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Wenn man Gott sucht

13.04.1993Jesaja 51,1-16
Auch wenn im Leben hinter uns eigentlich ein Trümmerhaufen liegt, gilt das Gesetz des Wunders, auf das Jesaja hinweist. Deshalb: Zurückschauen, was Gott schon getan hat! Vorausschauen, was Gott einmal tun wird! Hinaufschauen, denn Osterlicht liegt auch unserem Kreuzweg. - Bibelarbeit aus der Schlosskirche Stuttgart

Und nun heute Kapitel 51, die Verse 1 bis 16. „Wenn man Gott sucht“, hatten wir es überschrieben.

 Jesaja 51:

Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den Herrn sucht. Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. Schaut Abraham an, euren Vater und Sarah, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren. Ja, der Herr tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des Herrn, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang. Merkt auf mich, ihr Völker und ihr Menschen, hört mir zu, denn Weisung wird von mir ausgehen und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. Hebt eure Augen auf den Himmel und schaut unten auf die Erde. Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen und die darauf wohnen werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen. Hört mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herz mein Gesetz ist. Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen. Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid und Würmer werden sie fressen wie ein wollenes Tuch. Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich und mein Heil für und für. Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des Herrn. Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt. Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hast? Warst du es nicht, der das Meer austrocknete, die Wasser der großen Tiefe, der den Grund des Meeres zum Wege machte, dass die Erlösten hindurchgingen. So werden die Erlösten des Herrn heimkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen, und ewige Freude wird auf ihrem Haupte sein. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen. Ich, ich bin euer Tröster. Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen? Und hast des Herrn vergessen, der dich gemacht hat, der den Himmel ausgebreitet und die Erde gegründet hat? Und hast dich ständig gefürchtet den ganzen Tag vor dem Grimm des Bedrängers, als er sich vornahm, dich zu verderben? Wo ist nun der Grimm des Bedrängers? Der Gefangene wird eilens losgegeben, dass er nicht sterbe und begraben werde, dass er keinen Mangel an Brot habe. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der das Meer erregt, dass seine Wellen wüten, sein Name heißt Herr Zebaoth. Ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen, auf dass ich den Himmel von Neuem ausbreite und die Erde gründe und zu Zion spreche: Du bist mein Volk.

Liebe Freunde, wir haben die prägenden Stichworte gehört. Eden, Garten, Wüste, Trümmer. In welchem Zusammenhang?

Unweit meines Hauses, in dem ich als Kind groß geworden bin, ungefähr 100 bis 150 Meter weg, war ein Garten, der uns gehörte. In kindlicher Reproperspektive ein Riesengarten, ungefähr so groß wie der Schlossgarten oder der Killesberg oder, sagen wir mal, die ganze Iga. Es war schon erschütternd, als ich es vor wenigen Wochen noch einmal aufsuchte und feststellte, dass das ganze Gelände 20 Meter lang und 10 Meter breit war. Aber in diesem schwäbischen Gärtle hatte jeder von uns sein Beet, die Kresse natürlich, mit gelben Rüben oder Sonnenblumen. Und wenn wir mit der Mutter dort waren, dann war es ungefähr so, wie es in Vers 11 steht: Freude und Wonne wird sie ergreifen, Trauer und Seufzen wird vor ihnen fliehen. Und als ich jetzt wieder vor diesem Grundstück stand, da war ich entsetzt. Es war zerstört, es war zertrampelt, es war zerstampft. Ich konnte nicht ausmachen, was es war. Vielleicht der Lagerplatz einer Baufirma oder der Lagerplatz einer Spedition. Ich weiß es nicht. Jedenfalls ein einziger Trümmerhaufen. Was wir aufgebaut haben, haben andere zerstört. Selbst mir, alte Mann, tat, als ich an dieser Ecke stand, noch einmal das Herz weh, wenn solch ein wunderschöner Garten praktisch zur Wüste wird.

Und ich dachte, wie muss eigentlich unserem Gott ums Herz sein, wenn er an seinem einstigen Garten, an seinem Eden steht, in dem er alles gemacht hat, damit seine Leute Freude und Wonne haben können. Ein Gemeindegarten, in dem wirklich nur Freude und Wonne ist. Er hat alles gemacht und getan, was dazu notwendig ist. Er hat ja um seinen Gemeindegarten einen Zaun gezogen. Keinen engmaschigen und keinen weitmaschigen, sondern wir würden sagen einen zehnmaschigen Zaun. Zehn Gebote, damit nicht jeder hinein und nicht jeder auch wieder hinaussteigen kann. Er hat diesen Gemeindegarten geschützt mit seinen Geboten. Und dann hat er eine Quelle angelegt. Das hatte unser Garten natürlich nicht. Wir mussten das Wasser mitbringen. Aber in Gottes Garten ist eine Quelle nicht nur für die Blumen und zum Trinken, sondern das Wasser des ewigen Lebens. In Gottes Gemeindegarten gibt es lebendiges Wasser, das, wenn wir es trinken, uns nicht mehr dürstet. Und im Garten gibt es einen Baum, ein Lebensbaum. Es gibt in diesem Garten einen Weinstock. Es gibt in diesem Garten eine Tür. Und es gibt Sonne. Und es gibt Regen.

Liebe Freunde, Gott hat alles getan, damit im Gemeindegarten für seine Leute Freude und Wonne ist. Und was ist aus diesem Garten, aus seinem Gemeindegarten, aus Gottes Kirchgarten, was ist eigentlich daraus heute geworden? Der Zaun ist in einigen Stellen schon ganz schön niedergetrampelt, die Gebote nicht mehr in Geltung.

Beispiel: Das sechste Gebot: Du sollst nicht ehebrechen. Mir wird immer wieder auch von christlicher Seite gesagt, in der Bibel steht doch gar nichts über die Ehe. Es steht doch überhaupt nichts über Eheschließung, außer bei der Hochzeit von Kana. Und da steht es erst von nachmittags, wo das Weintrinken losgegangen ist. Wo steht in der Bibel etwas über die Ehe? Ich sage, wenn nichts stehen würde, warum braucht es dann überhaupt ein sechstes Gebot? Das setzt es voraus. Aber vor wenigen Tagen las ich in einer sogenannten missionarischen Zeitschrift unserer Kirche mit dem Titel „Brennpunkt Gemeinde“ zum Thema „Abschied von einer Wunschvorstellung“ folgenden Satz: „Akzeptiert sind neben dem verheirateten Paar das Paar ohne Ehe mit Kindern, ohne Ehe und ohne Kinder oder die Alleinerziehenden mit einem Partner im Hintergrund.“ Es ist also Abschied zu nehmen von der Wunschvorstellung, die Familie sei im Regelfall ein verheiratetes Paar in der Kirche. So in einer missionarischen Zeitschrift aus Stuttgart. - Liebe Freunde, das heißt doch, es ist Abschied zu nehmen von der Wunschvorstellung des sechsten Gebotes, oder nicht?

Oder ich denke an das erste Gebot. Im Odenwald gibt es eine religiöse Gemeinschaft, die sich stark in Deutschland ausbreitet. Sie hat folgende Charta: „Tu, was du willst, das soll dein ganzes Gesetz sein. Du hast kein Recht, als deinen eigenen Willen zu tun. Tu das und kein anderer soll Nein sagen. Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern. Es gibt keinen Gott außer den Menschen.“ Das erste Gebot außer Kraft gesetzt.

Sehen Sie, so sieht der zehnmaschige Zaun um den Kirchengarten aus. Oder gehen Sie vom Garten hinein und schauen nach der Quelle, aus der lebendiges Wasser kommt, aus der geschöpft werden soll. Es gibt doch heute nicht nur eine Quelle. Wie können wir auch sein? Es gibt doch nicht nur eine Jesusquelle. Es gibt doch eine Moslemquelle. Es gibt doch eine Hinduquelle. Es gibt doch andere Religionen, die auch Wasser bieten und das gar nicht so schlecht ist. Und vielleicht erst die Mischung gibt überhaupt dieses richtige Wasser. Doch man hat andere Quellen angebohrt. So sieht es in unserem großen Weltkirchengarten aus. Und die Pfahlgründung, ob’s die überhaupt noch braucht, das Kreuz Jesu Christi als Pfahlgründung. Dieses Gebiet hält auch so. Es braucht keine Pfahlgründungen. Das Kreuz ist recht, aber auch nicht schlecht, aber nicht unbedingt heilsnotwendig. Der Freitag hat es gezeigt, er ist nicht mehr der Feiertag. Es geht selbstverständlich auch ohne Kreuz. Und eine Tür soll es geben, eine einzige Tür und dann noch eine schmale und eine enge Tür? Wer sagt denn so etwas Engstirniges? Es gibt viele Türen, sagen wir, es gibt schon manche Schlupflöcher hinaus und hinein.

Liebe Freunde, aus Eden ist eine Wüste geworden. Aus dem Gottesgarten ein Trümmerhaufen, aus Jerusalem ein Babel. Ich sage das nicht anklagend, sondern ich sage das mit wehem Herzen, dass es bei uns so aussieht. Das ist unsere Lage der Kirche. Das ist sie, die hier beschrieben ist.

Liebe Freunde, und wenn es so ist, dann sucht man ja Gott. Und Gott muss ja und soll ja helfen. Und man fragt Gott, wie kann denn wieder aus einer Wüste Eden werden? Wie kann aus einem Trümmerhaufen Garten werden? Wie kann aus Babel Jerusalem werden? So wie es damals war: Die Leute waren in Babel. Sie waren in dem zerstörten Gottesgarten und sehnten sich nach dem Kirchgarten von Jerusalem. Wie kann aus Wüste wieder Garten werden? Das ist die Frage. Wie kann aus einer zerstörten Gemeinde wieder lebendige Gemeinde werden?

Und Jesaja sagt: Die ihr den Herrn sucht, hört mal, schaut doch mal an, guckt, hebt eure Augen. Und es ist interessant, er sagt es eigentlich in gleichsam drei Richtungen.

Er sagt zuerst:

Schau doch einmal zurück

Und wenn man zurückschaut, dann fällt einem Bestimmtes in der Vergangenheit ein. Und ich habe mich erinnert, richtig. Nach dem Krieg, da war unser Garten, unser Kirchgarten genauso zerstört. Da war auch eine Wüste in unserem Land. Nicht nur ein innerlicher, sondern sogar ein äußerer Trümmerhaufen, so wie unsere Stiftskirche drüben. Und man hat sich damals gefragt, wie kann man denn das wieder aufbauen? Wie kann Gemeinde gebaut werden? Wie kann ein blühender Garten werden? Wie denn? Und da gingen alle Blicke nach Westen, nach Amerika, nach den USA. Und viele pilgerten dorthin, um zu sehen, wie man denn das macht. Ein lebendiger Garten. Auch ich gehörte zu denen, die dorthin über pilgerten und ein Jahr lang dort studierten. Auch dieses Problem, wie man das macht. Und wie machten wir die Augen auf? Wie machten wir die Augen auf über dem, wie die es eigentlich gemacht haben? Uns hat es imponiert, dass die Kirchen drüben zweistockig gebaut waren. Oben der Kirchenraum, unten der Gastraum, oben die Sakristei, unten die Küche, oben der Altar und unten der Tresen. Es war alles so übereinander, das Leben mit hineingenommen. Und es hat uns großartig imponiert, wie schon während dem Gottesdienst unten das Essen angerichtet wurde von einigen Frauen. Wenn man dann im Gottesdienst saß und hat so zugehört, da roch es so einmal herrlich und wusste, ah toll, heute gibt es Gulasch, noch der dritte Teil, dann guten Appetit. Nicht wahr?

Und dann haben wir einen Kaffee getrunken und dann kam man zurück, damals zurück von den USA und hat überall auch in unseren Gemeindehäusern oder auch zum Teil in Kirchen Kaffeemaschinen montiert. Man hat Gemeindefrühstücke eingeführt, Gemeindemittagessen, Gemeindeabendessen, Gemeindepartys, Potluck-Supper und diese ganzen Geschichten. Und wir stellten fest bei uns, keine Wüste wird durch den Kaffee verändert. Bis heute nicht. Keine einzige Wüste wird durch den besten Hochlandkaffee auch nur im geringsten verändert.

Heute geht man wieder nach Amerika. Man geht nach Südkorea. Ihr müsst dort die Wachstumsgemeinden anschauen. 50.000 kommen dort sonntags zum Gottesdienst. Lob und Preis dem Herrn, dass es solche Stellen gibt! Aber es sind Stellen, die man nicht anschauen und nachmachen kann.

Wenn Jesaja sagt, schau zurück, dann schau doch nicht zurück nach den 50er oder 60er Jahren. Schaut nicht nur zurück ins 19. und 18. Jahrhundert. Er sagt, ihr müsst viel weiter zurückschauen. Viel, viel weiter. Nämlich, schaut zurück bis zu Abraham und zu Sarah. Schaut nach dem Brunnenschacht, aus dem ihr gegraben seid.

Liebe Freunde, was heißt denn das, nach Abraham schauen und Sarah schauen?

Wissen Sie, Abraham war 100 und Sarah war 90. Und dann wurde Isaak geboren. Isaak heißt, man lacht, das heißt Isaak: Man lacht. Die haben gelacht. Jesus sagt, selig sind, die ihr weint, die ihr werdet lachen. Wer zuletzt lacht mit 100, der lacht am besten.

Und wenn man wegen Gott lacht und sich freut, dann wird gelächelt und man wird belächelt. Wie kann Hannah, die Unfruchtbare, einen Samuel gebären? Zacharias und Elisabeth in hohem Alter, Abraham und Sarah wurden oft genug zu Witzfiguren, aber sie gehören auf Gottes Seite. Uns hat Gott ein Lachen zubereitet. Möget ihr lächeln und möget ihr grinsen und belächeln. Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn. Abraham und Sarah zeigen nämlich ein Gesetz an des Gemeindewachstums bis zum heutigen Tag. Abraham und Sarah zeigen ein Gesetz an, aus dem Wüsten wieder Oasen und Eden werden kann. Nämlich, es geht immer nur nach dem Gesetz des Wunders, sonst geht überhaupt nichts. Es geht nach dem Gesetz des Wunders. Aus Abraham und Sarah ist ein großes Volk geworden. Das Gesetz, unter dem die Gemeinde Gottes steht, ist das Wunder und sonst gar nichts.

Und nach diesem Gesetz wird Gott auch seine Gemeinde heute wieder bauen und erhalten. Das Wunder, das am Anfang stand, steht heute auch und ist in Geltung, auch wenn es wieder zum Trümmerhaufen heute geworden ist. Denn wir haben mehr als Abraham und Sarah. Wir haben Christus. Der Grund, darauf ich gründe, ist Christus und sein Blut. Christus hält zusammen, bewahrt und bringt durch.

Hier steht ein großartiges Wort, Freunde! Ein großartiges Wort, das mich trotz allem fröhlich und getrost als Pfarrer an der Arbeit hält. Ohne diese Worte würde man heute, wenn man nur seinen Augen trauen müsste, am liebsten alles niederlegen. Aber diese Worte sind’s, die einen in diesem Trümmergarten fröhlich an der Arbeit halten. Hier steht: Gott tröstet alle ihre Trümmer. Man überliest solche Worte. Gott tröstet alle ihre Trümmer.

Am Sonntag hatten wir Besuch aus Chemnitz. Und da haben wir auch gesprochen über die Frauenkirche in Dresden. Sie haben das Bild gesehen, die berühmte Frauenkirche in Dresden, damals im Fliegerangriff, zusammengefallen ein einziger großer Trümmerhaufen. Bis zum heutigen Tag. Man hat die Frauenkirche auch nicht mehr gebraucht und wollte sie liegen lassen als Denkmal, so wie die Kirche in Coventry in England dort steht als Denkmal. So wie man auch Gedanken hatte, als die Stiftskirche kaputt war, sie einfach so als Denkmal stehen zu lassen, zur Erinnerung an die schlimmsten Tage. Nun wurde die übrigens - und so wurde es mir am Sonntag gesagt -, wurde diese Frauenkirche in Dresden gebaut, vom König von Sachsen, mit Geldern, die für die verfolgten Protestanten in Österreich gesammelt wurden. Er hat also den Opferzweck gut gewählt, die Leute gaben für die Verfolgten, er nahm es und baute sich eine wunderbare Kirche. Auch das muss man einmal wissen. Gut, und nun war es also bis jetzt liegen geblieben. Und jetzt sind Stimmen aufgekommen, diese Kirche müsste doch wieder aufgebaut werden. Und so wieder der Bericht, jetzt seien Leute daran, die durch diesen Steinhaufen gehen, die jeden einzelnen Trümmerstein in die Hand nehmen, genau anschauen, vergleichen mit alten Aufzeichnungen, mit alten Bildern und Fotografien und sagen, dieser Stein, der gehört eigentlich an diese Stelle, geben ihm eine Nummer und legen ihn an eine bestimmte Stelle, damit dieser Stein wieder hineingebaut wird in diese Kirche und aus diesem Trümmerhaufen wieder ein schönes, großes, alles überragendes Gotteshaus entstehen kann. Aus jedem Trümmerstein soll wieder ein Kirchstein werden.

Und seht, so persönlich stelle ich mir das vor. So stelle ich es mir vor, Gott geht über unseren Trümmerhaufen. Gott geht durch unseren verwüsteten Kirchgarten. Und da sieht er all unsere Trümmer. Er sieht uns. Und er gibt jedem eine Nummer. Und jeder wird einmal wieder ein wichtiger Stein sein in seiner Gemeinde. „Denn ihr seid die lebendigen Steine“, sagt dann Paulus. Tragsteine oder Schlusssteine oder Ziersteine oder Wandsteine. Jeder wird einen ganz wichtigen Platz in seiner Gemeinde, in seiner Kirche einnehmen. Und ohne sie, ohne ihre Nummer, hat Gottes Kirche ein Loch. Es gibt nicht für eine Stelle fünf verschiedene. Sie haben eine Nummer, sie gehören hier hinein und sie werden dort eingebaut. Liebe Freunde, kein einziger Stein ist übrig. Kein einziger Stein kann weggeworfen werden. Kein einziger Stein kann ersetzt werden. Das ist das Gesetz des Wunders, von dem hier steht.

Und sehen Sie, an Ostern hat dieses schon angefangen, dass dieser Herr noch einmal über diesen Trümmerhaufen gegangen ist und hat angefangen zu suchen und gleichsam zu nummerieren. Die ganze Gemeinde war ja damals ganz kaputt. Da war überhaupt nichts mehr. Und da war ja das Erste dieses Ostersiegers, das Erste, nicht, dass er ein Programm entworfen hat, nicht, dass er ein Manifest erlassen hat, nicht, dass er durch die Welt und die Äonen geschrien hat, „ich lebe“. Sondern das Erste, was er getan hat, dass er herauskam und zu einer kleinen, armen Trümmerfrau gegangen ist. Das war die Maria. Und zu der geht er und sagt: „Was weinest du?“ Du bist doch gebraucht, du bist doch gesucht, du bist doch gefunden, du bist doch mein in Zeit und Ewigkeit. Er hat diese Trümmerfrau wieder zu einer ganz großen Nummer im Reich Gottes gemacht.

Wissen Sie, das macht unser Herr, indem er über diese Welt läuft bis zum heutigen Tag und die Einzelnen anschaut und sagt: „Was weinst du denn?“ Du gehörst doch nicht in den großen Haufen. Du bist doch ein wichtiger Stein in meinem Bau. Und dann ging er zu den zwei Emmaus-Jüngern und dann ging er zu den verschreckten Jüngern. „Was seid ihr für feige Hunde?“ - nein, so hat er nicht gesagt, „Friede sei mit euch“. Ich brauche euch. Und dann schaut er nach dem zertrümmerten Thomas und dann nach denen, die nichts Besseres wussten, als wieder fischen zu gehen. „Weide doch, meine Herde“, mach doch mit. Er hat sie auferbaut, Stück um Stück und an Pfingsten mit einem Schlag Tausende dazugetan. Pfingsten, der Geburtstag der Kirche, die Einweihung seiner Frauen- und die Einweihung seiner Männerkirche nach dem Gesetz des Wunders.

Und so wird das wieder sein, nicht anders. Staunen wir doch über sein Gemeindewachstumsprogramm! Man hört so vieles von Gemeindewachstumsprogramm. Ich bin sehr, sehr skeptisch, liebe Freunde. Es gibt kein menschliches Programm, wie man’s denn machen könnte. Aber es gibt ein Gesetz. Und dieses Gesetz ist das Gesetz des Wunders. Und an dieses Wunder glaube ich seit Ostern erst recht. Schaut zurück: „Er tröstet alle ihre Trümmer.“ Was für ein herrliches Wort! „Er tröstet alle ihre Trümmer.“

Schaut voraus

Zwei kürzere Dinge: Schaut voraus.

Die Geschichte ist nicht zu Ende. Die Welt wird noch einmal Gottes Ort und Haus sein. Die Welt wird noch einmal zum Eden werden. Das sind die Verse 4 und 6. Vers 5: Meine Gerechtigkeit steht hier.

Gemeint ist nicht der paulinische Begriff Gerechtigkeit, sondern gemeint ist hier das Wort Heil oder Rettung. Er sagt, mein Heil, meine Rettung ist nahe.

Ist klar, all unsere Uhren, egal ob Wander- oder Taschenuhren, die laufen ja immer im Kreis. Und weil sie immer im Kreise laufen, auch unsere Kalender, immer wieder im Kreis, deshalb wissen wir gar nicht, welche Zeit eigentlich jetzt in dieser Welt ist, welche Stunde es geschlagen hat. Und er sagt: Weil ihr es nicht wisst, deshalb sage ich es. Nicht die Nacht, sondern der Tag kommt. Und deshalb, wach auf, wach auf!

Gell, was hier steht, das wissen Kranke, was was das heißt. Einige von Ihnen haben es selber schon erlebt, wie schwer es ist, wenn man im Krankenhaus liegt mit Schmerzen, und es wird Abend, es wird Nacht. Und dann kommt noch einmal der Krankenpfleger, oder es kommt noch einmal die Schwester, und dann gibt sie einem vielleicht noch eine Arznei oder ein Schlafmittel, und dann schüttelt sie noch einmal das Kissen auf. Und dann macht sie vielleicht das Licht aus und sagt, „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht“. Und dann stehen viele lange, entsetzlich lange Stunden vor einem. Entsetzlich, wie Nacht kommt! Und wie anders, wenn nach solch einer Nacht die Tür aufgeht, die Schwester kommt, „Guten Morgen“, das Licht anmacht oder die Läden auf und das Licht kommt schon herein und man weiß, der Tag kommt. Und dann hört man vielleicht noch die Glocken einer nahen Kirche, die Morgenglocken. Wie herrlich!

Die Nacht ist vorüber, der Tag ist herbeigekommen. Das sagt er hier, Freunde, die Ihr Angst habt vor der Nacht. Er schüttelt eben nicht nur unser Kissen, er sagt nicht nur eine gute Nacht, ich passe schon auf draußen im Wachzimmer. Sie brauchen bloß läuten. Nein, es ist Morgen in der Welt. Der Tag ist von Ostern aufgebrochen. Und nun wissen wir, es kann nur noch Mittag, es kann nur noch Sonne, es kann nur noch Helle kommen. „Mein Heil kommt“, so sagt er hier. Ostern ist der Morgenglanz einer neuen Welt. Oder so, wie es in 1. Korinther 15 steht, dass Christus vorausgegangen und er die Seine nach sich ziehen wird und deshalb Ostern wird. Jeder Trümmerhaufen hat seit Ostern nur vorläufigen Charakter. Wissen Sie, seit Ostern - jeder Trümmerhaufen - nur vorläufigen Charakter.

Und deshalb drittens:

Schaut hinauf

(Vers 7 bis 8) zu dem Herrn, der sagt, fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen. Selig seid ihr, sagt Jesus, die ihr meines Namens willen leitet.

Gell, dass wir das nicht vergessen. Ostern hat Karfreitag nicht ausgelöscht. Das Licht von Ostern hat das Kreuz nicht vergessen gemacht. Übers Kreuz kommen wir auch nach Ostern nicht hinaus. Ostern hat den Kreuzweg nicht abgeschlossen, wohl aber gezeigt, dass er ein Ziel hat. Das Osterlicht liegt auf unserem Kreuzweg. Das ist es: Osterlicht liegt auf unserem Kreuzweg.

Und dort sind es nur wenige, die mitgehen. Damals waren es ein paar um Jesus, nicht viele. Heute sind es auch nicht viele. Man ist manchmal fremd unter den eigenen Brüdern, steht in der Bibel. Aber so hört’s auf, fürchtet euch nicht. Am Schluss wird Eden sein. Wonne und Freude wird sie ergreifen. Und Trauer und Seufzen wird von ihnen fliehen. Ich bin euer Tröster. Du bist mein Volk, du bist mein nummerierter Stein. Schaut hinauf zu dem Herrn.

Und sehen Sie, das gilt eben nicht nur für den Trümmerhaufen seiner Kirche, das gilt auch für den Trümmerhaufen unserer Seele. Dort, wo es zerstampft und zertrampelt und alles kaputt ist, dort gilt dieses auch, nämlich dieses Gesetz des Wunders.

Schauen Sie zurück, was Gott schon getan hat! Schauen Sie voraus, was Gott einmal tun wird! Schauen Sie hinauf! Ihr Kreuzweg ist nicht zu Ende, aber Osterlicht liegt auch auf Ihrem Kreuzweg. Amen.