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Das Gleichnis vom einen Pfund – Teil 1

Jesu Leben und Lehre, Teil 668/696
21.01.2026
SERIE - Teil 668 / 696Jesu Leben und Lehre

Einleitung und Kontext des Gleichnisses

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 668: Das Gleichnis vom einen Pfund, Teil 1

Wir sind stehen geblieben bei der Stelle, an der Jesus sich mit Zachäus unterhält. Dabei spricht er so, dass sich alle Umstehenden angesprochen fühlen können.

Wir dürfen also davon ausgehen, dass Lukas 19,7-10 eine Zusammenfassung von Aussagen ist, die von der Volksmenge, von Zachäus beziehungsweise von Jesus irgendwann im Verlauf des Abends oder am nächsten Tag gemacht wurden. Ganz genau wissen wir das allerdings nicht.

Im nächsten Vers sind wir jedenfalls schon wieder aus Jericho hinaus.

Die Erwartungshaltung der Zuhörer und der Anlass des Gleichnisses

 Lukas 19,11: Während sie dies hörten, fügte Jesus noch ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war. Die Zuhörer meinten, dass das Reich Gottes sogleich erscheinen sollte.

Was jetzt folgt, ist also ein Gleichnis – soweit ist alles klar. Ebenso klar ist, warum Jesus dieses Gleichnis erzählt. Er ist nahe bei Jerusalem, und es steht eine Behauptung im Raum, der er begegnen muss. Diese Behauptung lautet: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe.

Es gibt also Leute, die meinen, dass das Reich Gottes sofort erscheinen wird. Dem will Jesus mit seinem Gleichnis widersprechen. Die Erwartungshaltung der Menschen kann man schon ein wenig nachvollziehen.

Die Sache mit dem Reich Gottes finde ich selbst manchmal auch etwas kompliziert. Spricht Jesus nicht an anderer Stelle davon, dass das Reich Gottes bereits da ist? Zum Beispiel heißt es in Lukas 11,20: „Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist das Reich Gottes zu euch gekommen.“

Auch in Lukas 17,21 steht: „Auch wird man nicht sagen: Siehe hier oder siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Ich kann die Verwirrung und die Erwartungshaltung der Zuhörer gut verstehen. Es ist daher gut, dass Jesus ihnen ein Gleichnis erzählt.

Das Gleichnis vom hochgeborenen Mann und seine historische Bezüge

 Lukas 19,12: Er sprach nun: Ein hochgeborener Mann zog in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen und wiederzukommen.

Was Jesus hier beschreibt, hat einen historischen Bezug. So ist Herodes der Große im Jahr 40 vor Christus zum damaligen römischen Herrscher Marcus Antonius gegangen, um von ihm sein Königtum zu empfangen. An diese Idee, dass jemand wegzieht, um von höherer Stelle ein Königtum zu empfangen und dann als Herrscher wiederzukommen, knüpft Jesus also mit seinem Gleichnis an.

 Lukas 19,13: Er berief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme!

Der hochgeborene Mann hat Knechte, und denen gibt er eine Aufgabe. Jeder Knecht bekommt einen Pfund, wörtlich eine Mina. Eine Mina waren circa 400 bis 500 Gramm Silber. Rechnet man eine Mina um, entspricht sie ungefähr 100 Denaren. Wenn man einen Denar als Tageslohn eines Arbeiters ansetzt, haben wir es also mit einer Summe von etwa vier Monatslöhnen zu tun.

Der Auftrag ist klar: Ich gehe weg, um König zu werden, und bis ich wiederkomme, handelt ihr mit dem Pfund, das ich euch gegeben habe!

Die Ablehnung durch die Bürger und der historische Hintergrund

 Lukas 19,14: Seine Bürger aber hassten ihn, schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns König ist.“

Der hochgeborene Mann hat also nicht nur Knechte, sondern auch Bürger, die ihn hassen. Diese Bürger schicken eine Gesandtschaft hinter ihm her, um zu protestieren: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns König ist.“

Auch für dieses Verhalten gibt es einen historischen Bezug. Als Archelaus, Sohn von Herodes dem Großen, im Jahr vier vor Christus den Thron seines Vaters besteigen wollte, sandten die Juden eine fünfzigköpfige Delegation zum Kaiser Augustus. Sie wollten damit ihren Protest gegen die Einsetzung von Archelaus als König kundtun.

Die Rückkehr des Mannes und die Abrechnung mit den Knechten

 Lukas 19,15
Und es geschah, als er zurückkam, nachdem er das Reich empfangen hatte, da sagte er, man solle jene Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen, damit er erfahre, was jeder von ihnen erhandelt hatte.

Die Proteste haben also keinen Erfolg. Der König empfängt sein Reich und kehrt zurück. Nun beginnt die Abrechnung. Der Herr möchte wissen, wie viel Gewinn jeder Knecht in seiner Abwesenheit erwirtschaftet hat.

Hören wir den ersten Knecht. Lukas 19,16-17:
Der Erste aber kam herbei und sagte: „Herr, dein Pfund hat zehn Pfunde hinzugewonnen.“
Und er sprach zu ihm: „Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben.“

Der erste Knecht war treu. Aus einem Pfund sind elf Pfunde geworden. Dafür erhält er Lob: „Recht so, du guter Knecht!“
Außerdem bekommt er eine Belohnung: „Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte bekommen.“

Die Bedeutung der Belohnung im Gleichnis

Frage: Warum ist es eine Belohnung, wenn ich mehr arbeiten muss? Ganz einfach: Es geht um die damit verbundene Ehre. Die Vollmacht über zehn Städte ist eine Auszeichnung.

Es handelt sich dabei nicht um Mehrarbeit im negativen Sinn, sondern um einen Statuswechsel – vom Knecht zum Mitherrscher.

Lasst mich diesen Gedanken noch einmal wiederholen: Die gängige moderne Vorstellung von Belohnung als einer Mischung aus Ruhe, Wohlstand und Selbstverwirklichung ist nicht biblisch fundiert. Im Reich Gottes ist die höchste Ehre die Teilnahme an der Herrschaft Gottes, nicht die Befreiung von Verantwortung.

Die Vollmacht über Städte ist Ausdruck königlichen Vertrauens. Der König erkennt den Knecht als würdig an, seinen Herrschaftsbereich zu repräsentieren. In der antiken Denkweise ist das die höchste Form öffentlicher Auszeichnung.

Der zweite Knecht und seine Belohnung

Schauen wir uns den zweiten Knecht an, Lukas 19,18-19.

Der zweite Knecht kam und sagte: „Herr, dein Pfund hat fünf Pfunde eingetragen.“

Jesus antwortete auch diesem: „Und du sei über fünf Städte gesetzt.“

Der zweite Knecht ist weniger erfolgreich, aber auch er erhält eine Belohnung, auch wenn das Lob fehlt.

Zusammenfassung und theologische Reflexion

Springen wir jetzt noch einmal zurück, bevor es in der nächsten Episode mit einem dritten Knecht weitergeht. Warum erzählt der Herr Jesus das Gleichnis? Die Antwort lautet: Weil es Leute gibt, die glauben, dass jetzt das Reich Gottes kommt.

Warum glauben sie das? Weil Jesus nahe bei Jerusalem war. Der Messias nähert sich der Stadt Gottes, und viele denken, dass es jetzt bald richtig losgeht. Da Jesus diese falsche Erwartungshaltung kennt, erzählt er das Gleichnis vom einen Pfund. Dieses Gleichnis macht deutlich: Bevor die Herrschaft des Messias beginnt, muss der Messias erst einmal weggehen und erleben, dass man ihn ablehnt.

Die Vorstellung, dass es jetzt bald losgeht, ist einfach nicht wahr.

Abschluss und Segenswunsch

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Der Herr segne dich. Erlebe seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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