Philipper 1, 12-18
Philipper 1,12-1816.07.2007
Serie•Teil 3 / 7Familienfreizeit 2007 - Nr. 2
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Die Bedeutung des Ortes und die Lage des Gefangenen
sein. Es kann auch der Sitz des Oberbefehlshabers des gesamten Heeres sein, was hier in Rom naheliegend wäre. Dabei könnten wir uns die Frage stellen: Wieso muss ein einfacher Gefangener direkt im Haus des Oberbefehlshabers sein? Das ist eher unwahrscheinlich.
Es wäre auch möglich, dass es die Residenz eines Herrschers, also des Kaisers, ist. Das wird auch manchmal als Prätorium bezeichnet. Manchmal werden einfach die großen Häuser einflussreicher Leute als Prätorium bezeichnet. Manchmal ist es auch der Sitz der sogenannten Prätorianergarde. Das heißt, es ist eine Elitetruppe, die in Rom zum Schutz des Kaisers abgestellt war und im Laufe der Zeit, insbesondere im zweiten und dritten Jahrhundert, immer mehr rebelliert hat. Dann hat sie Kaiser ein- und abgesetzt, wie es ihr gerade gefiel.
Nun, wir könnten uns die Frage stellen: Was ist hier genau gemeint, wenn er sagt, dass im ganzen Praetorium offenbar geworden ist, dass er in Gefangenschaft ist wegen Jesus Christus? Was Paulus damit ja allgemein unterstellt, ist: Er ist nicht gefangen, weil er selbst irgendetwas verbrochen hat. Das ist der entscheidende Punkt. Die Menschen um ihn herum haben gemerkt, dass Paulus eigentlich unschuldig einsitzt. Er hat keinen Menschen umgebracht, er hat niemanden betrogen, er hat nicht gegen den Staat gemauert, sondern er sitzt nur ein, weil er sich für Jesus Christus einsetzt. Das ist der Punkt, der hier herauskommt.
Und manche Bibelausleger sagen, dass Paulus hier im Praetorium gewohnt haben muss, wenn hier steht, dass das im ganzen Praetorium bekannt geworden ist. Wenn das der Fall ist, dann ist das wahrscheinlich entweder die Kaserne der Prätorianer. Nach dem, was wir wissen, konnte man dort aber keine Wohnungen mieten, deswegen spricht eher etwas dagegen. Im Palast konnte man ebenfalls keine Wohnungen mieten. Wenn überhaupt, wäre es hier eher möglich, dass irgendeine höhergestellte römische Persönlichkeit dem Paulus ein Zimmer vermietet hat. Unter ständiger Bewachung von Soldaten konnte er dann in so einem Einzimmerappartement wohnen. Das wäre eine Möglichkeit.
Ich favorisiere hier allerdings noch eine andere Möglichkeit, nämlich dass Paulus hier gar nicht sagen will, dass er dort wohnt. Sondern dass seit seinem Aufenthalt im Praetorium das bekannt wird. Wodurch? Nun, dadurch, dass ständig Soldaten bei ihm sind, die ihn bewachen müssen. Und diese Soldaten sind aus der Prätorianergarde. Sie müssen sich immer abwechseln. Innerhalb von zwei Jahren hat er die ganzen Prätorianer einmal durch, und immer wenn sie den ganzen Tag bei ihm an den Ketten sind, dann predigt er ihnen. So hat er der ganzen römischen Elitetruppe in diesen zwei Jahren das Evangelium gepredigt. Deshalb sagt er: Im ganzen Praetorium ist das bekannt.
Das ist jetzt die Variante, die ich hier für wahrscheinlich halte, weil er hier nicht vom Wohnort spricht, sondern sagt: Im ganzen Praetorium ist das bekannt. Ob er sich dort aufhält, schreibt er ja nicht. Es ist dadurch bekannt. Und da wir wissen, dass er hier von den Ketten, von den Fesseln, in denen er ist, schreibt, ist ja klar, dass er bewacht wird. Die Soldaten, die das gemacht haben, waren höchstwahrscheinlich diese Prätorianergarde.
Übrigens: Dieser Begriff Fesseln, der hier steht und den man auch mit Ketten übersetzen könnte, wird von anderen Übersetzern auch so wiedergegeben. Das ist die Halysis, eine bestimmte Art von Kette, mit der er an der Mauer festgemacht war. Es ist aber eher eine kurze Kette, die normalerweise vom Handgelenk des Gefangenen zum Handgelenk eines Soldaten reichte. Heute würden wir vielleicht sagen: so eine Art Handschelle oder etwas in der Art. Das heißt, da bist du festgemacht, damit du nicht weg kannst. Es ist immer einer bei dir.
Das unterstützt ja wiederum meine These, zu sagen: Er hat diesen Leuten gepredigt. Er ist mit ihnen zusammen gewesen. Täglich war jemand da, und die hatten natürlich auch Schicht und haben sich immer wieder abgewechselt. Derjenige, der direkt auf Paulus Acht gehabt hat, hat aufgepasst. Und damit will er uns jetzt einen Grund geben: Meine Gefangenschaft dient zur Verkündigung des Evangeliums. Warum? Jetzt habe ich die einmalige Chance, diesen hartgesottenen Prätorianern das Evangelium zu predigen. Wo hätte ich die denn sonst erreicht?
Da müssen wir sagen: Das ist eine erstaunliche Sichtweise. Stellt euch einmal vor, ihr reist irgendwo nach Saudi-Arabien, und weil ihr bereit seid, für das Evangelium zu sterben, nehmt ihr noch ein paar Evangelien und ein paar Traktate mit. Dann geht ihr nach Dschidda oder nach Riad oder so etwas und verteilt dort auf der Straße Evangelien. Ihr müsst da nicht lange warten, das kann ich euch jetzt schon garantieren. Ihr werdet innerhalb von ein paar Minuten gefangen genommen und eingesperrt. Und dann schreibt ihr nach Hause und sagt: Macht euch keine Sorgen, es ist super. Endlich kann jemand den Folterknechten des Islam das Evangelium predigen. Ist doch eine interessante Sichtweise, nicht?
Aber die vertritt Paulus ja. Also er beschwert sich gar nicht darüber: Ich bin gefangen. Sondern: Eine super Gelegenheit, ich kann den Gefängniswärtern predigen. Das wäre sonst nie möglich. Und das will er uns als Eingrund hier geben. Da hat er scheinbar eine ganze Menge Leute gehabt, und die haben dann wieder anderen erzählt, was für einen seltsamen Gefangenen sie dort unter sich haben.
Wie Gefangenschaft andere Christen stärkt
Dann Vers 14: Und die meisten Brüder im Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen.
Das ist der Punkt, den wir gerade schon einmal angesprochen haben, den einer von euch gerade genannt hat. Dadurch, dass Paulus gefangen ist, haben manche Zuversicht bekommen und sind als Folge dieser Zuversicht umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.
Jetzt spielen da verschiedene Gründe eine Rolle. Einerseits sicherlich: Sie haben Paulus gesehen, der selbst in Gefangenschaft noch predigt. Das ist die Funktion des Vorbilds. Also: Der ist so vorbildlich, wenn der das tut, dann tun wir das auch.
Ich glaube, die Zuversicht entstand auch dadurch, dass sie gesehen haben: Sie werden jetzt gebraucht. Paulus ist nicht mehr da, Gott wirkt weiter und befähigt sie auch. So wie Jesus ja sagt: Habt keine Angst, wenn ihr vor Statthalter geführt werdet, um Verantwortung abzulegen. Der Heilige Geist wird euch eingeben, was ihr auszusprechen habt. Und das haben sie hier erfahren.
Möglicherweise kam die Zuversicht auch daher, dass sie gemerkt haben: Trotz aller negativen Vorzeichen ist Paulus immer noch nicht hingerichtet worden. Gott hat immer noch seine Hand über Paulus gehalten. Er ist zwar noch nicht frei. Im weiteren Verlauf des Textes schreibt er ja, dass er die Zuversicht hat, frei zu werden. Das klingt sogar so, als ob er sich fast sicher ist, hinterher frei zu werden. Und dadurch haben auch die Gemeinde beziehungsweise die Christen Zuversicht bekommen.
Sie sehen, wie Gott Paulus in der Gefangenschaft hilft und bewahrt. Die Geschwister müssen jetzt ihren Glauben selbst rechtfertigen. Sie können nicht immer nur auf Paulus Bezug nehmen. Sie sehen vielleicht auch im weiteren Verlauf des Prozesses, in dem Paulus ist, dass das Ganze hier positiver ausgeht, als sie es ursprünglich gedacht haben.
Übrigens merken wir, dass Gott manchmal auf so verschlungenen Wegen wirkt, die wir als negativ ansehen, die hinterher aber von Gott positiv genutzt werden. Ich denke dabei an die erste Zeit der Verfolgung. Da gab es den Kirchenlehrer und Apologeten Tertullian. Er lebte in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts und prägte dann das wahrscheinlich einigen von euch auch bekannte Wort: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.
Und genau diesen seltsamen, unverständlichen Zusammenhang beschreibt er. Da schreibt er dann weiter: Je öfter ihr uns niedermäht, umso reicher blüht die Gemeinde.
Ja, warum? Wie war das bei den ersten Christen? Die hat man ja stark verfolgt. Nicht immer, aber es gab dann große Verfolgungswellen. Da wurden Christen in die Arenen geführt, sollten mit bloßen Händen gegen wilde Tiere kämpfen und solche Sachen. Und Gott hat das gebraucht. Das waren eigentlich die großen Evangelisationsmöglichkeiten der damaligen Zeit. Zwar konnte jeder dort nur einmal predigen, weil er danach ja tot war, aber immerhin: Das war wirklich effektiv.
Denn wenn es einem gut geht und er in seinem Swimmingpool liegt und sagt: Ich liebe Gott, weil er es mir so gut gehen lässt, er bewahrt mich, da würde kaum einer viel darauf geben. Man würde sagen: Ja, okay, schön. Wenn es mir so gut ginge, würde ich das ja auch sagen können.
Aber wenn du jetzt einen hast, der dem Tod gegenübersteht, und das heißt: einem grausamen Tod, und der jetzt nicht nur in Selbstmitleid zerfließt oder in Angst, sondern ruhig dastehen kann und dort, wo die Löwen auf ihn zulaufen, noch Loblieder auf Gott singt und betet, ja, was glaubt ihr, was haben die Zuschauer in dem Theater dort gedacht?
Also manche, das wissen wir auch, die haben gemault. Die haben gesagt: Wofür haben wir denn bezahlt? Was ist das hier für ein Schauspiel? Da passiert ja gar nichts. Warum schreien die denn nicht? Das waren die Hartgesottenen. Das sind diejenigen, die heute Reality-TV anschauen würden. Das ist also so richtig, wo es dann hart hergeht.
Aber die meisten waren beeindruckt. Die haben gesagt: Das könnte ich nie. Diese Kraft kann nur von Gott kommen, da muss mehr dran sein. Die Christen waren ja unbekannt, aber dadurch wurden sie bekannt, und dadurch sind mehr Menschen zum Glauben gekommen, als in den Arenen hingerichtet worden sind.
Hier merken wir etwas ganz Ähnliches, das beschreibt Paulus auch: Ich bin gefangen genommen. Eigentlich benutzt der Teufel die Menschen, um das Evangelium zu unterdrücken, und Gott nutzt diese Unterdrückung, um dadurch nur noch viel mehr Menschen auf das Evangelium aufmerksam zu machen.
In neuerer Zeit wissen wir ja alle, wie es in China gewesen ist. Durch Mao Zedong, der die Kulturrevolution in China durchgeführt hat, wurden alle Missionare ausgewiesen. Es gab noch relativ wenig Christen, und man wusste über Jahrzehnte hinweg nicht, was mit diesen wenigen Christen passiert, die übrig geblieben sind. Viele kamen dann in China ins Konzentrationslager, wurden umgebracht.
Und dann, als China sich etwas mehr öffnete, kam plötzlich die überraschende Nachricht, dass sich das Evangelium ausgebreitet hat und in China in diesen Jahren explosionsartig gewachsen ist. Es weiß heute keiner ganz genau, wie viele Christen es gibt, weil es ja nur eine offiziell anerkannte Kirche, die Drei-Selbst-Kirche in China, gibt. Aber der Großteil der Christen versammelt sich eben in den illegalen Hausgemeinden. Die Schätzungen reichen zwischen 50 Millionen bis etwa 100 Millionen Christen in China. Unvorstellbar. Und das hat Gott gemacht in einer Zeit, in der der Staat genau das Gegenteil erreichen wollte.
Nun, es gibt auch manche Christen, die sich dann nach Verfolgung sehnen und sagen: Ja, es muss auch mal in Deutschland eine ordentliche Verfolgung geben, dann wird auch mal wieder Erweckung da sein. Das ist kein Automatismus. Es gibt auch Zeiten der Verfolgung, da bleibt kein Christ übrig. Es ist die Sache der Gnade Gottes, es ist auch die Sache der Christen, wie weit sie sich gebrauchen lassen.
Denn denkt zum Beispiel an die Christenverfolgung in der Türkei. Da ist kaum ein Christ übrig geblieben. In der Türkei zur Zeit des Paulus war das das christliche Land. Um das Jahr 300 herum lebten die meisten Christen der Welt in dem Gebiet der heutigen Türkei. Bis dann das byzantinische Reich um 1450 herum fiel. Und dann, um 1900 herum, gab es noch zehn Prozent Christen in der Türkei. Heute sind es weit unter ein Prozent.
Ja, warum? Weil selbst im 20. Jahrhundert zahlreiche Christen verfolgt, umgebracht, versklavt und vertrieben wurden in der Türkei. Und da ist keine Erweckung ausgebrochen.
Also ich will euch jetzt einfach diesen Zahn ziehen: Denkt nicht, das sei ein Automatismus. Deshalb betet nicht zu schnell für Verfolgung, es könnte auch nach hinten losgehen. Betet lieber, dass Leute zum Glauben kommen. Das ist immer gut. Und für Erweckung meinetwegen auch, das ist auch gut. Aber dann, dass Gott den Weg wählt, der am besten und am idealsten ist.
Hier merken wir, und das erkennt Paulus auch, es dient zur Ausbreitung des Evangeliums an dieser Stelle. Das haben wir auch in Vers 14. Also: Die Geschwister gewinnen Zuversicht, und sie sind umso kühner.
Motive für Verkündigung und Dienst
Vers 15: Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streit, einige aber auch aus guter Absicht.
Hier wird uns vor Augen geführt, dass es scheinbar auch christliches Engagement gibt, das aus falschen, weltlichen und egoistischen Motiven geschieht. Und hier ist es natürlich an uns, zuerst bei uns selbst zu überprüfen: Wie ist mein Engagement im Reich Gottes?
Und je nachdem, wenn wir in der christlichen Gemeinde aufgewachsen sind, wissen wir, dass es ja auch in der Gemeinde Anerkennung geben kann. Wir sind dann in einer Gruppe, in der es auch darum geht: Wer steht mehr im Vordergrund? Wer bekommt mal auf die Schulter geklopft? Wem geht es da besser? Wer nimmt eine höhere Stellung ein, wer eine tiefere? Und hier erkennt Paulus: Es gibt manche, die predigen das nur aus Neid und Streitsucht, also nur für ihre eigenen Interessen.
Jetzt könnten wir uns die Frage stellen: Was hat das denn mit Neid zu tun? Tja, die könnten zum Beispiel neidisch sein auf die Stellung des Paulus. Ach, der Paulus, wo der hinkommt, überall sind die begeistert von ihm. Ich will auch so prägen, ich habe auch solch eine Stellung.
Neid hat aber ja nicht nur immer die Absicht, so zu sein wie der andere, sondern Neid freut sich manchmal darüber, dass der andere etwas verliert, was er selbst auch nicht haben kann. Meinetwegen: Der andere hat, wir haben das vorhin gehört von Silke, ein tolles Auto. Und jetzt sagt ihr vielleicht: Ja, das würde ich auch gerne haben. Aber ihr wärt auch schon zufrieden, wenn Silke heute Nachmittag einen Autounfall hätte und natürlich sagt man das dann nicht so: Auto alles kaputt, und dann muss sie morgen in einem klapprigen, fünfzehn Jahre alten Golf herumfahren. Und dann würdest du dir sagen: Okay, jetzt ist mein Neid auch vorbei. Mein Auto ist ja doch noch besser als der alte Golf. Und schon hat der Neid dann die Sache beseitigt.
Also Neid ist so etwas mehr. Das sind die Leute, die freuen sich: Ach, endlich bekommt der Paulus auch mal sein Fett ab. Und jetzt stehe ich besser da als der Paulus. Das ist also dieser Neid. Und Neid hat als andere noch: Ich versuche, mich in den Vordergrund zu drängeln, aber natürlich aus menschlichen Motiven. Sie predigen das Evangelium aus menschlichen Motiven, aus falschen.
Manchmal spürt man, dass man es mit Menschen zu tun hat, denen es im Grunde genommen gar nicht um die Sache selbst geht, sondern es geht ihnen um sich. Sie stellen sich dar, sie profitieren auch selbst davon, entweder durch Anerkennung, durch Lob, manchmal auch finanziell, durch Geld. Es gibt ja in Deutschland zwar weniger, es gibt so Anfänge davon, aber in den USA gibt es Leute, die durch das Evangelium Multimillionäre werden. Wir sind zum Beispiel der Pat Robertson multimillionär geworden durch das Evangelium oder der, wie heißt der hier noch, der Endzeiter Tim LaHaye multimillionär geworden durch das Evangelium. Und nicht nur er, sind viele andere. Oder der, wie heißt noch dieser Heilungsprediger, Benny Hinn, multimillionär mit Privatjet, großer Villa, Meeren, Autos usw. durch das Evangelium.
Und da merken wir: Zumindest könnte sich der Gedanke auftun, na ja, ist das wirklich alles nur selbstlos? Ist das wirklich nur so, damit die Leute gerettet werden? Oder wären da möglicherweise auch vielleicht eigene Motive, die da eine Rolle spielen? Und da spricht Paulus hier davon: Das gibt es. Und man kann es nicht mal unbedingt an dem erkennen, was die Leute sagen, denn er sagt: Die predigen das Evangelium, aber eben aus falschen Motiven.
Und da müssen wir uns überprüfen. Wir müssen natürlich auch die Menschen um uns herum überprüfen, damit wir nicht Leute unterstützen, fördern, die da auf dem falschen Weg sind. Und auch wenn Paulus hinterher sagt: Na ja, mir ist ja egal, die Hauptsache, das Evangelium wird verkündigt, dann gilt das für seine Position. Das heißt aber nicht, dass diese Leute nicht vor dem Gericht Gottes stehen. Das Gericht Gottes ist dabei nicht ausgeklammert. Er sagt nur: Ich kämpfe nicht darum, weil das sowieso nichts bringt. Wenn Gott es nutzt, ist ja in Ordnung. Aber Gott kann auch Ungläubige, kann auch Atheisten nutzen, um seine Botschaft voranzubringen. Das heißt noch nicht, dass das, was sie tun, deshalb nicht beurteilt wird von Gott und auch nicht gerichtet wird von Gott.
Nun, es gibt auch manchmal, mit dem Neid habe ich den Eindruck, diejenigen als Christen, die sehr scharf gegen Ungläubige schießen, und zwar nicht so sehr, weil sie überzeugt davon sind, dass sie das bessere Leben haben, sondern weil sie eigentlich neidisch auf das Leben der Ungläubigen sind. Warum geht es den Ungläubigen so gut? Warum darf der in Urlaub hinfahren, wo er will? Warum darf der morgens am Sonntag so lange ausschlafen? Warum muss der keine stille Zeit haben? Warum darf der mal die Ehe brechen? Warum darf der sich mal volllaufen lassen beim Schützenfest und ich darf das alles nicht?
Es gibt Jugendliche, die das tun, aber manchmal auch Erwachsene. Und da ist dann der Neid. Und in diesem Neid: Na ja, Sie können es ja jetzt nicht machen, weil Sie wissen, es ist falsch, aber was tun Sie, um so schärfer auf die Ungläubigen zu schießen, nicht? Puh, du blöder Kerl, und du wirst in der Hölle braten. Und wenn ich mir das so richtig vorstelle, ah, wie der da brutzelt und so, dann schon geht es mir viel besser. Dann geht es mir schon viel besser, dann kann ich da stehen: Okay, ich lese heute Morgen in der Bibel, aber ich weiß ja auch, dafür wird der hinterher noch mal richtig leiden.
Das ist dann auch so eine Art Neid, der verklärt werden kann: Ich predige nur die Wahrheit. Aber in Wirklichkeit geht es mir gar nicht um die Wahrheit, sondern in Wirklichkeit geht es mir nur darum, meinen Neid dem Ungläubigen gegenüber zu verklären oder aufzuarbeiten. Und das ist natürlich genauso falsch.
Wenn du tatsächlich neidisch bist auf das Leben des Ungläubigen, dann hast du irgendein Problem, dass du noch nicht verstanden hast, dass das, was der tut, ihm eigentlich nur schadet. Selbst wenn es oberflächlich gut aussieht, das macht sein Leben kaputt, und es würde dein Leben genauso kaputt machen, wenn du das probierst. Wenn wir das nicht begriffen haben, dann sind wir noch nicht in dem, wo Paulus Zeit in Christus zu sein meint. Dann sind wir nämlich eigentlich noch in der Welt, sind vielleicht gerade noch herausgerettet, wie durchs Feuer hindurch, wie wir im 1. Korintherbrief lesen, aber wir haben noch nicht begriffen, wohin Gott uns eigentlich gestellt hat.
Nämlich dass all diese Dinge, die wir meinen, die uns ein Verlust wären, wenn wir darauf verzichten, in Wirklichkeit nur eine Belastung sind, die uns nur kaputt machen, die uns nur von Gott wegziehen, die uns gar keine Hilfe sind, die nicht wirklich Glück bieten. Und das kann dann ebenfalls sein, wenn einer hier aus Neidsucht dann auch die Ungläubigen fertig macht.
Es gibt auch diejenigen, da steht Streitsucht. Streitsucht kann ja Verschiedenes beinhalten, zum Beispiel Besserwisserei. Da predigt einer in der Gemeinde aus Besserwisserei: Ich will den Leuten auch endlich mal sagen, wo es lang geht. Ist ja keine gute Motivation, nicht? Oder: Jetzt will ich dem Pastor endlich mal meine Meinung sagen, jetzt hat er mich eingeladen zur Predigt, jetzt werde ich das endlich mal durchsetzen. Das ist dann auch diese Streitsucht.
Ich habe auch Leute, die kennt ihr wahrscheinlich alle Gemeinden, gibt es in jeder Gemeinde, da gibt es Leute, die reden sehr, sehr geistlich. Aber du merkst, wenn du länger mit ihnen zusammen bist, denen geht es gar nicht um das Geistliche, sondern da ist auch diese mangelnde, total mangelnde Korrekturbereitschaft, und die finden immer irgendeinen Punkt, mit dem sie mit dir streiten können.
Und da muss man irgendwann auch mal den Schlussstrich ziehen und sagen: Jetzt keine endlosen Diskussionen, verschwende deine Zeit und Energie dabei nicht. Sondern da muss man vielleicht auf die tieferen seelsorgerlichen Hintergründe zu sprechen kommen, die dahinter stehen. Also beispielsweise erinnere ich mich: Bei uns in der Gemeinde hatten wir mal jemanden, der hatte sich total festgebissen an seinem Textus-receptus-Streit. Ich kenne den ja nicht. Also nur die Bibel, die der Erasmus von Rotterdam da zusammengefasst hat, also die griechischen Schriften, die Luther dann übersetzt hat, das ist die einzig wahre. Jeder, der eine andere Bibelübersetzung liest, der ist auf der Seite schon des Antichristen, der ist bibelkritisch und all so etwas.
Und jetzt konntest du mit ihm reden, wie du wolltest. Die ganze Gemeindeleitung hat mit ihm geredet, ich habe auch mit ihm geredet. Und hier war es letztendlich so: Er hat diese Sache benutzt, einfach, das war sein Steckenpferd, um sich in den Mittelpunkt zu spielen. Und als das nicht funktionierte, dann konnte er die Gemeinde verlassen. Und jetzt ist er mehr oder weniger für sich alleine. Das wäre so ein Beispiel.
Ich könnte auch zahlreiche andere nennen, weil ich mit einigen Leuten schon zusammengekommen bin, wo ich durchaus den Eindruck habe: Hier geht es nicht um die Verkündigung des Evangeliums, sondern hier geht es um Streitsucht, das heißt, sich durchzusetzen, andere anzuklagen, dadurch irgendwie aufzusteigen, besser dazustehen. Und dafür ist das Evangelium eigentlich nicht da.
Wir müssen uns überprüfen und sehen, dass wir uns in der Gemeinde nicht von solchen Leuten die Agenda diktieren lassen, denn das schadet der ganzen Gemeinde. Man kann manchmal einen Schlussstrich ziehen und sagen: Nein, das geht doch nicht. Jetzt haben wir die Zeit dafür investiert, das soll so nicht laufen. Rechthaberei, Besserwisserei, da, wo es eben um ihn selbst geht. Dadurch können natürlich Menschen verunsichert werden.
Dieses Wort, was da auch steht, muss man sagen mit Eigennutz, dann später in Vers 17, dass sie dasselbe verkündigen, dass aus Eigennutz, das ist auch ein griechisches Wort, was so viel bedeutet wie gegen Bezahlung arbeiten oder sich um ein Amt bewerben oder für den eigenen Nutzen sich nur einsetzen. Und da gibt es eben genau dasselbe, was Paulus hier vorher in Vers 15 beschreibt: aus Streit und eigener Sucht, also das eigene Ansehen, die den Mittelpunkt stellen.
Vers 16: Diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege. Diese bezeichnet die zweite Gruppe, nämlich aber auch in guter Absicht, einige aber auch in guter Absicht.
Also, so ein bisschen habe ich da ja innerlich mal nachdenken müssen. Wenn Paulus dann sagt: einige, habe ich mir gedacht, also heißt das, dass die überwiegende Zahl das gar nicht aus geistlichen Motiven tut, denn einige klingt eher nach einer kleinen Gruppe. Also sind viele, die predigen, ganz unterschiedliche Motive. Einige, die machen es auch richtig, nämlich aus Liebe dem Paulus gegenüber beziehungsweise Gott gegenüber. Und ich hoffe, dass wir danach streben, dass wir dann zu diesen einigen gehören, aber die Augen nicht zumachen. Das ist eben das andere dabei. Auch gibt.
Was machen die, die dies aus guter Absicht tun? Sie predigen aus Liebe. Dann erklärt er das nachher auch noch weiter. Die Frage, die ich mir gestellt habe, ist: Ja, was für eine Liebe denn? Und ich glaube, hier sind verschiedene Antworten möglich. Wenn wir danach lesen: Denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege, könnten wir sagen, sie machen es aus Liebe zu Paulus. Sie machen es nicht, da sie jetzt im Mittelpunkt stehen, sondern sie sehen: Der Paulus hat dieses Drängeln, der will unbedingt das Evangelium voranbringen, und er schafft es nicht mehr. Und wir lieben ihn so, wir setzen uns für ihn ein, wir treten an die Stelle.
Weil, wenn du jemanden in der Kinderarbeit hast, der fällt aus, was weiß ich, wegen Schwangerschaft oder sonst was, und jetzt sagst du: Ach, ich liebe den so, ich will, dass diese Arbeit, die ihm so am Herzen liegt, weitergeführt wird. Das wäre eine positive Motivation, die er nennt.
Wir könnten aber auch sagen, es ist die Liebe zu Gott. Der liebt Gott so sehr, dass er Gottgehorsam sein will und deshalb das Evangelium weiterbringt. Das, glaube ich, steckt ebenfalls hier drin. Und was auch noch drinsteckt: Der predigt das aus Liebe zu den Menschen, zu den Christen und zu den Verlorenen. Deshalb predigt er das Evangelium. Und diese drei Motivationen, das sind die Reihen, das sind die guten Motive.
Wenn wir uns für das Evangelium einsetzen: Liebe zu der Aufgabe, könnten wir sagen, nämlich die Aufgabe des Paulus; Liebe zu Gott, wir sind treu, weil er uns beauftragt hat, das zu tun; und Liebe zu den Menschen, gläubig und nichtgläubig, die erreicht werden müssen. Das ist die wahre Motivation, und die trägt dann auch, wenn mal Sachen schiefgehen oder wir keine Anerkennung haben.
Nämlich derjenige, der es nur aus Streit, Sucht und Neid tut, wenn der mal keine Anerkennung hat, ist er sehr schnell frustriert. Da erreicht er das Ziel ja nicht. Er hat sich so sehr bemüht, und die Lorbeeren, die er einsammeln wollte, bekommt er dabei ja nicht.
Jene aber aus Eigennutz zur Verteidigung des Evangeliums liege ich hier. Also hier sehen wir auch ein bisschen: Es gab scheinbar Leute, die gepredigt haben, die haben jetzt gesagt: Ihr seht doch, dass Paulus im Gefängnis ist, ist ein Zeichen, dass er von Gott gestraft ist. Da sagt er: Diejenigen, die aus Liebe, die, die ehrlich predigen, erkennen, dass Paulus schuldlos im Gefängnis sitzt.
Also da wird auch manchmal manipuliert, das habt ihr vielleicht auch im christlichen Bereich kennengelernt. Ich erinnere mich an ein Gespräch: Ich habe eine Reiseleitung in Skandinavien gemacht, und da war eine junge Frau mit dabei, die hatte kurz vorher ihr Kind verloren, also das heißt, sie hatte eine Fehlgeburt. Und dann waren dort in der Gemeinde Leute, die sind dann auf die Frau zugekommen und haben gesagt: Du hast eine Fehlgeburt gehabt, weil du zu stolz gewesen bist, und Gott wollte deinen Stolz hier unter die Füße bekommen.
Und da muss man sagen, das ist wahrscheinlich nicht aus dieser Liebe zu der Frau gesagt worden, sondern hier ist eher etwas, was ich Neid, vielleicht eine Frau, die selbst gerne ein Kind haben wollte, was weiß ich, was dahinter steckte oder so sauer war. Das schien mir nicht aus Liebe zu den Menschen oder Liebe zu Gott oder sonst wie zu sein.
Also hier: Was ist unsere Motivation, wenn wir auf Menschen zugehen? Das wird unsere Worte bestimmen, das wird unsere Arbeitsweise, unsere Ausdauer bestimmen, unseren Einsatz bestimmen, unsere Beziehung zu Gott auch bestimmen. Und diese Frau war wahrscheinlich schuldlos dabei.
Ich mache jetzt nur noch den Vers hier zu Ende dabei, dann haben wir nämlich so einen Sinnabschnitt zu Ende, den Satz zumindest zu Ende: „Jene aber verkünden den Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft.“
Also ganz schlimm, da gibt es Christen, die wollen mit menschlichen Mitteln anderen Schaden zufügen und sagen das natürlich nie wirklich heraus. Das könnt ihr in der Gemeinde auch erleben. Da ziehen Leute irgendwo an Strippen, machen euch schlecht, versuchen euch ein bisschen auszubooten oder vielleicht macht ihr das selbst auch mit menschlichen Mitteln, mit Intrigen, euch besser dastehen zu lassen oder andere fertig zu machen.
Und es gibt in der Gemeinde immer Leute, mit denen ihr euch nicht total wohl fühlt. Das ist auch kein Problem. Ihr müsst nicht jeden so lieben, dass ihr, wenn ihr ihn seht, sofort überschäumend auf ihn zulauft und so: Ah, sie ist super und mein Bruder. Das klingt dann vielleicht eher ein bisschen nach Schauspielerei.
Die Liebe der Bibel ist eine ganz andere. Die ist: Ich bin mit dem anderen verbunden, der gehört zu mir, auch wenn der nicht meine Hobbys hat, auch wenn der vielleicht entweder gar nicht intellektuell ist, wie ich es bin, oder zu intellektuell oder sonst irgendwas, der kann anders sein. Mit dem müsst ihr auch nicht jeden Tag verbringen.
Diese Liebe ist mehr etwas: Ihr gehört zusammen, ihr wollt das Beste, weil ihr wisst, Gott will auch das Beste, und weil Gott euch den Auftrag gegeben hat, das ist die echte Liebe.
Aber es gibt eben nur diejenigen in der Gemeinde, die sich nur bekämpfen, und das wird meistens unterschwellig getan. Ich habe bisher kaum eine Gemeindespaltung kennengelernt, in der offen die Karten auf den Tisch gelegt worden sind. Selbst wenn man das getan hat, gesagt hat, hat man es trotzdem nicht getan, sondern hat man immer noch versucht, sich hinter irgendwelchen theologischen Argumenten zu verstecken oder immer noch so wie kleine Kinder zu sein, der hat aber zuerst, oder so etwas.
Und dann hinterher, wenn man es nicht anders kann, sagt man: „Okay, ich entschuldige mich, aber nur für die Form, für den Inhalt bleibe ich immer noch dabei“ oder so. Das sind dann diese typischen Strategien, und in Wirklichkeit merkt man dann: Dahinter stecken persönliche Motive. Das hat nichts mehr mit Geistlichem zu tun, hier wird das Geistliche nur benutzt, um den eigentlichen Konflikt zu verschleiern.
Und da müssen wir das erkennen und dann auch versuchen, auf den eigentlichen Punkt zu sprechen zu kommen. Die Leute werden dem natürlich ausweichen, die wollen das ja gerade nicht, weil sie wissen, dass das eigentlich nicht legitim ist. Aber da seien wir herausgefordert.
Der Blick auf Gottes Wirken trotz menschlicher Motive
Gut, damit schließe ich ab. Ich wiederhole noch einmal: Paulus sieht, dass selbst das Leiden Gott dienen kann. Wir leben in der besten aller Welten.
Lasst uns das als Herausforderung sehen, auch dort, wo ihr mit Leiden zu tun habt oder Angehörige mit Leiden zu tun haben. Gott sieht darüber hinweg. Gott weiß, wofür es gut ist, auch wenn ihr das noch nicht seht. Und versucht nicht, alles zu verstehen, sondern versucht daran festzuhalten: Gott, so wie Luther es sagt, sitzt im Regiment. Gott hat die Sache in der Hand, und er führt sie zum Guten. Alle Dinge dienen zum Besten denen, die Gott lieben, auch wenn wir es nicht verstehen. Wir müssen nicht alles verstehen, aber wir müssen Gott vertrauen.
Den nächsten Punkt, den wir gesehen haben: Wir müssen das nicht nur sagen, sondern wenn wir genau darauf achten und uns das von Gott zeigen lassen, dann merken wir auch, wie Gott das, was vom Teufel und von anderen Menschen negativ gedacht war, wirklich positiv benutzt. Hier im Praetorium, bei den Höhergestellten, in der Gemeinde dient die Gefangenschaft des Paulus zur Verbreitung des Evangeliums und zur Motivation der Christen.
Es gibt Menschen, das wäre der dritte Punkt, die in der Gemeinde das Evangelium predigen. An dem, was sie sagen, können wir nicht erkennen, dass es falsch ist. Aber dahinter stehen falsche, nämlich menschliche, eigensüchtige Motive. Wir sind gewarnt, das nicht zu tun, und selbst zu überprüfen, wo falsche Motive eine Rolle spielen. Wir sind aber auch aufgerufen, wenn wir das in der Gemeinde sehen, diese Leute zu erkennen und sie darauf hinzuweisen, weil das ja Sünde ist vor Gott. Wir sollen auch sehen, dass solche Leute die Gemeinde nicht zerspalten und nicht den Konflikt in die Gemeinde hineintreiben können.
Das erwähnt Paulus später noch in Philippi. Da erwähnt er nämlich, dass es diese Auseinandersetzungen gegeben hat.
Gut, soweit. Ich bete gerade noch.
Herr Jesus, vielen Dank für den Philipperbrief, vielen Dank auch für Paulus dort in der Gefangenschaft und dass du sein Leid dafür benutzt hast, dass wir heute eine ganze Menge lernen können von dir und von unserer Beziehung zu dir, von unserem Miteinander in der Gemeinde, von unserem Einsatz für dich, von unserem Umgang mit Leid und schwierigen Situationen in unserem Leben. Hilf uns dabei, dass wir aneinander Seelsorge üben können und dass wir auch deine Hilfe und deine Klarheit hier in der Zeit der Bibelschule erfahren können. Amen.
