Einführung in die Prophetie über Johannes den Täufer
Gott wird Mensch
Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 35
Der Herr und sein Herold
Lasst uns weiterlesen in Lukas Kapitel 1, Vers 76.
Lukas 1,76-77:
„Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gibst seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden.“
Hier prophezeit Zacharias endlich über seinen Sohn Johannes. Warum braucht es acht Verse, bis der alte Priester auf seinen Sohn zu sprechen kommt?
Die naheliegende Antwort ist, dass der Heilige Geist das Wichtige an den Anfang stellt. Das Wichtige ist aber nicht Johannes der Täufer, sondern der Messias. Der kleine Johannes ist nur ein Beleg dafür, dass die Rettung nahe ist, dass Gott wirklich seinen König in die Welt gesandt hat, um sein Reich aufzurichten.
Nichtsdestotrotz ist Johannes ein Prophet des Höchsten, und er wird dem Herrn vorangehen, um seinen Weg zu bereiten. Wir werden uns das in späteren Episoden noch genauer anschauen, wenn wir auf den Dienst von Johannes zu sprechen kommen.
Die Bedeutung des Gottesnamens und die Rolle Johannes'
Hier nur so viel: Mit dem Begriff Herr ist Gott gemeint. Das ist einerseits klar, weil der Begriff parallel zu dem Begriff der Höchste verwendet wird. Andererseits hängt es damit zusammen, dass das Judentum das dritte Gebot sehr ernst nahm.
So heißt es in 2. Mose 20,7: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht zu nichtigem aussprechen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen zu nichtigem ausspricht.“ Um den Gottesnamen nicht versehentlich zu missbrauchen, begann man deshalb, ihn gar nicht mehr auszusprechen. Stattdessen nahm man beim Vorlesen aus dem Alten Testament Ersatzlesungen vor.
Wenn also im Text der Name Gottes vorkam, das sogenannte Tetragramm JHWH, dann las man nicht „Jahwe“, sondern etwas anderes. Meist las man das Wort Adonai. Das bedeutet „Herr“ bzw. „Mein Herr“. Obwohl im Text Jahwe steht, liest man also Adonai.
Als man dann das Alte Testament ins Griechische übersetzte – das ist die sogenannte Septuaginta – schrieb man an über sechstausend Stellen, an denen im Alten Testament der Gottesname Jahwe auftaucht, stattdessen Kyrios. Kyrios ist das griechische Wort für Herr.
Im Neuen Testament wird diese Tradition fortgeführt. Der Gottesname taucht nicht auf. Wenn von Gott gesprochen wird, dann als Herr. So auch hier:
Lukas 1,76: „Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest.“
Johannes der Täufer kommt, um den Weg des Höchsten, des Herrn, vorzubereiten. Ohne schon zu viel vorwegzunehmen, handelt es sich dabei natürlich nicht um Straßenbau, sondern um die Vorbereitung eines Volkes auf die Begegnung mit ihrem Gott.
Johannes als Vorläufer des Messias
Wie wir bereits mehrfach gesehen haben, steht ein Exodus bevor. Gott schickt einen zweiten Mose, um sein Volk aus der Sklaverei der Sünde zu befreien. Doch Gott tut noch mehr. Er sendet den größten Propheten des Alten Bundes, Johannes den Täufer, um den Übergang zum Verkündigungsdienst des Messias erträglicher zu machen.
Warum sage ich „erträglicher“? Weil Jesus für fast alle, die ihm begegneten, eine Überforderung war. Er predigte mit Autorität, stellte Bekanntes in Frage und passte nicht in die vorgefertigte Messias-Schublade. Er brachte Zeichen und Wunder, die seine Botschaft bestätigten, wirkte dabei aber oft im Verborgenen.
Jesus ist vieles, aber ganz bestimmt nicht der Messias, wie man ihn erwartet hatte. Deshalb bekommt dieser Messias einen Herold, einen Vorläufer. Jemanden, der sein Auftreten ankündigt und vorbereitet. Jemanden, der schon einmal einige gedankliche Pflöcke einschlägt.
In Lukas 1, Verse 76 und 77 heißt es: „Und du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten genannt werden, denn du wirst dem Herrn vorangehen, um seinen Weg zu bereiten und seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in der Vergebung ihrer Sünden.“
Der Auftrag von Johannes: Erkenntnis des Heils vermitteln
Erkenntnis des Heils, Erkenntnis der Errettung. Johannes erhält den Auftrag, seinem Volk zu erklären, wie man gerettet wird. Das ist seine Aufgabe. Die Frage lautet: Wie wird man gerettet?
Manchmal denken Christen, dass es in der Bibel einen Unterschied zwischen dem Alten Testament und dem Neuen Testament gibt. Sie glauben, im Alten Bund werde man durch das Halten der Gebote gerettet, im Neuen Bund aber durch den Glauben an Jesus. Das stimmt jedoch nicht.
Es ist zwar wahr, dass wir seit Pfingsten durch den Glauben an Jesus gerettet werden. Wenn der Kerkermeister in Philippi fragt: „Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ (Apostelgeschichte 16,30), lautet die Antwort in Vers 31 selbstverständlich: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden.“ Glaube an den Herrn Jesus.
Bitte denkt noch einmal an das, was ich vorhin über die Verwendung von Kyrios, „Herr“, gesagt habe. Der Herr Jesus ist nicht der Herr Fischer oder der Herr Meier, sondern „Herr“ ist ein Name für Gott. Wenn Petrus über Jesus Christus sagt: „Dieser ist aller Herr“, dann will er damit sagen: Dieser Jesus ist Gott, und zwar für alle.
Zurück zu unserer Frage: Wie wird man gerettet? Es ist wahr, dass wir seit Pfingsten durch den Glauben an Jesus gerettet werden. Aber es ist falsch zu sagen, das wäre im Alten Bund irgendwie anders gewesen. Zu allen Zeiten wird man immer nur durch den Glauben gerettet.
Lasst uns das bitte nie vergessen: Wir werden immer nur dadurch gerettet, dass wir unser Vertrauen ganz und bedingungslos auf Gott setzen. Solcher Glaube ist das, was Abel, Noah, Abraham, Mose und David miteinander verbindet – ganz unterschiedliche Zeiten, sehr unterschiedliche Berufungen, aber ein Glaube.
Johannes' Botschaft von Buße und Vergebung
Ich will jetzt nicht davon reden, woran man rettenden Glauben erkennen kann. Stattdessen möchte ich noch einmal über den Auftrag von Johannes sprechen.
In Lukas 1, Vers 77 heißt es: „Und Erkenntnis des Heils gibst du deinem Volk durch die Vergebung ihrer Sünden.“ Johannes soll seinem Volk Erkenntnis des Heils geben. Er soll dem Volk Israel erklären, wie Rettung funktioniert und was in Bezug auf Rettung immer am Anfang stehen muss. Dabei geht es nicht um die selbstgerechte Haltung der Pharisäer, die sich für besonders gut halten.
Wenn wir uns Johannes anschauen, sehen wir, dass im Zentrum seiner Predigt eine Taufe steht – eine Taufe im Sinne eines Untertauchens in einem Fluss. Diese Taufe war eine Taufe der Buße. Die Taufe selbst war ein Symbol für Buße, das heißt für die Umkehr von meinem alten Denken. Ich lasse mich ganz bewusst auf einen Neuanfang mit Gott ein, gebe mein altes Denken und Leben auf und zeige allen durch die Taufe der Buße, dass ich es ernst meine – mit diesem neu gefundenen Glauben an Gott.
Johannes gibt dem Volk Israel Erkenntnis des Heils durch eine Taufe der Buße. Er predigt Buße, und er unterstreicht die Wichtigkeit seiner Botschaft dadurch, dass seine Taufe zur Vergebung der Sünden war. Durch die Taufe der Buße wurden Sünden vergeben.
Dabei darf man sich nicht falsch verstehen: Die Taufe des Johannes war nur eine Vorstufe. Wer von ihm getauft wurde, musste immer noch das Evangelium verstehen, an Jesus glauben und von Neuem geboren werden. Dennoch war sein Dienst eine Vorbereitung auf das, was kommen sollte.
Im Kleinen konnte man bei Johannes durch Buße und Taufe Vergebung von Sünden erfahren. Im großen Stil sollte dieses Konzept – Buße, Taufe, Vergebung – dann durch den Herrn Jesus zur Geltung gebracht werden.
Abschluss und Ausblick
Was könntest du jetzt tun? Du könntest zum Beispiel ein wenig zum Begriff Septuaginta recherchieren.
Das war's für heute. Wenn du für mich beten möchtest, folge in der App unter der Rubrik „Mehr“ dem Button „Gebet“. Du kannst dich dort auch gerne für den Newsletter eintragen.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
