Serie•Teil 38 / 53Lukas-Evangelium
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Orientierung am großen Zusammenhang
So, wo stecken wir? Wir sind in Lukas Kapitel 17, Vers 11 bis Kapitel 19, Vers 27.
Was wissen wir schon? Unser großes Thema heißt Reich Gottes. Und was haben wir letztes Mal entdeckt? Wir haben uns letztes Mal mit dem Thema beschäftigt: Wie komme ich ins Reich Gottes?
Ich habe versucht, euch zu zeigen, dass es für Reich Gottes Synonyme gibt. Man könnte sagen: ewiges Leben. Oder man könnte sagen: Rechtfertigung. Man könnte sagen: Freispruch. Die Schuld meiner Sünde ist vergeben. All das hat mit der Idee vom Reich Gottes zu tun.
Die Frage lautet: Wie komme ich mit Gott ins Reine? Das ist dieselbe Frage wie: Wie komme ich ins Reich Gottes?
Es gibt zwei Ansätze.
Ansatz Nummer eins: Am Anfang stehe ich. Was ich tue, was ich leiste, was ich bin. Ich schaffe etwas, und Gott muss dann mit dem, was ich geschafft habe, auch mit mir zufrieden sein. Das ist in etwa der Ansatz der Pharisäer, der religiösen Elite, der Obersten, die wohlhabend sind, sozial engagiert und gesellschaftlich anerkannt.
Dieser Ansatz ist zum Scheitern verurteilt. Menschen, die in ihrem Leben so vorgehen, rennen an Gott vorbei. Warum? Weil sie ihre eigene Verlorenheit nicht wirklich wahrnehmen. Sie sehen ihren vermeintlich herausragenden Charakter, sie sehen ihre Errungenschaften, ihre guten Taten, und sie können das, was eigentlich an Problemen in ihrem Leben da ist, nicht mehr sehen.
Es gibt einen zweiten Ansatz. Das ist der Ansatz der Zöllner oder von Petrus, dem Fischer. Menschen, die Gott begegnen, aber auf eine andere Weise. Sie geben ehrlich zu, dass sie Sünder sind und Hilfe brauchen. Und Gott antwortet auf den aufrichtigen Schrei ihres Herzens mit Vergebung.
Der Zöllner, den wir kennengelernt haben, ist ein gutes Beispiel dafür. In Lukas 18, in dem Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner, ist dieser Zöllner ein gutes Beispiel dafür. Es sind Menschen, die im Moment der Umkehr Gott anflehen: Gott, sei mir dem Sünder gnädig. Oder eben Petrus. Das sind Beispiele dafür, dass man authentisch Buße tut und daraus dann ein Leben der Nachfolge erwächst.
Ein Leben, das für Jesus gelebt wird, das um ihn kreist, und eben nicht, weil man Angst hat vor dem Gericht Gottes, sondern aus Dankbarkeit.
Der Zugang zum Reich Gottes
Wie komme ich ins Reich Gottes? Wir hatten diese zwei Ansätze: den Ansatz, ich nenne ihn mal den des selbstgerechten Pharisäers, der sagt: Ich bin eigentlich gut genug, und Gott muss das jetzt anerkennen. Oder den Ansatz des Zöllners, der da steht und sagt: Hey, ich habe eigentlich nur Strafe, nur Gericht, nur Ablehnung verdient, aber Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig.
Wie komme ich in das Reich Gottes hinein? Die Frage hatten wir schon, und die Antwort fand sich in Lukas 18,17. Ich lese noch mal vor: Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht aufnehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.
Ich muss vertrauensvoll, demütig und hilfsbedürftig in das Reich Gottes hineintreten.
Frage: Warum war das Thema zur Zeit Jesu so brisant? Jetzt könnte man sagen: Okay, natürlich, weil Menschen verloren gehen, gingen, immer schon gegangen sind. Ja, aber das ist jetzt nicht meine Antwort. Meine Antwort wäre: weil die Juden vom Reich Gottes eine sehr einseitige Vorstellung hatten.
In Lukas 19,11 da lesen wir: Während sie aber dies hörten, fügte er noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte.
Reich Gottes war für die Juden damals die Idee von der sichtbaren Herrschaft des Messias, natürlich inklusive der Vertreibung der Römer. Reich Gottes als politische Größe, Gott herrscht sichtbar in Zeit und Raum.
Für uns hört sich die Vorstellung vielleicht ein bisschen komisch an, aber das liegt nur daran, dass wir die Bibel womöglich nicht gut genug kennen.
Die doppelte Perspektive auf Gottes Herrschaft
Denn legt man verschiedene Bibelstellen übereinander, ergibt sich folgendes Bild: Der Messias, also Jesus, kommt zweimal auf die Erde. Beim ersten Mal kommt er, um Rettung zu bringen. Der Prophet Jesaja beschreibt ihn als Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, als ein Lamm, das die Strafe wegen des Vergehens des Volkes trifft, als ein Lamm, das sich die Sünden anderer auflädt. Alles Jesaja 53.
Maleachi spricht davon, wie sein erstes Kommen eine geheiligte Priesterschaft ins Leben ruft, das sind die Christen. Dieses Kommen wird durch Johannes den Täufer vorbereitet, der ebenfalls im Alten Testament prophezeit wurde. Und es richtet eine Herrschaft auf, die unsichtbar ist. Jesus herrscht aber unsichtbar über das Leben derer, die ihn zum König ihrer Herzen gemacht haben. Das ist das erste Kommen des Messias.
Aber Jesus kommt ein zweites Mal. Und wenn er das zweite Mal kommt, dann sieht die Sache ganz anders aus. Das zweite Kommen Jesu wird am Tag des Herrn, am Tag des Gerichts, beschrieben. Dieses Kommen ist in der Offenbarung einer der gruseligsten Abschnitte.
Christen glauben, beziehungsweise sollten glauben, weil es in der Bibel steht, dass Jesus leibhaftig wiederkommt und dann ein sichtbares Reich mit einem Zentrum in Israel aufrichtet. Dieses sogenannte tausendjährige Reich wird auf dieser Erde stattfinden. Alle Gläubigen werden es erleben. Es wird wieder einen Tempel geben, und man wird Jesus in Jerusalem anbeten. Diese Zeit wird dann von Frieden und Wohlstand für alle gekennzeichnet sein.
Micha 4, der kleine Prophet im Alten Testament, Micha 4,1-4, liest sich das so: Und am Ende der Tage wird es geschehen, da wird der Berg des Hauses des Herrn feststehen als Haupt der Berge, und erhaben wird er sein über die Hügel, und Völker werden zu ihm strömen, und viele Nationen werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns auf Grund seiner Wege belehre, und wir wollen auf seinen Pfaden gehen. Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem, und er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen für mächtige Nationen bis in die Ferne. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nie mehr wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden das Kriegführen nicht mehr lernen. Und sie werden sitzen, jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum, und niemand wird sie aufschrecken.
Jesus im Zentrum der Begegnung
So, Reich Gottes, unsichtbar, sichtbar. Das Reich Gottes beginnt dort, wo ich mein Herz verschenke, unsichtbar, und endet, wenn mir Jesus leibhaftig gegenübersteht, sichtbar.
Nun zum Problem. Wie beantworte ich die Frage: Wie kommt man ins Reich Gottes, wenn die Zuhörer immer nur den zweiten, sichtbaren Aspekt im Blick haben? Wir hatten das ja gelesen in Lukas Kapitel 19. Wenn das Reich Gottes für die Zuhörer als Konzept das sichtbare Element betont, wie schaffe ich es dann, das Thema so zu präsentieren, dass die Zuhörer verstehen: Okay, da ist mehr. Da ist etwas, das mich persönlich meint.
Die Antwort lautet: Ich muss das, was ich sage, sehr ausgewogen präsentieren. Und genau das macht Lukas. Deshalb Lukas Kapitel 17. Ich lese mal Lukas 17, die Verse 11 bis 17, um die soll es jetzt gehen, Lukas 17, Verse 11 bis 17:
Und es geschah, als er nach Jerusalem reiste, dass er mitten durch Samaria und Galiläa ging. Und als er in ein Dorf einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von fern standen. Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern. Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt.
Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, dass er geheilt war, und verherrlichte Gott mit lauter Stimme. Und er fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm; und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind die Neun?
Was ist merkwürdig an der Geschichte, wo liegt der Schwerpunkt? Merkwürdig ist, wie Jesus heilt. Er fasst sie nämlich nicht an. Das tut er an anderer Stelle, auch bei Aussätzigen. Sondern er schickt sie weg, und auf dem Weg werden sie irgendwie, irgendwann geheilt. Heilung geschieht, ohne dass sie bei Jesus sind.
Der Schwerpunkt ist aber: Einer kommt zurück. Also merkwürdig ist, dass Jesus sie nicht anfasst. Aber der Schwerpunkt ist, dass einer zurückkommt, vor Jesus niederfällt, und Jesus dann fragt: Wo sind bitteschön die Neun?
Die Aussätzigen waren nach Jerusalem gegangen, wie es Jesus gesagt hatte. Sie hatten sich dort den Priestern gezeigt, ihre Opfer gebracht. Das war so eine Standardprozedur für geheilte Aussätzige. Aber jetzt die Verse 18 und 19:
Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling? Und er sprach zu ihm: Steh auf und geh hin; dein Glaube hat dich geheilt.
Zehn werden geheilt, einer wird durch seinen Glauben gerettet. Zehn werden geheilt, aber nur einer gibt Gott die Ehre. Und wodurch? Indem er zu Jesus zurückkehrt. Also hat es nicht gereicht, dass er zum Tempel gegangen ist. Diese gesamte alttestamentliche Reinigungsstandardprozedur war nicht genug. Zurück zu Jesus, und dann gibt er bei Jesus Gott die Ehre.
Der Blick auf Jesus als Schlüssel
Ganz wichtig: Beim Reich Gottes, und dass wir das verstehen, dreht sich alles um Jesus. Zehn haben Gott erlebt, aber nur einer hat begriffen, dass es im Leben um mehr geht als um Gesundheit. Dass seine Heilungen Zeichen waren, ein Hinweisschild, das ihn, den Samariter, auf den Juden Jesus von Nazareth hinwies.
Also beim Thema Reich Gottes dreht sich fast alles um die Frage: Wie sehe ich Jesus? Neun sehen in Jesus nur ihren Arzt, einer sieht in Jesus mehr. Und das war genau der, der aufgrund seiner Herkunft am ehesten noch hätte sich verdrücken können. Das ist der Clou dabei.
Jesus richtig sehen zu können, ist das A und O beim Glauben. Wie wichtig das Thema ist, also Jesus richtig sehen zu können, das zeigt sich an zwei Kindergeschichten. Ich sage ganz bewusst Kindergeschichten, weil sie so oft im Kontext von Kindergottesdiensten eine Rolle spielen. Da ist in Lukas 18, die Verse 35-43, ein Blinder. Ich lese das mal vor:
Es geschah aber, als er Jericho nahte, dass ein Blinder bettelnd am Weg saß. Und als er eine Volksmenge vorbeiziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei. Sie verkündeten ihm aber, dass Jesus der Nazarener vorübergehe. Und er rief und sprach: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und die Vorangehenden bedrohten ihn, dass er schweigen solle. Er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber blieb stehen und befahl, dass man ihn zu ihm führe. Als er sich aber näherte, fragte er ihn: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er aber sprach: Herr, dass ich sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dich geheilt. Und sofort wurde er sehend, folgte ihm nach und verherrlichte Gott. Und das ganze Volk, das es sah, gab Gott Lob.
Sehen, glauben und gerettet werden
Wow, wieder eine Geschichte, in der Glaube rettet. Man sieht das hier in der Fußnote: Da heißt es, dein Glaube hat dich geheilt. So steht es im Text wörtlich: gerettet.
Wieder einer, der Gott verherrlicht und dabei vor Jesus steht. Wie ist es dazu gekommen? Der Aussätzige musste, wir erinnern uns, als Samariter seinen Nationalstolz überwinden. Er musste zugeben: Dieser Judenrabbi hat mich geheilt.
Der Blinde hier muss den Widerstand der Gesellschaft überwinden, die ihn als Krüppel nämlich gar nicht vorlässt. Und was ist hier merkwürdig? Vers 41: Was willst du, dass ich dir tun soll? Was für eine Frage! Sie macht eigentlich nur Sinn, wenn sie in einen größeren Zusammenhang gestellt wird.
Bei Bartimeus, so heißt der Blinde, fallen Jesus sehen können und im umfassenden Sinn gerettet werden zusammen. Also sieht er, wie der Aussätzige, Jesus, ohne ihn leibhaftig zu sehen, und macht sich auf den Weg.
Der Aussätzige ist räumlich getrennt, Bartimeus durch eine Wand von Menschen und natürlich durch seine Blindheit. Beide überwinden das, was ihnen im Weg steht, um Jesus leibhaftig zu erleben. Davor aber haben sie, obwohl sie getrennt sind, eine Vorstellung von Jesus. Sie glauben an ihn, obwohl sie ihn nicht sehen und anfassen können.
Der Glaube des Aussätzigen lässt ihn vor dem Juden Jesus niederfallen und den Gott der Juden anbeten. Bei Bartimeus wird das darin hörbar, dass er Jesus als Sohn Davids anspricht. So nennt niemand Jesus im Lukasevangelium. Für die Menge ist Jesus nur der Naziräer oder der Mann aus Nazareth, aber der Blinde weiß, wen er vor sich hat. Er hat den verheißene Sohn, also den Nachfahren Davids, den Messias, vor Augen.
Die Suche nach Jesus im Alltag
Nochmal zu der Frage: Wie kommt man ins Reich Gottes? Es hat mit Glauben an den König zu tun. Wenn ich mein Vertrauen nicht auf Jesus setze, wenn er nicht der König meines Herzens wird, wenn ich ihn nur als den sehe, der dazu da ist, mich gesund zu machen oder andere Probleme zu heilen, oder wenn es mir, sagen wir mal, reicht, wie der Menge um Bartimäus herum, ihn einfach nur toll zu finden, dann erkenne ich ihn nicht.
Und es ist ganz wichtig: Um Jesus zu erkennen, muss ich keine besondere Vorbildung haben. Also weder der Samariter noch Bartimäus hatten das. Und ein anderes schönes Beispiel findet sich hier in Lukas 19.
Und er ging hinein und zog durch Jericho; und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, und der war ein Oberzöllner und war reich. Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei, und er konnte es nicht vor der Volksmenge, denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, damit er ihn sehe; denn er sollte dort durchkommen.
Was diesen Mann, Zachäus, den Oberzöllner, auszeichnet, ist Neugierde und Einfallsreichtum. Er will wissen, wer Jesus ist, was an dem dran ist, was man über ihn erzählt.
Achtung, Zachäus ist wahrscheinlich kein Religiöser. Er ist eher jemand, der schon auch mal aufgrund seines Jobs als Zöllner so ein Stück als suspekt wahrgenommen werden kann. Vielleicht so, wie wenn man heute mit einem Steuerfahnder ein Bier trinken geht, wo man auch nicht gleich sagt: Hm, ja, gibt es einfach so Jobs, wo man sagt: Hm, hm, hm. Und Zachäus war da wahrscheinlich tatsächlich jemand, der es auch ein bisschen vielleicht übertrieben hat. Ja, er hat schon seine Stellung ganz schön ausgenutzt, und er war dafür dann auch in der Stadt bekannt. Aber der wird zwar reich, nur der wird nicht glücklich.
Veränderung durch Begegnung
Und jetzt die Frage: Wie kommt man ins Reich Gottes? Brauche ich ein Theologiestudium? Nein, es reicht ein Maulbeerfeigenbaum. Dann passiert nämlich Folgendes: Er sitzt auf diesem Maulbeerfeigenbaum, und dann die Verse 5 bis 9: Und als er an den Ort kam, sah Jesus auf und blickte ihn an und sprach zu ihm: Zachäus, steige eilend herab, denn heute muss ich in deinem Haus bleiben. Und er stieg eilend herab und nahm ihn mit Freuden auf. Und als sie es sahen, murrten alle und sagten: Er ist eingekehrt, um bei einem sündigen Mann zu herbergen. Jetzt merken wir, was er für einen Ruf hat.
Zachäus aber stand auf und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem etwas durch falsche Anklage genommen habe, so erstatte ich es vierfach. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist in diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist.
Hier stehen wir vor dem Geheimnis der Rettung. Im Herzen von Zachäus ist etwas ehrlich Suchendes, und er macht sich auf den Weg. Und dann wird er von Jesus gefunden. Lukas 19,10: Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Also: Wie komme ich ins Reich Gottes? Durch Beschäftigung mit Jesus. Am letzten Ende will Gott immer dasselbe. Er will ein Herz, das nach ihm verlangt und die Schritte geht, die es gehen kann. Der Aussätzige wandert, der Blinde schreit, und Zachäus klettert.
Bei mir war das vielleicht so, wenn ich zurückschaue auf meine eigene Bekehrung: Ich musste meine Besserwisserei aufgeben. Ich musste zugeben, dass ich nicht wirklich Ahnung von der Bibel hatte, und das, obwohl ich konfirmiert war. Ich musste zulassen, dass mir jemand das Evangelium erklärt und mir sagt, dass ich keinen Glauben habe, obwohl ich natürlich damals auch schon abends manchmal in der Bibel gelesen und manchmal in die Kirche gegangen bin. Ich muss das aufgeben.
Also: Zachäus will wissen, wer Jesus ist, und am Ende des Tages weiß er es. Jesus ist der, der sein Leben umkrempelt. Jesus ist der, der ihn motiviert, seine Sünden in Ordnung zu bringen. Ja, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem etwas durch falsche Anklage genommen habe – und das hat er, denn er war ein stadtbekannter Sünder –, so erstatte ich es vierfach.
Jesus ist der, der sein Leben umkrempeln darf, der ihn motiviert, seine Sünden in Ordnung zu bringen, und der ihn dazu bringt, statt Geld zu erpressen, Geld zu spenden. Zachäus wird ein Nachfolger Jesu, und ganz nebenbei sehen wir, dass Jesus zwar dem reichen Obersten, den wir schon kennen, befiehlt, sein Geld wegzugeben, dass das aber keine grundsätzliche Regel ist, um in den Himmel zu kommen.
Also: Wie komme ich ins Reich Gottes? Jesus sehen wollen, sich aufmachen und sich finden lassen.
Die Weigerung der religiösen Elite
Zum Schluss das traurige Gegenstück. Das gibt es nämlich auch. Es gibt diese schönen Geschichten von denen, die sich retten lassen, von denen, die es einfach nicht zulassen, dass die Umstände sie davon abhalten, Jesus zu finden. Und wenn sie ihn gefunden haben, wenn sie gemerkt haben, da ist einer, der berührt mich, der kennt mich, der will mich, der es schafft, mir an der Stelle zu helfen, wo ich das grösste Problem im Leben habe, so wie es die Leute gibt, so gibt es dann eben auch die, die wollen einfach nicht.
Lukas 17,20-21: Typen, die sich nicht bekehren. Und als er von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes kommt, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. Noch wird man sagen: Siehe hier oder siehe dort. Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Wir haben es hier mit religiösen Menschen zu tun, also mit etwas ganz anderem als dem aussätzigen Samariter oder dem blinden Bartimäus oder dem Oberzöllner Zachäus. Religiöse Menschen mit Vorbildung. Und merkt ihr die Frage? Wann? Sie erwarten politische Veränderungen, und Jesus muss sie enttäuschen. Obwohl das Reich Gottes einmal als politische Grösse in Erscheinung treten wird, so kann man es im Moment noch nicht sehen. Es ist unsichtbar und doch, und das ist das Verrückte, mitten unter ihnen.
Wie kann das sein? Wie kann etwas unsichtbar sein und doch da? Und die Antwort lautet: Das Reich ist, wo der König ist. Sie wollen wissen, wann das Reich kommt, dabei ist es in Jesus doch schon da. Sie wollen das Reich Gottes, aber sie erkennen den König nicht. Sie wollen politische Veränderungen, und Jesus kommt, um ihr Herz zu ändern.
Sie haben auch Interesse, aber an Macht und Einfluss. Ja, und es ist immer gut, wenn man die Zukunft kennt, wenn man weiss, wieso die politischen Entwicklungen sind. Aber sie haben kein Interesse daran, an Jesus zu glauben und ihn zu suchen oder Busse zu tun, diesem König nachzufolgen. Null Interesse.
Da ist niemand, der Jesus feiern möchte, Gott die Ehre geben möchte. Da ist niemand, der sagt: Ich möchte dich sehen, ich möchte sehend werden, ich möchte mein Leben in Ordnung bringen. Darum geht es ihnen nicht. Ihr Problem ist, sie haben einfach kein Interesse. Sie haben kein Interesse an diesem Jesus, weil sie schon eine Meinung über ihn haben. Und diese Meinung, die sie haben, die reicht ihnen.
Für sie ist Jesus nicht der Sohn Davids, kein Grund, Gott anzubeten. Und wisst ihr, die würden nie auf einen Maulbeerfeigenbaum steigen, um Jesus zu sehen. Und deswegen kann Jesus am Ende über dieselben Leute, ich lese mal aus Matthäus 23,13, am Ende nur ganz gruselige Sachen sagen. Da heisst es dann: Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler, denn ihr verschliesst das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch lasst ihr die, welche hineingehen wollen, hineingehen.
Schlussgedanke und Gebet
Alle finden den König, das Reich, ihre persönliche Errettung, nur nicht die Pharisäer. Und das tun sie nicht, weil sie kein Interesse daran haben, was sich hinter dem Menschen Jesus von Nazaret wirklich verbirgt.
Mein Wunsch ist, dass unsere Freunde, unsere Kinder und unsere Arbeitskollegen Jesus suchen und sich von ihm finden lassen. Es ist wirklich nicht schwer, Jesus zu finden. Das Einzige, was es braucht, ist ein ehrlicher Blick ins eigene Leben: zuzugeben, dass da Dinge nicht in Ordnung sind, dass man Hilfe braucht, und sich dann auf den Weg zu machen.
Jesus lässt sich finden, von jedem, es sei denn, in meinem Herzen ist Unbekehrtheit, Widerspenstigkeit, Eigensinn, dieses „Ich weiß schon alles besser“.
Lasst uns beten, dass in unseren Freunden, Kindern und Arbeitskollegen, denen, denen wir das Evangelium bringen wollen, das Herz eines Menschen schlägt, der sich nach Veränderung, nach Frieden mit Gott und letztlich nach dem Reich Gottes sehnt. Amen.
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