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Rückblick auf den Ausgangspunkt und die Frage nach Gemeinde heute
Apostelgeschichte 4, da haben wir gestern aufgehört, als die Apostel Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat waren, bedroht wurden und sie sagten: Wir können es ja nicht lassen, dass wir nicht reden sollten von dem, was wir gesehen und gehört haben.
Es interessierte uns, wie das in unserer Zeit heute geht, mit den Gemeinden, wie Gemeinden wachsen. Das ist ja das ganze Thema in der Apostelgeschichte: die Ausbreitung des Evangeliums und wie Gemeinde gebaut wird.
Als man sie hatte gehen lassen, also in Petrus und Johannes Vers 23 sind wir, Kapitel 4, Vers 23, als man sie hatte gehen lassen, kamen sie zu den Ihren und berichteten, was die Hohenpriester und Ältesten zu ihnen gesagt hatten.
Als sie das hörten, haben sie, Kapitel 4, richtig, und das habe ich vor zwei Jahren schon einmal gehalten, und das sind ein paar Leute, ich glaube, Sie waren vielleicht auch da, habe ich schon einmal die Bibelarbeit gehalten. Deshalb habe ich noch einmal umgepolt. Ich habe es festgestellt und habe dann hier mit dem Sekretariat korrespondiert, richtig, den Schiffbruch, jawohl, und gestern war es drin, der Prozess gegen den Paulus in Caesarea. Hochinteressant, aber wir haben dann umgepolt. Wir haben gesagt, das wäre ja schade, wir wollen uns nicht wiederholen, wir haben so viel aus der Schrift zu entdecken.
Jetzt Kapitel 4, Vers 24: Als sie das hörten, erhoben sie ihre Stimme einmütig zu Gott und sprachen: Herr, du hast Himmel und das Meer und alles, was darinnen ist, gemacht. Du hast durch deinen Heiligen Geist, durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, gesagt: Warum toben die Heiden, und die Völker nehmen sich vor, was umsonst ist? Die Könige der Erde treten zusammen, und die Fürsten versammeln sich wider den Herrn und seinen Christus, seinen Messias.
Wahrhaftig, sie haben sich versammelt in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, sein Ehrentitel von Jesaja 53 für den kommenden Messias, der Knecht Gottes, den du gesalbt hast: Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels. Das war eine merkwürdige Ökumene, wie die alle zusammenkommen: Herodes, der Jude, der Römer Pontius Pilatus, die Heiden und dann die Stämme Israels, und alle sind sich eins. Die Stimme von Jesus muss zum Schweigen kommen. Wahrhaftig, zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvorbestimmt hatten, dass es geschehen sollte.
Und nun, Herr, sieh an ihr Drohen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort. Strecke deine Hand aus, dass Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.
Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit freiem Mut.
Das interessiert uns, wie das in unseren Tagen weitergeht mit der Jesusgemeinde. Ich freue mich ganz besonders immer, wenn man hier ist, auf der langen Steinbacher Höhe, und man dann neugierig fragt. Wissen Sie, ich bin nicht vom CIA und nicht vom deutschen Geheimdienst, wenn ich frage. Es interessiert mich einfach die Vielfalt der Jesusgemeinde: Wo kommst du her? Wo ist deine geistliche Heimat? Es ist hochinteressant, wie die andere Frage auch: Wie bist du zum Glauben gekommen?
Es ist nicht unhöflich. Und die Christen lassen Geschichten raus, wie der Herr seinen Weg gegangen ist. Halten Sie da nicht zurück. Da brauchen wir uns ja nicht zu genieren, wenn wir untereinander erzählen von diesen großen Taten Gottes, wie der Herr uns oft über Umwege nachgegangen ist und uns geführt hat. Und da gehört das mit dazu, dass wir in ganz verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften leben.
Ich finde das einen ganz großen Reichtum, obwohl ich weiß, es mag mancher sein, der muss tief seufzen und sagen: Ach Mensch, ist ja alles ganz schön, aber dass du gerade aus der Landeskirche kommst. Ich verstehe manche Nöte, aber mich hat immer wieder beeindruckt, wie ein Raum da ist, wo man viele Menschen erreicht. Wir wollen ja nicht alles abdecken, sondern was uns interessiert, ist, wie Jesus heute durch ganz verschiedene Gemeinschaften und Gruppen sein Volk sammelt. Und das ist immer das Entscheidende, dass Jesus der Herr in der Mitte steht.
Der eigentliche Bauherr der Gemeinde
Man hört in diesen Tagen viel vom Gemeindebau. Das ist sogar ein Thema, zu dem viele Tagungen abgehalten und viele Bücher geschrieben werden. Mir ist immer wichtig, dass in der Bibel der Satz des Herrn Jesus steht: Ich will meine Gemeinde bauen. Also: Der Herr Jesus baut seine Gemeinde selbst. Das ist das Wichtigste, dass wir hören: Herr, was willst du? Was sollen wir machen? Ich will meine Gemeinde bauen.
Wir dürfen uns natürlich den Kopf zerbrechen, wie wir es dann machen und wie es richtig geht. Aber das ganz Entscheidende ist: Ich will meine Gemeinde bauen. Das steht da bei dem Petrusbekenntnis, Matthäus 16, wo ja manche meinen, das sei auf das Petrusamt zurückzuführen. Wir glauben ja vom biblischen Verständnis her: Nein, das hat gerade der Herr Jesus in seine Gemeinde hineingelegt, dass sie die Vollmacht hat zum Binden und Lösen. Und den Petrusschlüssel zum Himmelreich, den hat jeder gläubige Christ, weil er Seelsorger an anderen sein darf.
Das ist das herrliche Amt, dass wir binden und lösen dürfen und Menschen die Vergebung Jesu zusprechen und damit den Schlüssel zum Himmel haben. Dass Menschen selig werden durch den Dienst der Gemeinde, das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Jesus will eine Gemeinde bauen, die von ihm bevollmächtigt ist, Menschen selig zu machen durch das rettende Evangelium.
Und ich freue mich immer wieder an der Vielfalt und ganz besonders auch an den vielen Gruppen und Gemeinschaften, die der Herr Jesus durch die Geschichte gesegnet hat. Und wenn wir in die Welt hinausschauen, dann sehen wir das wieder in einer ganz großen Vielfalt. Die wurde noch im Dezember von unseren Mitarbeitern nach Äthiopien geschickt. Unsere Mitarbeiterin, die Äthiopien betreut, da kennen wir, wir haben es ja gestern Abend schon erzählt, von dem Hans Hagen, die herrliche Worteslebenskirche. Aber in Äthiopien gibt es natürlich diese koptische Kirche, die hat 40 Millionen Mitglieder.
Seit Jahrhunderten ist der Traum aller Missionsleute: Was wäre, wenn diese koptische Kirche mit ihren Millionen Mitgliedern erweckt wäre und das Jesus-Evangelium verkünden würde? In der koptischen Kirche, ich darf das mal ganz vorsichtig sagen, ist das Evangelium so verdunkelt, dass die meisten Pastoren gar keine Bibel besitzen. Es gibt gar keine Bibelverbreitung, sondern sie haben 816 Schriften. Das sind meist die heiligen Legenden, die das ganze Zeugnis der Schrift zudecken. Das ist für uns ganz arg notvoll.
Und da war ja der Missionar Goba, der Vater der Dora Rappert. Der war dort sechs Jahre und ist hier verzweifelt an dieser Kirche, ganz schlimm, auf einem ganz schweren Weg. Und dann war er der größte Missionspionier dort in Afrika, Ludwig Krapff aus Derendingen. Er hat auch sechs Jahre dort gearbeitet und hat zum Schluss gesagt: Es hat alles keinen Wert, das Evangelium dringt nicht in die Herzen.
Und jetzt wurde ich nach Äthiopien geschickt, weil dort der Missionsarzt Doktor Schmoll sagte: In der orthodoxen Kirche ist ein Bibelhunger aufgebrochen. Ich habe zu meinen Mitarbeitern gesagt: Also, ich kann es nicht glauben, das wäre eine Sensation. Doktor Schmoll ist mit seiner Frau mitgefahren. Wir sind nach Meckele hinaufgegangen, das ist ein Zentrum der Orthodoxie, und ich komme in eines der beiden Priesterseminare hinein, und das erste Buch, das ich im Bücherständer sehe, in der Bibliothek, ist Chorethenbom. Da dachte ich: Das wird ja richtig werden.
Leiter gesprochen, vom Äußeren her war das völlig fremd, wissen Sie, wenn er so ein großes Kreuz hat und so etwas auf dem Kopf. Für uns sind ja die äußeren Dinge oft das Trennende. Aber er hat uns gebeten, wir sollten dort sprechen, und Doktor Schmoll hat so herrlich über Psalm 51 gesprochen, dass ich die Vergebung meiner Sünden brauche. Und ich habe über Römer 7 und Römer 8 gesprochen, wie wir neue Menschen werden durch den Geist Gottes. Und er hat uns so herzlich Gedanken gesagt: Schickt uns doch einen Mitarbeiter an das Priesterseminar, der die jungen Priester Bibel lehrt, in Hebräisch und Griechisch.
Wir suchen im Moment einen Mitarbeiter, der dorthin geht und der auch das feine Gefühl für diese Christen hat, damit er sie nicht gleich vor den Kopf stößt. Wir hatten einen ganz prächtigen Theologen mit Doktorgrad gefunden, aber der hat immer gleich gesagt: Ich muss den Orthodoxen gleich sagen, wo sie überall falsch liegen. Da habe ich gesagt: So erreichst du die Herzen nicht. Du musst von der Bibel her, von Jesus her, die Herzen ziehen. Jetzt können wir ihn gar nicht schicken, denn der war selber Katholik gewesen und ist immer erfüllt von dem, was er an Fehlern in den Gemeinden sieht. Da gibt es ja viele Fehler. Aber er muss ja zunächst einmal vom Wort Gottes her aufbauen.
Ich finde das so wunderbar. Da durften wir eine regionale Bibelgesellschaft gründen. Bisher war der nächste Bibelladen 820 Kilometer weit in der Hauptstadt Addis Abeba. Und die orthodoxe Kirche hat sofort 75 Bibeln in amharischer Sprache geordnet, und wir haben jetzt mit drei orthodoxen Priestern eingeleitet, das müssen orthodoxe Priester natürlich sein, eine Neuausgabe des Neuen Testaments in der Tigray-Sprache. Das verstehen die Menschen da oben, vier Millionen Tigray-Leute.
Jetzt halten wir so den Atem an. Wir können es wieder nicht publizieren, weil wir nicht wissen, ob dann irgendwelche andere in dieser orthodoxen Kirche vielleicht schon etwas wittern, als ob hier eine evangelikale Invasion stattfinden würde. Uns geht es ja nur um den Jesusnamen, der wieder so verkündet wird, wie es in der Bibel ist. Wir wollen einfach dafür beten, dass Gott dieses Werk weiter segnet in diesen Gebieten, und wir finden das so wunderbar.
Der Herr baut seine Gemeinde durch sein Wort. Und das, was wir jetzt hier in der Apostelgeschichte immer wieder finden: Der Herr tat hinzu. Dann heißt es plötzlich: Das ist richtig und breitete sich aus. Das sind die beiden wichtigsten Punkte. Der Herr Jesus selber muss der Wirkende sein, und das Wort muss in den Herzen der Menschen wachsen. Das Wort tut das. Das ist der Samen, der aufgeht und der wirkt.
Widerstand, Angst und die Kraft des gemeinsamen Gebets
Das haben die Feinde der Gemeinde ganz schnell gemerkt. Deshalb haben sie Petrus und Johannes so hart angegriffen und gesagt: Wehe, wenn ihr noch einmal von Jesus redet.
Es muss eine Demonstration gewesen sein, als diese Richter vom Hohen Rat dastanden. Und die zwei kleinen Apostel waren ja bloß kleine Leute, einfache Leute. Da standen sie vor den Herren der Welt, und dann wussten sie von den Römern bis hin zum ganzen Hohen Rat: Es ist die Front der Ablehnung, einmütig.
Und sie kamen zu der kleinen Gemeinde. Die hatte ja ohnehin immer Angst. Die hatten ja anfangs die Türen verschlossen, weil sie dachten, sie werden auch noch abgeführt. Wer einmal in einem Team gelebt hat, weiß, wie die Angst in der Gemeinde umgeht.
Ich war lange genug im Bibelschmuggeln beteiligt in den osteuropäischen Ländern. Ich weiß, wie das heute ist, wenn man Bibeln schmuggelt in den Islamländern und solche Dinge, wie man da Angst hat: Wehe, wenn die uns auf die Spur kommen. Und das ist enorm.
Die Gemeinde fällt nicht in Angst um und sagt: Jetzt müssen wir eben ruhig sein. Sondern sie erheben ihre Stimme einmütig zu Gott. Die Einmütigkeit ist uns immer wichtig. Wir leiden ja darunter, dass die Gemeinde, die Jesusgemeinde, in so viele Meinungen zerfällt. Man kann ja viele Themen anführen, und dann ist man in den heftigsten Diskussionen. Aber das Wunderbare ist, wenn es im Gebet die Einmütigkeit gibt.
Mir ist das in der Bewegung der Evangelischen Allianz wichtig: dass wir eine Gebetsbewegung sind und bleiben. Und wenn wir darüber hinausgehen und mehr konstruieren wollen, so fällt es gleich wieder. Wir sind darin eins, dass wir vor dem Herrn stehen, auf seine Stimme hören und ihn anrufen.
Es war in dieser Urchristengemeinde so herrlich, in dieser ersten Christengemeinde, dass sie miteinander beten und dort ihren Mut und ihre Zuversicht gewinnen. Und zwar alle miteinander sagen: Nein, wir knicken nicht ein.
Ich hatte einen Freund in Bulgarien. Das war ein treuer Prediger, ein Methodist in den schweren Jahren des Stalinismus in der Stadt Schumen, und mit seiner Frau, die war eine Schweizerin. Ganz treue Leute, die ausgehalten haben in den schwersten Jahren. Und als man ihn beerdigt hatte, hat es geheißen, er hatte einen steifen Rücken, weil er sich nicht vor den irdischen Autoritäten beugte.
Das ist wichtig für Jesusleute: nicht beugen vor den irdischen Autoritäten, sondern knien vor dem lebendigen Gott. Da wollen wir ganz klein sein, aber einen steifen Rücken haben vor dem Anspruch der Welt, auch vor dem, was heute der Zeitgeist will.
Wir wollen dem Herrn Jesus treu sein in unserem Dienst. Und es ist schön, dass Sie das untermauern und sagen: Das ist ja schon in den biblischen Schriften klar beschrieben. Da steht schon in Psalm 2 drin: Warum toben denn die Heiden so? Und sie können doch nichts ausrichten gegen die Königsherrschaft unseres Gottes.
Das Reich Gottes steht fest, die wunderbaren Königspsalmen. Dann denken wir an Psalm 110, die Messiaspsalmen und an all das, was überall in den prophetischen Schriften dazu steht.
Wir haben an Himmelfahrt unsere großen Missionstage in Stuttgart. Mir gefällt das immer so, weil gerade auch der Himmelfahrtstag noch einmal das Königtum von Jesus unterstreicht. Darum geht die Botschaft, das Evangelium, in alle Lande. Und wir wissen es: Er ist der Herr und der König.
Wachstum unter Druck und die Gefahr falscher Maßstäbe
Natürlich gibt es da Widerstand, und natürlich gibt es da Leiden. Es gibt heute schweres Leiden, und es gibt Opfer in diesen wirren Zeiten.
Es ist ja merkwürdig, dass in Zeiten des Wohlstands wie bei uns und in Zeiten, in denen man als Christ unangefochten lebt, ganz wenig geschieht. Da wird das Glaubensleben ganz schnell lau. Ich denke, bei Ihnen ist das auch in Ihrer persönlichen Lebensführung so. Wenn Sie in große Krankheitsnöte kommen oder in wirtschaftliche Bedrängnis und so weiter, dann wird das Glaubensleben wieder ganz aktiv.
Und das ist jetzt wichtig: Eine Gemeinde, die unter Druck steht und in Spannung lebt, wird auf diese Weise vom Herrn gebaut. Dort wächst die Gemeinde. Wir sind heute vielleicht von einem ganz gefährlichen Fehler befallen, dass wir immer wieder auf die Zahlen sehen. Und wir meinen, wir müssten zählen und schauen, wo die Gemeinde wirklich wächst. Aber Wachstum ist nicht immer bloß eine Sache der Zahl, also wie viele dazugehören. Es ist vor allem eine Frage, ob wir zu dem hin wachsen, der das Haupt ist, nämlich Christus, dass wir auf Christus hin wachsen.
Die Gemeinde muss immer mehr sein Leib werden, in dem Christus wirkt, durch die Gemeindeglieder hindurch. Ich habe heute oft meine Fragen, ob das wirklich im Mittelpunkt steht, wenn man heute von wachsenden Gemeinden spricht. Ich halte dieses Wort auch nicht für glücklich, dass wir es als Programm haben: Wir wollen wachsende Gemeinden sein. Ich könnte es nur gelten lassen, wenn wir sagen: Wir wollen fortwährend auf Christus hinwachsen, und das Wort Gottes soll bei uns immer stärker und mächtiger werden.
Und das Wort wurde mächtig und breitete sich aus, so heißt es auch in der Apostelgeschichte. Das war die erste Christenheit. Wir freuen uns, wenn es sich auch in den Zahlen widerspiegelt, aber Zahlen können auch täuschen. Zahlen sind nicht das Einzige. Auch eine Gemeinde, wenn sie in Bedrängnis und Verfolgung steht, dann ist es umso wichtiger, dass sie zunächst wieder auf Christus hin ausgerichtet wird und dass dieser Anfang in der Mitte geschieht.
Ich habe es in meinem Leben oft erlebt, wie wir geplant haben und die Dinge dann völlig danebengegangen sind. Wir wussten gar nicht, wie man weitermachen soll. Da haben wir uns getroffen und mussten uns zunächst einmal wieder von Jesus neu senden lassen in dieser Situation.
Ich möchte Ihnen das auch raten: Wo Sie in Ihren Gemeinden und Gemeinschaften Spannungen und Nöte miteinander haben, da gehen Sie wieder zurück auf sein Wort und lassen Sie das wieder geschehen. Und das andere streifen Sie ab. Oft haben wir auch viel zu viele Veranstaltungen, die uns in Atem nehmen. Aber an der Bibelstunde, an der Gemeinschaft über dem Wort und am Gebet da können wir nicht kürzen. Im Gegenteil: Das muss verstärkt werden.
Und dann kann es dem Herrn gefallen, zu seiner Zeit das Wachstum zu schenken. Das, was ich gestern Abend erzählt habe, so ein Wachstum, wie wir es in Nepal hatten von 1990 bis heute 2006, ein 14-faches Wachstum, das ist ja wahnsinnig. Und es wäre auch die Gefahr, dass dann plötzlich gewisse Führerpersönlichkeiten sagen: Wir machen das! Es wird ja gern so dargestellt: Das sind Menschen, guck, die können das!
Ich habe über Billy Graham seine Demut und seine Bescheidenheit bewundert. Er ist meist schon vor Ende der Versammlung weggefahren, weil er keine Bewunderer haben will. Es ist eine ganz gefährliche Sache für einen, den Gott als Werkzeug gebraucht, durch den viele zum Glauben kommen. Wie schnell heften wir das auf unsere Fahnen und sagen: Wir, wir haben ein Gemeindewachstum! Oder: Ich habe das erreicht!
Das ist eine ganz große Not von uns allen, die wir Verantwortung tragen, dass wir gerne von unserem Verein, von unserer Kirche reden und sagen: Wir haben das heute, und wir haben den richtigen Weg. Das ist nicht die Art, wie der Herr uns segnen kann. Er will seine Ehre keinem anderen geben. Es ist allein seine Sache. Es ist sein durchschlagendes Werk, wenn er seine Gemeinde benutzt und baut. Und gerade da, wo die Feinde toben, baut er umso mehr seine Gemeinde.
Gefährdungen durch Ideologien und die Treue zum Evangelium
Im Dritten Reich war das eine ganz gefährliche Stunde der Versuchung. Es ist immer aus der Geschichte heraus ein wenig leichter zu erzählen als etwa heute aus unseren eigenen Fragen. Das muss man dann selber umsetzen und fragen: Wo liegen heute die Gefährdungen der Jesusgemeinde? Sie sind heute gewiss nicht kleiner als damals. Sie haben die Rechte gekürzt, sie sind heute nicht kleiner als damals. Die Jesusgemeinde wird von ihrer wichtigsten Aufgabe weggerückt.
Damals war es ein großer Augenblick: zwölf Millionen Arbeitslose und das ganze Land im Chaos. Dann trat plötzlich eine Bewegung auf, die Deutschland geeint hat. Da waren alle fasziniert. Da sind viele Gottesmänner und Gottesfrauen damals auch in die Partei eingetreten und haben gesagt: Da müssen wir mitmachen. Dann haben sie gesagt, das ist eine einmalige volksmissionarische Chance. Das ist für die Christen die Sache. Wir gehen hinein und haben eine Begründung gehabt: Wir sind das Salz in der Suppe. Jesus sprach selber vom Salz in der Welt, und wir gehen in die Bewegung hinein, und wir werden die Bewegung prägen.
Wenn man heute zurückblickt, dann war es dieser Hochmut, dass einer kommt und sagt: Ich kann das alles prägen. Wir haben es noch einmal erlebt bei den Christen für den Sozialismus und bei der Prager Friedenskonferenz. Es war alles gut gemeint. Aber sie haben den Sozialismus nicht umgeprägt, sondern sie waren letztlich das Feigenblatt, und sie wurden von einer Ideologie mitgeschoben. Das ist bei all den Ideologien unserer Zeit so eine Gefahr.
Da war in Stuttgart ein junger Kämpfer, der Doktor Alfred Zechnall, und der hat damals als ein wahrer Christ gesagt: Ich kann diesen Weg nicht mitgehen. Ich bin vielmehr dafür, wir sollten jetzt die jungen Leute in Bibelkreisen sammeln. Da sagen Sie: Das ist ja Ghetto-Bildung, und wir müssen doch jetzt in die Welt hinein, wir Christen haben einen Auftrag. Und Sie haben gesagt, damals die Freunde, die den anderen Weg gingen mit dem Jugendwerk, die Fußkranken und die Ängstlichen, die können ja mit Alfred Zechnal zusammen einen Bibelkreis gründen.
Dieser Bibelkreis hat Tausenden von jungen Leuten nachher im Krieg zum Glauben geholfen. Viele, die gefallen sind, war er der große Tröster. Und wenn Sie heute die Biografie von Friedrich Hensler lesen, dann erzählt dieser Alfred Zechner: Ich habe nie eine Bibelarbeit halten gehört, ich habe nie eine Ansprache gehört. Er war ein wichtiger Mann im Reich. Friedrich Hensler erzählt, wie er von ihm im Auto mitgenommen wurde. Es war der alte OBP 4, das war so ein Uraltfahrzeug nach dem Krieg. Und da saß der Friedrich Hensel drinnen, und Alfred Zechner fragte nur: Friedrich, wie stehst du zu Jesus? Und Friedrich Hensel sagt: Das war die Wende meines Lebens.
Verstehen Sie: Leute, die die Vollmacht von Jesus haben, und die Wirkung möge uns der Herr immer führen. Es ist ganz schwierig, Rezepte zu geben. Aber es gibt auch so viele Irrwege, wo wir Ideologien aufsitzen und sie christlich verbrämen. Wir wollen den Gehorsam bei Jesus lernen, die Hingabe und das Vertrauen in ihn.
Hingabe, Verfolgung und das eigentliche Wunder
Und was war das hier für diese ersten Christen, wie sie im Gebet sich ganz neu Jesus weihten, sich ganz ihm hingaben für den Dienst, und wie sie sagten: Herr, du hast Macht, das alles zu brechen, diese Feindschaft. Ich bewundere das, wie viele Christen heute auch in einer muslimischen Umgebung, die ihnen feindlich gesonnen ist, oder in buddhistischer Umgebung oder hinduistischer Umgebung diesen Schritt kühn wagen und sagen: Wir wollen alle Scheu ablegen und uns senden und gebrauchen lassen als seine Zeugen.
Und der Herr hat das bestätigt. Ich habe Ihnen gestern den Satz bei dem Nepal-Bericht vorgelesen: Die Behörden können das Gesetz gar nicht mehr anwenden, wo der Religionswechsel verboten ist, weil die Bewegung so stark und mächtig geworden ist. Das wird nicht immer so sein. Es werden auch viele heute sein, die unter die Räder kommen, die ums Leben kommen, die hingerichtet werden. Das gehört zum Leiden dazu. Wir kennen es auch bei den Glaubenszeugen aus Hebräer 11, wie viele gemartert wurden und ihr Leben verloren haben.
Aber wichtig ist für unser ganzes Leben, dass wir dem Herrn Jesus an unserem Platz treu dienen. Und das ist ganz besonders wichtig, wo wir heute Gemeinde bauen. Wir wollen uns nicht verneigen vor den Götzen unserer Zeit. Wir wollen uns nicht verneigen vor den Götzen unserer Zeit. Und die Gemeinde Jesu stirbt nicht an den Geldproblemen, sondern sie stirbt an ihrer Glaubenslosigkeit, weil das Vertrauen zu Jesus fehlt. Und das muss gebaut und gestärkt werden: die Hingabe für Jesus.
In diesen Tagen habe ich immer wieder den Eindruck, die Arbeit, die hier auf der langen Steinbaren Höhe getan wird, ist entscheidend wichtig, dass Gemeindeglieder wieder in der Hingabe zu Jesus gestärkt und ermutigt werden und dass sie wieder zurückgehen in die Gemeinde und das mitbringen den anderen und sagen: Wir wollen ganz neu mit Jesus rechnen und auch ihm trauen.
Nun hat ja Jesus schon viele Beispiele vom Wachsen erzählt. Wir denken ja gerade an die Saat, das vierfache Ackerfeld, wie die Saat ausgesät wird. Mir ist ein anderes Gleichnis ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Markus 4, die selbstwachsende Saat. Da steht ein griechisches Wort sogar, das übersetzt so vielleicht die automatisch wachsende Saat. Da wird erzählt, wie der Bauer die Saat auswirft, und nachdem er sie ausgeworfen hat, geht er nach Hause und denkt gar nicht mehr dran. Und die Saat wächst automatisch weiter, die selbstwachsende Saat. Sie kennen dieses herrliche Gleichnis.
Und das ist so wichtig. Wir müssen auch gar nicht jeden Tag gucken und zupfen: Wie geht das weiter? Wenn wir unseren Enkeln ein Zeugnis geben, wenn wir anderen Menschen, vielleicht in einem Bibelkreis, wo sie sich immer auch um einen sorgen, der noch nicht durchgebrochen ist. Wir dürfen doch wissen: Wir haben die Saat ausgesät, und das ist die Sache des Herrn, es wachsen zu lassen. Jesus sprach nie davon, dass es einen Superkorn gibt, das den Erfolg garantiert. Es ist immer das gleiche Samenkorn des Wortes Gottes, und das fällt in den Boden des Herzens, und das wächst auf. Und wir sollen nur treue Säleute sein und das Wort Gottes aussäen.
Das darf auch noch, das ist noch ein anderes Gleichnis. Da hat der Herr Jesus gesagt, wir können es nicht herausziehen. Das Unkraut ist in dieser Welt einfach mal mit drin, das wächst auch richtig. Aber entscheidend wichtig ist, dass wir den Samen aussäen.
Gemeinde als einladender Raum und als Ort der Heilung
Wir haben jetzt junge Leute in Stuttgart gewählt, ihnen am nächsten Samstag eine Hilfe zu geben. Die machen so ein Ferienwaldheim. Das ist ja eine württembergische Eigenart, dass man in einem Gebäude den Kindern während der Sommerferien einen vierwöchigen Aufenthalt gibt, nicht über Nacht, sondern nur über Tag, mit vier Mahlzeiten. Die Kinder kommen. Das ist so ein Sozialevent, das machen auch die Gewerkschaften und so weiter, und die Kirchen haben sich dem auch angeschlossen.
Aber den jungen Leuten ist es gelungen, dieses Waldheim so ausgerichtet mit dem Evangelium zu machen, mit der frohen Botschaft. Das sind alles gläubige Leute, die mitarbeiten. Bis sie anfingen, haben wir gesagt: Das wird euch nicht gelingen. Das ist so verbreitet: Junge Leute, wenn die beieinander sind, die posieren halt, die Helfer, und da kommt eigentlich nie etwas Vernünftiges raus. Aber die haben das mit großer Zucht durchgeführt. Die hatten 80 Plätze einfach in einem Gemeindehaus. Jetzt haben sie diesmal die Anmeldungen bei 199 gestoppt. Die sagen, der Andrang ist so riesig groß, weil da etwas vom Evangelium geboten wird. Und in dem gottlosen Stuttgart kommen die Kinder, da sind Gastarbeiterkinder und Katholiken, und alle wollen das hören, weil sie merken, da wird etwas geboten. Und das wirkt anziehend.
Da kann man nur den Herrn darüber preisen, das ist sein Wunder. Wenn er zieht und wenn er etwas schafft, was Bedeutung hat und Wirkung hat. Das Wachsen in der Zahl soll uns nicht das Entscheidende sein, das kann der Herr tun, so wie es heißt: Und der Herr tat hinzu, die gläubig wurden. Zeugnis strahlt nicht bloß durch unser Wort aus, sondern ein ganz wichtiges Zeugnis ist auch die Gemeinde selber.
Ich halte es für ganz wichtig, dass man sagt: Wir sind als Gemeinde eine missionarische Gemeinde, eine Gemeinde, wo wir uns nicht bloß treffen. Ich höre es immer öfter auch von Gemeinden, die stark besucht sind und wo viele Leute kommen, wo man aber hört: Da grüßt dich keiner. Da muss man nachher mal bloß gucken, da sind oft Ausländer dabei, aber mit denen spricht keiner, Studenten vielleicht aus China oder so. Eine wache Gemeinde wird man daran erkennen, dass man sich um andere kümmert.
Nun weiß ich, wie das ist, das passiert mir auch immer wieder. Wenn ich dann auf jemanden zugehe in der Bank und die Hand rüberstrecke und sage: Schön, dass Sie da sind, dann sagen die vielleicht: Woher kennen Sie mich? Macht nichts, ich wollte Sie bloß begrüßen. Es gibt ja Leute, die einem geschwind einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schütten. Oder nachher sagen sie: Sie haben uns schon zum zweiten Mal die Hand gegeben. Lieber zweimal als gar nicht usw. Das gehört ja alles mit dazu. Lassen Sie sich nicht schockieren dadurch.
Wir wollen eine einladende Gemeinde sein, wo sich andere wohlfühlen. Wir wollen andere nicht abschätzen, auch nicht fragen: Wo stehst du? Sondern wir wollen ihnen einfach sagen: Du bist willkommen hier, komm hierher. Das ist so schön, die Gemeinde strahlt aus, und wir sehen das auch nachher, wie es dort heißt, wie sie zusammenkamen und miteinander Gemeinschaft hatten.
Und deshalb sind auch solche Plätze wie die Bibelkonferenzstätte so wichtig, wo man sieht, mit Liebe wird etwas zubereitet, wie die ganzen Mitarbeiter das als Liebeszeichen ihres Glaubens an uns tun wollen. Wo gibt es denn das, dass man nicht mit dem Wachstuch auf dem Tisch begrüßt wird, sondern mit einem weißen Tischtuch, obwohl ich doch immer wieder Flecken mache. Aber die sagen: Um Jesu willen, du bist willkommen und du bist eingeladen. Und das ist auch ein Zeichen.
Auch die Eidlinger Schwestern haben das immer gesagt, das wollen wir beibehalten, auch bei der Konfirmandenfreizeitung. Sie haben gesagt: Tu doch einen Wachstisch. Nein, die jungen Leute sollen spüren, dass wir sie ehren und lieb haben. Und das ist eine Haltung, die sichtbar wird an der Gemeinschaft. Das ist für uns nicht eine Frage der Verköstigung allein. Ein paar Kilo weniger täten wir ja auch gut. Das ist nicht das Problem der Verköstigung, sondern ein Zeichen.
In der urchristlichen Gemeinde war das eine Begegnung, die Tischgemeinschaft. Man hat sich gefunden, und es ist wichtig, wie die Gemeinde miteinander umgeht. Und es sind in einer Gemeinde natürlich auch schwierige Leute dabei. Das gab es in der urchristlichen Gemeinde, da gab es sogar falsche Leute dabei, das lesen wir bei Ananias und Safira. Es gab viele Fehler. Es gibt keine fehlerlose Gemeinde. Aber ganz wichtig ist, dass wir die einbinden und auch immer daran denken: Da sind ganz viele, denen wir begegnen, die im Leben zu kurz gekommen sind.
Paul Deitenbeck hat früher immer hingewiesen auf die zu kurz Gekommenen, die auch ganz schwer zu tragen haben, manche, die auch eine ganz schwere Lebensgeschichte haben, die vielleicht schon vom Elternhaus her ganz verbittert sind. Die sehen so missmutig aus. Und das ist so wichtig in einer Gemeinde: Wie kann ich einem anderen Sonne bringen? Dass ich nicht bloß in die Gemeinde gehe und sage: Was nehme ich heute mit? Sondern: Womit kann ich anderen heute eine Ermunterung sein, eine Freude?
Vielleicht läuft ein Kind über den Weg und sagt: Du siehst mal nett aus. Ich war in einer Schwarzwaldgemeinde zum Predigen, und dann erzählt mir die Pfarrfrau, gläubige Frau: Der Vater hat wieder geheiratet, und die Stiefmutter hat ihr mit drei Jahren schon gesagt: Kein Kind sieht so hässlich aus wie du. Ich kenne in christlichen Gemeinden viele gläubige Stiefmütter, eine selbst in meiner Gemeinde, die nicht zur Hochzeit ihrer Tochter kommen wollte, nur weil die Stiefmutter kein Verhältnis zu ihrer Tochter gefunden hat. Das sind alles Nöte, woran eine Gemeinde leidet.
Da sind wir mit hineingestellt, damit die Liebe von Christus irgendwo durchbricht. Wir haben so viel zu tun, wo man beten muss: Herr Jesus, du kannst das Herz aufweichen, du kannst das doch verändern und neu machen, dass da was geschieht. Da müssen wir daran leiden. Eine Gemeinde ist wirklich ein ganz schwieriges Gebilde mit allen Nöten und Problemen. Und wir selber, wie gesagt, wir sind ja ein Teil dieser Gemeinde mit unseren Behinderungen. Aber wenn Jesus in der Gemeinde durchbricht, dann kann nur Wachstum und Glauben geben.
Evangelium als Kraft zur Veränderung von Kultur und Alltag
Und das ist entscheidend: Die Evangeliumsverkündigung hat in der Gemeinde unheimlich viel gewirkt.
Lassen Sie mich noch einmal geschichtlich ganz weit zurückgehen. Wie ist das Evangelium zu uns nach Germanien, nach Deutschland, gekommen? Da wissen wir leider immer viel zu wenig darüber, aber einiges ist bekannt. Es gab zuerst bei den Römern schon einige Christen; das wissen wir aus den Ausgrabungen in den Kastellen. Das ist schön, dass die Besatzungstruppen auch das Evangelium schon mitbrachten.
Dann waren es hauptsächlich die iroschottischen Mönche, die iroschottischen Mönche, die zu Fuß gewandert sind, einen einfachen Lebensstil gelebt haben und hierher gekommen sind, während die alten Germanen noch eine blutrünstige Kultur hatten. Und das Herrliche war, dass das Evangelium die Kultur verändert hat. Zwar nicht ganz. Die Ausländer sagen immer wieder, die zu uns kommen, die Deutschen hätten immer noch so einen kriegerischen Anspruch. Der Bruder Straub wird das dann besser beurteilen können aus der Sicht der Eidgenossen. Aber das stimmt tatsächlich: Wir Deutschen sind nur die harten Oberlehrer.
Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende war, dass die Kultur dieser kämpfenden Germanen so zerbrochen worden ist, dass ein Johann Sebastian Bach hier aufleben konnte und ein Händel. Und dass Liebe und Güte da waren, dass Liebestätigkeit erwuchs, weil das Evangelium als Nebenprodukt das geschaffen hat.
Jetzt kommt immer wieder der Wunsch: Wir müssen doch auch sozial tätig sein, und wir müssen doch politisch tätig sein. Ich sage immer wieder: Es hat nur Wirkung, wenn es aus dem Evangelium durch die Gemeinde kommt und in der Gemeinde Leute dann sind, die wieder als Beauftragte der Gemeinde hineingehen.
Mein Vater war selber im politischen Bereich tätig. Er war kein Pfarrer und hat immer gesagt: Das war mein Pfarramt. Aber er sagte: Ich will immer nur tun, was Jesus will. Das ist schön, wenn solche Leute in die Politik gehen, weil das Wort Gottes das weckt. Und das ist entstanden im heimatlichen CVJM, über der Bibelarbeit, wenn wir dort so von Jesus erreicht werden und wenn von der Gemeinde heilende Ströme ausgehen, die hinausgehen in die Welt.
Wir können das nicht machen, aber es ist ein Nebenprodukt, über das man immer wieder staunen kann, auch in der Mission in Afrika. Wie dann plötzlich Leute aus der Gemeinde herauskommen, die nicht mehr korrupt sind und die in ihrem Wesen verändert sind. Und in Lateinamerika sagt man immer wieder: Da sind plötzlich Leute, die nicht mehr das Machohafte an sich tragen, die Männer, sondern das sind richtig liebende Väter, die verantwortlich umgehen, die nicht mehr dem Alkohol gehören, weil das Evangelium eine soziale Wandlung auch in ihnen hervorgebracht hat.
Das Evangelium ist eine Lebenskraft in der Gemeinde, und wir müssen wissen: Das ist nicht etwas Weltfremdes, wenn wir die Bibel miteinander lesen, das Wort Gottes haben und beten. Sondern da sind wir erst in der Zurüstung, dass Jesus uns gebrauchen kann zum Dienst in der Welt, dass wir tüchtige Leute werden, tüchtige Staatsbürger, tüchtige Nachbarn und Freunde, tüchtige Familienmitglieder.
Zurück zur Grundlinie: Jesus, das Wort und die Neugeburt
Noch ein Wort in diesem Zusammenhang: Wir sind ja alle immer von so vielen Problemen überrollt. Sie wissen doch auch: so Probleme und Probleme und Probleme. Wenn Sie in eine Gemeinde hineingucken, wie viele Ehenöte, wie viele Erziehungsnöte, wo wollen Sie anfangen? Da können Sie alle Kurse anbieten und alles trainieren.
Ich las kürzlich wieder in einer Predigt des großen englischen Predigers Martin Lloyd Jones, der Arzt gewesen war und in der Westminster Chapel in London viele Jahrzehnte gepredigt hat. Er hat immer gesagt, wir kommen gar nie in den Kern der Probleme hinein, so tief wir uns auch damit beschäftigen. Zunächst muss jeder, der ein Problem hat, wieder zurück auf die Grundlinie, zu Jesus hin, in einer ganzen Lebensübergabe an Jesus. Und dann zeigt sich auf einmal, dass die Ehenöte ganz anders aussehen, wenn ich von Jesus herkomme und vom Wort Gottes her. Dann sind auf einmal die Erziehungsprobleme wieder ganz anders.
Wir müssen immer wieder lernen, in der Gemeinde aus unseren Schwierigkeiten herauszukommen. Denn wenn man die Probleme diskutiert, werden sie oft so schwierig, sie bekommen eine solche Mächtigkeit. Ob das das Problem der Homosexualität ist, nun gibt es tausend Probleme. Ich kann selbst über das Problem der Abtreibung diskutieren. Sie hat doch ein Problem, das dreizehnjährige Mädchen. Die Probleme sind so, als wenn ich wieder sage: Lass uns zurückgehen auf die Grundlinie. Was ist von Jesus her geboten? Lass uns dort die Linien der Gemeinde wiederziehen und nicht vom Extremfall des Missbrauchs der Menschen.
Das ist die große Chance der Gemeinde, dass wir mithelfen. Und da wird jeder gebraucht, wie Sie: tüchtige Leute, die aus dem Leben kommen, die Erfahrung haben, die aber vom Geist Gottes gelehrt sind. Herr, gib doch uns den Freimut und die Frechheit, dass wir all den Zeitmeinungen zum Trotz konsequent den Weg mit Jesus gehen.
Und geschieht da das Zeichen- und Wundergeschehen? Ja, natürlich tut Jesus Wunder, das muss man klar wissen. Täglich tut der Herr viele unglaubliche Wunder, massive Wunder bis ins Medizinische hinein. Aber es gibt auch viele Dinge, die der Herr nicht nach unserem Kopf macht, und auch das müssen wir festhalten. Und trotzdem geschehen große Wunder. Das größte Wunder aller Zeiten ist die Neugeburt, die Wiedergeburt eines Menschen. Dass ein Mensch, der so geprägt ist in seinem Geiz, in seiner Sturheit, in seiner Gottlosigkeit, durch den Heiligen Geist ein neuer Mensch wird, ist noch etwas viel Größeres als die größte medizinische Sensation der Heilung. Wenn ein Mensch in seiner Seele verändert wird, ist das nämlich noch schwieriger als das Körperliche. Und das macht der Herr: Wunder und Zeichen.
Das hat auch immer wieder in der Geschichte einer Gemeinde ungeheuer gewirkt, wenn in einem Ort einer zum Glauben kommt, wenn man im ganzen Dorf weiß: Das war einer, ein schwieriger junger Kerl, der bloß noch Schläger war oder so. Und wie ist das heute bei jungen Leuten? Da wollen wir nie sagen: Neonazi und so weiter. Man muss sagen: Herr Jesus, du kannst diesen armen jungen Menschen lieben. Und die Gemeinde ist ein Platz, wo einer kann.
Und wir wollen allerzeit meinungsumtrotz auf dieses große Wunder hoffen, weil das Wort Gottes wirkt: Und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut und unerschrocken. Es war immer das Wort, und man darf das Zeugnis nicht vergessen; das macht es interessant. Ich kann das Bibelwort auch runterlabern, und es läuft kalt runter. Es wird immer interessant, wenn Sie sagen: Das habe ich erlebt, das darf ich einem anderen bezeugen. Und wenn Sie sagen können: Ich kann das sagen über der Schuld meines Lebens, Jesus hat mein Leben neu gemacht. Das Zeugnis und die Erfahrung, die das wieder bestätigt, machen es so, dass der Geist Gottes ganz wunderbar auch in unserer Zeit wirken kann. Und da fehlt es ganz arg an solchen lebendigen Zeugen des Wortes.
Zeugnis, Berufung und die Hoffnung auf erneuertes Leben
Drüben in Heiderbach im Schwarzwald lebte ein Ehepaar, nur tolle Leute. Er kam aus dem offenen Abend, war Elektroingenieur und entschloss sich dann, noch in den dreißiger Jahren Medizin zu studieren, um in die Mission zu gehen. Das hat er abgeschlossen, seinen Doktor gemacht und fuhr nach Freiburg. In den letzten Tagen ist er offenbar am Steuer eingeschlafen, von der Autobahn abgekommen und in einem Maisfeld gelandet.
Dort lag er dreieinhalb Stunden, bis eine wache Polizeistreife merkte, dass da ein Auto in dem Maisfeld sein musste. Er saß in umgeknickten Halmen, und man konnte ihm nicht mehr helfen. Er war querschnittsgelähmt. Aber er hat gesagt: Er hat mich berufen. Er hat versagt bei uns, wie sollen wir dich senden?
Er hatte eine geheiratete Frau, die früher in der Mission in Kamerun war. Die hat gesagt: Da, wo ich war, da fehlt ein Arzt. Aber da kann man nicht einmal mit dem Auto hinfahren. Da hat er gesagt: Jesus wird einen Weg finden. Und dann hat die Helimission ihn mit dem Hubschrauber dorthin transportiert.
Dann hat er ein Gerät konstruiert, aus lauter Stangen, damit er im Stehen operieren konnte, er, der ja querschnittsgelähmt war: Doktor Günther Boos. Nach sechs Jahren kam er zurück nach Heiderbach, und dann starb seine Frau, die er doch brauchte. Da hat er mich angerufen: Max, für die Beerdigung komme ich gerne. Aber als wir die Beerdigung hielten, sagte er: Ich möchte auch ein friedhofsentscheidendes Wort sagen. Da hat er gesagt: Jetzt sind die Heiderbacher da, jetzt will ich sagen, Gott macht keine Fehler. Und ich will nur danken für die Zeit, die er mir geschenkt hat, und ich will auch weiter dem Herrn Jesus dienen.
Und er macht ganz viel Seelsorge da drüben in Heiderbach. Das wird von den Leuten angenommen, weil er selber durch Schweres geführt wurde. Und ich darf Ihnen den Namen sagen, damit Sie einfach sagen: Da gehe ich auch mal hin, wenn ich Not habe, oder schicke jemanden hin. So herrlich ist das Zeugnis mit dem Heiligen Geist, lebendige Gemeinde, wachsende Gemeinde. Da lebt wirklich Christus, und da wird die enge Grenze unserer Welt gesprengt, wo es bloß ums Gesundsein geht, ums Wohlergehen und um die Lust und um die Freude.
Wir wollen beten.
Herr Jesus, dir sei Dank, dass du deine Gemeinde immer wieder erneuerst. Wir bitten dich, dass du bei uns anfängst und so oft ermüdetes, erstarrtes Glaubensleben ganz frisch machst, ganz lebendig und neu. Gebrauche uns jetzt auch im Blick auf die Schwierigkeiten, Herr, wir können nichts ändern. Aber du kannst ändern. Dein Geist kann das auch so frisch machen wieder in den Versammlungen, aus denen wir kommen, dass es ganz lebendig ist und wir erquickt werden durch dich.
Und wir bitten dich, dass du deine Christengemeinde auch in unserem Land noch einmal zum Segen setzt, in unseren gottlosen Dörfern und Städten, wo so viele Menschen keine Zukunft und keine Hoffnung mehr haben. Und dass wir uns nicht einmauern in unseren Versammlungen, sondern dass wir hin und her in den Häusern von dir reden, so dass viele gläubig werden. Herr, tu das auch heute, auch bei deiner bedrängten und leidenden Gemeinde. Amen.

