Um die Nachfolge zu verteidigen, mach dich Hashtag Bibelfit. Beten Christen? Beten Muslime überhaupt? Beten wir nicht alle denselben Gott an?
Das schauen wir uns jetzt an. Du erfährst, wie du darauf ehrlich und leicht verständlich antworten kannst.
Die häufig gestellte Frage nach dem gleichen Gott
Das ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird – von Menschen außerhalb des Christentums, von Atheisten und von Suchenden. Sie wird oft in Schulen gestellt, im Religions- und Geschichtsunterricht. Und auch wir Christen stellen uns diese Frage manchmal.
Ich habe vor kurzem angefangen, Instagram-Livestreams zu machen. In jedem einzelnen dieser Livestreams kam vorher die Frage: „Wie ist das denn? Beten wir nicht alle den gleichen Gott an?“
Ich kann das gut nachvollziehen, denn von außen betrachtet wirken die Weltreligionen, insbesondere die drei großen monotheistischen Religionen, wirklich ähnlich. Es gibt bestimmte Regeln, an die man sich im Idealfall halten sollte. Es gibt heilige Orte wie Mekka und Jerusalem. Der Name Abraham spielt immer wieder eine große Rolle. Außerdem haben diese Religionen ein Zeitverständnis, das besagt: Die Zeit hat irgendwann angefangen, wir leben jetzt hier, und irgendwann wird die Welt untergehen.
Klar, von außen betrachtet sieht das irgendwie ähnlich aus. Hinzu kommt, dass unsere arabischen Freunde, die arabischen Christen, den Namen Allah verwenden, um Gott anzubeten. Das liegt daran, dass Allah das arabische Wort für Gott ist.
Nun stellt sich die Frage: Beten wir wirklich alle den gleichen Gott an? Die Antwort lautet: Nein, definitiv nicht. Und das möchte ich dir auch erklären. Es ist sehr einfach zu verstehen.
Die Bedeutung von Wörtern und ihre Mehrdeutigkeit
Sprachwissenschaftler nennen das manchmal Homonymie. Dahinter steckt etwas ganz Einfaches: Du hast ein Wort, und dieses Wort meint völlig unterschiedliche Dinge. Zum Beispiel das Wort Pass, P-A-S-S.
Wenn du zum Beispiel in der Stadtverwaltung arbeitest und das Wort Pass hörst, denkst du an ein Ausweisdokument, einen Reisepass oder etwas, das du nutzen kannst, um von einer Grenze zur nächsten zu gelangen. Also einen Pass. Deshalb sagen wir auch Reisepass.
Wenn du aber Gebirgsführer bist, denkst du beim Wort „Pass“ an einen Gebirgspass, an einen Gebirgskamm, an etwas, das du überqueren oder durchqueren kannst, um zur anderen Seite eines Gebirgskammes zu gelangen.
Das heißt, du hast das Wort Pass, aber es meint zwei völlig unterschiedliche Dinge. Wenn es nicht zufälligerweise dasselbe Wort wäre, würdest du gar nicht auf die Idee kommen, das miteinander zu verwechseln. Versuch mal, so einen Gebirgspass in deine Tasche zu stecken – das funktioniert nicht.
Um das klarzustellen, sagen wir manchmal auch der Reisepass oder der Gebirgspass, damit es gar nicht erst zu Verwechslungen kommt. Deshalb benutzen wir mit Absicht unterschiedliche Worte dafür.
Ich gebe dir ein zweites Beispiel. Sagen wir mal, ich rede von einer historischen Figur, wie zum Beispiel Friedrich Ebert. Friedrich Ebert wurde im 19. Jahrhundert geboren, lebte im 20. Jahrhundert in Berlin und ist dort verstorben. Er wird als Vorkämpfer linker Werte gesehen, war erst Zeitungsredakteur und wurde danach Vollzeitpolitiker.
Jetzt denkst du vielleicht: Klar, wir reden von dem Vorsitzenden der SPD und dem Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Und auf einmal sage ich dir: Nein, diesen Friedrich Ebert meine ich gar nicht.
Der Friedrich Ebert, von dem ich rede, war weder Vorsitzender der SPD noch Reichspräsident der Weimarer Republik. Da merkst du plötzlich: Hä, ich dachte, du meinst Friedrich Ebert.
Ja, aber der Friedrich Ebert, von dem ich rede, ist der gleichnamige Sohn von dem Friedrich Ebert.
Das heißt, wir reden von zwei Menschen, die den gleichen Namen haben, aber zwei völlig unterschiedliche Personen sind. Sie haben zufälligerweise noch ein paar Gemeinsamkeiten: Beide wurden im 19. Jahrhundert geboren, starben im 20. Jahrhundert in Berlin, waren Vorkämpfer linker Werte und Zeitungsredakteure.
Klar, es gibt ein paar Gemeinsamkeiten, beide waren politisch aktiv, aber mehr auch nicht. Gleicher Name, ein paar Überschneidungen, aber am Ende reden wir von zwei völlig unterschiedlichen Menschen.
Das ist das Phänomen: Nur weil wir denselben Begriff benutzen, können wir trotzdem zwei völlig unterschiedliche Dinge meinen – selbst wenn diese Dinge Ähnlichkeiten aufweisen.
Übrigens stammt dieses Beispiel aus meinem neuen Buch „Kein Gott ist auch keine Lösung“. Wenn du lernen möchtest, wie du entspannt, gelassen und schlagfertig mit kritischen Fragen von deinen atheistischen Freunden umgehst, nimm dir gern das neue Buch kostenlos über den Link in der Videobeschreibung.
Die Bedeutung von Begriffen und die Voraussetzung für Einigkeit
Also, es reicht nicht aus, dass wir nur die gleichen Worte benutzen. Die Worte müssen auch die gleiche Bedeutung haben. Das heißt, das gleiche Wort muss sich auf dasselbe Ding beziehen, und dieses Ding muss die gleichen Eigenschaften besitzen.
Dann kommen wir zu einem wichtigen Begriff, und zwar zu „univog“. Univog bedeutet, dass wir beide vom Gleichen sprechen. Wir benutzen dasselbe Wort, und dieses Wort meint dasselbe Ding mit den gleichen Eigenschaften.
Wenn das der Fall ist, wissen wir, dass wir wirklich vom Gleichen reden. Ist das aber nicht so, sondern sprechen wir über Dinge mit unterschiedlichen Eigenschaften, dann haben wir vielleicht dasselbe Wort, zum Beispiel das Wort „Pass“. In Wirklichkeit reden wir dann aber von zwei verschiedenen Sachen.
Die Uneindeutigkeit des Gottesbegriffs in verschiedenen Religionen
Wie ist es jetzt mit dem Begriff Gott? Ist der Begriff Gott eindeutig, also univok? Nein, das ist ja das Problem.
Wenn du wissen willst, was mit Gott gemeint ist, dann kannst du als jemand, der dem biblischen Christentum folgt – so wie ich – einfach ins Neue Testament schauen. Das kannst du zum Beispiel im Römerbrief tun. Dort heißt es im Urtext, im Griechischen, in Römer 15,6: „Ton Theon, Kalpaterra, tou Kyriou hemōn Iēsou Christou“. Das bedeutet: Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Damit ist im Neuen Testament klar festgelegt, wer Gott ist: Gott ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Anders sieht es aus, wenn wir mit unseren muslimischen Freunden darüber sprechen. Wenn wir sie fragen, was sie eigentlich mit Gott meinen, verweisen sie in der Regel auf den Koran. Vielleicht nennen sie auch zusätzlich die Hadithe, aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall beziehen sie sich auf den Koran.
Was steht im Koran darüber, wie Gott ist? Du kannst zum Beispiel in Sure 112 nachschlagen. Dort heißt es in Vers 3: „Lam yalid wa lam yūlad“. Das bedeutet: „Er hat nicht gezeugt und ist auch nicht gezeugt worden.“
Also steht im Koran, dass Gott nicht gezeugt wurde und selbst nicht gezeugt hat. Im Neuen Testament dagegen steht, dass Gott der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist.
Gott kann aber nicht beides gleichzeitig sein. Das ist unmöglich.
Das bedeutet: Es ist zwar derselbe Begriff „Gott“, aber er meint zwei völlig unterschiedliche Dinge. Das ist sehr wichtig zu verstehen.
Genauso ist es übrigens, wenn du mit Hinduisten oder mit Menschen sprichst, die an die griechische Mythologie glauben. Auch dort meint der Begriff „Gott“ etwas ganz anderes, obwohl das Wort ähnlich klingt. Was „Gott“ in der Bibel – im Alten oder Neuen Testament – meint, unterscheidet sich deutlich von diesen Vorstellungen.
Unterschiedliche Bedeutungen des Begriffs Jesus in verschiedenen Glaubensrichtungen
Genauso verhält es sich mit dem Begriff Jesus. Wenn du mit hinduistischen Bekannten, buddhistischen Freunden, Mormonen oder Zeugen Jehovas sprichst, verwenden sie zwar ebenfalls das Wort Jesus.
Gerade Mormonen und Zeugen Jehovas nutzen ähnliche Vokabeln, wie wir Christen es tun. Dennoch meinen sie dabei völlig unterschiedliche Dinge. Das heißt, es ist derselbe Begriff, aber mit ganz verschiedenen Bedeutungen.
Solange du nicht den gleichen Begriff verwendest, würdest du überhaupt nicht auf die Idee kommen, diese miteinander zu verwechseln.
Die Gefahr der Konsensökumene und unklare Begrifflichkeiten
Und das ist gefährlich, denn es kann auch im positiven Sinne gefährlich sein, dass du zu einer sogenannten Konsensökumene kommst. Konsensökumene – damals habe ich dafür meinen ersten Forschungspreis bekommen, als ich dazu geforscht hatte – bedeutet, dass du ein gemeinsames Papier zwischen verschiedenen Konfessionen verabschiedest.
Dabei werden die Begriffe in dem Papier so vage, allgemein und abstrakt formuliert, dass sich jeder darin wiederfinden kann. Doch jeder meint dabei sein eigenes Ding.
Was hat das mit dir zu tun? Nun, dir ist es natürlich noch nie passiert, dass du einen Streit mit jemandem hattest, weil ihr eine Vereinbarung getroffen habt oder euch gemeinsam auf etwas verständigt habt, und jeder dabei etwas anderes gedacht hat. Das ist dir sicherlich noch nie im privaten Kontext, noch nie im Ehrenamt, schon gar nicht im Job und erst recht nicht in Beziehungen passiert.
Doch das passiert den Besten, und das gibt es auch bei Konfessionen. Das kann zu einem echten Dilemma und zu einem echten Problem führen. Wenn wir gleiche Begriffe nutzen, aber eigentlich etwas ganz anderes meinen, wäre es besser, wir würden unterschiedliche Begriffe benutzen, sodass wir sie gar nicht erst verwechseln können.
Die Bedeutung von ehrlichem Dialog und klarer Begriffsklärung
Und ich möchte, dass du mich hier richtig verstehst: Den Dialog zwischen verschiedenen Weltanschauungen zu fördern, ist total gut. Das ist ja auch einer der Gründe, weshalb ich das Buch geschrieben habe. Es ist auch einer der Gründe, weshalb ich hier diese Videos zum Thema Nachfolge verteidigen mache. Klar, absolut.
Wenn du meine Social-Media-Aktivitäten kennst, weißt du, dass ich voll dabei bin und offen bin. Auch den Dialog zwischen den verschiedenen monotheistischen Weltanschauungen – Judentum, Christentum, Islam – halte ich für eine super Sache. Bitte unbedingt dafür sorgen, dass Frieden und Verständigung entstehen. Klar, da bin ich total dabei. Das ist richtig gut, bitte mehr davon.
Aber da muss es dann auch aufhören. Ideen wie in Berlin das House of One zu errichten, und ich hoffe, ich verstehe es nicht falsch – wenn ich es falsch verstehe, dann korrigiere mich bitte –, operieren nach meinem Verständnis unter der Prämisse, dass man sagt: „Na ja, wir haben verschiedene Weltanschauungen, wie zum Beispiel Islam und Christentum, und wir bauen jetzt ein Haus, wo beide anbeten können, weil im Grunde ist es ja der gleiche Gott, den sie anbeten.“
Wenn das die Gedankenhypothese dahinter ist, dann ist das eine fürchterliche Idee. Das ist eine grauenhafte Idee. Wie kann man nur auf so einen Gedanken kommen, dass es der gleiche Gott ist, der von Christen und von Muslimen angebetet wird? Ich verstehe überhaupt nicht, wie man auf so eine Idee kommen kann. Das ist eine absolut bekloppte, bescheuerte Idee.
Deshalb achte immer darauf, ob dein Gegenüber und du wirklich das Gleiche meinen. Denn ganz häufig ist das nicht der Fall. Lass dich nicht von Vokabeln verwirren, sondern frag dich immer: Ist es wirklich dasselbe, von dem wir reden? Ist es nicht nur dieselbe Vokabel, sondern meinen wir wirklich dasselbe Ding mit denselben Eigenschaften? Ist es wirklich univokal oder nicht? Das ist das Geheimnis dahinter.
Dann kannst du eine Menge Missverständnisse in Gesprächen mit deinen atheistischen Freunden, in Gesprächen mit deinen suchenden Bekannten, in Gesprächen mit unseren muslimischen, unseren mormonischen und unseren Zeugen Jehovas-Freunden auch sofort beseitigen. Wenn du sagst: „Okay, lass uns mal einfach den Begriff ganz kurz weglassen. Erzähl mir mal ganz kurz, was du eigentlich meinst.“ Dann können wir über die Eigenschaften herausfinden, ob wir dasselbe meinen.
So können wir viele Missverständnisse vermeiden, die uns später irgendwann mal richtig böse auf die Füße fallen können.
Denk gerne an das neue Buch „Kein Gott ist auch keine Lösung“ und nimm es dir gratis mit über den Link in der Videobeschreibung.
Wir sehen uns im nächsten Video. Ich freue mich auf dich!

