Generierte Mitschrift
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Ein unerwarteter Abschied und die Frage nach Orientierung
Also, guten Morgen auch von meiner Seite. Schön, dass ihr da seid.
Das war ungefähr um das Jahr 900 vor Christus, als zwei Männer am Jordanufer entlanggingen, tief in ein Gespräch vertieft. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihnen vielleicht ähnlich warm war wie euch heute hier.
Auf einmal passiert aber etwas Ungewöhnliches: Ein Pferdegespann rast mitten durch die beiden hindurch. Und das ist kein normales Pferdegespann, sondern es besteht aus feurigen Pferden und feurigen Wagen. Und auch wenn wir das schwer glauben können, wird einer von beiden auf einmal in den Himmel, in die Ewigkeit, mitgenommen.
Wer sich in der Bibel ein bisschen auskennt und in der Kinderstunde gut aufgepasst hat, weiß, dass es um Elija und Elisa geht. Nein, nicht die Predigt, aber der Anfang.
Und in dem Moment, in dem das passiert, ruft Elisa etwas aus, das ihr vielleicht kennt: Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und so weiter und seine Reiter! Warum ruft Elisa das so laut aus, mein Vater, mein Vater? Aus Sorge vielleicht, ein Stück weit geplagt. Und wenn ihr die Verse vorher lest, dann seht ihr, dass er das schon geahnt hat und darüber nicht so begeistert war, was auf ihn zukommt, weil er nämlich eine Zusicherung haben will, die er bekommt.
Was ist Elisas Sorge? Er verliert seinen geistlichen Vater und seinen Mentor. Den Mann, der ihn in die Wahrheit über das Leben und über das Leben hinaus gelehrt hat. Elia ist auf einmal weg, und Elisa steht alleine da.
Warum bringe ich das zur Einführung, obwohl ich nicht über die beiden reden werde? Weil ich Elisa so gut verstehen kann. Weil ich glaube, dass es Unsicherheit schaffen kann, wenn Menschen weggenommen werden, die uns geprägt haben. Idealerweise sind deine Eltern solche Leute, die dir irgendwo Halt geben und Orientierung geben. Und für viele ist es nicht einfach, wenn sie weggenommen werden, wenn man auf einmal alleine dasteht. Manchmal haben Eltern vielleicht auch diese Aufgabe nicht ausgefüllt, und man merkt schon in frühen Jahren, was für eine Lücke da ist.
Menschen prägen unser Verständnis von Wahrheit
Ich bin jemand, der sich gern der Illusion hingibt, Wahrheit durch Fakten zu finden, indem ich möglichst viel ganz genau anschaue und dann herausfinde, was Wahrheit ist. Aber die Realität in meinem Leben, und ich behaupte auch in deinem Leben, ist, dass wir Wahrheit durch andere Menschen übermittelt bekommen. In aller Regel sind das Eltern, Lehrer, Freunde, Kollegen, Prediger und andere.
Und heute sieht das nicht anders aus. Wir haben wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit Zugriff auf eine schier unendliche Menge an Fakten. Über das Internet. Du kannst fast alles recherchieren. Du kannst auf Studien zugreifen, wo du vor dreißig Jahren keine Möglichkeit gehabt hättest: medizinische Studien, irgendwelche anderen Forschungsergebnisse. Du kannst dir Abstracts runterladen und dir hundert Seiten Mathematik durchlesen, was die neueste Forschungserkenntnis ist, ohne Problem. Du musst nicht mal mehr in eine Bibliothek fahren. Du hast diese Möglichkeit.
Aber weißt du, durch was wir uns eigentlich prägen lassen, wenn wir im Internet unterwegs sind? Vielleicht eher die jüngere Generation von den Influencern auf Instagram, vielleicht die ältere Generation über deinen Lieblingsprediger bei YouTube. Die Realität ist ganz weit weg davon, dass wir selbst uns die Arbeit machen und Dinge recherchieren. Es sind Menschen, die uns prägen, die uns formen und die uns irgendwo ein Verständnis von Wahrheit mitgeben.
Das sage ich jetzt nicht mal kritisch. Sondern ich glaube, es ist erst mal ganz normal und gut, weil Gott dieses Prinzip von Anfang an in uns hineingelegt und verankert hat. Wir lernen direkt von unseren Eltern, wenn wir geboren werden. Das Problem ist, wenn die Leute, von denen wir lernen, eine schlechte Prägung reinbringen, wenn sie eben falsche Wahrheiten ins Leben lenken. Dann entstehen Probleme. Aber erst mal ist das völlig normal und in Ordnung.
Und dieses Prinzip zieht sich durch die ganze Bibel, dass Menschen von anderen Menschen gelernt haben. Einer, von dem viele gelernt haben, der Einfluss hatte auf das Leben von anderen, der etwas zu sagen hatte, der Expertise hatte, war Johannes der Täufer. Nein, nicht über den nächsten Stylingtrend und auch nicht darüber, wie du deinen Burger am besten am Grill grillst. Johannes hat sich eher mit Fragen beschäftigt wie: Wie kann ich so leben, dass ich einmal die Ewigkeit im Himmel verbringe?
Ja, damals hast du damit noch Leute hinter dem Ofen hervorgeholt, die nämlich sogar ein paar Tagesreisen auf sich genommen haben, um zu ihm zu kommen, weil er nicht nur ein paar Klicks weit entfernt war. Und ich glaube, dass das auch heute noch Realität ist. Vielleicht nicht, wenn es dir gut geht. Aber wenn Krankheit da ist, wenn es aufs Lebensende zugeht und so weiter, dann wird die Frage, wie meine Ewigkeit aussieht, wie ich Ewigkeit in der Gegenwart Gottes verbringen kann, relevant.
Damit hat sich Johannes beschäftigt. Wir haben ihn schon kennengelernt vor ein paar Kapiteln und vor ein paar Predigten. Das war im Mai, als er das erste Mal Jesus begegnet. Jetzt kommt er wieder ins Spiel, wenn wir ins Johannesevangelium hineingehen, und er ist mit einer Situation konfrontiert, die wir vielleicht auch kennen. Die nicht einfach ist, nämlich mit der Situation, dass auf einmal jemand herkommt und dir deine Schäfchen raubt.
Wenn Einfluss verloren geht
Du bist jemand, der Einfluss hat, und auf einmal kommt jemand anderes, der anfängt, auf die Leute, die dir eigentlich hinterhergehen, Einfluss auszuüben. Keine einfache Situation. Das kann Neid und Eifersucht auslösen, weil man Einfluss verliert und sich vielleicht unwichtiger fühlt. Es kann aber auch von echter Sorge geprägt sein, weil deine Schäfchen unter falschen Einfluss kommen.
Eltern, die den Einfluss auf ihr Kind verlieren, können mit dem Problem konfrontiert sein, dass sie Neid und Eifersucht empfinden, weil sie auf einmal nicht mehr die prägenden Personen sind. Aber Eltern können auch von echter Sorge geplagt sein, wenn sie Einfluss auf ihr Kind verlieren, weil das Kind unter einen schlechten Einfluss kommt.
Deswegen ist die Frage, wenn Leute auf einmal anderen anfangen hinterherzulaufen, nicht so locker von der Hand zu weisen. Wir können gut verstehen, wenn jemand sich schwer tut, wenn die Leute, die er geprägt hat und in die er investiert hat, auf einmal anderen hinterhergehen. Umso verwunderlicher ist es, wie Johannes reagiert, als ihm jemand anders seine Schäfchen abspenstig macht. Das schauen wir uns an.
Johannes 3,22-36
Danach ging Jesus mit seinen Jüngern in das Gebiet von Judäa. Er blieb einige Zeit mit ihnen dort und taufte. Auch Johannes, der damals noch nicht im Gefängnis war, taufte noch, und zwar in Enon, einem Ort in der Nähe von Salem, wo es reichlich Wasser gab. Die Menschen kamen auch dort zu ihm und ließen sich taufen.
Eines Tages kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem jüdischen Mann zu einer Auseinandersetzung über die Reinigungsvorschriften. Sie wandten sich deswegen an Johannes. „Rabbi“, sagten sie, „jener Mann, der auf der anderen Seite des Jordans bei dir war und auf den du die Menschen hingewiesen hast, der tauft jetzt auch, und alle gehen zu ihm.“
Johannes erwiderte: Ein Mensch kann sich nicht das Geringste selber nehmen; es muss ihm vom Himmel her gegeben werden. Ihr selbst könnt bezeugen, dass ich sagte: Ich bin nicht der Messias, ich bin nur als sein Wegbereiter vor ihm hergesandt. Er ist der Bräutigam, ihm gehört die Braut. Der Freund des Bräutigams steht dabei und hört ihm zu und freut sich, seine Stimme zu hören. Das ist auch meine Freude, und jetzt ist sie vollkommen.
Er muss immer größer werden, und ich immer kleiner. Der, der von oben kommt, steht über allen. Wer von der Erde ist, gehört zur Erde und redet aus irdischer Sicht. Der, der vom Himmel kommt, steht über allen. Er verkündet das, was er gesehen und gehört hat, aber keiner nimmt seine Botschaft an. Doch wer seine Botschaft angenommen hat, hat damit bestätigt, dass das, was Gott sagt, wahr ist. Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet Gottes eigene Worte; Gott gibt ihm den Geist in unbegrenzter Fülle. Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gelegt.
Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen; der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Johannes reagiert anders als erwartet
Die Jünger von Johannes sind vergesslich und sehen, wie die Influencerzahlen von ihm sinken, wenn man das mal in normalen Begriffen verwendet. Und für die, die mit Influencer nichts anfangen können: Das sind einfach Leute, die andere prägen, die Einfluss haben. Sie sehen, dass die Leute, auf die Johannes Einfluss hat, weniger werden. Da läuft ihm jemand den Rang ab.
Und sie kommen zu Johannes. So, wie das hier geschildert wird, scheint es in die Richtung zu gehen: Hey, schau mal, was da drüben passiert. Der war eigentlich bei uns, und auf einmal fängt er an, dir die Leute abzuziehen. Wahrscheinlich würden die Jünger von Johannes erwarten, dass Johannes jetzt sagt: Lass uns mal mit dem reden, so geht es ja nicht. Da sollte man mal zusammenarbeiten oder wie auch immer. Aktionsplan, Einfluss wahren, gucken, was brauchen wir für neue Marketingmethoden oder sowas, um noch wichtig zu bleiben, wie auch immer. Das wäre vielleicht die Erwartungshaltung gewesen.
Aber Johannes reagiert anders. Ich reiße das am Anfang jetzt nur kurz an, weil wir auf die Reaktion von ihm später zurückkommen. Johannes knüpft an das erste Kapitel an, wo er schon mal mit seinen Jüngern und den Leuten geredet hat, in Johannes 1,19, wo er darauf hinweist und sagt: Ich bin nicht der Messias, ich bin nicht der, auf den ganz Israel wartet. Und deswegen ist es okay, wenn man mir nicht dauerhaft nachläuft.
Und es knüpft an das Zweite an, was er dort auch ausführlich ausgeführt hat: Ich bin der Vorbereiter für den, um den es geht. Ich bin der Wegbereiter. Und er bringt ein neues Bild hinein, das wir mit einer Trauzeugin vergleichen können. Ich sage bewusst in, weil die Männer bei uns das heutzutage, glaube ich, nicht mehr so leben. Bei den Damen ist es häufiger so, dass die Mädels, die Trauzeuginnen sind, bei der Hochzeitsvorbereitung unterstützen und das alles herrichten. Die Männer sind da ganz dankbar, wenn sie aus der Nummer raus sind, in unserer Zeit. Damals war das noch ein bisschen anders. Da war nämlich der Freund des Bräutigams damit verantwortlich, die Hochzeit herzurichten. Das war eher Männersache.
Johannes vergleicht sich mit so jemandem, der die Hochzeit vorbereitet. Derjenige, der die Hochzeit vorbereitet, um den geht es an dem Tag nicht. Es geht um Braut und Bräutigam. In dem Moment. Und das ist es, was Johannes klar macht: Er steht nicht im Mittelpunkt. Es geht um den Bräutigam, es geht um dieses Lamm Gottes, das er in Johannes 1 angerissen hat. Und deswegen freut er sich, wenn die Braut quasi zum Bräutigam kommt. Er will sie nicht abspenstig machen.
Also: Johannes ist nicht der Trauzeuge, der bei der Hochzeit da sitzt und denkt: Boah, hättest du doch mich genommen. Sondern er freut sich, dass die Braut zu Jesus geht.
Vertrauen statt Konkurrenz
Jetzt ist Johannes nicht naiv. Naiv in dem Sinn, dass er einfach lockerlässig seine Schäfchen irgendjemandem nachlaufen lassen würde. Er positioniert sich gegen falsche Lehre. Ihr könnt zum Beispiel Matthäus 3 nachlesen oder an die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer denken. Johannes weiß durchaus, dass es Leute gibt, die einen falschen Einfluss auf seine Schäfchen ausüben könnten.
Aber er vertraut Jesus. Und ja, natürlich sagst du: Klar vertraut er Jesus, sehr Jesus. Aber warum tut er das? Er führt das nachher deutlicher aus.
Wenn du Leute auf dich Einfluss ausüben lässt, dann triffst du jedes Mal die Entscheidung, ob du ihnen vertraust, bewusst oder unbewusst. Manchmal ist das ein längerer Prozess, ob ich jemandem vertraue, manchmal auch eine unbewusste Entscheidung.
Wenn du dir zu deinem Geburtstag das sechzig Euro teure, argentinische, handgezüchtete, gestreichelte Steak holst, dann entscheidest du dich, wenn du es zubereitest, wem du rezeptmäßig vertraust. Vielleicht deiner Mama, die Ahnung davon hat. Vielleicht deinem Metzger. Vielleicht irgendjemandem, der im Internet ein zwanzig Minuten langes Video reingestellt hat, wie du es zubereiten musst. Aber du vertraust ihm, dass das etwas wird, wenn du dich daran hältst. Und du weißt erst, wenn es fertig ist, ob es etwas geworden ist oder nicht. Bei sechzig Euro kann das eine schmerzhafte Angelegenheit werden.
Wenn wir das schon bei so kleinen Dingen tun, und ich weiß, dass es Leute gibt, die viel Zeit darauf verwenden können, sich zu entscheiden, was da die richtige Zubereitungsmethode ist, wie viel mehr sollten wir uns überlegen, wem wir Vertrauen schenken, wenn es um die Frage geht, wo wir unsere Ewigkeit zubringen. Wie viel mehr sollten wir da sehr genau darauf achten, ob es wirklich jemand ist, der qualifiziert ist, darüber eine Aussage zu treffen.
Ganz ehrlich: Wer mir bisher nur die Doktor-Oetker-Fertigpizza serviert hat, dem werde ich eher nicht vertrauen, wenn es darum geht, wie ich den besten Pizzateig hinbekomme. Da gehe ich zum Frank. Wenn ich die Frage nach der Ewigkeit habe, dann will ich wissen, ob derjenige, der hier eine Aussage trifft, wirklich Ahnung davon hat.
Und das ist der Punkt, den Johannes jetzt machen wird. Das letzte Mal hat er den Fokus auf die Opfer- und Messiasrolle von Jesus gelegt, also darauf, warum die Leute ihm nachfolgen sollen. Jetzt legt er den Fokus auf die Qualifikation von Jesus, also darauf, warum Menschen ihm ihr Vertrauen schenken sollen, weil Jesus ganz anders ist als alles, was bisher da war.
Der, der von oben kommt
Johannes 3,31 ist die Antwort, wenn es um Johannes geht. Ich denke, dass hier Johannes gemeint ist. Die Wahrscheinlichkeit ist auch nicht so gering, dass es der andere Johannes ist, nämlich der Evangelist. Denn im Johannesevangelium ist oft nicht ganz klar, wo die wörtliche Rede aufhört und wo der Evangelist Johannes mit seinem Kommentar einsetzt. Ich mache es mir einfach: Es ist Johannes, wenn er das äußert. Welcher Johannes genau gemeint ist, lasse ich offen.
Ich glaube, hier kommt eine wichtige Information über Jesus zum Ausdruck, nämlich warum wir ihm vertrauen können und warum Johannes kein Problem damit hat, dass seine Schäfchen ihm nachlaufen. Der, der von oben kommt, steht über allen. Wer von der Erde ist, gehört zur Erde und redet aus irdischer Sicht. Der, der vom Himmel kommt, steht über allen. Er verkündet das, was er gesehen und gehört hat, aber keiner nimmt seine Botschaft an. Doch wer seine Botschaft angenommen hat, hat damit bestätigt, dass das, was Gott sagt, wahr ist. Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet Gottes eigene Worte. Gott gibt ihm den Geist in unbegrenzter Fülle. Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gelegt.
Kurze Vorbemerkung: Wahrheit über die Ewigkeit und über das Leben nach dem Tod muss offenbart werden. Wir haben keine Chance, selbst hineinzusehen, weil uns diese Welt verborgen ist. Es ist, als würden wir vor einem dicken Vorhang stehen und nicht sehen können, was dahinter ist. Nur wenn uns jemand erzählt, was dahinter ist, können wir eine Ahnung davon bekommen, wie es dort aussieht. Das ist, was die Bibel meint, wenn sie von Offenbarung spricht. Und übrigens hindert uns dieser Vorhang, der Gott ist, erst einmal auch als Menschen. Deswegen muss uns Gott offenbart werden. Deswegen muss uns die Ewigkeit offenbar werden, weil sie uns hier zunächst verborgen ist.
Und jetzt haben wir das ganze Alte Testament, eine lange, lange Geschichte, in der Gott anderen Menschen Dinge offenbart hat, die hinter dem Vorhang liegen: wie er ist, wie wir in diese Ewigkeit kommen können und wie es dort aussieht. Aber eben nur Häppchen für Häppchen. Es waren ganz kleine Fensterchen in dem Vorhang, durch die jemand vielleicht einmal hineinspitzen konnte.
Die Liste der Zeugen Gottes, kluger Lehrer, Leute, die Einfluss in ihrem Volk hatten und die wirklich gute Hirten waren, ist faszinierend und lang: Noah, Abraham, Joseph, Mose, Josua, Samuel, David, Hiskia, Jesaja, Josia, Jeremia, Esther, Nehemia und viele mehr. Menschen, denen Gottes Wahrheit offenbart wurde und die sie weitergegeben haben. Bei denen Wissen zu finden war und die andere geprägt haben. Und am Ende dieser Kette steht Johannes der Täufer. Auch er hat Einblicke gehabt in das, was kommt, in den Weg in die Ewigkeit, in den Weg in diese Welt, die wir von hier aus nicht sehen können. Aber keiner von ihnen war hinter dem Vorhang. Keiner von ihnen ist hinter den Vorhang gegangen und zurückgekommen. Jeder von ihnen konnte diese Offenbarungen nur weitergeben, weil es ihm selbst jemand erzählt hat, durch Träume, Visionen, Erscheinungen oder andere Dinge, weil Gott ihnen irgendwo begegnet ist und ihnen ein Stück weit etwas sichtbar gemacht hat von dem, was da ist.
So ist diese ganze Liste durch die Bibel, mit diesen großen Männern Gottes.
Jesus als der Einzige, der wirklich weiss
Und jetzt macht Johannes hier einen Punkt mit Jesus. Das sieht völlig anders aus. Mit Jesus bricht etwas völlig Neues herein.
Hier ist nicht mehr jemand, dem ein anderer erzählt hat, wie es hinter dem Vorhang aussieht, und der vielleicht durch ein paar Löcher eine Kleinigkeit sehen konnte. Hier kommt jemand von hinter dem Vorhang in unsere Welt hinein. Hier kommt Gott selbst aus der Ewigkeit in unser Leben hinein. Hier kommt der Himmlische in das Irdische, hier kommt der Ewige in das Endliche hinein. Hier bricht etwas völlig Neues an.
Hier steht nicht mehr ein Mensch wie du und ich, der nur diese Welt kennt und nur beschreiben kann, was er hier in dieser Welt erlebt. Hier steht auf einmal jemand, der aus der anderen Welt kommt. Hier steht auf einmal jemand, der aus der ewigen Welt kommt. Mit Jesus kommt die Ewigkeit zu uns.
Jesus ist nicht aus demselben Holz geschnitzt wie du und ich, und er ist auch nicht aus demselben Holz geschnitzt wie Abraham, Mose, David und Josia. Nein, er ist anders, von einer ganz anderen Qualität. Nicht ein weiterer in dieser langen Liste wichtiger Leute Gottes, die nur weitergeben konnten, was ihnen selbst jemand erzählt hat. Hier kommt Jesus, der die Grenzen aufbricht, die zwischen uns und der ewigen Welt liegen. Jemand, der aus der ewigen Welt kommt, der es erlebt hat, der es weiß und uns sagen kann, wie der Weg dahin aussieht.
Die Ewigkeit kommt in die Endlichkeit. Mit Jesus wird es anders. Gott macht sich aus der Ewigkeit auf den Weg in die Vergänglichkeit, um uns den Weg in die Ewigkeit zu zeigen.
Wenn ihr eine Mathe-Schulaufgabe schreibt, vielleicht ist das bei euch schon der Fall, dann wird vorher oft spekuliert, was drankommt. Und jeder hat irgendwie eine Ahnung und eine Idee, was wahrscheinlich Thema ist. Wenn ihr später im Studium seid, dann ist ein Indikator oft, was die letzten Male dran war. Dann kommt jetzt vielleicht etwas anderes oder etwas Ähnliches. Jeder hat irgendeine Idee und spekuliert darüber. Vielleicht lernst du danach.
Wenn aber dein Lehrer sagt: Die linearen Gleichungen würde ich mir diese Woche noch einmal genauer anschauen, dann machst du eine Sache: Du schaust dir diese Woche lineare Gleichungen an. Warum? Das ist der, der die Schulaufgabe erstellt. Der hat wirklich Ahnung, was drin vorkommt. Er spekuliert nicht mehr nur, sondern er war wahrscheinlich nett zu dir und hat dir einen Hinweis gegeben.
Und so ist der Unterschied: Jesus ist nicht mehr einfach jemand von uns, der nur ein paar Ideen weitergeben kann über die Ewigkeit. Er ist der Ewige. Er ist der, der aus diesem ewigen Leben kommt. Und wenn er uns jetzt Auskunft über die Ewigkeit und den Weg dorthin gibt, dann gibt es nur eine kluge, weise Reaktion: auf ihn hören. So wie du oft auf einen Mathelehrer hörst, wenn der dir sagt: Lern diese Woche lineare Gleichungen. Alles andere ist, ganz ehrlich, naiv und dumm, wenn du es nicht tust.
Und so sieht es aus, wenn Jesus kommt. Wenn er aus der Ewigkeit kommend ist, dann hat er Ahnung und kann uns das weitergeben. Und das ist die Aussage, die Johannes hier trifft. Er sagt: Hier kommt jemand, der redet nicht mehr einfach nur von dem Zeug, was wir hier sehen. Hier kommt jemand, der die Ewigkeit selbst erlebt hat, der daraus ist und der uns sagen kann, wie wir dahin zurückkommen.
Wir wären dumm, wenn wir nicht auf ihn hören würden. Und wir wären verloren, wenn er nicht durch diesen Vorhang hindurchgekommen wäre, um uns diesen Weg zu zeigen. Wir hätten keine Ahnung, wie wir dahin gelangen könnten. Es ist dieses gigantische Vorrecht, dass Jesus diese Erde betritt, um uns zu zeigen, wie der Weg in die Ewigkeit geht.
Vollständige Wahrheit und vollkommene Offenbarung
Es ist noch ein Vers drin, der vielleicht den einen oder anderen vor eine Herausforderung stellt: Gott gibt ihm den Geist in Fülle. Was ist damit gemeint? Ich glaube, dass es heißt: Alle anderen Propheten und so weiter konnten nur stückweise etwas zeigen von Gottes Heilsweg und von Gottes Heilsoffenbarung. Und mit Jesus kommt die vollständige, vollkommene Wahrheit in unser Leben und in unsere Welt hinein. Hier ist nicht mehr nur Stückwerk, hier ist Vollständigkeit.
Und das Zweite ist: Die anderen waren alle irgendwelche imperfekten, unperfekten Menschen, die Einfluss für uns haben konnten. Menschen, deren Leben nicht immer hundertprozentig mit dem übereingestimmt hat, was sie erzählt haben. David als bestes Beispiel. Mit Jesus kommt der, der das perfekte, vollständige, vom Geist bestimmte Leben lebt und sichtbar macht, wie Wahrheit und Leben in Perfektion zusammenkommen. Das aber nur als Erwähnung.
Wie reagieren wir auf diese Offenbarung? Wie ich am Anfang erwähnt habe, wir entscheiden ständig, ob wir Leuten vertrauen oder nicht. Wenn dir dein Metzger empfiehlt, dein 60-Euro-3H-Handgestreicheltes-Steak auf eine Kerntemperatur von maximal 65 Grad zu grillen, und du der Überzeugung bist, viel hilft viel, und machst 100 Grad, dann wird nicht allzu viel Ball rumkommen. Für die, die nicht so viel Ahnung haben, ist das dann eher Kategorie Schuhsohle. Es wird eine sehr zähe Angelegenheit. Warum? Du hast dich dagegen entschieden, dem zu vertrauen, der Ahnung davon hat. Du hast dich entschieden, es selber besser zu wissen als jemand, der das schon ein paarmal gemacht hat. Du hast den Steg verbraten. Nicht so wild, in einem Jahr vergessen.
Aber wenn du dich entscheidest, es selber besser zu wissen als der, der aus der Ewigkeit kommt, wie du in die Ewigkeit kommen kannst, dann wirst du auch die Folgen davon erleben. Und das ist, was der letzte Vers beschreibt. Aber wer jetzt schon denkt, wir sind am Ende der Predigt, da kommt noch mal ein bisschen Rücksprung dann, Vorwarnung: Es ist, was der letzte Vers in unserem Abschnitt beschreibt. Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen; der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Glaube, Gehorsam und die Entscheidung des Herzens
Es ist so simpel und auch so schwer. Die Frage deiner Ewigkeit hängt daran, ob du dem vertraust, der aus der Ewigkeit kommt, oder ob du meinst, es selbst besser zu wissen. Das ist, was Vers 36 sagt.
Aber Moment, sagst du vielleicht: Da steht doch, wer Jesus ungehorsam ist, wer ihm nicht gehorcht, hat ewige Verlorenheit. Dann gilt das doch vielleicht schon bei einer kleinen Sünde. Wenn ich nicht ganz die Wahrheit zu Mama und Papa gesagt habe und Jesus kommt wieder zack vorbei, ich kann im Keller suchen gehen, aber die sind alle nicht mehr da und ich bin allein zu Hause. Ist das das, was hier gemeint ist?
Nein, ganz kurzer Exkurs: Das Wort, das hier verwendet wird, spricht immer, wenn es in der Bibel und im Neuen Testament verwendet wird, von einem ungehorsamen Gegenüber zu Gott, seinem Wort, seinem Evangelium und seinem Sohn. Wer es wissen will, wie es heißt, es ist apatheo, und es hat eine sehr häufige Verwendung im Kontrast zum lebendigen Glauben.
Beispielhaft Apostelgeschichte 14,1-2, und ich nehme jetzt die Elberfelder Übersetzung, weil die anderen in der Übersetzung schon das mit einarbeiten, was das Wort sagen will, aber hier wird es deutlicher. Apostelgeschichte 14,1-2, wo Paulus das Evangelium predigt:
Es geschah aber zu Ikonion, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten, dass eine große Menge sowohl von Juden als auch von Griechen glaubte.
Ähnlich wie hier bei Johannes: Die eine Seite glaubt. Was ist aber die andere Seite? Vers 2:
Die anderen Juden aber, die nicht gehorchen wollten, reizten und erbitterten die Seelen derer aus den Nationen gegen die Brüder.
Und in deiner Übersetzung steht vielleicht: die Juden, die nicht glauben wollten. Das Wort ist aber eigentlich eines, das mit gehorchen übersetzt wird, also wörtlich übersetzt wird. Ich denke, diese Verse in Apostelgeschichte helfen uns zu verstehen, was gemeint ist.
Dieses Gehorchen hat nicht mit einer einzelnen kleinen äußerlichen Tat zu tun, sondern es hat mit der Frage zu tun, ob ich dieser Heilsoffenbarung Gottes mein Vertrauen schenke und ihr dadurch gehorche oder ob ich mich bewusst entscheide, es selbst besser zu wissen. Ob ich, wenn Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, sage: Nein, ich habe einen anderen.
Es ist Ungehorsam gegenüber Gottes Heilsbotschaft, Ungehorsam gegenüber dem Sohn Gottes in einer bewussten Ablehnung dessen, wie Gott sein Heil offenbart hat. Es ist bewusste Ablehnung von Jesus Christus und seinem Evangelium.
Und im Gegensatz dazu, zu diesem Ungehorsam, steht der Glaube, den man auch mit Vertrauen übersetzen kann. Und wir haben einen Parallelvers, wie übrigens vieles in dem Ereignis hier zu der Erzählung von vor zwei Wochen passt, mit Nikodemus, mit Johannes 3,18, wo Ähnliches ausgesagt wird:
Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt; wer aber nicht glaubt, ist damit schon verurteilt, denn der, an dessen Namen er nicht geglaubt hat, ist Gottes eigener Sohn.
Wir haben hier eine Doppelbedeutung: Wer Jesus nicht vertraut, der bleibt in dem Elend dieser Welt, die unter Gottes Zorn steht. Aber wer Jesus vertraut, dass er der aus der Ewigkeit Kommende ist und dass er den Weg dahin zurück zeigen kann, hat Gegenwart, Präsens, ewiges Leben, jetzt, heute schon. Deine Ewigkeit wird hier und jetzt entschieden.
Dein Platz, wo du die Ewigkeit zubringst, wird heute entschieden an der Frage, ob du Jesus vertraust, ob du ihm vertraust, dass es stimmt, was Jesus sagt, ob du ihm vertraust, dass er zeigen kann, wie dieser Weg in die Ewigkeit funktioniert, wie wir zurückkommen können. Wer es nicht tut, bleibt unter Gottes Zorn.
Es ist eine bewusste Entscheidung, dem Ewigen nicht zu vertrauen. Und es ist Gottes Gnade, dem Ewigen zu vertrauen, weil wir alle die Situation kennen. Man kennt die Wahrheit, man weiß, was für ein geniales Angebot Jesus hier eigentlich liefert, weil es eben nicht darauf ankommt, dass ich mir vor Gott wieder etwas gerechter arbeite, sondern weil Jesu Angebot ja gerade ist, dass er dieses Lamm Gottes ist, das die Sünden der Welt trägt.
Wir kennen das, wir erzählen anderen davon weiter. Und wir haben so viel Frustration, weil es uns vorkommt, als würden sie mit Scheuklappen durch diese Welt rennen und an dieser Wahrheit vorbeirennen. So, wie wenn du als Eltern zu deinem dreijährigen Kind sagst: Lang nicht an die Herdplatte. Und es heißt noch mal richtig hin. Du hast vorher gewusst, es ist nicht gut.
Und so wirkt das manchmal, wenn wir anderen von Jesu Schönheit erzählen. Von der Liebe, von der Hingabe, von dem Opfer, das er für sie und uns gebracht hat, von dem Angebot, wo er ihnen zeigt, heute ewiges Leben zu haben, und keine Reaktion ist.
Warum Menschen glauben oder ablehnen
Der Text beschreibt uns, dass das Realität ist. Vers 27 heißt das erst einmal, dass ein Mensch nichts nehmen kann, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben wird. Wir können Menschen nicht zu Nachfolgern machen, weder von uns noch von Jesus. Wir können sie vielleicht zu Lämmlingen machen; das haben Diktaturen immer geschafft, die hinterherrennen, weil sie gehorchen müssen. Aber wir können nicht ihre Herzen so prägen, dass sie uns oder Jesus wirklich hinterhergehen können.
Und das andere ist Vers 32, wo das noch einmal aufreißt: Jesus berichtet von dem, was er in der Ewigkeit gesehen hat, und die Reaktion, die du erfährst, hat Jesus erfahren. Niemand nimmt sein Zeugnis an. Wir haben hier die größte Dramatik dieser Welt: Gott selbst kommt aus der Ewigkeit, um uns zu beschreiben, wie wir in die Ewigkeit kommen können. Und ein Großteil der Menschen sagt: Interessiert mich nicht, glaube ich nicht, ich weiß es besser.
Warum? In 1. Korinther 2,14 beschreibt Paulus eine wichtige Sache, die durchaus auch in die Theologie von Johannes hier hineinpasst. 1. Korinther 2,14: Ein Mensch, der Gottes Geist nicht hat, lehnt ab, was vom Gottesgeist kommt. Er hält es für Unsinn und ist nicht in der Lage, es zu verstehen, weil ihm ohne den Geist Gottes das nötige Urteilsvermögen fehlt.
Dass Menschen diese geniale Wahrheit, dass Jesus wirklich aus der Ewigkeit kommt und der Weg dorthin zurück ist, nicht annehmen, liegt daran, weil ihre Herzen so steinhart sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, die Schönheit dieser Nachricht zu erkennen. Es ist nicht rational. Das ist keine Sache, die du mit Argumenten vom Tisch wischen kannst. Das heißt nicht, dass Argumente keine Rolle spielen. Aber es ist nicht so, dass das eine reine Faktensache ist. Es ist eine geistliche Sache.
Und was der Text im Korintherbrief sagt, passt in das ganze Kapitel von Johannes 3: Wenn Gottes Geist nicht Herzen aufbricht, wird keine Veränderung passieren. Das gilt für diese grundsätzliche Wahrheit, ob Menschen zum ewigen Leben kommen. Und das ist die Realität, die wir sehen. Jeder von uns hat schon Kontakt mit Menschen gehabt, die so viel verstanden haben und es nicht annehmen wollten.
Und es ist auch die Realität, was uns manchmal betrifft, wenn wir uns wünschen, dass Menschen, die das schon angenommen haben, aber mehr in Gottes Bild verwandelt werden und nachfolgen. Wir können es nicht mit Gewalt produzieren. Glauben und Vertrauen, was notwendig ist, ist eine tiefe Sache des Herzens, unseres Inneren. Das heißt nicht, dass der Verstand außen vor ist, aber es heißt, dass es unsere Herzen mittrifft. Ich kann mich nicht zwingen, jemandem zu vertrauen. Ich kann mir das zwar vornehmen, aber ob ich wirklich vertraue, ist eine Herzenssache. Und hier muss Gott ansetzen.
Gute Taten kann ich selbst produzieren, Äußerlichkeiten kann ich selbst schaffen, veränderte Herzen nicht.
Gottes Wirken und unsere Aufgabe
Wäre entmutigend, wenn es dabei stehenbleiben würde. Aber Vers 33 sagt, dass Vers 32 eine Übertreibung war. Warum? Vers 32 sagt: Niemand nimmt es an. Vers 33 sagt: Doch wer seine Botschaft angenommen hat. Warum? Weil Vers 32 auf den natürlichen Menschen blickt, auf den, wie wir von der Erde sind. Und da ist keiner, der diese Botschaft annimmt. Aber es gibt Menschen, die sie annehmen, sagt Vers 33. Und die damit zum Ausdruck bringen, dass es natürlich stimmt, was Gott über die Ewigkeit erzählt, weil sie ihr Vertrauen darauf setzen.
Es ist wie, wenn ich mich an die Anweisung des Metzgers halte, dann sage ich auch: Es stimmt, was er sagt. Ich vertraue ihm. Und so bestätigen wir damit quasi, dass es wahr ist, was Gott sagt. Das ist die Randbemerkung für das komplizierte Teil hier.
Warum kommen aber Menschen zu der Annahme dieser Botschaft? Vers 35 gibt uns die Antwort: weil der Vater den Sohn liebt und alles in seine Hand gegeben hat. Jetzt sagst du ja: schön, dass er das Gericht und Ähnliches in seine Hand gegeben hat. Ich glaube nicht, dass Johannes hier das im Blick hat. Ich glaube vielmehr, dass Vers 35 auf Vers 27 zurückschaut, wo Johannes der Täufer sagt, dass sich niemand irgendetwas nehmen kann, außer Gott gibt es.
Selbst Jesus könnte sich nicht Nachfolger nehmen, wenn Gott die Herzen nicht erwecken würde. Wir können uns keine Leute schaffen, die der Wahrheit glauben, wenn Gott es nicht erweckt. Aber Gott tut es. Das hat er auch vorher im Gespräch mit Nikodemus schon beschrieben, in 3. Johannes 8: Der Wind weht, wo er will. Du hörst sein Rauschen, aber wo er herkommt und wohin er geht, weißt du nicht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.
Die Bibel sagt uns nicht genau, warum der eine Mensch zum Glauben findet und der andere nicht. Aber sie sagt, dass Menschen zum Glauben finden, weil Gottes Geist arbeitet. Wir sehen die Auswirkung. Wir wissen nicht, wie es passiert. Aber wir stellen fest, dass Menschen auf einmal erkennen, wer Jesus wirklich ist, und umkehren zu ihm, ihr Vertrauen auf ihn setzen und ihm nachfolgen.
Wir stellen fest, dass Gott dabei ist, seinem Sohn eine Braut zusammenzustellen. Dass Menschen ihre Herzen aufgebrochen werden. Dass ihnen vielleicht nach Jahren, vielleicht aber auch plötzlich, wo sie nie von Jesus gehört haben, auf einmal klar wird und bewusst wird, dass es Wahrheit ist. Dass ihnen Jesus in seiner ganzen Größe und Schönheit als der Ewige vor Augen steht und sie umkehren zu ihm, ihr Vertrauen in ihn setzen.
Wir können darüber spekulieren, was da genau im Hintergrund passiert. Das ist so in etwa, wie wenn wir darüber spekulieren, wo der Wind herkommt. Wir können einfach staunend davorstehen und uns darüber freuen, dass Gott das tut.
Und wenn du heute hier bist, wenn für dein Leben gilt, dass du dein Vertrauen auf Jesus Christus gesetzt hast, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, dass er diesen Weg in die Ewigkeit Gottes eröffnen kann und er selbst der Weg ist, dann ist das eine Aussage, dass Gott an deinem Herzen gearbeitet hat. Dass Gott dein Herz längst aufgebrochen hat und dir diese Wahrheit offenbart hat. Dass Gott dein Herz aufgebrochen hat, dass du die Schönheit Gottes sehen kannst. Dass du heute ewiges Leben hast und dass du heute hier und jetzt schon zu dieser Braut Jesu gehörst, die ihm eines Tages in der Ewigkeit heiraten wird, so wird sie beschrieben in Offenbarung.
Menschen zu Jesus führen
Wenn wir Menschen prägen wollen, dann kann Zwang nicht viel weiterhelfen. Denn es geht in erster Linie auch nicht um rationale Argumente und das Gewinnen von Diskussionen, sondern wir haben nur eine Chance: Wir verkündigen Jesus, weisen auf ihn hin und beten und flehen vor Gott, dass Gott die Herzen dieser Menschen aufbricht. Und wir akzeptieren Gottes Zeitplan und Gottes Wege, die er mit den Menschen geht.
Vielleicht sitzt du hier und sagst: Puh, ich bin auf der Seite, wo ich das nicht glauben kann. Dann habe ich einen Rat: Bitte Gott, dass er dein Herz öffnet. Gott hört so ein Gebet gern, und Gott lässt sich gerne bitten. Deswegen flehe ihn an, bitte ihn darum.
Wenn du heute hier sitzt und Menschen im Blick hast, für die du schon lange ringst, dass sie doch diesen Weg Jesu nehmen, dass sie ihn als die Wahrheit in ihrem Leben anerkennen, dann ringe vor Gott, dass er ihre Herzen aufbricht. Und tu das Ganze in der Haltung von Johannes dem Täufer, um auf ihn zurückzukommen.
Wenn du verstanden hast, wer Jesus ist, tritt an die Seite und freu dich, dass die Braut des Bräutigams größer, schöner und vielfältiger wird. Wenn du Einfluss auf Menschen verlierst, weil der Einfluss von Jesus in ihrem Leben größer wird, ist dein Job getan. Der Job von Johannes war getan, als die Menschen angefangen haben, Jesus nachzulaufen.
Gott verwendet auch heute noch andere Menschen, um uns zu Jesus zu führen. Er verwendet heute noch Menschen, um uns im Glauben weiterzuführen. Aber unser Job ist es, Menschen zu Jesus zu führen, sie vor ihn zu bringen, an die Seite zu treten und uns zu freuen, wenn diese Braut schöner, herrlicher und gewaltiger wird.
Gott gibt uns die Möglichkeit, Einfluss im Leben anderer Menschen auszuüben, und er tut das bei jedem von uns. Vielleicht bei deinen Freunden, vielleicht bei deinen Kindern, vielleicht bei deinen Arbeitskollegen, vielleicht auch von der Kanzel und durch andere Dinge. Dann haben wir genau eine Sache zu tun: diese Menschen zu Jesus zu bringen. Dann haben wir genau eine Sache zu tun: daran zu arbeiten, dass ich in seinem Leben immer unwichtiger werde und Jesus immer wichtiger wird.
Meine Kinder sind noch sehr jung, aber ich bin mir über eine Sache sehr sicher. Und ich weiß nicht, ich ringe darum und ich bete, dass Gott ihre Herzen aufbricht, aber ich bin mir sicher: Wenn sie zwanzig sind, muss ich ziemlich unwichtig in ihrem Leben sein und Jesus wichtig, damit sie ihm nachfolgen und ihm gehören. Das geht nicht darum, dass sie ihr Leben so leben, wie ich es mir wünsche. Es geht darum, dass sie Jesus kennen und mit ihm leben. Er ist der Weg in die Ewigkeit, nicht ich.
Wenn du Menschen zu Jesus führst, dann führst du sie in die Ewigkeit. Wenn du sie zu dir führst, in deine Methoden und Werke und alles Mögliche, dann bringt das Ganze nichts. Ich muss unwichtiger werden, Jesus größer.
Gott verwendet heute Menschen noch, um andere zu prägen. Aber er tut es, indem sie diese Menschen zu ihm bringen. Du kannst dich entscheiden, wie du Menschen prägst. Ob sie dir folgen und du frustriert und bitter wirst, wenn du in ihrem Leben auf einmal keine Rolle mehr spielst und vielleicht sogar deine von Gott gegebene Aufgabe hier auf der Welt erledigt ist. Oder du kannst Menschen zu Jesus bringen und dich freuen, wenn du merkst, wie Jesus in ihrem Leben immer wichtiger, größer, schöner und herrlicher wird.
Wenn du dich fragst, welchen Leuten du das Vertrauen gibst, dass sie Einfluss in deinem Leben haben dürfen, dann gebe ich dir eine Prüffrage mit: Führen dich diese Leute zu Jesus? Führt ihr Input dazu, dass Jesus in deinem Leben größer, schöner, herrlicher, wichtiger und genialer wird? Führt ihr Einfluss in deinem Leben dazu, dass du Jesus mehr liebst oder dass du abhängig von ihnen wirst? Stell dir diese Frage bei den Leuten, von denen du dich beeinflussen lässt.
Es ist nicht falsch, dass uns Leute beeinflussen. Ich glaube, es ist der Weg, den Gott seit eh und je gewählt hat, durch den wir geprägt werden. Aber der Einfluss muss immer zu dem führen, der aus der Ewigkeit kommt und dadurch ewige Wahrheit spricht.
Schluss: Die entscheidende Frage
Mit Jesus betritt der Ewige die Endlichkeit. Himmel und Erde berühren sich. Er offenbart nicht nur den Weg in die Ewigkeit, er ist es sogar.
Das ist gemeint, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen. Wir wissen, was sich heute nicht so stark behandelt hat, weil Johannes es in seinem anderen Gespräch behandelt hat: dass er dieses Lamm Gottes ist, das unsere Sünde wegnimmt.
Ob du ihm und seiner Heilsoffenbarung vertraust oder sie ablehnst, entscheidet heute, hier und jetzt über deine ewige Zukunft. Die Frage hängt nicht daran, wie gut du bist, wie hübsch du bist oder was du geleistet hast. Die Frage hängt nur an einer Sache: Vertraust du Jesus? Glaubst du ihm?
Wenn das der Fall ist, dann sagt unser ganzer Vers, unser ganzer Abschnitt, eine riesengroße Wahrheit: Dann hast du hier, heute und jetzt ewiges Leben, weil es an dem hängt, der aus der Ewigkeit kommt. Dann gehörst du zu der Braut, die dem Bräutigam begegnen wird. Dann gehörst du zu denen, die Gott in die Hände seines Sohnes gegeben hat. Dann gehörst du zu dieser Braut, die der Vater dem Sohn zubereitet.
Warum? Weil Jesus nicht einfach irgendwie losgerannt ist in diese Welt, um sie zu retten, und der Vater gesagt hat: Na ja, machen wir halt mit? Nein, weil es Gottes Plan war. Weil er seinen Sohn liebt. Weil er die Braut liebt und sie seinem Sohn zuführen will. Amen.
