Wachstum ist kein Solo. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, nachfolge praktisch dein geistlicher Impuls für den Tag.
Weil gerade ganz viel los ist, gibt es einen Vortrag mit dem Titel „Wachstum ist kein Solo. Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt, Nachfolge praktisch – dein geistlicher Impuls für den Tag.“
Mein Name ist Jürgen Fischer, und in meinem Vortrag geht es um Gott, der uns durch Gemeinde verändert.
Teil zwei: Wie geistliches Wachstum wirklich geschieht.
Wachstum geschieht nicht isoliert
Lasst uns schauen, wie geistliches Wachstum wirklich geschieht. Wenn wir das ein Stück weit einordnen wollen, dann ist dieser zweite Punkt, wie geistliches Wachstum wirklich geschieht, so zu beschreiben: Es geschieht christologisch, gemeinschaftlich und organisch.
Es ist Christus, der seinen Leib wachsen lässt, indem er einen Organismus schafft, nämlich die Gemeinde. Und wir wachsen miteinander geistlich.
Der erste Punkt war: Du kannst nicht alleine geistlich wachsen. Es geht nicht. Ich kann euch sagen: Ich bin ja aus Berlin. Und in Berlin haben wir vielleicht mehr Leute, die auch mal kurz als Besucher in den Gottesdienst reinschauen. Wenn Leute lange Jahre nicht in Gemeinde waren, dann sind sie alle komisch. Es ist einfach so: Wenn du lange alleine als Christ unterwegs bist, wirst du komisch. Du bist fast nicht mehr in Gemeinde integrierbar. Also, das geht irgendwie nicht. Es tut Menschen einfach nicht gut.
Gaben, die dem Aufbau dienen
Und deswegen lasst uns mal Epheser 4 aufschlagen und diesen Gedanken des Miteinanders, dass geistliches Wachstum im Miteinander geschieht, kurz betrachten: Epheser 4 ab Vers 11.
Wir starten mit diesem Gedanken, dass Gott Gaben in die Gemeinde hinein gibt, weil wir einander brauchen. Und bitte lasst euch bei den Gaben, die ich jetzt vorlese, nicht irritieren. Wenn du sagst: Da finde ich mich nicht wieder, das sind so die ganzen Hammergaben, die jetzt kommen, dann geht das auch kleiner.
Außerdem sind diese ganzen Gaben, die in der Bibel stehen, Gaben aus dem ersten Jahrhundert. Wir brauchen vielleicht im einundzwanzigsten Jahrhundert ganz andere Gaben auch, womit wir uns unterstützen können. Bleib stehen bei diesem: Ich habe eine Gabe, die darf ich entdecken, und mit der darf ich mich einbringen, und dann ist es gut.
Gleichwohl gilt, was hier steht, dass Gott Gaben gibt. Hier Epheser 4,11: Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.
Und jetzt: Wozu? Wozu gibt es diese Gaben? Dass die sich alle selber produzieren, vorne stehen und beklatscht werden? Nein, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi.
Also Gott gibt Gaben, damit andere durch diese Gaben ausgerüstet werden. Merkt ihr: Heiligung, Veränderung findet dort statt, wo ich es zulasse, dass Menschen mir dienen mit ihren Gaben. Aber sie findet natürlich auch nur dann in Gemeinschaft statt, wenn die, die Gaben haben, die auch einbringen.
Reife als gemeinsame Stabilität
Die Gemeinde ist wie ein Organismus, der darauf angelegt ist, zu wachsen. Und deswegen gibt Gott einzelne Dienste, damit Menschen reif werden.
Das Spannende ist dabei: Wenn wir weiterlesen, geht es nicht einfach nur darum, dass jeder für sich individuell reif wird. Da sind wir wieder bei unserem Götzen Hyperindividualismus: Ich und mein Herr Jesus. Darum geht es gar nicht, sondern wir müssen das viel kollektiver denken.
In Vers 13 heißt es nämlich, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes. Also: Wir alle sollen das erreichen. Eine Einheit im Glauben, also in diesen Glaubensdingen, sollen wir eins werden. Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.
Hier wird der Leib gesehen als Organismus, der zusammen groß wird. Es reicht also nicht, wenn die Leber sich richtig gut entwickelt und die Milz nicht mitkommt. Es reicht nicht, dass die Hand alles kann und der Fuß sich nicht bewegt. Versteht ihr? Wir alle müssen in diesem Wachstumsprozess unseres einen Organismus begreifen, dass jeder gebraucht wird.
Wenn Paulus in 1. Korinther 12 sagt, möge bloß keiner sagen: Ich werde nicht gebraucht, dann meint er: Doch, du wirst gebraucht. Ja, aber ich bin ja nicht so wie der. Ja, ist egal, du bist etwas anderes. Stell dir vor, alle wären wie der. Da würde die Gemeinde nicht funktionieren. Wir brauchen dich. Aber du darfst in diesem Organismus, weil die anderen Gaben haben, heranwachsen.
Orientierung statt geistlicher Unmündigkeit
Wir lesen noch einen Moment weiter, Vers 15, nein, erst einmal Vers 14, Entschuldigung. Es geht nämlich um die Frage: Was ist eigentlich Unreife? Also, wir sollen alle miteinander reif werden. Okay, was heißt denn das? Heißt das, dass wir dann reif sind, wenn wir keine Fehler mehr machen?
Die Antwort lautet: Ha, das ist spannend. Reife bedeutet hier in Vers 14, dass wir nicht mehr Unmündige sein sollen, hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre, durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.
Jetzt merken wir: Geistliche Reife hat nicht nur damit zu tun, dass du irgendwelche einzelnen Sünden unter die Füße kriegst. Geistliche Reife hat damit zu tun, dass ich eine Stabilität gewinne in meiner Christusbeziehung, dass ich nicht mehr so manipulierbar bin, dass ich geistlich nicht mehr so orientierungslos bin.
Aha, okay, und wo kriege ich das her? Diese Stabilität, diese Orientierung, diese Stärke? Ich kriege sie aus der Gemeinschaft, weil ich es zulasse, dass andere Menschen mir mit ihren Gaben dienen. Das geht so weit: Vorhin, als Ronny rausging, hat er diese Geschichte aus zum Beispiel Markus 2 vorgestellt, wo die Freunde mit dem Gelähmten kommen. Und dann schaut Jesus hoch und sagt: Und als er ihren Glauben sah.
Kannst du dir vorstellen, dass es Momente in deinem Leben gibt, wo du nicht mehr glauben kannst? Geh besser davon aus, dass es solche Momente gibt. Und weißt du, wen du dann brauchst? Du brauchst den, der die Gnadengabe des Glaubens hat. Warum? Weil der dazu da ist, dich, der du gerade gelähmt auf deiner Bahre liegst und nichts mehr kannst, zu packen und zu Jesus zu bringen.
Du darfst schwach sein, wenn du eingebunden bist in eine Gemeinschaft, die dich schnappt und sagt: Wir lassen dich jetzt hier nicht verrecken, wir bringen dich zu Jesus. Du brauchst Leute. Du wirst Momente haben, wo du so überfordert bist mit deinem Leben, dass du wissen musst: Wen rufe ich jetzt an? Und zu sagen: Hey, ich weiß, du bist so ein schräger Vogel, du kannst immer noch glauben, du hast immer noch Hoffnung, wenn alle anderen schon untergehen. Kannst du vorbeikommen? Ich brauche dich und einen Kaffee und ein Gespräch.
Das ist, wofür Gemeinde da ist.
Wahrheit und Liebe im Miteinander
An dieser Stelle, wenn ich das zulasse, wächst in mir etwas, was ich nicht selber machen kann. Ich hoffe, ihr versteht, was ich euch sagen möchte.
Es gibt Dinge, wenn es um Stabilität und um Orientierung geht und darum, dass ich nicht mehr hin und her geworfen werde. Es gibt Dinge, da brauchst du die anderen. Und du brauchst sie nicht nur, damit sie dir mal eine Bibelstelle zeigen oder eine Bibelstelle erklären. Du brauchst sie als Menschen an deiner Seite.
Deswegen ist es so wichtig, dass wir begreifen, dass geistliches Wachstum etwas damit zu tun hat, dass wir miteinander unterwegs sind. Du brauchst den anderen spürbar, erlebbar, mit seiner bewussten Andersartigkeit an deiner Seite. Du brauchst ihn als jemanden.
Und wir lesen weiter: Epheser 4,15. Lasst uns aber die Wahrheit bekennen in Liebe und in allem hinwachsen zu ihm, der das Haupt ist, Christus.
Du brauchst jemanden, der an deiner Seite steht und dir Wahrheit und Liebe bringt. Jemanden, der sich traut zu sagen: Du, an der Stelle sehe ich etwas in deinem Leben. Und ich glaube, wir müssen da einfach mal drüber reden. Aber er tut es auf eine Weise, dass du das annehmen kannst.
Wir brauchen eine Kultur, in der Wahrheit nicht hart und Liebe nicht beliebig wird. Das ist der Rahmen, den Gemeinde schafft, indem wir heilig werden.
Berufung zum Mitwirken
Nochmal: Dieser zweite Punkt. Wie findet Heiligung oder Wachstum statt? Es hat zuerst damit zu tun, dass Christus Haupt in meinem Leben ist und dass ich begreife: Durch meine Bekehrung werde ich Teil am Leib Christi.
Ich bin also nicht nur ein passiver Zuschauer, der zum Gottesdienst kommt und sich freut, dass irgendwelche Leute etwas vorbereitet haben: ein bisschen Musik, ein bisschen Predigt, einen Kuchen und einen Kaffee und danach noch ein Schwätzchen. Das wäre wirklich falsch. Das wäre viel zu kurz gedacht. Das entspricht nicht deiner Berufung.
Deine Berufung ist es, eingebunden zu werden. Wirklich auch ein bisschen mit stolz geschwellter Brust zu sagen: Ich werde gebraucht. Und zu sagen: Ich will meinen Geschwistern dienen.
Das bedeutet aber wiederum auch für die jüngeren Geschwister unter uns, die noch auf dem Weg sind: Das bedeutet, weil Gott dich begabt hat, musst du nicht erst superreif werden, um schon dazuzugehören. Du bist schon begabt. Du kannst die ersten kleinen Schritte schon gehen. Nein, ich würde sogar so formulieren: Du wächst gerade dadurch, dass du dich traust, mit dem, was du schon siehst, dich in deine Gemeinde einzubringen.
Wisst ihr, was mein erster Dienst war? Nach meiner Bekehrung war mein allererster Dienst nicht: Jürgen geht auf die Kanzel und predigt. Nein, das hat er nicht gemacht. Mein allererster Dienst war: Jürgen übernimmt das Brötchenschmieren für die Jugend am Samstagabend. Ich war der Aufseher über die Schrippenschmierer. Das war mein erster Dienst.
Warum? Na ja, ich war gerade zum Glauben gekommen. Ich konnte ein bisschen Leben organisieren, also konnte ich mich darum kümmern, dass es etwas zu essen gibt. Das habe ich gemacht. Und ich habe mich eingebracht. Das hat mir gutgetan.
Ich habe erlebt, wie Gott das Schritt für Schritt gesegnet hat und ich neue und andere Dienste übernehmen konnte. Ich konnte entdecken, was mir noch liegt, und durfte ausprobieren, was ich noch kann. Und das ist geistliches Wachstum im Rahmen von Gemeinde.
Abschluss und persönliche Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, welche Aspekte des Vortrags für dich herausfordernd waren. Gibt es Dinge oder Einstellungen, die du ändern musst?
Das war’s für heute. Überlege dir bitte, an welcher Stelle du in den kommenden Monaten ganz konkret geistlich wachsen willst.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
