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Geduld lebt von der Hoffnung

Römer 15,4-1313.12.1981
Advent ist mehr als Stimmung: Über einer kaputten Welt steht echte Hoffnung. Sie beginnt dort, wo du umkehrst, Christus vertraust und andere trotz ihrer Ecken annimmst.

Einleitung und Schriftgrundlage

Unser Predigttext steht in Römer 15,4. Römer 15,4.
Wenn Sie in Ihrer Bibel mitlesen, denke ich, dass Ihnen das Wort nicht so geläufig ist, dass Sie es so auswendig können wie unsere Sänger.
Unser Text steht ganz auf dem Höhepunkt des Römerbriefs. Da führt alles, was Paulus in den großen Kapiteln vorher gesagt hat, darauf zu.
Was einst geschrieben wurde, also im Alten Testament, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift die Hoffnung festhalten.
Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander nach dem Vorbild Christi Jesu, damit ihr einmütig, mit einem Munde, Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, lobt.
Darum nehmt einander an, wie uns Christus angenommen hat, zu Gottes Lob.
Begründet ist Paulus mit verschiedenen Schriftstellen aus dem Alten Testament.
Ich sage euch: Christus ist ein Diener der Juden geworden, um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben waren. Die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen.
Es war damals in der Gemeinde, auch in Rom, immer eine Spannung zwischen denen, die aus dem Volk Israel kamen, und den Christen, die aus den Heidenvölkern kamen. Darum war Paulus es so wichtig, das an dem Beispiel nun klarzumachen, wie man einander annimmt. Und er begründet dies auf diese Schriftzitate:
Wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.
Und weiter heißt es: Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk.
Und weiter: Lobt den Herrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker.
Und auch Jesaja sagt: Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, der aufstehen wird, um über die Heiden zu herrschen; auf den werden die Heiden hoffen.
Es geht ihm um die Realisierung der Bruderschaft in der Gemeinde.
Nun schließt er mit dem großen Segenswort: Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, damit ihr an Hoffnung immer reicher werdet durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Herr, erfülle dies an uns heute Morgen. Amen.

Die Spannung des Advents

Alles weihnachtet schon um uns herum. Ich habe in den letzten Tagen das Werbefernsehen angesehen, und es ist toll, wie die Weihnachtsstimmung gemacht wird. Großartig: Die Damen sind so schick angezogen, man weiß nicht, ist es ein Brautkleid oder ist es ein Nachthemd? Großartig. Und der Mann im Frack steht daneben, und ein Lichterbaum, an dem es leuchtet und glitzert, und dahinter romantische Musik. Und dann die Krönung: Jakobskaffee.
Dann ist die ganze Spannung weg. Oder ein anderes Mal kommen dann 47,11 Tosca-Parfüm, um 12,60 Mark in jeder Drogerie zu haben. Dann denkt man: Weihnachtsstimmung? Was steckt eigentlich dahinter? Das hat so festlich angefangen, das war so großartig gemacht von den Regisseuren, und dann kommt so wenig heraus.
Als ich noch ein bisschen kleiner war, habe ich an den Adventskalendern als Kind dann immer so gern an den Türchen herumgemacht. Mich hat da interessiert, ob hinter den großen Türen nicht mehr herauskommt, aber es war überall auch bloß so ein Bildchen dahinter. Und dann hat sich so im Laufe meines zunehmenden Alters die Spannung an Weihnachten gelöst. Schade drum.
Wir brauchen eine Spannung, eine Adventsspannung. Ja, worauf sind wir denn jetzt so gespannt, wenn wir Advent miteinander feiern? Ich weiß nicht, wohin Ihre Gedanken gehen. Der eine sagt: Ach, da habe ich ein paar ruhige Tage, da freue ich mich schon darauf. Der andere sagt: Da fahre ich zu meinen Kindern, die wohnen in Norddeutschland. Und unsere jungen Leute sagen: Prima, dann haben wir mal keine Schule.
Was ist mehr drin an Weihnachten an Spannung? Wenn wir die Bibel lesen, dann merken wir, dass Gott eine ungeheure Spannung hat. Das zieht sich durch die Jahrhunderte hin. Und Gott drängt darauf, etwas zu tun, etwas zu schaffen und zu wirken. Und mit den Adventssonntagen und den alten Adventsverheißungen, die wir hier aufnehmen, wollen wir nur ein kleines Stück dieser großen Spannung Gottes fassen. Wir wollen mehr mitkriegen und noch mehr von dieser Spannung haben.
Darum will ich zuerst darüber reden, welche Hoffnung über dieser Welt liegt.

Hoffnung über einer bedrohten Welt

In unseren Tagen wird ja viel über die Lösung der drängenden Weltprobleme gesprochen. Wenn das heute Morgen so ist, dass man mit Gedanken am Werbellsee ist und hört, dass in Polen der Ausnahmezustand ausgerufen wurde und die Telefonleitungen gekappt wurden, dann ist dies nur ein kleines Abbild unserer Welt.
Wir sind doch so machtlos mit unserem Reden und unseren Wünschen. Hat die Welt überhaupt noch eine Hoffnung mit ihrer schreienden Ungerechtigkeit, mit den Millionen, die hungern, mit den Verzweifelten, mit den Menschenmassen, die niemand mehr herren kann, mit dem Bösen, das geschieht? Mit dieser, ja, was wollen Sie erwähnen, Sie können anfangen, wo Sie wollen: in der Wirtschaft, in der Kultur, im Militär und wo Sie wollen. Es sind doch nicht nur einzelne Gebiete, die der Herrschaft des Menschen entglitten sind, oder sollen wir sagen, die uns unheimlich sind, weil der Mensch sie in der Hand hat. Diese Welt sieht verzweifelt böse aus. Wo geht das alles hin?
Wenn wir die Adventsworte Jesu hören, dann nimmt er uns gar nichts weg vom Ernst der Lage. Im Gegenteil: Er sagt, weh denen, die in diesen Tagen Mütter werden und die Babys haben. Und er spricht davon, wie das Unrecht überhandnimmt und die Liebe erkaltet und die Gesetzlosigkeit immer mehr zum Prinzip der Welt wird. Dann zieht Jesus das nur kurz aus Sonne und Mond: Sie werden ihren Schein verlieren.
Das gehört ja mit in diese Adventstage hinein. Wir müssen diese Spannung aushalten. Über dieser Welt liegt das Gericht Gottes, und die Welt ist reif für Gottes Gericht. Wann das kommt, das überlassen wir ihm. Und gleichzeitig hat Jesus immer von dem Großen gesprochen, dass er in diesen Tagen des Umbruchs und des Umsturzes seine Gemeinde sucht, sammelt und ihr Frieden gibt.
Diese Spannung müssen Sie aushalten. In diesen Tagen geschieht dies wieder: Der Herr kommt, und da liegt über dieser Welt eine Hoffnung. Solange dies geschieht und der Herr nicht von uns gewichen ist, liegt über dieser Welt eine Hoffnung. Darum ist das Chaos noch nicht da, weil Gott noch Pläne hat und seine Gemeinde noch nicht voll ist, weil er noch viele herzuführen will, weil er sein Evangelium noch predigen lassen will bis an die Enden der Erde.
Es liegt eine Hoffnung über der Welt, das ist das Pfand, das wir haben. Sein Sohn, der geboren wurde in Bethlehem, in dieser Welt, in der die Römer ihre Ausbeutungspolitik machten, dort in Bethlehem wurde das wahr in unserer Welt. Diese Welt meint Gott. Dieser Gott will in dein Leben hinein, in diese Welt mit all ihrem Kummer und Leid und Unrecht. Und diese Welt ist nicht aufgegeben von Gott, obwohl so viel Böses geschieht. Diese Welt hat Gott bis heute nicht losgelassen.
Hoffnung liegt über der Welt, große Hoffnung.

Die begründete Hoffnung in Christus

Ich habe immer Schwierigkeiten, wenn ich das Wort Hoffnung gebrauche, weil so viel Betrug mit dem Wort Hoffnung gemacht wird. Wie viele Scharlatane machen uns Hoffnung! Wie gemein ist das, was man am Krankenbett macht. Man macht einem Hoffnung, obwohl vorn und hinten nichts dran ist. Man lügt einen an und nennt das Hoffnung. Das meint doch nicht die Bibel.
Die Hoffnung, von der Gott spricht, die ist doch begründet. Die hat einen Sinn. Mich hat das so ergriffen, wie Richard Straube da erzählt hat. Ich hätte gewünscht, sie hätten alle dabei sein können. Dass heute junge Menschen, die ausgeflippt sind und kein geregeltes Leben mehr führen können, von einem Tag auf den anderen Jesus begegnen, neues Leben Schritt für Schritt begehen. Heute wird Fleisch, das Kommen Jesu!
Und wenn wir gestern auf der Königstraße waren und da in diesem Menschenstrom versucht haben, einigen das zuzurufen, dann tun wir das doch, weil wir sagen: Die Lösung aller Welthoffnung liegt nur in Jesus. Wenn er auf politische Glücksfälle hofft, dann könnte er warten bis zum Sanktnimmerleinstag. Wenn er meint, die Menschen würden gescheit werden und die Vernunft würde sich durchsetzen, dann ist er betrogen. Aber es gibt Lösung aus den ganzen verwickelten Nöten meines privaten Lebens, meiner Umgebung, meines Menschenschicksals, der Welt, in Jesus.
Darum wird hier von Paulus als der Gott der Hoffnung beschrieben. Und nehmen Sie dieses Wort in seinem ganz anderen Sinn, den Gott der Hoffnung: So fängt er an in diesem Vers 4, da heißt es erst, das ist, damit ihr die Hoffnung festhaltet. Und dann heißt es in Vers 13: Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Der Gott, der unserer Welt noch einmal eine Hoffnung gibt.
Und wenn wir uns hier versammeln oder das Evangelium predigen oder Missionare ausschicken, dann ist das doch nicht bloß, um die Kirche am Leben zu halten, damit die Kirche nicht ausstirbt. Sondern dann ist das doch so, dass wir einen Beitrag leisten für diese Welt, damit die Welt nicht untergeht, damit Menschen dorthin kommen, wo Erneuerung geschehen kann.
Gestern war ein Mann furchtbar empört, der da vorbeilief bei uns, und hat sich maßlos aufgeregt. Immer wieder an der Stelle, wo wir merken, wo es um das Leid und das Elend und die Kriege geht, habe ich gesagt: Nicht Gott ist schuld, der Mensch ist schuld. Und das ganze Unheil dieser Welt rührt doch daher, dass wir Gott verlassen haben. Es kann doch nur eine Erneuerung geschehen, wo wir umkehren zu Gott hin.
Ich will immer und immer wieder sagen, dass das Wort der Bekehrung, der Umkehr oder der Buße, wie Sie sagen wollen, die fröhlichste und gnädigste Botschaft ist, die man heute predigen kann. Du kannst umkehren, es gibt einen Neuanfang, du kannst Jesus finden und du kannst das Neue erleben. Gott will das heute wahr machen in diesem wirren Leben. Gott will sich finden lassen, Gott will Menschen sein Heil erfahren lassen.
Die ganze biblischen Hoffnungsbuch, sagt Paulus, können alle Seiten lesen, Hoffnungsbuch, Vers 4. Ich muss jetzt einfach immer in den Text hineinführen, was einst geschrieben wurde. Das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift die Hoffnung festhalten. Als einst die Israeliten 400 Jahre in Ägypten saßen, haben sie die Hoffnung verlieren wollen. Als sie in der Wüste waren und nimmer weiter wussten und durstig waren, wollten sie Hoffnung fahren lassen. Und das Schlimmste, was heute geschehen ist, ist, dass Christen sagen: Wir feiern noch ein bisschen, aber wir haben keine Hoffnung mehr, dass Jesus in diesen Tagen Großes wirke.
Die Bibel ist ein Hoffnungsbuch, und Advent will Hoffnung über diese Welt bringen, aber eine gewisse und begründende Hoffnung, die bleibt. Der Herr will sein Volk erlösen.

Geduld als göttliche Haltung

Ich will Ihnen andere Gedanken anfügen: Diese Hoffnung braucht Geduld.
Wir hatten in unserer Bibelstundenreihe ja in den letzten Monaten verschiedene Begriffe untersucht, und da war auch das Wort Geduld dabei. Sie nehmen es mir sicher ab, dass mir das Wort Geduld und die Sache der Geduld ganz arg schwerfällt. Das ist ja oft schon eine Frage, die wir naturgemäß mitbringen.
Was mir da erst wieder neu in der Bibel aufging: Gott ist das große Vorbild an Geduld. Darum hat Geduld gar nichts mit dem zu tun, was wir im menschlichen Gebrauch oft darunter verstehen, als sei das etwas Dackelhaftes oder etwas Dümmliches, Lässiges. Bei Gott ist das die größte Spannung, die man haben kann.
Leidenschaft ist entbrannt. Noch nie hat ein Mensch solch eine Leidenschaft empfunden. Nicht einmal der feurigste Missionar und Evangelist hat so für diese Welt gebrannt in Liebe wie der heilige Gott. Und gleichzeitig hat er Geduld.
Vom ersten Augenblick an, als Kain seinen Bruder Abel totschlägt: Wie hält Gott das überhaupt aus? Wie kann er warten? Dass Gott das aushält, bei den Söhnen Jakobs in Geduld zu warten, wie sie ihn ehren und lieben?
Wenn Sie die ganze Bibel einmal durchgehen, dann haben Sie eine Anschauung von Gottes Geduld. Die Geschichte, als Israel nach Kanaan hineingezogen war: Ja, ihr habt mir Arbeit gemacht, sagt Gott immer wieder. Es hat mich schier zerrieben, wie ich mit euch Geduld üben muss.
Enttäuschung an den Richtern, an Gideon und Simson. Enttäuschung an den Königen, an Saul. Enttäuschung an den Menschen, die eingesetzt waren und die immer wieder versagen. Und der Gott der Geduld gibt die Hoffnung nicht auf. Dass Gott nicht mit seinem Volk gebrochen hat.
Und da möchte ich sagen: Wenn ich mein Leben ansehe, dann kann ich nur den Kopf schütteln, wie Gott mit mir Geduld hatte, obwohl ich doch all seine Liebe erfahren hatte. So geduldig ist er.

Die Gemeinde als Ort der Annahme

Und diese Hoffnung Gottes mit der Welt wird noch einmal im Kommen Jesu sichtbar. Er drängt nicht, er treibt nichts. Und dann nageln sie ihn ans Kreuz. Jetzt ist doch endgültig klar: Sie wollen die Liebe Gottes nicht haben, sie sagen Nein dazu. Und dann bleibt stehen: Vater, du darfst diese Sünde nicht auf ihnen liegen lassen.
Die Leute, die wir in dieser Welt abgeschrieben haben, die hat Gott noch lange nicht abgeschrieben. Und dass Christen nicht missionarisch sind, das ist nicht nur eine Vergesslichkeit, sondern eine ganz schlimme Sünde, wenn wir nicht das Herz Gottes mit dem Maß nehmen. Er hat nämlich Hoffnung. Wir sagen: Die haben doch alles verspielt, die Leute wollen doch nichts. Und Gott hofft, weil sie seine Geschöpfe bleiben, und er sucht in Geduld, sie zu erreichen.
Ich habe Ihnen vorher gesagt: Da kommt der Römerbrief zum Höhepunkt, wie Paulus sagt. Darum sollte eine Christengemeinde, so wie sie sich hier im Gottesdienst sammelt, Hoffnung und Geduld praktizieren. Es ist ein Missverständnis, wenn Sie meinen, Christen wären mit dem Tag ihrer Bekehrung perfekt. Es gibt keinen Christen je auf der Welt, bei dem Jesus wirklich die erste Rolle im Leben spielt, gar keinen. Wir alle sind humpelnde Leute in der Nachfolge Jesu. Wenn einer sagt: Bei mir spielt Jesus den gebührenden Platz ein, dann ist er vermessen. Das sind alles notvolle Leute. Das ist zum Schämen und zum Traurigsein.
Aber Paulus sagt: Jetzt nehmt doch einander an, auf die Hoffnung dessen, was Christus aus euch machen will. Wir haben doch Lasten miteinander. Keiner von uns trägt das Ebenbild Christi in Vollkommenheit in seinem Leben dar. Wir haben alle Not miteinander. Nicht, dass ich meine, wir hätten jetzt konkrete Probleme in der Gemeinde. Wir haben wunderbaren Frieden, und ich danke allen, die dazu beitragen. Sondern es geht darum, und ich rede jetzt zu allen denen, die in keiner verbindlichen Gemeinschaft leben. Die: „Ich komme mal hier an die Kirche und da an die Kirche.“ Sie müssen einander annehmen, weil da erst die Gabe Christi erfahrbar wird, indem er ihnen Schwestern und Brüder zur Seite schenkt, in einem Hauskreis, in einer landeskirchlichen Gemeinschaft, dort in einer Jugendgruppe oder hier in unserer Gottesdienstgemeinde.
Die, die rechts und links neben ihm sitzen, nehmt einander an. Das sind lauter Leute, die sind nicht fertig, die haben auch ihre Schwächen. Und das werden Sie je länger, je mehr merken. Es ist sehr leicht, die Völker Südamerikas und die Hungernden Asiens zu lieben, aber es ist unheimlich schwer, Menschen mit Fleisch und Blut lieb zu haben. Ich bin bedrückt, wenn ich merke, wie es auch Krisen gibt in Ehen bewährter Christen.
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, auf Hoffnung hin, nicht weil ihr fertig seid, auf Hoffnung hin. Und das gilt für die Liebe, die wir haben zu jungen Menschen, die noch gar nichts spüren lassen von dem, was Christus aus ihnen machen will. Und ich danke den Eltern, die das können, auch ihre Kinder halten unter Liebe und Annehmen, obwohl sie ins Gesicht geschlagen werden. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.
In der Gemeinde denkt Paulus nicht daran, dass wir jetzt alles schleifen lassen sollen und sagen, wir sind jetzt eben zu allem lieb und nett und sagen zu allem Ja und Amen. Nein, er sagt ganz deutlich: Damit ihr alle den Vater ehrt und lobt. Wir wollen deshalb in der Gemeinde keine widergöttliche Lehre dulden, und wir wollen nicht der Lästerung Raum geben in der Gemeinde, keineswegs. Sondern die Schwachen, die Gebrechlichen, die Menschen mit allen Fehlern, die sich als Gemeinde Jesu sammeln, tragt sie, das ist Adventsarbeit.
Nehmt einander an, kümmert euch umeinander, nicht weil das ergötzt. Ich höre immer wieder, dass Leute sagen: Ich gucke mich mal um, ich suche eine Gemeinde, wo mir es gefällt. Wissen Sie, was das ist, wo mir es gefällt? Wo man seine Ergötzung sucht. Das werden sie nie finden, sie werden heimatlos bleiben. Und die sagen meistens: Ich war schon in zwei Gemeinden, in Stuttgart war es beim Baptisten auch nichts, beim Methodisten war auch nichts, prob ich es mal mit der Landeskirche. Sie sind ja ganz nett, nicht einmal in so einem Schmeicheln, als ob es darum geht, ob wir einander Gefühle mitgeben könnten.
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Da liegt ein Geheimnis des Segens Gottes darauf, dass Gott uns das geben will, zu Gottes Lob. Und dann spricht Paulus, wie das wunderbar ist, wenn plötzlich Alte miteinander mit den Jungen entdecken, wenn man zusammenkommt. Einige, auch aus unserer Gottesdienstgemeinde, sind in diese Bruderschaft hineingefunden. Die sagen: Das ist uns fast noch wichtiger, fast noch wichtiger als die Predigt am Sonntag, wenn wir uns haben und miteinander sprechen und grüßen und füreinander da sind in aller Gebrechlichkeit.
Es steht auch nicht da: Nehmt euch selbst an! Ich habe immer Schwierigkeiten, mich selber anzunehmen. Wenn ich aufstehe, dann liege ich schon mit mir im Krieg, ich ärgere mich über mich. Ich kann mich gar nicht annehmen, ich kann nicht Ja zu mir sagen, wenn mich das ärgert, dass ich so untreu bin, so ein halber Mensch, so wenig zuverlässig. Aber Christus nimmt mich an, und ich kann Ja zu mir sagen, weil Christus in seiner Vergebung zu mir Ja sagt. Das ist der Weg, wie Christus uns angenommen hat. Damit finde ich zu mir selbst, und damit finde ich zum Frieden.

Die Kraft des Heiligen Geistes und der Auftrag der Gemeinde

Und es fährt Paulus fort in der Kraft Gottes. Das schließt er hier im dreizehnten Vers ab: Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, damit ihr an Hoffnung immer reicher werdet durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Sie können das nicht, und ich kann das nicht, und keiner kann das, wenn er nicht von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt wird. Der Heilige Geist ist der Schlüssel zu aller Aktivität der Christen. Wenn Sie den Heiligen Geist aus Kirche und Gemeinde wegnehmen, dann läuft da noch etwas wie in einem Maschinensaal. Da kann noch irgendetwas laufen, aber es geschieht kein Leben mehr.
Wenn ich drüben jetzt ins Gemeindehaus hinübergehe und komme aus der kalten Winterluft, dann ist es drin warm. Es ist geheizt. Es ist ein Unterschied, ob Sie in ein kaltes Haus hineinkommen oder in ein warmes Haus. Sie spüren das.
Ich suche Vergleiche, aber es gibt keinen Vergleich für das, was der Geist Gottes in unserem Leben bewirken kann: Leben! Leben gibt es nur aus Gottes Geist, aus Gottes Gegenwart in unserem Leben. Friede und Freude in diesen Adventstagen hängen nicht von Äußerlichkeiten ab, sondern davon, dass Christus in uns Wohnung macht durch seinen Geist, dass ihr immer reicher werdet an Erfahrungen und Entdeckungen, an Bruderliebe, an Geduld.
Mir macht das Eindruck: In unseren Tagen wird so viel gesprochen von den Kraftwerken, die gebaut werden. Jetzt kommt wieder: Ich bin kein Techniker, Sie verzeihen mir. Die Techniker können es jetzt viel besser erklären. Aber man sucht ja immer: Wo hat man Energiequellen?
Ich denke, es wird doch einmal großartig, wenn die Techniker das fertigbringen, dass sie vielleicht doch in großen Spiegeln die Sonnenenergie, die ja so maßlos groß ist, spiegeln und bündeln und umsetzen können, sodass da ein Kraftwerk ist, wo etwas empfangen wird von diesen großen Energiereserven der Natur, und umsetzen, damit ich es aus meiner Steckdose herauskriege.
Gott will, dass Sie ein geistliches Kraftwerk werden, dass Sie Leben geben können, Freude und Frieden, nicht weil Sie das haben, sondern weil Sie in der Kraft des Geistes Gottes Hoffnung haben.
Wir brauchen heute in unserer Welt Hoffnungsleute, die Mut und Zuversicht geben, die den Menschen sagen: Ja, es gibt einen Ausweg aus aller Not. Die sagen: Du brauchst den Kopf nicht hängen lassen. Nicht weil sie ihn zum Sozialamt schicken, nicht weil sie zwanzig Mark in der Hand haben, sondern weil sie von Jesus reden, weil sie Menschen in Verbindung bringen mit dem Gott der Hoffnung, der Leben erneuern kann.

Schluss und Segenswunsch

Ich will schließen: Gott zum Lobe soll das alles geschehen, Gott zum Lobe.
Eine ganz kümmerliche Gemeinde von Rom. Denken Sie nie groß von den Gemeinden. Dann kennen Sie Gemeinden. Die Gemeinde ist immer da, mit allen Schwächen. Ein paar Leute, damals waren es vielleicht eine ganze Reihe Sklaven, die dazugehörten. Ein paar waren auch aus höherer Stellung dabei, offenbar ein paar Offiziere. Dann waren Frauen dabei. In der Bibel wird nie gering gesprochen über die treuen Frauen in der Gemeinde; das können Sie im 16. Kapitel nachlesen.
Und doch: Diese Gemeinde, die mitten in dieser Welt, die sich schon auf die Verfolgung des Nero rüstet, in einem Blutstaat Gott lobt, Gott ehrt und Gott dient.
Ich wünsche mir das für unsere Adventstage und Weihnachtstage, dass wir nicht so viel sinnen über den Lauf der Welt, sondern uns freuen, dass Gott dieser Welt noch eine Hoffnung gibt. Und dass wir die Zeit nutzen, dass wir uns sammeln und das Kind geboren wird, Jesus, der Herr.
Dass wir sagen können: Wir haben alles, alles in dir, Herr Jesus Christus, alles!
Amen!