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„Pass auf dein Herz auf“

Matthias Lohmann mahnt Influencer
09.02.2024

Einführung in die Herausforderungen sozialer Medien für Christen

U, ja, Matthias, hätte ich das vielleicht lieber nicht tun sollen? Vielleicht. Du musst Acht geben auf dein Herz. Frag dich ganz ehrlich und auch andere: Bist du bereit?

Eine Bühne kannst du dir mit deinem Handy sofort schaffen, aber bist du wirklich bereit für diese Bühne? Bin ich vielleicht sogar ganz froh, dass manche YouTuber auch nur YouTuber sind. Denn wenn deren Leben einmal ans Licht käme...

Wenn du nicht Teil einer Gemeinde bist, dann ist in deinem ganzen Christsein schon etwas ganz problematisch. Also bitte, finde erst einmal eine Gemeinde.

Die Streitkultur im Internet ist katastrophal und entspricht in keiner Weise dem, was die Bibel lehrt. Ja, liebe Christen, ich frage mich oft: Habt ihr die Bibel zur Streitkultur überhaupt gelesen? Das passt nicht zusammen. Bitte hört auf damit! Wer das nicht klar hat, der hat wirklich einen ganz grundlegenden Gedanken der Bibel und des gelebten Christseins nicht verstanden.

Ja, das ist dann zu nuanciert, und das bringt dir nicht die Klickzahlen. Am besten schneidest du das so im Trailer raus und sagst: Matthias Lohmann sagt, soziale Medien sind vom Teufel. Ja, gerade krass, aber umso erfolgreicher. Du bringst die Leute nicht auf die Idee. Genau.

Und damit willkommen bei Bibelfitness, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.

Jeden Beitrag verschenke ich mit Übersichten, biblischen Entscheidungshilfen, kompletten Hörbüchern und sogar Onlinekursen. Das gibt es alles gratis auf dieser Website.

Dafür kannst du freiwilligen, monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken – Menschen wie du und ich. Wer auch möchte, dass diese Videos in unserem Land weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, der sollte jetzt diese Glocke hier unten rechts unter diesem Video drücken.

Vorstellung des Gesprächspartners und Thema des Interviews

Es ist eine große Ehre, Holten Matthias Lohmann hier zu begrüßen. Matthias Lohmann war früher Unternehmensberater in Managementpositionen in Deutschland und in den USA. Danach erhielt er den Ruf in den Verkündigungsdienst und hat auch Theologie studiert.

Heute ist Matthias Dozent für Theologie beim Martin-Butzer-Seminar und Mitherausgeber des Pastoren-Podcasts. Vor allem aber kennen ihn viele hier als Gründer und Leiter von Evangelium 21 sowie als Mitpastor der Freien Gemeinde München-Mitte. Diese Gemeinde wird von vielen hier immer wieder als empfehlenswerte Gemeinde genannt.

Er ist ein christlicher Leiter, der vieles in Deutschland und international hat kommen und wieder gehen sehen. Ich selbst lerne gern von ihm. Es ist nicht immer angenehm, was er zu sagen hat, aber bisher war es immer hilfreich.

Wir treffen uns gleich, um über Christen in sozialen Medien zu sprechen. Vor kurzem haben Matthias und ich uns live getroffen. Dabei hat er mich zur Seite genommen und ich übertreibe jetzt ein bisschen, aber er sagte so etwas wie: „Markus, darf ich dir einen Tipp geben?“ Also schauen wir mal, was er zu sagen hat.

Matthias, ich freue mich sehr, dass du dich heute hier zugeschaltet hast. Es ist wirklich eine große Ehre.

Ja, vielen Dank, es ist mir eine große Freude, Markus.

Chancen und Risiken sozialer Medien für die christliche Verkündigung

Ja, jetzt sind wir direkt beim Thema. Du hast dich zugeschaltet, und wir führen ein Gespräch auf den sozialen Medien über soziale Medien. Wie kommt das eigentlich zustande?

In den letzten Jahren haben wir immer wieder festgestellt, dass es zahlreiche Leute gibt, die mit christlichen Botschaften – ganz allgemein gesprochen, du wirst das später noch differenzieren – an die Öffentlichkeit herantreten. Durch soziale Medien, wir eingeschlossen, haben sie eine Reichweite, die für einen normalen Pastor vorher undenkbar gewesen wäre.

Ist das immer etwas Gutes? Das ist eine gute Frage. Ich glaube nicht. Nein, ich denke, es kann sehr segensreich sein, aber oft ist es auch viel problematischer, als man im ersten Moment wahrnimmt.

Segensreich ist es natürlich, weil wir, wie du richtig gesagt hast, Menschen erreichen können, die nie in unsere Gemeinden kämen. Zum Beispiel kann ich meine Gottesdienste live streamen oder Predigten auf YouTube stellen. Menschen können sich so erst einmal der Gemeinde annähern.

Ich erlebe das immer wieder: Junge Erwachsene fangen bei uns in der Gemeinde an, und ihre Eltern sind anfangs sehr kritisch. Sie fragen: „Ist das eine Sekte? Was predigen die da?“ Dann nehmen sie erst einmal Kontakt über die sozialen Medien auf, sehen sich etwas an und merken, dass es okay ist. Erst danach kommen sie.

Das heißt, wir erreichen tatsächlich Menschen, die soziale Medien als ersten Schritt nutzen. Oder Menschen, die nach München ziehen, besuchen erst einmal virtuell unsere Gemeinde, um im Vorfeld zu klären: Gibt es dort eine Gemeinde, in die ich gehen könnte? Ich möchte ja nicht einfach irgendwohin ziehen, wo keine Gemeinde ist.

Das können ganz hilfreiche Dinge sein. Natürlich gibt es auch ein evangelistisches Potenzial, denn wir können mit dem Evangelium zu Menschen gehen – quasi in ihre Handys, in ihre ganz natürliche Umgebung, die sonst nie zu uns kommen würden.

Früher ging man an die Hecken und Zäune, heute geht man ins Internet. Von daher ist das durchaus ein riesiges Potenzial.

Auch die Möglichkeit, sich von zu Hause aus abends schnell noch wirklich tiefe theologische Lehrinhalte ins Haus zu holen, anstatt irgendwo hinfahren zu müssen, ist ein großer Vorteil. Oder man kann sich eine Predigt von einem wirklich guten Prediger anhören oder ansehen, während man in der eigenen Gemeinde vielleicht größere Defizite feststellt.

All das sind auf jeden Fall Dinge, bei denen ich sagen würde: Ja klar, es ist ein Segen, dass wir diese Möglichkeiten haben.

Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass das nicht nur Segen ist, sondern oft auch – ich sage es mal ein bisschen krass – ein Fluch. Vielleicht ist es gut, das ein bisschen zu erklären.

Die Herausforderungen der Nuancierung und Expertise in sozialen Medien

Ich glaube, es gibt einige Aspekte, die mich besonders nervös machen. Zum einen ist es so, dass soziale Medien per Definition in den meisten Fällen keine Nuancierung zulassen. Soziale Medien funktionieren darüber, möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Dafür braucht man Themen, die sich dafür eignen.

Ich gebe dir ein Beispiel: Wenn du postest „Soziale Medien sind vom Teufel“, bekommst du Klicks für dieses Video. Wenn ich aber sage, „Soziale Medien bieten Chancen und Risiken“, ist das zu nuanciert. Das bringt nicht die Klickzahlen. Am besten schneidest du im Trailer nur den Satz „Matthias Lohmann sagt, soziale Medien sind vom Teufel“ heraus. Je radikaler, desto erfolgreicher.

Genau, und das ist der Punkt. Wir füttern damit einen ungesunden Trend, eine ungesunde Tendenz, die wir ohnehin gesellschaftlich schon erleben: Radikalisierung nimmt zu, und Nuancierung leidet. Das ist in sozialen Medien definitiv ein Thema.

Das zweite Problem sehe ich darin, dass plötzlich jeder ein Experte ist, weil jeder dieselbe Plattform zur Verfügung hat. Es spielt keine Rolle, wie theologisch gut geschult jemand ist, ob er jemals von irgendwem berufen wurde, um Gottes Wort zu verkündigen, oder ob ein Verlag jemals drucken würde, was er schreibt. Entscheidend ist nur, ob man eine gute Aufmachung hat, die richtige Technik, vielleicht ein gewisses persönliches Charisma und eine gute Rhetorik.

Soziale Medien geben vielen Menschen eine Bühne, die wahrscheinlich noch gar nicht bereit dafür sind. Sie haben weder die Kompetenz noch die Weisheit, und eigentlich sollte man nicht unbedingt auf sie hören. Trotzdem hören viele Menschen ihnen zu, vor allem unreife Zuhörer. Sie sind vielleicht erst einmal gefangen und lernen dort Dinge, die nicht wirklich gut sind.

Das wäre also meine zweite Sorge: Neben dem Mangel an Nuancierung ist es das Phänomen, dass plötzlich jeder ein Experte ist. Das Spielfeld ist offen, jeder hat den gleichen Zugang. Für Zuhörer ist es sehr schwer abzuwägen, wer wirklich Kompetenz und Weisheit hat. Denn oft orientieren sie sich eher an Kriterien wie der Anzahl der Klickzahlen oder wie gut jemand rüberkommt. Das ist aber nicht unbedingt hilfreich.

Die Gefahr von Echokammern und fehlender Gemeinschaft

Drittes Thema: Was ich sehe, ist problematisch. Soziale Medien können schnell zur Echokammer werden. Man hört vor allem das, was einem vorgeschlagen wird. Das verstärkt sich immer weiter, und man wird in seinen Meinungen bestärkt. Man hört, was man hören möchte, aber vielleicht nicht mehr das, was man eigentlich hören müsste.

Ich habe neulich ein Beispiel hier in der Gemeinde erlebt. Ein junger Mann erzählte mir, dass er zu bestimmten theologischen Fragen nicht mit mir reden möchte, weil ich eine sehr spezifische Sicht darauf habe. Er wolle sich lieber seine eigene Meinung bilden. Zuerst dachte ich, das sei eigentlich super und gut so. Ich nahm an, er würde jetzt seine Bibel lesen. Das tat er aber nicht.

Stattdessen ging er in die sozialen Medien und hörte sich dort Vorträge zu dem Thema an. Diese Vorträge hatten gerade gute Klickzahlen, beziehungsweise wurden ihm vom Algorithmus vorgeschlagen. Es begann mit einem Vortrag, der nicht so gut war, und dann wurde das Angebot immer weiter gefüttert. Er war in dieser Echokammer drin und meinte, er informiere sich neutral. Das war aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Leute, die er hörte, hatten meiner Meinung nach sehr wenig Kompetenz. Sie kamen zwar gut rüber, aber das ist die Herausforderung.

Außerdem ist es grundsätzlich problematisch, etwas zu studieren, ohne die Bibel selbst in die Hand zu nehmen. Ein wirkliches Studium, bei dem man tief in ein Thema einsteigen will, funktioniert meines Erachtens nicht gut über soziale Medien. Die Chancen der sozialen Medien liegen eher darin, kurz etwas rüberzubringen, einen Appetizer zu geben und Interesse zu wecken. Das ist klar super.

Wenn ich aber etwas wirklich studieren will, dann brauche ich ein Buch in der Hand. Ich brauche Denkpausen, ich muss mitschreiben. Ich will – Denkpausen, habt ihr das gehört? – ich brauche Denkpausen. Pausen zum Nachdenken. Ich lasse das einfach mal so stehen. Matthias sagt das nicht aus Spaß.

Vielleicht sagt Matthias es gerade ohne die Möglichkeit zur Denkpause, und das ist genau das Problem bei sozialen Medien. Da redet einer einfach fröhlich in die Kamera und merkt gar nicht, dass die Zuhörer jetzt eine Zeit zum Reflektieren brauchen. Vielleicht auch, um mit anderen darüber nachzudenken. Das heißt, mit anderen das Gleiche hören und es gemeinsam bedenken.

Soziale Medien isolieren uns aber meistens, weil wir die Inhalte zuhause persönlich konsumieren und eben nicht in Gemeinschaft. Das wäre quasi der dritte Aspekt.

Die Bedeutung der realen Gemeinde als unverzichtbarer Ort christlichen Lebens

Und der vierte Punkt, und das ist vielleicht der, der mir am meisten auf dem Herzen liegt: Die sozialen Medien binden letztendlich Zuhörer und Zuschauer und werden zu einer Art Ersatzgemeinde.

Ich glaube, manche Prediger in den sozialen Medien legen es sogar darauf an, den Leuten zu sagen: Ihr braucht gar keine Gemeinde, Hauptsache, ihr habt mich sozusagen. Sie promoten ihre eigenen Predigten und Inhalte, anstatt Christen dazu aufzurufen, nachdem sie sie für den Glauben interessiert haben, jetzt in eine Ortsgemeinde zu gehen. Dort gehören sie hin, dort müssen sie sein.

Man könnte jetzt sagen: Ja, das sagt Matthias, weil er mit den sozialen Medien nichts anfangen kann und weil er einfach in der Gemeinde ist und möchte, dass die Leute zu ihm kommen und nicht am Handy hängen. Aber ich glaube, ich sage das, weil Gottes Wort das so sagt. Absolut!

Die Bibel ruft uns dazu auf. Wenn ich in meine Bibel aufschlage, lese ich im Hebräerbrief 10,24-25: „Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken. Und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“

Wir sind dazu aufgerufen, miteinander zu leben, einander anzuspornen, zu ermahnen, herauszufordern, zu ermutigen und zu trösten.

Im Kolosserbrief 3,16 heißt es: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen, lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern.“

Wow! Dass wir einander zusingen – das finde ich nur in der Gemeinde so. Ich lerne so viel durch Lieder, ich bekomme so viel Ermutigung durch Lieder. Wenn ich die Leute isoliere und sie meinen, ihr Gottesdienst findet vor ihrem PC oder Handy statt, hören sie vielleicht auch ein bisschen Lobpreis, aber sie singen nicht mit. Sie sehen nicht den Bruder oder die Schwester, die ihnen etwas zusingt.

Wo feiere ich mit anderen das Abendmahl? Im 1. Korintherbrief 11 ruft uns die Bibel zur Gemeinschaft zusammen, um das Abendmahl zu feiern.

Tatsächlich würde ich sagen: Ein gottgefälliges Leben braucht echte Gemeinschaft mit Menschen, die wir erleben und sehen.

Ich habe am Buß- und Bettag in der Freien Gemeinde München Mitte eine Predigt gehalten über 1. Johannes 1,5-9. In den ersten Versen 5-7 heißt es: „Gott ist Licht, in ihm ist keine Finsternis.“ Dann geht es weiter: „Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm, mit Gott, haben und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft.“

Jetzt könnte man denken, da steht „mit Gott“, weil er gerade erwähnt wurde, aber er sagt nein. Er sagt, so haben wir Gemeinschaft untereinander. Hochinteressant!

Die Gemeinschaft mit Gott zeigt sich also auch in der Gemeinschaft miteinander. Wir brauchen die Geschwister, und gerade darin zeigt sich, dass wir wirklich auch Gemeinschaft mit Gott haben. Gott lieben und die Geschwister ignorieren funktioniert nicht – das sagt Johannes später auch noch.

Wenn er dann fortfährt, spricht er davon, dass wir einander unsere Sünden bekennen sollen. Und was wir dann hören, ist der Zuspruch, den wir in 1. Johannes 1,9 bekommen: Gott ist treu und gerecht und vergibt unsere Sünden.

Natürlich kann ich auch zu Hause für mich allein meine Sünden bekennen, aber ich habe niemanden, der mich in den Arm nimmt und mir zuspricht: „Matthias, mit der Autorität von Gottes Wort sind deine Sünden dir vergeben.“ Oh, das tut so gut! Und das brauche ich, weil ich sonst noch so drin hänge.

Das ist eine Gnadengabe Gottes, dass wir einander das zusprechen können. Und das verlieren wir, wenn wir nur vor den sozialen Medien stehen und vielleicht überführt werden, aber eben nicht den Bruder oder die Schwester haben, die mich jetzt in den Arm nimmt und mir vielleicht auch sagt: „Hey Matthias, darüber hast du doch gestern schon geweint und letzte Woche auch schon. Was machst du eigentlich, um in diesem Kampf voranzukommen?“

Genau, das sind alles Dinge, für die ich lokale Gemeinden brauche.

Wir sind aufgerufen, zugerüstet zu werden durch Lehrer, um dann einander zu dienen. Das steht zum Beispiel in Epheser 4, wo es heißt, dass Gott verschiedene Ämter gegeben hat. Dort gibt es das Lehreramt, das sogenannte Hirten- und Lehreramt (Epheser 4,11), das uns letztendlich zurüsten soll, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Das Ziel ist, dass wir alle zusammenwachsen, in Einheit wachsen, Christus entgegenwachsen und so der Leib erbaut wird.

Weiter heißt es in Epheser 4,15: „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied dem anderen verbunden ist durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt in dem Maß seiner Kraft.“

Diese Dinge verlieren wir, wenn wir meinen, soziale Medien könnten Gemeinde ersetzen.

Ein letzter Aspekt dazu: Jüngerschaft ist das, wozu Jesus uns aufruft – mache zu Jüngern! Ein Social-Media-Jünger, ich meine, du machst tolle Sachen, aber du hast keine Jünger. Du hast eine gewisse Gefolgschaft von Leuten, die deinen Lehren folgen, aber sie können dir nicht wirklich folgen, weil sie dich nicht sehen.

Jesus hat gelehrt, aber er hat auch vor seinen Jüngern gelebt. Das ist Jüngerschaft. Paulus hat das auch getan und gesagt: „Folgt meinem Beispiel, wie ich dem Beispiel Christi folge, was ihr gelernt, empfangen, gehört und gesehen habt an mir, das tut“ (Philipper 4,9).

Der Hebräerbrief bringt das wunderbar zusammen: „Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort gesagt haben; betrachtet ihr Leben und folgt ihrem Glauben nach“ (Hebräer 13,7).

Wer mich hier sieht oder dich hier sieht, der kann uns nachfolgen, wir können Vorbilder sein.

Tatsächlich bin ich vielleicht sogar ganz froh, dass manche YouTuber nur YouTuber sind, weil wenn deren Leben mal zutage treten würde, dann pflegen sie ein selbst kreiertes Image, das überhaupt nicht biblisch ist.

Gott hat uns gemacht. Wir meinen heute, wir schaffen eine virtuelle Realität, aber Gott hat die echte Realität geschaffen, aus gutem Grund. Und in der sollen wir leben und Christus nachfolgen.

Wenn uns die sozialen Medien helfen, den Weg dahin zu schaffen, dass wir in Jüngerschaft leben, dann preist den Herrn für soziale Medien. Wenn sie uns aber nicht dahin führen, sondern uns davon abkoppeln, dann wird es zu einem großen Problem.

Mein Fazit dazu: Soziale Medien sollten niemals dazu führen, dass wir nicht mehr in lokalen Gemeinden unseren Glauben leben. Wir brauchen die Versammlung der Heiligen. Das ist ein Aufruf Gottes.

Wir müssen erleben, wie wir mit anderen gemeinsam Gottes Wort hören. Wir brauchen als Prediger Menschen, die wir anschauen und sehen: Hat er es jetzt verstanden? Ist er noch dabei?

Ich habe das während Corona so schmerzhaft erfahren: Da hast du eine Kamera vor dir und keine Ahnung, ob die Gemeinde zwischendurch zum Kühlschrank geht, sich etwas zu essen holt oder gerade noch nebenbei streitet und gar nicht mehr zuhört, was ich sage.

Aber eine Gemeinde, die vor mir sitzt, die sehe ich. Da sehe ich, wen das gerade trifft, wer „Amen“ ruft und damit alle um ihn herum ermutigt, oder wer anfängt zu weinen und nach der Predigt still sitzt, sodass wir hingehen und mit den Weinenden weinen können.

All das geht verloren, und das brauchen wir so dringend.

Letztendlich enthalten wir uns auch der Gaben, die Gott uns gegeben hat, einander. Diese Gaben sind uns eigentlich zum Nutzen aller gegeben (1. Korinther 12,7). Und ja, das geht alles verloren.

Von daher brauchen wir Gemeinden. Soziale Medien dürfen nicht an die Stelle treten. Wenn sie das tun, wird es ein großes Problem.

Die Notwendigkeit von kritischem Bewusstsein und geistlicher Reife im Umgang mit sozialen Medien

Genau, das vielleicht erst mal. Das war jetzt eine sehr lange Antwort, aber ja, ja. Mathias, ich habe so viele Punkte, bei denen ich einsteigen könnte. Ich nehme mal den, der bei mir jetzt ganz oben liegt und vielleicht ganz an der Oberfläche ist.

Das klingt ein Stück weit so – korrigier mich gern – als ob du sagen würdest: Liebe Zuschauer, liebe Zuhörer, ihr müsst von euch selbst ein größeres Differenzierungsvermögen erwarten. Nach dem Motto: Ja, also wenn man es jetzt ganz direkt sagt – ich lege es dir jetzt in den Mund –, als ob du sagen würdest: Sei nicht naiv. Du musst einfach genauer hinschauen, genauer hinhören. Du darfst nicht einfach unkritisch auf Follower-Zahlen schauen. Du musst dir über den Algorithmus bewusst sein und so weiter und fort.

Soziale Medien sind nicht dafür da, um dich geistlich zu bilden. Sie sind einfach schon rein technisch – Herr vom Algorithmus – dafür da, dich in so einem Loop zu halten, dich zu unterhalten. Das ist nicht etwas, was sich, ich drücke es mal etwas zugespitzt aus, für einen geistlich reifen und um Wachstum bemühten Christen geziemt.

Ist das ungefähr das, was du meinst? Sonst korrigier mich bitte.

Nee, das ist genau richtig, weil du eben genau das Problem hast: Du hörst immer nur das, was du hören willst, zum einen, weil du das anklickst. Du kannst dir am Sonntag aber nicht aussuchen, was der Prediger predigt. Und das fördert dann auch wieder das, was dir vorgeschlagen wird.

Die hohen Klickzahlen, die Dinge, die dir überhaupt vorgeschlagen werden, sind typisch eben auch die Dinge, die etwas radikaler sind, die nicht die Nuancierung haben, die wir in der Bibel an vielen Stellen auch finden. Klar, radikale Nachfolge, aber nuanciert, weise Nachdenken über Dinge – und das fördert das Internet eben gerade nicht.

Wir nehmen das gar nicht wahr, und wir hören nicht das, was wir hören müssen, sondern das, was wir eigentlich hören wollen, was unseren Hörgewohnheiten schon entspricht. Ja, das ist genau das Thema. Das heißt, wir sollten nicht naiv sein und denken, dass wir hier ein wunderbares Potpourri von guten Dingen haben, sondern wir müssen merken, was uns da vorgeschlagen wird. Das geht eigentlich immer in die gleiche Richtung, und das, was populär ist, ist typischerweise radikal.

All das führt eigentlich nicht zur Weisheit. Und es fehlt – und das habe ich ja auch schon gesagt – eben auch das Miteinander, darüber nachzusehen, das Diskutieren. Daran wirklich zu arbeiten, auch mal zu hören: Wie nimmt der das wahr? So kann dieses Wort auch tief in uns eindringen.

Wenn ich eben höre, dass ein YouTuber oder ein Prediger sagt: „Boah, bei mir 10.000 Klicks auf die Predigt“, sage ich: Aber wer hat die Predigt von Anfang bis Ende gehört? Wer hat die Predigt so aufmerksam gehört, als wenn er in der Gemeinde dir gegenübergesessen hätte? Wer ist wirklich so angesprochen und denkt darüber nach? Wer bespricht das im Nachgang noch mit anderen? So sollte es im Idealfall in der Gemeinde sein.

All das findet eben nicht statt. Von daher ist die hohe Klickzahl total täuschend, weil die effektive Wirkung viel, viel, viel geringer ist.

Ich glaube, jeder von uns, der mal vergleicht: Die letzte Predigt, die ich im Internet gehört habe, und die letzte, die ich live vor Ort in einer Gemeinde gehört habe – wo habe ich konzentrierter zugehört? Wo habe ich vielleicht nachher noch mit jemandem darüber gesprochen?

Das kann ich dir ganz schnell beantworten: Die letzte, die ich im Internet gehört habe, habe ich beim Joggen gehört. Oder heute früh habe ich eine gehört – stimmt gar nicht. Heute früh habe ich auf dem Fahrrad gesessen, Sport gemacht und dabei etwas gehört. Und mir war zwischendurch: „Oh, das habe ich jetzt gerade gar nicht wahrgenommen, was der gerade gesagt hat“, weil ich gerade eine zu hohe Herzfrequenz hatte und ein bisschen zu sehr im Schweiß war. Das ist normal.

Und genau deshalb brauchen wir Gemeinden. Wenn uns das Internet dabei hilft, gut. Wenn es das ergänzt, wunderbar. Aber wenn es an deren Stelle tritt, ist das problematisch.

Okay, das habe ich verstanden.

Soziale Medien als Ergänzung, nicht Ersatz der Gemeinde

Ja, ich finde, das ist sehr einleuchtend. Ich bringe es mal noch ein bisschen weiter, und du sagst mir, ob du dem zustimmst.

Das heißt, du sagst grundsätzlich, Social Media als Ersatz für Predigt und Gottesdienst – der ja lange nicht nur aus Predigt besteht – ist nicht sinnvoll, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Wir lassen jetzt mal Krankheitsfälle, Lockdowns und so weiter ganz kurz außen vor. Das ist klar.

Gleichzeitig sagst du, als Hinführung, als Ergänzung, teilweise auch – muss man ja auch sagen – können soziale Medien ja auch ein Evangelisationsvehikel sein für Leute, die man sonst nicht erreicht. Darüber können wir sprechen. Aber erst mal ganz klar machen: Was weiß ich, YouTube-Abonnentenschaft oder so ist auf keinen Fall das Gleiche wie Jüngerschaft in der Gemeinde.

Ja, genau. Und gerade als Christ ist es wichtig zu erkennen, dass die Bibel dich nicht nur dazu aufruft, im Internet zu sein, sondern vor allem dazu, in der Gemeinde zu sein. Wer das nicht klar hat, der hat wirklich ganz grundlegende Gedanken der Bibel und des gelebten Christseins nicht verstanden.

Ich höre manchmal YouTuber, die so betonen, man brauche nicht Mitglied einer Gemeinde zu sein. Ja, die Bibel spricht aber davon. Selbst wenn man sagt, „Mitglied“ sei nicht mehr biblisch, da hast du in der ersten Runde zwölf gelesen. Was meinst du, wo das Wort „Mitglied“ herkommt? Also ich weiß, beim FC Bayern denkt man vielleicht anders, aber in der Bibel ist das Bild von einem Leib und seinen Gliedern grundlegend. Ich glaube, dieses Bild kommt aus der Bibel und wurde von der Welt adaptiert.

Das ist grundbiblisch: dieses eng miteinander verbunden sein, das eng miteinander Leben. Und alles, was uns davon wegbringt, ist eben nicht Segen, sondern tatsächlich eher Fluch. Deshalb können soziale Medien wirklich ein Fluch werden, wenn sie uns aus der realen Welt entfernen.

Wie gesagt, wenn sie etwas ergänzen: Wenn ich vor meinem Hauskreis mit einem bestimmten Thema noch nicht klarkomme, würde ich zwar immer sagen, nimm dir einen Bibelkommentar. Da hast du mehr Hilfe, als wenn du dir ein langes Video anschaust von jemandem, der vielleicht auch selber gar nicht vernünftig gebildet ist und nur klug daherredet. Aber gut, das mag sein.

Du sagst, ich fahre gerade auf der Autofahrt zum Hauskreis und kann noch was anhören, aber ich kann nichts mehr lesen. Prima, dann mache es wunderbar. Und wie gesagt, evangelistisch – klar, finde ich super. Aber auch da habe ich schon die Frage: Wie sehr erlaubt der Algorithmus eines Atheisten es, mein evangelistisches Christianentdecken-Video zu sehen?

Ich habe ja selbst den Christianentdecken-Kurs, den wir hier in der Gemeinde dreimal im Jahr fünf Wochen lang machen. Gerade gestern Abend waren 29 Leute da, das war fantastisch. Es ist eine große Freude, ihnen das Evangelium zu predigen, und nach fast jedem Kurs kommen Leute zum Glauben.

Ich habe den Kurs auch auf YouTube gestellt, also kann man ihn unter feg.muenchenmitte.christentdecken finden. Dort gibt es fünf Vorträge aus der Corona-Zeit. Aber ich weiß von niemandem, der dadurch zum Glauben gekommen ist. Ich habe angeboten, mir eine E-Mail zu schreiben, sich bei mir zu melden – ich habe von niemandem gehört.

Ein paar Leute haben mich gefragt, ob sie den Kurs oder meine Notizen haben können. Sehr gerne, jederzeit. Aber von daher scheint die Wirkung gegen null zu gehen, und meine Klickzahlen sind natürlich auch katastrophal gering, weil ich auch nicht weiß, wie man das pushen kann. Was mir auch nicht wichtig ist.

Aber auch bei denen, die da sehr aktiv sind, möchte ich doch sehr ernsthaft in Frage stellen, wie viele Menschen wirklich durch ihre Algorithmen als Nichtchristen zu christlichen Videos geführt werden. Und wie viel dann auch geschieht, wenn man sich so ein Video anschaut.

Gott kann alles gebrauchen, ohne jede Frage, und preist den Herrn, dass er es tut. Aber überschätzt das nicht – das wäre mein Plädoyer.

Ja, da stimme ich dir sehr zu. Wir haben auch schon positive Erfahrungen gemacht, und das kommt zum Glück gar nicht so selten vor. Aber wenn du das ins Verhältnis setzt zu den allgemeinen Aufrufzahlen…

Also als evangelistisches Vehikel klar, wenn du sowieso Inhalte machst, die du nebenbei dann noch online stellst – logisch. Aber zu sagen, „Hey, wir starten jetzt einen YouTube-Channel nur um damit zu evangelisieren“, da ist das Zeit- und Geldinvestment wahrscheinlich woanders besser aufgehoben.

Ja, und selbst bei der Evangelisation würde ich sogar sagen, dass die richtige Frucht durch Jüngerschaft danach entsteht. Das heißt: Mache nicht nur Zuhörer, sondern mache Jünger. Nicht nur einmalige Zuhörer, die irgendwie ein Übergabegebet beten – was wir bei den Zuhörern nicht einmal beten.

Da habe ich bei manchen Evangelisationsmethoden schon meine Zweifel, wenn dann nachher eine Statistik kommt, dass man 2.000 Begehrte bei einer tollen Veranstaltung hatte. Ich würde mich total freuen, wenn es so wäre. Aber wie viele davon leben danach wirklich als Jünger Jesu? „Mache zu Jüngern und lehre sie alles, was er uns befohlen hat.“

Und da, glaube ich, müssen wir sagen: Spätestens da hört es total auf mit dem Internet. Da braucht es dann wirklich die gelebte Nachfolge.

Absolut, da stimmen wir vollkommen zu.

Die Realität von Konflikten und Streitkultur im Internet versus Gemeinde

Zwei Ergänzungen noch dazu. Matthias, wie würdest du auf Folgendes antworten? Wenn man in der Gemeinde unterwegs ist, habe ich es munkeln hören, wurde mir mal gesagt, habe ich irgendwo mal gelesen, kann es gelegentlich zu leichten Reibungen kommen. Eventuell, wenn ich jetzt nur im Internet bin, meine Klickzahlen habe oder meine Podcasts höre oder meine Instagram-Beiträge anschaue, TikTok, was auch immer – dann habe ich ja keinen Streit. Ist das nicht besser?

Ich würde behaupten: Erstens stimmt das überhaupt nicht, weil man im Internet die Leute noch viel krasser streiten sieht. Was da an Postings kommt, das wird sich ja kein Mensch ins Gesicht sagen. Was da Leute reinschreiben oder sich gegenseitig anfeinden – also hoffentlich würdest du das keinem ins Gesicht sagen.

Erst einmal glaube ich, die Streitkultur im Internet ist katastrophal und entspricht in keiner Weise dem, was wir uns wünschen. Ich erlebe Christen, bei denen ich denke: Hast du mal die Bibel gelesen zur Streitkultur? Das passt nicht. Bitte hör auf, geh am besten offline. Miteinander reden ist besser als übereinander reden. Das Internet eignet sich nicht, um miteinander zu reden.

Ich habe schon mal einem YouTuber, der mit einer Sache sehr unzufrieden war, die wir über Evangelium A20 gemacht hatten, ein Gespräch angeboten. Ich sagte: Lass uns doch mal telefonieren. Aber stattdessen hat er mir immer Videos geschickt, in denen er mit mir über das Video gesprochen hat. Bis heute habe ich nicht persönlich mit ihm gesprochen, sondern nur über diese komischen Videos kommuniziert. Ich dachte mir, das ist eine sehr schräge Form der Kommunikation, die wird nie sehr weit führen.

Anders ist es, wenn man sich wirklich miteinander anschauen und reden kann. Selbst wenn es nur das Telefon ist, hört man, wie der andere reagiert. Man merkt, wo ihn etwas stört und er widersprechen möchte oder wo er vielleicht auch dankbar zustimmt. All das fehlt ja in so einem Forum.

Also erstens: Streit gibt es auch im Internet. Zweitens: Diese Reibung, die wir in der Gemeinde haben, ist etwas, woran wir wachsen. Wir sollen nach Liebe und nach Einheit streben, und doch ist die Reibung, die wir miteinander haben, etwas, an dem wir reifen.

Von daher ist diese Form von Reibung in der Gemeinde normalerweise viel sinnvoller. Es ist auch viel leichter, einen Streit wieder aufzulösen, wenn man wirklich miteinander in der Gemeinde Kontakt hat. Gegebenenfalls kann ein Dritter, der das mitbekommt, dazukommen und helfen. So wie wir das auch in Philipper 4 lesen, wo Paulus zu Evodia und Sintyche sagt: „Treue Gefährten, kommt und helft den beiden, damit sie wieder zusammenfinden.“

All diese Dinge haben wir im Internet nicht. In der Gemeinde sammeln sich zwar Menschen, die als Heilige bezeichnet werden, aber es sind immer noch in der Tat Sünder. Von daher wird da auch nicht immer alles nur perfekt und heilig sein. Aber das ist das von Gott angeordnete Instrumentarium, damit Menschen im Glauben wachsen können, damit Gottes Wort sie verändern kann.

Deswegen glaube ich, ist das alternativlos.

Ratschläge für angehende christliche Influencer

Cool, nicht gut. Da hätte ich jetzt noch mehr andere Themen, aber auch ein bisschen mehr Blick auf die Zeit. Wir wissen ja nicht, wie lange die Aufmerksamkeitsspanne bei mir oder anderen ist. Für den Kommentar würde ich Ärger kriegen.

Jetzt noch mal eine Frage: Wir drehen die Uhr ganz, ganz, ganz zurück auf den Anfang. Stell dir mal vor, ganz fiktiv gesprochen, ich bin jetzt 35 Jahre alt. Ich habe die Idee: Mensch, ich habe ein Handy, einen Laptop, eine Kamera. Ich habe sogar irgendwann mal in der Bibel etwas gelesen und will jetzt hier meine Message an die Welt bringen. Ganz fiktives Beispiel.

Matthias, ich bin ein junger Influencer, was rätst du mir?

Also erst einmal: Du darfst gerne weitermachen mit dem Bibelfit, das finde ich gut, danke. Ich denke, es gibt ein paar Formate, die sich meines Erachtens gut als Ergänzung zu dem eignen, was wir in der Gemeinde bekommen. Deswegen schätze ich das, was du tust. Ich bin nicht ein Follower, der alles hört und sieht, was du machst, aber ich habe einige Sachen von dir gehört und fand sie hilfreich. Ähnlich geht es mir mit den Bibelbuch-Erklärvideos, die wir beim Bibelprojekt haben. Sie sind aus dem Englischen übersetzt, aber das kann durchaus sehr hilfreich sein, weil eine schnelle Einführung in ein Bibelbuch natürlich nicht das irrtumslose Wort Gottes ist. Es wird von Leuten gelesen und so betrachtet, aber das kann durchaus hilfreich sein.

Jetzt mal zu dieser fiktiven Person gesprochen: Da würde ich sagen, frag dich ganz ehrlich und auch andere: Bist du bereit? Eine Bühne kannst du dir mit deinem Handy sofort schaffen, aber bist du bereit für die Bühne? Das heißt, hast du wirklich die persönliche Reifung, die Weisheit, die Erkenntnis, damit es wirklich sinnvoll ist, dass du damit auf Sendung gehst? Ich würde behaupten, der Großteil der christlichen Influencer hat das nicht.

Paulus sagt Timotheus, dass man die Hände nicht zu schnell auf jemanden legen soll. Das heißt, man soll jemanden nicht zu schnell in einen Dienst einsetzen. Dabei geht es sicherlich primär um den Ältestendienst, also austauschbar Pastor, Bischof. Das ist ein Amt, also ein Leitungs- und Lehrdienst in der Gemeinde.

Und da würde ich eben sagen: Meinst du nicht, dass du das selbst beurteilen kannst, nur weil du irgendetwas gelesen hast und begeistert bist und meinst, dazu müsse man allen weitersagen? Erstens: Weißt du sicher, dass es richtig ist? Zweitens: Hast du es auch wirklich richtig verstanden? Drittens: Kannst du es wirklich auch richtig rüberbringen? Wenn du von etwas begeistert bist, dann verweise vielleicht andere Leute einfach darauf. Sei nicht so schnell dabei zu meinen, dass du selbst die Bühne brauchst.

Das ist das Erste.

Das Zweite ist ganz kurz: Wenn ich da einhaken darf – das resoniert. Jetzt stellt sich unmittelbar die Frage: Ich denke auch zurück an vor viereinhalb Jahren, als wir den Bibeldienst überlegt haben und so weiter. Das wäre eine lange Geschichte, aber die haben wir ja schon anderswo mal erzählt.

Woher weiß ich denn, Matthias, ob ich bereit bin? Ich kenne relativ viele christliche Influencer, einige besser, andere haben vielleicht noch ein bisschen Weg vor sich. Und ich würde mal sagen: Fast jeder von denen, mit denen ich in den letzten Jahren sprechen durfte, würde von sich sagen, ich spüre, dass ich das machen sollte. Ich spüre, ich sollte die Öffentlichkeit suchen, ganz häufig auch mit guten Absichten.

Jetzt sagst du: Korrigier mich gern – warte mal, gute Absichten, mach mal ein bisschen halblang. Gute Absichten allein reichen nicht. Du brauchst auch noch gewisse Kriterien, wie zum Beispiel geistliche Reife. Woran merke ich, dass ich die habe?

Ja, und das ist genau der Punkt: Du brauchst letztendlich eine Gemeinde. Du brauchst ein Setting. Wenn du in der realen Welt als Prediger oder Bibellehrer aktiv werden willst, solltest du in der Regel Theologie studiert haben. Dort sollten dann Leute sein, die sagen: Ja, ein Abschluss allein macht dich noch nicht zu einem Prediger, den die Welt hören sollte.

Das heißt, sind da auch andere, die dich daran bestätigen? Die dir eine Empfehlung schreiben, eine Referenz geben? Gibt es eine Gemeinde, die dich hört, anstellt und auch weiter beschäftigt, nachdem du ein paar Predigten gehalten hast? Das wäre schon mal ein hilfreicher Rahmen. Das heißt, hast du die Zurüstung empfangen, die in der Regel für nötig gehalten wird? Ich sage „in der Regel“, weil es Ausnahmen gibt. Damit bist du wirklich bereit, andere zu lehren. Und bist du von anderen so wahrgenommen worden, dass sie das auch bestätigen?

Berufung würden wir immer sagen, wobei ich den Begriff nicht so ideal finde. Berufung hat immer verschiedene Komponenten. Das heißt: Ja, ein persönliches Verlangen danach. Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, heißt es so schön, dann ist das Voraussetzung. Aber auch andere müssen ihn sehen und berufen. Es braucht eine Gelegenheit, die es geben muss, um wirklich berufen zu sein – von einer Gemeinde.

Und das ist eben das Problem: Das Handy, das du hast, oder dein PC sagt dir: Die Bühne habe ich, da muss mich keiner mehr berufen. Da würde ich sagen: Hm. Wenn du nicht Teil einer Gemeinde bist, dann ist in deinem ganzen Christsein schon etwas problematisch. Dann bitte finde erst mal eine Gemeinde, bring dich dort ein, hilf Geschwistern, dich kennenzulernen. Schau, ob sie bestätigen, dass du so einen Dienst tun solltest. Das wäre das Erste.

Lass dir von ihnen auch sagen, wo du vielleicht weitere Zurüstung brauchst. Lass dir Feedback geben für deine ersten Lehrinhalte. Die packst du am besten nicht gleich ins World Wide Web, sondern machst das lieber mal in der Gemeinde – im Jugend- oder Seniorenkreis. Wenn die Gemeinde dann sagt: Boah, wir halten dich für so begabt, dass du hier predigen kannst, dann können wir darüber reden, ob man vielleicht das eine oder andere auch mal teilt.

Das ist der erste Punkt.

Dann aber weiter darüber nachzudenken: Selbst wenn ich jetzt in einer Gemeinde predige – ich bin jetzt Pastor, sagen wir mal in einer Innenstadtgemeinde in einer deutschen Großstadt –, ja, und denke, das ist ja…

Genau, ganz kurz noch, wir machen gleich weiter, nur noch mal eins zurück: Korrigiere mich wieder, bezogen auf den ersten Punkt. Du sagst jetzt: Lieber Influencer, liebe Influencerin, wenn du selbst keine eigene Gemeinde hast, wo du eingebaut bist als lebendiger Baustein, wie es auch im Neuen Testament heißt, dann ist in deinem ganzen Christsein schon mal irgendwas schief. Dann bitte mach das Handy aus. Darf man dich so zitieren?

Genau, so darf man mich zitieren.

Das sind so viele gute Punkte von Matthias. Ich wünschte, ich hätte das ein paar Jahre vorher gehört. Es gibt auch heute den einen oder anderen Influencer, der diese Dinge hören muss, oder? Vor allem aber, dass du und ich als Konsumenten von sozialen Medien, von Medien überhaupt, eine Weisheit entwickeln und eine Feinfühligkeit. Dass wir lernen, die Geister zu unterscheiden. Das ist etwas, das wir als Christenheit in unserem Land brauchen. Das tut gut.

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Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist eine gute Sache.

Und weiter geht es mit Matthias.

Umgang mit Predigten und Selbstvermarktung in sozialen Medien

Ja, genau. Und wenn du dann im Inneren einer Gemeinde bist und vielleicht einen Dienst hast – also du bist jetzt berufender Pastor einer Gemeinde – dann ist immer noch abzuwägen: Kann es legitim sein, jetzt die Predigten online zu stellen?

Ja, vielleicht nur als Schaufenster, das kann man machen. Ich lege großen Wert darauf, dass wir in unserer Gemeinde zum Beispiel sagen: Unsere Gottesdienste werden nicht für den Livestream abgemischt, sondern für die Menschen vor Ort. Es geht mir nicht darum, im Livestream besonders gut rüberzukommen, sondern ich möchte für die Menschen, die da sind, da sein. Das andere ist ein Nebenprodukt für die, die krank sind, nicht kommen können, auf Reisen sind oder für die, die von außen mal reinschauen wollen.

Wir sagen denen auch immer wieder – und ich sage das auch im Livestream: Wenn es euch möglich ist, kommt gerne hier in unsere Gottesdienste oder findet eine Gemeinde bei euch vor Ort, wo ihr wirklich am Gemeindeleben teilnehmen könnt. Das wäre immer meine erste Ermutigung.

Wenn ich also die Predigten im Internet stehen habe, stellt sich die nächste Frage: Meint man, dass ich die jetzt promoten muss, wie es nur irgendwie geht? Das ist dann der Punkt, wo ich sage: Wenn ich einen besseren Prediger hier in München Mitte hätte als mich, jeden Sonntag, würde ich den jeden Sonntag hinstellen. Ich predige auch nicht jede Woche, weil ich weiß, dass hier auch andere gute Prediger sind, und das tut der Gemeinde gut, die auch zu hören. Aber im Moment ist es hier für die Gemeinde noch segensreich, dass ich predige.

Es gibt Menschen in anderen Städten, wo ich sage: Boah, das sind so tolle Gemeinden und vielleicht viel bessere Prediger. Da würde ich sagen: Hört euch die an, das ist viel besser. Und wenn ich jetzt jemanden habe, der einfach im World Wide Web sitzt – also der nicht in Hamburg oder in München oder in Köln sitzt, sondern irgendwo –, dann muss ich doch sehr ernsthaft fragen: Warum sollte ich dem jetzt unbedingt sagen: „Ach, und übrigens, sieh dir doch noch meine Predigt von letztem Sonntag an“?

Also das Erste ist: Sieh dir am besten einen Gottesdienst vor Ort an, wo du hingehen kannst. Und zweitens finde ich es richtig cool, wenn so ein Prediger, der ständig seine Predigten auf YouTube postet oder auf Facebook und Instagram und was auch immer nutzt, um sich selbst zu promoten, mal sagt: „Du, ich kenne tatsächlich in der Welt vielleicht noch ein oder zwei Prediger, die noch ein bisschen hörenswerter sind als ich selber, und ich promote jetzt deren Videos.“

Das hat zwei positive Nebeneffekte. Der eine ist: Bevor du die nennst – ich fühle mich deswegen da getroffen, ich habe dir das ja auch schon mal offline im echten Leben erzählt –, als wir damals angefangen hatten, ich glaube das war im März, April 2020, als die ersten öffentlichen Videos kamen, hat es überhaupt nicht funktioniert. Technisch nicht, und so weiter, hat überhaupt nichts funktioniert und die wurden auch praktisch niemandem ausgespielt.

Ich war damals so verzweifelt, dass ich eine Zeit lang wirklich in einzelnen Facebook-Gruppen, wo ich dachte, dass es passen könnte, Videos reingestellt habe nach dem Motto: „Hey, schaut mal hier“ und so weiter und so fort. Und jetzt sagst du so etwas wie: „Mensch Markus, da hättest du aber auch andere Sachen reintun können von Leuten, die vielleicht schon ein bisschen etablierter und erfahrener sind.“

Uh, ja, Matthias, hätte ich das vielleicht lieber nicht tun sollen? Vielleicht. Okay, gut, zu deinen zwei Punkten: Ja. Aber genau, ich glaube, wenn du das tust, hat das zwei positive Effekte: Zum einen hören die Leute dann womöglich, wenn sie schauen, was du promotest, vielleicht eine bessere Predigt als deine. Das kann doch eigentlich nur in deinem eigenen Interesse sein, wenn du möchtest, dass es ihnen geistig gut geht. Ehrlicherweise ja.

Und zweitens: Es hilft gegen Stolz. Es hilft gegen Stolz. Soziale Medien fördern Stolz. Sie können so giftig sein für unsere Herzen. Ich kenne so viele Leute, die so darauf achten, welche Klickzahlen man hat. Wir betreiben ja auch einen Pastoren-Podcast, und ich sage ganz bewusst: Ich habe kein Interesse daran zu wissen, wie viele Leute den hören. Ich weiß es auch nicht, ich habe noch nie eine Zahl gehört, interessiert mich auch nicht.

Stimmt, ich habe irgendwann mal eine Zahl gehört, aber mich interessiert es nicht. Ich will nicht wissen, ob die Predigten, die ich gehalten habe, bei YouTube angeklickt werden. Ich weiß, dass das mit meinem Herzen Dinge tun würde, die gar nicht gut sind, weil ich dann auf einmal sage: „Boah, da hat aber jemand anders mehr Klicks. Was können wir jetzt tun? Warum mögen die mich nicht? Die machen wahrscheinlich nur irgendwas anderes drumherum besser, aber mein Inhalt so.“ Und mein stolzes Herz bläht sich auf, und das ist eine echte Gefahr.

Ich erlebe das bei so manchem YouTuber, wo ich denke: Junge, das tut deinem Herz nicht gut. Und vergiss nicht Jakobus 3,1, dass die, die lehren, besonders streng gerichtet werden. Vergiss nicht Hebräer 13, dass wir Rechenschaft ablegen müssen für die, die wir lehren. Die will ich dann aber auch kennen, denn sonst habe ich gar keine Chance.

Also, du musst Acht haben auf dein Herz. Und du solltest eben auch – und das ist der nächste Schritt – Acht haben auf die Herde, also auf deine Zuhörer. Und das kannst du im Internet kaum. Ich verstehe Epheser 4,11, dass es da vier Ämter gibt – nicht wie manchmal behauptet wird fünf –, dass die Hirten und Lehrer ein Amt sind.

Ich glaube, ich kann das auch relativ schnell exegetisch aufzeigen, werde ich jetzt aber nicht tun. Aber ich glaube, allein wenn wir 1. Petrus 5 und Apostelgeschichte 20 anschauen, sehen wir, dass Hirten und Lehren immer zusammengehören. Was wir im Internet bei sozialen Medien tun, ist, dass wir das trennen. Wir sind nur noch Lehrer und nicht mehr Hirten der Menschen. Wir haben nicht mehr Acht auf die Herde, die wir lehren. Wir haben irgendeine virtuelle, unsichtbare Herde. Das ist dann tatsächlich echt problematisch.

Und wie gesagt, dann wirst du auch für deine eigene Lehre nicht mehr in gleicher Weise zur Rechenschaft gezogen. Und irgendwann, wie gesagt, wenn du Stolz in deinen Herzenraum einnimmst, dann schaust du, was bringt Klickzahlen, du sprichst bestimmte Themen ständig an und andere gar nicht mehr, und du merkst: Die Klickzahlen sind höher, wenn es reißerischer klingt. Also wirst du reißerischer.

Und du fragst nicht mehr: „Herr, was willst du, dass ich tue?“, sondern: „Klickzahlen, was muss ich tun, damit ihr hochgeht?“ So, es ist überspitzt, das ist wahrscheinlich nicht fair gegenüber allen, aber ich glaube, wenn wir unsere Herzen ein bisschen kennen – ich kenne meins, vielleicht bin ich der Einzige, der damit ein Problem haben könnte –, nee, es stimmt. Also ich ja, ganz selbstkritisch, ich fühle mich angesprochen.

Nur ganz kurz: Wir überlegen uns meistens nicht immer, aber meistens lange und auch mit viel Vorlauf, weil manche Videos teilweise bis zu zehn Monate brauchen, bis sie wirklich fertig sind – jetzt in Extremfällen oder so –, welche Themen wir ansprechen, für welche Zielgruppe, mit welcher Fragestellung, was ist der geistliche Mehrwert, wie kann sie das näher zu Gott hinbringen? Zumindest das Ziel. Das heißt nicht, dass es immer funktioniert, das ist so die eine Seite der Medaille.

Aber dann überlegen wir danach schon: Okay, wenn das Ding dann so halbwegs in der Endphase oder im Kasten ist, dann gibt es natürlich auch Leute, die sich da ein bisschen besser mit auskennen: Wie kann man das jetzt machen? Stichwort Vorschaubild, Stichwort Titel, Stichwort technische Sachen usw. Wenn da was ist, wo man dann natürlich im Idealfall auch im Gebet und im Feedback von anderen – das ist klar –, aber wo man dann der Überzeugung ist: Okay, das hat einen Mehrwert, wie man dann sagen kann: „Okay, jetzt soll das auch Leute erreichen.“

Denn wenn ich es produziere, ohne dass es Leute erreicht, ist das irgendwie so ein bisschen witzlos, sozusagen. Von daher ist es dieser Spagat. Aber andererseits sagst du völlig zu Recht: Warte mal, was macht das mit deinem Herzen? Machst du es wirklich vor Gott? Kannst du wirklich Rechenschaft ablegen für das, was das mit den Leuten macht? Was ist dann mit der Herde? Ist es wirklich diese Trennung von Lehrer- und Pastorendienst und so weiter?

Weil einfach irgendetwas ins Internet zu stellen, das entwickelt dann ein Eigenleben – im besten oder auch im schlechtesten Fall. Das ist die eine Sache. Aber hier geht es ja wirklich um Seelen von Menschen. Wir haben ja beide schon – wollen jetzt natürlich keine Namen nennen – aber beide schon sehr, sehr deutlich erlebt, dass es auch Inhalte gibt, die Seelen zersetzen können und sie von Gott wegbringen. Und die laufen genauso – spielt der Algorithmus genauso 24/7 aus – wie Sachen, die Menschen vielleicht hinbringen.

Also, lange Rede, kurzer Sinn: Matthias, ich habe da jetzt keine rasche Antwort drauf, außer zu sagen: Man schmeißt alles Digitale hin und wird Pastor, was auch eine Option ist. Das muss man ganz ehrlich auch betonen. Aber ich verstehe die Problemanzeige sehr, und ja, ich fühle mich da auch getroffen.

Das möchte ich auch noch mal deutlich sagen: Ich habe ja am Eingang gesagt, es gibt durchaus Segen, den wir damit erleben mit den sozialen Medien. Und ich habe mich jetzt konzentriert auf die Gefahren, auf die Risiken, auf die Gründe, warum es nicht unproblematisch ist, weil ich glaube, dass wir das gerade nicht so im Blick haben. Ich höre, wenn ich mit Leuten rede, eigentlich immer nur die positive Seite.

Nochmal: Ich bin dankbar für Leute, die gute Sachen ins Netz stellen, zugänglich machen. Vor allem, wenn man dann schaut, wo wirklich mal was gesagt werden muss, was vielleicht auch noch nicht gesagt worden ist. Die Frage sollte nicht sein: Was ist von mir noch nicht gesagt worden, dann sage ich es noch. Sondern: Wo sehe ich, dass wirklich eine Lücke ist? Wo kann ich noch positiv etwas hinzufügen?

Aber dann auch zu sagen: Ich höre auch mit etwas auf, wenn ich merke, andere machen das eigentlich besser als ich. Da muss ich nicht versuchen, jetzt in den Wettbewerb einzusteigen und sagen: „Hey, das ist doch wunderbar, dann sollen sie das machen.“ Wenn es keinen wirklichen Bedarf gibt, dann ihn nicht künstlich irgendwie erzeugen.

Und wie gesagt, letztendlich dann fragen: Womit diene ich Gott und den Menschen? Wie kann ich treu gegenüber Gott sein? Und bin ich auch von meinem Herzen her wirklich in der Lage, diesen Dienst zu tun? Jeder Pastor, jeder Älteste sollte sich prüfen lassen an 1. Timotheus 3, Titus 1 – Qualifikation für dieses Amt.

Ich habe noch keinen YouTuber erlebt, der an diesen Kriterien irgendwo gemessen wurde. Und das sind eben die Gefahren. Hingegen erlebe ich YouTuber, die noch Miteinander-Verabredungen treffen, wie sie gegenseitig die Klickzahlen hochbringen. Und da hat man dann mit virtuellen Freunden auf einmal Partnerschaften, wo du nachher denkst: Warte mal, der sagt in kürzester Zeit das Gegenteil von dem, was er gestern gesagt hat, weil er völlig unreif ist und wie ein Fähnchen im Wind kommt.

Vielleicht super rüber, hat hohe Klickzahlen, viele Follower, aber gar keine so klare Meinung. Der kommt zwar sehr eloquent rüber, ändert aber ständig seine Position. Oder er lebt ein absolutes Lotterleben, wo du sagen musst: Boah, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, mach dich nicht abhängig davon. Schau, mit wem du wirklich zusammenarbeiten willst.

Also das wären so einfach – wie gesagt – nochmal ein paar Warnungen. Aber ja, bei aller Kritik und bei aller Warnung: Es gibt Platz dafür, und Gott hat, würde ich behaupten, auch Möglichkeiten gegeben, die wir heute nutzen dürfen und die er auch gebrauchen kann und auch gebraucht.

Aber nicht naiv sein, sondern mit einer gewissen Vernunft vor sich drangehen und eben erkennen, was wirklich Gott gewollt ist. Deswegen noch mal mein Plädoyer: Vernachlässige nicht die Versammlung der Gläubigen, das Miteinanderlernen. Das ist, glaube ich, wirklich der Ort, wo geistlich am meisten passiert. Das ist von Gott so vorgesehen in seinem Wort.

Und wenn ich als YouTuber den Eindruck hätte, dass mehr Leute jetzt anfangen, die Predigten der FEG München Mitte zu sehen und nicht mehr in Gottesdienste gehen, dann wäre es mir wirklich ein Anliegen zu sagen: Hör auf damit, geh in Gottesdienst! Das ist ein Extra, aber auf gar keinen Fall ein Ersatz für die Predigt am Sonntag.

Und wenn du sagst: „Ja, bei mir vor Ort gibt es aber keine Predigt“, dann sage ich: Du, Gemeinde ist so wichtig, da musst du darüber nachdenken, ob du vielleicht umziehen musst. Das ist eben auch dein Ziehen, Leute irgendwo hin, und sagen: „Ja, ich habe jetzt gar keine gute Gemeinde mehr, muss ich halt jetzt online machen.“ Da würde ich sagen: Ja, warum bist du da hingezogen? Weil der Job da war? Ja gut, viel Geld, das ist aber nicht das Entscheidende.

Viel wichtiger ist deine Ewigkeit. Was tust du für dein geistiges Wohlergehen? Was tust du dafür, dass deine Kinder in einer Gemeinde aufwachsen können, wo sie vom Wort Gottes her genährt werden? Also dann zu sagen: „Jetzt muss ich ins Internet gehen, weil ich nichts mehr vor Ort habe“, dann hast du vielleicht vorher schon Denkfehler gemacht.

Du hast es bis hierhin schon gehört: Wir sollen nicht passiv sein, sondern uns bewusst überlegen, was wir an unsere Seele heranlassen. Da geht es um Entscheidungen. Lerne, weiser, klüger und sinnvoller zu entscheiden. Das ist etwas, das man lernen muss und lernen kann.

Dafür kannst du dir hier gern den Bibelfitleitfaden für bessere Lebensentscheidungen mitnehmen. Der ist komplett gratis, und ich hoffe, er hilft dir so, wie er denen vor dir geholfen hat. Klick einfach auf den ersten Link unter dem Video, und du wirst in derselben Minute freigeschaltet.

Und weiter mit Matthias.

Ermutigung zur Suche nach lebendiger Gemeinde und Abschluss

Ich weiß, das sagt sich leicht. Für manche Menschen ist das eine große Not. Das ist auch mein Herzensanliegen: Wir müssen Gemeinden gründen und helfen, dass Gemeinden wieder revitalisiert werden, wirklich bibeltreu werden. All das sind wichtige Aufgaben, die wir haben.

Aber wie gesagt, ich möchte jeden ermutigen: Such dir eine Gemeinde, in der du leben kannst. Das andere kannst du zum Beispiel zwischen 20 und 22 Uhr machen. Danach solltest du abschalten und schlafen gehen, denn das ist auch wichtig.

Matthias, das ist ein tolles Schlusswort. Ja, wir haben das nicht abgesprochen oder so, es ist einfach eine spontane Eingebung. Du darfst auch ganz frei Nein sagen. Könntest du dir vorstellen, jetzt am Schluss mit uns noch einmal kurz zu beten für die, ich sage jetzt mal, christlichen Influencer in Deutschland?

Das tue ich sehr gerne.

Himmlischer Vater, ich möchte dir danken, dass du Menschen wie Markus und viele andere begabt hast, dein Wort und deine Wahrheit über die sozialen Medien in die Welt hinauszutragen. Ich bitte dich, dass du diesen Geschwistern viel Weisheit gibst, mit dem Medium, das sie an der Hand haben, weise umzugehen.

Ich bitte dich, dass du ihre Herzen behütest. Hilf ihnen, immer klar vor Augen zu haben, dass sie eines Tages Rechenschaft vor dir ablegen müssen. Ich bitte dich auch, dass du ihnen hilfst, bei allem, was sie tun, den Menschen, zu denen sie über diese Wege sprechen, zu helfen zu erkennen, dass sie mehr brauchen als nur das Internet, um dir nachzufolgen.

So bitte ich dich, dass du es wirklich führst, damit es zu einer guten Ergänzung wird: das, was in lokalen Gemeinden geschieht, so wie du es angeordnet hast, in Verbindung mit dem, was darüber hinaus in den sozialen Medien geschehen kann.

Herr, schenke Weisheit und deinen Segen. Wir brauchen in diesem Land so dringend dein Wort und deine Wahrheit. Darum bitten wir dich, alle Wege zu gebrauchen, damit sie letztendlich dich ehren und den Menschen dienen.

Darum bitten wir in Jesu Namen, Amen.

Amen.