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Jesus und die Gemeinde

21.05.2018
Serie•Teil 16 / 21Jesus
Jesus will keine bloße Masse, sondern eine Gemeinde, die ihm gefällt: echt, heilig und für die Ewigkeit. Die Frage ist nicht nur, ob du gerettet bist – sondern ob du mitbaust.

Einordnung des Tages und der Predigtreihe

Also, es geht weiter in einer Reihe. Mein Name ist Jürgen Fischer, die Reihe läuft schon ein bisschen. Das ist jetzt die sechzehnte Predigt aus der Reihe Jesusreihe. Und weil heute Pfingsten ist, dachte ich mir, wir bauen das mal so ein bisschen zusammen.
Pfingsten ist ein christlicher Feiertag, der zumindest mir früher im Gegensatz zu, sagen wir mal, Ostern oder Weihnachten, sogar im Gegensatz zu Himmelfahrt, nicht so furchtbar bekannt und nicht so furchtbar spektakulär war. Und trotzdem hat Pfingsten etwas, wo ich sage: Wow!
Worum geht es eigentlich, wenn wir Pfingsten feiern? Dazu muss man mal zurückgehen in die Geschichte: Jesus, Kreuz und fünfzig Tage nach Ostern. Ihr müsst euch vorstellen, Jerusalem ist voller Pilger aus aller Welt. Fünfzig Tage nach Ostern predigt Petrus in Jerusalem über Jesus. Er predigt, dass Jesus der Messias ist. Er predigt, dass Jesus der Retter der Welt ist. Und es passiert, was ich mir einmal in meinem Leben wünschen würde.
Also, wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre das ziemlich auf eins, und da würde auch lange nichts kommen. Er hält eine Predigt, und danach kommen die Leute zu Tausenden und fragen ihn: Was müssen wir tun, damit wir gerettet werden?
Stellt euch das vor: Du stellst dich einmal in Spandau vor die Nikolaikirche und predigst, und dann steht da eine Traube von zwei-, drei-, fünftausend Menschen, und alle sagen: Wir wissen, wie man gerettet werden kann. Das ist an Pfingsten passiert.
Und mit einem Mal haben wir sie: die erste größere Gruppe von Christen. Die heißen noch nicht Christen, die werden einfach Jünger Jesu genannt. Und noch besteht diese Gruppe fast ausschließlich aus Juden. Aber es ist an Pfingsten der Anfang von etwas komplett Neuem, von dem, was wir heute Gemeinde nennen oder was wir heute Kirche nennen. Die weltweite Gemeinde, die weltweite Kirche Gottes, entsteht mit einem Mal an diesem einen Tag.
Das ist das, was wir an Pfingsten feiern. Und deswegen dachte ich mir, es passt doch: Wir machen einfach mal eine Predigt zum Thema Jesus und die Gemeinde. Okay, das machen wir heute.
Und wer die Reihe kennt, weiß: Es hat sich etwas etabliert, das ziehe ich jetzt einfach auch bis zum Schluss durch. Es gibt immer drei Vorbemerkungen. Drei Vorbemerkungen, die irgendwas mit dem Thema zu tun haben und mir die Chance geben, so ein bisschen größer erst ein paar Dinge klarzumachen, bevor man dann eigentlich auf das Thema einsteigt.

Der rote Faden durch Gottes Geschichte

Die ersten großen Einschnitte

Vorbemerkung Nummer eins: Ich fange einmal so an, mit der Geschichte Gottes mit den Menschen.
Wenn man die Bibel liest, und wir machen das im Moment in einem kleinen Hauskreis, indem wir einmal so den roten Faden durch die Bibel betrachten, dann stellt man fest: Die Geschichte Gottes mit den Menschen ist gleichzeitig geprägt von Brüchen, in denen Neues entsteht, und von einer Kontinuität.
Die Kontinuität kommt von Gott. Und die Brüche sind wichtig, damit wir begreifen, dass Gott in diese Welt hineinwirkt. Er gießt aber nicht einfach einmal eine Idee darüber aus, wie er ist und was er möchte, sondern er entwickelt langsam seinen Gedanken, wie er Menschen retten möchte.
So gibt es, wenn man die Bibel durchliest, in der Phase der Menschheit verschiedene für sich geschlossene Episoden. Es ist jedem klar: Am Anfang liest man vom Garten Eden, und dann kommt der Sündenfall. Das ist eine geschlossene Episode. Es war einmal gut, und dann war es plötzlich nicht mehr gut.
Dann gibt es eine Phase, in der auf der Erde nicht viel anderes als Böses ist, und das endet mit der Sintflut. Auch das ist so eine Episode.
Dann gibt es eine weitere Episode, die mit Abraham beginnt. Wir nennen das die Episode der Patriarchen, also Abraham, Isaak, Jakob, Josef. Sie gehören alle dazu, und das läuft dann auch eine Weile durch. Und dann merkt man plötzlich wieder so einen Bruch, weil dann etwas ganz Neues beginnt, und dieses Neue kommt mit Mose.
Mose muss jedem bekannt sein: Let my people go. Das ist Mose. Also Mose, der Prinz von Ägypten, der den Auftrag bekommt, sein in Ägypten versklavtes Volk zu befreien.
Das Besondere an dieser Stelle ist: Gott sagt Mose, er soll das tun. Mose macht es, dann ziehen sie aus Ägypten aus, hinein in die Wüste, und Gott sagt: Stopp. Wir müssen etwas Neues anfangen. Es ist einer dieser ganz typischen Brüche in der Geschichte Gottes mit den Menschen.
Gott schließt mit diesem Volk Israel einen Vertrag. Das nennt man Bund. Und diesen Vertrag, den Gott am Berg Sinai mit dem Volk Israel schließt, nennt man den alten Bund.
Wer schon einmal etwas von den zehn Geboten gehört hat, das gehört genau da hinein. Zehn Gebote, Berg Sinai, Steintafeln und dann so unschöne Sachen wie das goldene Kalb – das passiert alles dort. Da beginnt, was wir heute den alten Bund nennen.
Ihr müsst euch diesen Begriff einfach nur einmal merken: der alte Bund. Gott schließt im Alten Testament am Berg Sinai einen Vertrag mit dem Volk Israel.

Der neue Bund für alle Glaubenden

Und dann heißt es in Jeremia 31,31: Ihr habt den Vers bei euch auf den Notizen. Siehe, Tage kommen, spricht der Herr, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund.
Also, wir haben den alten Bund. Den nennen natürlich nur wir alt, für die Leute damals war das das Nonplusultra, das war unser Bund. Aber jetzt kommt Gott und sagt: Das, was ihr hier habt an Beziehung zu mir, da geht noch mehr. Und ich werde einen neuen Bund mit euch schließen.
Also, es gibt einen alten Bund, geschlossen mit dem Volk Israel am Berg Sinai, und es gibt einen neuen Bund. Und diesen neuen Bund hat Gott geschlossen nicht mehr alleine mit dem Volk Israel, obwohl das die Ersten waren, die es betroffen hat, sondern mit allen Gläubigen.
Auch dieser neue Bund fängt in Jerusalem mit Juden an, aber er bleibt da nicht stehen. Die Juden sind nur die Ersten, die die Chance haben, diesem neuen Bund beizutreten. Aber dann ist er offen für alle Gläubigen. Weil dieser Bund ein Bund des Geistes ist. Also man wird nicht durch Geburt oder durch Ritual, sondern durch den Geist Gottes, den man bekommt durch den Glauben an Jesus, Teil dieses neuen Bundes.
Und dieser neue Bund, wann fängt der an? An Pfingsten. Das ist das, was Neues startet, okay? Das ist das, was wir feiern. Alter Bund, neuer Bund, alter Bund mit Israel, neuer Bund mit allen Gläubigen. Und natürlich zuerst mit den Juden, die das Angebot bekommen und dann haben sie ja vorhin gesagt, zu Tausenden diesem neuen Bund beigetreten.

Warum der neue Bund wirklich neu ist

Bilder, die den Unterschied erklären

Zweite Vorbemerkung, und die hört sich jetzt ganz lustig an, aber sie ist ernst gemeint: Der neue Bund ist ein neuer Bund. Ich sage das nochmal, weil das zu einfach klingt, aber es hat Tiefgang. Der neue Bund ist ein neuer Bund.
Ich mache das mal klar an einem Thema. Da wird Jesus angesprochen zum Thema Fasten. Er wird angesprochen von Leuten, die sehr konservativ sind. Die nannte man damals Pharisäer beziehungsweise Leute, die Jünger von Johannes dem Täufer waren. Das waren auch sehr konservative Leute, sehr strenge Juden. Und die fragen ihn: Wie ist denn das mit dem Thema Fasten?
Fasten heißt Verzicht auf Essen. Das war damals etwas, was man als religiöser Mensch gemacht hat. Sag mal, wie ist denn das? Wir sehen deine Jünger gar nicht so oft fasten, wie wir das machen. Also, wir machen das, und deine Jungs machen das nicht. Und das ist ja doch irgendwie ein Aufwand, und es macht ja auch nicht immer Spaß, auf Essen zu verzichten. Warum dürfen die das?
Und jetzt sagt Jesus etwas, und er sagt das schon im Vorgriff auf den neuen Bund. Er macht ein Beispiel. Er sagt in Markus 2,22: Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Dazu muss man wissen: Neuer Wein hat damals noch nachgegoren. Da ist also noch Kohlendioxid entstanden und hat den Schlauch noch gebläht. Ein Schlauch, das war so ein Ziegenhautschlauch, wo man den Wein reingegossen hat. Und wenn man so einen Schlauch eine Weile in Benutzung hatte, dann wurde er hart.
Und wenn du jetzt neuen Wein in einen alten Schlauch machst, der schon hart ist und nicht mehr dehnbar, was passiert? Er reißt. Und weil die Leute das wussten, war das völlig klar: Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Das macht man einfach nicht. Das ist einfach nicht, verstehst du ja, das macht man einfach nicht. Sonst wird der Wein die Schläuche zerreißen, und der Wein und die Schläuche verderben. Ist klar: Wenn der Schlauch gerissen ist, kann man ihn zunächst nicht mehr gebrauchen, und wenn der Wein erst mal am Boden ist, dann kann man auch nichts mehr machen.
Sondern, und das sagt er jetzt im Blick auf das Thema Fasten, also es geht um die Frage: Welche Rituale, Jesus, sind eigentlich, wenn man dir nachfolgt, woran muss man sich da so halten? Und jetzt sagt er: Sondern neuen Wein füllt man in neue Schläuche.
Wenn ihr noch Fragen dazu habt, kommt nachher auf mich zu. Wir können gerne über das Thema noch tiefer reden. Wichtig für uns nur: Vorbemerkung heißt ja, der neue Bund ist ein neuer Bund. Der neue Bund als Vertrag hat neue Vertragsbedingungen. Das heißt, wenn du dich jemals gefragt haben solltest: Warum schlachten wir eigentlich keine Passalämmer? Steht doch in der Bibel. Oder was viel schöner wäre: September, Oktober gibt es das Laubhüttenfest. Da trifft man sich als Gemeinde, baut eine Laubhütte und übernachtet draußen eine Woche lang. Muss ein unglaublicher Jux für die Kinder sein. Stell dir vor, draußen im Garten, könnten wir doch auch ein Laubhüttenfest machen. Eines von den drei großen Festen. Warum machen wir das eigentlich nicht? Steht doch in der Bibel. Ihr seid doch eine bibeltreue Gemeinde, oder? Also kommt, lasst uns Passalämmer schlachten und in Laubhütten übernachten.
Die Antwort ist relativ einfach, denn das ist alter Bund, alte Vertragsbedingungen. Wir leben im neuen Bund. Und da ist das einfach so, dass Tempel, Priester, Opfer, Reinigungsvorschriften, religiöse Feste, diese ganzen kultischen Bestandteile des Alten Testaments, die ganzen Rituale, für uns keine Bedeutung mehr haben.
Aber Achtung: Wenn du jetzt sagst, haha, da brauche ich das Alte Testament nicht lesen, nein. Denn wir haben es immer noch mit demselben Gott zu tun. Das ist der Grund dafür, warum in puncto Ethik und Moral oder auch in puncto Weisheit das, was im Alten Testament steht, was Gott seinem Volk im Alten Testament beibringt, auch für uns im Neuen Bund noch von größter Bedeutung ist. Wisst ihr, das Gesetz offenbart Gottes Charakter, und es offenbart Gottes Denken zu den ganz unterschiedlichen Aspekten des Lebens. Und deswegen brauchen wir das, auch wenn die Art und Weise, wie wir Gottesdienst feiern oder mit welchen Ritualen wir Gott ehren oder auch wie man zum Beispiel Teil dieses neuen Bundes wird, wirklich neu ist.
Und da müssen wir ein bisschen aufpassen. Ihr werdet das öfter mal mitkriegen, dass Leute versuchen, durch die Hintertür so ein paar Sachen mit in den neuen Bund zu schleifen. Da muss man immer fragen: Woran machst du das fest? Warum willst du das? Eigentlich leben wir doch gar nicht mehr da.
Das war die zweite Vorbemerkung.

Der Geist als Kennzeichen der neuen Gemeinschaft

Was Pfingsten für jeden Gläubigen bedeutet

Die dritte Vorbemerkung hat damit zu tun, was an Pfingsten passiert. An Pfingsten bekommen die Gläubigen den Heiligen Geist. Das heißt: Petrus predigt, Menschen bekehren sich, und sie bekommen dann, nachdem sie sich taufen lassen, also wirklich umgekehrt sind zu Gott, angefangen haben, an Jesus zu glauben und sich haben taufen lassen, den Heiligen Geist. Sie werden mit Heiligem Geist getauft.
Und ich dachte, Pfingsten ist ein guter Moment, um das einfach mal so deutlich zu sagen. Denn wenn es um den Begriff Taufe mit dem Heiligen Geist geht, dann hört man manchmal, das sei etwas, was nach der Bekehrung irgendwann später im Leben eines Gläubigen passieren könne oder müsse, je nachdem, welcher Richtung man sich anschließt. Genau das stimmt nicht.
Wenn man sich die Bibel anschaut, und ich habe mir an der Stelle erlaubt, euch einfach ein paar mehr Bibelstellen auf den Zettel zu schreiben, dann stellt man fest: Im Moment der Bekehrung bekommt jeder Gläubige den Heiligen Geist. Und ich hoffe, dass ihr irgendwie so: Wow! Dass ihr so spüren könnt, was das bedeutet. Es gibt nämlich nicht Gläubige der ersten Klasse und irgendwie der zweiten Klasse und dann vielleicht noch der dritten Klasse. Jeder, wenn er gläubig wird, bekommt den Heiligen Geist.
Und dieses Phänomen, dass jeder den Heiligen Geist bekommt, wird jetzt auf ganz unterschiedliche Weise in der Apostelgeschichte beschrieben, mit ganz unterschiedlichen Worten. Da heißt es zum Beispiel, der Gläubige wird mit Heiligem Geist getauft. Taufe heißt, wenn man jemanden in etwas eintaucht, so dass es ihn von allen Seiten umhüllt.
Aber an anderer Stelle wird über das gleiche Phänomen gesagt, der Heilige Geist kommt auf den Gläubigen. Oder er wird auf die Gläubigen ausgegossen. Oder sie empfangen den Heiligen Geist. Oder er fällt auf die Gläubigen. Er wird ihnen gegeben. Immer wieder geht es darum, dass wir verstehen: In dem Moment, wo du gläubig wirst, bekommst du umfänglich den Heiligen Geist.

Einheit durch denselben Geist

Warum ist das wichtig? Es ist deshalb wichtig, weil der Heilige Geist das Element in unserem Leben ist, das uns als Gemeinschaft miteinander verbindet. Wenn du ihn hast und gläubig bist, oder wenn du ihn nicht hast, dann gehörst du nicht zum neuen Bund. Du bist nicht gläubig, du bist nicht gerettet, du hast ein echtes Problem.
Und deswegen kann Paulus dann in 1. Korinther 12,13 diese Verbindung noch einmal herstellen. Er sagt: Denn in oder mit einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden. Ihr müsst euch das so vorstellen, als könntet ihr euch Boris und Larry vorstellen. Die haben ja so einen großen Pool. Und jetzt stell dir vor, jeder von uns würde etwas in den Pool hineinwerfen. Der eine wirft einen Gartenstuhl hinein, der andere, was weiß ich, eine Grillwurst und so weiter. Dann trifft sich alles in diesem Pool. Alles sieht ein bisschen unterschiedlich aus, aber alles wird zu einem Leib getauft, alles wird quasi zu einem Leib zusammengefügt. Und das ist Gemeinde.
Einer von euch ist der Gartenstuhl, der andere die Grillwurst, der dritte das Handtuch, versteht ihr? Wir sind alle ganz unterschiedlich. Aber das, was uns verbindet, ist, dass jeder von uns den Heiligen Geist hat, jeder von uns in Gottes Geist getränkt ist.
Noch einmal: Denn in oder mit einem Geist sind wir alle zu einem Leib, zu einem Organismus, getauft worden, es seien Juden oder Griechen. Da merkt man: Egal, wo du herkommst, egal, welche Nationalität du hast, es seien Sklaven oder Freie. Ob du oben oder unten stehst, spielt überhaupt keine Rolle. Und sind alle mit einem Geist getränkt worden, das ist das Entscheidende.
Deswegen ist der neue Bund ein Bund des Geistes. Was uns verbindet, ist derselbe Geist. Also, was uns verbindet, sind nicht die Gottesdienstzeiten oder dass wir hier in Berlin-Haselhorst unseren Stadtteil mit dem Evangelium erreichen wollen. Das verbindet uns auch, ja. Aber was uns eigentlich verbindet, geht viel tiefer. Und das kann uns auch keiner mehr nehmen, und das ist der Geist Gottes. Gott hat zwischen uns diese Verbindung geschaffen, die wir leben dürfen.
Also drei Vorbemerkungen: Erstens, es gibt einen alten Bund und einen neuen Bund, und dieser neue Bund beginnt mit Pfingsten. Zweitens, der neue Bund ist ein neuer Bund mit neuen Regeln, aber mit derselben Moral, weil er einfach mit demselben Gott geschlossen wird. Und drittens, jeder Gläubige wird durch den Heiligen Geist mit anderen Gläubigen vernetzt, weil es nämlich der neue Bund des Geistes ist.
So viel zu den Vorbemerkungen.

Jesus als Ursprung und Ziel der Gemeinde

Gemeinde ist geplant

Kommen wir zu Jesus und der Gemeinde. In welchem Bund lebt Jesus? Laut! Im Alten, im Alten, versteht ihr? Der Neue fängt ja erst an Pfingsten an. Jesus selbst lebt also noch im alten Bund.
Aber du hast natürlich recht, wenn du sofort bei Jesus an den neuen Bund denkst, weil er irgendwie im alten Bund lebt, aber mit seinem ganzen Leben diesen neuen Bund vorbereitet. Ich weiß gar nicht, wie zerrissen Jesus sich manchmal gefühlt haben muss, wenn du sagst: Hey, ich lebe eigentlich für den neuen Bund, aber ich stecke noch im alten.
Jesus wird deshalb auch als der Mittler eines neuen Bundes bezeichnet. Er ist also das Bindeglied. Jesus steht für diesen Umbruch: alter Bund, neuer Bund. Und das ist wichtig.
Gemeinde ist nichts, was einfach passiert, sondern Gemeinde ist geplant. Und das ist mein erster Punkt: Gemeinde ist geplant.
Punkt eins: Jesus hat Gemeinde als Ziel seines Dienstes. Das ist deshalb wichtig, weil man schnell denken könnte: Na ja, Jesus ist gekommen, um für unsere Sünden zu sterben. Das war so ein bisschen das Ziel, warum Jesus auf die Welt kam. Und das ist richtig. Jesus kam und stirbt für unsere Sünden.
Aber dahinter steckt eine Idee, nicht einfach nur für Sünden zu sterben. Sondern dieser Tod, dieses, was am Kreuz passiert, reicht über das Kreuz hinaus. Er stirbt, damit Menschen Buße tun, damit sie glauben können, damit sie Vergebung finden, und damit sie Teil von Gemeinde werden können. Spannend, oder? Nicht einfach nur damit Menschen gerettet werden und dann warten wir, ein Freund hat mal gesagt, wie so ein toter Hund, und dann plumpsen wir halt in den Himmel, sondern Jesus hat Gemeinde im Blick.
Interessanterweise redet er nicht viel darüber, aber es gibt einen ganz bekannten Vers, den ich euch natürlich nicht vorenthalten kann, aus Matthäus 16,18. Ich lese ihn mal vor und dann erkläre ich das Drumherum.
 Matthäus 16,18: Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.
Jesus ist mit seinen Jüngern außerhalb von Israel unterwegs, um genau zu sein dort, wo heute die Golanhöhen sind. Und er fragt seine Jünger: Sag mal, was sagen eigentlich so die Leute über mich? Und die sagen ihm dann das, was die Leute über ihn denken. Und da merkt man: Eine ganze Reihe ganz falscher Ideen über Jesus sind im Umlauf.
Dann fragt Jesus seine Jünger, und ihr könnt euch schon denken: Wenn man so die Jünger fragt, wer antwortet als Erstes? Genau, Petrus. Ja, der sagt nicht immer das Richtige, aber diesmal schon. Er sagt: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Und als er das sagt, merkt man förmlich, wie Jesus so einen Stein vom Herzen kullern fühlt, dass überhaupt irgendjemand verstanden hat, worum es geht. Er ist total begeistert, sagt: Petrus, hey, das hast du vom Himmel geschenkt bekommen, so klasse ist deine Antwort, und freut sich. Dann kommt Vers 18, den ich eben vorgelesen habe: Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen. Und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.
Da ist ein Wortspiel dahinter, weil Petrus heißt Fels. Du bist Petrus, also du bist der, der Fels genannt wird, und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen. Und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.
Dieses „Ich werde meine Gemeinde bauen“ ist passiert an Pfingsten, natürlich auch danach, aber Pfingsten ist das, wo Petrus dann die Gelegenheit hat und nach vorne geht und sagt: Ich fange mal an zu predigen. Und was predigt er? Genau das, was er hier gesagt hat: dass Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Menschen bekehren sich zu Tausenden.
Jetzt schauen wir noch mal genau hin, was hier steht. Jesus sagt: Ich werde meine Gemeinde bauen. Und diese Gemeinde ist etwas ganz Besonderes, denn die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.
Hades ist auch so ein Wort. Hades steht für das Totenreich. Und wenn man sagt, dass die Pforten des Hades jemanden nicht überwältigen, dann bedeutet das ganz einfach: Die Jünger Jesu, die werden auch sterben, die kommen in den Hades hinein. Aber wenn das hier der Hades wäre, dann wäre da vorne die Pforte des Hades. Und wenn die Pforten des Hades mich überwältigen, dann bleiben die zu, und ich komme da nicht wieder raus.
Aber wenn die Pforten des Hades mich nicht überwältigen, dann kann ich sie wieder aufmachen. Dann komme ich quasi aus dem Totenreich, aus der Verlorenheit des Sterbens, wieder raus ins Leben.
Der alte Bund ist ein Bund, der wann aufhört? Für jeden Menschen in dem Moment, wo du stirbst. Er hat keinen Ewigkeitscharakter. Der alte Bund ist geschlossen mit Israel. Der neue Bund, sagt der Herr Jesus, gilt, wenn du gläubig wirst und an mich glaubst. Hey, es mag sein, dass du stirbst, aber die Pforten des Hades, der Hades, das Totenreich, kann dich nicht einschließen und behalten. Die Türen müssen wieder aufgehen, und du kannst da durchgehen. Und wir nennen das die Auferstehung zum Leben.
Denn die Gemeinde Gottes ist eine Gemeinde. Das Besondere an ihr ist, das Großartige an ihr ist: Sie ist für die Ewigkeit. Und so eine Gemeinde, etwas, was für die Ewigkeit ist, eine Gemeinschaft, die für die Ewigkeit konzipiert ist, die nicht nur hier auf der Erde anfängt, sondern in aller Ewigkeit weiterläuft, das ist die Form von Gemeinde, die Jesus bauen möchte.
„Ich werde meine Gemeinde bauen.“ Das Leben Jesu, so wie wir es in den Evangelien lesen, ist das Vorspiel dafür, ist die Vorbereitung für dieses Projekt Gemeinde. Er lebt, weil er sich diese Gemeinde wünscht. Und dieses Projekt Gemeinde startet so richtig durch mit Pfingsten. Durch Petrus.
Wisst ihr, Gemeinde war für Jesus immer auf dem Schirm. Gemeinde ist das, worum es Jesus geht. Und Gemeinde, das sind wir. Gemeinde, das sind die Menschen, die an Jesus glauben. Gemeinde ist das Ziel.
„Ich werde meine Gemeinde bauen“, und wir sind seine Gemeinde. Wisst ihr, wenn wir Wachstum erleben, also wenn Menschen zum Glauben kommen, wisst ihr, woran das liegt? In letzter Konsequenz liegt es daran, dass Jesus seine Gemeinde baut. Und ich glaube, durch die Jahrhunderte hinweg kann niemand dieses Projekt aufhalten.
Ich weiß nicht, wie viel dir Gemeinde bedeutet. Aber wenn wir Jesus anschauen, dann müssen wir, und das ist mein zweiter Punkt, verstehen: Gemeinde ist nicht nur das Ziel, sondern Jesus hat für Gemeinde alles gegeben. Das ist mein zweiter Punkt.

Gemeinde ist teuer erkauft

Ich weiss nicht, ob irgendjemand es besser verstanden hat als der Apostel Paulus. Und er bringt das an einer Stelle, wo ich es gar nicht so gerne in der Bibel finde, das will ich mal ganz ehrlich sagen. Er bringt das in einem Zusammenhang, wo Paulus Männer ermahnt, ihre Frauen zu lieben.
Jetzt sind Männer, wenn es darum geht, Frauen zu lieben, gelinde gesagt begriffsstutzig. Also, wir haben nicht so recht die Idee, wie weit das geht, wie viel Hingabe da erforderlich ist. Und damit man da jetzt nicht zu klein denkt, benutzt Paulus eine Analogie. Er sagt: So wie der das gemacht hat, solltest auch du deine Frau lieben.
Und jetzt kommt es: Epheser 5,25. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde.
Und wenn euch jetzt nicht ein klein bisschen der Atem stockt als Ehemann, denkt noch mal in Ruhe zu Hause darüber nach, was hier steht: Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Das ist der Anspruch.
Wenn du verheiratet bist, überleg es dir gut. Denn wenn du Ja sagst, dann sagt Jesus: Mach es so, wie ich es vorgelebt habe. Jetzt will ich mal nicht weiter über Ehe reden, sondern darüber, dass hier steht: Jesus hat für die Gemeinde alles gegeben. Es gibt kein grösseres Investment, als dass ich für jemand anderen sterbe. Und Jesus hat sich komplett hingegeben, er ist gestorben. Frage: Für wen? Für die Gemeinde.
Du möchtest wissen, wie sehr Jesus die Gemeinde liebt? Schau zum Kreuz, dann siehst du, wie sehr die Gemeinde von Jesus geliebt wird. Er liebt sie so sehr, da geht nichts mehr.
Und wenn ich das so sage, dann stellt sich die Frage: Ich weiss nicht, wofür du lebst, so in letzter Konsequenz. Ich weiss nicht, was du liebst. Ich weiss nicht, welche Priorität für dich Gemeinde hat. Ich weiss nicht, ob du Gemeinde liebst. Und jetzt möchte ich etwas ganz deutlich sagen: Ich meine einfach mal uns als Gemeinde hier vor Ort.
Denn biblisch betrachtet ist niemand anonymer Teil einer weltweiten Gemeinde. Das gibt es in der Bibel nicht. Sondern biblisch betrachtet ist jeder so sehr Teil einer weltweiten Gemeinde, wie er vor Ort Teil einer Ortsgemeinde ist. Gemeinde ist immer gelebte Gemeinschaft. Gemeinde ist immer erlebte Gemeinschaft. Und jetzt sind wir ehrlich: Gemeinde ist immer erlittene Gemeinschaft.
Aber in dem Mass, wie ich mich auf eine real existierende Gemeinschaft von Gläubigen einlasse, wo ich mich mit meinen Gaben investiere, in dem Mass bin ich auch Teil einer weltweiten Gemeinde. Und darum geht es dieser Art von Gemeinde.
Ich weiss nicht, wie du diese Art von Gemeinde, diese Gemeinschaft von skurrilen Menschen, mit denen Gott dich zusammengestellt hat, siehst. Aber ich kann dir eines sagen: Diese Gemeinschaft liebt Jesus. Also mag sein, dass du nicht jeden hier magst, aber ich kann es nicht anders sagen: Jesus mag jeden, der hier sitzt. Jesus liebt jeden, der hier sitzt. Jesus hat alles für jeden Einzelnen investiert. Und er hat dafür gesorgt, er hat quasi jeden von uns in diese Gemeinschaft hineingeliebt, damit wir Teil von Gemeinde werden.
Ich weiss nicht, welche Bedeutung Gemeinde für dich hat. Aber ich glaube, wenn wir Gemeinde mit den liebenden Augen — ich hatte es mir nicht getraut, ein Skript zu schreiben, aber ich sage es jetzt trotzdem — mit den verliebten Augen Jesu sehen könnten, ich glaube, das würde etwas mit uns machen. Wenn wir uns hineingeliebt wüssten, wenn wir das Aussergewöhnliche begreifen würden.
Hier ist eine Gruppe von erretteten Sündern, die alle durch ein und dieselbe Sache miteinander verbunden werden, nämlich dass Jesus sie liebt, dass wir Jesus vertrauen, dass wir für Jesus leben und dass wir auf Jesus hoffen. Wenn wir sehen könnten, wie grossartig das ist, vielleicht würden wir selbst anfangen, Gemeinde zu lieben, wie Jesus sie liebt, und alles für sie zu geben.
Ich kann dir die Entscheidung nicht abnehmen, wofür du leben möchtest. Aber ich denke mir auch erst mal für mich selbst: Wenn Jesus Gemeinde als Ziel hatte und für sie alles investiert hat, wäre es dann nicht schlau oder wenigstens angemessen, wenn ich als Jünger Jesu so die letzten paar Jahre, die ich auf der Erde noch habe, es sind ja nicht mehr viele, das ist ja eine überschaubare Menge, und wir haben es vorhin in den Ansagen durch dieses tragische Beispiel gehört: Du weisst nicht, wann dein Investment vorbei ist.
Ist es da nicht schlau, einfach zu sagen: Wenn Jesus alles investiert hat, na ja, wenn Jesus sagt, ich werde meine Gemeinde bauen, dann könnten wir doch sagen: Ich auch. Wenn Jesus sagt, ich werde meine Gemeinde bauen, dann baue ich mit. Es bleibt ja immer seine Gemeinde. Entschuldigung, wir bauen ja nicht unsere Gemeinde. Aber wenn Jesus sagt, ich werde meine Gemeinde bauen, dann zu sagen: Und ich baue mit. Ich schaue mir an, was Jesus so besonders wichtig ist, und dann mache ich das auch. Einfach nur, weil sie ihm wichtig ist.

Was Jesus an seiner Gemeinde sucht

Nicht Masse, sondern Schönheit

Jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Was ist Jesus eigentlich wichtig? Das heißt ja: Jesus und die Gemeinde. Jetzt wissen wir schon: Gemeinde ist für ihn das Ziel. Gemeinde ist das, worin er einfach alles investiert. Aber was für eine Art von Gemeinde wünscht er sich eigentlich?
Und das Spannende ist: Wenn du dich heutzutage so in die evangelikale Szene hineinbegibst und dir anschaust, was wirklich wichtig ist, dann gibt es genau eine Kerngröße, um die immer alle reden: Wie viele Leute kommen zu deinem Gottesdienst? Das ist der Punkt. Du bist dann erfolgreich, wenn dein Gottesdienst boomt. Und wenn du nicht nach zehn Jahren einen zweiten Gottesdienst aufmachen musst, dann bist du einfach ein schlechter Gemeindegründer.
Jetzt wird jeder sagen: Na und? Ja, das betrifft euch nicht. Aber das ist das, wo ich manchmal denke: Ja, weil wir sind jetzt schon über zehn Jahre unterwegs und haben keinen zweiten Gottesdienst. Und wir halten uns gerade so bei uns. Schnagniert das gerade so, und dann kommt es mal zu und wir sind weg. Und dann tut es mir einfach unheimlich gut, wenn ich lese, was Jesus wichtig ist. Jesus sagt nirgendwo auch nur irgendwie: Mir sind Zahlen wichtig. Benchmark, muss er erreichen. Sondern Jesus sagt: Nein, wenn Jesus an Gemeinde denkt, dann denkt er an Menschen. Und das Witzige ist: Er denkt an hübsche Menschen. Ist das cool? Er denkt an hübsche Menschen, Menschen, die heilig leben, die schön sind in seinen Augen.
Und wir lesen noch einmal Epheser 5, jetzt die Verse 25 bis 27:
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen. Sie reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzeln oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei.
Hast du dich mal gefragt, warum Jesus dafür gesorgt hat, dass du die Bibel, das Wort Gottes, hast? Es ist ja doch 1400 Seiten Literatur, einem so zuzumuten. Warum macht er das? Hier ist die Antwort: Er möchte, dass du darin liest. Und er möchte, dass die Bibel für die Gemeinde wie ein Vollbart wird. Wenn ich so richtig dreckig bin, dann geht man mit dem Vollbart darüber, zupfst du dich überall ab, und dann bist du wieder sauber. Genau das ist die Idee hinter Bibellesen. Jesus möchte eine hübsche Gemeinde ohne Flecken und Runzeln. Jesus möchte eine heilige und tadellose Gemeinde. Es geht ihm nicht um die Zahlen, es geht ihm um die einzelnen Leute.
Seht ihr den Schwerpunkt? Es geht darum, dass Jesus sagt: Mir ist egal, wie viele Menschen zum Gottesdienst kommen. Und ich würde mir wünschen, wir könnten jeden Sonntag das Olympiastadion füllen. Von meinem Wunschtraum hätte ich keine Sorgen, das wäre mein Ding. Wenn man sagt, wir machen das voll, morgens und abends, kein Thema, super, würde mich freuen. Und ich weiß, es würde mich auch nicht belasten als Prediger, weil das dann so ist: Ich weiß, wie ich gestrickt bin. Ich könnte auch so 50 predigen, das wäre nicht mein Ding, da hätte ich keine Angst.
Nur wenn ich hier sehe, was Jesus betont, dann sagt er: Okay, das wäre schon schön, wenn so viele gläubig wären. Aber was ihm wichtig ist: Gemeinde soll so sein, dass sie ihm gefällt. Jesus ist Heiligkeit wichtig. Ihr wisst, was Heiligkeit ist: Heiligkeit heißt, ich schmeiße Sünde konsequent aus meinem Leben raus.
Frage: Warum?
Antwort eins: Weil Jürgen es sagt. Na ja, wäre schön.
Antwort zwei: Weil Gott mich für Sünde züchtigt. Das wäre zumindest klug.
Antwort drei, und das wäre die Top-Antwort: Weil ich Jesus gefallen will. Wow, stellt euch mal das als Motivation vor. Du unterhältst dich mit jemandem und sagst: Ich habe letzte Woche aufgehört, dies und das und die Sünde zu tun.
Ja, warum denn?
Ja, ich möchte einfach Jesus gefallen. Weißt du? Ich möchte einfach, dass mein Herr sich an mir freut. Ich höre nicht mit Sünde auf, weil ich andere beeindrucken will oder Angst vor Strafe habe, sondern aus Liebe. Überlegt euch das mal: Ich habe jemanden lieb und ich will ihm gefallen.
Bibel lesen, heilig leben wollen, Sünde sein lassen, weil ich Gott liebe, weil er mich geliebt hat und ich begriffen habe: Er hängt am Kreuz wegen meiner Sünde. Meine Sünde hat ihn dahin gebracht. Und er hing da nicht nur, um für meine Sünde zu sterben, sondern um mich zu heiligen. Das sagt der Text. Er hat eine Gruppe von Menschen vor Augen, die er nicht nur aus der Hölle retten will, sondern die er für sich will. Er möchte sie für sich gewinnen.
Weißt du, mag sein, dass dich keiner sonst mag. Ich bin auch so groß geworden, dass mich nicht unbedingt viele Leute mochten. Und ich habe heute auch nur einen überschaubaren Fanbereich. Aber hey, es gibt eine ordentliche Portion Leute, die mit mir nichts anfangen können. Aber immer, wenn ich das dann mal gerade so mitkriege, denke ich mir: Einer will mich. Und das ist Jesus. Er will mich für sich als Teil seiner Gemeinde.
Aber, und das ist wichtig, er möchte eine hübsche Gemeinde. Er will, dass wir nicht dabei stehen bleiben, ihn einfach nur als Retter zu sehen, sondern, und jetzt schließe ich die ganze Predigt mit einem anderen Bild ab, das steht nicht hier, aber es taucht an anderer Stelle auf: Er möchte, weil es so schön ist, unser Bräutigam sein. Wir als Gemeinde sind die Braut, und er, der Herr Jesus, ist der Bräutigam. Und eine Braut macht sich schön für ihren Bräutigam.
Für den Fall, dass du das nicht glaubst, schau noch mal in dein Update, vorletztes Update, da hatten wir eine Braut. Da war Anne. Und Anne hat sich in einem Maß rausgeputzt, wie ich Anne noch nie rausgeputzt gesehen habe. Für den Fall, dass du mir nicht glaubst, ich zeige dir das Bild, ich habe es auf meinem Handy dabei. Es ist einfach: Du hast sie noch nie so gesehen, und ich wette fast, du wirst sie auch nie wieder so herausgeputzt sehen, weil das eigentlich überhaupt nicht ihr Ding ist. Okay, gut, ich nehme das halb zurück. Aber das ist völlig klar.
Als ich sie abgeholt habe, ich habe mir Christfrieds BMW ausgeliehen, habe sie ein bisschen schick gemacht, bin hingefahren, habe sie eingesackt, stellte ich mir vor, da wäre jemand rausgekommen und sie hätte so ausgesehen, wie sie sich heute schick für den Sonntag. Ja, schade, hätte ich mir jetzt irgendwie mehr erwartet. Aber natürlich kam sie strahlend weiß, mit dem Blümchen im Haar und diesen quietschblauen Schuhen. Also es war einfach, ja, es war einfach: Eine Braut macht sich schön für ihren Bräutigam. Das ist das absolut Normalste auf dieser Welt.
Und so sollte es für uns völlig normal sein, Sünde aus unserem Leben zu schmeißen, bis wir eine nach der anderen loswerden. Erst die ganz offensichtlichen, dann die, die so ein bisschen hartnäckiger sind, dann die, die sich versteckt haben, die man wirklich erst findet, wenn man die Bibel liest, wo man sagt: Oh, da ist auch noch was. Und hoffentlich am Ende dann so diese tiefsitzenden Charaktersünden, wo man wirklich merkt: Boah, tough, ja.
Und bei all dem nie vergessen, wenn ich das so predige: Wir leben aus Gnade, okay? Wir schmeißen die Sünde nicht aus dem Leben raus, damit wir gerettet werden. Wir sind schon gerettet, wir sind schon Geliebte. Wir leben schon in der Beziehung. Aber jetzt dürfen wir uns schön machen, schick machen für unseren Bräutigam. Warum? Weil Jesus Gemeinde liebt. Jesus und die Gemeinde.
Mir ging es darum, euch ein klein bisschen zu zeigen, wie sich Liebe und Sehnsucht Jesu um Gemeinde dreht. Er wollte uns. Er hat alles für uns gegeben, und er gibt uns im Gegenzug die Möglichkeit, ihm zu gefallen. Lasst uns das verstehen und irgendwie in der nächsten Woche in unserer Anbetung oder in unserem Umgang mit Sünde umsetzen, dass wir fleißig sind, kluge, heilige Entscheidungen zu fällen und uns für ihn schönzumachen. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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