Johannes 1,1707.02.2021
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Die Frage nach der Größe Jesu
Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Ein gutes Gesetz, das nicht rettet.
Als wir das letzte Mal den Prolog des Johannesevangeliums verlassen haben, stand die Frage im Raum: Was macht Jesus größer als Johannes? Gemeint ist Johannes der Täufer.
Und Johannes, der Schreiber des Evangeliums, lässt Johannes den Täufer selbst zu Wort kommen. Und der hat drei Punkte. Nicht nur kommt Jesus aus der Ewigkeit, nicht nur leben wir alle von seiner Fülle an Gnade, sondern Jesus schenkt uns auch mehr, als Mose uns jemals geben konnte.
- Johannes 1,17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Mose kontra Jesus. Der eine bringt das Gesetz, der andere bringt Gnade und Wahrheit.
Das Gesetz als heilige, aber begrenzte Gabe
Im Alten Testament bekommt Mose am Berg Sinai von Gott das Gesetz. Der bekannteste Teil des Gesetzes sind die zehn Gebote mit ihren Ausführungsvorschriften. Aber wer schon einmal die fünf Bücher Mose gelesen hat, weiß, dass es noch viel mehr Gebote gibt. Mose bekommt das Gesetz und gab es an das Volk Israel weiter.
Heute schauen wir als Christen gern auf diese Gebote im Alten Testament etwas herab, so als wären sie unwichtig. Aber das sollten wir nicht tun. Natürlich hört sich manches komisch an, weil die Gesetze in die Situation eines antiken Nomadenvolkes hineingesprochen wurden. Und doch zeigt sich in dem Gesetz, das Gott gibt, auch etwas von Gottes Charakter.
Oder um mit Paulus zu sprechen: Römer 7,12. So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot heilig, gerecht und gut.
Es ist nichts Schlimmes am Gesetz. Nur das Gesetz selbst hat keine Kraft, uns zu retten. Ein Gesetz kann Sünder davon überführen, dass sie sündig sind, aber mehr kann es nicht. Genau genommen macht das Gesetz aus einem Sünder einen Übertreter. Ein Übertreter übertritt ein Gebot, das er kennt. Sünder kann ich auch sein, ohne dass ich weiß, dass ich etwas Falsches tue. Sünder sein ist schlimm, Übertreter sein ist schlimmer, bewusster. Und darin besteht die Aufgabe des Gesetzes: Es will den Menschen restlos von seiner Verlorenheit überzeugen.
Paulus fragt in Galater 3,19: Was soll nun das Gesetz? Und dann schreibt er die Antwort: Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt. Der Nachkomme, das ist niemand anders als der Herr Jesus.
Der Bund mit Abraham und die vorläufige Rolle des Sinai
Das Gesetz hat also ein Ablaufdatum, und es wurde wegen der Übertretungen hinzugefügt. Es gab nämlich schon einen Bund, den Bund Gottes mit Abraham und seinen Nachkommen. Teil dieses Bundes war die Verheißung eines Nachkommens, in dem sich alle Nationen der Erde segnen würden.
Abraham bekommt also die Verheißung, dass einer seiner Nachkommen – wir wissen, dass das der Herr Jesus ist – etwas so Gewaltiges vollbringen würde, dass alle Völker beziehungsweise Menschen aus allen Völkern sich gegenseitig dafür beglückwünschen würden, so von Gott gesegnet worden zu sein.
Dieser Bund, den Gott mit Abraham schließt, ist der wichtige Bund. Der Bund am Berg Sinai ist weniger wichtig, weil er in sich nicht die Verheißung eines Retters und eines weltweiten Segens trägt.
Es heißt deshalb in Galater 3,17: Einen vorher von Gott bestätigten Bund, das ist der Bund mit Abraham, macht das 430 Jahre später entstandene Gesetz nicht ungültig, so dass die Verheißung unwirksam geworden wäre.
Das Gesetz ist also nur hinzugefügt. Es ist dazu da, die Israeliten auf das Kommen des Messias vorzubereiten. Es ist mit den Worten des Paulus ein Paidagogos, ein Erzieher, wie der Sklave, der in der Antike die kleinen Kinder zur Schule brachte und dafür sorgte, dass sie sich ordentlich benahmen.
In dem Moment, in dem der Messias seinen Predigtdienst beginnt, hat das Gesetz seine Funktion erfüllt.
Lukas 16,16: Die Zeit des Gesetzes und der Propheten ist mit Johannes zu Ende gegangen. Seitdem wird die Botschaft vom Reich Gottes verkündet, und jeder versucht, mit aller Gewalt hineinzukommen.
Der Übergang zur Botschaft des Reiches Gottes
Johannes ist der größte und letzte Prophet des Alten Bundes. Mit ihm geht die Ära des mosaischen Gesetzes zu Ende, und etwas völlig Neues beginnt: die Predigt vom Reich Gottes.
Mit Jesus wird eine Qualität der Beziehung zu Gott gepredigt und dann durch Kreuz und Auferstehung auch ermöglicht, die vorher völlig unbekannt war. Es ist eine Qualität von Beziehung, die sich die alttestamentlichen Patriarchen gewünscht hätten, die ihnen aber nicht zugänglich war. Denn die Wiedergeburt, die Versiegelung mit dem Heiligen Geist und ein abschließendes, endgültiges Opfer für die Sünde gab es noch nicht.
Mit Jesus ist all das in greifbare Nähe gerückt. Er ist in Person die Erfüllung der Verheißung an Abraham. Und mit ihm braucht es das Gesetz als Erzieher nicht mehr. Etwas ganz Neues war angebrochen, und dieses Neue war ein neuer Bund.
Wenn Petrus zu Pfingsten predigt, dann lädt er seine jüdischen Zuhörer folgendermaßen ein: Apostelgeschichte 3,25
Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott euren Vätern verordnet hat, als er zu Abraham sprach: „Und in deinem Samen oder in deinem Nachkommen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“
Die Verheißung eines Nachkommen, durch den alle Geschlechter der Erde, also alle Völker, von Gott gesegnet werden, geht einher mit einem neuen Bund. Aus einem Bund, den Gott mit Abraham und dem Volk der Juden schloss, wird ein Bund, den Gott mit allen Menschen schließen will, die an seinen Messias glauben.
Was das Gesetz leisten kann und was nicht
Aber zurück zu unserem Text: Johannes 1,17. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben. Daran ist erst einmal nichts Schlimmes und Falsches, solange wir nicht vergessen, was das Gesetz nicht kann. Es kann nicht retten.
Das Gesetz kann nur Sünde offenbar machen. Wenn Menschen die zehn Gebote lesen, außer vielleicht das Sabbatgebot, das ist etwas spezieller, oder sich mit den anderen moralischen Geboten im Gesetz beschäftigen, dann merken sie: Mit mir stimmt etwas nicht. Ja, da steht: Du sollst nicht lügen. Hm, habe ich schon mal gemacht. Du sollst nicht begehren, also neidisch sein. Hm, das auch irgendwie. Du sollst deine Eltern ehren. Hm, ich hätte mich vielleicht schon lange mal wieder bei ihnen melden sollen.
Das Gesetz bringt Sünde ans Licht, dazu ist es da. Und es ist sogar noch ein bisschen schlimmer, denn wenn ich weiß, dass etwas verboten ist, dann habe ich manchmal erst recht Lust darauf. Oder wer von uns bekommt nicht erst genau in dem Moment Lust, den Rasen zu betreten, in dem er das Schild liest: Rasen betreten verboten?
Verbote stacheln die Sünde in mir an, aber sie helfen mir nicht, sie zu überwinden. Und das ist total schräg. Es reicht eben nicht, nur zu wissen, was richtig und falsch ist. Wir brauchen mehr im Leben.
Gnade und Wahrheit in Jesus Christus
Johannes 1,17: Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden.
Auch das Gesetz enthält Wahrheit, und zwar nicht zu wenig davon. Paulus spricht davon, dass man das Gesetz bis heute gesetzmäßig gebrauchen kann. Bis heute kann man es benutzen, um Sünde im eigenen Leben zu erkennen. Dafür ist es gut, richtig gut.
Ich empfehle jedem Christen, sich intensiv mit den Geboten Gottes zu beschäftigen, um so viel Verständnis für Heiligkeit zu gewinnen, wie nur irgend möglich.
Das Gesetz enthält Wahrheit, aber mit Jesus ist zur Wahrheit die Gnade gekommen. Wahrheit allein rettet niemanden. Unser Problem als Menschheit besteht nicht darin, dass wir mehr und bessere Gesetze oder mehr Bildung bräuchten. Wahrheit allein ist nicht genug. Wir brauchen Gnade und Wahrheit.
Wir brauchen diese irre Mischung, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen will. Bleibt nicht die Wahrheit auf der Strecke, wenn ich jemanden begnadige? Und wenn Wahrheit über alles geht, wo bleibt dann der Raum für Gnade?
Gnade und Wahrheit passen nicht zusammen. Aber sie tun es dann eben doch, wenn wir dem Messias begegnen, so wie es der Psalmist schreibt: Psalm 85,11. Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Frieden haben sich geküsst. Amen.
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