Einleitende Gedanken
Ein bei einem Goldschmied beschäftigter Mann gingen viele Ringe, Uhren
und kostbare Juwelen durch die Hände. Er geriet in schlechte
Gesellschaft und seine Kollegen überredeten ihn, einige Ringe zu
entwenden, damit sie genügend Geld für Discos und Feste hätten. Der
Mann liess sich überreden. Das Geld war aber schnell ausgegeben.
Da sagte ihm, Braun, einer dieser Kollegen: "Jakob, ich brauche Geld
und du musst Uhren stehlen. Wenn du das nicht tust, geh ich zu deinem
Chef und erzähle ihm, dass du der Dieb bist. So stahl er die Uhren. Es
dauerte aber nicht lang, da forderte er mehr von ihm: "Du musst mir
einen Diamantring stehlen und mir morgen früh um 8 Uhr bringen." - "Das
kann ich nicht, Braun", war die abwehrende Antwort! - "Nun ja, dann
gehe ich morgen zu deinem Chef und sage ihm, was Du alles Schönes aus
seinem Geschäft mitgenommen hast. Das wird dich und deine Familie
ruinieren", erwiderte er.
Nun war es genug für Jakob. Er sah ein, dass das in eine endlose
Erpresserei führt. Er ging sofort zu seinem Chef und gestand ihm seine
Diebstähle. Er bat ihn um Vergebung. Sein Chef vergab ihm unter der
Bedingung, dass er nach und nach die gestohlenen Sachen abbezahlte und
dann beteten sie miteinander.
Am nächsten Tage erschien Braun im Geschäft. Er sagte Jakobs
Vorgesetzten: "Wissen Sie auch, dass Sie einen Dieb im Laden
beschäftigen?" - "Nein", antwortete er. – Braun berichtete, was Jakob
alles geklaut hatte, er soll nur mal nachsehen, ob diese Ringe und
Uhren noch in seinem Geschäft seien. Darauf liess der Chef Jakob kommen
und berichtete ihm, was Braun soeben gesagt hatte. Jakob gab alles zu
und fuhr dann fort: "Aber sie haben mir ja vergeben und ich bin kein
Dieb mehr!" Darauf sagte der Chef zu Braun: Ich sagte ihnen ja, dass
ich keinen Dieb in meinem Laden habe, aber sie sind ein Erpresser, das
ist noch viel schlimmer. Ich werde gleich die Polizei rufen." Eilig
verliess Braun das Geschäft.
Es ist doch gut, dass es die Vergebung gibt. Die Möglichkeit, aus
verfahrenen Situationen wieder herauszukommen. Ein schlechtes Gewissen in
ein gutes und reines Gewissen zu verwandeln. Paulus sagte als er sich
wegen seines Glaubens verteidigen musste:
Meine Brüder, ich habe Gott immer mit einem reinen Gewissen gedient."
(Apostelgeschichte 23,1)Dieses reine Gewissen hatte er nicht aus sich selbst, sondern weil er seine
Schuld bekannte und Gott sein Gewissen gereinigt hatte.
So hatte auch das Volk Israel Vergebung erfahren. Gott hatte ihnen ihre
schlimme Sünde vergeben. Er liess sie am Leben. Doch was Vergebung
bedeutet und was sie nicht bedeutet, wollen wir heute genauer betrachten.
Bibelstellen zum Nachschlagen: Apostelgeschichte 23,1;1. Timotheus 1,5; 1. Johannes 1,9
I. Gottes Sehnsucht, uns zu vergeben
Aufgrund der Fürbitte des Mose, vergab Gott seinem Volk.
Ich vergebe ihnen, weil du mich darum bittest." 4. Mose 14,20Es ist wirklich sehr erstaunlich, dass Gott seinem Volk nochmals vergeben
hatte. Wie er ja in diesem Abschnitt, den wir heute betrachten sagt,
hatte sich das Volk Israel bereits zehnmal in massivster Art und Weise
gegen ihn versündigt.
"Sie haben mich nun zehnmal auf die Probe gestellt und sich gegen mich
aufgelehnt." 4. Mose 14,22Für diese kurze Zeit, in der sie unterwegs waren, ganz schön viel. Das
waren wirklich keine Banalitäten. Denken wir nur an das goldene Kalb, das
sie herstellten, es anbeteten und sagten, das wäre der Gott, der sie aus
Ägyptenland geführt hätte.
Das alles hatte Gott seinem Volk immer wieder vergeben!
Vergeben heisst, dass Gott auf sein Vorhaben verzichtete das Volk Israel
völlig auszurotten. Er liess also Gnade vor Recht gelten, denn er hätte
sein Volk mit Recht vernichtet.
Eins müssen wir hier in aller Deutlichkeit festhalten: Gott vergibt gern!
Seine Liebe und Barmherzigkeit ist eben für uns unvorstellbar gross. Durch
das ganze AT finden wir Beweise dafür, wie Gott seiner Sehnsucht Ausdruck
gibt, sein Volk zu gewinnen. Er würde ihnen gerne vergeben. Vergeben kann
er ihnen aber nur, wenn sie einsichtig sind.
z.B. liess er durch Jeremia eine Botschaft ans Volk richten, in der er
erklärte welche schlimmen Entwicklungen bevorstehen würden, wenn sie so
weiterlebten. Das liess er ihnen aber nicht sagen, weil es ihm Freude
macht Schreckensszenarien anzukündigen. Der Grund war ein ganz anderer:
Vielleicht werden die Leute von Juda umkehren, wenn sie hören, welches
Unheil ich über sie bringen will. Vielleicht geben sie ihr verkehrtes
Leben auf und ich kann ihnen ihre Schuld vergeben." Jeremia 36,3Gott ist kein Gott, der Freude an Rache und Gericht hat. Obwohl er Gericht
übt, denn das erwarten wir auch von einem gerechten Gott, ist es ihm viel
lieber, wenn er vergeben und sich erbarmen kann. Zu Hesekiel sagte er das
in aller Deutlichkeit.
Meint ihr, ich hätte Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner
Vergehen sterben muss? Nein, ich freue mich, wenn er von seinem
falschen Weg umkehrt und am Leben bleibt!" Hesekiel 18,23Dieser Wunsch, diese Sehnsucht Gottes, dass der Verlorene gerettet wird,
ist so gross, dass er zu ganz drastischen Massnahmen griff. Er schickte
seinen Sohn in diese Welt und liess ihn töten.
Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen
einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige
Leben hat und nicht verloren geht." (Johannes 3,16)Nun möchte Gott, dass Du Dich Jesus zuwendest, dass Du Deine Schuld
bekennst und Du so Vergebung erfahren kannst. Ab diesem Tag ist Dein
Leben mit Gott in Ordnung gebracht. Der Himmel steht Dir offen! Und Gott
sagt Dir:
Ich werde nie mehr an ihre Sünden und an ihren Ungehorsam gegenüber
meinen Geboten denken." (Hebräer 10,17) Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Mose 32,1-6; Jeremia 36,3; Hesekiel
18,23; Johannes 3, 16; Hebräer 10,17
II. Gottes Art, uns ernst zu nehmen
Doch durch die Vergebung wurde nicht alles wieder zum alten Zustand
zurückgeführt. Gott erfüllte ihnen sogar einen unvernünftigen Wunsch, den
sie in ihrer Wut und Verzweiflung äusserten. Sie sagten nämlich:
"Wären wir doch lieber in Ägypten gestorben oder unterwegs in der
Wüste! Es wäre besser, wir kehrten wieder nach Ägypten zurück!" 4. Mose 14,2-3.
Nun wird Gott ihnen diese Wünsche erfüllen.
Was ihr da gesagt habt, lasse ich in Erfüllung gehen – so gewiss ich
lebe!" 4. Mose 14,28Sie müssen jetzt umkehren, in Richtung Ägypten zum Schilfmeer (Num.14,25).
Und jeder über 20 Jahren wird während den nächsten 40 Jahren in der Wüste
sterben, ausser denen, die Gott vertrauten.
Manchmal erfüllen sich in unserem Leben unvernünftige Wünsche. Gott nimmt
uns als Gegenüber ernster, als uns lieb ist. Gerade Menschen, die fast
gedankenlos Flüche aussprechen, sollten sich dessen bewusst werden.
Mit den meisten Flüchen, verfluchen wir uns nämlich selbst. Wenn wir Gott
in unserem Leben ausblenden und nur von uns aus gehen und auf uns
schauen, so fluchen und verwünschen wir, wie wenn es kein Gott gäbe, aber
eben, Gott kann unsere unvernünftigen Wünsche erfüllen.
Mir wurde das einmal sehr deutlich bewusst. Ich war damals noch nicht
Christ. Ich gehörte auch nicht zu denen, die ständig fluchten, aber als
ich mit einem meiner besten Freude in Bündnerland war und ich leicht
alkoholisiert den Zug verpasste lief ich durch die Unterführung und
schrie aus Wut einen grässlichen Fluch in diese Unterführung. Die
Unterführung verstärkte den Fluch und warf in mir quasi wieder zurück. Da
fuhr ich innerlich zusammen. Mir wurde bewusst, was ich eben erbeten
hatte. Ich lief die Treppe der Unterführung hoch und flehte innerlich zu
Gott: Bitte verdamme mich nicht, verdamme mich bitte nicht. Ich habe es
nicht so gemeint, sei mir gnädig.
Wie wir heute wissen, war er mir glücklicherweise gnädig.
Aber Gott kann uns unsere Wünsche erfüllen, oder es zulassen, dass wir
etwas tun, das ihm nicht gefällt, denn er respektiert uns als
eigenständige Persönlichkeiten.
Nehmen wir einmal den Bileam, von dem auch im 4.Mose berichtet wird.
Balak, der moabitische König schickte zu Bileam, er soll kommen und das
Volk Israel verfluchen. Bileam fragte Gott, was er dazu meine und die
Antwort Gottes war deutlich:
Geh nicht mit ihnen! Du darfst dieses Volk nicht verfluchen, denn ich
habe es gesegnet." 4.Mose 22,12Der Fall ist klar. Er schickte die Leute weg. Gott hatte sich
unmissverständlich ausgedrückt. Nun kam aber eine weitere Gesandtschaft
des Königs und forderte ihn erneut auf mitzukommen, er würde dafür reich
belohnt. Bileam lehnte so halbherzig ab und sagte den Leuten sie sollen
über Nacht bleiben, er möchte von Gott erfahren, was er dazu meinen
würde.
Es war also sein Herzenswunsch diesen Auftrag auszuführen. Vielleicht
lockte ihn die Belohnung. So sagte ihm Gott, er soll halt gehen, wenn ihm
das so wichtig sei.
Das wurde ihm dann aber zum Verhängnis. Sein Leben hätte einen besseren
Verlauf genommen, hätte er die erste Antwort Gottes akzeptiert.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 4.Mose 22-24; 4.Mose 22,12; Römer 1,24ff
III. Gottes Weg, uns zu schützen
Aber kommen wir zurück zum Volk Israel in der Wüste. Alle über 20 Jahren
müssen in den nächsten 40 Jahren in der Wüste sterben. Erst dann kann die
nächste Generation das Land erobern. Gott sagte:
Vierzig Tage lang habt ihr das Land erkundet; so sollt ihr nun vierzig
Jahre lang, für jeden Tag ein Jahr, eure Schuld abbüssen. Dann merkt
ihr, was für Folgen es hat, wenn jemand sich von mir abwendet." 4.Mose
14,34
Diese Folgen sind also eine erzieherische Massnahme Gottes. Sie sollen
erkennen, dass Sünden Folgen haben, denn so lässt Gott nicht behandeln.
Es gibt also einen Unterschied zwischen der Vergebung und den Folgen der
Sünden.
Sünden haben nämlich meistens Folgen und zwar negative Folgen. Das musste
später auch der König David erfahren. Er versündigte sich durch den
Ehebruch und den Mord des Mannes von Batseba unentschuldbar vor Gott und
den Menschen. Doch Gott hatte David in seiner Gnade vergeben.
Doch trotzdem, dass Gott im vergeben hatte, musste er Folgen der Sünde
tragen. Das ging soweit, dass er von seinem Sohn aus dem Palast in
Jerusalem verjagt wurde und er ihn sogar umbringen wollte. Hätte sich
David nicht versündigt, so hätte er den Palast in Jerusalem nicht
verlassen müssen.
Es ist eine falsche Vorstellung von Vergebung, wenn wir meinen, der
Zustand, der vor der begangenen Sünde bestand, würde wieder hergestellt.
Das haben wir in der kleinen Geschichte eingangs auch gehört. Der Chef
vergab seinem Mitarbeiter unter der Bedingung, dass er den Schaden auch
wieder in Ordnung bringt. Das bedeutete für ihn, dass er in den nächsten
Monaten weniger Geld zur Verfügung haben wird und auf einiges verzichten
muss.
Das ist vermutlich das, was Johannes der Täufer bei seinem Bussruf sagte:
Bringt Frucht, die zeigt, dass es euch mit der Umkehr ernst ist."
(Matthäus 3,8)Die Vergebung ist nicht dazu da, dass ich mich meiner Verantwortung
entledige.
Beim König David bewundere ich gerade, dass er sich über die Folgen seiner
Sünden nie beklagte. Er war bereit, die schweren Folgen zu tragen. Er war
glücklich und dankbar darüber, dass Gott ihm diese Sünde nicht
anrechnete.
Wenn Gott uns vergibt, dann heisst das, dass er uns die Schuld nicht
anrechnen wird. Ich bin durch die Vergebung mit meinem Schöpfer versöhnt.
Es gibt nichts Wichtigeres als das.
Als die vier Männer, das Haus abdeckten und Jesus einen Gelähmten vor die
Füsse hinunter liessen, sagte Jesus zum Gelähmten den wichtigsten Satz:
Mein Freund, deine Sünden sind dir vergeben!" (Lukas 5,20)Wie befreiend muss das für diesen Mann gewesen sein. Er war immer noch
gelähmt, aber nun war er von seiner Schuld befreit und mit Gott versöhnt.
Die hohen Theologen sahen darin sofort eine Gotteslästerung. Natürlich
bemerkte das Jesus und fragte sie, was denn einfacher sei, zu sagen,
deine Sünden sind dir vergeben, oder steh auf und lauf. Natürlich dachten
sie, dass das zweite schwieriger sei. Und dann heisst es:
Doch ihr sollt wissen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier
auf der Erde Sünden zu vergeben." Und er wandte sich zu dem Gelähmten
und sagte: Ich befehle dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh
nach Hause!" (Lukas 5,24)Das Wichtigste an der Vergebung ist, dass die Beziehung zu Gott wieder
hergestellt ist. Ob wir dann noch gesund werden, oder ob sich die
unangenehmen Umstände meiner Sünde verbessern oder verschlechtern, ist
Nebensache.
Eine völlig gelähmte Frau, lag hilflos auf ihrem Bett und wartet auf
den bald eintretenden Tod. Ihre Krankheit sei unheilbar, sagten die
Ärzte. Eines Tages besuchten sie zwei Männer, die mit ihr um Heilung
beten wollten. Einer fragte sie: "Wenn Jesus jetzt zu ihnen käme und
sie fragen würde: ,Welches Wort möchtest du aus meinem Munde hören?',
was würden sie ihm dann antworten?"
Freudig schaute diese kranke Frau die beiden an und sagte: "Wenn Jesus
mich so fragen würde, dann würde ich ihn bitten: ,Herr, sprich noch
einmal das Wort: Sei getrost, meine Tochter, deine Sünden sind dir
vergeben!'"
Vermutlich hatten die beiden Bekannten eine andere Antwort erwartet.
Aber dieser Frau stand nicht die Gesundheit im Vordergrund, sondern das
Heil. Das hatte sie bei Jesus gefunden: Vergebung der Sünden und
Erlösung durch sein Blut. Die Gnade Gottes und das Blut Jesu hatten
allen Schaden in ihrem Leben gutgemacht. Wenn Jesus ihr begegnet wäre,
hätte sie gerne diesen Zuspruch aus seinem Munde nochmals gehört. Das
hielt für sie das Wichtigste!
Es ist für uns wichtig, das zu verstehen. Die Vergebung setzt uns nicht an
den Punkt vor der Sünde zurück. So ist es übrigens sogar mit unserer
Erlösung. Adam und Eva versündigten sich und deshalb kam der Tod in diese
Welt. Nun ist Jesus für unsere Sünde gestorben und er hat – wenn wir an
ihn glauben und ihm folgen – uns für Zeit und Ewigkeit gerettet. Wie
Paulus sagte:
Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«.
Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. 2. Korinther 5,17Jawohl, wir sind neue Schöpfung. Doch werden wir durch die Erlösung nicht
in den Zustand von Adam und Eva vor dem Sündenfall versetzt. Wir haben
auch hier noch Folgen der Sünde zu tragen, denn wir müssen sterben.
Wenn ich als Buchhalter einer Firma grössere Beträge unterschlage und ich
entdeckt werde und vor Gott meine Schuld bekenne und ihn aufrichtig um
Vergebung bitte, so wird er mir vergeben. Doch werde ich die Folgen
tragen müssen, seien es Gerichtsverhandlungen, Strafen und Bussen
bezahlen müssen.
Sicherlich wird uns Gott helfen auf diesem Weg der Bereinigung von Sünden,
aber es wird nicht ungeschehen gemacht.
Übrigens hatte Gott auch das Volk Israel während diesen 40 Jahren versorgt.
Er sorgte dafür, dass sie zu Essen und zu Trinken hatten. Er ging ihnen
voraus in einer Wolken- und Feuersäule. Er hatte sie während dieser Zeit
nicht hängen lassen!
Oder nehmen wir das Beispiel, wenn jemand seine Ehe bricht. Es tut ihm
nachher sehr leid und er bittet seinen Ehepartner und Gott um Vergebung
seiner Schuld. Nun vergibt ihm Gott und auch der Ehepartner. Doch die Ehe
geht nicht einfach dort weiter, wo sie stand, bevor der Ehebruch geschah.
Der, der die Ehe gebrochen hat, kann von seinem Partner nicht erwarten,
dass einfach alles bleibt, wie es war. Er muss sich bemühen, das
Vertrauen des Anderen wieder zu gewinnen.
Das ist ein Erziehungsmittel, mit dem Gott uns davor schützen will, dass
wir hemmungslos sündigen.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 2. Samuel 11; Matthäus 3,8; Lukas 5,20+24; Apostelgeschichte 8,21-22; 2.Korinther 5,17; Galater 6,7-8
IV. Gottes Massstab, uns zu beurteilen
Noch ein wichtiger Gedanke. Uns scheinen die Folgen, die das Volk zu tragen
hatte, sehr streng. Doch angesichts der vielen Lästerungen und des
häufigen Ungehorsams, ist das gar nicht so übertrieben.
Denken wir doch nur, dass Mose eigentlich dasselbe Urteil für eine – in
unseren Augen – Bagatelle traf. Er sollte zum Felsen sprechen, damit
Wasser für das Volk daraus hervor strömen soll. Statt zum Felsen zu
sprechen, schlug Mose mit dem Stab an den Felsen. Das Wasser kam, aber
daraufhin folgte ein hartes Urteil Gottes:
Ihr habt mir nicht vertraut und wolltet mir keine Gelegenheit geben,
mich vor den Leuten von Israel als der heilige und mächtige Gott zu
erweisen. Darum könnt ihr dieses Volk nicht bis in das Land führen, das
ich ihnen versprochen habe." 4.Mose 20,12Aaron und Mose mussten deswegen ebenfalls in der Wüste sterben. Das mag
oberflächlich betrachtet ungerecht erscheinen, aber es nicht ungerecht.
Hier findet ein wichtiges göttliches Prinzip seinen Ausdruck, das Jesus
einmal erwähnte:
Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert, und wem viel
anvertraut wurde, von dem wird umso mehr verlangt." (Lukas 12,48)Das ist doch gerecht. Es ist wie bei einem Lehrer, der die Arbeiten seiner
Schüler nicht an den Leistungen eines Nobelpreisträgers misst, sondern
sie ins Verhältnis zu ihrem möglichen Wissen und Fähigkeiten setzt.
Deshalb mussten die Männer, die das Land besichtigten sofort sterben, denn
sie hatten mehr Einsicht und mehr Verantwortung, als alle anderen.
Deshalb durfte Mose nicht das Land Kanaan betreten, denn er sprach mit Gott
von Angesicht zu Angesicht und er hatte genau gewusst, was Gott ihm
gesagt hatte.
Weil Gottes Gerechtigkeit so funktioniert. Warnte sogar Jakobus davor, wenn
man die Verantwortung als geistlicher Lehrer übernehmen will. Er schrieb:
Meine Brüder, nicht zu viele von euch sollten Lehrer der Gemeinde
werden wollen. Ihr wisst ja, dass wir Lehrer vor Gottes Gericht
strenger beurteilt werden als die anderen." Jakobus 3,1Gott beurteilt uns also nicht nach einem einzigen Massstab, sondern er
sieht darauf, was wir für Voraussetzungen haben und er nimmt uns als
Persönlichkeiten ernst.
Bibelstellen zum Nachschlagen: 4. Mose 20,12; Lukas 12,47-48; Hebräer
13,17; Jakobus 3,1
Schlussgedanke
Das war eine schwere Zeit für das Volk Israel. Als sie hörten wie die
nächsten 40 Jahre ihres Lebens aussehen werden, wurden sie sehr traurig.
Da begann das Volk zu weinen und zu klagen." 4.Mose 14,39Natürlich können wir das Volk Israel verstehen, dass sie darüber sehr
traurig waren. Doch hätten sie auch glücklich sein können, denn Gott
verschonte sie. Sie konnten weiterleben und Gott versorgte sie weiterhin
mit allem, was sie benötigten.
Gottes Güte war deutlich im Leben der Israeliten zu erkennen. Vielleicht
ist Dein Leben auch von Spuren vergangener Sünden geprägt. Strecke Dich
aus nach vorne und freue Dich darüber, dass Dir Gott vergeben hat und er
Dir selbst in dieser Situation hilft.
In der Zeit Nehemias, wurde dem Volk Israel das Gesetz verlesen. Sie wurden
darüber sehr traurig und weinten, weil sie sahen, wie schlecht es dem
Volk ging, weil sie sich schwer versündigten. Esra sagte ihnen:
Geht nun, esst und trinkt! Nehmt das Beste, was ihr habt, und gebt
auch denen etwas, die nichts haben. Der heutige Tag ist ein Festtag zur
Ehre des Herrn! Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn
umgibt euch wie eine schützende Mauer." Nehemia 8,10Oder wie es Luther übersetzte:
Seid nicht bekümmert; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke."
Nehemia 8,10 Bibelstellen zum Nachschlagen: Nehemia 8,9-10; Römer 2,4; 2.Korinther 7,10
Amen

