… nichtsdestotrotz nimmt die Anzahl der Menschen immer mehr zu, die sich
bei ihren Schicksalsentscheidungen von diesen Materieklumpen abhängig
machen und sich nicht am lebendigen Gott, sondern an toter Materie
orientieren.
Die Horoskop-Gemeinde des 20. Jahrhunderts unterscheidet sich bei der
Entscheidungsfindung überhaupt nicht von ihren Urahnen, die vor Tausenden
von Jahren lebten und nichts von der Erfindung der Uhr ahnten. Damals, als
der Kompass und das Radargerät noch nicht erfunden waren, waren die
Menschen noch natürlich auf die Hilfe der Sterne angewiesen. Das waren die
Orientierungspunkte, wenn man zum Beispiel eine Reise machte. Da musste man
sich an den Sternen orientieren.
Paulus schreibt seinen Freunden aus dem Gefängnis.
Paulus, ein Weltreisender Gottes, musste seine Reisetätigkeit eines Tages
unterbrechen: er saß nämlich im Gefängnis. In vielen Nächten waren die
Sterne in seinem Loch für ihn das einzige Licht was er hatte.
Eines Tages schreibt er einen Brief an seine Freunde. Seine Freunde sind
Christen. Er möchte ihnen beschreiben, was der Beruf der Christen in der
Welt ist. Dazu benutzt er die Erfahrung mit den Sternen. Philipper 2,15:
Ihr sollt strahlen wie Sterne in der Finsternis. Das heißt: in einer Welt
der Verunsicherung und der Verbrechen und der Verblödung und der
Verfinsterung sollt ihr helle sein. Ihr sollt Menschen sein, die etwas
ausstrahlen, woran andere, die sonst in die Irre gehen, sich orientieren
können.
Leider leuchtet das vielen Christen nicht ein. Vielen wäre es lieber, wenn
in der Bibel stünde: Seid wie der Andromeda-Nebel, da könnt ihr euch gut
in einem Haufen Sterne verstecken!" Aber Christen, die sich gerne in der
Masse verkrümeln, haben ihren Beruf verfehlt, ihre Berufung! Paulus
vergleicht uns nicht mit undefinierbaren, nebelhaften Gestalten, sondern
mit einem erkennbaren, klar ersichtlichen Stern. Ein einziger Stern kann
einer ganzen Flotte die Richtung weisen. Ein einziger Stern kann eine ganze
Karawane sicher durch die Wüste führen. Es kommt hier also überhaupt nicht
auf die große Zahl an. Deswegen hatte Jesus von sich auch nicht gesagt:
Ich bin die Milchstraße, weil es da Millionen von Sternen gibt", sondern
Er hat von sich gesagt: Ich bin der helle Morgenstern[1], und den gibt es
nur einmal.
Jesus gibt's nur einmal, Er ist einmalig, Er ist einzig. Er einzig und
allein zeigt der Menschheit, wo es lang geht. Und wenn du dich Ihm
anschließt und mit Ihm gehst, dann kommst du klar. Und alle anderen sind
Irrlichter und Funzeln, und wenn du dich denen anschließt, dann landest du
im Finsteren. Und deswegen rate ich dir: geh mit Jesus.
Vom Glauben, vom Gehorsam und von der Liebe.
Er ist einfach das Beste. Aber ich sage dir, es ist nicht einfach. Gott
gibt uns nicht nur etwas, zum Beispiel seine Gnade, seine Liebe, seine
Richtungsweisung, seine Maßstäbe. Er gibt uns nicht nur etwas, sondern Er
verlangt auch etwas von uns, zum Beispiel Gehorsam. Das ist ja nun etwas,
was wir überhaupt nicht gerne hören. Dieses Wort können wir ja, vor allem
junge Menschen, nicht ertragen. Für Paulus gehören die beiden Worte Glauben
und Gehorsam so eng zusammen, dass er sie zusammengemacht hat: er hat das
Wort "Glaubensgehorsam" erfunden. Gott verlangt von uns keinen
Kadavergehorsam wie so ein Feldwebel von der NVA[2], aber Er erwartet
Gehorsam wie ein Vater, aus Liebe.
Und nun haben wir schon wieder Schwierigkeiten, dass wir die Worte Liebe
und Gehorsam miteinander in Verbindung bringen. Aber auch in der Bibel
gehören diese beiden Worte ganz eng zusammen. Wir müssen uns nur einmal in
diesem Zusammenhang abgewöhnen, unter Liebe ein Gefühl zu verstehen. Wenn
die Bibel von Liebe redet, redet sie nicht vom Gefühl, sondern dann redet
sie von Gehorsam. Wenn die Liebe, die die Bibel meint, ein Gefühl wäre,
dann wäre es ja unsinnig, wenn Jesus sagt: Ich befehle euch, dass ihr euch
untereinander liebt. Liebe als Gefühl kann man nicht befehlen. Wenn dein
Chef ein unsympathisches Rindvieh ist, dann kannst du doch nicht befehlen:
Finde ihn sympathisch!" Aber du kannst dir befehlen: Nenne ihn nicht mehr
Rindvieh!"
Du kannst um Gott und Kraft bitten, dass du deinem ekligen Chef ehrlich und
fair und offen begegnen kannst. Auch gerade an den Tagen, wo es dir gerade
nicht nach sympathischen Liebesgefühlen zumute ist. Die Liebe, von der die
Bibel redet ist kein Gefühl, das du hast, sondern das ist eine Tat, die du
für Gott zu tun hast. Und lieben im Sinn von Jesus kann sogar heißen, dass
du im Gegensatz zu deinen eigenen Gefühlen handelst.
Daran ist Jesus selber das allerbeste Beispiel. Was hat denn Jesus für
Gefühle gehabt, als Er sich in Gethsemane auf das Sterben vorbereitet hat?
Er hat sich hundeelend gefühlt und das einzige Gefühl, das Er hatte, war
Angst. Dieses Gefühl hat ihn so beherrscht, dass die Bibel sogar sagt, Er
hat vor Angst Blut geschwitzt. Wenn es nach den Gefühlen von Jesus gegangen
wäre, wäre Er nicht ans Kreuz gegangen. Er war nicht von warmen und
liebenden Gefühlen erfasst, um für die Menschheit und für uns zu sterben.
Er hatte die nackte Angst vor der Folter im Genick. Deswegen hat Er ja
dreimal zu Gott gefleht, dass Er Ihm diese Tortur erspart. Und erst als Er
nach Bitten und Widerstreben und nach hartem Kampf Gott endlich zugestimmt
hat, da zeigte sich seine Liebe nicht irgendwelchen Gefühlen, sondern in
einem Gott ergebenem Gehorsam. Er sagt: Vater, nicht mein, sondern dein
Wille geschehe[3]. Leute, die größte Liebestat der Menschheit, dass Gottes
Sohn für uns stirbt, das war eine Gehorsamstat. Und deswegen sagt Paulus
ein paar Verse vor unserem Predigttext hier im Philipperbrief: Jesus war
gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz[4].
Wer muss eigentlich was für unsere Rettung tun – ein wenig Theologie.
Mit Furcht und Zittern hat Jesus die Rettung der Menschheit geschafft. So
beschreibt es die Bibel. Und deswegen sind wir natürlich erstaunt, wenn wir
hier im Philipperbrief vom Apostel Paulus lesen, Kapitel 2,12: Schafft,
dass ihr gerettet werdet mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist es, der in
euch beides wirkt: wollen und vollbringen zu seinem Wohlgefallen. Das hört
sich ja nun wie ein Widerspruch an. Seit der Konfirmandenstunde ist uns
eingetrichtert worden, wir selber können nichts für unsere Rettung tun,
weil Jesus alles für unsere Rettung getan hat. Und auf einmal heißt es
hier: Schafft, dass ihr gerettet werdet. Und völlig verwirrt sind wir über
die Begründung, dass Paulus hier schreibt: Denn Gott ist es, der in euch
beides wirkt, das wollen und das vollbringen.
Na wie denn nun? Erst heißt es, Gott schafft die Rettung, und dann heißt
es: schafft, dass ihr gerettet werdet.
Ich finde gar nicht, dass das ein Widerspruch ist. Erstens steht hier
nicht: Schafft eure Rettung", sondern: Schafft, dass ihr gerettet werdet.
Es geht also darum, etwas an sich vollziehen zu lassen. Zweitens finden wir
diese beiden Aussagen überall in der Bibel, immer nebenan: Gott wirkt
alles, alles ist Gnade, der Mensch kann nichts für seine Erlösung tun, ihr
seid gerettet.
Und auf der anderen Seite: Lasst euch retten!" Hundertfach Aufforderungen,
Ermahnungen, Befehle, Aufrufe und Appelle an unsere Entscheidung. Und
drittens ist das kein logischer Widerspruch, sondern ich finde das gerade
zu logisch.
Unser Beitrag und Gottes Beitrag. Die Glubscher und der fromme Herrmann.
Ich will es an einem Beispiel erzählen. Ihr sitzt ja alle vor mir und guckt
mich an mit euren treuen Hundeaugen, als ob ich Chappi anbieten würde.
Woher habt ihr eure Augen? Ihr habt sie von Gott. Das sehende Auge ist eine
einzigartige und einmalige Erfindung Gottes. Du kannst deine Augen nicht
machen. Aber du kannst deine Augen aufmachen. Und du kannst nicht drauf
warten, dass dir die Gnade Gottes immer im entscheidenden Moment, wie bei
einer Marionette, mit einem Faden die Augenlider wieder hochzieht, wenn es
gerade wieder mal etwas zu sehen gibt. Du musst deine dir von Gott
geschenkten Glubscher selber aufmachen, damit du siehst, was draußen läuft.
Und was du dann mit deinen Augen machst, und wohin sie sehen, das liegt
dann in deiner Verantwortung.
Du bestimmst, ob du mit deinen Augen deiner eigenen Frau oder einer fremden
Frau nachblinzelst. Ob du dir gute Filme anguckst oder jeden Mist und so
weiter. Wenn du im Vertrauen auf die Gnade Gottes zu faul bist, deine
Augendeckel aufzuklappen, dann wirst du gegen den nächsten Baum rennen. Und
wenn du im Vertrauen auf die Gnade Gottes zu faul bist, dich um dein Heil
zu kümmern, dann wirst du ins Verderben rennen, auch wenn du dein Leben
lang noch so fromm mit den Augendeckeln geklappert hast.
Da war einmal ein frommer Mann, der hieß Herrmann. Ja, der war so fromm,
dass der alles, wirklich alles von Gott erwartete. An jedem Wochenende,
bevor die Zahlen vom Glückslotto bekannt gegeben wurden, hat Er zu Gott
gebetet: Herr, bitte, lass mich gewinnen!" Er hat nichts gewonnen. In der
nächsten Woche hat er wieder gebetet: Herr, lass mich gewinnen!" Nächste
Woche wieder: Herr, lass mich nur ein einziges Mal gewinnen!"
Und so ging das nun Woche um Woche, Monat um Monat, Jahr um Jahr. 20 Jahre
lang bittet er Gott: Herr, lass mich nur einmal im Leben gewinnen!" Nach
20 Jahren ist Gott so entnervt, dass Er ihm eine Antwort gibt: Hermann,
gib Mir eine Chance. Kauf dir ein Los!"
Verstehst du, dein Glück liegt in der Hand Gottes, aber du musst deine Hand
aufmachen. Gott sie wirft dir seine Gnade zu wie einen Rettungsring. Aber
zugreifen musst du schon selber – ist es denn so schwer zu begreifen? Dass
wir unsere Rettung nicht selber schaffen können ist klar, denke ich. Und
deswegen frage ich dich jetzt: hast du dich eigentlich schon einmal um
deine Rettung gekümmert? Hast du Gott schon mal signalisiert, dass du mit
Ihm zu tun haben willst? Hast du Ihm schon einmal gesagt, dass du Ihn
willst? Hast du Sehnsucht nach Vergebung? Hast du Angst davor, dass du die
Ewigkeit in der Hölle verbringen musst? Möchtest du wenigstens, dass du
nicht mehr sündigst?
Vom Meckern. Die verdrehte Generation.
Paulus kommt hier auf die Spezialsünde der Deutschen zu sprechen, also auf
das Meckern. Vers 14: Tut alles ohne Murren. Im Murren und im Maulen und im
Meckern sind wir Deutschen absoluter Weltmeister. Nach der internationalen
Meckerskala sind die Wessis spitze. Und da die Ossis den Wessis ja jeden
Scheiß nachmachen, eifern wir in diesem Punkt den Wessis ganz eifrig nach.
Es geht uns ja so schlecht. Die paar Milliarden, die der Onkel Kohl jedes
Jahr herüberreicht, die reichen ja vorne und hinten nicht. Es hat ja noch
nicht einmal jeder Gymnasiast einen eigenen Computer.
Meckern gehört also zum guten Ton. Ich will die real existierenden
Probleme, die wir uns seit der Wende eingehandelt haben, nicht
herunterspielen. An Unverständlichkeiten und Ungerechtigkeiten und
Unverschämtheiten gibt es leider mehr als genug. Es gibt genug zu
kritisieren. Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass Gott von seinen
Kindern verlangt, dass die sich aus der allgemeinen Meckerei heraushalten.
Tut alles ohne meckern und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel seid und
lauter, Gotteskinder, unsträflich mitten unter einer verdrehten und
verkehrten Generation, unter welcher ihr scheint, als Lichter in der Welt.
Es ist ja nicht sehr schmeichelhaft, wenn die Bibel unsere Generation und
unsere Welt als krumm und verdreht bezeichnet. Aber ich finde das
sagenhaft, dass die Bibel uns zutraut, dass wir in einer solchen verdrehten
und kaputten Welt als aufrechte Menschen leben können, als Lichter.
Krumme Touren beim Geldverdienen, Buckel vor dem Mammon, vor Menschen, vor
der Meinung, vor der Macht sind die typischen Haltungsschäden unserer
Generation ohne Rückgrat. Es ist eine verdrehte Generation. Sie hat Gott
den Rücken zugedreht und sich eingebildet, es liefe ohne Gott besser. Es
ist eine verdrehte Generation, weil sie nämlich Gottes Wort verdreht - zum
Beispiel das, was die Bibel als Tötung bezeichnet, als Mord umschreibt als
Abtreibung und das auch erlaubt. Es ist eine verdrehte Generation, weil sie
sich egoistisch nur um sich selber dreht. Nicht einsieht, dass man sein
Glück nur dann genießen kann, wenn man mit den anderen, zum Beispiel mit
Ausländern und Heimatlosen und Ausgehungerten teilt.
Heiligung heißt: sich raushalten!
Ich will jetzt die Verdorbenheit unsere Generation nicht im Einzelnen
ausmalen, dazu hast du ja deinem Buntfernseher. Ich will nur darauf
aufmerksam machen, dass Gott von dir erwartet, dass du dich da raushältst.
In einer Generation, die Treue für Nostalgie, Homosexualität für normal,
Ehebruch für eine Panne und Abtreibung für ein Menschenrecht hält, da gibt
es für uns nur eins: raushalten, anders sein. Und anders heißt in der
Bibel: heilig. Und heilig" heißt in der Bibel: zu Gott gehörig, nach
seinen Maßstäben lebend.
Wenn du keine Lust hast, anders zu sein als die Masse, dann brauchst du mit
Jesus überhaupt nicht erst anzufangen. Aber wenn dich der Lebensstil deine
Umwelt und vor allem dein eigener Lebensstil anwidert, dann komm zu Jesus.
Dann bekommst du die Kraft, dass du anders lebst als der Rest dieser
vergammelten Generation. Eine klare Entscheidung für Jesus bedeutet klare
Unterscheidung von den anderen.[5]
Von der Lauterkeit.
Das heißt nicht, dass wir gegenüber den anderen überheblich sein sollen.
Das heißt nur, dass wir in einer Generation, wo es drunter und drüber geht
und alle Maßstäbe kaputt sind, uns nach den Maßstäben Gottes richten
sollen. In dem Lied vom Jörg Swoboda, da heißt es: Ich hab die Entdeckung
gemacht, gerade Menschen sind schön." Es ist einfach schön, wenn man
Menschen, die im Leben aufrichtig und gerade begegnet. Wir haben es ja
immer mit Menschen zu tun, bei denen wir das Gefühl haben, der ist nicht
aufrichtig. Der ist unklar, undurchsichtig, man weiß nie genau, ob wirklich
die Wahrheit sagt. Er ist verschwommen, er hat etwas zu verbergen.
Solche Leute, die sich auch manchmal Christen nennen, die stolpern
massenweise bei uns herum. Da ist es dann eine Wohltat, wenn man mal einen
echten strahlenden Christen begegnet, von dem man den Eindruck hat, dem
kann ich vertrauen, dem kann ich mich anvertrauen, dem kann ich etwas
anvertrauen, der ist einfach o.k.
Mir sind in meinem Leben solche Menschen begegnet, zum Beispiel Menschen,
die eine solche Atmosphäre der Klarheit und der Reinheit verbreiten, dass
es niemanden einfallen würde, in deren Gegenwart einen schweinischen Witz
zu erzählen. Ich habe mir angewöhnt, solche Menschen als lauter zu
bezeichnen, als eine lautere Persönlichkeit. Das Wort lauter gebraucht der
Apostel Paulus hier: seid lauter.
Aber wir kennen diese Worte schon gar nicht mehr. Wir kennen höchstens
noch das Gegenteil davon, dass wir sagen unlauterer Wettbewerb oder sowas.
Aber das Wort lauter" ist nicht mehr gebräuchlich. Das ist typisch für
unsere Zeit, dass wir dieses Wort nicht kennen, das es ein Fremdwort ist
und altmodisch. Klar, weil lautere Menschen in unserer Zeit seltener sind
als wie eine aussterbende Tierart. Aber Leute, es gibt sie! Und ich danke
Gott, dass er mir in einer Generation von Heuchlern in meinem Lebensweg
verschiedene lautere Persönlichkeiten über den Lebensweg geschickt hat.
Ich möchte da an erster Stelle meine eigenen Eltern nennen. Sie mögen ihre
Fehler gehabt haben, sie mögen Fehler gemacht haben wie andere auch, aber
schon die entfernte Vorstellung, mein Vater hätte einmal in irgend einer
Art und Weise eine Unwahrhaftigkeit sagen können, ist für mich absurd. Ich
kenne noch mehr solche Menschen, manche sind auch hier in diesem
Gottesdienst, ich will ja keine Namen nennen. Ich hab meine Eltern nur
genannt, weil sie schon tot sind.
Theos große Enttäuschung. Die Stasi-Akten.
Und wenn ich unter den Heuchlern, die mir begegnet sind, meinen besten
Freund nenne, dann nur deswegen, weil er schon tot ist. Wir waren 30 Jahre
lang befreundet. Als er starb, habe ich an seinem Sterbebett gesessen und
für ihn gebetet. Und hinterher kam raus, dass er bei der Stasi war, und
gegen mich ausgesagt hat. Leute, durch die Akten kommt ja alles zu Tage.
Ich möchte mal denen unter euch etwas sagen, die als IM gearbeitet haben
und die sich bis jetzt noch nicht geoffenbart haben und die bis jetzt noch
immer damit gerechnet haben, dass die Akten nicht zum Vorschein kommen.
Leute, es kommt alles raus. Es kommt alles raus, die Menschen lesen die
Akten und selbst wenn deine Akte verbrannt ist, da stehen deine Berichte in
der Akte eines anderen drin. Und wenn es in diesem Gericht nicht auskommt,
dann kommt es ja spätestens im Gericht Gottes raus. Also hütet euch, dass
ihr euch in Sicherheit wiegt, weil ihr denkt, ihr seid bis jetzt noch nicht
erwischt worden. Die von euch, die ihre Akte gerne einmal lesen möchten,
den möchte ich auch sagen: hütet euch. Überlegt euch, ob ihr die Kraft
habt, das auszuhalten. Es gibt Leute, die sind nach dem Lesen ihrer Akte
zusammengebrochen.
Versteht ihr, wenn du erfährst, dass dein langjährigster, intensivster
Freund dreißig Jahre lang gegen dich ausgesagt hat, das ist wie ein Schlag
mit der Faust ins Gesicht. Davon erholt man sich nicht so schnell. Und es
gibt, seit ich das weiß, für mich nur noch ganz wenige Menschen, zu denen
ich Vertrauen habe. Es ist furchtbar, wie das Vertrauen in unserem Volk
kaputt gemacht worden ist. Und gerade deswegen ist es nötig, dass es
Menschen des Vertrauens gibt. Vielleicht hast du auch schon solche bösen
Erfahrungen gemacht wie ich, von denen ich geredet habe. Und bist vergrämt
und hast dich zurückgezogen und bist verbittert und ich kann deine
Verbitterung verstehen. Aber ich behaupte, es waren und sind nicht alle
Heuchler. Und es ist nicht wahr, dass die Welt nur aus Lügnern besteht. So
stiefmütterlich hat Gott keinen von uns behandelt, dass Er ihm nicht einmal
im Leben einen strahlenden Christen über den Weg geschickt hätte, eine
lautere Persönlichkeit. Und ich möchte dich fragen, willst du nicht selber
so eine lautere Persönlichkeit sein? Ein strahlender Christ? Was heißt hier
wollen, du sollst es sein nach Gottes Willen und du kannst es sein, mit
Gottes Hilfe. Genau du!
Das Wort des Lebens – der Kompass des Christen.
Paulus stellt keine großen Ideale auf, gemalt immer nicht erreichen kann.
Sondern er zeigt uns, wie man den Weg über das Ziel erreichen kann. Er
schreibt: solche lauteren Persönlichkeiten, solche strahlendem Christen in
der Nacht werdet ihr dadurch, dass ihr haltet an dem Wort des Lebens.
Leute, Festhalten an Gotteswort, das ist die ganz einfache Antwort. Lass
dich nicht irre machen von denen, die dieses Buch madig machen. Mögen sie
sein wie sie wollen. Verlass dich drauf, dass diese Bibel, dieses Wort die
Grundlage deines Lebens sein kann, so wie wir das vorher gesungen haben.
Das ist nicht Flugsand, sondern das ist ein Fundament, auf das du bauen
kannst, das Wort. Lebe danach, gehorche Gott, und dann gefällst du Gott und
nützt auch der Welt.
Wir Christen werden die Welt nicht verändern. Wir haben noch nicht einmal
den Auftrag, die Welt zu verändern, oder zu retten, aber indem wir Christen
sind, verändern wir die Welt. Einfach in dem wir nach den Maßstäben Gottes
leben, indem wir Gott an uns arbeiten lassen, uns verändern lassen, indem
wir unsere Umwelt. Wir können für andere Leuchtsignale sein und zeigen,
dass man trotz Dunkelheit, trotz Gemeinheit, trotz Leid und Bitterkeit als
ein aufrechter Mensch in dieser Welt leben kann. Und ich möchte dir Mut
machen.
Versuche es, so ein Mensch zu werden. Versuche, mit Jesus zu leben und lass
Ihn an dir arbeiten und aus dir eine solche lautere Persönlichkeit machen,
zu der andere Menschen Vertrauen, Zutrauen haben können. Versuch es mal,
anders zu sein als die anderen, auch wenn das nicht leicht ist. Auch wenn
das vielleicht sogar zu Leid führt.
Wenn eine Rakete abgeschossen wird, dann wird sie durch schwere Stöße
erschüttert und ein Teil von sich, den lässt sie verbrannt hinter sich
zurück. Also wenn du dich davor fürchtest, die Abschussrampe des Leides zu
betreten, und das obwohl der selbst Aufgabe zu bringen, dann wirst du nie
aufsteigen und ein Leuchtsignal für andere Menschen sein können. Leute, wir
sind Leuchtraketen, die Gott in das Dunkel dieser Welt abschließt. Und
diejenigen von euch, die damit einverstanden sind, für Gott zu leuchten und
für Gott zu leiden, die können das nächste Lied mitsingen: "Wir wollen
Lichter sein in der Dunkelheit".
_
[1] Offenbarung 22, 16
[2] Nationale Volksarmee der ehem. DDR. – Anm. des Schreibers.
[3] Matthäus 26, 39
[4] Philipper 2, 8
[5] Vgl. Römer 12, 1 ff.
