagt. Was sagt uns jetzt Gott auf all diese Fragen? Und Gott gebe, dass wir das im Glauben annehmen können. Es sind eigentlich vier Dinge, die Gott dem Habakuk sagt. Natürlich sind es einzeln aufgezählt mehr Dinge, die wir in der Bibliothek verstanden haben, die wir in der Bibliothek verstanden haben, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliothek, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bibliode, die Bib. Aber es sind vier Hauptwahrheiten.
Gottes Antwort: Zeit, Ziel, Treue und Gericht
Die Zeit ist von Gott bestimmt, weshalb die Not nicht länger dauern wird, als sie dauern muss. Denn hier steht doch: Das Gesicht geht noch auf die bestimmte Zeit. Die bestimmte Zeit, die Zeit, ist von Gott bestimmt.
Dann: Das Gesicht strebt nach dem Ende hin. Ende heißt Ziel. Das Ende, das Ziel, ist von Gott bestimmt, und dieses Ende ist gut. Gott hat ein gutes Ende im Auge, was wir nicht sehen. Aber Gott sagt es: Ich habe ein Ziel.
Seinerseits richten. Also all das, was die Babylonier sündigen, während sie Gerichtswerkzeug in Gottes Hand sind, dafür werden sie ihrerseits auch gerichtet werden. Gott macht die Augen nicht zu. Gott lässt hier nicht einfach Böses laufen und lässt es dabei bewenden. Nein, Gott wird die Gottlosen und das Gerichtswerkzeug richten. Fünfmal wird über sie ein Wehe ausgesprochen. Fünfmal Wehe.
Also Gottes Antwort: Die Zeit ist von Gott bestimmt, es wird nicht länger dauern, als es dauern muss. Je nachdem, wie man jetzt hinhört, kann das eine tröstliche oder eine frustrierende Antwort sein. Wenn ihr mit euren Kindern wandern geht, eine Wanderung macht, und nach einer Viertelstunde oder vielleicht erst nach drei Viertelstunden da fragen sie: Mami, wie lange dauert es noch? Papi, dauert es noch lang? Und dann bekommen sie zur Antwort: Wir sind bald dort. Das ist überhaupt keine Antwort. Nachher fragen sie in einer Viertelstunde wieder: Wie lange geht es noch? Ja, wir sind bald dort. Das ist keine Antwort.
Und doch ist das die Antwort, die jetzt Gott hier dem Habakuk gibt. Habakuk fragt in Kapitel 1, Vers 2: Wie lange? Und der Herr sagt: Solange, wie es dauern muss. Der Herr sagt ihm nicht: Noch dreieinhalb Wochen oder noch drei Monate oder vier Jahre. Er sagt ihm: So lange, wie es dauern muss. Und die Frage ist, ob uns das genügt. Und glückselig sind wir, wenn es uns genügt, in dem Wissen, dass Gott weiß, was er tut, auch wenn ich es nicht verstehe. Gott weiß, ich weiß es nicht, aber mir genügt dieses Wissen, zu wissen, dass Gott weiß. Ja, es dauert so lange, wie es dauern muss.
Nun, Gott hat für bestimmte Zeiten, wir lesen das in Daniel 7, Daniel 8, Daniel 9, Daniel 12 und dann in Offenbarung 11, 12 und 13, hat er sogar die genaue Dauer genannt. Also es gibt Zeiten und Umstände, wo es offensichtlich so schlimm und so unerträglich ist, dass seine Heiligen dann genau wissen müssen, wie viele Tage es dauert. Also Gott nennt manchmal auch die Dauer. Ihr kennt sicher, so einfach vom Erinnern her, diese Abschnitte in Daniel 7, 8 und 9, wo Zeitabschnitte genannt werden, so und so viele Tage. 2300 Abend und Morgen, sagt er an einer Stelle, werden dauern bis ... Oder: 70 Jahre sind für dein Volk festgelegt. Und glückselig werden 1290 Tage erreicht. Und Offenbarung 11, 12 und 13, dort werden auch die Monate gezählt, die Jahre gezählt, die Tage gezählt.
Nun, daraus lernen wir: Gott allein ist weise, er ist der Wissende, er weiß, was er tut. Gott allein ist weise. Wir wissen eben so wenig, wir verstehen so wenig.
Dann zweitens: Das Ende ist von Gott bestimmt, und dieses Ende ist gut. Darüber müssen wir ein bisschen nachdenken. Das ist so wie über ein Zückerl, ein Bonbon. Wie sagt ihr in Deutschland? Ein Bonbon, oder wie sagt ihr? Ein Zückerli. Das ist wie ein Zückerli, man muss ein wenig daran lutschen, dann wird es süß. Und hier ist es auch so: Das Ende ist gut.
Wenn es stimmt, dass Gott das Ende setzt, das Ziel setzt, und das Ziel gut ist, wenn das stimmt, ja, dann muss ja alles, was auf dem Weg dahin geschieht, alles, was auf dem Weg dahin widerfährt, muss zu diesem Ziel in Beziehung geschehen. Es muss eine Beziehung zu diesem Ziel haben. Wenn aber alles, was mir auf dem Weg geschieht, mich auf dieses Ziel hintreibt, dann muss alles, was geschieht, gut sein, auch wenn ich es nicht verstehe und es auch subjektiv nicht als gut empfinde. Das Ziel ist von Gott gesetzt, darum muss alles, was auf dem Weg geschieht, zu diesem Ziel beitragen, und darum muss es gut sein, auch wenn ich es subjektiv nicht als gut empfinde.
Der Apostel Paulus sagt das mit etwas anderen Worten im Römerbrief: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten zusammenwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind. Und daher redet er vom Ziel. Was ist sein Ziel, das er mit uns hat? Wir sollen dem Sohn Gottes gleich werden. Das ist das Ziel. Und alles muss zu diesem Ziel beitragen, alles! Und darum muss alles, was uns dahin widerfährt, bis wir am Ziel sind, gut sein, auch wenn es schmerzt, auch wenn es verwirrt.
Also das Ende ist von Gott bestimmt, und dieses Ende ist gut. Und daran lernen wir Gottes Liebe, genau daran, am Ziel, das er für uns bereitet hat. Dieses Ziel ist so unaussprechlich groß und schön und herrlich, und das beweist Gottes Liebe, auch wenn die Umstände es scheinbar widerlegen. Gott ist Liebe.
Dann: Das von Gott bestimmte Ende kann verzögern, aber es wird sicher kommen. Gott ist wahrhaftig. Und zudem hat Gott Gründe, verschiedene Gründe. Alle Gründe wissen wir nicht, aber manchmal nennt uns Gott einige Gründe. Er nennt im zweiten Petrusbrief einen Grund, warum er länger zuwartet, als wir es gerne hätten. Ein Grund ist der: Gott ist langmütig, will nicht, dass irgendwelche verloren gehen, 2. Petrus 3. Und so hat er seine Gründe. Wir kennen sie nicht immer, aber er ist wahrhaftig. Das Ende mag verzögern, aber es wird sicher kommen.
Und dann der vierte Punkt dieser Antwort: Gott wird das Gerichtswerkzeug seiner Sünde wegen auch richten. Dieses fünffache Wehe zeigt uns: Gott ist gerecht. Also Gott ist weise, er weiß, was er tut. Gott ist Liebe, er bereitet das Beste und Höchste vor. Gott ist wahrhaftig, er wird sicher kommen, die Verheißungen werden sicher in Erfüllung gehen, auch wenn es verzögert. Und viertens: Gott ist gerecht gegen allen Schein.
Der Gegensatz zwischen Stolz und Glauben
Wie steht das nun in Beziehung zu diesen vier Punkten: Siehe, aufgeblasen, nicht aufrichtig ist in ihm seine Seele; der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
Nun, die Propheten drücken sich ja manchmal so knapp aus, dass wir oft mehrere Male lesen müssen und darüber nachdenken müssen: Wen meint er jetzt? Was meint er jetzt? Siehe, aufgeblasen, nicht aufrichtig ist in ihm seine Seele; der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.
Offensichtlich meint er hier den Gottlosen, im Gegensatz eben zum Gerechten. Der Gerechte glaubt, und durch seinen Glauben wird der Gerechte leben. Und aufgeblasen ist der Gottlose, er ist aufgeblasen. Das heißt: Er sieht einmal größer aus, als er in Wahrheit ist. Er hat eine ungeheure Fassade, aber sehr wenig dahinter. Und so ist ja all dieses selbstsichere Auftreten, alles, was die Welt der Gottlosen präsentiert: Es ist kurzlebig, und es ist nur scheinbar stark und bleibend.
Dieser Koloss der Weltreiche, den Daniel, nein, den Nebukadnezar sah, aber selber nicht erklären konnte und Daniel ihm erklärte, dieser Koloss der vier Weltreiche, und von diesen Weltreichen heißt es, oder von diesem Koloss heißt es, dass sein Aussehen furchtbar, furchterregend, gewaltig war. Daniel 2,31. Du, König, sahst ein großes Bild; dieses Bild war gewaltig, sein Glanz außergewöhnlich, und sein Aussehen war schrecklich. Das sind die Weltreiche: gewaltig, groß, außergewöhnlich, schrecklich. Und die Füße: tönerne Füße. Das ist ja zur Redensart geworden im Deutschen. Man sagt, eine Sache stehe auf tönernen Füßen, wenn eine Sache unsicher ist.
Und genau so sind die Gottlosen, so ist das ganze Wesen der Welt aufgeblasen. Wie eine Seifenblase. Schau eine Seifenblase an: Die hat viel Volumen und schillert, und die Seifenblase steigt. Warum steigt sie? Weil sie hohl ist. Und wenn man sie anpiekst, dann bleibt fast nichts zurück, ein Tröpfchen. Also im Vergleich zum Volumen ist die Substanz fast null.
Und das sieht eben der Gläubige, der Glaubende. Er ist verankert oder ruht auf dem, was Gott sagt. Wie die Welt wirklich ist: Die Gestalt dieser Welt vergeht, sagt Paulus, 1. Korinther 7,31. Johannes sagt: Die Welt vergeht und ihre Lust. Und Habakuk sagt: Er ist aufgeblasen. Von sich selbst eingenommen. Er hält auch sich selbst für viel größer, als er ist.
Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Der Gerechte ist hier genau das Gegenteil. Der Gerechte verlässt sich auf Dinge, die man nicht sieht. Der Gerechte glaubt, wo kein sichtbarer Grund vorliegt. Zum Glauben, wo scheinbar alles dagegen spricht, wo Not ist, wo Katastrophen sind, wo Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wo man nach dem Schauen urteilen müsste: Da ist kein Gott, da ist kein Lenker der Dinge, da ist keiner, der liebt, und da ist kein Gerechter im Regiment. Aber der Glaube ergreift Gottes Verheißungen, die Verheißungen des unsichtbaren Gottes, und durch diesen Glauben wird was? Leben!
Das war noch die Frage Habakuks gewesen. Er hatte gesagt: O Gott, du bist von Ewigkeit her! Und wir werden leben und nicht sterben. Aber wie soll das passieren? Wie soll das zustande kommen, dass wir leben und nicht sterben, wenn jetzt solche Dinge um uns herum passieren? Und jetzt sagt ihm Gott: Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.
Und so ist die Frage an Habakuk und die Frage an uns: Glauben wir Gott, glauben wir seinen Verheißungen oder glauben wir nur, was wir sehen? Das ist ja gar kein Glaube. Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.
Nun, ich habe vorhin, nein, gestern gesagt, dass Paulus den Propheten Habakuk besonders geliebt haben muss. Er zitiert Habakuk öfters. Er zitiert zweimal einen Vers, der etwas über Glauben aussagt, oder zwei Verse, die Habakuk etwas über Glauben aussagen. Und dieser Satz: Der Gerechte wird durch Glauben leben, das war ja bekanntlich für Luther der Schlüsselvers zu seiner Bekehrung, dass er zur Heilsgewissheit kam. Am Römerbrief kam er ja zum Glauben, und das war die Schlüsselstelle, das war der große Knackpunkt für ihn. Und er beschreibt das ja auch sehr eindringlich und eindrücklich. Und er hat ja ganz bemerkenswerte Dinge gesagt über Glauben, Luther. Und er hat einmal Folgendes gesagt über Glauben. Und das sind Sätze, die scheinen direkt dem Herzen Habakuks entnommen zu sein, aus dem Herzen Habakuks.
Also, Luther sagt Folgendes: Der andere Grund ist der, dass der Glaube sich auf das richtet, was man nicht sieht. Hebräer 11,1. Damit also der Glaube Platz hat, muss alles, was man glaubt, verborgen sein. Es kann aber nicht tiefer verborgen werden, als wenn es unter einem Begegnen, Erleben und Erfahren verborgen ist, das ihm gerade entgegengesetzt ist. Also will Gott uns lebendig machen, so tut er das, indem er uns tötet. Will er uns rechtfertigen, so tut er das, indem er uns für schuldig erklärt. Will er uns in den Himmel bringen, so tut er das, indem er uns in die Hölle führt. So verbirgt Gott seine ewige Güte und Barmherzigkeit unter ewigem Zorn, seine Gerechtigkeit unter Ungerechtigkeit. Das ist die höchste Stufe des Glaubens: zu glauben, dass er gütig ist, der so wenige selig macht und so viele verdammt. Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.
Die fünf Weherufe als gerechte Vergeltung
Ja, diese fünf Weherufe, dieses fünffache Wehe, das hier ausgerufen wird, betrifft alle die Babylonier. Dieses fünffache Wehe kündigt das gerechte Gericht Gottes über die Babylonier an.
Hier wird uns sehr deutlich, was man das Ius talionis nennt, das Gesetz der gerechten Vergeltung. Das ist im Gesetz Moses verankert, das Gesetz der gerechten Vergeltung. Nun hat man dieses Gesetz eigenartigerweise irgendwie madig gemacht und so dargestellt, als sei es ein sehr barbarisches Gesetz. Dabei ist es ein vollkommen gerechtes Gesetz. Und nach diesem Gesetz wird Gott die Völker richten, nach dem Ius talionis, dem Gesetz der gerechten Vergeltung.
Das galt im Umgang der Israeliten miteinander. Wenn also jemand einem anderen einen Schaden zufügte, ihm zum Beispiel einen Zahn ausschlug, dann durfte er nicht mehr an Schadenersatz verlangen, als ihm selbst Schaden zugefügt worden war. Das ist absolut gerecht. Nun hat man das leider so dargestellt, als sei das sehr barbarisch, und spricht das dann auch entsprechend aus, mit zusammengepressten Zähnen: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Dabei ist das ein Gesetz, das, hielte sich der Mensch daran, jeden Krieg verhindern würde. Tatsächlich: Ich habe dir einen Schaden zugefügt, jetzt darfst du mir genau dasselbe antun, und nachher haben wir tatsächlich eine beglichene Rechnung. Aber Menschen verfahren ja nie nach diesem Grundsatz. Bei uns geht es ja so: Du gibst mir eine Ohrfeige, und ich haue dir die Faust ins Gesicht. So geht es doch immer. Und ich habe dir die Faust ins Gesicht gehauen, und du gehst nach Hause und holst den Revolver. So geht es doch immer bei uns.
Also halten wir uns nie an das Ius talionis, weil wir so barbarisch sind. Dieser gebenedeite Gandhi, der sich für die Ausgeburt aller Heiligkeit hielt, sagte: Wenn man sich an dieses Gesetz hält, Auge um Auge, Zahn um Zahn, hat man am Ende nur noch Zahnlose und Augenlose in der Welt. Das stimmt eben nicht. Das stimmt eben nicht! Wenn man sich daran hielte, dann bliebe nämlich das Böse nach einer Vergeltung stehen. Aber genau das wird nicht gemacht. Einer sticht dir ein Auge aus, und du schlägst ihm nachher den Kopf ab. So wird ja bei uns immer gemacht. Und dann hat eine Familie einem anderen Angehörigen einer anderen Familie den Kopf abgehackt, nachher wird jene Familie die ganze Sippe des anderen angreifen, und diese Sippe rächt sich nachher am ganzen Volk. So geht es ja bei uns immer, also immer Eskalation.
Nun, Gottes gerechter Grundsatz ist Ius talionis. Was der Mensch tut, das wird ihm angetan werden. Und Gott tut das im Gericht. Er wird also den Babyloniern genau das geben, was sie anderen antaten. Das kommt in diesem fünffachen Weheruf zum Ausdruck.
Lesen wir die Verse 4 bis 6:
„Siehe, aufgeblasen ist er, nicht aufrichtig in ihm. Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. Und überdies: Der Wein ist treulos, der übermütige Mann bleibt nicht. Er, der seinen Schlund weit aufsperrt wie der Scheol und unersättlich ist wie der Tod und sich alle Nationen an sich rafft und alle Völker zu sich sammelt, werden nicht diese alle über ihn einen Spruch und eine Spottrede anheben, Rätsel auf ihn?“
Also hier haben wir Verspottung. Man wird die Babylonier verspotten. Was haben denn die Babylonier getan? Kapitel 1, Vers 10: „Es spottet der Könige Fürsten Sinn, ihm ein Gelächter.“ Also Gott lässt genau dasselbe auf sie zurückkommen. Gerechte Vergeltung.
Dann wird man sie der Beraubung preisgeben. Vers 8: „Denn du hast viele Nationen beraubt.“ Sie hatten geraubt, jetzt werden sie der Beraubung preisgegeben. Sie hatten Schadenfreude gehabt, jetzt werden sie der Gegenstand von Schadenfreude anderer.
Kapitel 2, Vers 15: „Wehe dem, der seinem Nächsten zu trinken gibt, indem du deinen Zorn beimischest und sie auch trunken machst, um ihre Blöße anzuschauen. Du hast dich mit Schande gesättigt anstatt mit Ehre; trinke auch du und zeige dein Unbeschnittensein.“ Jetzt wirst auch du zum Gegenstand der Schadenfreude anderer.
Sprüche 22,8: „Wer Unrecht sät, wird Unheil ernten.“
Jeremia 50,15: Hier wird über Babylon gesagt: „Erhebt ein Schlachtgeschrei gegen dasselbe ringsum! Es hat sich ergeben, gefallen sind seine Festungswerke, niedergerissen seine Mauern; denn es ist die Rache des Herrn. Rächt euch an ihm, tut ihm, wie es getan hat.“ Gerechte Vergeltung.
„Und ich will Babel und allen Bewohnern Chaldäas all ihr Böses, das sie an Zion verübt haben, vor euren Augen vergelten, spricht der Herr.“ Jeremia 51,56: „Denn über dasselbe, über Babel, kommt ein Verwüster, und seine Helden werden gefangen, ihre Bogen sind zerbrochen; denn ein Gott der Vergeltung ist der Herr, er wird gewisslich erstatten.“
Ja, der Mensch bekommt im Gericht genau das, was er verschuldet, erwirkt, bewirkt hat. Der Herr sagt: „Mit welchem Maß ihr messt, wird euch gemessen werden.“ Genau so. Und das ist vollkommen gerecht, und niemand kann sich dann dagegen auflehnen.
Wie endete Haman an einem Galgen? Wie hoch war der Galgen? Fünfzig Ellen hoch. Nun, wer hatte sich diesen fünfzig Ellen hohen Galgen ausgedacht und aufgestellt? Ja, Haman selbst. Wir können uns gut vorstellen: Als Haman zu diesem Galgen geführt wurde, wusste er, was das bedeutet. So hoch oben, über allen Dächern von Susa, werden alle mich sehen. Dann konnte man ihm sagen: Aber du fandest doch 50 Ellen genau die richtige Höhe, du hast ja selbst dieses Maß bestimmt. Dann wird er sagen müssen: Es stimmt.
Also ist das Gesetz der Wiedervergeltung, das Ius talionis, vollkommen gerecht. Der Mensch bekommt genau das, was er verschuldet hat und anderen angetan hat. Das ist vollkommen gerecht, und niemand kann sich dann dagegen auflehnen und sagen, das ist aber zu hart. Zu hart? Du fandest es ja selbst nicht zu hart, du selbst hast ja genau diese Strafe als die richtige angesehen, einen fünfzig Ellen hohen Galgen.
Diese fünf Wehen nenne ich nur ganz kurz, worum es bei diesen fünf Wehen geht, und dann schließen wir für heute Vormittag. Das erste Wehe, Kapitel 2, Vers 6: „Wehe dem, der aufhäuft, was nicht sein ist.“ Ein Wehe über den Betrug des Reichtums.
Das zweite Wehe, Vers 9: „Wehe dem, der bösen Gewinn macht für sein Haus, um sein Nest hochzusetzen, um sich zu retten aus dem Tag des Unglücks.“ Ein Wehe über den Wahn der falschen Sicherheit.
Das dritte Wehe: „Wehe dem, der die Stadt mit Blut baut.“ Ein Wehe über die Dreschensaat des Blutvergießens.
Das vierte Wehe, Vers 15: „Wehe dir, dem, der seinem Nächsten zu trinken gibt.“ Nun, warum füllt man andere ab? Ich weiß nicht, ob jemand von euch dieses Spiel schon gemacht hat oder es schon mit ihm gemacht wurde. Man füllt ja andere ab, um sich nachher über sie lustig zu machen und dann seine Schadenfreude an ihnen zu haben, wenn sie ihre Dummheiten anstellen. Also es geht hier um Schadenfreude, ein Wehe über die Schande der Schadenfreude.
Und dann fünftens, das fünfte Wehe, Vers 19: „Wehe dem, der zum Holze spricht: Wache auf!“ Ein Wehe über die Sünde und Hoheit des Götzendienstes.
Gut, am Nachmittag können wir uns diese fünf Wehen noch einzeln ein wenig anschauen, um nachher dann die restliche Zeit mit Kapitel 3 zu verbringen.

