Begrüßung und Einführung in das Thema Majestät
Einen wunderschönen guten Morgen begrüße ich euch alle ganz herzlich, auch alle, die heute zu Besuch da sind. Herzlich willkommen!
Ich denke, heute hatte niemand Hektik am Morgen. Ich habe meine Uhr nicht umgestellt, damit ich diesen Morgen einfach genießen kann, so wie er ist. Und ich bin trotzdem nicht zu spät. Das ist auch mal ein schönes Erlebnis.
Ich möchte euch heute die Frage stellen oder besser gesagt den Begriff „Majestät“. Wie könntet ihr euch diesen vorstellen? Kann man ihn noch anders beschreiben? Was bedeutet dieser Begriff überhaupt? Wir brauchen ihn ja nicht jeden Tag. Trotzdem gibt es eine Beschreibung. Was heißt das denn genau? Hat jemand eine Idee?
Erste Reihe, guckt mal lieber nach unten! Majestät hat irgendwas mit dem Königshaus zu tun, oder? Ja, König, genau, da ist oft die Verbindung. Das kennen wir heute nicht mehr so, das Königshaus.
Eine Person, die mit „Majestät“ beschrieben wird oder so angesprochen wird, soll bedeuten, dass sie mit einer gewissen Würde ausgestattet ist, die man ihr mit diesem Begriff zuspricht. Man kann auch „Hoheit“ sagen, zum Beispiel „Eure Hoheit“, das kennt man im Zusammenhang mit Königen.
Es ist eine Person, die erhaben ist, herausgehoben von allen anderen. So wird auch Gott beschrieben. Ich lese einen Vers aus Psalm 93, Vers 1:
„Der Herr regiert als König, er hat sich mit Majestät bekleidet.“
So beschreibt der Psalmist Gott. Und dann erklärt er, was das bedeutet: Der Herr hat sich bekleidet, er hat sich umgürtet mit Macht. Da verstehen wir schon ein bisschen, was König, Macht und all das bedeutet.
Majestät heißt also genau das: Erhabenheit, Würde und Macht.
Diesen König wollen wir heute Morgen begegnen, von ihm hören, wie er handelt, durch sein Wort zu uns redet und ihm die Anerkennung geben, die ihm gebührt – diesem König.
Wir wollen das gleich im ersten Lied tun. „Soli Deo Gloria“ – das ist unser Eingangslied. Danach wollen wir beten, noch ein zweites Lied singen, dann gemeinsam mit den Kindern ein Lied singen und sie anschließend in die Kinderstunde verabschieden. Danach folgt die Predigt.
Ja, lasst uns das erste Lied singen. Lasst uns aufstehen und zusammen beten.
Gebet zur Eröffnung des Gottesdienstes
Dein Wort stellt uns deine Majestät vor Augen, und wir haben viel zu wenig Ahnung von dieser wahren Majestät, die du bist. Wir sehen sie in unserer Umgebung, in der Schöpfung. Schon allein darin können wir dich erkennen – in deinem Handeln, auch in unserem Leben. Es wird geschildert, wie du durch deinen Sohn Jesus das Heilshandeln in diese Welt hineingeführt hast.
Wir danken dir, Vater, dass du dich unser erbarmt hast und dich so tief herabgeneigt hast, dass du dich auf unsere Ebene begeben hast. So kannst du uns wirklich auf eine Weise begegnen, die wir verstehen können. Ja, und so willst du auch heute durch dein Wort mit uns reden.
Ich denke auch an Sebastian Gnade, dass wir verstehen, was du uns zu sagen hast. Lass uns gemeinsam auf dich ausgerichtet sein und unsere Herzen öffnen für das, was du uns sagen willst. Was wir miteinander dir bringen wollen, ist ein Lied der Ehre durch Gebet und Anbetung durch unser Hiersein.
Danke, dass du uns in dieser Gemeinschaft segnest und dass du sie uns schenkst – auch an diesem Tag. Amen.
Ja, dann nehmt Platz. Wir singen ein zweites Lied, „So sind deine Worte“. Danach kommen die Kinder nach vorne, wir singen mit ihnen das Lied, sie gehen in die Kinderstunde, und anschließend folgt die Predigt.
Einführung in die biblische Geschichte von Elija und Elisa
Es ist schön, dass ihr heute hier seid, auch von meiner Seite aus.
Das Geschehen, von dem ich erzähle, fand ungefähr um das Jahr 900 vor Christus statt. Zwei Männer gingen am Ufer des Jordan entlang, tief in ein Gespräch vertieft. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihnen dabei vielleicht ähnlich warm war wie euch heute hier.
Plötzlich geschieht etwas Ungewöhnliches: Ein Pferdegespann rast mitten durch die beiden hindurch. Dabei handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Pferdegespann, sondern um feurige Pferde und feurige Wagen. So schwer es uns auch fällt, zu glauben, wird einer der beiden Männer plötzlich in den Himmel, in die Ewigkeit, mitgenommen.
Wer sich in der Bibel ein wenig auskennt und in der Kinderstunde gut aufgepasst hat, weiß, dass es sich um Elija und Elisa handelt. Nein, es geht nicht um die Predigt, sondern um den Anfang der Geschichte. In dem Moment, in dem das geschieht, ruft Elisa etwas aus, das ihr vielleicht kennt: „Mein Vater, mein Vater, du Wagen Israels und so weiter, und seine Reiter.“
Warum ruft Elisa das so laut aus, „mein Vater, mein Vater“? Vielleicht ist er ein Stück weit von Sorge geplagt. Wenn ihr die Verse davor lest, seht ihr, dass er das schon geahnt hat und nicht besonders begeistert war von dem, was auf ihn zukommt. Denn er möchte eine Zusicherung erhalten, die er auch bekommt.
Was ist Elisas Sorge? Er verliert seinen geistigen Vater und Mentor. Den Mann, der ihn in der Wahrheit über das Leben und über das Leben hinaus gelehrt hat. Elija ist plötzlich weg, und Elisa steht alleine da.
Warum bringe ich das als Einführung, obwohl ich nicht über die beiden sprechen werde? Weil ich Elisa so gut verstehen kann. Ich glaube, dass es Unsicherheit schaffen kann, wenn Menschen, die uns geprägt haben, weggenommen werden. Idealerweise sind deine Eltern solche Personen, die dir Halt und Orientierung geben. Für viele ist es nicht einfach, wenn diese Menschen plötzlich fehlen und man alleine dasteht. Manchmal haben Eltern diese Aufgabe vielleicht auch nicht erfüllt, und man merkt schon in frühen Jahren, welche Lücke dadurch entsteht.
Wahrheit und Prägung durch Menschen
Ich bin jemand, der sich gern der Illusion hingibt, Wahrheit durch Fakten zu finden, indem ich möglichst viel ganz genau anschaue und dann herausfinde, was Wahrheit ist. Aber die Realität in meinem Leben – und ich behaupte auch in deinem Leben – ist, dass wir Wahrheit durch andere Menschen übermittelt bekommen. In aller Regel sind das Eltern, Lehrer, Freunde, Kollegen, Prediger und andere.
Heute sieht das nicht anders aus. Wir haben wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit Zugriff auf eine schier unendliche Menge an Fakten – über das Internet. Du kannst fast alles recherchieren, du kannst auf Studien zugreifen, wozu du vor dreißig Jahren keine Möglichkeit gehabt hättest. Medizinische Studien, andere Forschungsergebnisse – du kannst dir Abstracts herunterladen und dir hundert Seiten Mathematik durchlesen, um die neueste Forschungserkenntnis zu verstehen. Ohne Probleme, du musst nicht mal mehr in eine Bibliothek fahren. Du hast diese Möglichkeit.
Aber weißt du, durch was wir uns eigentlich prägen lassen, wenn wir im Internet unterwegs sind? Vielleicht eher die jüngere Generation von den Influencern auf Instagram, vielleicht die ältere Generation über deinen Lieblingsprediger bei YouTube. Die Realität ist ganz weit davon entfernt, dass wir uns selbst die Arbeit machen und Dinge recherchieren. Es sind Menschen, die uns prägen, die uns formen und die uns irgendwo ein Verständnis von Wahrheit mitgeben.
Das sage ich jetzt nicht mal kritisch. Sondern ich glaube, es ist erst mal ganz normal und gut, weil Gott dieses Prinzip von Anfang an in uns reingelegt und verankert hat. Wir lernen direkt von unseren Eltern, wenn wir geboren werden. Das Problem entsteht, wenn die Leute, von denen wir lernen, eine schlechte Prägung reinbringen, wenn sie falsche Wahrheiten ins Leben lenken. Dann entstehen Probleme. Aber erst mal ist das völlig normal und in Ordnung.
Dieses Prinzip zieht sich durch die ganze Bibel hindurch: Menschen lernen von anderen Menschen. Einer, von dem viele gelernt haben und der Einfluss auf das Leben von anderen hatte, der etwas zu sagen hatte und Expertise besaß, war Johannes der Täufer. Nein, nicht über den nächsten Stylingtrend und auch nicht, wie du deinen Burger am besten am Grill grillst. Johannes hat sich eher mit Fragen beschäftigt wie: Wie kann ich so leben, dass ich einmal die Ewigkeit im Himmel verbringe?
Damals hast du damit noch Leute hinter dem Ofen hervorgeholt, die sogar ein paar Tagesreisen auf sich genommen haben, um zu ihm zu kommen – weil er nicht nur ein paar Klicks weit entfernt war. Und ich glaube, dass das auch heute noch Realität ist. Vielleicht nicht, wenn es dir gut geht, aber wenn Krankheit da ist, wenn es aufs Lebensende zugeht, dann wird die Frage relevant: Wie sieht meine Ewigkeit aus? Wie kann ich Ewigkeit in der Gegenwart Gottes verbringen?
Johannes der Täufer und die Herausforderung des Einflussverlusts
Damit hat sich Johannes beschäftigt. Wir haben ihn bereits vor ein paar Kapiteln und Predigten kennengelernt, das war im Mai, als er Jesus zum ersten Mal begegnet ist. Jetzt kommt er wieder ins Spiel, wenn wir ins Johannes-Evangelium eintauchen. Er ist mit einer Situation konfrontiert, die wir vielleicht auch kennen und die nicht einfach ist.
Nämlich die Situation, dass plötzlich jemand kommt und dir deine Schäfchen raubt. Du bist jemand, der Einfluss hat, und plötzlich beginnt jemand anderes, auf die Leute, die dir eigentlich folgen, Einfluss auszuüben. Das ist keine einfache Lage.
Das kann Neid und Eifersucht auslösen, weil man Einfluss verliert und sich vielleicht unwichtiger fühlt. Es kann aber auch von echter Sorge geprägt sein, weil deine Schäfchen unter einen falschen Einfluss geraten.
Eltern, die den Einfluss auf ihr Kind verlieren, können mit dem Problem konfrontiert sein, dass sie Neid und Eifersucht empfinden, weil sie nicht mehr die prägenden Personen sind. Doch Eltern können auch von echter Sorge geplagt sein, wenn sie Einfluss auf ihr Kind verlieren, weil das Kind unter schlechten Einfluss gerät.
Deshalb ist die Frage, wenn Leute plötzlich anderen hinterherlaufen, nicht einfach so von der Hand zu weisen. Wir können gut verstehen, wenn sich jemand schwer tut, wenn die Menschen, die er geprägt hat und in die er investiert hat, plötzlich anderen folgen.
Umso verwunderlicher ist es, wie Johannes reagiert, als ihm jemand anders seine Schäfchen abspenstig macht. Das schauen wir uns nun genauer an.
Johannes 3,22-36: Johannes der Täufer und Jesus
Danach ging Jesus mit seinen Jüngern in das Gebiet von Judäa. Er blieb einige Zeit dort bei ihnen und taufte. Auch Johannes, der damals noch nicht im Gefängnis war, taufte weiterhin. Er tat dies in Anon, einem Ort in der Nähe von Salem, wo es reichlich Wasser gab. Die Menschen kamen auch dorthin zu ihm und ließen sich taufen.
Eines Tages kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem jüdischen Mann zu einer Auseinandersetzung über die Reinigungsvorschriften. Sie wandten sich deshalb an Johannes und sagten: „Rabbi, jener Mann, der auf der anderen Seite des Jordans bei dir war und auf den du die Menschen hingewiesen hast, tauft jetzt auch, und alle gehen zu ihm.“
Johannes erwiderte: „Ein Mensch kann sich nicht das Geringste selber nehmen, es muss ihm vom Himmel hergegeben werden. Ihr könnt selbst bezeugen, dass ich sagte: Ich bin nicht der Messias, ich bin nur als sein Wegbereiter vor ihm hergesandt. Er ist der Bräutigam, ihm gehört die Braut. Der Freund des Bräutigams steht dabei, hört ihm zu und freut sich, seine Stimme zu hören. Das ist auch meine Freude, und jetzt ist sie vollkommen.
Er muss immer größer werden, und ich immer kleiner. Der, der von oben kommt, steht über allen. Wer von der Erde ist, gehört zur Erde und redet aus irdischer Sicht. Der, der vom Himmel kommt, steht über allen. Er verkündet das, was er gesehen und gehört hat, aber keiner nimmt seine Botschaft an.
Doch wer seine Botschaft angenommen hat, bestätigt damit, dass das, was Gott sagt, wahr ist. Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet Gottes eigene Worte. Gott gibt ihm den Geist in unbegrenzter Fülle.
Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gelegt. Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen. Der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“
Die Reaktion der Jünger und die Haltung von Johannes
Die Jünger von Johannes sind a) vergesslich und b) bemerken, dass die Anzahl der Menschen, die Johannes folgen, abnimmt. Wenn man es im modernen Begriff ausdrückt, sieht Johannes, dass seine „Influencer-Zahlen“ sinken. Für diejenigen, die mit dem Begriff „Influencer“ nichts anfangen können: Das sind einfach Personen, die andere prägen und Einfluss haben.
Die Jünger sehen, dass die Zahl der Menschen, auf die Johannes Einfluss hat, zurückgeht. Jemand anderes läuft ihm den Rang ab. Die Jünger kommen zu Johannes und schildern die Situation so, als wollten sie sagen: „Hey, schau mal, was da drüben passiert! Der war eigentlich bei uns, und jetzt fängt er an, dir die Leute abzuziehen.“ Wahrscheinlich hätten die Jünger von Johannes erwartet, dass er nun sagt: „Lass uns doch mal mit dem reden, so geht das ja nicht.“ Vielleicht hätte man zusammenarbeiten sollen, um den Einfluss zu wahren, neue Marketingmethoden zu überlegen oder Ähnliches, um weiterhin wichtig zu bleiben. Das wäre möglicherweise die Erwartungshaltung gewesen.
Doch Johannes reagiert anders. Ich erwähne das zu Beginn nur kurz, weil wir später noch ausführlich auf seine Reaktion zurückkommen.
Johannes knüpft an das erste Kapitel seines Evangeliums an, wo er bereits mit seinen Jüngern und anderen Menschen gesprochen hat. In Johannes 1,19 weist er darauf hin und sagt: „Ich bin nicht der Messias, ich bin nicht der, auf den ganz Israel wartet.“ Deshalb ist es in Ordnung, wenn die Leute ihm nicht dauerhaft folgen.
Er knüpft auch an einen weiteren Punkt an, den er dort ausführlich erklärt: Er ist der Vorbereiter für den, um den es wirklich geht. Er ist der Wegbereiter. Dabei bringt er ein neues Bild ins Spiel, das wir mit einer Trauzeugin vergleichen können. Ich sage bewusst „Trauzeugin“, weil das heute eher bei Frauen üblich ist. Bei den Männern ist das heutzutage wohl nicht mehr so verbreitet. Die Trauzeugin unterstützt häufig die Braut bei der Hochzeitsvorbereitung und richtet alles her. Die Männer sind meist froh, wenn sie da raus sind.
Damals war das jedoch anders: Der Freund des Bräutigams war für die Hochzeitsvorbereitung zuständig. Das war eher Männersache.
Johannes vergleicht sich mit jemandem, der die Hochzeit vorbereitet. Derjenige, der die Hochzeit vorbereitet, steht nicht im Mittelpunkt. An diesem Tag geht es um Braut und Bräutigam.
Das ist es, was Johannes klar macht: Er steht nicht im Mittelpunkt. Es geht um den Bräutigam, um das Lamm Gottes, das er in Johannes 1 erwähnt hat. Deshalb freut er sich, wenn die Braut zum Bräutigam kommt. Er will sie nicht abspenstig machen.
Johannes ist also nicht der Trauzeuge, der bei der Hochzeit sitzt und denkt: „Boah, hättest du doch mich genommen!“ Stattdessen freut er sich, dass die Braut zu Jesus geht.
Johannes’ Vertrauen in Jesus trotz Konkurrenz
Johannes ist keineswegs naiv – nicht in dem Sinne, dass er einfach sorglos seine Schäfchen irgendjemandem nachlaufen lassen würde. Er positioniert sich klar gegen falsche Lehren. Das kann man zum Beispiel in Matthäus 3 oder in Bezug auf die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer nachlesen. Johannes weiß sehr wohl, dass es Menschen gibt, die einen falschen Einfluss auf seine Schäfchen ausüben könnten. Dennoch vertraut er Jesus.
Und ja, natürlich, denkst du, vertraut er Jesus – sehr sogar. Aber warum tut er das? Das wird er später noch deutlicher ausführen. Wenn du zulässt, dass Menschen Einfluss auf dich nehmen, triffst du jedes Mal die Entscheidung, ob du ihnen vertraust – bewusst oder unbewusst. Manchmal ist das ein längerer Prozess, manchmal eine unbewusste Entscheidung.
Wenn du dir zu deinem Geburtstag ein 60 Euro teures, argentinisches, handgezüchtetes und sorgfältig ausgewähltes Steak gönnst, dann entscheidest du beim Zubereiten, wem du rezeptmäßig vertraust. Vielleicht deiner Mutter, die sich damit auskennt, vielleicht deinem Metzger oder jemandem, der im Internet ein 20-minütiges Video hochgeladen hat, das erklärt, wie du es zubereiten musst. Du vertraust darauf, dass das gelingt, wenn du dich daran hältst. Erst wenn das Steak fertig ist, weißt du, ob es dir gelungen ist oder nicht. Bei sechzig Euro kann das eine schmerzhafte Angelegenheit sein.
Wenn wir das schon bei so kleinen Dingen tun – und ich weiß, dass manche viel Zeit darauf verwenden, sich zu entscheiden, welche Zubereitungsmethode die richtige ist – wie viel mehr sollten wir uns überlegen, wem wir Vertrauen schenken, wenn es um die Frage geht, wo wir unsere Ewigkeit verbringen? Wie viel mehr sollten wir da sehr genau darauf achten, ob es wirklich jemand ist, der qualifiziert ist, darüber eine Aussage zu treffen?
Ganz ehrlich: Wer mir bisher nur die Dr. Oetker Fertigpizza serviert hat, dem werde ich eher nicht vertrauen, wenn es darum geht, wie ich den besten Pizzateig hinbekomme. Da gehe ich lieber zum Frank. Wenn ich eine Frage über die Ewigkeit habe, dann will ich wissen, ob derjenige, der hier eine Aussage trifft, wirklich Ahnung davon hat.
Und genau das ist der Punkt, den Johannes jetzt machen wird.
Jesus als der, der aus der Ewigkeit kommt
Das letzte Mal lag der Fokus darauf, die Opfer- und Messiasrolle von Jesus zu betonen und zu erklären, warum die Menschen ihm nachfolgen sollen. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Qualifikation von Jesus – warum Menschen ihm ihr Vertrauen schenken sollten. Jesus ist ganz anders als alles, was bisher da war.
Johannes 3,31 liefert darauf eine Antwort: „Wer von oben kommt, steht über allen.“ Ich denke, dass es Johannes ist, der hier spricht. Es ist allerdings nicht ganz ausgeschlossen, dass es der andere Johannes ist, nämlich der Evangelist. Im Johannesevangelium ist oft nicht klar, wo die wörtliche Rede endet und wo der Evangelist Johannes seinen Kommentar einfügt.
Ich mache es mir einfach und behaupte, dass es Johannes ist, der das äußert, lasse aber offen, welcher Johannes genau gemeint ist. Dennoch glaube ich, dass hier eine wichtige Information über Jesus vermittelt wird. Sie erklärt, warum wir ihm vertrauen können und warum Johannes kein Problem damit hat, dass seine Schäfchen ihm nachlaufen.
Der, der von oben kommt, steht über allen. Wer von der Erde ist, gehört zur Erde und redet aus irdischer Sicht. Der vom Himmel Kommende steht über allen. Er verkündet das, was er gesehen und gehört hat. Doch keiner nimmt seine Botschaft an.
Wer seine Botschaft angenommen hat, bestätigt damit, dass das, was Gott sagt, wahr ist. Denn der, den Gott gesandt hat, verkündet Gottes eigene Worte. Gott gibt ihm den Geist in unbegrenzter Fülle. Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gelegt.
Die Offenbarung der Ewigkeit durch Jesus
Kurze Vorbemerkung: Die Wahrheit über die Ewigkeit und das Leben nach dem Tod muss offenbart werden. Wir haben keine Möglichkeit, selbst hineinzuschauen, weil uns diese Welt verborgen ist. Es ist, als stünden wir vor einem dicken Vorhang und könnten nicht sehen, was dahinter liegt. Nur wenn uns jemand erzählt, was sich dahinter befindet, können wir eine Ahnung davon bekommen, wie es dort aussieht.
Genau das meint die Bibel, wenn sie von Offenbarung spricht. Übrigens ist es Gott, der diesen Vorhang für uns Menschen zunächst verbirgt. Deshalb muss uns Gott offenbart werden, und deshalb muss uns die Ewigkeit offenbar werden, weil sie uns hier erst einmal verborgen ist.
Das Alte Testament erzählt eine lange Geschichte, in der Gott anderen Menschen Dinge offenbart hat, die hinter dem Vorhang liegen. Er zeigt, wie er ist, wie wir in diese Ewigkeit gelangen können und wie es dort aussieht – allerdings nur in kleinen Häppchen. Es sind ganz kleine Fensterchen im Vorhang, durch die jemand vielleicht mal hineinschauen kann.
Die Liste der Zeugen Gottes, kluger Lehrer und einflussreicher Menschen in ihrem Volk, die wirklich gute Hirten waren, ist faszinierend und lang: Noah, Abraham, Joseph, Mose, Josua, Samuel, David, Hiskia, Jesaja, Josia, Jeremia, Esther, Nehemia und viele mehr. Diese Menschen haben Gottes Wahrheit offenbart und weitergegeben. Bei ihnen war Wissen zu finden, und sie haben andere geprägt.
Am Ende dieser Kette steht Johannes der Täufer. Auch er hatte Einblicke in das, was kommt, und wusste, wie der Weg in die Ewigkeit möglich ist – in diese Welt, die wir von hier aus nicht sehen können. Aber keiner von ihnen war hinter dem Vorhang. Keiner ist hinter dem Vorhang gegangen und zurückgekommen. Jeder von ihnen konnte diese Offenbarungen nur weitergeben, weil es ihm jemand erzählt hatte – durch Träume, Visionen, Erscheinungen oder andere Begegnungen mit Gott. Gott hat ihnen so ein Stück weit etwas sichtbar gemacht von dem, was da ist.
So zieht sich diese ganze Liste durch die Bibel, mit diesen großen Männern Gottes. Doch jetzt macht Johannes einen entscheidenden Punkt mit Jesus: Es sieht völlig anders aus. Mit Jesus bricht etwas völlig Neues herein.
Hier ist nicht mehr jemand, dem jemand anderes erzählt hat, wie es hinter dem Vorhang aussieht, und der vielleicht durch ein kleines Loch eine Kleinigkeit sehen konnte. Hier kommt jemand von hinter dem Vorhang in unsere Welt hinein. Hier kommt Gott selbst aus der Ewigkeit in unser Leben.
Hier trifft das Himmlische auf das Irdische, hier trifft das Ewige auf das Endliche. Etwas völlig Neues beginnt. Es steht nicht mehr ein Mensch wie du und ich da, der nur diese Welt kennt und beschreibt, was er hier erlebt hat. Hier steht plötzlich jemand, der aus der anderen Welt kommt, jemand, der aus der ewigen Welt kommt.
Mit Jesus kommt die Ewigkeit zu uns. Jesus ist nicht aus demselben Holz geschnitzt wie du und ich. Er ist auch nicht aus demselben Holz geschnitzt wie Abraham, Mose, David oder Josia. Nein, er ist anders – von einer ganz anderen Qualität.
Er ist nicht nur ein weiterer in der langen Liste wichtiger Menschen Gottes, die nur weitergeben konnten, was ihnen jemand erzählt hat. Hier kommt Jesus, der die Grenzen zwischen uns und der ewigen Welt aufbricht. Jemand, der aus der ewigen Welt kommt, der sie erlebt hat, der es weiß und uns sagen kann, wie der Weg dorthin aussieht.
Die Ewigkeit kommt in die Endlichkeit. Mit Jesus wird es anders. Gott macht sich aus der Ewigkeit auf den Weg in die Vergänglichkeit, um uns den Weg in die Ewigkeit zu zeigen.
Vertrauen in Jesus als Weg in die Ewigkeit
Wenn ihr eine Mathe-Schulaufgabe schreibt – vielleicht ist das bei euch schon der Fall, und es wird mehr – und wenn ihr im Studium seid, wird es noch mehr. Vor einer solchen Aufgabe passiert eine Sache: Es wird spekuliert, was drankommt. Jeder hat irgendwie eine Ahnung und eine Idee, was wahrscheinlich Thema sein wird.
Wenn ihr später im Studium seid, ist ein Indikator wichtig: Was war in den letzten Prüfungen dran? Dann könnte jetzt vielleicht etwas anderes oder Ähnliches drankommen. Jeder hat irgendeine Idee und spekuliert darüber. Vielleicht lernt ihr danach.
Wenn aber euer Lehrer sagt: „Die linearen Gleichungen würde ich mir diese Woche noch mal genauer anschauen“, dann macht ihr Folgendes: Ihr schaut euch in der Woche die linearen Gleichungen an. Warum? Weil der Lehrer, der die Schulaufgabe erstellt, wirklich Ahnung hat, was drin vorkommt. Er spekuliert nicht nur, sondern war wahrscheinlich nett zu euch und hat euch einen Hinweis gegeben.
So ist der Unterschied: Jesus ist nicht einfach jemand von uns, der nur ein paar Ideen über die Ewigkeit weitergeben kann. Er ist der Ewige. Er ist der, der aus diesem ewigen Leben kommt. Wenn er uns jetzt Auskunft über die Ewigkeit und den Weg dorthin gibt, dann gibt es nur eine kluge, schlaue Reaktion: auf ihn hören. So, wie ihr auf euren Mathelehrer hört, wenn er sagt, lernt diese Woche lineare Gleichungen.
Alles andere ist, ganz ehrlich, naiv und dumm, wenn ihr es nicht tut. So sieht es aus, wenn Jesus kommt. Wenn er aus der Ewigkeit kommt, dann hat er Ahnung, uns das weiterzugeben.
Das ist die Aussage, die Johannes hier trifft. Er sagt: Hier kommt jemand, der redet nicht mehr einfach nur von dem Zeug, was wir hier sehen. Hier kommt jemand, der die Ewigkeit selbst erlebt hat, der daraus kommt und uns sagen kann, wie wir dahin zurückkommen.
Wir wären dumm, wenn wir nicht auf ihn hören würden. Und wir wären verloren, wenn er nicht durch diesen Vorhang hindurchgekommen wäre, um uns diesen Weg zu zeigen. Wir hätten keine Ahnung, wie wir dahin gelangen könnten.
Es ist dieses gigantische Vorrecht, dass Jesus diese Erde betritt, um uns zu zeigen, wie der Weg in die Ewigkeit geht.
Die Fülle des Geistes und die Vollständigkeit der Offenbarung
Es gibt noch einen Vers, der möglicherweise einige voraussetzt: Gott gibt ihm den Geist in Fülle. Was ist damit gemeint?
Ich glaube, dass es bedeutet, dass alle anderen Propheten und so weiter nur teilweise etwas von Gottes Heilsweg und von Gottes Heilsoffenbarung zeigen konnten. Mit Jesus jedoch kommt die vollständige, vollkommene Wahrheit in unser Leben und in unsere Welt hinein. Hier ist nicht mehr nur Stückwerk vorhanden, sondern Vollständigkeit.
Ein weiterer Punkt ist, dass die anderen alle unvollkommene Menschen waren. Menschen, die Einfluss auf uns haben konnten, deren Leben aber nicht immer hundertprozentig mit dem übereinstimmte, was sie verkündet haben – David ist hier ein gutes Beispiel.
Mit Jesus kommt derjenige, der das perfekte, vollständige, vom Geist bestimmte Leben lebt. Er macht sichtbar, wie Wahrheit und Leben in Perfektion zusammenkommen.
Das nur als Erwähnung.
Die Entscheidung für oder gegen Jesus
Wie reagieren wir auf diese Offenbarung? Wie ich am Anfang erwähnt habe, entscheiden wir ständig, ob wir Menschen vertrauen oder nicht.
Wenn dir dein Metzger empfiehlt, dein 60-Euro-Steak vom 3H-Rind auf einer Kerntemperatur von maximal 65 Grad zu grillen, und du der Überzeugung bist, dass „viel hilft viel“, und es stattdessen bei 100 Grad machst, dann wird das Ergebnis nicht besonders gut sein. Für diejenigen, die nicht viel Ahnung haben, ist das eher in der Kategorie „Schuhsohle“ einzuordnen – es wird eine sehr zähe Angelegenheit.
Warum ist das so? Du hast dich dagegen entschieden, dem zu vertrauen, der Ahnung davon hat. Du hast dich entschieden, es selbst besser zu wissen als jemand, der es schon ein paar Mal gemacht hat. Das Steak zu verbrennen ist nicht so schlimm, das vergisst man in einem Jahr.
Aber wenn du dich entscheidest, es selbst besser zu wissen als der, der aus der Ewigkeit kommt und dir sagt, wie du in die Ewigkeit kommen kannst, dann wirst du auch die Folgen davon erleben.
Und genau das beschreibt der letzte Vers in unserem Abschnitt: „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ Es ist so simpel und auch so schwer.
Die Frage deiner Ewigkeit hängt daran, ob du dem vertraust, der aus der Ewigkeit kommt, oder ob du meinst, es selbst besser zu wissen. Das ist es, was Vers 36 sagt.
Bedeutung von „Ungehorsam“ im biblischen Kontext
Aber Moment, sagst du vielleicht, da steht doch, wer Jesus ungehorsam ist, wer ihm nicht gehorcht, dem droht ewige Verlorenheit – vielleicht schon bei einer kleinen Sünde. Wenn ich nicht ganz die Wahrheit zu Mama und Papa gesagt habe und Jesus kommt wieder, dann bin ich plötzlich allein zu Hause, während alle anderen weg sind. Ist das das, was hier gemeint ist?
Nein, ganz kurzer Exkurs: Das Wort, das hier verwendet wird, spricht immer, wenn es in der Bibel und im Neuen Testament gebraucht wird, von einem Ungehorsam gegenüber Gott, seinem Wort, seinem Evangelium und seinem Sohn. Wer es genau wissen will, wie es heißt: Es ist „Apatheo“. Dieses Wort wird sehr häufig im Kontrast zum lebendigen Glauben verwendet.
Beispielhaft sei Apostelgeschichte 14,1-2 genannt. Ich nehme jetzt die Elberfelder Übersetzung, weil die anderen Übersetzungen oft schon interpretieren, was das Wort aussagen will. Hier wird es deutlicher.
In Apostelgeschichte 14,1-2 heißt es: Paulus predigte das Evangelium. Es geschah aber zu Ikonion, dass sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und so redeten, dass eine große Menge sowohl von Juden als auch von Griechen glaubten – ähnlich wie hier bei Johannes, wo die eine Seite glaubt, die andere aber nicht. Vers 2: Die anderen Juden, die nicht gehorchen wollten, reizten und erbitterten die Seelen derer aus den Nationen gegen die Brüder.
In manchen Übersetzungen steht vielleicht „die Juden, die nicht glauben wollten“. Das Wort ist aber eigentlich eines, das mit „gehorchen“ übersetzt wird, also wörtlich so lautet. Ich denke, diese Verse in Apostelgeschichte helfen uns zu verstehen, was gemeint ist.
Dieses Gehorchen hat nichts mit einer einzelnen kleinen äußerlichen Tat zu tun. Es geht vielmehr um die Frage, ob ich dieser Heilsoffenbarung Gottes mein Vertrauen schenke und ihr dadurch gehorche, oder ob ich mich bewusst entscheide, es selbst besser zu wissen. Ob ich, wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, sage: „Nein, ich habe einen anderen.“
Es ist Ungehorsam gegenüber Gottes Heilsbotschaft, Ungehorsam gegenüber dem Sohn Gottes in einer bewussten Ablehnung dessen, wie Gott sein Heil offenbart hat. Es ist eine bewusste Ablehnung von Jesus Christus und seinem Evangelium.
Im Gegensatz zu diesem Ungehorsam steht der Glaube, den man auch mit Vertrauen übersetzen kann. Wir haben einen Parallelvers, der, wie vieles in diesem Ereignis, zu der Erzählung von vor zwei Wochen passt – zu Nikodemus und Johannes 3,18. Dort wird Ähnliches ausgesagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt; wer aber nicht glaubt, ist bereits verurteilt, denn der, an dessen Namen er nicht geglaubt hat, ist Gottes eigener Sohn.
Wir haben hier eine Doppelbedeutung: Wer Jesus nicht vertraut, bleibt in dem Elend dieser Welt, die unter Gottes Zorn steht. Aber wer Jesus vertraut, dass er der aus der Ewigkeit Kommende ist und dass er den Weg dahin zurück zeigen kann, hat bereits jetzt ewiges Leben.
Deine Ewigkeit wird hier und jetzt entschieden. Dein Platz, wo du die Ewigkeit verbringen wirst, wird heute entschieden an der Frage, ob du Jesus vertraust. Ob du ihm vertraust, dass es stimmt, was Jesus sagt. Ob du ihm vertraust, dass er zeigen kann, wie dieser Weg in die Ewigkeit funktioniert, wie wir zurückkommen können.
Wer es nicht tut, bleibt unter Gottes Zorn. Es ist eine bewusste Entscheidung, dem Ewigen nicht zu vertrauen. Und es ist Gottes Gnade, dem Ewigen zu vertrauen.
Wir alle kennen die Situation: Man kennt die Wahrheit, man weiß, was für ein geniales Angebot Jesus hier eigentlich liefert. Denn es kommt ja nicht darauf an, dass ich mir vor Gott wieder etwas gerechter arbeite, sondern Jesus’ Angebot ist gerade, dass er das Lamm Gottes ist, das die Sünden der Welt trägt.
Wir kennen das, wir erzählen anderen davon weiter. Und wir haben so viel Frustration, weil es uns vorkommt, als würden sie mit Scheuklappen durch diese Welt rennen und an dieser Wahrheit vorbeilaufen. So, wie wenn du als Eltern zu deinem dreijährigen Kind sagst: „Lang nicht an die Herdplatte!“ und es trotzdem noch einmal richtig hinfasst. Du hast vorher gewusst, dass es nicht gut ist.
So wirkt das manchmal, wenn wir anderen von der Schönheit Jesu erzählen – von der Liebe, von der Hingabe, von dem Opfer, das er für sie und uns gebracht hat, von dem Angebot, heute ewiges Leben zu haben – und keine Reaktion kommt.
Der Text beschreibt uns, dass das Realität ist.
Gottes Wirken und die Freiheit des Glaubens
Vers 27 heißt es zunächst, dass ein Mensch nichts nehmen kann, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben wird. Wir können Menschen nicht zu Nachfolgern machen, weder von uns noch von Jesus. Vielleicht können wir sie zu Lämmlingen machen – das haben Diktaturen immer geschafft, die Menschen hinterherrennen lassen, weil sie gehorchen müssen. Aber wir können nicht ihre Herzen so prägen, dass sie uns oder Jesus wirklich nachfolgen.
Das andere ist Vers 32, wo das noch einmal aufgegriffen wird. Jesus berichtet von dem, was er in der Ewigkeit gesehen hat, und von der Reaktion, die auch du erfährst. Niemand nimmt sein Zeugnis an. Hier erleben wir die größte Dramatik dieser Welt: Gott selbst kommt aus der Ewigkeit, um uns zu beschreiben, wie wir in die Ewigkeit kommen können. Und dennoch sagt ein Großteil der Menschen: „Interessiert mich nicht, glaube ich nicht, ich weiß es besser.“
Warum ist das so? In 1. Korinther 2,14 beschreibt Paulus eine wichtige Sache, die gut in die Theologie von Johannes hier passt: Ein Mensch, der Gottes Geist nicht hat, lehnt ab, was vom Geist Gottes kommt. Er hält es für Unsinn und ist nicht in der Lage, es zu verstehen. Ihm fehlt ohne den Geist Gottes das nötige Urteilsvermögen, um diese geniale Wahrheit anzunehmen – nämlich dass Jesus wirklich aus der Ewigkeit kommt und der Weg zurück dorthin führt.
Das liegt daran, dass ihre Herzen so steinhart sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, die Schönheit dieser Nachricht zu erkennen. Es ist nicht rational. Diese Botschaft lässt sich nicht einfach mit Argumenten vom Tisch wischen. Das heißt nicht, dass Argumente keine Rolle spielen, aber es ist keine reine Faktensache. Es ist eine geistliche Sache.
Was Paulus im Korintherbrief sagt, passt gut zu dem ganzen Kapitel im Johannes-Evangelium: Wenn Gottes Geist die Herzen nicht aufbricht, wird keine Veränderung passieren. Das gilt für diese grundlegende Wahrheit, ob Menschen zum ewigen Leben kommen oder nicht. Und das ist die Realität, die wir sehen: Jeder von uns hat schon Kontakt mit Menschen gehabt, die viel verstanden haben, aber es nicht annehmen wollten.
Das betrifft manchmal auch uns selbst, wenn wir uns wünschen, dass Menschen, die den Glauben schon angenommen haben, mehr in Gottes Bild verwandelt werden und ihm nachfolgen. Aber das lässt sich nicht mit Gewalt erzwingen. Glaube und Vertrauen, die notwendig sind, sind eine tiefe Sache des Herzens, unseres Inneren.
Das heißt nicht, dass der Verstand außen vor ist, aber es betrifft unsere Herzen. Ich kann mich nicht zwingen, jemandem zu vertrauen. Ich kann es mir zwar vornehmen, aber ob ich wirklich vertraue, ist eine Herzenssache. Und hier muss Gott wirken. Gute Taten kann ich selbst hervorbringen, Äußerlichkeiten kann ich selbst schaffen – aber veränderte Herzen nicht.
Das wäre entmutigend, wenn es dabei bleiben würde. Aber Vers 33 sagt, dass Vers 32 eine Übertreibung war. Warum? Vers 32 sagt, niemand nimmt es an, Vers 33 sagt jedoch: „Doch, wer seine Botschaft angenommen hat.“
Warum? Weil Vers 32 auf den natürlichen Menschen blickt, auf den Menschen, wie wir von der Erde sind. Und da ist keiner, der diese Botschaft annimmt. Aber es gibt Menschen, die sie annehmen, sagt Vers 33. Und damit bringen sie zum Ausdruck, dass es natürlich stimmt, was Gott über die Ewigkeit erzählt, weil sie ihr Vertrauen darauf setzen.
Es ist wie wenn ich mich an die Anweisung des Metzgers halte – dann sage ich auch, es stimmt, was er sagt. Ich vertraue ihm. So bestätigen wir damit quasi, dass es wahr ist, was Gott sagt.
Gottes Liebe und das Wirken des Geistes
Randbemerkung zum komplizierten Teil: Warum kommen Menschen überhaupt zu der Annahme dieser Botschaft? Vers 35 gibt uns darauf eine Antwort: Weil der Vater den Sohn liebt und alles in seine Hand gegeben hat.
Nun könnte man sagen, dass damit das Gericht und Ähnliches gemeint ist. Ich glaube jedoch nicht, dass Johannes hier das im Blick hat. Vielmehr verweist Vers 35 auf Vers 27, wo Johannes der Täufer sagt, dass sich niemand irgendetwas nehmen kann, außer Gott gibt es.
Selbst Jesus könnte sich keine Nachfolger nehmen, wenn Gott die Herzen nicht erwecken würde. Wir können keine Menschen schaffen, die der Wahrheit glauben, wenn Gott es nicht bewirkt. Aber Gott tut es. Das hat er auch schon im Gespräch mit Nikodemus beschrieben, in Johannes 3,8: „Der Wind weht, wo er will, du hörst sein Rauschen, aber wo er kommt und wohin er geht, weißt du nicht. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“
Die Bibel sagt uns nicht genau, warum der eine Mensch zum Glauben findet und der andere nicht. Sie sagt aber, dass Menschen zum Glauben finden, weil Gottes Geist wirkt. Wir sehen die Auswirkungen, wissen aber nicht, wie es genau passiert.
Wir stellen fest, dass Menschen plötzlich erkennen, wer Jesus wirklich ist. Sie kehren um zu ihm, setzen ihr Vertrauen auf ihn und folgen ihm nach. Wir sehen, dass Gott dabei ist, seinem Sohn eine Braut zusammenzustellen. Menschen werden in ihren Herzen berührt. Vielleicht nach Jahren, vielleicht aber auch plötzlich, selbst wenn sie nie von Jesus gehört haben, wird ihnen auf einmal klar und bewusst: Es ist die Wahrheit.
Jesus steht ihnen in seiner ganzen Größe und Schönheit als der Ewige vor Augen. Sie kehren um zu ihm und setzen ihr Vertrauen auf ihn.
Wir können darüber spekulieren, was da genau im Hintergrund passiert. Das ist etwa so, als würden wir darüber spekulieren, woher der Wind kommt. Wir können einfach staunend davorstehen und uns darüber freuen, dass Gott das tut.
Einladung und Ermutigung zum Vertrauen auf Jesus
Und wenn du heute hier bist und für dein Leben gilt, dass du dein Vertrauen auf Jesus Christus gesetzt hast, dass er der Weg und die Wahrheit des Lebens ist, dass er diesen Weg in die Ewigkeit Gottes erklären kann und er selbst der Weg ist, dann ist das eine Aussage, dass Gott an deinem Herzen gearbeitet hat.
Gott hat dein Herz längst aufgebrochen und dir diese Wahrheit offenbart. Er hat dein Herz geöffnet, damit du die Schönheit Gottes sehen kannst. Du hast heute ewiges Leben und gehörst hier und jetzt schon zu der Braut Jesu, die ihm eines Tages in der Ewigkeit heiraten wird, so wie sie in der Offenbarung beschrieben wird.
Wenn wir Menschen prägen wollen, kann Zwang nicht viel weiterhelfen. Denn es geht in erster Linie nicht um rationale Argumente oder das Gewinnen von Diskussionen. Wir haben nur eine Chance: Wir verkündigen Jesus, weisen auf ihn hin und beten und flehen vor Gott, dass er die Herzen dieser Menschen aufbricht. Dabei akzeptieren wir Gottes Zeitplan und die Wege, die er mit den Menschen geht.
Vielleicht sitzt du hier und sagst: „Puh, ich bin auf der Seite, wo ich das nicht glauben kann.“ Dann habe ich einen Rat: Bitte Gott, dass er dein Herz öffnet. Gott hört so ein Gebet gern und lässt sich gerne bitten. Deshalb flehe ihn an und bitte ihn darum, wenn du heute hier sitzt und Menschen im Blick hast, für die du schon lange ringst, dass sie diesen Weg Jesu nehmen und ihn als die Wahrheit in ihrem Leben anerkennen.
Ring vor Gott, dass er ihre Herzen aufbricht, und tu das Ganze in der Haltung von Johannes dem Täufer, um auf ihn zurückzukommen. Wenn du verstanden hast, wer Jesus ist, tritt an die Seite und freue dich, dass die Braut des Bräutigams größer, schöner und vielfältiger wird.
Wenn du Einfluss auf Menschen verlierst, weil der Einfluss von Jesus in ihrem Leben größer wird, ist dein Job getan. Der Job von Johannes war getan, als die Menschen angefangen haben, Jesus nachzulaufen.
Gott verwendet auch heute noch andere Menschen, um uns zu Jesus zu führen. Er verwendet heute noch Menschen, um uns im Glauben weiterzuführen. Aber unser Job ist es, Menschen zu Jesus zu führen, sie vor ihn zu bringen, an die Seite zu treten und uns zu freuen, wenn diese Braut schöner, herrlicher und gewaltiger wird.
Wenn Gott uns den Einfluss oder die Möglichkeit gibt, Einfluss im Leben anderer Menschen auszuüben – und er tut das bei jedem von uns, vielleicht bei deinen Freunden, deinen Kindern, deinen Arbeitskollegen oder auch von der Kanzel und anderen Orten –, dann haben wir genau eine Sache zu tun: diese Menschen zu Jesus zu bringen.
Wir haben genau eine Sache zu tun: daran zu arbeiten, dass wir in ihrem Leben immer unwichtiger werden und Jesus immer wichtiger wird.
Meine Kinder sind noch sehr jung, aber ich bin mir über eine Sache sehr sicher. Ich ringe und bete, dass Gott ihre Herzen aufbricht. Aber ich bin mir sicher, dass ich mit zwanzig Jahren ziemlich unwichtig in ihrem Leben sein muss und Jesus wichtig, damit sie ihm nachfolgen und ihm gehören.
Es geht nicht darum, dass sie ihr Leben leben, wie ich es mir wünsche. Es geht darum, dass sie Jesus kennen und mit ihm leben. Er ist der Weg in die Ewigkeit, nicht ich.
Wenn du Menschen zu Jesus führst, dann führst du sie in die Ewigkeit. Wenn du sie zu dir führst – in deine Methoden, Werke und alles Mögliche –, dann bringt das Ganze nichts.
Ich muss unwichtiger werden, Jesus größer.
Gott verwendet heute Menschen noch, um andere zu prägen. Aber er tut es, indem sie diese Menschen zu ihm bringen.
Du kannst dich entscheiden, wie du Menschen prägen willst: Ob sie dir folgen und du frustriert und bitter wirst, wenn du in ihrem Leben keine Rolle mehr spielst und deine von Gott gegebene Aufgabe hier auf der Welt vielleicht erledigt ist. Oder du kannst Menschen zu Jesus bringen und dich freuen, wenn du merkst, wie Jesus in ihrem Leben immer wichtiger, größer, schöner und herrlicher wird.
Wenn du dich fragst, welchen Leuten du das Vertrauen gibst, dass sie Einfluss in deinem Leben haben dürfen, gebe ich dir noch eine Prüffrage mit: Führen dich diese Leute zu Jesus? Führt ihr Input dazu, dass Jesus in deinem Leben größer, schöner, herrlicher, wichtiger und genialer wird? Führt ihr Einfluss in deinem Leben dazu, dass du Jesus mehr liebst oder dass du abhängig von ihnen wirst?
Stell dir diese Frage bei den Leuten, von denen du dich beeinflussen lässt.
Es ist nicht falsch, dass uns Leute beeinflussen. Ich glaube, es ist der Weg, den Gott seit eh und je gewählt hat, durch den wir geprägt werden. Aber der Einfluss muss immer zu dem führen, der aus der Ewigkeit kommt und dadurch ewige Wahrheit spricht.
Mit Jesus „betritt der Ewige die Endlichkeit, Himmel und Erde berühren sich.“ Er offenbart nicht nur den Weg in die Ewigkeit, er ist es sogar.
Das ist gemeint, wenn wir unser Vertrauen auf ihn setzen, weil wir wissen, was heute nicht so stark behandelt wurde, aber Johannes in seinem anderen Gespräch behandelt hat: dass er das Lamm Gottes ist, das unsere Sünde wegräumt.
Ob du ihm und seiner Heilsoffenbarung vertraust oder sie ablehnst, entscheidet heute hier und jetzt über deine ewige Zukunft.
Die Frage hängt nicht davon ab, wie gut du bist, wie hübsch du bist oder was du geleistet hast. Die Frage hängt nur an einer Sache: Vertraust du Jesus? Glaubst du ihm?
Wenn das der Fall ist, dann sagt unser ganzer Abschnitt eine riesengroße Wahrheit: Dann hast du hier, heute und jetzt ewiges Leben, weil es an dem hängt, der aus der Ewigkeit kommt.
Dann gehörst du zu der Braut, die dem Bräutigam begegnen wird. Dann gehörst du zu denen, die Gott in die Hände seines Sohnes gegeben hat. Dann gehörst du zu dieser Braut, die der Vater dem Sohn zubereitet hat.
Warum? Weil Jesus nicht einfach allein losgerannt ist in diese Welt, um sie zu retten, und der Vater gesagt hat: „Na ja, machen wir halt mit.“ Nein, weil es Gottes Plan war, weil er seinen Sohn liebt, weil er diese Braut liebt und sie seinem Sohn zuführen will.
Amen.
