Einführung in das Thema geistliches Leben und Jüngerschaft
Es ist der Moment, in dem meine Seele alles bekommt, was sie an Erfüllung braucht. Wenn Menschen so mit Gott leben, ist Jüngerschaft ganz einfach.
Die Qualität meines geistlichen Lebens hängt davon ab, dass ich genug Zeit alleine mit Gott habe. Das Gebet bleibt dabei oft als Erstes auf der Strecke. Und wenn das passiert, ist das geistliche Leben eigentlich dem Untergang geweiht. Da fehlt etwas.
Ich wünsche mir, dass Menschen begreifen, dass es in der Bibel eine Verheißung gibt: Wenn Jesus Herr ist, muss er etwas in meinem Leben verändern dürfen.
Ich nehme mal den Druck raus: Wenn jeder Christ jedes Jahr zwei bis drei gute neue Gewohnheiten in sein Leben einbringt, hat er alles, was er braucht.
Damit willkommen beim Bibelfit-Dienst! Hier versuchen wir, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar zu beantworten.
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Vorstellung des Gesprächspartners und zentrale Fragestellung
Ich freue mich, dass wir heute meinen Kollegen und Mitstreiter Jürgen Fischer zu Gast haben. Viele hier kennen Jürgen zum Beispiel von Outdoor-Bibelschulen, von buchstäblich Tausenden von Vorträgen, Workshops, Bibelarbeiten und Podcasts. Er hat in den letzten drei Jahrzehnten vor Ort und inzwischen auch online viele Veranstaltungen gehalten und unzähligen Menschen geholfen, im Glauben fester zu werden.
Ich meine das wirklich so, wie ich es sage: Die Christenheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz verdankt diesem bibeltreuen Lehrer viel. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber er hat auch einiges für die nächsten Monate in petto.
Heute habe ich Jürgen um Hilfe gebeten bei einer kniffligen Frage, die vielen von uns auf die Füße fällt – und das meistens erst dann, wenn es zu spät ist. Warum ist das so? Weil wir unvorbereitet und planlos in diese Situation hineingehen.
Es geht um Folgendes: Lieber Jürgen, ja, wir reden sehr viel davon, wie wichtig es ist, Menschen zu motivieren, Christus nachzufolgen. Wir reden viel darüber, wie wichtig es ist, Menschen zu ermutigen, rauszugehen, sich einer Gemeinde anzuschließen, sich taufen zu lassen und Jüngerschaftskurse zu machen. Alles schön und gut, alles richtig und wichtig.
Aber irgendwann, nach ein paar Monaten oder einem halben Jahr, kommt diese Phase, in der vielleicht die erste Liebe oder die Schmetterlinge im Bauch verflogen sind. Man merkt: „Uh, jetzt kriege ich es im Alltag zu spüren.“ Da kann es zu Reibungen kommen.
Deswegen die Frage an dich: Wie werde ich nicht nur Jünger, sondern vor allem – wie bleibe ich ein Jünger Jesu Christi?
Persönliche Erfahrungen und grundlegende Elemente der Jüngerschaft
Also erstmal, lieber Markus, vielen herzlichen Dank, dass du mich eingeladen hast. Danke auch für die Frage, denn die beschäftigt mich tatsächlich persönlich sehr. Persönlich deshalb, weil ich jetzt seit über dreißig Jahren mit Jesus unterwegs bin, mich da immer noch pudelwohl fühle und mich frage, warum viele, auch alte Freunde, das nicht mehr tun.
Ich war erst heute Morgen wieder beten und habe für einige Leute gebetet, bei denen ich dachte: „Mann, die waren früher mal dabei, und jetzt sind sie eigentlich nicht mehr mit Gott unterwegs.“ Immer wenn ich für solche Leute bete, frage ich mich: Woran liegt das eigentlich? Warum waren sie mal so Mitte zwanzig Feuer und Flamme, und jetzt, so Mitte fünfzig, ist irgendwie nichts mehr da?
Deshalb ist die Frage „Wie werde ich jünger?“ wahrscheinlich einfacher zu beantworten als „Wie bleibe ich jünger?“. Jünger Jesu werden – das trifft ja viele Leute. Sie sind noch relativ jung, hören das Evangelium, sind total begeistert und fangen an, Jesus nachzufolgen, die Bibel zu lesen. Aber ich glaube, viele verschätzen sich, wie lange es dauert, Christ zu sein. Dieses erste Hoch, diese Begeisterung, verfliegt irgendwann, und dann stellt man fest: „Mann, ich habe noch dreißig, vierzig Jahre als Christ zu leben.“
Das ist etwas, worüber sich wenig Leute wirklich Gedanken machen, und auch in Predigten wird das kaum thematisiert. Deshalb finde ich die Frage total spannend. Heute Morgen habe ich kurz überlegt: Was macht eigentlich Jüngerschaft aus? Die Antwort ist super simpel, wenn man in die Bibel schaut: Jünger sind diejenigen, die von Jesus lernen. Das macht Jüngerschaft aus. Jesus ist mein Herr und Meister, und ich lerne von ihm.
Wenn das stimmt, bedeutet jünger bleiben, dass ich nicht aufhöre zu lernen. Ich glaube, das muss gewährleistet sein. Ich muss eine Idee haben, wie ich über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich von Jesus lernen kann. Wenn ich das für mich runterbreche, merke ich, dass an dieser Stelle unsere Persönlichkeit stark ins Spiel kommt. Wir sind ja unterschiedlich, und was für mich funktioniert, bringt vielleicht jemand anderem gar nichts.
Wenn ich in die Bibel schaue und mir die Frage stelle, was Jüngerschaft in der Bibel ausmacht – ganz am Anfang –, dann sehe ich vier Elemente, die in Apostelgeschichte 2 beschrieben werden und die die ersten Jünger charakterisieren:
- Sie haben eine Liebe zum Wort Gottes beziehungsweise zur Lehre der Apostel.
- Sie beten.
- Sie sind in Gemeinschaft unterwegs.
- Sie feiern immer wieder das Abendmahl oder das Brotbrechen, je nachdem, woher man kommt, und erinnern sich daran, dass Jesus für sie gestorben ist.
Ich glaube, das sind tatsächlich die vier Stellschrauben, an denen sich langfristige, jahrzehntelange Jüngerschaft festmacht. Ich wüsste keine anderen.
Wenn ich die vier Stellschrauben mal durchgehe, fällt mir auf: Viele Leute, die sich in den Zwanzigern bekehren, haben am Anfang einen klaren Plan, wie es losgehen soll. Aber spätestens in den Dreißigern und Vierzigern hört das auf. Dann kommt eine Art von Leben mit Jesus, die ich als nicht mehr angemessen für die geistliche Reife empfinde.
Ich habe zum Beispiel Leute erlebt, die mit Mitte Vierzig die wesentlichen Themen der Bibel noch nie durchdacht haben. Es gibt Leute, die zwanzig Jahre gläubig sind, und wenn man sie fragt: „Jesus ist doch Gott, wo steht das in der Bibel?“, dann wissen sie das nicht genau. Entschuldigung, wenn du zwanzig Jahre gläubig bist, gehört das zum Einmaleins des Glaubens. Das musst du erklären können, zum Beispiel, wenn die Zeugen Jehovas vor der Tür stehen oder wenn deine Teenager dich fragen. Meine elfjährige Tochter hat mich das gefragt, und sie will eine Antwort haben, will, dass Papa das verstanden hat.
Da fehlt etwas, da fehlt Überzeugung. Vielleicht ist das besonders in meiner Generation so, das tut mir leid. Das hat auch mit psychohistorischen Entwicklungen zu tun. Meine Generation strotzt nicht unbedingt vor Überzeugungen.
Trotzdem fällt mir das auf: Wenn ich mich bekehre und sage, Jesus ist Herr, muss ich mir eigentlich einen Plan machen. Ich müsste mir überlegen: Was heißt das jetzt für mich und die Bibel? Womit fange ich an?
Am Anfang würde ich sagen: Du liest deine Bibel erst mal ein paarmal durch, damit du überhaupt weißt, worum es geht. Dann würde ich jungen Christen raten, die Sprüche zu studieren, denn dieses Buch gibt Antworten auf Lebensfragen. Danach würde ich sagen: Kümmere dich um den Prediger, weil der Prediger zeigt dir, wie schwierig das Leben ist, das vor dir liegt. Und dann musst du in die Evangelien, um zu wissen, was Jesus gesagt hat, was er will und wer er ist.
So würde ich anfangen. Wenn ich dann in den Dreißigern bin, würde ich feststellen: Ich habe meine Bibel jetzt ein paarmal durchgelesen und kann mich anderen Themen widmen. Dann geht es plötzlich um Fragen wie: Was heißt es, Mann zu sein? Ehemann zu sein? Wie lebe ich eine Ehe? Wie gehe ich mit Problemen in der Gemeinde um? Wie gehe ich mit gesellschaftlichen Problemen um? Was sagt die Bibel dazu? Neue Themen für ein neues Alter.
Das wird jedoch oft nicht mehr gemacht. Dieses Planhafte, dieses „Wow, ich habe ein ganzes Leben vor mir, ich habe die Bibel, da stecken ungefähr hundert ethische Themen drin, die ich irgendwann mal durchdenken muss, ich muss wissen, was der Wille Gottes ist, und ich muss ihn umsetzen und leben“ – da fehlt etwas.
Ich wünsche mir, dass Menschen begreifen, dass es in der Bibel eine Verheißung auf Erfolg im Leben gibt. Diese Verheißung ist stark daran geknüpft, über Gottes Wort nachzudenken. Man findet das an verschiedenen Stellen, zum Beispiel in Josua 1,8 oder Psalm 1. Wer über Gottes Wort nachsinnt, wird Erfolg haben.
Wenn du auf lange Sicht jünger sein möchtest, brauchst du also einen Plan, wie du die Bibel studierst. Vor allem aber brauchst du eine Methodik, wie du die Impulse, die der Geist Gottes durch Predigten oder Gespräche gibt, nicht nur wahrnimmst, sondern auch umsetzt.
Du darfst nicht nur sagen: „Oh ja, das war eine tolle Predigt, da sollte man mal drüber nachdenken.“ Nein, du brauchst eine Methode, wie du diesen Impuls in dein Leben bringst, wie du dafür sorgst, dass du sechs bis acht Wochen darüber nachdenkst, um daraus eine gute Gewohnheit zu entwickeln – und über die Gewohnheit einen veränderten Charakter.
Jürgen, da müssen wir mal kurz stoppen. Da fasse ich mir gerade an die eigene Nase. Wir haben in unserer Gemeinde einen tollen Pastor, der ein begnadeter Prediger ist, bibeltreu und alles – wirklich ganz, ganz tolle Predigten. Trotzdem passiert es mir häufig, dass ich nicht acht Wochen lang auf seinen Predigten „rumkaue“. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich keine Methodik habe.
Ich mache folgendes: Wenn ich ein gutes Buch lese, ein tolles Gespräch habe oder eine schöne Predigt höre und den Eindruck habe, dass der Geist Gottes mich anpingt, schreibe ich mir den Bibelvers auf und lerne ihn auswendig. Das ist gut.
Weil ich extrem schlecht auswendig lerne, habe ich mehrere Wochen Zeit, über diesen Vers nachzudenken. Der Clou ist, dass es oft sechs bis acht Wochen braucht, bis ich mit einem Vers oder Konzept so vertraut bin, dass ich mich frage: Wie kann ich das umsetzen?
Das Umsetzen mache ich dann so, dass ich ein Experiment starte. Ich will nicht gleich mein ganzes Leben umkrempeln, sondern suche mir eine kleine Anwendung. Ich schaue, was passiert. So lebe ich mein Leben.
Wenn mich jemand fragt, wie viel ich noch in der Bibel lese, sage ich, meine stille Zeit besteht im Wesentlichen darin, jeden Tag zwanzig bis dreißig Bibelverse zu wiederholen und darüber nachzudenken. Einzelne Verse, die ich ausgewählt habe, stecken in einem Programm, das auf die Wiederholung von Bibelversen spezialisiert ist.
Dann nehme ich mir eine halbe bis dreiviertel Stunde Zeit, um in Ruhe über diese Verse nachzudenken und Gott zu fragen: Was bedeutet der Vers? Was soll ich mit dem Vers machen?
Das ist genial. So verliere ich keinen Impuls.
Das habe ich noch nie so wahrgenommen. Und jetzt gehst du noch einen Schritt weiter. Ich mache das seit 25 Jahren. Das heißt, ich habe Impulse, die zwanzig Jahre alt sind. Vor zwanzig Jahren habe ich eine Predigt gehört, die mich dazu brachte, einen Vers auswendig zu lernen, und dieser Vers ist in meinem Leben Fleisch geworden.
Als Christen sind wir dazu berufen, genauso Inkarnation des Wortes zu sein wie der Herr Jesus – nur auf eine andere Weise. Wenn dieser Vers wiederkommt – ich habe eine Wiederholfrequenz von 180 Tagen, das heißt, alle 180 Tage kommt jeder Vers wieder dran –, dann denke ich darüber nach: Mache ich das noch? Bin ich noch auf dem richtigen Weg?
So gibt es bei mir permanent Korrektur in Richtung Lernen. Jeder neue Impuls wird durchdacht, vielleicht umgesetzt. Vieles wird auch nur gelernt im Sinne von: „Gut zu wissen, das brauche ich vielleicht mal für ein seelsorgerliches Gespräch oder eine Bibelfrage von jemand anderem.“
Ich nehme mal den Druck raus: Wenn jeder Christ jedes Jahr zwei bis drei gute neue Gewohnheiten in sein Leben einbringt, hat er alles, was er braucht. Mehr Veränderung verkraften wir sowieso nicht. Aber zwei bis drei Veränderungen wären wichtig.
Die Methodik, wie ich da hinkomme, ist für mich das Auswendiglernen von Bibelversen. Ich mache mich nicht immer beliebt, wenn ich das allen Leuten so sage, aber ich kann nur sagen, dass es sich bewährt. Man sieht förmlich, wo der Heilige Geist dran ist. Das macht total Spaß.
Ich weiß, wo der Geist Gottes gerade an meinem Charakter arbeitet. Ich brauche nur die Verse, die ich aktuell auswendig lerne. Das ist etwas, was viele Leute nicht erfahren: Heiligung als etwas ganz Praktisches, runtergebrochen auf echte Themen, die mein Leben betreffen.
Das macht in meinen Augen viel aus, um dran zu bleiben, um dran zu bleiben, weil ich erlebe, wie ich Stück für Stück umgestaltet werde in das Bild Christi.
Das ist wirklich wichtig. Ich kann es nicht anders sagen: Es macht für mich viel aus im Bereich „Wie bleibe ich jünger?“, dass ich kontinuierlich lerne und eben nicht nur Bücher lese. Das können viele Leute machen, dann hast du einen dicken Kopf. Ich lese auch viele christliche Bücher, klar. Auch Bibellesen alleine reicht nicht aus, weil du die gute Gewohnheit brauchst. Am Ende muss praktisch etwas dabei herauskommen.
Wenn Jesus Herr ist, muss er etwas verändern dürfen in meinem Leben.
Das ist ein Punkt.
Jünger werden, jünger bleiben – ich denke, es hat viel damit zu tun, dass ich eine Methodik schaffe, wie ich regelmäßig Gottes Stimme höre, durchdenke, anwende und in mein Leben umsetze.
Wo das der Fall ist, entsteht so viel Gutes, und man erlebt so viel Schönes, dass man gar nicht mehr von Gott weggehen möchte.
Da hörst du es von Jürgen persönlich: Bibelstudium – ja, gutes, altes Bibelstudium, aber mit Sinn und Verstand.
Ich mache mir ständig Gedanken darüber, wie ich dir dein Bibelstudium leichter machen kann, und dafür habe ich diese Karten entworfen. Sie helfen dir, tiefer ins Wort Gottes einzusteigen und Verse aus der Bibel auf dein persönliches Leben anzuwenden.
Das wird gleich bei Jürgen wichtig. Nimm sie dir gern gratis mit. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass du das heute siehst. Das gibt’s alles über den Link unter diesem Video. Klick einfach drauf, und du wirst in derselben Minute freigeschaltet.
Weiter mit Jürgen.
Das zweite Thema wäre Gebet. Gebet ist, glaube ich, sogar noch wichtiger als Bibel. Warum denke ich das? Wenn ich mir anschaue, was der Herr Jesus macht, fällt auf, dass er einerseits unglaublich souverän im Umgang mit dem Wort Gottes ist. Er fragt seine Jünger immer mal wieder: „Habt ihr nicht gelesen?“ Er hat da einen Anspruch an uns.
Aber dann zieht er sich immer wieder zum Gebet zurück. Manchmal nächtelang, wenn sein Erfolg zunimmt oder wenn er schwierige Entscheidungen treffen muss. Er ist jemand, der sich dann tatsächlich ins Gebet zurückzieht.
Wenn ich auf mein Leben schaue, merke ich: Die Qualität meines geistlichen Lebens hängt davon ab, dass ich genug Zeit alleine mit Gott habe. Ich kann das nicht deutlich genug sagen.
Ich denke, viele Christen beten im Alter viel zu wenig und wissen auch nicht, wie sie ihrem Alter gemäß beten sollen.
Der Herr Jesus hat uns das Vaterunser gegeben. Das kann eine gute Struktur sein, und es sollte eine Struktur sein, weil es das Gebet so ordnet, dass meine Seele satt wird.
Die Struktur beinhaltet Anbetung, Fürbitte, Bitte, das Thema Sünde und natürlich auch Weisheit und Bewahrung.
Ich brauche das jeden Tag. Ich brauche es, dass meine Seele durch diese Themen auf intelligente Weise geht. Wenn ich Fürbitte tue, dann tue ich das als jemand, der seit 25 Jahren für Menschen betet. Das muss sich in der Qualität und Menge meiner Anliegen niederschlagen. Ebenso bei der Anbetung: Wenn ich Gott anbeten und bewundern will, muss ich das besser machen als jemand, der Gott gerade erst kennenlernt. Ich muss Themen und Ideen haben, bei denen andere sagen: „Das habe ich noch nie gehört, wie kannst du dafür beten?“
Ich sehe eine große Not: Menschen verbringen nicht genug Zeit alleine mit Gott. Da kommen die Kinder, das Haus wird gebaut, der Job, und das Gebet bleibt oft als Erstes auf der Strecke.
Wo das passiert, ist das geistliche Leben dem Untergang geweiht. Ich kann es nicht anders sagen.
Wenn wir mehr zu tun haben, müssen wir mehr beten. Wenn wir diese Lektion nicht verstanden haben, werden wir auch nicht wissen, wie man in Zeiten der Not die Sorgen bei Gott abgibt, wie man Weisheit vor Gott erfleht, wie man fastet oder im Gebet wacht.
Dann bleibt das kindische Christsein von eigentlich erwachsenen Christen.
Das tut mir weh, aber das führt dazu, dass Leute sehr oberflächliche Beziehungen führen. Das macht etwas mit Jüngerschaft, mit meinem Genuss, wenn ich im Wald bin und bete.
Wenn ich morgens anderthalb bis zwei Stunden alleine mit Gott verbringe, dann ist das der Moment, wo ich Gott genieße. Es ist der Moment, in dem meine Seele alles bekommt, was sie an Erfüllung braucht.
Das ist wie ein romantischer Eheabend. Meine Ehe braucht romantische Abende. Wenn es die eine Weile nicht gibt, verliere ich meine Frau aus dem Blick.
Christen brauchen das Gleiche mit Gott: einen intimen und intelligenten Umgang mit ihm.
An dieser Stelle wird in meinen Augen viel zu wenig in Gemeinden darüber gepredigt, was es heißt, einen reifen und anspruchsvollen Umgang mit Gott zu pflegen und wie wichtig das ist.
Das ist mein zweiter Punkt.
Jünger bleiben heißt für mich, im Gebet zu wachsen, reifer zu werden, mehr zu beten und vielleicht auch besser zu verstehen, wie ich im Gebet die Beziehung zu Gott pflege – nicht nur wie Gott das will, sondern auch wie ich das brauche. Das ist nämlich identisch.
Dann entsteht eine Beziehung, in der du sagst: „Ich kann gar nicht anders, als morgens in den Wald zu gehen. Ich wüsste nicht, wie ich den Tag schaffen sollte, wenn ich das nicht tue. Ich habe viel zu tun, viele herausfordernde Aufgaben. Ich muss das mit Gott besprechen. Ich brauche seinen Segen, seine Nähe. Ich muss vor ihm zur Ruhe kommen.“
Wo Menschen so mit Gott leben, ist Jüngerschaft einfach ganz easy. Das ist das Beste, was dir passieren kann.
Du wolltest wissen, wie man Jünger bleibt? Man geht beten. Nicht nur man betet, sondern man geht beten.
Das finde ich wichtig.
Meine Frau und ich haben bei uns zuhause verschiedene Ecken, wo wir sagen: „Hier gehen wir hin, um zu beten.“ Ein spezieller Sessel oder ein spezieller Tisch – das wird jetzt zu privat –, aber wir sagen: Diese Räume sind fürs Gebet vorgesehen, anders als profane Räume.
Wir gehen bewusst dorthin, nehmen uns 15 bis 20 Minuten oder eine halbe Stunde Zeit.
Du hast von anderthalb bis zwei Stunden gesprochen. Es geht darum, bewusst in den Gebetsraum zu gehen.
Wahrscheinlich tut man im Alter auch mal Buße, wenn man merkt, man ist noch nicht so weit, wie es gut wäre.
Ich war vor kurzem in einer Gemeinde und musste schmunzeln, als dort angekündigt wurde, dass Gebetspaten für die Teenager gesucht werden.
Mein Gedanke war: Wer von den Älteren traut sich, regelmäßig für alle zu beten? Was mache ich in der Gemeinde, wenn die Teenager, die gerade zum Glauben kommen, nicht auf meiner Gebetsliste ganz oben stehen?
Das meine ich mit reifem Gebet: Man überlegt sich, wofür man betet. Ist es nur für den Hauskreis, oder hat man die Gemeindeliste vor Augen?
Es mag Gemeinden geben, die zu groß sind – einverstanden. Aber bei dreihundert, vierhundert Leuten kann man problemlos durchbeten. Nicht an einem Tag, aber in einem Monat. Das geht durchaus, das ist nicht zu wenig.
Oder man betet regelmäßig für Open Doors, für verfolgte Christen, für Missionare, für andere Gemeinden, für Pastoren.
Männer, die in unserer Zeit so angegriffen sind. Man betet für YouTube-Influencer wie dich, dass sie einen vernünftigen Job machen und die richtigen Leute auf die Kanäle kommen.
Das ist wichtig.
Wenn man da anfängt, merkt man: Das nimmt kein Ende.
Deshalb brauchen wir, wenn wir älter sind, länger zum Beten. Das nimmt kein Ende.
Damit mehr Menschen in unserem Land solche wertvollen Botschaften hören, drück gerne die Glocke unten rechts unter diesem Video.
Während du das tust, lass uns hören, was Jürgen zu sagen hat.
Ein ganz wichtiger Punkt für mich.
Der dritte Punkt wäre Gemeinschaft, Gemeinschaft mit Geschwistern.
Ich bleibe jünger, wenn ich in der Gemeinde bleibe, mich aktiv beteilige und meine Gaben einbringe.
Ich lasse zu, dass Gemeindegeschwister mich frustrieren. Das gehört dazu.
Ich brauche diesen Frustfaktor, ich brauche den Streichelfaktor. Ich muss sehen, dass ich gebraucht werde und manchmal auch enttäuscht werde.
Man kann sich fragen: Wäre ich nicht besser ohne Gemeinde dran?
Ich habe mich das oft gefragt. Ich bin vom Typ her jemand, der gut alleine kann, wirklich gut.
Aber ich brauche Gemeinde, Leute, die für mich beten, die mich auffangen.
Gestern saßen wir im Hauskreis zusammen und haben einander gesalbt und füreinander gebetet. Es ist ein relativ großer Hauskreis, dann war die Zeit rum.
Aber einfach in einer Runde zu sitzen, wo man einander salbt, betet und jeder die Karten auf den Tisch legt und sagt: „So geht es mir gerade“ – das ist ein großes Geschenk.
Ohne das kann man nicht leben.
Deshalb ist Gemeinschaft so wichtig, wenn man jünger bleiben will.
Ein Weggang aus Gemeinschaft, wenn Leute sagen: „Ich brauche jetzt eine Gemeindepause“ oder „Ich gehe nur noch alle 14 Tage in den Gottesdienst“ oder „Mitarbeit geht gerade nicht“ – das ist eigentlich der Anfang vom Ende.
Da geht etwas kaputt, was man nicht genau benennen kann.
Der Geist Gottes wirkt durch Gemeinschaft.
Jünger bleiben heißt, sich auf diese schräge Gemeinschaft, die Gemeinde heißt, einzulassen, dran zu bleiben, manchmal zu verzweifeln, manchmal hellauf begeistert zu sein – aber es gehört dazu.
Deshalb kann ich nur sagen: Wie bleibe ich jünger? Kümmer dich ums Bibellesen, ums Gebet und darum, dass du dich in einer guten Gemeinde engagierst.
Ich weiß, das gibt es wahrscheinlich nicht so oft. Es dürfte gar nicht so einfach sein, eine Gemeinde zu finden, in der man sich wohlfühlt.
Das darf aber keine Ausrede sein.
Da darf man auch den einen oder anderen Kompromiss eingehen, um überhaupt eine Gemeinde zu haben.
Das Letzte wäre das Abendmahl.
Immer wieder feiern, was Jesus für mich getan hat.
Immer wieder zurück zu den Wurzeln, immer wieder sagen: „Warum lebe ich eigentlich? Weil ein anderer für mich gestorben ist.“
Das ist erdend und bringt uns immer wieder runter.
Wir können an dieser Stelle so viel neu lernen, was es heißt, gerettet zu sein.
Das ist ganz, ganz wichtig.
Und Abendmahl bitte in Gemeinschaft feiern. Das kann im Hauskreis sein, das kann in der Gemeinde sein.
Dieses Abendmahl feiern und sich umschauen und feststellen: Ich bin Teil eines größeren Ganzen, Teil einer weltweiten Mission, die sich im Hauskreis und in der Gemeinde abbildet.
Darüber freue ich mich.
Ich freue mich, hier sein zu dürfen.
Wir alle treffen uns, weil wir alle dieselbe Vergebung erfahren haben.
Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt.
Ich glaube, das bewahrt uns davor, an diesem Leben zu verzweifeln, zu wissen, dass wir gerettet sind und dass dieses Leben einmal ein Ende haben wird.
Diese vier Dinge sind es in meinem Leben: Ich bleibe am Wort, im Gebet, in Gemeinschaft und ich feiere meinen Herrn Jesus.
Noch eine Anschlussfrage, Jürgen.
Du hast ja schon viel gesehen, viel mit jungen Leuten gearbeitet, kennst Leute aus deiner Generation, und es hat sich viel verändert in den letzten 15, 20 Jahren in Deutschland.
Was würdest du sagen: Wo müssen Christen in den nächsten Jahren besonders aufpassen, damit sie an Herausforderungen nicht verzweifeln, damit die Steine des Anstoßes nicht zu schwer werden und sie trotzdem jünger bleiben?
Ich gehe jetzt nicht auf das Thema Endzeitfahrplan ein, sondern wirklich: Was siehst du für die nächsten Jahre auf uns zukommen?
Ich sehe ganz stark, dass das Thema progressive Theologie die evangelikale Welt zerreißen wird.
Ich sehe, dass Leute, die die Bibel noch für Gottes Wort halten, diffamiert werden, an den Rand gedrängt und zu einer unbedeutenden Größe gemacht werden.
Wir werden dringend Leute brauchen, die Überzeugungen haben.
Wir brauchen wirklich ein supergutes Bibelwissen.
Entschuldigung, wenn das so klingt, als käme es aus den Neunzigern, aber mir fällt nichts Besseres ein.
Wir brauchen Leute, die ihre Bibel kennen, die wissen, was drinsteht, die die Argumente kennen.
Deshalb würde ich jungen Leuten raten – und natürlich auch den Älteren –, aber besonders den jungen, dass sie anfangen, Bibel zu lesen und zu studieren.
Sie sollten sich nicht zu viele Prediger anhören, sondern solche, die Vers für Vers durch biblische Bücher gehen und ihnen einen tiefen Zugang auch zu schwierigen Fragen, hermeneutischen Prinzipien und Literaturgattungen vermitteln.
Sie müssen sprachfähig bleiben in einer Welt, die sich Stück für Stück von ihren christlichen Wurzeln entfernt.
Wenn uns diese Sprachfähigkeit nicht gelingt, wird es wirklich schwierig.
Das Zweite, was wir dringend brauchen, ist eine Theologie des Leids.
Wir müssen uns damit beschäftigen, was die Bibel über Leid sagt.
Wir brauchen meiner Meinung nach einen neuen Zugang zu den Psalmen.
Wir sind ein Stück verseucht von dem Gedanken, dass Christsein glücklich macht.
Wenn ich die Psalmen lese, stelle ich fest, dass etwa zwei Drittel der Psalmen Momente spiegeln, in denen der Psalmist nicht glücklich ist.
Das ist etwas, was in unserer christlichen Kultur kaum noch sein darf.
Dass wir nicht glücklich sind.
Gott wird oft so gesehen, als müsse er wie ein Glückskeks in unser Leben sprechen und uns etwas Gutes geben.
Gott muss uns das geben, was wir uns wünschen.
Und wenn ich traurig bin, muss ich bei Gott Trost finden.
Aber was, wenn ich den nicht finde?
Was passiert, wenn Menschen die Erwartung an Gott haben, dass er ihnen Glück, Spaß, Erfüllung und Selbstverwirklichung bringt – all das, was die Welt uns sowieso schon in die DNA reingeschrieben hat – und dann sagt Gott: „Ich habe da eine Hiob-Idee für dein Leben. Ich brauche jemanden, der ein paar Jahre leidet. Bist du dabei?“
Wir brauchen eine Theologie des Leids, die von den Psalmen herkommt.
Wir brauchen, dass die Psalmen unser Gefühlsleben prägen dürfen, wie die ganze Schrift unsere Intellektualität prägt.
Davon bin ich überzeugt.
Das muss erst mal sacken, und das geht vielen Zuschauern und Zuhörern hier wahrscheinlich genauso.
Ich stelle noch eine letzte Frage.
Jürgen, jetzt hören dir gerade viele Leute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu.
Du bist in diesen Ländern umfangreich tätig gewesen.
Was würdest du sagen: Wofür sollten Christen aus diesen drei Ländern besonders beten in den nächsten Monaten und Jahren?
Wir sollten dafür beten, dass Christen wirklich den Willen Gottes für ihr Leben erkennen.
Wir sollten dafür beten, dass Erweckung geschieht und das Wort Gottes läuft.
Und wir sollten, wie die Bibel in 1. Timotheus 2 sagt, für unsere Regierungen beten.
Wir brauchen das in dieser schwierigen Zeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen dürfen.
Wir sollten nie für selbstverständlich halten, dass wir als Christen Gottesdienste feiern dürfen, dass wir gemeinnützig sind und dass all das noch möglich ist.
Dafür sollten wir beten, dass das bleibt, dass Gott uns in diese Zeit hinein eine Schneise der Wirksamkeit schenkt und wir erleben dürfen, dass durch unser Zeugnis und Vorbild, weil wir im Willen Gottes unterwegs sind und für Menschen beten, das Reich Gottes gebaut wird.
Wir dürfen damit nicht aufhören, uns nicht verstecken und nicht denken, dass jetzt Endzeit ist und sowieso nichts mehr geht.
Wir müssen treu und stetig weiter in die Gesellschaft hineinwirken – Stück für Stück.
Dafür würde ich beten.
Das sind Dinge, die man immer beten kann, aber sie werden in den nächsten Jahren bestimmt nicht weniger wichtig.
Praktische Umsetzung: Bibelverse auswendig lernen und im Alltag anwenden
Jürgen, da müssen wir mal ganz kurz Stopp machen. Da fasse ich mir gerade sehr an die eigene Nase. Wir haben bei uns in der Gemeinde einen tollen Pastor, der ein begnadeter Prediger ist, bibeltreu und alles – also wirklich ganz, ganz tolle Predigten hält. Trotzdem bin ich ganz selbstkritisch. Ich hoffe, er sieht das nicht. Es passiert mir häufig, dass ich nicht acht Wochen lang zum Beispiel auf seinen Predigten rumkaue.
Und wahrscheinlich nur, nein, nein, nein – wahrscheinlich machst du das nur, weil du keine Methodik hast. Also ich mache zum Beispiel Folgendes: Wenn ich ein gutes Buch lese, ein tolles Gespräch habe oder eine schöne Predigt höre und den Eindruck habe, dass der Geist Gottes mich anpingt, dann schreibe ich mir den Bibelvers auf und lerne ihn auswendig. Das ist gut, ja.
Weil ich extrem schlecht auswendig lerne, habe ich mehrere Wochen Zeit, über diesen Vers nachzudenken. Der Clou ist: Oft braucht es sechs oder acht Wochen, bis ich mit einem Vers oder mit einem Konzept so vertraut bin, dass ich mir dann die Frage stelle, wie ich das umsetzen kann.
Das Umsetzen selbst mache ich dann so, dass ich sage: Ich mache ein Experiment. Ich will nicht gleich mein ganzes Leben umkrempeln, sondern suche mir einfach eine kleine Anwendung. Wie könnte ich das machen? Und ich schaue mal, was passiert. So lebe ich mein Leben.
Wenn mich jemand fragt, wie viel ich noch in der Bibel lese, sage ich: Meine stille Zeit besteht im Wesentlichen darin, dass ich jeden Tag zwanzig bis dreißig Bibelverse wiederhole und darüber nachdenke. Einzelne Verse, die ich ausgewählt habe, stecken in einem Programm, das auf die Wiederholung von Bibelversen spezialisiert ist. Da denke ich dann drüber nach.
Dann nehme ich mir eine halbe bis dreiviertel Stunde jeden Tag Zeit, um über diese Verse einfach in Ruhe nachzudenken und tatsächlich Gott zu fragen: Was bedeutet der Vers? Was soll ich mit dem Vers machen? Und das ist genial. Auf diese Weise verliere ich tatsächlich keinen Impuls.
Stimmt, das habe ich noch nie so wahrgenommen. Und jetzt gehst du noch einen Schritt weiter. Ich mache das seit 25 Jahren. Das heißt, ich habe Impulse, die zwanzig Jahre alt sind. Vor zwanzig Jahren habe ich eine Predigt gehört, und die hat mich dazu gebracht, einen Vers auswendig zu lernen. Dieser Vers ist irgendwo in meinem Leben Fleisch geworden.
Wir sind ja als Christen dazu berufen, genauso Inkarnation des Wortes zu sein wie der Herr Jesus – nur auf eine etwas andere Weise. In dem Moment, in dem dieser Vers wiederkommt, habe ich eine Wiederholfrequenz von 180 Tagen. Das heißt, alle 180 Tage kommt jeder Vers mal wieder vorbei.
Dann denke ich darüber nach: Mache ich das noch? Ist das noch präsent? Bin ich da noch in der Spur? Auf diese Weise gibt es bei mir permanent eine Korrektur in Richtung Lernen. Jeder neue Impuls, der reinkommt, wird durchdacht und vielleicht umgesetzt. Vieles wird auch gar nicht umgesetzt, sondern einfach nur gelernt im Sinne von: „Hey, gut zu wissen, das brauche ich vielleicht mal für ein seelsorgerliches Gespräch oder für eine Bibelfrage, die jemand anders hat.“ Aber das ist ja auch egal.
Ich nehme mal den Druck raus: Wenn jeder Christ jedes Jahr zwei bis drei gute neue Gewohnheiten in sein Leben einbringt, hat er alles, was er braucht. Mehr Veränderung verkraften wir sowieso nicht. Aber die zwei bis drei Veränderungen wären einfach wichtig.
Die Methodik, wie ich da hinkomme, geht für mich über das Auswendiglernen von Bibelversen. Ich mache mich da auch nicht immer beliebt, wenn ich das allen Leuten so sage. Aber ich kann nur sagen, dass es sich bewährt, weil man förmlich sieht, wo der Heilige Geist dran ist. Das macht total Spaß.
Ich kann dir sagen: Ich weiß, wo der Geist Gottes jetzt in diesem Moment an meinem Charakter am Schleifen ist. Ich brauche nur die Verse durchzugehen, die ich aktuell auswendig lerne. Das ist etwas, was viele Leute nicht erfahren: Heiligung als etwas ganz Praktisches, heruntergebrochen auf wirklich echte Themen, die mein Leben betreffen.
Das macht in meinen Augen viel aus, um dran zu bleiben. Dranzubleiben, weil ich erlebe, wie ich Stück für Stück umgestaltet werde in das Bild Christi. Und das ist wirklich wichtig.
Also ich kann es nicht anders sagen: Das macht für mich viel, viel aus im Bereich Wie bleibe ich jünger, dass ich kontinuierlich lerne und eben nicht nur Bücher lese. Das können viele Leute machen, dann hast du einen dicken Kopf. Ich lese auch viele christliche Bücher, klar.
Auch Bibellesen alleine reicht da nicht aus, weil du die gute Gewohnheit brauchst. Am Ende muss praktisch etwas bei rauskommen. Wenn Jesus Herr ist, muss er etwas verändern dürfen in meinem Leben.
Die Bedeutung des Gebets für geistliches Wachstum
Na ja, das ist ein Punkt. Ja, jünger werden, jünger bleiben. Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass ich eine Methodik entwickle, wie ich regelmäßig Gottes Stimme höre, durchdenke, anwende und im Leben umsetze. Wo das der Fall ist, entsteht einfach so viel Gutes. Man erlebt so viel Schönes, dass man gar nicht mehr von Gott weggehen möchte.
Da hörst du es von Jürgen persönlich: Bibelstudium – ja, gutes, altes Bibelstudium, aber mit Sinn und Verstand. Ich mache mir ständig Gedanken darüber, wie ich dir dein Bibelstudium leichter machen kann. Dafür habe ich dir diese Karten hier entworfen. Sie helfen dir, tiefer in das Wort Gottes einzusteigen. Außerdem zeigen sie dir, wie du Verse aus der Bibel auf dein persönliches Leben anwenden kannst. Das wird gleich wichtig bei Jürgen.
Nimm sie dir gern gratis mit. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass du das heute siehst. Das gibt es alles über den Link unter diesem Video. Klick einfach drauf, und du wirst in derselben Minute freigeschaltet.
Und weiter mit Jürgen: Das zweite Thema wäre Gebet. Ich glaube, Gebet ist sogar noch wichtiger als die Bibel. Warum denke ich das? Also, ich denke das, weil wenn ich mir anschaue, was der Herr Jesus macht, dann fällt auf, dass er auf der einen Seite natürlich unglaublich souverän im Umgang mit dem Wort Gottes ist. Er fragt seine Jünger immer mal wieder: „Habt ihr nicht gelesen?“ Er hat da schon einen Anspruch an uns.
Aber dann merke ich auch, dass er sich immer wieder zum Gebet zurückzieht. Er macht das zum Teil nächtelang. Er tut es, wenn sein Erfolg zunimmt oder wenn er schwierige Entscheidungen zu fällen hat. Er ist jemand, der sich dann tatsächlich zurückzieht ins Gebet.
Wenn ich auf mein Leben schaue, merke ich: Die Qualität meines geistlichen Lebens hängt davon ab, dass ich genug Zeit alleine mit Gott habe. Und ich kann das nicht deutlich genug sagen. Ich denke, viele Christen beten im Alter viel zu wenig und wissen auch nicht, wie sie ihrem Alter gemäß beten.
Der Herr Jesus hat uns das Vaterunser gegeben. Das kann eine gute Struktur sein, es sollte eine Struktur sein, weil es Gebet so strukturiert, dass meine Seele satt wird. Die Struktur beinhaltet Anbetung, Fürbitte, Bitte, dann das Thema Sünde und natürlich auch die Themen Weisheit und Bewahrung.
Ich brauche das jeden Tag. Jeden Tag muss meine Seele durch diese Themen auf eine intelligente Weise gehen. Also so, dass ich sage: Wenn ich Fürbitte tue, dann tue ich das als jemand, der seit 25 Jahren für Menschen betet. Das muss sich in der Qualität und in der Menge meiner Anliegen niederschlagen. Das muss ich in meiner Organisation berücksichtigen.
Das Gleiche gilt für Anbetung. Wenn ich Gott anbete, wenn ich ihn bewundere, dann muss ich das besser machen können als jemand, der gerade anfängt, Gott kennenzulernen. Ich muss Themen und Ideen dabei haben, bei denen ein anderer sagt: „Das habe ich noch nie gehört, wie kannst du dafür beten?“ Logisch.
Und da sehe ich auch eine große Not: Dass Menschen nicht genug Zeit alleine mit Gott verbringen. Da kommen die Kinder, das Häuschen wird gebaut, der Job – und das Gebet bleibt oft als Erstes auf der Strecke. Wo das passiert, ist das geistliche Leben eigentlich dem Untergang geweiht. Ich kann das nicht anders sagen.
Wenn wir mehr zu tun haben, dann müssen wir mehr beten. Wenn wir diese Lektion nicht verstanden haben, werden wir wahrscheinlich auch nicht verstehen, was es heißt, in Zeiten der Not die Sorgen bei Gott abzugeben. Wir werden nicht wissen, was es heißt, Weisheit vor Gott zu erflehen. Wir werden nicht wissen, was es heißt, zu fasten oder zu wachen im Gebet, weil uns kein Anliegen so wichtig wird, dass wir je auf den Gedanken gekommen wären, das mal auszuprobieren. Und das ist dann einfach kindisches Christsein von eigentlich erwachsenen Christen. Das tut mir weh.
Aber das führt dazu, dass Leute sehr oberflächliche Beziehungen führen. Das macht etwas mit Jüngerschaft, das macht etwas damit, wie ich Jesus erlebe. Ich formuliere es mal so: Es macht etwas mit meinem Genuss, wenn ich im Wald bin und bete. Ich habe morgens ungefähr anderthalb bis zwei Stunden alleine mit Gott. Das ist der Moment, wo ich Gott genieße. Es ist der Moment, in dem meine Seele alles bekommt, was sie an Erfüllung braucht.
Es ist so, als wäre es ein romantischer Eheabend. Meine Ehe braucht romantische Eheabende. Wenn es die eine Weile nicht gibt, verliere ich meine Frau aus dem Blick. Christen brauchen das Gleiche mit Gott. Wir brauchen einen intimen und eben auch intelligenten Umgang mit Gott.
An dieser Stelle wird in meinen Augen viel zu wenig in Gemeinden darüber gepredigt, was es heißt, einen reifen, auch anspruchsvollen Umgang mit Gott zu pflegen und wie wichtig das ist. Logisch.
Das wäre so mein zweiter Punkt: Jünger bleiben heißt für mich, im Gebet zu wachsen, reifer zu werden, mehr zu beten und vielleicht auch mehr zu verstehen, was es heißt, im Gebet die Beziehung zu Gott so zu pflegen – nicht nur, wie Gott das will, sondern auch, wie ich das brauche. Das ist nämlich identisch.
Dann entsteht einfach eine Beziehung, bei der du sagst: Ich kann gar nicht anders, als morgens in den Wald zu gehen. Ich kann gar nicht anders. Ich wüsste nicht, wie ich den Tag schaffen sollte. Keine Ahnung, wie das geht, wenn andere Leute das nicht machen. Ich habe viel zu tun, viele herausfordernde Aufgaben. Ich muss das mit Gott besprechen, ich brauche seinen Segen, ich brauche seine Nähe, ich muss irgendwie vor ihm zur Ruhe kommen.
Wo das passiert, wo Menschen so mit Gott leben, da ist Jüngerschaft einfach ganz easy. Das ist das Beste, was dir passieren kann.
Du wolltest wissen, wie man Jünger bleibt? Man geht beten. Man geht beten, nicht nur man betet, sondern man geht beten. Das finde ich noch mal wichtig.
Meine Frau und ich zum Beispiel haben bei uns zuhause wirklich verschiedene Ecken, wo wir sagen: „Hey, da gehen wir hin, um zu beten.“ Ein spezieller Sessel zum Beispiel oder ein spezieller Tisch. Das wird jetzt zu privat, aber wir sagen wirklich: Diese Räume sind nochmal anders fürs Gebet vorgesehen als profane Räume. Wir sagen: Da gehen wir hin.
Nicht nur, dass man im Alltag am Tisch oder wo auch immer beten könnte, das ist gar nicht das Thema. Aber man sagt wirklich: Ich gehe wohin, um zu beten. Ich finde das noch mal wichtig, dass man sich das wirklich vornimmt für die nächsten 15, 20 Minuten, vielleicht eine halbe Stunde. Du hast von anderthalb bis zwei Stunden gesprochen, aber man sagt bewusst: Ich gehe da jetzt rein.
Und man tut wahrscheinlich im Alter auch mal Buße, wenn man merkt, man ist da noch nicht so weit, wie es gut wäre.
Ich war vor kurzem in einer Gemeinde und musste richtig schmunzeln. Da wurde von vorne angesagt: „Wir suchen Gebetspaten für unsere Teenager in der Gemeinde. Hätte jemand Lust, für einen Teenager zu beten?“ Weißt du, was mein Gedanke war? Mein Gedanke war: Wer von den Älteren hier traut sich, vor Gott nicht regelmäßig für alle zu beten?
Ich meine, was mache ich denn in der Gemeinde, wenn die Teenager, die gerade zum Glauben kommen, nicht auf meiner Gebetsliste ganz oben stehen? Genau das meine ich mit reifem Gebet: Man überlegt einfach mal, wofür man eigentlich betet. Ist es nur mein Hauskreis, oder habe ich die Gemeindeliste vor Augen?
Es mag Gemeinden geben, die zu groß sind, ja, einverstanden. Aber so, ich sage mal, dreihundert, vierhundert Leute kann man problemlos durchbeten – nicht an einem Tag, aber so in einem Monat. Das geht durchaus, das ist nicht zu wenig.
Oder man betet für Open Doors, regelmäßig für verfolgte Christen. Man hat seine Missionare, für die man betet, man betet für andere Gemeinden. Man betet für Pastoren. Mann, die sind so angegriffen in unserer Zeit. Man betet für YouTube-Influencer wie dich, dass sie einen vernünftigen Job machen, dass die richtigen Leute auf die YouTube-Kanäle gehen. Das ist einfach wichtig, dass wir dafür beten.
Und wenn man da anfängt, dann stellt man fest: Das nimmt ja gar kein Ende. Deshalb brauchen wir, wenn wir älter sind, auch länger zum Beten. Das nimmt kein Ende. Das ist mal eine Aussage.
Damit mehr Menschen in unserem Land solche wertvollen Botschaften hören, drück gerne die Glocke hier unten rechts unter diesem Video. Während du das tust, lass uns mal hören, was Jürgen zu sagen hat.
Gemeinschaft als unverzichtbarer Faktor für dauerhafte Jüngerschaft
Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt: Gemeinschaft, Gemeinschaft mit Geschwistern.
Ich bleibe jünger, wenn ich in der Gemeinde bleibe, wenn ich mich aktiv an der Gemeinde beteilige und meine Gaben einbringe. Auch wenn ich es zulasse, dass Gemeindegeschwister mich manchmal frustrieren – das gehört einfach dazu. Ja, ich brauche diesen Frustfaktor und auch den Streichelfaktor. Ich muss sehen, dass ich gebraucht werde, aber manchmal auch „verarscht“ werde. Das gehört irgendwie alles dazu.
Man kann sich die Frage stellen: Wäre man nicht besser ohne Gemeinde dran? Diese Frage habe ich mir wirklich oft gestellt. Dann dachte ich mir: Nein. Ich bin zwar vom Typ her jemand, der gut alleine kann – wirklich gut alleine –, aber ich brauche Gemeinde. Ich brauche Leute, die für mich beten, die mich auffangen.
Gestern saßen wir im Hauskreis zusammen. Wir haben einander gesalbt und füreinander gebetet. Es ist ein relativ großer Hauskreis, und dann war auch die Zeit rum. Aber weißt du, einfach in einer Runde zu sitzen, in der man einander salbt und betet und jeder die Karten auf den Tisch legt und sagt: „So geht es mir gerade“ – das ist einfach ein so großes Geschenk. Ohne das kannst du nicht leben.
Deshalb ist Gemeinschaft so wichtig, wenn man jünger bleiben will. Ein Weggang aus der Gemeinschaft – wenn Leute sagen: „Ach, ich brauche jetzt eine Gemeindepause“ oder „Ich gehe jetzt nur noch alle 14 Tage in den Gottesdienst“ oder „Mitarbeit geht gerade nicht“ – das ist eigentlich der Anfang vom Ende. Da geht etwas kaputt, und man kann gar nicht genau sagen, was da kaputtgeht. Aber der Geist Gottes wirkt durch Gemeinschaft.
Jünger bleiben tatsächlich die, die sich auf diese „schräge“ Gemeinschaft, die sich Gemeinde nennt, einlassen. Einlassen, dranbleiben. Wie gesagt: Manchmal an dieser Gemeinschaft verzweifeln und manchmal einfach nur hellauf begeistert sein – aber es gehört dazu.
Deshalb kann ich nur sagen: Wie bleibe ich jünger? Kümmere dich ums Bibellesen, ums Gebet und darum, dass du dich in einer guten Gemeinde engagierst. Ich weiß, das gibt es wahrscheinlich nicht so oft. Ich vermute, dass es gar nicht so einfach ist, eine Gemeinde zu finden, in der man sich wohlfühlt. Das darf aber keine Ausrede sein. Und da darf man auch den ein oder anderen Kompromiss eingehen, um überhaupt eine Gemeinde zu haben.
Die Bedeutung des Abendmahls für die geistliche Verankerung
Und das Letzte wäre dann das Abendmahl. Immer wieder feiern, was Jesus für mich getan hat – immer wieder zurück zu den Wurzeln, immer wieder sagen: Warum lebe ich eigentlich? Weil ein anderer für mich gestorben ist.
Das ist so erdend und bringt uns immer wieder runter. An dieser Stelle können wir so viel neu lernen, neu verstehen, was es heißt, gerettet zu sein. Das ist ganz, ganz wichtig.
Und das Abendmahl bitte in Gemeinschaft feiern. Das kann im Hauskreis sein oder in der Gemeinde. Dieses Abendmahl zu feiern und sich dabei umzuschauen, um festzustellen: Ich bin Teil eines größeren Ganzen. Ich bin Teil einer weltweiten Mission, die sich in meinem Hauskreis und in meiner Gemeinde widerspiegelt.
Darüber freue ich mich. Ich freue mich, dass ich hier sein darf. Und wir alle treffen uns, weil wir alle dieselbe Vergebung erfahren haben – ein ganz, ganz wichtiger Punkt.
Ich glaube, das bewahrt uns davor, an diesem Leben zu verzweifeln. Zu wissen, dass wir gerettet sind, und zu wissen, dass dieses Leben einmal ein Ende haben wird.
Diese vier Dinge sind es, würde ich sagen – zumindest in meinem Leben: Ich bleibe am Wort, im Gebet, in Gemeinschaft, und ich feiere meinen Herrn Jesus.
Herausforderungen für Christen in der heutigen Zeit und Ausblick
Noch eine Anschlussfrage, Jürgen. Was würdest du sagen, wo du ja schon so viel gesehen hast? Du hast viel mit jungen Leuten gearbeitet und kennst Menschen aus deiner Generation. In den letzten 15, 20 Jahren hat sich in Deutschland ja auch sehr viel verändert.
Was würdest du aus dem Bauch heraus sagen, wo wir Christen in den nächsten Jahren besonders aufpassen müssen? Damit wir an diesen Herausforderungen nicht verzweifeln und die Steine des Anstoßes nicht zu groß werden. Wie können wir trotz all der Dinge, die kommen, jung bleiben? Ich meine nicht das Thema Endzeitfahrplan oder Ähnliches, sondern wirklich: Was siehst du in den nächsten Jahren auf uns zukommen?
Ich sehe ganz stark, dass das Thema progressive Theologie die evangelikale Welt zerreißen wird. Ich sehe, dass Leute, die die Bibel noch als Gottes Wort ansehen, diffamiert werden. Man wird sie an den Rand drängen und zu einer unbedeutenden Größe machen wollen. An dieser Stelle werden wir ganz dringend Menschen brauchen, die Überzeugungen haben. Wir brauchen wirklich ein sehr gutes Bibelwissen.
Entschuldigung, wenn ich das so sage – das klingt irgendwie wie aus den Neunzigern, aber mir fällt nichts Besseres ein. Wir brauchen Leute, die ihre Bibel kennen, die wissen, was darin steht, und die die Argumente kennen. Deshalb würde ich jungen Menschen tatsächlich raten – und natürlich auch den Älteren –, dass sie anfangen, die Bibel zu lesen und zu studieren. Sie sollten sich nicht zu viele Prediger anhören, sondern solche, die Vers für Vers durch biblische Bücher gehen und einen tiefen Zugang vermitteln. Auch zu schwierigen Fragen, hermeneutischen Prinzipien, Literaturgattungen und Ähnlichem. So bleiben sie sprachfähig in einer Welt, die sich Stück für Stück von ihren christlichen Wurzeln entfernt.
Wenn uns diese Sprachfähigkeit nicht gelingt, wird es wirklich schwierig.
Das Zweite, was wir ganz dringend brauchen, ist eine Theologie des Leids. Wir müssen uns damit beschäftigen, was die Bibel über Leid sagt. Wir brauchen meiner Meinung nach einen ganz neuen Zugang zu den Psalmen. Wir sind ein Stück weit verseucht von dem Gedanken: Christsein macht glücklich. Doch wenn ich die Psalmen lese, dann stelle ich fest – ich habe es noch nicht gezählt, muss ich mal machen –, aber ich würde sagen, die Hälfte oder eher zwei Drittel aller Psalmen spiegeln Momente wider, in denen der Psalmist nicht glücklich ist.
Das ist etwas, das in unserer Kultur, gerade in der christlichen, eigentlich gar nicht mehr sein darf: dass wir nicht glücklich sind. Gott ist doch der, der wie ein Glückskeks in mein Leben hineinredet und mir etwas Gutes sagen muss. Gott muss mir doch all das geben, was ich mir wünsche. Und wenn ich mal traurig bin, dann muss ich doch bei Gott Trost finden. Aber was ist, wenn ich das nicht finde? Was dann?
Das ist die Frage, die ich habe: Was passiert, wenn Menschen die Erwartung an Gott haben, dass er ihnen Glück, Spaß, Erfüllung und Selbstverwirklichung bringt – all das, was die Welt uns sowieso schon in unsere Zeitgeist-DNA reingeschrieben hat – und dann kommt Gott und sagt: „Ich habe da so eine Hiob-Idee für dein Leben. Ich brauche jemanden, der mal ein paar Jahre leidet. Wie sieht es aus, bist du dabei?“
Wir brauchen eine Theologie des Leids, und die muss von den Psalmen herkommen. Wir brauchen, dass die Psalmen unser Gefühlsleben prägen dürfen, so wie die ganze Schrift unsere Intellektualität prägt. Davon bin ich überzeugt.
Das muss erst einmal sacken. Ich muss das im Nachgang sacken lassen, und vielen Zuschauern und Zuhörern hier geht es wahrscheinlich genauso.
Gebetsanliegen für Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Ich stelle noch eine letzte Frage. Jürgen, gerade hören dir viele Leute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu. Du bist in diesen Ländern umfangreich tätig gewesen. Was würdest du sagen: Wofür sollten Christen aus diesen drei Ländern besonders in den nächsten Monaten und Jahren beten? Wofür sollten wir beten?
Nun, wir sollten dafür beten, dass die Christen wirklich den Willen Gottes für ihr Leben erkennen. Wir sollten beten, dass Erweckung geschieht und dass das Wort Gottes wirksam verbreitet wird.
Außerdem sollten wir, wie die Bibel in 1. Timotheus 2 sagt, für unsere Regierungen beten. Gerade in dieser schwierigen Zeit brauchen wir das, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen dürfen. Wir sollten niemals als selbstverständlich ansehen, dass wir als Christen Gottesdienste feiern können, dass wir gemeinnützig tätig sein dürfen und dass all das noch möglich ist. Dafür sollten wir beten, dass das so bleibt.
Wir sollten beten, dass Gott uns in diese Zeit hinein eine Schneise von Wirksamkeit schenkt. Dass wir erleben dürfen, wie durch uns, durch unser Zeugnis und unser Vorbild, das Reich Gottes gebaut wird. Das ist möglich, weil wir im Willen Gottes unterwegs sind, für Menschen beten und weil wir noch in der Gesellschaft wirken dürfen.
Wir dürfen damit einfach nicht aufhören. Wir dürfen uns jetzt nicht verstecken und nicht denken, dass jetzt Endzeit ist und eh nichts mehr geht. Wir müssen treu und stetig weiter in die Gesellschaft hineinwirken – Stück für Stück.
Dafür würde ich beten. Ich glaube, das ist wichtig. Diese Dinge kann man immer beten, aber in den nächsten Jahren werden sie bestimmt nicht weniger wichtig.
