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Vorbild Philippus - Einiges aus dem Leben eines Jesusjünger

10.05.1959Johannes 1,43-44

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Wir hatten uns vorgenommen, die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten dazu zu nutzen, das Leben des Apostels Philippus näher zu betrachten. Heute halte ich die letzte Predigt über Philippus.

Dazu lese ich noch einmal den Text aus Johannes 1, Vers 43: „Des andern Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach.“ Philippus aber stammte aus Bethsaida, der Stadt des Andreas und Petrus.

Verheilige uns in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Die Bedeutung von Glaubensvorbildern in der Gegenwart

In der vergangenen Woche erhielt ich einen Brief, in dem sich eine Frau bitterlich über mich beschwerte. Solche Briefe bekomme ich oft, aber dieser ist mir besonders aufgefallen. Die Frau beklagt sich über das von mir herausgegebene Blatt Licht und Leben.

In diesem Blatt lasse ich gern die Väter des Glaubens zu Wort kommen – durch Wörter und Rohfacker sowie durch die Menschen, durch die Gott im vorigen Jahrhundert Erweckung gegeben hat. Ich erzähle von diesen Männern. Nun schreibt diese Frau: „Wir leben doch in der Gegenwart, und wir müssen unsere Gegenwartsprobleme lösen. Wir müssen für die Zukunft bauen.“ Sie findet es einfach lächerlich, geradezu wie ein Jugendpfarrer lächerlich, wenn man immer in die Vergangenheit hineinstirbt und sich Leute ansieht, die längst vergangen sind und vor hundertfünfzig Jahren ihre Probleme lösen mussten.

Als ich den Brief bekam, leuchtete mir das nicht ein. Wir haben Gegenwartsprobleme, aber was gehen uns die Väter der Vergangenheit an? Gerade in diesem Moment hatte ich eine Bekannte zu Besuch. Ich legte ihr den Brief vor und fragte, was sie darauf antworten würde. Ich kann mit Frauen oft nicht richtig umgehen, deshalb wollte ich ihren Rat hören.

Sie antwortete: „Ich würde so schreiben: Die Bibel ist anderer Ansicht.“ In der Bibel steht zum Beispiel im Hebräerbrief, und dieser Brief malt seinen Lesern ein ganzes Kapitel lang ausführlich und tief die Vorbilder des Glaubens aus dem Alten Testament vor die Augen. Ich hoffe, Sie kennen das Kapitel Hebräer 11.

Der Hebräerbrief schließt diesen Blick auf die fähigen Mütter und Väter des Glaubens der Vergangenheit mit den Worten ab: „Ihr Ende schaut an und folget ihrem Glauben nach.“ Die Bibel ist also der Ansicht, dass es sehr gut ist, diese Glaubensvorbilder der Vergangenheit anzusehen.

Meinen Sie, die Frau hat Recht, oder wer hat Recht? Sehen Sie, in allen pädagogischen Konferenzen oder ähnlichen Instituten und Akademien wird unaufhörlich darüber geklagt, dass unsere Zeit keine Leitbilder hat. Man sagt gern, die Jugend habe keine Leitbilder. Dass die Alten noch viel verrotteter seien, darüber spricht man nicht gerne, denn die Alten reden das.

Aber tatsächlich ist es so, dass die ganze Zeit keine Leitbilder hat – das heißt Vorbilder, Persönlichkeiten, nach denen man sich ausrichten könnte. Oder meinen Sie, Ihre Eltern seien so, dass Sie sagen könnten: Nach uns können unsere Kinder sich orientieren? Nein, es fehlen die Leitbilder.

Unsere Jugend erlebt so schrecklich viel Charakterlosigkeit, dass es fast nicht tragbar ist. Deshalb glaube ich, dass es gar keine besseren Leitbilder gibt als die Männer und Frauen der Bibel. Dort werden Menschen gezeigt, mit Fleisch und Blut, mit ihren Fehlern wie wir, aber Menschen, an denen Gott etwas, vielleicht so sagen, Charakterbildung tun konnte.

Die biblischen Leuchter sind rechte Leitbilder. Darum tun wir gut daran, die Väter und Mütter des Glaubens in der kirchlichen Geschichte und namentlich in der Bibel anzusehen. Es ist sehr nutzlos, sich nur in der Gegenwart zu bewegen. Es wäre sehr gut, wenn wir mehr in die Geschichte schauten, auch in die Geschichte der Christenheit.

Vom Pferdefreund zum Gottesfreund: Die Lebenswende des Philippus

Und sehen Sie, deshalb geniere ich mich nicht, wenn ich hier in einem Jugendgottesdienst einen Mann wie Philippus bespreche, der regelmäßig kommt und bei dem wir alles, was von ihm zu sagen ist, miteinander betrachtet haben.

Jetzt habe ich am Schluss noch einmal so eine Art Ehrenlese. Dabei geht es darum, zu sehen, was übrig geblieben ist und was auch noch gesagt werden muss.

Ich möchte das Thema überschreiben mit „Einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers“. Wie üblich habe ich drei Teile vorbereitet. Das ist eine Einschränkung, denn eigentlich hätte ich gerne sechs Teile, aber ich will mich an die drei halten.

Herkunft und Namensbedeutung

Einiges zum Leben eines Jesusjüngers

Erstens, vom Philippus zum Theophilus – das klingt ein bisschen komisch, aber ich werde es erklären: vom Philippus zum Theophilus.

Sehen Sie, dieser Mann Philippus, oder wie wir sagen, Philipp, stammte aus dem nördlichen Teil des Volkes Israel, aus Galiläa. Dort oben im Norden mischten sich schon sehr stark heidnische beziehungsweise hellenistische Elemente unter das Volk Israel. Man spürt die hellenistischen Einflüsse auch im griechischen Namen dieses Mannes. Alle anderen Apostel haben hebräische Namen – bis auf zwei. Einer davon ist Philippus, der keinen hebräischen Namen trägt, sondern einen griechischen. Das ist ein Zeichen dafür, wie stark in seiner Heimat die hellenistische Welt präsent war.

Er heißt Philippus, und das bedeutet auf Deutsch „Pferdefreund“. Also, Thielemann, das ist ein Philippus, nicht wahr, der Freund der Pferde. Nun würde mich natürlich sehr interessieren, warum der Mann den Namen Philippus bekommen hat. Darüber kann man nachdenken. Vielleicht bekamen die Kinder damals nicht sofort bei der Geburt oder bei der Taufe ihren Namen, sondern erst im Laufe des Lebens. Wir bekommen ja auch im Laufe unseres Lebens manchmal Namen dazu, nicht wahr? Zum Beispiel bin ich nicht ursprünglich mit meinem heutigen Namen getauft worden. Oder man bekommt später Spitznamen, wie „Käse“ und so weiter.

Vielleicht war Philippus als junger Mann ein besonderer Pferdefreund, durchaus möglich. Deshalb nannte man ihn „Pferdefreund“. Das wäre ein hübsches, elegantes Hobby gewesen. Reiten ist ja schon eine schöne Sache. Vielleicht aber hat ihn sein Vater auch Philippus genannt, in Erinnerung an den großen mazedonischen König Philippus. Sehen Sie, das Bild dieses mazedonischen Königs Philippus wirkte sehr stark in der damaligen hellenistischen Welt, obwohl er schon dreihundert Jahre tot war.

Philippus war ein König, der sein kleines Land aus geringen Anfängen zu großer Macht brachte. Sein Sohn Alexander der Große machte Mazedonien für kurze Zeit zum Weltreich. Vielleicht hat der Vater den jungen Philippus so genannt mit dem Gedanken: Hoffentlich wirst du auch mal, du, der du aus kleinen Verhältnissen kommst, ein großer und mächtiger Mann. Wenn nicht gleich König, dann doch wenigstens Oberpostsekretär oder etwas ganz Bedeutendes.

Vielleicht, meine Freunde, hat Philippus den Namen einfach bekommen, weil es ein Mode-Name war. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen: Ein Jahrgang heißt alle Mädels Ingrid und alle Jungs Karl-Heinz. Dann kommt ein Jahrgang mit Klaus, und es gibt so Modenamen. Vielleicht hießen damals alle, wie bei uns Karl I., eben Philippus. Sei es wie es sei – eins kann ich sagen: Der Name passte weder so noch so.

Philippus ist nicht berühmt geworden als Turnierreiter, davon hören wir nichts. Er ist auch kein Machtmensch geworden, um bedeutender zu werden. Er war aber auch kein Mann, der mit der Mode lief und mit dem großen Haufen. Aus welchen Gründen auch immer der Mann Philippus heißt – der Name passte jedenfalls im Moment, in dem wir Philippus kennenlernen, nicht mehr.

Und sehen Sie, ich habe mich umgeschaut und den griechischen Namen des Neuen Testaments durchsucht, ob ich nicht einen Namen finde, der besser passt. Da stieß ich auf den Namen Theophilus, das heißt „Freund Gottes“. Ach, dieser Pferdefreund ist vielmehr ein Gottesfreund geworden. Der Name Philippus passt nicht mehr gut, aber Theophilus würde gut passen. Nicht mehr Pferdefreund, sondern Gottesfreund.

Die Bedeutung eines neuen Namens

Ich muss jetzt im Moment etwas einschieben. Sehen Sie, wir haben meistens auch Namen, die nicht passen. Es geht uns völlig wie jenem Strolz, den einer fragte: „Wie heißen Sie denn?“ Da sagt er: „Ich heiße Eugen.“ Eugen heißt „hochwohlgeboren“. Das passt bei uns Deutschen wundervoll nicht mehr.

So geht es meistens mit unserem Namen. Sie fassen das nicht richtig. Wir haben sie irgendwann bekommen. Ich wurde Wilhelm genannt, weil damals der alte Kaiser Wilhelm so beliebt war, nicht? Und da hießen alle Jungen eben Wilhelm. Aber es hat irgendwie mit dem alten Kaiser zu tun – nicht mal Schnurrbart. Es wäre geradezu eine amüsante Aufgabe, mal die Namen nachzugehen, ihre Bedeutung zu erforschen und sich totzulachen darüber, wie wenig sie passen und ob sie im Tiefsten nicht passen.

Ich kenne einen, der heißt Kübing und ist immer eine erschrockene und schüchterne Seele. Und sehen Sie, darum hat es mich immer sehr interessiert, dass im Neuen Testament der Herr Jesus sagt: „Wer überwindet, dem will ich jedem einen weißen Stein geben und darauf einen neuen Namen.“

Denen gehören diejenigen, denen ihr Erlöser in der neuen Welt einen neuen Namen gibt. Das gehört zur Wirklichkeit einer neuen Welt, des Seligwerdens, vom Himmel kommend. Das Alte ist vergangen – einen neuen Namen.

Sehen Sie, in der Hölle bekommt man keinen neuen Namen. Dort behält man seinen Namen in alle Ewigkeit. Mit seinen Befleckungen und seinen Nöten bleibt der Name ein Zeichen dafür, dass sich im Leben nie etwas Entscheidendes geändert hat. Unter der Hölle trägt man seinen alten Namen in alle Ewigkeit. Du bist immer dasselbe geblieben. Du hast nie etwas von der neuen Kurve erlebt, du hast nie etwas erfahren von Wiedergeburt – zum Zeichen, dass sich nie etwas Entscheidendes geändert hat.

Meine Freunde, bei Philippus hat sich etwas Entscheidendes geändert – von dem Moment an, als ihm Jesus begegnete und sagte: „Folge mir nach!“ Eine entscheidende Änderung, eine völlig neue Richtung seines Lebens.

Hosianna, das Christentum heißt bei uns, dass man sein gottloses Leben, sein selbstsüchtiges, verlogenes Leben ein bisschen religiös anstreicht. Das ist ein Irrtum. Von solchen Christen werde ich verdammt einmal wimmeln. Aber Philippus hat es richtig, als ihm Jesus begegnet. Er bekommt eine ganz neue Lebensrichtung.

Und dazu ist der Sohn Gottes aus der anderen Welt gekommen. Dazu ist er am Kreuz gestorben, da ist er auferstanden. Und dazu ruft er uns. Darum wirkt er durch seinen Geist an uns, damit unser Leben diese neue Richtung bekommt, dass sich etwas Entscheidendes ändert – entscheidend ändert.

Die neue Lebensrichtung: Geheiligt dem Herrn

Ich habe mir überlegt, wie ich Ihnen ganz kurz sagen könnte, worin die neue Lebensrichtung besteht. Lassen Sie mich es so ausdrücken:

Im Alten Testament, wenn der Hohepriester ins Heiligtum ging, trug er einen Turban, auf dem ein schmaler Goldreifen, ein Diadem, befestigt war. Auf diesem Goldstreifen war eingraviert die dreiteilige Inschrift: „Kadosh le Yahweh“ – Heilig dem Herrn, Beschlagnahmt für Gott, Geheiligt Yahweh. Heiligt den Herrn!

Nun sagt die Bibel zur neutestamentlichen Gemeinde: Gott hat uns durch Jesus zu Priestern gemacht. Gott ist wahr. Das ist die neue Lebensrichtung, die unsichtbar über unserem Leben steht: Geheiligt dem Herrn!

Ich gehöre jetzt ihm – nicht mehr mir, nicht mehr Menschen, nicht mehr dem Teufel, nicht mehr der Welt. Geheiligt dem Herrn – das ist die entscheidende neue Lebensrichtung.

Sehen Sie, beim Philippus war durch die Begegnung mit Jesus diese neue Richtung gekommen: Geheiligt dem Herrn! Und das darf uns geschehen.

Ach, meine Freunde, es geht nicht um Dogmatik oder Anschauen oder Ähnliches, sondern darum, dass das Leben das Geheimnis „Geheiligt dem Herrn“ bekommt. Beim Philippus war es geschehen. Aus dem Philippus wurde Theophilus, aus dem Pferdefreund ein Freund Gottes.

Eine entscheidende Wendung unseres Lebens steht vielen von uns noch bevor. Gott möge es geben, dass sie damit nicht warten, bis die Zeit der Gnade abgelaufen ist.

Vom Zweifel zur Rettung: Philippus als Brand aus dem Feuer

Ein zweites möchte ich Ihnen erzählen, einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers – vom Philippus zum Theophilus –, der zweifelnd wie ein Brand aus dem Feuer gerettet wurde.

Ich habe natürlich ein wenig Mitleid mit Ihnen bei dieser ungeheuren Hitze hier, aber ich gebe Gott die Ehre, dass ich nicht weiß, was stimmt und was nicht. Bei mir stimmt es nie ganz. Doch viel wichtiger ist, dass wir den Heiligen Geist haben und Gottes Wort richtig hören. „Ein Brand aus dem Feuer gerettet“ möchte ich diese zweite Geschichte überschreiben.

Der Erbach heißt hier Bezaida. Bezaida bedeutet auf Deutsch „Stadt der Fischer“ oder „Stadt der Jäger“. Das erzählt mir schon eine ganze Menge. Bethsaida lag malerisch zwischen dem herrlichen großen See von Nazareth und den Bergen. Die Berge waren damals in Israel noch bewaldet und wildreich. Es war die Stadt der Jäger, und der See gab den Fischern reiche Nahrung.

Bethsaida war eine reiche, gesegnete, hübsche und schöne Stadt. Wenn man durchs Ruhrgebiet fährt – ich bin gern im Ruhrgebiet –, dann denke ich von dort aus an Bethsaida und stelle mir vor, wie schön es sein muss, in so einer Stadt zu leben. Dorther kam Philippus.

Doch über dieser lieblichen Stadt Bethsaida hing eine dunkle Wolke, die niemand sehen wollte: die Wolke der Verwerfung Gottes. Hören Sie: Jesus, der es ja wissen muss, hat von dieser lieblichen Stadt Bethsaida einmal ein schauerliches Wort gesagt:

„Wären solche Taten, die bei euch geschehen sind, in Tyrus und Sidon geschehen, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan. Du wirst in die Hölle hinabgestoßen werden. Wahrlich, Tyrus und Sidon werden am Jüngsten Gericht eher Erbarmen finden als du, Bethsaida.“

Sehen Sie, in Bethsaida waren sehr große Dinge geschehen. Dort hatte der Herr Jesus zuerst einen Blinden geheilt. Es ist eine wundervolle Geschichte, wie Jesus dem Blinden die Augen öffnet. Dann strömte das Volk aus Bethsaida immer wieder zusammen mit ihren Elenden, um Jesu Barmherzigkeit zu erleben.

Bethsaida war auch der Ort seiner größten Predigten. In der Nähe von Bethsaida fand die Speisung der Fünftausend statt, wo Jesus mit wenigem die Vielen satt machte. Während solche Taten in Tyrus und Sidon nicht geschehen waren, war in Bethsaida Großes geschehen.

Jesus offenbarte dort seine Herrlichkeit als Sohn Gottes. Doch die Menschen veränderten sich nicht. Sie verhärteten ihr Herz und blieben in ihren heidnischen Sünden oder in ihrer harten Selbstgerechtigkeit. Sie sagten: „Ich glaube an Gott, ich brauche keinen Heiler, keinen guten Hirten.“ Doch sie blieben auf ihren Irrwegen.

Gott klopfte durch Jesus an, aber die Türen der Herzen blieben verschlossen. Wovon rede ich eigentlich? Rede ich von Bethsaida oder von Essen? Ich glaube, ich rede von Essen.

Es gibt wenige Städte, in denen Gott so viel getan hat. Seit der Reformation ist hier in Essen immer wieder das Kreuz Jesu gewaltig aufgerichtet worden. Essen hat große und gewaltige Evangelisationen erlebt. An der Jahrhundertwende gab es mächtige Erweckungen, die bis in die Gegenwart hinein immer wieder neu gerufen haben.

„Wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan.“ Nun entsteht der Eindruck, dass in Essen viele umkehren. Doch es ist ein erschreckendes Wort, das der Herr Jesus spricht: „Du wirst in die Hölle hinabgestoßen werden.“

Nehmen Sie das bitte nicht als Metapher. Nehmen Sie es ganz ernst. Jesus übertreibt nicht, wir Menschen übertreiben oft, aber Jesus nicht. Wenn er sagt: „Du wirst in die Hölle hinabgestoßen werden“, dann meint er die Hölle.

Als ich bei meinen großen Evangelisationen in Kiel das Wort „Hölle“ sagte, kamen viele Menschen später zu mir und sagten: „Wir können uns die Hölle nicht vorstellen.“ Ich weiß nur eines: Heute Morgen spielen viele Tennis, reiten, fahren aus, und wollen Gott nicht. Und sie werden für alle Ewigkeit verloren sein, weil sich niemand aufdrängt.

In der Hölle darfst du stundenlang Sonntagmorgen Sport treiben, du darfst gottlos sein, aber du darfst nichts anderes mehr sein. Gott bietet dir dort keine Hand zum Frieden mehr. Dort gibt es kein Evangelium, keine Botschaft vom Kreuz. In der Hölle weiß man nichts vom Frieden.

Die Hölle ist für alle von uns das Schlimmste: die Welt ohne Gott. Nehmen wir sehr ernst, was Jesus gesagt hat. Arme Bethsaida, arme Bethsaida, in die Hölle hinabgestoßen zu werden!

Aus dieser Stadt wurden nun drei Männer herausgerissen: Andreas, Petrus und Philippus – also eine ganze Reihe von Männern, darunter unser Philippus.

Im Propheten Sacharja steht ein wundervolles Wort über den Hohenpriester Josua: „Er ist wie ein Brand aus dem Feuer gerettet.“ So heißt es wirklich. Ist er nicht ein Brand aus dem Feuer gerettet?

Philippus ist aus der von Gott bereits verurteilten Stadt wie ein Brand aus dem Feuer gerettet worden. Meine Freunde, das ist ein wunderbares Bild, wie es nur die Bibel bieten kann.

Stellen Sie sich vor, da ist Krieg, ein Schloss wird überfallen und angezündet. Alles, was brennt – Möbel, alles Mögliche –, wird hineingeworfen. Dann sieht jemand ein kostbares Gemälde, das ebenfalls Feuer fängt. Er packt es und reißt es heraus. Es ist gerettet wie ein Brand aus dem Feuer.

So ist Philippus aus Bethsaida gerettet worden. Und jetzt will ich Ihnen sagen: Darum geht es tatsächlich bei Jesus. Es geht nicht um ein bisschen Weihrauch und Religion, sondern um Errettung von der tiefen Hölle.

Das hören wir im Psalm 86: „Du hast mich errettet von der tiefen Hölle.“ Es geht um eine ernste Sache, wenn der Sohn Gottes auf Golgatha stirbt: Ein Brand aus dem Feuer gerettet.

Philippus, was ist dir geschehen? Und nun höre ich selbst die Stimme meiner heimgegangenen Mutter, die uns Kinder oft einfach so ermahnte: „Kinder, seht zu, dass ihr nicht mit der Welt ewig verloren geht.“ Das ist mir tief eingeprägt.

„Kinder, seht zu, dass ihr nicht mit der Welt ewig verloren geht.“ Und im Blick auf dieses gerettete Reich, auch dieses Reich der Geretteten, das Reich Gottes, haben unsere Väter gebetet: „Kommen viele nicht hinein, so lasst mich unter wenigen sein.“

Jungs, macht euch los von der Masse, aber seht zu, dass ihr selig werdet. Kommen viele nicht hinein, dann lasst mich unter wenigen sein. Habt den Mut, den Weg zu gehen – den schmalen Weg, allein zu gehen, wie Philippus, Petrus und Andreas. Drei Männer gegen den Strom, auf dem Weg zum Leben.

Ach, im Leben mit Jesus! Jesus sagt: „Ich bin das Leben.“

Ein unberühmter, aber gesegneter Diener Gottes

Lassen Sie mich noch kurz ein drittes sagen: einiges aus dem Leben eines Jesusjüngers, vom Philippus zum Theophilus – ein Brand aus dem Feuer gerettet. Und lassen Sie mich zum Schluss noch das sagen: unberühmt und doch Weltzeug Gottes.

Philippus steht nicht in den Büchern der Weltgeschichte, wie sein großer Namensvater, der König Philippus von Makedonien. Der Philippus steht nicht einmal in den Büchern der Kirchengeschichte groß wie Petrus, nicht mit Petrus und Matthias bis zum heutigen Tag. Aber wer spricht schon von Philippus? Wir wissen schrecklich wenig, jämmerlich wenig von ihm.

Sehen Sie, in der Apostelgeschichte kommt Philippus vor, bei der Geschichte mit dem Kämmerer aus Äthiopien. Das war Diakon Philippus. Doch was in der Apostelgeschichte steht, da ist Philippus nicht mehr dabei. Es gibt nur ein Gerücht, dass er in Kleinasien, in Phrygien, missioniert habe und dann als Märtyrer gestorben sei. Aber auch das ist nur ein Gerücht. Wir wissen einfach nichts.

Ein unberühmter Mann und doch gesegnet. Woher ich das weiß, muss ich Ihnen eben noch kurz sagen. Sehen Sie, es gibt eine Szene in der Bibel, die ich noch erwähnen muss, wenn ich über Philippus predigen will – eine unerhörte Szene. Sie fängt so an: Die Feinde Jesu wurden unsinnig vor Zorn und überlegten, wie sie ihn töten könnten. Und als Antwort geht Jesus eine Nacht ganz allein auf einen Berg und bittet den Vater für seine Apostel.

Als es Morgen wird, geht er auf einen Berg, ruft die Zwölf mit Namen und sagt ihnen, dass sie seine Gesandten, Gesandte des Reiches Gottes, sein sollen. Wissen Sie, wie das deutsche Reich gegründet wurde? In Versailles, während die Kanonen vor Paris donnerten im Jahr 1870. So wird hier gleichsam das Apostolat gegründet, während die Feinde unsinnig überlegen, wie sie ihn töten dürfen.

Eine erhabene Stunde: Er erweist sie und setzt sie zu Aposteln. Und da wird gesagt: Unter diesen Zwölfen ist Philippus. Wenn Jesus einen Menschen ruft und zum Segen einsetzt, dann ist er zum Segen gesetzt. Darauf kann man sich verlassen. Und wenn die Welt keine Notiz davon nimmt, dann nehmen die Bücher Gottes umso mehr davon Notiz.

Damit stehen wir vor einer sehr wichtigen Frage, nahm ich ihr Jüngeren. Mir scheint es viel wichtiger zu sein, ob ich in der Welt etwas werde, ein Segen Gottes bin. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ Ein Segen und Erquickung für die Umwelt.

Ihr seht alle unter der Peitsche, was werden ist gut. Ich wünsche euch allen, dass ihr Generaldirektor werdet, von mir aus. Aber ihr habt nur ein Leben, und man könnte am Ende zu wenig geworden sein. Das Leben hat nur dann Inhalt, wenn ich mich von Jesus zum Segen setzen lasse für meine Umwelt.

Seht zu, wie ihr euer Leben hinbringt! Wir wollen beten:

Herr, wir danken dir, dass du einem Leben einen völlig neuen Inhalt, eine völlig neue Richtung, ein völlig neues Heil geben kannst. O Herr, lass uns doch nicht leer ausgehen, lass uns dabei sein. Herr, wir sind so abhängig von der Umwelt, lass uns da abhängig werden von dir und deiner Wahrheit. Amen.