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Ehe nach Gottes Plan

Ehe nach Gottes Plan, Teil 2/2
26.01.2026
SERIE - Teil 2 / 2Ehe nach Gottes Plan
Sechs Schlüssel prägen eine Ehe nach Gottes Plan: die vertikale Ausrichtung auf Gott, selbstlose Liebe, dankbare Annahme, vertraute Offenheit, aufmerksame Investition und eine sich schenkende Sexualität. Besonders die Offenheit vertieft die Liebe und lässt echte Vertrautheit wachsen. Doch oft stehen Zorn, Selbstschutz oder Verheimlichung im Weg. Der Weg zurück führt über ehrliches Sündenbekenntnis, die Kraft des Evangeliums und konkrete, liebevolle Investition in die Beziehung.

Eröffnende Worte und inhaltliche Einführung

Ihr redet beide nicht gerne vorne, deswegen schätze ich das sehr, dass ihr das trotzdem gemacht habt. Ich möchte jetzt auch beten. Das ist hier das Stichwort für den zweiten Teil des heutigen Abends: dass Gott zu uns spricht.

Vater im Himmel, ich danke dir so sehr dafür, dass du uns das Gebet gegeben hast, damit wir mit dir in Verbindung stehen können. Danke, dass du auf unser Gebet hin wirkst, in unseren Ehen und in unserem Leben. Und Herr, ich möchte dich jetzt auch bitten, dass du uns die Worte für den weiteren Teil des Vortrags gibst. Herr, berühre unsere Herzen, damit wir verändert werden. Amen!

Ja, wir haben uns im ersten Teil drei Aspekte angeschaut: Wie sieht eine Ehe nach Gottes Plan aus? Es ging um die vertikale Ausrichtung, um selbstlose Liebe und um dankbare Annahme.

Und wir machen jetzt mit der vierten von sechs Eigenschaften weiter, die aus meiner Sicht Gottes Plan für eine Ehe beschreiben. Diese Eigenschaft ist vertraute Offenheit. Weiterklicken ist jetzt möglich.

Ich möchte mit einem Zitat von Lou Priolo beginnen, das einen sehr wichtigen Aspekt nennt. „Hätte Gott sich selbst nicht den Menschen offenbart, dann wäre dir jede Möglichkeit genommen, Christ zu werden. In dem Maße, wie er sich selbst in der Bibel offenbart, kannst du eine persönliche Beziehung zu ihm eingehen.“ Offenbarung ist damit eine Grundvoraussetzung für Gemeinschaft.

Jetzt kommt ein ganz wichtiger Satz: Wie zwei Personen sich der jeweils anderen offenbaren, bestimmt die Qualität ihrer Beziehung zueinander. Ich möchte den letzten Satz noch einmal lesen: Wie zwei Personen sich der jeweils anderen offenbaren, bestimmt die Qualität ihrer Beziehung zueinander.

Das heißt: Wenn ein Ehepaar nur auf einer sehr oberflächlichen Ebene miteinander redet, wird ihre Liebe und ihre Kenntnis voneinander oberflächlich sein. Aber dort, wo sich ein Ehepaar wirklich öffnet und sehr offen miteinander redet, besteht das große Potenzial, dass die Liebe viel tiefer wird.

Wie tiefes Teilen die Beziehung prägt

Verliebtheit basiert oft auf unzureichenden Informationen. Man spricht bildlich von einer rosa-roten Brille.

Die Person ist noch weitgehend unbekannt. Dennoch setzen Hormone, Gefühle und Emotionen ein, und man fühlt sich zu ihr hingezogen, ohne sie wirklich zu kennen. Verliebtheit beruht also häufig auf zu wenigen Informationen. Liebe dagegen hat das Potenzial, sich zu vertiefen. Je besser jemand bekannt ist, desto tiefer kann die Liebe werden. Liebe kann sogar bestehen, obwohl die andere Person gut bekannt ist.

Das bestimmt die Qualität der Liebe; sie verlangt vertraute Offenheit. Vertrauen heißt, die tiefsten Gefühle, Wünsche, Sorgen, Gedanken, Empfindungen und Kämpfe mitzuteilen.

Eine zentrale Frage für Ehepaare lautet: Auf einer Skala von eins bis zehn – wobei eins sehr oberflächlich und zehn sehr offen bedeutet – wo liegt die aktuelle Offenheit? Es ist nicht nötig, diese Einschätzung laut auszusprechen oder dem Ehepartner sofort mitzuteilen; eine stille Selbsteinschätzung genügt.

Leider fehlt in vielen Ehen diese Offenheit, und dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Grund kann Zorn sein. In einer Seelsorge‑Schulung, an der ich teilgenommen habe, musste ich selbst lernen, dass Zorn sich sehr unterschiedlich zeigt. Ich hielt mich nie für einen zornigen Menschen, weil ich nicht zu Wutausbrüchen neige. Ich habe jedoch gelernt, dass Zorn sich nicht nur in offenen Wutausbrüchen nach außen zeigt; er kann sich auch im stillen Rückzug offenbaren.

In dieser Hinsicht erkannte ich mich wieder: Häufig ziehe ich mich beleidigt zurück, wenn meine Frau etwas gesagt hat, das ich als respektlos empfand oder das meinen Stolz verletzte. Ein Beispiel war negatives Feedback zu einer Predigt. Alle in der Gemeinde sagten: „War super, André.“ Meine Frau sagte: „Schatz, du hast versucht, cool zu sein. Hör auf damit.“ So etwas kann als Angriff erlebt werden. Dann zieht man sich zurück und ist nicht mehr offen, sondern eher beleidigt.

Rückzug vermeiden: Selbstschutz und seine Folgen

Zorn kann ein Grund sein. Ich habe euch zwei andere Gründe mitgebracht, hier auf der PowerPoint.

Ein ganz wesentlicher Grund ist: Ich verschließe mich, um nicht verletzt zu werden. Wahrscheinlich betrifft dieser Punkt nicht nur Frauen, aber eher Frauen als Männer.

Wir alle haben Stellen in unserem Leben, die sehr, sehr tief in unserem Herzen liegen, und über die wir nicht ohne Weiteres sprechen. Vielleicht braucht es manchmal Überwindung, um mit dem Ehepartner darüber zu reden. Wir alle haben solche Punkte, und es kann passieren, dass man gerade auf dieser Ebene redet und der Ehemann gar nicht zugehört hat oder sehr verständnislos reagiert.

Wüsste er, wie viel Überwindung es gekostet hat, sich zu öffnen, hätte er anders reagiert. Stattdessen hat er nicht aufgefangen. Das musste ich selbst lernen. Meine Frau hat mir einmal etwas gesagt, und ich wusste nicht, dass dieses Thema für sie eine große Überwindung war. Sie hat es angesprochen, und ich war nicht ganz dabei.

Sie hat es mir gespiegelt, dafür bin ich dankbar. Meine Frau ist so offen, und das macht die Sache für mich leichter. Sie sagte: Das hat mir sehr viel Überwindung gekostet, und du hast einfach nicht zugehört. Es fiel ihr schwer, das noch einmal zu sagen. Ich verschließe mich, um nicht verletzt zu werden.

Vielleicht hat der Ehemann verletzt, und es muss nicht durch eine sehr gravierende Sünde geschehen sein. Vielleicht war es einfach die Art, wie er verständnislos reagiert hat auf das, was gesagt wurde. Das hat so verletzt, dass man sich mehr und mehr zurückzieht, weil man sich nicht verstanden fühlt.

Das Problem ist: Offenheit wird dadurch torpediert. Wenn sich einer von beiden auch nur ein Stück zurückzieht, wird Offenheit sehr, sehr schwierig. Man verschließt sich, um nicht verletzt zu werden. In dem Moment glaubt man als Frau oft einer Lüge, und das ist die Lüge, dass man selbst für den Schutz sorgen muss. Man versucht in gewisser Weise, der eigene Retter zu sein.

Fakt ist: Schutz wird gebraucht. Niemand möchte verletzt werden. Wenn aber die Entscheidung lautet: Mein Mann hat mich verletzt, ich distanziere mich jetzt, um mich zu schützen, dann glaubt man der Lüge, man müsse der eigene Retter sein. Das muss nicht so sein. Der Retter ist schon da; er heißt Jesus und will für Sicherheit sorgen.

Vielleicht besteht in der Ehe gerade die Situation, dass man sich nur noch auf einer oberflächlichen Ebene öffnet. Wenn es tiefer geht, hat man sich distanziert, wenn man ehrlich ist. Das kann viel Sorge und auch Ängste mit sich bringen. Im Vertrauen auf Gott wieder einen Schritt auf den Mann zuzugehen, trotz des Risikos, dass er vielleicht erneut verletzt, kann ein Weg sein — und das aus dem Glauben heraus: Jesus, ich glaube daran, dass du mein Retter bist. Ich muss mich nicht selbst retten oder selbst beschützen. Du bist mein Fels, ich will deinen Willen tun und gehe jetzt noch einmal auf meinen Mann zu.

Ein Pastor, den ich sehr schätze, sagte mir einmal: "Ich liebe das nackte Herz meiner Frau." Diese Formulierung fand ich interessant. Er erklärte: "Ich schätze es so sehr, wenn meine Frau auf tiefster Ebene redet, sich komplett öffnet und mir alles über sich erzählt." Mit anderen Worten: "Ich liebe es, wenn sich meine Frau mir völlig öffnet." Ein weiser Mann wird das erkennen und seiner Frau in diesem Moment viel Aufmerksamkeit und Schutz geben. Er wird sagen: "Komm, ich bin da. Öffne dich weiter; du bist bei mir sicher."

Das ist der erste Grund, warum vertraute Offenheit in vielen Ehen fehlt: Einer der beiden hat sich aus Selbstschutz verschlossen.

Sünden offenlegen: Beichte, Gnade und Wiederannäherung

Ein weiterer Grund, warum vertraute Offenheit oft fehlt, ist: Ich verheimliche etwas, damit die Sünde nicht ans Licht kommt. Adam und Eva haben durch die Sünde auch die Vertrautheit zueinander verloren. Davor waren sie nackt und schämten sich nicht — komplette Offenheit auf allen Ebenen. Danach entstand Entfremdung.

Es gibt nur eine einzige Lösung, diese Distanz zu überwinden: mit der Sünde ans Licht gehen. In 1. Johannes 1,7 heißt es: Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. Ins Licht gehen bedeutet ein Sündenbekenntnis — in erster Linie natürlich Gott gegenüber, aber auch immer dem betroffenen Mitmenschen gegenüber.

Die Folge, die Johannes uns hier deutlich macht, ist wiederhergestellte Gemeinschaft, nicht nur mit Gott. Er sagt: Wir haben Gemeinschaft miteinander. Da, wo man in der Ehe diesen Schritt geht und einander Sünden bekennt, hat das ein großes Potenzial, die Ehe tiefer werden zu lassen als vorher. Nicht immer automatisch, aber oft ist das die Folge.

Ein Sündenbekenntnis ist nie einfach, aber es ist befreiend. Paul David Tripp, einer meiner Lieblingsautoren, schreibt Folgendes: Das Evangelium von Gottes Gnade ist eine Einladung zur Offenheit, weil wir wissen, dass nichts über uns offengelegt oder offenbar werden kann, was nicht bereits durch Jesu Opfer bedeckt wurde. Versteht ihr: Wenn wir verstanden haben, dass all das Böse in uns bereits durch sein Kreuz bezahlt wurde, dann motiviert uns das Evangelium zu einer totalen Offenheit in unserer Ehe. Ich darf meiner Frau meine Sünden bekennen, weil ich weiß, dass er sie bereits bezahlt hat. Das motiviert mich zur Offenheit.

Wenn wir Dinge nicht bekennen, wenn wir sie unseren Ehefrauen oder unserem Ehemann nicht beichten, dann entsteht ein größerer Bereich in unserem Leben, von dem der Ehepartner gar nichts weiß. Das verhindert immer eine wirklich vertraute Offenheit.

Aus seelsorgerlicher Sicht muss man allerdings sagen: Nicht alle Details sind immer für den Ehepartner hilfreich. Wir dürfen unseren Ehepartner nicht mit dem Kreuz verwechseln. Ich betreue gerade ein Ehepaar, das sehr leidet, weil sie zu viel aus ihrer Vergangenheit ihrem Mann erzählt hat. Sie vergleicht ihn ständig mit ihren Ex-Freunden; das ist ein Kampf in ihr. Sie hat ihren Mann total detailliert hineingenommen, und der Mann ist fertig. Manchmal müssen wir sensibel sein und allgemeinere Dinge nennen — nicht konkret, bei welcher Frau man gerade einen lüsternen Gedanken hatte, sondern zum Beispiel: Schatz, ich habe zu kämpfen. Bete für mich. Ihr versteht, was ich meine. Unsere Frau ist nicht das Kreuz; das Kreuz ist das Kreuz.

Dennoch sollten wir diese prinzipielle Offenheit haben. Vielleicht trifft dieser Punkt auf dich zu — vielleicht gerade als Mann. Vielleicht gibt es eine Sünde in deinem Leben, von der deine Frau nichts weiß. Und vielleicht glaubst du der Lüge: Wenn ich es ihr erzähle, wird alles kaputtgehen, also ist es besser, ich erzähle es ihr nicht. Fakt ist: Ihr werdet nie eine vertraute Offenheit erfahren.

Ja, es kann sein, dass sich der Zustand in eurer Ehe zunächst verschlechtert, wenn du deiner Frau deine Sünde bekennst, weil Verletzungen entstehen. Aber ich durfte bei vielen Ehen Zeuge sein, in denen selbst eine Affäre im Spiel war und die heute wieder geheilt sind. Weil Jesus immer zur Offenheit aufruft. Wisst ihr: Wo wir unsere Sünden zudecken, deckt Gott auf. Aber das Gegenteil ist auch wahr: Da, wo wir aufdecken, deckt Gott zu. Das ist unsere Hoffnung für die Ehe.

Ich möchte dich ermutigen, wenn du deinem Ehepartner größere Bereiche verheimlichst — auch wenn er jetzt gerade neben dir sitzt. Das Evangelium ermutigt uns zur Offenheit. Bekenne es ihr. Und wisst ihr, was in dem Moment passiert? Du sagst deiner Frau etwas von deiner Sünde, du siehst den Schmerz in ihren Augen, den du ihr zugefügt hast, und dann hörst du von ihr die Worte: Ich vergebe dir. Das sind kostbare Momente in einer Ehe.

Ich spreche aus Erfahrung. Das hat das Potenzial, die Ehe viel stärker zu machen als vorher. Das wünsche ich euch. Vielleicht ist heute Abend so ein Moment, in dem jemand seinem Ehepartner etwas gesteht und ihr gemeinsam neu zum Kreuz geht.

Pflegen wie einen Garten: Praktische Investition in die Ehe

Der fünfte Punkt ist aufmerksame Investition. Eine Ehe braucht Investition.

Paul David Tripp, den ich gerade schon zitiert habe, hat gesagt: Die meisten Ehen scheitern nicht am Ehebruch, die meisten Ehen scheitern an Vernachlässigung. Und ich glaube, das ist wahr. Die meisten Ehen scheitern nicht am Ehebruch, die meisten Ehen scheitern einfach an Vernachlässigung.

Ich habe euch einen Vers mitgebracht. Dabei geht es erst einmal nicht um die Ehe, sondern um eine erste Liebe, die wieder entstehen soll. Es ist das Sendschreiben an die Gemeinde Ephesus. Jesus sagt hier einer Gemeinde, wie sie wieder zur ersten Liebe kommen kann. Das Prinzip lässt sich genauso auf die erste Liebe in der Ehe anwenden.

Jesus sagt: Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße, und tue die ersten Werke. Das heißt, zurück zur ersten Liebe geht erst einmal über Nachdenken. Was haben wir eigentlich vernachlässigt?

Dann tue Buße – das griechische Wort bedeutet umdenken. Erst nachdenken, dann umdenken. Und dann sagt Jesus: Zurück zu den ersten Werken. Jetzt müssen auch Handlungen folgen. Verändertes Denken muss zu verändertem Handeln führen, und das meine ich mit aufmerksamer Investition.

Als ich vor 17 Jahren und vier Monaten geheiratet habe, kam mein Onkel zu mir und gab mir einen einfachen, aber weisen Rat. Bei der Hochzeit hört man viele Wünsche und Ratschläge. Trotzdem denke ich auch nach 17 Jahren und vier Monaten immer noch daran. Er sagte zu mir, André: Die Ehe ist wie ein Garten. Etwas Wunderschönes, wenn es gepflegt wird.

Der Vergleich passt so sehr. Ich sehe das an unserem Garten. Wir haben sechs Eichen, einen großen Garten, und im Herbst ist viel Arbeit zu tun. Aber wenn die Arbeit getan ist, ist der Garten wunderschön, und wir genießen ihn als Familie. Und genauso ist es mit der Ehe. Eine Ehe kann so schön sein, und wir sollten daran festhalten. Es kann nicht sein, dass wir als Christen ständig nur über unsere Ehen nörgeln. Ja, es ist schwer, manchmal ist es schwer, aber mit Gottes Hilfe kann es richtig schön werden. Siehe das Hoheslied. Das beschreibt nicht das Paradies, sondern die Ehe auf Erden. Und das geht mit sehr, sehr viel Investition einher.

Lou Priolo schreibt in seinem Buch an Männer – deswegen ist das jetzt hier auch an Männer gerichtet, aber die Frauen können sicherlich mitdenken. Da heißt es: Wie viel deines Nachdenkens widmest du der Frage, wie du deine Frau glücklicher machen kannst? Vielleicht hast du damals ihre Freundin gefragt, was sie besonders mag oder was ihr Spaß macht. Warst du erfinderisch und hast dir kleine Nettigkeiten einfallen lassen? Was ist seither passiert? Was hält dich davon ab, weiter solche wunderbaren Gedanken nachzugehen? Kann es sein, dass du nach deiner Heirat deine erste Liebe hinter dir gelassen hast?

Wenn du deinem Partner nicht mehr gefallen möchtest, liegt es wahrscheinlich an deiner Selbstsucht. Das ist eine unbequeme Wahrheit. Kann es sein, dass die Liebe in eurer Ehe erkaltet ist, einfach weil du dir keine Gedanken mehr über die Ehe machst? Es hat sich so eingefunden: Es ist halt so bei uns. Ist das ein starkes Zeugnis für den Heiligen Geist in unseren Ehen? Es ist ein schwaches Zeugnis, und wir finden manchmal Ausreden. Bei uns Männern sind das häufig die Lebensumstände: so viel Verantwortung bei der Arbeit, so viele Dienste in der Gemeinde. Das Problem ist immer unser Herz.

John Krotz schreibt in seinem Buch Eine Ehe mit Gott im Zentrum: Echte biblische Liebe entsteht aus warmen, selbstlosen Gedanken gegenüber deiner Frau – natürlich auch gegenüber deinem Mann, andersherum. Aber es beginnt mit Denken, und daraus folgt dann Handeln.

C. J. Mahaney ist für mich ein echtes Vorbild, ein Pastor aus Amerika. In seinem Buch, das eigentlich um Sexualität geht, beschreibt er, wie er sich Gedanken macht, was er seiner Frau Gutes tun kann. Ich lese ein Zitat vor, in der Hoffnung, dass es auch auf der Folie ist. Er schreibt: Jede Woche am Samstagabend oder Montagmorgen gehe ich zum nächstgelegenen Starbucks. Das Wichtigste an der Zeit dort ist, dass ich festsetze, was ich in den folgenden sieben Tagen unbedingt erreichen möchte. In Bezug auf Carolyn, das ist seine Frau, nehme ich mir nicht mehr als drei wichtige Ziele vor, die ich in einer Woche erreichen kann, und trage sie in meinen Terminplaner ein. Das können sein: ein gemeinsamer Abend, ein Mitbringsel, eine feste Zeit, in der ich mit ihr über etwas rede, das ihr wichtig ist, usw. Von außen betrachtet sieht es nicht besonders spektakulär aus. Ich bin einfach nur ein weiterer Mann mit Glatze in einem Café, der ein kleines elektronisches Gerät in der Hand hält und eine zerknitterte Sportzeitung neben sich liegen hat. Doch ich versichere Ihnen: Wenn man diese Zeiten gewissenhaft und regelmäßig einhält, bringen sie viel Frucht.

Er setzt sich jeden Sonntag hin und macht sich Gedanken: Was kann ich meiner Frau Gutes tun? Seit Jahren. Wäre es vielleicht auch mal an der Zeit für uns Männer, das zu tun? Es muss nicht in einem Starbucks sein, aber dass wir uns immer abends am Sonntagabend oder am Montag früh hinsetzen und uns einfach reindenken – in unsere Kinder und in unsere Frau. Was steht bei den Kindern an? Welche Arbeiten schreiben sie diese Woche? Wo brauchen sie Hilfe von mir als Vater? Was steht bei meiner Frau an? Welchen Arzttermin hat sie? Wo hat sie Sorgen? Wann hätten wir Zeit, mal wieder shoppen zu gehen? Sie braucht eine neue Tasche oder neue Schuhe. Wann können wir unser gemeinsames Date haben?

Ich glaube, es ist so wichtig, dass wir da sehr praktisch werden als Männer. Ich glaube, dass ein Eheabend pro Woche absolut notwendig ist und darüber hinaus vielleicht zwei Wochenenden im Jahr nur mit der Ehefrau, ohne Kinder – zweimal im Jahr – und jeden Abend, jede Woche einen Abend. Und das machen wir nicht, um Lob zu bekommen. Wir Männer sind oft kalkulierend; das ist das menschliche Herz, manchmal auch bei Frauen. Wir planen etwas für unsere Frau, aber in Wirklichkeit geht es uns um den Abend all inclusive danach. Wir sind dabei sehr berechnend. Darum geht es nicht. Es geht einfach darum, dass wir Dinge planen, um für sie ein Segen zu sein, egal ob etwas zurückkommt oder nicht. Wir wollen ihr ein Segen sein. Punkt. Und das muss praktisch werden.

Weißt du, wo deine Frau am liebsten essen geht? Weißt du, was ihre Lieblingsthemen sind, worüber sie total gerne mit dir redet? Weißt du, was ihre Lieblingsgeschäfte sind, was ihre Lieblingsmarke ist, was ihre Lieblingsmusik ist? 1. Petrus sagt: Seid verständnisvolle Ehemänner. Denkt euch in eure Frauen hinein und investiert.

Ich möchte mich aber auch an die Ehefrauen richten; ich habe hier zu viel über Männer gesprochen. Weißt du, auch als Ehefrau kannst du deine Ehe wirklich vernachlässigen. Natürlich ist das herausfordernd, wenn die Kinder klein sind. Das ist so hart für junge Mütter: zwei, drei kleine Kinder, die den ganzen Tag beschäftigt sind, und abends spürst du regelrecht die Erwartung deines Ehemannes. Das ist brutal und manchmal richtig schwer. Ich möchte keinen übergroßen Maßstab anlegen; das steht mir nicht zu. Aber ich möchte dir sagen: Vernachlässige nicht deinen Mann. Als Ehefrau kann man sich so schnell verzetteln: so viele soziale Kontakte, vielleicht noch dein Social-Media-Kanal, deine Hobbys, Pinterest, Instagram, eine Serie – und nichts davon ist automatisch verwerflich. Aber manchmal ist es eine Flucht. Manchmal suche ich Erfüllung in meinem Hobby oder in der Zeit mit meinen Freundinnen, weil meine Ehe mich nicht glücklich macht.

Ich möchte dich, liebe Ehefrau, an eine ganz wichtige Wahrheit erinnern: Deine erste und wichtigste Aufgabe im Reich Gottes ist dein Ehemann. Deine Kinder kommen direkt danach, aber deine wichtigste Berufung ist dein Mann. Ich möchte dich ermutigen, darauf zu vertrauen, dass darüber Segen liegt, weil Gott sich entschieden hat, das zu segnen.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Frau mich sehr vernachlässigt hat, aber sie sagte mir vor einigen Jahren – es war Sommer 2024 – André, ich werde jetzt ein bisschen weniger machen, weil unser Leben war ziemlich intensiv. Sie sagte: Gott hat mir einfach gezeigt: Du bist meine Hauptaufgabe. Und darum werde ich mich den Rest meines Lebens um dich kümmern. Ich kann euch sagen, wie sehr unsere Ehe davon profitiert.

Ich möchte dich als Ehefrau ermutigen: Hinterfrage dich selbst kritisch. Hast du dich vielleicht verzettelt? Kannst du mit Überzeugung vor Gott sagen – es geht um seine Vorstellung von Ehe, nicht um deine –, dass deine Hauptberufung dein Mann ist und du den Rest deines Lebens in die Ehe investierst? Ob dein Mann kompliziert ist oder nicht, ob er passiv ist oder ein geistlicher Leiter – investiere dich in deine Ehe und sei für deinen Mann ein Segen. Mach dir Gedanken, wie du ihm ein Segen sein kannst. Konzentriere dich auf deinen Mann – um Jesu willen. Wenn die Motivation nur dein Mann ist, dann bist du irgendwann am Ende, weil wir Männer es euch manchmal sehr schwer machen. Deine Motivation ist nicht dein Mann, deine Motivation ist Jesus. Er bleibt immer deine Motivation, egal wie kompliziert dein Mann ist. Tu es um Jesu Willen, investiere dich in deine Ehe.

Der letzte Punkt, der sechste Punkt heute Abend, ist schenkende Sexualität. Dieser Punkt kommt bewusst erst am Ende, weil er nicht das Fundament einer Ehe ist, sondern das Sahnehäubchen. Es ist aber auch Gottes Plan. Wie auf so vielen Gebieten kann man in puncto Sexualität von zwei Seiten herunterfallen: Man kann die Sexualität in der Ehe überbewerten, aber man kann sie auch unterbewerten.

Man kann sie überbewerten. Caro und ich waren vor einiger Zeit in Amsterdam spazieren. Wir mögen Städtetrips. Wir waren in einer Gegend, in der das Buch der Sprüche sagen würde: Lass deine Augen stracks gerade ausgerichtet sein. Ich habe eine Schlagzeile gesehen: Sex solves everything. Sex löst alle Probleme. Das ist eine Lüge, eine Überbewertung der Sexualität. Das ist, was die Welt vielleicht verkaufen möchte.

C. J. Mahaney schreibt dazu: Erfüllende Sexualität ist nicht die Voraussetzung für eine liebevollen Beziehung, sie ist das Ergebnis einer liebevollen Beziehung. Auf der anderen Seite kann man aber auch den Stellenwert der gottgefälligen Sexualität im Rahmen der Ehe unterbewerten, nach dem Motto: Das ist ja gar nicht so wichtig in einer Ehe. Auch das ist eine Lüge. Gott hat die Sexualität gegeben, damit wir unseren Ehepartner damit beschenken. Sex wird nie eingefordert; Sex soll nie eingefordert werden, sondern geschenkt werden dem anderen. Es ist so ein Segen für die Ehe, so hat Gott es sich gedacht. Dabei werden sogar Bindungshormone ausgeschüttet. Es ist so etwas wie Kleber für eine Ehe.

Das Erfüllende an wirklich schenkender Sexualität ist nicht in erster Linie das Körperliche, sondern das Seelische. In der Seelsorge, gerade auch in unserer Gemeinde, sind viele Menschen zum Glauben gekommen, die in der Welt gelebt und sehr viel Kaputtes erlebt haben. Wir haben einige Frauen, die vergewaltigt oder sexuell missbraucht wurden. Bei einer Vergewaltigung sind die seelischen Narben dramatisch. Sexualität wirkt mächtig auf der seelischen Ebene, und das hat auch enormes Potenzial für eine Ehe, wenn sie gut gelebt wird.

Ich weiß, dass das ein sensibles Thema ist, aber es ist wichtig, dass wir als Ehepaare auf diesem Gebiet immer wieder zusammenkommen und uns einander beschenken. Es geht nicht ums Einfordern. Viele Männer machen den Fehler, etwas einzufordern und sich dann auf Verse zu berufen wie „Du darfst dich mir nicht entziehen“. Damit macht man viel kaputt. Es geht darum, dass jeder seinen Part sieht. Ich fordere nicht ein, aber ich weiß, es ist wichtig für unsere Ehe, und ich möchte meinen Teil dazu tun, dass wir auf diesem Gebiet Gottes Segen erleben können.

Wir haben im Hoheslied eine Anleitung für erfüllende Sexualität in der Ehe. Ich möchte in der verbleibenden Zeit noch zwei Stellen lesen. Aus Hoheslied 4,1-7, zumindest auszugsweise, sehen wir, wie der Mann seine Ehefrau anspricht. Er nennt sie hier seine Freundin; in Kapitel 3 fand die Hochzeit statt. Das ist ein Kosewort, das mit Freundin übersetzt ist. Er sagt in der Hochzeitsnacht: Siehe, du bist schön, meine Freundin. Siehe, du bist schön, deine Augen leuchten wie Tauben hinter dem Schleier hervor, dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die vom Gebirge Gilead hüpfen, deine beiden Brüste sind wie zwei Kitze, Zwillinge der Gazelle, die in den Lilien weiden; alles an dir ist schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.

Es ist interessant: Wenn wir das im Detail anschauen, ist es die Hochzeitsnacht. Er sieht sie zum ersten Mal, weil sie ein verschlossener Garten war und als Jungfrau in die Ehe ging, so wie Gott es vorgesehen hatte. Er sieht sie in der Hochzeitsnacht so, wie Gott sie schuf. Und mit welchen Komplimenten beginnt er? Mit ihren Augen. Man muss aufpassen mit Kopfkino bei solchen Sachen, aber es geht ihm um ihr Herz. Er möchte ihr Herz ansprechen, nicht nur bestimmte Regionen. Er sieht sie komplett und möchte ihr Sicherheit auf emotionaler Ebene geben. Er lobt ihre Augen, ihr Haar und erst dann arbeitet er sich weiter vor. Alles an dir ist schön. Er berührt ihr Herz, bevor er ihren Körper berührt. Ihm geht es nur um sie. Er gibt, er gibt, er gibt. Er will noch nicht nehmen, er gibt einfach. Das ist schenkende Sexualität.

In Kapitel 7 sehen wir, wie sie Initiative ergreift, wie sie auf ihn zugeht und ihn einlädt, ihn beschenken will. Da heißt es: Komm, mein Geliebter, lass uns aufs Feld hinausgehen, wir wollen unter Hennersträuchern die Nacht verbringen, wir wollen uns früh aufmachen zu den Weinbergen, wollen sehen, ob der Weinstock treibt, ob die Weinblüte aufgegangen ist, ob die Granatäpfelbäume blühen. Und jetzt sagt sie etwas Wunderschönes: Dort will ich dir meine Liebe schenken.

In der Bibel gibt es das Wort „Sex“ nicht. Manchmal suche ich selbst nach einem anderen Wort. „Geschlechtsverkehr“ klingt technisch, „Sex“ klingt weltlich. Die Bibel spricht von Erkennen, Liebe schenken auf Beziehungsebene. Hier geht die Initiative von ihr aus. Sie lockt ihn regelrecht – aufs Feld. Warum aufs Feld? Damals wohnte die ganze Familie im Haus, da war man nie allein. Sie sagt: Komm, wir gehen raus. Dort will ich dir meine Liebe schenken. Was für eine wunderbare Einladung. Ich will dir meine Liebe schenken.

Schenkende Sexualität schaut von sich weg und ist darauf bedacht, dem Ehepartner maximale Freude zu schenken. Schenkende Sexualität ist nicht die Sache einer fordernden Person und einer, die den Zugeständnis macht und es irgendwie über sich ergehen lässt. Beschenkende Sexualität ist eine Sache zwischen zwei aktiven Personen: zwei gebenden und zwei beschenkten Personen. Wir brauchen diese Erinnerung immer wieder, weil die Welt dieses Thema oft pervertiert. Deshalb müssen wir in der Gemeinde darüber reden, Gottes Maßstab hochhalten und ihn in unseren Ehen anwenden.

Romantik und schenkende Sexualität sind immer nur das Ergebnis einer guten Beziehung. Deswegen nenne ich das hier am Ende. Wenn die vertikale Ausrichtung stimmt, wenn selbstlose Liebe da ist, wenn dankbare Annahme da ist, wenn vertraute Offenheit da ist und wenn aufmerksame Investition da ist, dann ist Romantik die Folge. Das kann man nicht planen; natürlich kann man etwas planen, um einen Abend schönzumachen. Aber wenn die anderen fünf Dinge nicht da sind, hast du Pseudoromantik. Du bist nicht offen miteinander, buchst ein Candlelight-Dinner und sitzt dann da mit Anspruch: Jetzt ist alles schön, wir müssen reden. Du hast nichts zu reden. Pseudoromantik.

Aber da, wo wir Gottes Wort ernst nehmen in unseren Ehen, wo wir uns selbst verleugnen, wo wir diese Momente des Evangeliums haben, wo wir uns öffnen, einander vergeben und gemeinsam auf Christus schauen, wo wir uns investieren und leidenschaftlich für unseren Ehepartner sind, da wird Romantik automatisch folgen. Um Punkt sechs muss man sich dann nicht groß kümmern. Natürlich kann man etwas planen, aber es ist die Folge.

John Piper, den ich sehr schätze, hat einmal in seinem Podcast auf eine Frage geantwortet, die wohl aus dem Wunsch nach erfüllender Sexualität gestellt wurde. Er rät: Konzentriere 99 Prozent deiner Liebe auf deine Frau außerhalb des Schlafzimmers. Investiere 99 Prozent deiner Kraft in deine Frau außerhalb des Schlafzimmers. Dann wird das eine Prozent im Schlafzimmer sehr besonders sein. Das ist biblischer Rat. Ich möchte euch ermutigen, den Schwerpunkt auf die anderen fünf Punkte zu legen. Das letzte Thema wollte ich nicht unausgesprochen lassen, weil es wichtig ist, aber um dahin zu kommen, brauchst du die ersten fünf.

Lieber Mann, ich möchte dich ermutigen, heute Abend das Gespräch mit deiner Frau zu initiieren. Ich weiß, wie das nach Eheabenden ist: Man fährt zu zweit weg, sitzt im Auto, und vielleicht ist erst einmal Ruhe. Die Ehefrau denkt: Sag doch was. Und wir Männer denken: Sag doch was. Lasst uns das heute Abend klären: Übernehmt ihr Männer die Initiative. Das ist eure Aufgabe. Gott spielt euch praktisch den Ball zu.

Initiiere heute Abend das Gespräch mit deiner Frau und denk über diese sechs Punkte nach. Vielleicht kannst du ein Foto machen von diesen sechs Dingen. Sag deiner Frau: Geh du den ersten Schritt und erzähle ihr, was dich heute am meisten angesprochen hat, wo Gott in dein Leben gesprochen hat. Dann könnt ihr euch austauschen. Es ist schön, positiv anzufangen: In welchen Punkten schenkt Gott euch viel Gelingen? Fangt damit an und dankt gemeinsam. Redet aber auch darüber, wo es gar nicht gut läuft. Dann geht ihr zusammen vor das Kreuz und bittet den Herrn, eure Ehe zu segnen. Amen.

Ich würde gerne noch mit uns beten. Lasst uns vielleicht dazu aufstehen.

Herr Jesus, ich bin dir so dankbar, dass du unsere Hoffnung bist. Wenn wir durch dein Wort getroffen werden und du deinen Finger auf wunde Punkte in unserem Herzen und in unserer Ehe legst, müssen wir nicht verzweifeln. Wir können wieder zu dir kommen und um Hilfe bitten. Ich bitte dich für all die anwesenden Ehepaare, dass du heute Abend einen sehr gesegneten Austausch schenkst, dass Dinge ans Licht kommen und dass sie gemeinsam danken können für all das Gute, das sie erleben. Herr, segne uns, dass wir wirklich Ehe nach deinem Plan leben.

Ich bitte dich auch für diejenigen, die heute vielleicht alleine hier sind, verzweifelt sind oder in ihrer Ehe nichts sehen und erleben können: Schenk ihnen, dass sie nicht aufgeben, sondern dass du ihnen heute besonders nah bist. Auch wenn sie zu Hause sehr einsam sind, kümmere du dich um sie und gib ihnen neuen Mut. Amen, Amen.

Nehmt gerne Platz.

Intime Zuwendung als Ausdruck von Liebe

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