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Vom Fasten - Teil 4

Jesu Leben und Lehre, Teil 139/696
18.05.2022Matthäus 9,14-15
SERIE - Teil 139 / 696Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 139: Vom Fasten, Teil vier.

Die Frage nach dem Warum geistlicher Übungen

Gestern endeten wir mit der Frage: Was offenbart mein religiöses Tun über mein Herz? Wenn ich faste, Bibel lese, bete, den Gottesdienst besuche oder mich an Gottes Gebote halte – warum tue ich das eigentlich?

Versteht mich an dieser Stelle bitte nicht falsch: Ich muss nicht immer Lust auf geistliche Übungen haben. Mein Fleisch wird sich immer erst einmal querstellen, wenn es darum geht, das Gute zu tun. Deshalb bin ich sehr für gute geistliche Gewohnheiten.

Mir geht es jetzt nicht um Gefühle, denn Gefühle sind kein Ausdruck von Authentizität. Geistliches Leben wird nur gelingen, wenn ich meinen inneren Schweinehund überwinde. Nicht umsonst ist Disziplin eine Frucht des Geistes.

Trotzdem muss ich die Frage stellen dürfen: Warum lebe ich mit Gott genau auf die Weise, wie ich es tue? Lasst mich dazu ein simples Beispiel bringen: meinen Eheabend. Warum mache ich bewusst einmal in der Woche einen Eheabend? Und darauf gibt es verschiedene Antworten.

Falsche und wahre Motive am Beispiel des Eheabends

Zuerst einmal drei falsche Antworten: Ich mache einen Eheabend, weil meine Frau es will. Oder: Ich mache ihn, weil ich anderen gepredigt habe, dass ein guter Ehemann einmal in der Woche einen Eheabend machen soll. Oder: Ich mache ihn aus Gewohnheit. Früher hatte die Sache noch Sinn, aber inzwischen ist es halt nur noch ein Termin im Kalender.

Das sind falsche Antworten auf die Frage: Warum mache ich einen Eheabend?

Jetzt übertragen wir diese Antworten auf das Gebet. Warum bete ich? Die falschen Antworten könnten sein: Ich bete, weil Gott es will. Oder: Ich bete, weil man das von einem Christen erwartet. Oder: Ich bete, weil ich daran gewöhnt bin, morgens kurz mit Gott zu reden.

Versteht ihr, das sind falsche Antworten.

Also, warum mache ich einen Eheabend? Weil es eine Zeit ist, um in die Seele meiner Frau zu schauen, mich neu in sie zu verlieben und sie zu bewundern. Und weil ich dafür sorgen möchte, dass unsere Ehe ihren Schwung behält.

Die Bedürfnisse meiner Frau, mein Vorbild für andere und der regelmäßige Termin können ein Anreiz sein, den Eheabend durchzuführen. Aber sie sind nicht das Warum.

Ein Eheabend ist kein Selbstzweck. Ich mache ihn nicht, nur um ihn gemacht zu haben. Er dient dazu, eine Beziehung zu vertiefen. Beim Gebet ist das übrigens genauso.

Fasten im Kontext der Gegenwart und Zukunft

Aber zurück zum Fasten. Warum fasten die Jünger Jesu nicht? In Matthäus 9,14-15 heißt es: Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und fragen: „Warum fasten wir und die Pharisäer oft, deine Jünger aber fasten nicht?“ Jesus antwortet ihnen: „Können etwa die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten.“

Der Herr Jesus sagt also, dass Fasten im Moment für die Jünger nicht angebracht ist. Fasten ist keine religiöse Übung, die man einfach macht, weil man denkt, Gott wolle es so, oder um in der eigenen religiösen Gruppe nicht negativ aufzufallen. Auch sollte man nicht fasten, nur weil es zur Gewohnheit geworden ist.

Mein Fasten bringt oder soll zum Ausdruck bringen, wie ich die Zeit beurteile, in der ich lebe. Jesus sagt: „Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten.“ Warum also soll ich fasten? Weil ich zu den Zurückgelassenen gehöre.

Während der Herr Jesus schon zur Rechten Gottes sitzt, sind wir nämlich noch auf der Erde. Einem Planeten, der mit den Worten des Apostels Johannes „im Bösen liegt.“

Die heutige Fastenpraxis und ihre Ursachen

Wenn Fasten ein Ausdruck von Betroffenheit und Ernsthaftigkeit ist, dann drängt sich die Frage auf, warum es heute so wenige Christen tun. Die Antwort liegt auf der Hand: Weil sie nicht betroffen sind.

Wir fasten kaum noch, weil wir die Not um uns herum nicht spüren und auch nicht begreifen, welche Verantwortung wir in dieser Welt haben. Bitte seht mir nach, wenn ich vielleicht etwas zu pauschal formuliere. Ich will niemanden verurteilen, sondern nur meine Überraschung ausdrücken.

Haben wir nicht allen Grund, betroffen zu sein? In Deutschland kommen kaum noch Menschen zum Glauben. In Europa wird Krieg geführt, Irrlehre nimmt über YouTube Überhand, christliche Ehen zerbrechen. Wie viele Katastrophen braucht es denn noch, bis wir die Hände falten, flehen und fasten?

Die Jünger der Pharisäer und die Jünger des Johannes fasten weiter, obwohl gerade Freude angesagt war. Wir fasten nicht, obwohl gerade Trauer angesagt ist.

So, wie wir ihnen völlig zu Recht vorwerfen können, dass sie aus einer Herzenssache eine Regel gemacht haben, so kann man uns wohl zu Recht vorwerfen, dass wir gar kein Herz haben.

Fasten als Ausdruck von Betroffenheit und Gebet

Warum soll man fasten? Die Betroffenheit über die Zustände der Welt, über ihre Nöte und unsere eigene gespürte Hilflosigkeit treibt mich in ernsthaftes Gebet. Ernsthaftes Gebet geht dabei oft Hand in Hand mit Fasten. Mein Verzicht auf Essen und Trinken unterstreicht nur, wie wichtig mir die Anliegen sind, die ich vor Gott bringe.

Die Jünger der Pharisäer und die Jünger des Johannes fasteten, obwohl es keinen besonderen Grund dafür gab. Wir fasten heute nicht, obwohl es mehr als genug Gründe dafür gibt. Woran liegt das? Die Antwort scheint mir auf der Hand zu liegen: Die Not dieser Welt geht uns einfach am Popo vorbei. Wir fühlen uns nicht verantwortlich.

Und wir – ich schließe mich da gern mit ein – haben es uns ganz gemütlich gemacht. Nichts da von wegen „Wir sind auf der Durchreise“. Unser Leben dreht sich oft genug um unsere kleine Welt. Für Fasten ist da nur ganz wenig Platz.

Es sei denn, es wird als religiöse Übung praktiziert, so ein paar Wochen vor Ostern. Dann verzichten Christen plötzlich auf Schokolade, Kaffee oder Alkohol. Nicht, weil sie aus Betroffenheit über die Zustände der Welt fasten, sondern weil es eine banale religiöse Übung ist. Eine Tradition, die das Osterfest einleitet. Und gesund ist es ja auch noch.

Die Banalisierung des Fastens und die Frage nach dem Herzen

Versteht ihr, wir banalisieren das Fasten, so wie wir den Umgang mit der Bibel, die Gemeinschaft oder das Gebet banalisieren. Wir stellen nicht mehr in letzter Konsequenz die Warum-Frage. Und ich ahne, woran das liegt: Sie würde unser Herz offenbaren.

Oft genug suchen wir nämlich nicht den Tiefgang, sondern unsere Ruhe. Wir sind bereit, Gott etwas Religiosität zu schenken, aber nicht unser Herz. Diese Entwicklung ist leider so normal.

Schon in einem der frühesten christlichen Dokumente lesen wir: Didache 8,1: "Bei eurem Fasten haltet es aber nicht mit den Heuchlern, denn diese fasten nämlich am zweiten und fünften Tag nach dem Sabbat, das heißt am Montag und Donnerstag, ihr aber sollt fasten am vierten Tag und am Rösttag, das heißt am Mittwoch und am Freitag."

Wenn man das liest, kann man sich nur die Augen reiben. Ging es Jesus wirklich darum, dass wir nicht an denselben Tagen fasten wie die Rabbiner? Und wenn die am Montag und Donnerstag fasten, dann fasten wir halt am Mittwoch und am Freitag? Wohl kaum.

Aber leider ist das der Trend: Fasten als religiöse Übung.

Abschlussgedanken und Einladung zur Selbstreflexion

Und deshalb möchte ich dir zum Abschluss dieser Episode noch einmal eine Frage stellen: Was offenbart dein Umgang mit dem Thema Fasten über dein Herz? Oder um das Thema von morgen vorwegzunehmen: Befindet sich der neue Wein schon in neuen Schläuchen?

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir Zeit nehmen, um unter Gebet über meine Frage nachzudenken. Ich hatte dich ja am Montag gebeten, eine halbe Stunde dafür zu reservieren.

Das war es für heute.

Falls ich dir heute etwas zu ernst rübergekommen sein sollte, sei bitte ein wenig nachsichtig mit mir. Mich hat das Thema selbst neu betroffen und herausgefordert.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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