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Bewahre Gottes Berufung im Herzen

Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben, Teil 3/15
09.02.2020Nehemia 2,1-20
SERIE - Teil 3 / 15Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben
Kennst du das Gefühl, wenn deine Berufung klar ist, aber der Weg steinig wird? Diese Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Gottes Ruf im Herzen zu bewahren – um Krisen zu meistern, klug zu handeln und gegen Widerstand stark zu bleiben. Wie schafft man es, trotz Zweifel und Gegnerschaft seinem Auftrag treu zu bleiben und mutig den nächsten Schritt zu gehen?

Einführung in die Berufung und die Krise

Hören wir auf Gottes Wort im zweiten Kapitel des Buches Nehemia.

Nun begab es sich im Monat Nisan, im zwanzigsten Regierungsjahr des Königs Artasasta, als der Wein vor mir stand. Da trug ich den Wein auf und reichte ihn dem König. Ich hatte aber zuvor nie betrübt vor ihm ausgesehen. So fragte mich der König: „Warum siehst du so betrübt aus? Du bist doch nicht krank?“

Das kann nichts anderes als Herzenskummer sein. Da geriet ich in große Furcht, antwortete aber dennoch dem König: „Lang lebe der König! Wie sollte ich nicht traurig aussehen, da doch die Stadt, in der sich die Gräber meiner Väter befinden, in Trümmern liegt und ihre Tore vom Feuer verzehrt sind?“

Als der König mich nun fragte, um was ich denn unter diesen Umständen bitte, da betete ich zum Gott des Himmels und sagte dann zum König: „Wenn es dem König gut dünkt und dein Knecht Gnade bei dir findet, so wollest du mich nach Juda senden, zu der Stadt, wo meine Väter begraben liegen, damit ich sie wieder aufbaue.“

Da erwiderte mir der König, während die Königin neben ihm saß: „Wie lange soll denn deine Reise dauern? Und wann wirst du wieder zurückkehren?“

Weil es also dem König genehm schien, mich hinreisen zu lassen, gab ich ihm eine bestimmte Frist an und sagte dann zum König: „Wenn es dem König beliebt, so möge man mir Geleitbriefe an die Statthalter der Provinz auf der Westseite des Euphrats mitgeben, damit sie mich durchreisen lassen, bis ich nach Juda gelange. Weiter ein Schreiben an Asaf, den königlichen Forstmeister, dass er mir Holz verabfolgen lasse, damit man die Tore der Burg, die zum Tempel gehört, aus Balken zimmern kann, sowie für die Mauer der Stadt und für das Haus, das ich selbst beziehen werde.“

Und der König bewilligte mir dies, weil die gütige Hand meines Gottes über mir waltete.

Als ich dann zu den Statthaltern des Gebiets auf der Westseite des Euphrats kam, übergab ich ihnen die königlichen Geleitbriefe. Der König hatte mir aber Heeresoberste und Reiter als Schutz mitgegeben.

Als dies der Horoniter Sanballat und der ammonitische Knecht Tobija erfuhren, verdross es sie gewaltig, dass jemand gekommen war, der für das Wohl der Israeliten sorgen wollte.

Die geheime Erkundung und der Aufruf zum Wiederaufbau

Als ich nun in Jerusalem angekommen war und dort drei Tage verbracht hatte, machte ich mich nachts in Begleitung einiger weniger meiner Leute auf den Weg. Ich hatte jedoch niemandem mitgeteilt, was mein Gott mir eingegeben hatte, für Jerusalem zu tun.

Ich hatte auch kein anderes Reittier bei mir als das Maultier, auf dem ich ritt. So ritt ich bei Nacht durch das Taltor hinaus in Richtung Drachenquelle und zum Misstor. Dabei besichtigte ich die Mauer Jerusalems, die zerrissen dastand, sowie die Tore der Stadt, die vom Feuer vernichtet waren.

Dann ritt ich weiter zum Quellentor und zum Königsteich. Als dort für das Tier, auf dem ich saß, kein Raum mehr zum Durchkommen war, stieg ich bei Nacht zu Fuß die Schlucht hinauf und besichtigte die Mauer. Anschließend kehrte ich um und gelangte durch das Taltor wieder heim.

Die Vorsteher wussten jedoch nicht, wohin ich gegangen war und was ich vorhatte. Denn ich hatte den Juden bis dahin noch nichts mitgeteilt – weder den Priestern, noch den Vornehmen, weder den Vorstehern noch den übrigen, die am Bau arbeiten sollten.

Nunmehr sagte ich zu ihnen: „Ihr seht das Elend, in dem wir uns befinden, dass Jerusalem nämlich in Trümmern liegt und seine Tore mit Feuer vernichtet sind. Kommt, lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen, damit wir nicht länger ein Gegenstand des Spottes sind.“

Hierauf teilte ich ihnen mit, wie gütig die Hand meines Gottes über mir gewaltet hatte und auch die Worte, die der König an mich gerichtet hatte. Da erklärten sie: „Ja, wir wollen daran gehen und bauen.“ Sie ermutigten sich gegenseitig, das gute Werk in Angriff zu nehmen.

Widerstand und die Antwort auf Spott

Als aber der Horoniter Sanballat, der ammonitische Knecht Tobia und der Araber Gesim Kunde davon erhielten, verhöhnten und verspotteten sie uns. Sie sagten: „Was ist denn das für eine Sache, die ihr da vornimmt? Wollt ihr euch etwa gegen den König empören?“

Da gab ich ihnen folgende Antwort: Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen. Wir wollen uns als seine Knechte an den Bau machen. Ihr aber sollt weder Anteil noch Anrecht noch ein Gedächtnis in Jerusalem haben.

Bewahre Gottes Berufung im Herzen – Ein Überblick

Unser Thema lautet heute: „Bewahre Gottes Berufung im Herzen.“ Wir werden uns genau drei Punkte anschauen, die unterschiedlich groß oder intensiv sind. Diese lauten: Bewahre Gottes Berufung im Herzen, erstens, um Krisen zu bewältigen, zweitens, um weise zu handeln, und drittens, um gegen Widerstand zu bestehen.

Ich möchte gerne die ersten zwei Verse aus dem zweiten Kapitel lesen:

„Und es geschah im Monat Nisan, im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes, als Wein vor ihm stand, da nahm ich den Wein und gab ihn dem König. Ich war aber nie traurig vor ihm gewesen, und der König sagte zu mir: ‚Warum sieht dein Gesicht so traurig aus? Du bist doch nicht etwa krank?‘ ‚Nein, das ist es nicht,‘ antwortete ich, ‚sondern ein trauriges Herz.‘ Da bekam ich einen furchtbaren Schrecken.“

Die Bedeutung von Traurigkeit und Herzenskummer

Der König Artaxerxes, der persische König, bei dem Nehemia als Mundschenk diente, war jemand, der bereits etwas kannte, was auch König Salomo, der israelitische König, einmal gesagt hatte. In Sprüche 15,13 lesen wir: „Ein fröhliches Herz macht das Gesicht heiter, aber beim Kummer des Herzens ist der Geist niedergeschlagen.“ Ein fröhliches Herz macht das Gesicht heiter – welch eine schöne bildliche Beschreibung. Und wie wahr ist das! Wie oft können wir das selbst beobachten, dass man am Gesicht erkennt, wie es dem Herzen geht.

In der Übersetzung von Reinhold hieß es in der Lesung „Herzeleid“ oder „Herzenskummer“, und genau das hat der König erkannt – ein sehr aufmerksamer König.

Wir sehen in den ersten zwei Versen eine Zeitangabe, dass wir uns im Monat Nisan befinden. Solche Angaben werden oft überlesen, weil sie scheinbar nicht so wichtig für die gesamte Geschichte sind. Doch wenn wir das erste Kapitel gelesen haben, wissen wir, dass Nehemia zum ersten Mal davon erfährt, dass Jerusalem immer noch in Schutt und Asche liegt. Der Ort der Anbetung Gottes ist niedergestreckt, und die Mauern wurden nicht wieder aufgebaut.

Nehemia begann sofort zu beten. Nun befinden wir uns im Monat Nisan, und das soll uns zeigen, dass Nehemia etwa fünf Monate lang gebetet hat. Fünf Monate lang hat er immer wieder gebetet und gefastet und Gott das vorgetragen, was sein Herz bewegte. Er wollte natürlich Jerusalem wieder aufgebaut sehen und nicht in Trümmern liegen lassen.

Die Frage ist: Nehemia sagt, er sei nie traurig vor dem König gewesen. Das war nicht seine Gewohnheit, so vor dem König zu erscheinen. Vielleicht kennt man Menschen, die immer traurig dreinschauen – diese sollte man mal in den Arm nehmen und trösten. Nehemia brauchte anscheinend keine Aufmerksamkeit vom König, weil er seine Emotionen so stark im Griff hatte, dass er vor dem König immer normal und heiter wirkte und sich nichts anmerken ließ.

Warum also ausgerechnet jetzt? Warum hat Nehemia plötzlich ein trauriges Gesicht, das dem König auffällt? Vorher war das nicht der Fall. Einige meinen, Nehemia spiele hier Trauer nur vor, als Schauspieler, um die Aufmerksamkeit des Königs zu bekommen. Denn zu dieser Zeit waren persische Könige für ihre Großzügigkeit bekannt. Es gab Monate, in denen sie besonders freigiebig waren und die Wünsche der Menschen erfüllten.

Ich glaube jedoch nicht, dass Nehemia hier etwas vorspielt. Ich denke, es ist echt. Etwas Emotionales passiert mit ihm, das er nicht mehr bändigen oder verstecken kann. Es bricht aus seinem Herzen hervor und steht förmlich in seinem Gesicht.

Am Ende von Vers 2 heißt es: „Ich bekam einen furchtbaren Schrecken, als der König mich daraufhin ansprach.“ Wenn Nehemia kalkuliert hätte, wenn er nur gespielt hätte, um Aufmerksamkeit zu bekommen, dann wäre er nicht so völlig überrascht gewesen. Er hätte damit gerechnet. Nein, so ist es nicht. Nehemia wurde von dieser Situation überrollt.

Interessant ist, dass er fünf Monate lang dafür gebetet hat, dass sich etwas beim König tut, dass er Gnade und Gunst findet bei Gott und mit dem König einen Deal machen kann. Und dann kommt der Tag, und plötzlich ist er total erschrocken, dass es so weit ist.

Ich sehe auch uns darin wieder. Nehemia ist eine Person, in der man sich gut wiederfinden kann, wie es einem selbst manchmal geht. Ich glaube, die Traurigkeit brach aus, weil Nehemia fünf Monate lang gebetet hatte – ohne Erhörung. Er betete und fastete, und es tat sich nichts. Diese Ergriffenheit über den Zustand Jerusalems hat ihn bewegt, aber am Anfang konnte er es noch halten. Doch irgendwann kippte es, und er konnte es nicht mehr verbergen.

Wie lange soll ich noch beten? fragt er sich. Was ich bete, liegt doch auf Gottes Herzen. Es ist kein unwichtiges Anliegen. Warum bewegt sich Gott nicht? Dann kommt der Moment, an dem es ausbricht.

Es ist bemerkenswert, dass das Buch Nehemia fast die ganze Zeit in der Ich-Form geschrieben ist. Das ist großartig. Es ist nicht einfach eine Erzählung über das, was er erlebt hat, sondern ein Bericht, in dem er mittendrin steht und seine Empfindungen widerspiegelt.

Das ist wichtig, denn wenn er nicht persönlich geschrieben hätte, wüssten wir nicht, dass er sich furchtbar erschrocken hat. Er würde wie ein Held dastehen vor einem mächtigen fremden König und sagen: „König, ich habe folgenden Wunsch.“

Manchmal denken wir, die Menschen in der Bibel seien über jeden Zweifel erhaben. Wir können uns nicht mit ihnen identifizieren, weil wir selbst bangen, ringen und zweifeln. Nehemia ist nicht überlegen oder über jeden Zweifel erhaben. Er ist genau dort, wo wir auch sind, und seine Furcht trifft uns.

Seine Furcht kann viele Gründe haben. Ein Grund könnte sein, dass Nehemia sich gerade in einem königlichen Fest befindet. Es war unangemessen, vor dem König traurig auszusehen. Könige in dieser Zeit sorgten sich nicht um die Befindlichkeiten ihrer Untergebenen. Wenn man negative Stimmung vor dem König verbreitete, der gerade seinen Wein genießen wollte, interessierte ihn das nicht. Man musste funktionieren.

Wenn man plötzlich eine traurige Atmosphäre in den Königssaal bringt, muss man vorsichtig sein. Einige denken, Nehemia hatte deshalb Furcht, weil er befürchtete, dass ihn die Traurigkeit in Schwierigkeiten bringen könnte und sein Schicksal besiegelt sei.

Diese emotionale Veränderung von Nehemia hat auch einen gewissen Beigeschmack, denn das, was der König sagt – „Du hast ein trauriges Herz“ – kann im Hebräischen auch als „Du hast ein böses Herz“ übersetzt werden. Trauer und Bosheit liegen im Hebräischen nahe beieinander.

Was genau sah der König in Nehemias Gesicht? War es nur Trauer oder auch schon dieser heilige Zorn? Wisst ihr, was ich meine? Diese angestaute Wut, dass hier nichts passiert, dass ich bete, und es klappt nicht, dass Gott nicht hört. Trauer, die leicht mit Wut und Bosheit vermischt ist.

Nehemia ist nicht irgendjemand, sondern der Mundschenk des Königs. Wenn ausgerechnet er in seinen Gesichtszügen Bosheit zeigt, könnte der König auf ganz andere Gedanken kommen. Vielleicht denkt er, Nehemia wolle ihn vergiften oder hat andere finstere Absichten.

Ich vermute, dass Nehemia deshalb so erschrocken war, weil er den König gleich mit einer Fehlentscheidung konfrontieren wollte, die dieser vor einigen Jahren getroffen hatte.

Die Konfrontation mit der Realität Jerusalems

Wir lesen Vers 3: „Und ich sagte zum König: Der König lebe ewig! Warum sollte mein Gesicht nicht traurig aussehen, wo doch die Stadt, die Begräbnisstätte meiner Väter, verödet daliegt und ihre Tore vom Feuer verzerrt sind?“

Als Nehemia dies sagt und die Situation Jerusalems beschreibt, wissen beide Gesprächspartner in diesem Moment, wer mit daran schuld ist, dass der Bau der Mauer in Jerusalem nicht vorangeht. Wenn ihr die letzten beiden Predigten gehört habt oder anwesend wart, wisst ihr, dass der König von den Feinden Israels dazu angehalten oder gebeten wurde: Bitte beende diese Aufbauarbeiten in Jerusalem. Denn wenn Jerusalem, wenn Israel wieder zu alter Kraft kommt – zu einer Nation mit Selbstbewusstsein und Gottvertrauen – dann Vorsicht!

Deshalb hat dieser König vor einigen Jahren beschlossen, ein Gesetz zu erlassen, das den Wiederaufbau der Mauer unbedingt verhindern soll. In dieser Situation ist Jerusalem, und Nehemia kommt. Was er im Prinzip durch die Blumen sagt, ist: Wir beide, König Artaxerxes, wissen, wer daran schuld ist. Ich bin traurig, vielleicht auch wütend über deine Entscheidung.

Das ist eine sehr delikate Angelegenheit zu dieser Zeit. Es wurde kein Arbeitskreis einberufen und kein demokratischer Wahlprozess durchgeführt. Jetzt wird es brenzlig, jetzt wird es eng.

Vers 4: „Und der König sagt zu mir: Um was also bittest du?“ Das kann man auf verschiedene Weise lesen: Um was bittest du? Ich bin offen. Oder: Worüber reden wir hier genau?

Daraufhin betete ich zu dem Gott des Himmels. Die Nachfrage des Königs führt Nehemia ins Gebet. Direkt danach, wir werden gleich weiterlesen, antwortet Nehemia.

Das ist das Besondere an diesem Ich-Bericht, an diesem persönlichen Bericht von Nehemia. Wenn du als Bibelleser jetzt fragst: Wie hat Nehemia gebetet? Ging er in sein stilles Kämmerlein, kniete sich nieder und betete? All das geschieht zeitgleich. Der König fragt etwas, Nehemia muss antworten, und gleichzeitig lässt er uns wissen: „Da betete ich zu meinem Gott, zum Gott des Himmels.“

Die Nachfrage des Königs treibt Nehemia also in ein Stoßgebet. Stoßgebete sind nichts Verkehrtes, sondern gute Dinge. Sie zeigen, dass Nehemia weiß, von wem er wirklich abhängig ist – in der brisantesten Situation seines bisherigen Lebens. Er weiß, alles liegt jetzt an dem, was der König mit ihm macht. Doch er weiß auch: Nein, alles liegt an dem, dem ich seit fünf Monaten unaufhörlich im Gebet nahe bin, nämlich dem Gott des Himmels.

Deshalb betet er zu ihm in einem Stoßgebet. Das wird keine lange Predigt gewesen sein, die er seinem Gott gehalten hat, sondern eher: „Herr, du weißt, worum ich gerade jetzt gebetet habe.“ Denn das nächste, was aus seinem Mund kommt, kann ihm das Leben kosten. Er wird gleich nichts weniger vom König fordern oder erwarten, als dass dieser eine hundertachtzig Grad Wendung macht und alles rückgängig macht, was er zuvor beschlossen hatte.

Nehemia steht an diesem Punkt im Gebet vor einem Scheideweg. Wir dürfen diese Berichte nicht so lesen, als ob wir das Ende kennen und deshalb die brenzligen Situationen entspannt übergehen könnten. „Na ja, Nehemia ist von Gott berufen, der geht da durch, sagt dem König, was Sache ist, und dann läuft alles und Israel wird wieder aufgerichtet.“ Wir lesen diese Geschichten oft vom Ende her und erleben nicht mehr das, was die Charaktere selbst durchmachen.

Wovor Nehemia jetzt steht, ist ein Scheideweg: Gehe ich in diese Richtung oder in jene? Bleibe ich dem treu, wofür ich fünf Monate gebetet habe, auch wenn es jetzt richtig brenzlig wird und mich etwas kosten könnte? Oder sage ich: „König, du bist weise, du weißt, was du getan hast. Aber es ist einfach nur traurig für mich.“ Und dann schenkt er weiter Wein ein und geht.

Nehemia steht hier vor einer Entscheidung: Wie gehe ich weiter? Was tue ich? Was mache ich?

Unser Titel heute lautet: Bewahre Gottes Berufung im Herzen. Nehemia hatte die Berufung Gottes im Herzen und wusste, was Gott von ihm möchte. Und...

Die Bedeutung der Berufung in Krisenzeiten

Jetzt seid ihr dran. Viele von euch, viele von uns wissen, was Gott von ihnen will. Viele in diesem Raum wissen, was die Berufung Gottes für ihr Leben ist, welchen Auftrag Gott ihnen gegeben hat – in der Familie, im Beruf, in der Gesellschaft und in der Gemeinde. Gott beruft uns. Wir sind keine Nichtsnutzer, die einfach nur da liegen, sondern Gott gebraucht uns und wirkt durch uns.

Viele wissen ganz genau, was Gott von ihnen will und welche Berufung wir haben. Aber wir alle neigen dazu, auszusteigen, auszutreten und zu sagen: „Ich kann diesen Weg nicht weitergehen“, wenn eine Krise oder Schwierigkeit kommt – so wie Nehemia. Deshalb ist es wichtig, und das ist unsere erste Lektion, Gottes Berufung im Herzen zu bewahren, damit wir in der Krise klar sehen können.

Wenn der Sturm in unser Leben kommt und wir das Gefühl haben, wir können den Weg nicht mehr weitergehen, aufhören oder etwas anderes machen wollen, dann gilt es, die Berufung Gottes wieder neu zu vergegenwärtigen. Wenn ich weiß, was meine Berufung ist, dann kann ich auch, wenn der Nebel kommt und ich nicht mehr genau weiß, wo ich hin soll, die Berufung Gottes in meinem Herzen als eine Art Kompass nutzen. Sie zeigt mir, was ich tun soll, auch wenn es schwierig wird.

So viele hören dort auf, wo es wirklich schwierig wird. Aber Gott führt uns nun einmal so, und fast niemand bleibt davon ausgenommen. Wenn Gott dir einen Auftrag gibt und du genau weißt, was der Wunsch Gottes ist, was die nächsten Schritte sind, und du in eine Schwierigkeit kommst, die für dich zu hart ist, dann höre nicht auf Gottes Berufung, die er dir gegeben hat. Das ist das, was er sich von dir wünscht, wozu du dich einmal entschieden hast, wofür du vielleicht mit anderen gebetet hast oder wie Nehemia ganz allein gebetet hat.

Dann kommt der Tag, vielleicht anders als du gedacht hast, vielleicht erschrickt er dich mehr, als du erwartet hattest, und du sagst: „Nein, der Preis ist zu hoch.“ Meine Lieben, der Preis für Nehemia war abartig hoch. Hier ging es nicht um Kleinigkeiten, sondern um sein ganzes Leben. In der nächsten Sekunde konnte er sterben. Trotzdem bleibt er seiner Berufung treu, weil er weiß, was Gott ihm ins Herz gelegt hat. Weiß ich, was Gott von mir will? Dümpele ich irgendwie in meinem Leben herum oder bin ich fokussiert und sage: „Gott, du hast es mir gesagt, ich habe es klar in meinem Herzen, und dieser ganze Nebel um mich herum darf nicht so stark werden, dass das, was du mir aufs Herz gelegt hast, verschwindet“?

Vergegenwärtige dir die Berufung Gottes. Gottes Berufung in unserem Herzen hilft uns, richtige Entscheidungen zu treffen und in Krisen bestehen zu bleiben.

Die erste Aufgabe ist natürlich, zu wissen: Was will Gott überhaupt von mir? Wenn du das nicht weißt, bete darum. Wir sind alle lebendige Steine im Haus Gottes, und jeder hat seinen Platz. Wenn du jetzt auf die Frage nicht antworten kannst: „Was ist meine Berufung? Was ist meine Bestimmung? Was möchte Gott mit mir als Christenmenschen machen?“, dann hast du Hausaufgaben zu tun. Du musst entdecken, was Gott dir geben möchte und was Gott durch dich wirken möchte.

Unser christliches Leben besteht nicht darin, zum Glauben zu kommen, in einer Gemeinde zu sein und fünfzig Jahre lang einen Platz zu wärmen. Nach dieser Zeit bekommen wir dann die Nachricht: „Du hast gut den Platz gewärmt, das war deine Berufung.“ Das kann es doch nicht sein! Welchen Effekt hat mein Leben im Reich Gottes? Wir hatten eine Predigt von Daniel über die Talente, die wir bekommen haben. Was mache ich mit dem, was Gott mir anvertraut hat? Was hat Gott dir anvertraut? Einige müssen es vielleicht wieder ausgraben und denken: „Ach ja, da war ja mal was.“

Erinnert euch mal, was euch aus der Spur gebracht hat. Oft sind es Krisen gewesen, bei denen wir gesagt haben: „Jetzt höre ich auf.“ Wer kennt so eine Situation? Einige hier, Daniel lacht, ja, wo das, was man erlebt hat, emotional so heftig war, dass man gesagt hat: „Wenn das Realität ist, was ich gerade erlebe, dann kann die Berufung nicht mehr wahr sein.“ Das ist eine Lüge. Das sehen wir an Nehemia. Und das sehen wir an vielen Personen in der Bibel.

Wie ist es mit Daniel und seinen Freunden? Kennt ihr die Geschichte? Wie sie gezwungen wurden, sich vor einer Götzenstatue niederzuknien, hinzufallen und sie anzubeten? Sie sagten: „Das machen wir nicht.“ Sie wussten, was Gott von ihnen möchte. Dann wurde ihnen gesagt: „Ihr werdet umgebracht, wenn ihr das nicht macht.“ Aber ihre Berufung war glasklar. Die Krise und die Angst waren da, aber sie wussten: „Wir werden unserem Gott nicht untreu werden.“ Gott ist in der Lage, uns aus diesem Feuerofen zu befreien. Selbst wenn er es nicht tut, werden wir nicht unsere Knie beugen.

Diese Männer waren auch konfrontiert mit der königlichen Macht. Wie ist es mit Jesus Christus gewesen? In Gethsemane, wo er vor den Mächtigen des Landes steht und sie ihn konfrontieren. Jesus ist seiner Berufung treu geblieben, und das war eine Herausforderung. Jeder, der den Bericht von Gethsemane kennt, weiß, was ihn das gekostet hat.

Jesus, als ganzer Gott und ganz Mensch, hatte diese Berufung, den Auftrag für sein Leben, von Ewigkeit her in seinem Herzen. Vor Grundlegung der Welt war es festgelegt, dass er den Weg gehen wird, wie wir es in den Evangelien lesen. Dann kommt er in die Situation, in der er zu seinem Vater betet und sagt: „Wenn es eine andere Möglichkeit gibt, möchte ich eine andere Berufung haben.“ Wie um Himmels Willen konnte Jesus dann diesen Weg gehen? Er hatte die Berufung Gottes in seinem Herzen, bewahrte sie und ließ sie nicht los.

Du sagst jetzt vielleicht: „Ich bin nicht Jesus, nicht Nehemia und nicht Schadrach, Meschach und Abednego, die Freunde von Daniel.“ Nein, aber wenn du Jesus liebst, bist du ein wertvolles Kind Gottes. Das ist unsere Identität. Jeder, der selbst Kinder hat, möchte, dass sie gedeihen und das, was ihnen gegeben wurde, an Talent nutzen. Sie sollen es nicht verstecken, sondern mit Selbstbewusstsein einsetzen und nichts brachliegen lassen.

Dasselbe gilt für uns. Gott will uns gebrauchen. In der Krise erinnere dich an die Berufung Gottes und bewahre sie in deinem Herzen.

Nehemia steht vor dieser Entscheidung und betet deshalb: „Da betete ich zu dem Gott des Himmels.“ Er braucht jetzt seine Hilfe. Ich finde es schön an dieser Passage, dass Nehemia sein Leben nicht in religiös und nicht religiös, fromm und nicht fromm, weltlich und geistlich teilt. Wenn ich Gottesdienst feiere, bete ich, aber wenn ich den Gottesdienst verlasse, bin ich in der Welt und mache das Weltliche? Nein, Gott ist überall.

Nehemia lebt seinen Glauben vor dem Angesicht Gottes und sein Leben vor dem Angesicht Gottes. Alles, was er tut, überall wo er ist, nimmt er Gott mit hinein und weiß, dass er in Abhängigkeit zu ihm steht. Deshalb ruft er in dieser Notsituation noch einmal zu seinem Herrn.

Der Preis mag hoch sein, Gott treu zu sein und gemäß dieser gottgegebenen Berufung zu leben. Aber der Lohn wird größer sein als der Preis, den wir zu zahlen haben. Der Lohn für unsere Treue wird größer sein als der Preis.

Das sehen wir in den Versen 5 bis 8:
„Und dann sagte ich zum König: Wenn es dem König gefällt und wenn dein Knecht wohlgefällig vor dir ist, so wollest du mich nach Juda senden, zu der Stadt der Gräber meiner Väter, damit ich sie wieder aufbaue. Da sagte der König zu mir, und die Königin saß neben ihm: Wie lange wird deine Reise dauern, und wann wirst du zurückkehren? Und es war wohlgefällig vor dem König, so dass er mich sandte, und ich gab ihm eine Zeit an. Und ich sagte zum König: Wenn es dem König gefällt, dann gebe man mir Briefe an die Statthalter jenseits des Stroms mit, damit sie mich durchziehen lassen, bis ich nach Juda komme, dazu einen Brief an Asaf, den Hüter über den Forst des Königs, damit er mir Holz gibt, dass ich die Tore der Burg, die zum Tempelhaus gehört, aus Balken bauen kann, und für die Mauer der Stadt und für das Haus, in das ich einziehen will.“ Und der König gewährte es mir, weil die gute Hand meines Gottes über mir war.“

Ich bin so stark, wie Nehemia sagt: „Okay, ich möchte nicht nur ja, ich möchte es schriftlich, gib es mir bitte aufs Papier, denn ich werde zu Feinden gehen und ich möchte ihnen zeigen, dass du mir das gegeben hast.“ Was Nehemia hier bekommt, ist absurd. Er sagt: „Ich möchte nicht nur die Stadt aufbauen, ich möchte auch, dass du mir das Material gibst, damit ich mir mein Haus baue.“ Wie lange wollte er noch mal da bleiben? Am liebsten für immer.

Es wurde dann auch recht lang. Wir lesen von zwölf Jahren später. Sicherlich hat er es nicht so geplant, dass es so lange wird, aber er hat dem König eine Zeit angegeben. Nehemia weiß, und das sehen wir hier am Ende von Vers 8, dass es nicht an seinen Überlegungen oder seiner Redekunst lag, dass er das jetzt gerade erlebt. Er weiß, dass er es allein Gott zu verdanken hat: „Der König gewährte es mir, weil die gute Hand meines Gottes über mir war.“

Das ist das, was auch uns prägen sollte. Wir gehen gleich zum nächsten Punkt und zu den nächsten Versen. Das ist auch das, was uns prägen sollte: Wenn wir in solchen Notsituationen kommen, vergiss es, dich auf dich selbst zu verlassen. Wenn du deine Berufung gerade nicht auslebst und sie brachliegt, dann liegt es daran, dass du zu viel auf dich schaust.

Wir müssen unseren Blick wegwenden von uns, so wie Nehemia es tat, und alles allein von unserem Gott erwarten. Das ist das, was wir in Galater 2,20 lesen, was für uns im Neuen Testament noch viel stärker gilt als im Alten Testament. Paulus sagt: „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, also was ich jetzt noch auf dieser Erde an Jahren verbringe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den Sohn Gottes, an diesen großen Sohn Gottes, der weitaus über mir steht, der unvergleichbar ist.“ Dann holt Paulus das herunter und sagt, „der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“

So großartig, wie er die Gottessohnschaft preist und dann die Liebe zu sich selbst klarstellt. Die Liebe des Sohnes Gottes, die Liebe Jesu Christi, ist nicht nur allgemein zu seinem Volk und zur Gemeinde. Paulus ist sehr konkret: „Ich weiß, dass ich von Gott geliebt werde, ich weiß, dass ich von Jesus Christus geliebt werde.“ Natürlich kann ich sagen: „Jesus Christus liebt diese Gemeinde am Sportfeld zwei.“ Amen, und das ist auch richtig so. Aber diese Liebe umfasst auch eine ganz individuelle und persönliche Liebe.

Paulus ist so erfüllt von dieser Liebe, dass er sagen kann: „In allem, was ich erlebe, alles, was ich tue, das ist alles zu groß für mich, und die Krisen sind hart. Aber alles, was ich durchlebe, da lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“

Wir brauchen diese Abhängigkeit von Jesus Christus, damit wir unsere Berufungen ausleben können. Glaubt ja nicht, wenn ihr Menschen seht, die in ihrer Berufung leben und wo ihr denkt: „Faszinierend, das ist bewundernswert, ich wäre auch gern so“, dass diese Menschen, die vielleicht vorne stehen, nicht auch durch Krisen gehen. Dass sie nicht Momente haben, wo sie am liebsten sagen: „Ich gebe auf, ich steige aus, das ist mir zu krass.“ Jeder geht durch solche Phasen.

Da geht es darum, von sich wegzuschauen und zu erwarten, dass die gute Hand Jesu Christi in unser Leben hineinreicht. Und sich daran zu erinnern: Herr, ich lebe das nicht alleine hier, sondern du lebst in mir und tust das, was ich nicht imstande bin zu tun. Denn deine Berufung nimmst du nicht zurück.

Bewahre Gottes Berufung im Herzen, um weise zu handeln

Okay, wir gehen zum nächsten Punkt: Bewahre Gottes Berufung im Herzen, um weise zu handeln.

Verse 9 bis 16:
Und ich kam zu den Statthaltern jenseits des Stromes und gab ihnen die Briefe des Königs. Der König aber hatte Heeroberste und Reiter mit mir gesandt. Als Samballat, der Hieroniter, und Tobia, der ammonitische Knecht, davon hörten, bereitete es ihnen großen Verdruss, dass ein Mensch gekommen war, um das Wohl der Söhne Israel zu suchen.

Ich kam nach Jerusalem und war drei Tage dort. Bei Nacht machte ich mich auf, ich und einige wenige Männer mit mir. Ich hatte aber keinem Menschen mitgeteilt, was mein Gott mir ins Herz gegeben hatte, für Jerusalem zu tun. Es war kein Tier bei mir außer dem Reittier, auf dem ich ritt.

So zog ich nachts durch das Taltor hinaus in Richtung auf die Drachenquelle und das Aschentor. Ich untersuchte die Mauer von Jerusalem, die niedergerissen war, und ihre Tore, die vom Feuer verzerrt waren. Dann zog ich hinüber zum Quellentor und zum Königsteich. Als aber für das Reittier unter mir kein Raum mehr war, durchzukommen, stieg ich bei Nacht das Bachtal hinauf und untersuchte die Mauer. Anschließend kam ich wieder herein durch das Taltor und kehrte zurück.

Die Vorsteher hatten nicht erkannt, wohin ich gegangen war und was ich getan hatte. Denn ich hatte den Juden, den Priestern, den Edlen, den Vorstehern und dem Rest, der an dem Werk mitarbeiten sollte, bis dahin nichts mitgeteilt.

Nehemia hat eine Berufung Gottes empfangen, doch er spricht nicht darüber. Er plappert nicht groß, sondern behält sie für sich. Darin sehen wir ein Vorbild, das auch schon Jesus gezeigt hat. Als er kam, hatte er eine ganz klare Berufung. Theologen nennen das das Messiasgeheimnis. Wenn Jesus zum Beispiel jemanden heilte, sagte er immer wieder: „Erzähle ja niemandem davon.“ Das lag daran, dass die Zeit noch nicht gekommen war, seine Berufung öffentlich zu machen.

Wenn das zu schnell herausgekommen wäre, hätte das ungute Entwicklungen gehabt. Deshalb sagte Jesus: „Das behalten wir noch geheim. Es soll sich immer mehr manifestieren und deutlich werden, wer ich bin.“ Er kam nicht und sagte sofort klar, was sein Auftrag ist.

Wir sehen hier bei Nehemia ein Stück weit dieses Messiasgeheimnis angedeutet. So handelte auch Jesus mit seiner Berufung, und so ging Nehemia mit seinem Auftrag von Gott um. Er bringt nichts ans Licht, ehe er sich persönlich von der Lage überzeugt hat und die Zeit reif ist.

Bis eben gerade hatte Nehemia noch nichts gesehen. Er hat keine Steine angefasst, ist nicht an der Mauer entlanggegangen oder hat sie berührt. Es war alles Hörensagen, ein Auftrag Gottes in seinem Herzen, wie wir in Vers 12 gelesen haben: „Ich hatte aber keinem Menschen mitgeteilt, was Gott mir ins Herz gegeben hatte.“

Nehemia hat es nicht herausposaunt, weil er selbst noch nicht mit eigenen Augen gesehen hatte, worum es genau geht. Die Berufung Gottes im Herzen zu bewahren, ermöglichte ihm, weise und bedacht vorzugehen. Nicht in einem Tumult, nicht in einem Chaos, nicht in einem Bromborium. Es wäre unklug gewesen, gleich alles herauszuposaunen und keine Möglichkeit mehr zu haben, genau zu schauen, was wirklich dran ist.

Er musste sich ein Bild von der Lage machen und strategisch planen. Neben ihm war der König, der fragte: „Okay, was brauchst du denn eigentlich?“ Da konnte Nehemia ganz genau sagen, was er braucht. Er hatte eine richtige Liste. Das zeigt: Er arbeitet – aber nicht einfach drauflos. Er arbeitet mit Gott, schmiedet Pläne.

Dann kommt der Moment, in dem man vorbereitet ist, weiß, was zu tun ist, und sagen kann: „Lieber König, eins, zwei, drei, vier!“ Und dann zieht man los.

Genauso passiert es jetzt. Nehemia geht nicht nach Jerusalem und macht dort die ganzen Juden wild, was er alles vorhat. Stattdessen schaut er sich erst die Situation an, macht sich ein Bild und wartet, bis der Zeitpunkt reif ist, um darüber zu sprechen.

Es ist ein physikalisches Gesetz, dass man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen sollte. Das klappt nicht gut. Das gilt für alle Lebensbereiche. Mach erst den ersten Schritt. Bewahre Gottes Berufung in deinem Herzen.

Ich habe schon oft erlebt, wie Leute hier hereinspaziert sind und als Erstes erzählen, welche große Berufung Gott ihnen gegeben hat und was durch sie hier passieren soll. Super interessant, ja. Okay, du bist der Spurgeon 2.0. Herzlich willkommen! Aber dann ging das zwei, drei Wochen und dann tschüss.

Viele haben ein loses Mundwerk, wenn es um ihre Talente, ihre Berufung und den Auftrag geht, den Gott vermeintlich ihnen gegeben hat. Halte doch einfach mal den Rand! Hör auf, ständig von dir zu sprechen und dich zu profilieren.

Denn wenn du das tust, mag der Auftrag vielleicht wahr und richtig sein, aber du vergeudest alles, was Gott dir geben möchte. Du hast deinen Lohn schon, weil du sagst: „Hier ich, hier ich, hier ich.“ Sei doch einfach mal still!

Mach es wie Nehemia: Geh hinein, halte den Mund und schaue nachts, wie die Situation aussieht. Warte auf den richtigen Augenblick, und wenn er kommt, wird Gott es führen.

Manchmal können wir das nicht aushalten und denken, wir müssen unserem Gott noch ein bisschen nachhelfen. Wir drücken noch ein bisschen. Ja, ich weiß, du bist mächtig, aber du brauchst noch meine Hilfe. Ein bisschen entspannter!

Wenn Gott dir einen Auftrag gibt, kannst du davon ausgehen, dass er auch Zeit, Stunde und Umstand kennt, wann er die Gelegenheit schafft. Nicht deine Stunde ist gekommen, sondern seine Stunde, um durch dich das zu tun, was er dir aufs Herz gelegt hat.

Manche Vorhaben sind schon missglückt, weil wir nicht auf den richtigen Zeitpunkt gewartet haben. In Sprüche 12,23 heißt es: „Ein kluger Mensch hält seine Erkenntnis verborgen, aber das Herz der Toren schreit Narrheit hinaus.“

Manche Gemeinden sind schon kaputtgegangen, weil angebliche Aufträge Gottes und überdimensionale Berufungen hinausgeposaunt wurden. Erweckungen wurden an jeder Ecke verkündet, um irgendwie etwas Menschliches zu produzieren – eine Atmosphäre, die wir Menschen nicht schaffen können.

Ich kann nicht auf den Erweckungsknopf drücken und sagen: „Und jetzt geht’s los, weil gut, dass ich da bin.“ Mach einfach treu deine Arbeit im Stillen, sei entspannt, und wenn Gott das wirklich durch dich tun möchte, dann warte darauf, was er zu seiner Zeit tun will.

Wenn du aber anfängst, so herumzuposaunen, um auf menschlicher Ebene etwas in Gang zu setzen, wird das so zusammenfallen, wie du es aufgebaut hast – und noch viel schlimmer.

Manche Gemeinden gibt es nicht mehr, weil Leiter mit ihren angeblichen geistlichen Muskeln spielen wollten und zeigen wollten: „Eigentlich ist Jesus gut, aber gut, dass ich hier bin. Gut, dass ich als Leiter eingesetzt bin. An mir wird alles genesen.“

Gott prüft dich, wie du da tickst.

Ich selbst bin eher jemand, der, wenn er von etwas begeistert ist, unbedingt erzählen möchte. Das ist schwierig für mich, wirklich schwierig. Ich bewundere manchmal den Daniel. Daniel ist ein bisschen wie ein Flummi, der gerne, wenn er begeistert ist und sein Herz fröhlich ist, das sofort zeigt.

Aber was ich bewundere: Wenn Gott ihm etwas offenbart, hält er es manchmal zurück – über eine ganze Zeit, über eine Weile. Und dann kommt er auf einmal um die Ecke und sagt: „Übrigens!“ Und dann kommt eine Offenbarung von Gott, ein prophetisches Wort, das zieht dir die Schuhe aus.

Ich denke dann: Warum hast du es mir nicht früher gesagt? Ich hätte das gerne gewusst. Oft denke ich, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meinem Herrn Jesus hier und da ein bisschen helfen können, dass es schneller geht.

Das liebe ich: Daniel hat manches prophetische Wort, auch für Menschen unter uns, das niemand kennt. Die Zeit wird kommen, wo es offenbart wird – großartig!

Auf der anderen Seite gibt es aber auch diejenigen, die eine Schwäche darin haben, über das, was Gott ihnen aufs Herz gelegt hat, zu sprechen. Es gibt auch eine falsche Demut – das ist eine Kehrseite.

Manche meinen, wir müssen über alles reden, was Gott uns aufs Herz legt. Andere wiederum schweigen, weil sie demütig sein wollen. Nehemia ist da ziemlich ausgewogen: Wenn die Zeit reif ist, fängt er an zu sprechen.

Schweigen an sich ist kein Wert. Schweigen zur rechten Zeit und Reden zur rechten Zeit haben ihren Wert.

In Prediger 3 heißt es: „Reden hat seine Zeit, Schweigen hat seine Zeit.“

Nehemia wusste auch: Wenn die Zeit reif ist, muss ich reden. Dann muss die Botschaft raus.

Das sehen wir in Vers 17 und 18:
Nachdem er fertig war und merkte, dass es weitergeht, sagte er zu ihnen: „Ihr seht das Unglück, in dem wir sind, dass Jerusalem verödet daliegt und seine Tore mit Feuer verbrannt sind. Kommt, lasst uns die Mauer Jerusalems wieder aufbauen, damit wir nicht länger geschmäht werden können.“

Ich berichtete von der Hand meines Gottes, die gütig über mir gewaltet hatte, und auch von den Worten des Königs, die er zu mir geredet hatte.

Da sagten sie: „Wir wollen uns aufmachen und bauen.“ Sie stärkten ihre Hände zum Guten.

Das ist eine gute Dynamik: zu merken, jetzt ist die Zeit reif, und dann auch wirklich offensiv zu sprechen. Gott hat seine gute Hand über mir gehabt und war mit mir. Das müssen wir auch sagen, wenn die Zeit reif ist.

Die Menschen, die neben mir zuhörten, wurden enorm motiviert. Sie merkten: Hier ist ein Mann, der nicht nur redet und schwätzt, sondern bedacht und besonnen ist, in Verbindung mit Gott. Gott ist mit ihm, und wir wollen mitmachen, weil jetzt die Zeit reif ist.

Sei kühn und mutig, wenn die Zeit reif ist, zu sprechen. Sei nicht in einer falschen Demut, die sagt: „Das sagt man nicht, weil ich sonst Lob abkriegen könnte.“

Sei entspannt! Gib Zeugnis, selbst wenn alle um dich herum das für Geschwätz halten könnten.

Interessant ist, dass Nehemia nicht wie ein Prophet spricht, der sagt: „Gott hat zu mir gesprochen, und ich sage euch das.“ Nehemia hatte keine direkte Konversation mit dem Gott Israels.

Das Einzige, was er erlebt hat, war die Führung Gottes. Er sagt, wie Gott auf dem Weg mit ihm war, wie treu und gut Gott zu ihm war, und dass Gott die Wege geebnet und gebahnt hat.

Nehemia ist nicht derjenige, der sagt: „Ich habe Gott gefragt, Gott hat gesagt, ich gebe euch mal Worte Gottes weiter.“ Er erzählt einfach nur von der Führung Gottes.

Das sage ich an dieser Stelle, damit wir verstehen, dass Gott sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise offenbart und uns führt.

Manche denken: „Oh, ich habe Gottes Stimme noch nie so prophetisch gehört, also bin ich jetzt irgendwie schlecht dran.“ Nehemia erzählt noch nichts davon, dass Gott ihm direkt gesprochen hat.

Aber Nehemia kann ganz klar von Gottes Hand in seinem Leben sprechen, weil er sieht, was Gott tut.

Manche sagen: „Ja, du bildest dir das ein, war vielleicht Glück.“ Hast du wirklich eine Evidenz, einen Beweis, dass das von Gott kommt?

Das ist nicht das Thema bei Nehemia. Er sieht, was Gott in seinem Leben getan hat, und sagt es kühn und mutig.

Sei bereit und sprich auch von den Dingen, bei denen Gott dich geführt hat, auch wenn er nicht hörbar mit dir geredet hat.

Darum geht es: Gott in seinem Leben auf unterschiedlichen Ebenen zu erfahren.

Gott segnet das, wenn wir strategisch denken wie Nehemia, schenkt Gelingen und steht uns bei.

Bewahre Gottes Berufung im Herzen, um gegen Widerstand zu bestehen

Wir kommen zum Schluss. Den letzten Punkt streifen wir jetzt nur noch, weil uns dieser im Buch Nehemia noch einmal beschäftigen wird.

Das Kapitel endet mit den Versen 19 bis 20: „Als aber Sanballat, der Horoniter, und Tobija, der ammonitische Knecht, und Geschem, der Araber, davon hörten, spotteten sie bei uns und verachteten uns. Sie sagten: Was ist das für eine Sache, die ihr da tun wollt? Wollt ihr euch gegen den König empören?“

Da gab ich ihnen zur Antwort und sagte: „Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen. Wir, seine Knechte, wollen uns aufmachen und bauen, ihr aber habt weder Anteil noch Anrecht noch Gedenken in Jerusalem.“

Die Worte zeigen: Noch bevor sie begonnen haben, gibt es Probleme und Widerstände. Und das Einzige, was bei Problemen und Widerständen hilft, wenn du dich entschlossen hast, deine Berufung auszuleben, ist, die Berufung Gottes im Herzen zu bewahren.

Sie versuchen es auf menschlicher Ebene: „Wollt ihr euch gegen den König empören?“ Nein, mir redet keine Sekunde über den König, das ist Schnee von gestern! Unser Herr, Gott, der Gott des Himmels, wird es uns gelingen lassen.

Das ist die einzige Grundlage, auf der Gott Gelingen schenkt. Nehemia sagt nicht, dass das alles seine eigenen Ideen sind, sondern dass Gott, der Herr, es ihm aufs Herz gelegt hat. Wir haben es hier mit Gott zu tun und nicht mit meinen Vorstellungen.

Meine Lieben, das ist der einzige Grund, warum Gott Gelingen schenkt. Das ist der einzige Grund, warum sie überhaupt aktiv werden, in Aktion treten und bauen. Der einzige Grund ist, dass Gott Gelingen gibt.

Nehemia und seine Freunde erarbeiten sich nichts aus eigener Kraft. Sie wollen nichts einfach nur probieren. In den Versen davor heißt es, und das ist mein letztes Beispiel aus Vers 18: „Und ich berichte von der Hand meines Gottes, der gütig über mir gewaltet hat.“

Da sagten sie: „Wir wollen uns aufmachen und bauen.“ Und sie stärkten ihre Hände zum Guten. Ja, es ist ein Wortspiel, das hier passiert und uns Folgendes mitgeben soll:

Wir können das Reich Gottes, das ewigkeitswert hat, nur dann gut tun, wenn Gott zuerst gut mit uns ist. Wir können keinen gnädigen oder guten Gott durch unser gutes Arbeiten machen.

Es ist zuerst Gott, der aus seinem Erbarmen und seiner Güte seine Hand über dein Leben legt. Du als Antwort darauf sagst, so wie diese Leute: „Gott ist gut zu uns, und deswegen wollen wir gut zu ihm sein und gut zu anderen Menschen.“

Gottes Aktion, Gottes Berufung steht immer am Anfang. Daraufhin können wir arbeiten und unsere Berufung ausleben. Amen? Amen.