Einführung und Überblick zur Konfessionen-Übersicht
Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Heute machen wir etwas ganz Besonderes. Du kannst endlich die Früchte von etwas ernten, woran viele aus dieser Community und ich seit Wochen zusammengearbeitet haben.
Es gibt einen schnellen, praktischen Überblick darüber, was die großen Gruppen von Christen in Deutschland glauben, welche Glaubensrichtungen es gibt und eine kurze Erklärung dieser Konfessionen. Das heißt: Welche Autoritäten sie haben, also Dinge, die sie wertschätzen und solche, die sie weniger wertschätzen. Außerdem, was viele Gläubige dort über die Bibel denken und wie sie mit ihrer Bibel umgehen.
Wir schauen uns an, was sie über Jesus denken und fühlen, wie ihr Glaube im Alltag aussieht und woran du das erkennst. Außerdem, was sie darüber denken, anderen Menschen von ihrem Glauben weiterzuerzählen. Am Schluss gehen du und ich kurz, aber ehrlich auf die echten Gefahren ein, die es bei jeder Konfession gibt.
Wir werden den Finger in die Wunde legen, denn nur wenn wir Dinge ehrlich aussprechen und ehrlich sehen, können wir als Christen das auch angehen und wirklich besser werden. Deshalb schau dieses Video bis zum Ende. Am Ende gehen wir darauf ein, und du kannst dir das auch herunterladen und weitergeben. Dann beenden wir diesen Input mit dem schlechten Witz der Woche.
Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, damit solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy. Und bist du auf YouTube, wissen viele Leute nicht: Wenn du die Glocke unter diesem Video drückst, bekommt YouTube ein Signal. So zeigt die Plattform auch nicht-christlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen können. Ziemlich gut, oder? Also drück doch mal kurz die Glocke. Das hilft mehr, als du denkst. Vielen Dank!
Wir gehen jetzt durch diesen Überblick über die Konfessionen. Den gibt es gratis im Link unter diesem Video, dazu gleich mehr. Er ist entstanden aus dem Austausch mit der Community hier. Zum Hintergrund:
Hintergrund und Entstehung der Übersicht
Ich habe das große Privileg, Teil dieser Online-Community zu sein – ja, von Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über Instagram und YouTube sprechen wir gemeinsam mit derzeit über elftausend Christen. Die Tendenz ist steigend. Hinzu kommt noch einmal die doppelte Anzahl auf Facebook.
Ob das jetzt repräsentativ ist oder nicht, müssen andere einschätzen. Aber ich kann sagen, dass ich im wöchentlichen Austausch mit euch bin und mehrere hundert Nachrichten pro Monat erhalte. Viele, die hier schreiben, sind neu im Glauben und suchen Orientierung. Andere sind seit Jahren oder Jahrzehnten Christen, sei es in Freikirchen, evangelischen Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche.
In den vergangenen Wochen habe ich Umfragen in dieser Community durchgeführt. Vielleicht erinnerst du dich daran. Diese wurden von Tausenden hier gesehen. Zusammen mit mehreren Hundert von euch habe ich an einer Übersicht gearbeitet, die du hier kostenlos über den Link in der Videobeschreibung herunterladen kannst. Diese Übersicht kannst du für Jugendstunden, den Rallyeunterricht oder zur eigenen Orientierung und Übersicht nutzen. Dazu gleich mehr.
Jetzt wollen wir endlich ins Thema starten. Deshalb überspringe ich mal die üblichen Disclaimer: Dass das alles jetzt extrem vereinfacht ist, dass es hier um das Praktische geht und nicht um historische Hintergründe. Dass man das differenziert betrachten muss und dass das alles von jedem Christen und in jeder Gemeinde etwas anders gelebt wird. Dass ich das alles durch meine eigene subjektive Brille sehe und bewerte.
All das ist ja logisch und findest du auch in der Übersicht. Deshalb werde ich jetzt nicht bei jedem zweiten Satz sagen „Es kommt immer darauf an“, weil wir sonst nie zum Punkt kommen. Und ich blende das jetzt auch nicht ständig ein, weil das irgendwie albern wäre.
Das heißt, ich gehe auch auf meine persönliche Geschichte mit dieser Konfession ein, um meine eigene Voreingenommenheit für dich transparent zu machen. Denn ich bin voreingenommen, ich habe eine sehr deutliche Position, und das will ich gar nicht verheimlichen. Ich kann also nicht versprechen, dass es dir gefällt, aber ich verspreche, ehrlich zu sein.
Also, ich habe der Community im Laufe der letzten Wochen ein paar Fragen gestellt und aus aberhundert Antworten ganz subjektiv einige „Best of“-Antworten ausgewählt, die am besten auf den Punkt bringen, worum es in dieser Glaubensrichtung geht.
So, und jetzt legen wir los und schauen uns bei der heutigen Konfession die Autoritäten an: Wer oder was hat da eigentlich das Sagen?
Evangelisch-landeskirchliche Konfession: Ein persönlicher Einstieg
Was viele Gläubige über die Bibel denken und wie sie mit ihrer Bibel umgehen, was sie über Jesus denken und fühlen – wie sieht ihr Glaube im Alltag aus? Woran erkennt man das? Was denken sie darüber, anderen von ihrem Glauben zu erzählen? Am Schluss gehen wir dann ausführlich und ehrlich auf die echten Gefahren hierbei ein.
Okay, also evangelisch-landeskirchlich: Wir schauen uns jetzt gleich ein paar Aussagen aus der Community an, die auf dich kontrovers wirken können. Deshalb will ich besonders hier meine eigene starke Voreingenommenheit nicht verheimlichen. Warum? Weil diese mit großer Traurigkeit und auch ehrlicher Sorge verbunden ist.
Zum Hintergrund: Ich selbst bin als Atheist unter Atheisten aufgewachsen. Als junger Mann bin ich zum Glauben gekommen, auch durch die Hilfe von zwei sehr geduldigen, starken, bibeltreuen Leitern, denen ich viel verdanke. Ich bin in einer Landeskirche Christ geworden, und es ehrt mich sehr, dass die beiden heute hier auch noch manchmal vorbeischauen.
Aber als beide aus beruflichen Gründen die Gemeinde gewechselt haben und andere Leiter kamen – das kennst du ja selbst – war es nicht mehr das Gleiche. Während die beiden von vorher sehr bibeltreue Positionen hatten, kamen danach andere Leiter, die eine salbungsvolle Rhetorik hatten. Sie engagierten sich gegen Rechts, gründeten hier noch einen Chor, dort eine gestaltete Mitte. In den Predigten wurde Yoga empfohlen, über das Parteiprogramm der Grünen gesprochen und so weiter und so fort.
Das hat mir und auch vielen anderen Leuten in der Gemeinde nichts gesagt. Dafür war ich nicht zum Christsein gekommen und habe sonst Anfeindungen aus meinem Umfeld einstecken müssen. Das kann ich doch auch überall anders haben, weißt du? Denn das, was die Neuen gemacht haben, gibt es auch überall sonst. Dafür musst du nicht in die Kirche gehen. Und ob Yoga als Christ so gut ist, ist sowieso noch die Frage.
Später habe ich selbst an Universitäten evangelische Theologie an mehreren landeskirchlichen Fakultäten studiert. Das war prägend, weil dort fast ausschließlich liberale Theologie gelehrt wurde. Es ging darum, wie man christliche Glaubensinhalte erforschen, umformulieren und aussprechen kann. Vieles drehte sich um Sprache, ohne bei Nichtchristen Widerspruch zu erregen. Ganz häufig geschah das ohne den Glauben an einen eingreifenden Gott, ohne den auferstandenen Jesus oder die Gültigkeit der Bibel.
Jetzt denkst du vielleicht: „Aber so war das doch nicht.“ Doch, so war das, und das war der Standard, das war normal. Ich habe das kritisch in einem anderen Video aufbereitet. Falls du das sehen möchtest, drücke einfach die Glocke, dann wird dir das Video angezeigt.
Ich habe also über viele Jahre selbst das gesamte landeskirchliche Ausbildungssystem zum evangelischen Pfarrer mit theologischem Examen durchlaufen – bis vor dem zweiten Examen – und war selbst Verfechter von liberaler Theologie. Das heißt nur zum Hintergrund: Wenn ich also etwas über liberale evangelische Theologie sage, dann tue ich das auch in voller Selbstkritik, weil ich über meine eigenen früheren Fehler spreche.
Es war auch keineswegs alles schlecht, überhaupt nicht. Ich habe viel gelernt, wofür ich bis heute ehrlich dankbar bin. Aber wenn ich sehe, wie sich heute die kirchliche Landschaft verändert und in welche Richtung das teilweise steuert, dann muss ich aus meiner Erfahrung und meiner früheren Innenperspektive ganz ehrlich sagen: Da gibt es Punkte, da habe ich Sorge.
So viel zu meiner Voreingenommenheit – die will ich einfach nicht verheimlichen. Aber jetzt zu den Fakten.
Evangelisch-landeskirchliche Autoritäten und ihre Praxis
Was sind also die Autoritäten? Wer oder was gibt in der evangelischen Landeskirche den Ton an?
Das sind die Schriften einzelner Reformatoren aus dem 16. Jahrhundert, die sogenannten Bekenntnisschriften. Diese Bekenntnisschriften wurden von Leuten wie Luther, Calvin und Melanchthon verfasst. Sie spielen eine zentrale Rolle. Und diese Bekenntnisschriften stützen sich wiederum häufig stark auf die Bibel.
Das heißt, wenn man die Bekenntnisschriften liest, verweisen sie immer wieder auf die Bibel. Sie sagen: Wir müssen die Bibel stark machen, wir müssen die Bibel hochhalten, wir müssen die Bibel lesen. Die Bibel soll der Maßstab sein. Das ist ziemlich bemerkenswert.
Die Bekenntnisschriften enthalten teilweise auch einige ungewöhnliche Lehren, zum Beispiel die Vorstellung, dass Maria selbst nach der Geburt Jesu Jungfrau geblieben sein soll – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das ist etwas merkwürdig, aber sei’s drum. Im Großen und Ganzen sind die Bekenntnisschriften wirklich ziemlich überzeugend.
Bis heute werden auf diese Bekenntnisschriften evangelisch-landeskirchliche Pfarrer bei ihrer sogenannten Ordination eingeschworen, also bei ihrer feierlichen Amtseinführung. Diese Bekenntnisschriften sind also wirklich ein großes Thema.
In der Praxis sieht das Leben und die Welt jedoch oft ganz anders aus – und das habt ihr auch geschrieben. In der Praxis ist es häufig der politisch-gesellschaftliche Zeitgeist, der den Ton angibt. Das gilt in vielen landeskirchlichen Gemeinschaften und Landeskirchen. Auch die emotionalen Bedürfnisse der Bevölkerung spielen eine wichtige Rolle.
Ich habe häufig, unausgesprochen oder sogar wörtlich, von evangelisch-landeskirchlichen Pfarrern den Satz gehört: „Richtig und wahr ist, was gut tut.“ Das ist natürlich ein Problem.
Die Frage ist zum einen: Was tut gut? Ist das immer emotional? Muss es kurzfristig sein? Wenn man Wahrheit so definiert, wird es spannend. Viele in dieser Gemeinschaft haben genau dies als das Hauptproblem der evangelisch-landeskirchlichen Lehre identifiziert. Und ich fürchte, da ist etwas dran.
So viel von der ursprünglichen Botschaft, wie sie in der Bibel steht, wie sie im Neuen Testament steht, wie Jesus sie sagt und wie die Bekenntnisschriften sie zu großen Teilen aufnehmen und ausbuchstabieren, wird einfach weggelassen oder unter den Teppich gekehrt. Das ist ein Problem, sodass am Ende wenig davon übrig bleibt.
Im Gegensatz dazu ist das Problem in der römisch-katholischen Theologie häufig, dass viel hinzugefügt wird, wobei man sich fragt, wo das plötzlich herkommt. Dazu habe ich ein eigenes Video gemacht über die römisch-katholische Theologie. Falls Interesse besteht, kann man die Glocke drücken, damit es angezeigt wird.
Darüber hinaus gibt es noch eine dritte große Autorität in den evangelischen Landeskirchen: die sogenannte EKD. Die EKD steht für Evangelische Kirche in Deutschland. Sie ist ein Dachverband von derzeit zwanzig Landeskirchen. Es können auch mehr oder weniger sein, denn es ist wahrscheinlicher, dass es weniger werden – weil Landeskirchen fusionieren werden aufgrund starker Probleme, die sie haben. Darauf kommen wir gleich noch zu sprechen.
Umgang mit der Bibel in der evangelischen Landeskirche
Was denken viele evangelische Kirchenchristen über die Bibel? Verlässliche Statistiken dazu sind schwer zu finden. Eine Ausnahme gibt es zwar, doch diese ist nicht repräsentativ. Deshalb wird sie hier nicht berücksichtigt.
Was die meisten von euch in der Community geschrieben haben und auch meine persönliche Erfahrung ist, dass die Mehrheit der evangelischen Kirchenchristen ihre eigene Bibel nie ein einziges Mal komplett durchgelesen hat. Dabei reden wir nicht davon, immer wieder die gleichen zehn Stellen in den Losungen durchzublättern. Auch nicht von den etwa zwanzig Bibelstellen, die der Pfarrer im Laufe des Kirchenjahres in der Predigt anspricht.
Wir sprechen davon, dass man sich wirklich bewusst hingesetzt hat – auch in der Kleingruppe – und die Bibel von Einband zu Einband, von vorne bis hinten durchgelesen hat. Von Genesis bis zur Offenbarung, vom Anfang bis zum Ende.
Viele hier haben auch beklagt, dass die Perikopenreihen, die es in der evangelischen Landeskirche gibt, dazu führen, dass immer nur einzelne Bibelstellen gelesen werden, über die dann gepredigt wird. In der nächsten Woche steht ein komplett anderer Bibeltext aus einem anderen Zusammenhang auf dem Programm. Das ist zwar nicht immer komplett anders, aber doch relativ zerpflückt.
Diese Perikopenreihen nehmen den Gemeinden häufig die Möglichkeit, ein biblisches Buch durchgehend in den Predigten zu studieren. Ihr habt geschrieben, die Bibel wird zerpflückt, und das führt zu einem unvollständigen und sehr lückenhaften Lesen.
Was ich persönlich noch schlimmer finde, ist das Gefühl, die Bibel zu kennen, obwohl man sie eigentlich gar nicht wirklich kennt. Man ist den ganzen Tag von irgendwelchen Bibelfetzen umgeben, aber das heißt nicht, dass man die Bibel wirklich gelesen hat. Das ist ein großer Unterschied.
Das Gute ist jedoch, dass in den meisten Landeskirchen der Prediger die Freiheit hat, in Absprache mit der Gemeinde oder Gemeindeleitung die Perikopenordnung zu verlassen und andere Bibeltexte zu predigen. Falls man in der Gemeinde gerne hätte, dass der Pfarrer oder Prediger ein biblisches Buch oder mehrere Kapitel hintereinander durchpredigt, kann man das einfach ansprechen.
Aus meiner Erfahrung als Prediger, die ich in den meisten freien Gemeinden gesammelt habe, in denen ich bisher sprechen durfte, mache ich häufig vorher Umfragen – manchmal auch während der Predigt oder online. Dabei zeigt sich, dass ungefähr ein Drittel, manchmal auch ein Viertel der Gemeinde die Bibel wirklich komplett durchgelesen hat, also von A bis Z mindestens einmal im Leben.
Das heißt, wenn ich in eine freie Gemeinde komme, weiß ich ungefähr, dass die gute Hälfte bis drei Viertel ihre Bibel noch nicht komplett durchgelesen haben. In vielen Landeskirchen ist das nach meiner Erfahrung und den Rückmeldungen aus der Community leider noch schlechter.
Was denken viele landeskirchliche Kirchenchristen über die Bibel? Das hängt natürlich vom Einzelfall ab. In weiten Teilen der offiziellen landeskirchlichen Theologie – soweit man das erfassen kann – und so wird es auch von vielen Amtsträgern verkündet und von vielen Kanzeln gepredigt, gilt die Bibel häufig in der liberalen Theologie, wie ich sie an der Universität gelernt und zeitweise weitergegeben habe, als eine Sammlung antiker Texte.
Diese Texte wurden von Menschen geschrieben, die ihre subjektiven Erfahrungen ausdrücken wollten. Dabei geht es vor allem darum, dass die Bibel von menschlichen Autoren verfasst wurde, die versuchten, das, was sie nicht richtig erklären konnten, und das, was sie für heilig hielten, in Worte zu fassen.
Das bedeutet, dass menschliche Autoren ihre subjektiven Erfahrungen mit dem Heiligen ausdrücken. Das ist ein großer Unterschied zum Beispiel zu dem, was freikirchliche Christen glauben oder teilweise auch römisch-katholische Christen.
Wenn das die offizielle Lehre vieler kirchlicher Amtsträger ist und von vielen Kanzeln entweder ausgesprochen oder zumindest unausgesprochen im Hintergrund mitschwingt, hat das massive Folgen – vor allem dann, wenn viele landeskirchliche Christen dies so glauben.
Vorstellungen von Jesus in der evangelischen Landeskirche
Viele evangelische Kirchenchristen haben ein ambivalentes Verhältnis zu Jesus. Leider gibt es keine repräsentativen Studien dazu, aber das, was ihr geschrieben habt, spiegelt diese Ambivalenz wider. Wenn man es übertreiben wollte, könnte man fast von einer Art Hassliebe sprechen.
Der Eindruck ist, dass Jesus als moralisches Vorbild herangezogen wird, wenn er mit den eigenen Werten übereinstimmt. Zum Beispiel wird sein Einsatz für soziale Außenseiter anerkannt. Wer sich für diese einsetzen möchte, sagt oft: Jesus hat das auch gemacht. Das stimmt, und in solchen Fällen wird Jesus als sympathisch empfunden.
Andererseits wird Jesus häufig dort ignoriert, wo er politisch unbequem ist. Ihr habt geschrieben, dass er zum Beispiel den religiösen Pluralismus nicht so sehr feiert. Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Das ist eine historische Tatsache.
Jesus würde sich wirklich im Kreis drehen, wenn man ihm sagen würde, dass Gott der Bibel und Allah im Koran eins seien. Das wäre so, als ob man behaupten würde, Yahweh aus dem Alten Testament und Ba'al seien dasselbe. So funktioniert das nicht.
Ein weiteres Beispiel, das man häufig in vielen evangelischen Landeskirchen sieht, betrifft das Jüngste Gericht. Das Jüngste Gericht ist in der Verkündigung Jesu, im Neuen Testament und in der gesamten Bibel ein sehr wichtiges Thema. Es ist nach den Prophezeiungen das dritthäufigste Thema.
In vielen evangelischen Landeskirchen wird das Jüngste Gericht entweder positiv umgedeutet – zum Beispiel im Sinne der Allversöhnung, also dass am Ende eher alle in den Himmel kommen und alle verwandelt werden – was laut Bibel leider nicht stimmt. Oder es wird komplett ignoriert.
Es ist daher eine seltene Begebenheit, tatsächlich eine Ausnahme, wenn man in eine evangelische Landeskirche geht und dort eine ernsthafte, bibelfundierte Predigt über das Jüngste Gericht hört. Das ist sehr ungewöhnlich.
Alltag und Glaubenspraxis in der evangelischen Landeskirche
Viele evangelische Kirchenchristen leben ihr Christsein im Alltag sehr unterschiedlich. Dabei spielt es natürlich eine große Rolle, auf welche Aspekte sie ihren Fokus legen. Betrachtet man jedoch das, was öffentlichkeitswirksam von vielen Kirchenoberen betont wird, fällt eine starke Ausrichtung auf das Diesseits auf – also auf das Leben vor dem Tod und nicht auf das Leben nach dem Tod.
Diese Betonung richtet sich vor allem auf soziales und gesellschaftliches Engagement. Dieses Engagement wird häufig viel stärker hervorgehoben als das Jenseits oder abstrakte religiöse Gefühle. Dabei geht es den Menschen oft darum, Einheit zu erfahren, sich heil, versöhnt und getröstet zu fühlen sowie Gemeinschaft zu erleben.
All das ist sicherlich positiv und wichtig. Allerdings hilft es vor dem echten Jüngsten Gericht nicht weiter. Die meisten evangelischen Landeskirchen gewinnen neue Mitglieder hauptsächlich durch die Taufe minderjähriger Kinder ihrer jetzigen Mitglieder. Die Zahl der bewussten Kircheneintritte Erwachsener ist zwar höher als in der katholischen Kirche, doch im Vergleich zu den Austritten ist sie kaum von Bedeutung.
Zyniker behaupten, dass die evangelische Kirche in Deutschland längst verschwunden wäre, wenn der Eintritt nur durch bewusste Entscheidung Erwachsener möglich wäre. Diese Aussage ist zwar nicht wörtlich zu nehmen, doch die Tendenz ist deutlich erkennbar.
Evangelische Landeskirche und das Weitererzählen des Glaubens
Was denken evangelische Kirchenchristen darüber, anderen von ihrem Glauben zu erzählen?
Natürlich tun viele evangelische Kirchenchristen dies jeden Tag. Doch wenn man sich offizielle Äußerungen von vielen maßgeblichen Kirchenoberen anhört, bekommt man oft den Eindruck, dass das Weitererzählen des Glaubens an andere Menschen häufig als intolerant oder teilweise sogar als moralisch anstößig angesehen wird.
Vor kurzem erschien in einer großen deutschen Zeitung ein reichweitenstarker Artikel. Darin beklagte der Autor, warum ihn eigentlich niemand missioniert. Er schrieb, dass es ihm in seinem ganzen Leben wohl noch nie passiert sei, dass jemand aus der evangelischen Landeskirche auf ihn zugekommen wäre, um ihn aktiv für das Christentum zu gewinnen.
Gefahren und Herausforderungen in der evangelischen Landeskirche
Und damit kommen wir zum abschließenden Teil, auf den viele Leute hier gewartet haben: Was sind die Gefahren in den evangelischen Landeskirchen?
Ein gewisses elitäres Denken ist dabei oft zu beobachten. Das heißt, man glaubt, selbst die Gemeinschaft zu sein, die der Wahrheit am nächsten ist. Man denkt, man mache vielleicht einige Dinge weniger schlecht als andere und andere könnten sich bei einem etwas abschauen. Dieses Denken gibt es in jeder Gemeinschaft. Ich selbst bin davon keineswegs frei und möchte das auch gar nicht verheimlichen.
Was die evangelischen Landeskirchen selbst angeht, haben du und ich hier auf diesem Kanal bereits intensiv darüber gesprochen. Für mehr Details und eine ausführlichere Begründung kannst du dir das entsprechende Video anschauen. Deshalb hier nur eine Kurzfassung:
Hinter all dem, was Leute aus der Community zu Problemen in der evangelischen Landeskirche geschrieben haben, sehe ich letztlich ein inhaltliches Problem. Das heißt, die evangelischen Landeskirchen – und das habt ihr so auf den Punkt gebracht, weniger diplomatisch als ich es tun würde, und das will schon etwas heißen.
Pass auf: Die Sache ist die, dass die evangelischen Landeskirchen immer mehr drohen, zu karitativen, wohltätigen Sozialunternehmen zu verkommen. Sie laufen Gefahr, zu Freizeitclubs zu werden oder sogar zu linksgrünen Wählervereinen. Statt einfach das zu tun, was vielleicht andere nicht tun können.
Dabei spielt immer mehr das Leben vor dem Tod eine größere Rolle als das Leben nach dem Tod. Die evangelischen Landeskirchen laufen dem Zeitgeist hinterher, haben keinen Bezug mehr zu Jesus und handeln häufig in direkter Ablehnung von biblischen Wahrheiten. Das ist die Gefahr, die viele von euch sehen, und ich fürchte, da ist etwas Wahres dran.
Dazu kommt das Thema Personalmangel. Das ist ja klar: Das Bevölkerungswachstum geht zurück, und die Anzahl der Kirchenmitglieder nimmt ab. Immer weniger Menschen wollen auch einfach in der Kirche arbeiten. Es gibt Personalmangel. Das bedeutet, es gibt Stellen, die gefüllt werden müssen, aber zu wenige Bewerber für die benötigten Positionen.
Wozu führt Personalmangel in der Praxis? Er führt dazu, dass häufig Leute eingestellt werden, die für den Job, für den sie eingestellt werden, vielleicht gar nicht die perfekt qualifizierten Kandidaten sind. Und dass das über Jahre und Jahrzehnte Auswirkungen hat, kannst du dir, glaube ich, an drei Fingern selbst ausmalen.
Hinzu kommt der tägliche Mitgliederverlust durch Überalterung. Die evangelische Kirche in Deutschland stirbt weg. Statistisch betrachtet kann man quasi die Uhr danach stellen, bis die letzte evangelisch-landeskirchliche Frau in Deutschland gestorben ist. Denn die meisten Mitglieder der evangelischen Kirche in Deutschland sind Seniorinnen.
Schau dir dazu einfach selbst die Prognose der EKD an, die manche Experten immer noch für viel zu optimistisch halten.
Orthodoxe Christen in Deutschland und Abschluss
Sind orthodoxe Christen in Deutschland? Diese Frage überspringen wir nicht, weil die orthodoxe Gemeinschaft zahlenmäßig unbedeutend wäre – das ist sie keineswegs. Je nach Statistik sprechen wir hier von bis zu anderthalb Millionen Menschen in Deutschland.
Der Punkt ist jedoch, dass ich, Markus, derzeit einfach nicht genug Kenntnisse habe, um die Orthodoxie in Deutschland angemessen zu behandeln und deine Fragen dazu hier in den Kommentaren oder auch im Video beantworten zu können. Deshalb konzentriere ich mich auf die drei anderen großen christlichen Glaubensrichtungen: die römisch-katholische, die evangelisch-landeskirchliche und die evangelisch-freikirchliche. Zu diesen kann ich gerne deine Fragen unter diesem Video versuchen zu beantworten.
In jedem Fall danke ich den Hunderten, die hier mitgemacht haben. Dank euch kann ich diese Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen. Ein besonderer Dank geht auch an all die Spender, die das finanziell überhaupt ermöglicht haben. Nimm dir gerne kostenlos mit, was du hier findest, und klicke einfach auf den Link unter diesem Input.
Ich erzähle jetzt noch den schlechten Witz der Woche. Schreibe du solange gerne unter dieses Video, was du aus diesem Input mitgenommen hast und was du gerade im Kopf und auf dem Herzen hast. Ich lese alles davon, wie viele ja wissen.
Ich bin Markus Voss, und das war jetzt ein Input zum Thema Nachfolge verstehen – um auch Nachfolge zu leben und Nachfolge zu verteidigen. Mach dich Hashtag Bibelfit. Dafür lade ich dich ein, jetzt zusammen mit den anderen dieser schönen Glocke deine konfessionsübergreifende Liebe auszudrücken, indem du sie ganz fest drückst. Das ist ernst gemeint, denn so werden mehr Nichtchristen in sozialen Medien mit christlichen Inhalten erreicht, die sie ansprechen können. Und das ist etwas Gutes.
Während du das tust, beenden wir jetzt mit dem schlechten Witz der Woche: Treffen sich zwei evangelische Pfarrer. Sagt der eine zum anderen: „Oh, ich habe so ein großes Problem mit den Fledermäusen in meinem Kirchturm. Hast du einen Tipp?“ Antwortet der andere: „Ja, das ist doch ganz einfach. Ich habe es gemacht wie bei allen anderen: Ich habe die Fledermäuse getauft und konfirmiert. Danach haben sie sich in der Kirche nie wieder blicken lassen.“ Denk mal drüber nach.
Wir sehen uns im nächsten Input. Ich freue mich auf dich.

