Willkommen beim Bibelfit-Projekt. Hier versuchen wir, die Bibel leicht verständlich und dennoch tiefgründig zu erschließen. Dabei geht es darum, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen zu beantworten.
Zu jedem Beitrag gibt es kostenlose Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All das steht auf der Website gratis zur Verfügung. Möglich wird das durch freiwillige monatliche Spenden von Menschen wie dir und mir.
Die Bedeutung psychischer Gesundheit und persönliche Erfahrungen
Psychische Gesundheit ist ein Thema, bei dem es viel falsche Scham und falsche Scheu gibt. Bis heute ist es teilweise ein Tabuthema. Das führt dazu, dass Menschen entweder stigmatisiert werden oder das Thema totgeschwiegen wird. Und wenn es nicht totgeschwiegen wird, wird oft viel um den heißen Brei herumgeredet.
Deshalb möchte ich ganz ehrlich sein. Früher, als ich noch kein Christ war, dachte ich, dass Christen besonders beschädigt sind. Im Studium sagte eine Theologieprofessorin zu uns: „Schauen Sie sich einfach mal an, was für Leute sich in den meisten Gemeinden sammeln.“ Dieses Vorurteil, dass Christen besonders viele psychische Probleme haben, habe ich lange mit mir herumgetragen. Es wurde ehrlich gesagt auch immer wieder bestätigt.
Als ich nach dem Studium dann im Beruf war und jahrelang als Berater außerhalb der Kirche gearbeitet habe, wurde ich langsam weniger grün hinter den Ohren und konnte immer mehr von meiner Naivität ablegen. Ich habe viele Jahre in brutalen Überstunden gearbeitet, Hunderte von Workshops geleitet und Tausende von Menschen an Beratungstischen begleitet. Am Ende habe ich über zehntausend Stunden Beratungserfahrung gesammelt.
Das ist noch nicht einmal etwas Besonderes. Beispielsweise wird auch jeder langjährige Sozialarbeiter sehr ähnliche Erfahrungen machen. In meiner Zeit in der Beratungsstelle habe ich im Laufe der Jahre zwei Dinge gelernt.
Erstens bin ich durch Erfahrung davon überzeugt, dass dein und mein Leben deutlich gelingender und vor allem gesünder sein kann, wenn wir es biblischen Prinzipien und Gottes Spielregeln unterstellen. Es kann sogar passieren, dass Gott die Ausrichtung deines Lebens ändert, so wie er es bei mir gemacht hat. Aber das ist ein anderes Thema.
Zweitens habe ich ganz deutlich gelernt, dass psychische und emotionale Gesundheit lange nicht nur ein christenspezifisches Thema ist. Sehr viele Menschen sind mit ihrem Leben überfordert. Neben allem Mitgefühl ist ein Beraterjob natürlich auch extrem lehrreich für einen selbst. Man begleitet Menschen über viele Jahre und es ist hochspannend zu sehen, wie sich Dinge, die sich schon beim ersten Treffen abzeichnen, im Laufe der Zeit immer mehr materialisieren und wachsen.
Das heißt, bei manchen Menschen vermutest du schon in den ersten Minuten des allerersten Treffens, ob es ihnen wirklich gut geht oder ob sie psychisch gesund sind. So siehst du Tausende von Menschen über die Jahre und kannst beobachten, wie sich ihre Situation vor deinen Augen entwickelt.
Falls du mehr über diese Zeit wissen möchtest, kannst du gerne die Glocke drücken und einen Kommentar schreiben. Dann könnte ich dir einige Dinge erzählen.
Beobachtungen und Listen zu psychischen Frühwarnzeichen
Jedenfalls habe ich mir viele Gedanken dazu gemacht. Ich habe angefangen, Tagebucheinträge zu schreiben, und auch Listen mit Gemeinsamkeiten geführt. Zum Beispiel eine Liste, die ich in den letzten drei Jahren während Corona und meiner Arbeit als Personalchef weitergeführt habe. Darin habe ich festgehalten, wie sich Menschen verhalten haben, die später ernsthafte psychische Probleme entwickelten. In vielen Fällen haben diese Menschen ihr Studium abgebrochen, ihre Beziehung verloren oder wurden aus ihrem Job gekündigt.
Mich hat interessiert, welche Verhaltensweisen sie vorher gezeigt haben und welche Frühwarnzeichen man von außen hätte beobachten können. Diese Liste ist jetzt natürlich verkürzt. Ich möchte sie teilen in offensichtliche und weniger offensichtliche Anzeichen.
Bevor wir starten, drei Dinge: Erstens, drücke die Glocke, damit ich weiß, wie viele Menschen an solchen Inhalten interessiert sind. So kann ich die nächsten Videos besser planen. Zweitens bedeutet das selbstverständlich nicht, dass jeder, bei dem du eines dieser Merkmale beobachten kannst, psychische Probleme hat oder bekommen wird. Natürlich nicht! Das wäre nicht nur undifferenziert, sondern ehrlich gesagt auch irgendwie albern.
Nichtsdestotrotz stecken hier einige Erfahrungswerte dahinter, vor allem wenn sich diese Anzeichen häufen. Wenn sie dir helfen, achtsamer mit deinem Umfeld umzugehen, ist das gut. Vielleicht kannst du dir sogar helfen, das Thema zu enttabuisieren und bei dir selbst Entwicklungen besser zu erkennen. Dann hat sich dieser Beitrag schon gelohnt.
Drittens habe ich einige der wichtigsten Lektionen aus meiner Beratungsstellenzeit in einem Bibelfit-Leitfaden zusammengefasst. Er hilft dabei, bessere Lebensentscheidungen zu treffen. Der Leitfaden ist schön gestaltet, aber vor allem steckt viel Herzblut im Inhalt.
Die Hintergrundgeschichte ist folgende: Eines Freitagnachmittags, nachdem ich die ganze Woche über wieder viele selbstgemachte Probleme gesehen hatte, war ich, glaube ich, kurz vor einem Burnout. Ich hatte die Schnauze voll davon. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich nebenbei als Dozent und hatte einigen meiner Uni-Studenten sowie Klienten eine Mail geschrieben. Darin ging ich auch mit mir selbst hart ins Gericht und fragte: Wie können wir unser Leben bewusster, absichtsvoller und einfach gesünder gestalten?
Zu meiner Überraschung musste ich in den Tagen darauf sehen und hören, dass die Leute diese E-Mail selbstständig kopierten und an ihre Freunde und Familien weiterleiteten. Häufig wurde sie sogar mehrfach weitergeschickt, ohne dass ich dazu aufgerufen hatte. Ich hatte die Mail vielleicht an 25 bis 30 Leute geschickt. Wie auch immer, sie wurde dann viele hundert Male verteilt.
Leute haben sich die Mail damals 2018 ausgedruckt und in ihre Küchen oder Badezimmer gehängt. Das war krass. Es war also das erste Mal, dass etwas von mir viral ging. Und das ist seitdem das erste Mal überhaupt, dass ich diesen Inhalt hier veröffentliche.
Jedenfalls kannst du dir den Leitfaden gern hier direkt durchlesen oder als Audio für unterwegs mitnehmen und anhören. Also, wie gesagt, nimm ihn dir gern mit. Klicke dafür einfach auf den Link unter diesem Video.
Offensichtliche Anzeichen für psychische Probleme
Ein paar der offensichtlichen Dinge, also solche, die jeder, der darauf achtet, sofort sehen kann.
Das Erste zum Beispiel, was ich in der Zeit in der Wartestelle manchmal gesehen habe: Körperpflege ist schwierig. Das sind Dinge wie viel zu lange Fingernägel – häufig bei Männern ein Problem – oder ein ungepflegter Bart. Auch bei Frauen hatte ich den Eindruck, dass sie vielleicht seit einer halben Woche oder sogar einer Woche nicht mehr geduscht hatten. Die Haare wirken dann ganz fettig, und Ähnliches. Solche Anzeichen lassen einen überlegen: Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass unter der Oberfläche etwas nicht stimmt?
Zweitens das Thema Alkohol. Manchmal kamen Leute betrunken in mein Beratungszimmer. Das war manchmal lustig, meistens aber eher traurig. Die Frage ist: Ab wann ist es zu viel? Das weiß ich auch nicht genau. Für mich selbst habe ich mir die Regel gesetzt, dass ich mir Sorgen mache, wenn ich mehr als vier Gläser Alkohol pro Woche trinke.
Dazu heißt es zum Beispiel in Sprüche 20: „Hayayin“, das bedeutet Wein, ist jemand, der sich über dich lustig macht, so eine Art Feind oder Widersacher. Weiter heißt es „home Shekhar“, also Alkohol oder starkes Getränk, ist Gebrüll, Kampf und Turbulenz. Als Warnung wird gesagt: „ur Chol Shege Bo“, das bedeutet, alle, die sich von ihm leiten lassen – vom starken Getränk –, sind nicht weise, man kann es auch mit „dumm“ übersetzen.
Das muss natürlich nicht nur Alkohol sein. Wir sprechen allgemein von Menschen, die versuchen, systematisch aus ihrem Alltag zu entfliehen. Zum Beispiel Leute, die Ketten rauchen – da habe ich oft gemerkt, dass da wirklich Probleme dahinterstecken. Oder Menschen, die sehr viel fernsehen oder Serien in einem Rutsch schauen – das Thema Eskapismus, Realitätsflucht. Das war ein Thema, bei dem ich manchmal gefragt habe: „Hey, was ermutigt dich eigentlich dazu? Mit welcher Motivation machst du das in dieser Intensität?“
Indiz Nummer drei: Der Tagesrhythmus ist stark durcheinander. Nicht nur bei manchen Studenten, die einen so ungewöhnlichen Tagesrhythmus haben, dass man sich fragt, wie sie in der normalen Gesellschaft lebensfähig sind. Sondern auch, dass jeder Tag völlig anders aussieht. Das ist inzwischen kein Thema mehr, über das wir diskutieren müssen. Es gab erst kürzlich einen Medizin-Nobelpreis dazu. Man kann sagen, dass ein durcheinandergeratener Tagesrhythmus Körper und Psyche kaputtmacht.
Indiz Nummer vier: Jemand schafft seine Aufgaben nicht. Das heißt, er ist mit seinen Arbeitsaufgaben nie fertig oder bekommt zum Beispiel auch den Haushalt nicht geregelt.
Daran anlehnend Indiz Nummer fünf: Deine Wohnung ist nicht aufgeräumt. Menschen haben da ganz unterschiedliche Gewohnheiten, zum Beispiel am Computer. Ich persönlich mag einen sehr aufgeräumten Computer. Andere werfen alles auf den Desktop. Das meine ich hier aber nicht. Oder jemand hat ein aufgeräumtes Auto, aber das Zuhause ist chaotisch – auch das meine ich nicht. Oder die Küche – auch das ist nicht das Thema. Ich meine ganz grundsätzlich: Ist deine Wohnung grundsätzlich in einem aufgeräumten Zustand oder nicht? Denn das sagt oft mehr, als man denkt.
Das sechste Thema ist das Gewicht. Wenn jemand kein Normalgewicht hat, kann das natürlich auch medizinische Gründe haben. Nach meiner Erfahrung erzählen mir Menschen aber oft später, dass sie mit vielen emotionalen und psychischen Themen kämpfen. Kein Normalgewicht bedeutet hier, dass jemand entweder viel zu viel oder viel zu wenig wiegt oder aber starke Gewichtsschwankungen im Laufe eines Jahres hat. Auch das kann ein Hinweis darauf sein, dass emotional etwas nicht in Ordnung ist.
Wie gesagt, falls hier Berater, Kollegen oder Kolleginnen oder Sozialarbeiterinnen mitlesen: Schreibt gern eure eigenen Erfahrungen in die Kommentare, damit wir uns austauschen können.
Das sind einfach ein paar Dinge, bei denen ich gemerkt habe: Wenn Menschen zu mir kamen und ich im ersten Gespräch schon mehrere dieser Zeichen bemerkte, und ich sie dann über Jahre begleitet habe, gab es Ähnlichkeiten bei denen, die später große Probleme bekamen. Solche Zeichen konnte ich zu Beginn beobachten.
Weniger offensichtliche Anzeichen psychischer Belastung
Dann kommen wir jetzt zu den weniger offensichtlichen Anzeichen, dass es dir vielleicht nicht so gut geht und auf die du achten solltest. Menschen, die ein halbes Jahr oder spätestens ein Jahr später psychische Probleme entwickeln, zeigen häufig mehrere dieser Anzeichen.
Zeichen Nummer zwölf: Wir fangen wieder beim Thema Essverhalten an. Dein Essverhalten ist ungewöhnlich. Das heißt, entweder isst du sehr viel oder sehr wenig. Oder du achtest fanatisch darauf, was du isst – das kann schon in Richtung Selbstgeißelung gehen.
Zeichen Nummer elf: Du fühlst dich fremdbestimmt, zum Beispiel von anderen Menschen oder vom System – wer oder was das auch immer sein mag. Oder sogar von deinen eigenen Gefühlen. Du fühlst dich deinen Gefühlen und Bedürfnissen ausgeliefert. Zum Beispiel Männer, die Probleme mit Pornos haben oder pornosüchtig sind, kennen oft das Gefühl: „Ich habe diesen Drang, was soll ich tun?“ Dieses Gefühl von Ausgeliefertsein und die damit verbundene Hilflosigkeit sind nicht so lustig, wie es klingt.
Oder du hast das Gefühl, in deinem Leben nicht aktiv zu sein, sondern von Umständen getrieben zu werden. Das bedeutet, dass dich äußere Umstände ständig dominieren – eine Form von Fremdbestimmung.
Darauf aufbauend nun Zeichen Nummer zehn: Du stellst dir nicht mehr die Frage, was du eigentlich willst oder was Gott von dir will. Wenn jemand sich diese Frage nicht mehr stellt – für uns Christen: „Was will Gott von mir?“ – oder einfach nur „Was will ich eigentlich?“, ist das häufig kein gutes Zeichen.
Zeichen Nummer neun, ein Klassiker: Du kannst deine Redeanteile nicht einschätzen. Ich gebe dir ein Beispiel: Es gibt Menschen, die reden weniger, und andere, die reden sehr viel. Normalerweise bin ich eher zurückhaltend, aber wenn mich etwas emotional sehr beschäftigt, wie zum Beispiel der Tod eines geliebten Menschen im letzten Jahr, werde ich eher leise und rede weniger, auch in freundschaftlichen oder sozialen Situationen. Andere Menschen hingegen würden in solchen Momenten anfangen, sehr viel zu reden und merken oft gar nicht, wie viel sie sprechen.
Warum sage ich das? Die meisten psychisch gesunden Menschen haben ein intuitives Verständnis dafür, wie die Redeanteile in einem Gespräch verteilt sind. Sie spüren, wann sie erzählen können und wann es Zeit ist, anderen den Vortritt zu lassen oder sie bewusst einzuladen. Diese Balance, mal Fragen zu stellen und mal auf das einzugehen, was andere sagen, ist wichtig.
Wenn diese Balance verloren geht – also wenn man keine Fragen mehr stellt, nicht mehr auf andere eingeht, nur noch redet oder gar nichts mehr sagt –, sind das häufig Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, natürlich immer in Kombination mit anderen Symptomen.
Im Jakobusbrief heißt es dazu, dass die Zunge zu zähmen ein Kunststück ist. Das gilt in beide Richtungen. Es geht nicht darum, ein Schweigegelübde abzulegen – Jesus hat das auch nicht gemacht – aber auch nicht darum, andere zu Tode zu reden. Die Balance ist entscheidend. Im Prediger steht: „Es gibt eine Zeit zum Reden und eine Zeit zum Schweigen.“ Beides ist richtig und wichtig.
Zeichen Nummer acht, ebenfalls ein Klassiker: Du erklärst anderen ständig, warum du tust, was du tust. So, als würdest du dich rechtfertigen wollen oder als wäre dein Verhalten so seltsam, dass es ohne Erklärung nicht verständlich wäre. Oder es ist dir übermäßig wichtig, was andere über dich denken.
Was das mit psychischer Gesundheit zu tun hat, kannst du im Bibelfit-Leitfaden über intentionalere Lebensentscheidungen nachlesen. Den kannst du dir kostenlos über den Link unter diesem Video herunterladen.
Nummer sieben ist etwas missverständlich, ich hoffe, ich kann es gut erklären, denn ich habe ein paar sehr konkrete Beispiele vor Augen. Du benutzt andere Menschen für Dinge, die du auch allein erledigen könntest. Zum Beispiel gehst du nicht selbst einkaufen, weil du Angst vor anderen Menschen hast, sondern schickst jemanden anderen. Oder du kochst nicht allein, räumst nicht auf, saugst nicht Staub oder wischst nicht selbst, sondern lässt andere aus deinem Umfeld diese Aufgaben übernehmen.
Damit sind nicht Leute gemeint, die du bezahlst, wie eine Haushaltshilfe, sondern Menschen aus deinem sozialen Umfeld. Paulus bezeichnet ein solches Verhalten – und meint damit noch mehr – grundsätzlich als nicht ehrbar. Im Gegenteil fordert er Christen dazu auf, so zu leben, dass sie nicht von anderen abhängig sind.
Einige werden jetzt vielleicht kritisch denken: „Ist es denn schlecht, in gegenseitiger Abhängigkeit zu leben? Das macht man doch auch in der Ehe.“ Ja, das stimmt, und das ist auch nicht falsch. Aber meine Erfahrung zeigt, dass es zu schlechten Angewohnheiten führen kann, sich ohne Not in Abhängigkeit zu begeben. Deshalb hat Gott diese starke Abhängigkeit exklusiv für die Ehe vorgesehen – oder vielleicht noch für Eltern-Kind-Beziehungen, wobei das Kind in diesem Fall unmündig ist.
Zeichen Nummer sechs: Das ist etwas, was mir vor allem in meiner Zeit als Personalchef oft begegnet ist. Vielleicht ist es nochmal etwas anderes, wenn man als Führungskraft Verantwortung für andere Menschen trägt. Einige Mitarbeiter, die psychische Probleme hatten oder später entwickelten, waren häufig „weg vom Fenster“. Das heißt, sie waren nicht erreichbar, nicht da oder nicht ansprechbar. Manchmal ohne Entschuldigung oder mit verspäteter Entschuldigung.
Ich meine damit nicht, dass jemand mal zum Arzt muss oder eine wichtige Familienangelegenheit hat. Sondern dass jemand einfach nicht da ist und das vorher nicht ankündigt. Oder dass man jemanden manchmal gar nicht erreichen kann. Für mich war das als Personalchef ein Frühindikator, um zu ahnen, in welche Richtung sich die Situation entwickeln könnte. Und häufig ging es leider nicht in eine gute Richtung.
Nummer fünf, wieder ein Klassiker: Du machst dir ständig Sorgen um deine Gesundheit. Jesus sagt dazu: „Sorgt euch nicht um Essen und Trinken zum Leben und sorgt euch nicht um die Kleidung für den Körper. Das Leben ist wichtiger als die Nahrung, und der Körper wichtiger als die Kleidung.“
Paulus schreibt dazu, dass es im Reich Gottes nicht um Essen und Trinken geht, also nicht um den Körper, sondern um das, was der Heilige Geist bewirkt.
Diese ständigen Sorgen um den Körper können zu einer Abwärtsspirale führen, etwa zu Hypochondrie. Man spürt hier etwas und macht sich Gedanken, dort etwas, und so weiter. Ich habe selten erlebt, dass sich jemand, der besessen davon war, wie es seinem Körper geht, über Nacht beruhigt hat. In der Regel führt das zu einer Abwärtsspirale, die bei manchen sogar in Psychosen endete.
Zeichen Nummer vier: Du hast wahrscheinlich schon beobachtet, dass Leute anfangen, seltsame Selfies von sich zu posten – zum Beispiel auf Instagram, Snapchat oder animierte Videos auf TikTok. Oder sie nutzen ungewöhnliche WhatsApp-Profilbilder.
Das hast du sicher schon gesehen. Nach meiner Erfahrung kann das zusammen mit anderen Indikatoren, zum Beispiel wenn jemand „weg vom Fenster“ ist oder sich viele Sorgen um seine Gesundheit macht, ein Frühindikator sein. So nach dem Motto: „Mal gucken, wo das hingeht.“
Ich habe häufig erlebt, dass Menschen ein halbes bis dreiviertel Jahr später ernsthafte emotionale und psychische Probleme bekamen. Dann hatte ich im Nachhinein oft das Gefühl: „Vielleicht hätte ich denjenigen damals schon darauf ansprechen können: Wie geht es dir eigentlich?“
Nummer drei: Das ist etwas, das mich damals richtig kalt erwischt hat, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Vielleicht lacht jetzt der eine oder andere Sozialarbeiter, denn er erlebt das jeden Tag zehnmal: Du kannst nicht auf Fragen antworten.
Ich muss das kurz erklären, falls du nicht weißt, was ich meine. Ich meine damit nicht Missverständnisse in der Kommunikation oder etwas Akustisches. Ich meine etwas Inhaltliches.
Hier zwei reale Beispiele: Ich fragte eine Klientin im Rahmen eines Bewerbungstrainings, was ihre Lieblingsfarbe sei. Sie antwortete: „Ich weiß nicht, was die richtige Antwort ist“, und fing an zu weinen. Es war, als gäbe es eine vorgegebene richtige Antwort.
In einem anderen Fall fragte ich jemanden, was zwanzig Prozent von einem Fünftel Euro sind. Die Antwort lautete: „Meine Oma hat Pfirsichsuppe gemacht.“
Die ersten zehn Male, als ich so etwas erlebte, fand ich es irgendwie lustig oder dachte, die Leute wollen mich veräppeln. Ich habe gelacht, aus Verzweiflung oder weil es einfach nicht passte. Ich glaube, ich habe nicht richtig verstanden, wie ernst das war.
Nach zwanzig bis fünfzig solcher Fälle habe ich mich gefragt, ob ich komisch formuliere, ob ich meine Fragen richtig stelle oder an meiner Grammatik arbeiten muss. Ich suchte Supervision und tauschte mich mit Kollegen aus.
Zwischen dem fünfzigsten und hundertsten Mal, in ganz unterschiedlichen Kontexten mit verschiedenen Fragen, wurde mir klar: Es gibt Menschen, die einfach keine Fragen beantworten können. Ich habe das auch später als Dozent bei schriftlichen Prüfungen beobachtet – klare, einfach formulierte Fragen wurden nicht beantwortet.
Das ist ein großes Phänomen, das ich völlig unterschätzt habe. Menschen, die keine Fragen beantworten können, haben häufig jetzt oder in naher Zukunft ernsthafte emotionale Probleme.
Indiz Nummer zwei: Alles ist für dich riesengroß. Es gibt für dich keine Kleinigkeiten. Du hast Schwierigkeiten, zwischen wichtigen und weniger wichtigen Dingen zu unterscheiden. Du kannst Details nicht von großen Zusammenhängen trennen. Für dich ist alles riesengroß, und deine Umgebung nimmt dich als kleinkariert wahr.
Dazu wird es bald einen eigenen Gastbeitrag von einer sehr guten christlichen Beraterin geben, die dir mehr dazu erzählen wird. Wir sind schon in der Planung, und ich sage dir, das wird hochspannend.
Indiz Nummer eins, wieder ein Klassiker: Manche Menschen interpretieren alles als gegen sich gerichtet.
Oh Mann, ich könnte jetzt so viele Begebenheiten erzählen, dass das locker für zwanzig Videos reichen würde.
Drei prägnante Highlights aus der Beratungszeit
Aber wenn ich so darüber nachdenke, über all diese Dinge aus den letzten zehn Jahren, sind mir vor allem drei Highlights besonders im Gedächtnis geblieben.
An diesen erkennt man, ob es einem selbst oder anderen Menschen gut oder schlecht geht – und zwar direkt auf den ersten Blick.
Das dritte Highlight ist...
Highlight Nummer drei: Gespräche kreisen immer um dasselbe Thema
Deine Gespräche kehren sehr häufig zum gleichen Thema zurück. Ein kurzes Beispiel zum Schluss: Ich kannte mal einen Typen, mit dem ich lange zu tun hatte – über ein Jahr lang, fast anderthalb Jahre. Wenn hier andere Leute dabei sind, die wissen, von wem ich spreche, schreibt mir bitte den Namen nicht in die Kommentare, das versteht sich von selbst.
Und das ist kein Witz: Egal, um welches Thema es ging, lenkte er das Gespräch automatisch darauf. Ich glaube, er hat das nicht einmal absichtlich oder bewusst gemacht. Es ging immer um Otto von Bismarck, die historische Person und der ehemalige Reichskanzler in Deutschland. Ich meine das wirklich genauso, wie ich es sage – es ist kein Witz.
Am Anfang war das irgendwie witzig, und wir haben uns zu Beginn ein bisschen darüber lustig gemacht. Es war irgendwie cool und so weiter. Aber im Laufe der Wochen und Monate wurde mir klar, dass das nicht normal ist. Zum Schluss waren wir wirklich der Überzeugung, dass das etwas richtig Pathologisches war. Ich lasse es dabei bewenden.
Egal, worüber du mit ihm gesprochen hast – ob es darum ging, was wir zum Essen bestellen, ein Hotel zu buchen oder dass die Ampel rot ist – innerhalb von 15 bis 20 Minuten konnte man die Uhr danach stellen. Wir haben das sogar ein paar Mal ausprobiert: Innerhalb von 15, manchmal 20 Minuten, hat er das Gespräch so übernommen und gelenkt, dass er über Otto von Bismarck sprach. Das ist kein Witz, das ist wirklich passiert.
Das war das erste Mal, dass mir so etwas krass aufgefallen ist. Später, während meiner Zeit in der Beratungsstelle, habe ich das bei vielen Klienten erlebt. Egal, um welches Thema es ging, sie lenkten das Gespräch sehr häufig zu diesem einen Thema X, an dem sie sich so festbissen.
Highlight Nummer zwei: Gedanken kreisen ständig um dasselbe Thema
Highlight Nummer zwei baut darauf auf einer tieferen Ebene auf. Du kannst etwas nicht nicht denken. Egal, worum es geht, du denkst immer wieder dieselbe Sache und bringst sie immer wieder im Gespräch zur Sprache. Das kann auch die Kommunikation erschweren.
Dazu heißt es zum Beispiel in Sprüche 17: „Schone vedavar mafrid aluf.“ Das bedeutet: Derjenige, der eine Sache immer wieder wiederholt, wird am Ende Freunde voneinander trennen, weil er sich von seinen Freunden entfernt.
Und das beginnt ja schon in den Gedanken.
Highlight Nummer eins: Die Leichtigkeit im Umgang mit Problemen zurückgewinnen
Und damit kommen wir zum ersten Highlight aus dieser ganzen Zeit. Es baut darauf auf, wenn du an den Punkt gelangst, in deinem Leben nicht mehr über Dinge sagen zu können: „Ach, na ja, was soll's?“
Diese Leichtigkeit wünsche ich dir.
