Epheser Brief Kapitel zwei die Verse 1-10. Ich zögere immer etwas, diese
großen Abschnitte so einer Predigt zu Grunde zu legen, weil ich weiß, wie
gefüllt das ist, und man kann das oft gar nicht fassen. Ich habe immer
Sorge dass Ihre Gedanken dann ganz schnell abschweifen zu den
Schwierigkeiten und Problemen, die Sie bedrängen. Deshalb muss man
besonders her hören:
Auch ihr wart tot, auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden,
in denen ihr früher gelebt habt, nach der Art dieser Welt unter dem
Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit
am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. Der dämonische Zeitgeist, der
uns alle im Griff hat. Unter ihnen haben auch wir alle, also Paulus
schließt sich ein, selbst mit seiner frommen Vergangenheit, unter ihnen
haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unseres
Fleisches, und taten den Willen des Fleisches und der Sünde, und waren
Kinder des Zorns von Natur, wie auch die anderen. Aber Gott, der reich ist
an Barmherzigkeit hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht.
Aus Gnade seid ihr selig geworden, Sie merken, beim Paulus geht es alles
durch einander, jetzt überschlägt er sich, da ist sein ganzes Temperament
mit ihm durchgegangen, da schlägt sein Herz. Deshalb die Bindestriche, und
er hat uns mit Jesus auferweckt, und mit eingesetzt im Himmel in Christus
Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen
Reichtum seine Gnade, durch seine Güte gegen uns, in Christus Jesus. Denn
aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus
euch, Gottes Gabe ist es. Nicht aus Werken, also nicht selbst fabriziert,
nicht handgestrickt, nicht selber gemacht, damit sich nicht jemand rühme,
denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus, zu guten Werken, die
Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Das kennen Sie sicher auch: Stunden, wo man mutlos und traurig ist. Da
hilft es nicht, wenn man jemand auf die Schultern klopft, sondern wir
klagen uns selber an, und sagen: was hast du wieder gemacht, du in deiner
Torheit, du hast dich selber nicht im Griff! Man macht sich Vorwürfe, man
klagt sich an, man ist ganz down im Keller. Die Stimmung sinkt. Resignation
und Traurigkeit breiten sich aus. Ich höre immer wieder Leute, die sagen,
ich zweifle an Gott. Da muss ich immer lachen und sagen, geht's ihnen mal
gut. Wenn sie an Gott zweifeln, denn geht's Ihnen gut. Bei mir es oft viel
schlimmer: Ich zweifle an mir. Und das kennen die Leute wahrscheinlich
meistens gar nicht. Wenn man an sich selber verzweifelt, wenn man keinen
Mut mehr hat, wenn man gar nicht mehr weiter weiß. Und wenn man sich selber
anklagen muss, und weiß, ich hab so viel verkehrt gemacht, und das kann ich
gar nicht mehr korrigieren. Ja was soll ich dann machen? Ganz einfach:
Bibel lesen. Das wissen Sie gar nicht, dass die Bibel Ihnen neuen Mut und
neue Zuversicht schenkt. Ganz unten, in der Traurigkeit, wenn sie verzagt
und mutlos sind. Und dann richten Sie Ihren Blick empor! Sie wollen gar
nicht hoch blicken, und Sie sagen: Gott muss mich ja erst Recht verdammen
und anklagen und fertig machen, der hat ja Grund, mit mir ins Gericht zu
gehen! Ja, das tut er, wenn sein Licht hinein leuchtet in unser Leben, dann
sieht man noch viel, viel mehr, was Versäumnisse und Schuld ist, und wie
das sogar mit unserem ganzen Wesen verwoben ist. Das sind ja nicht bloß
Pannen, die ab und zu mal passieren, sondern das ist so typisch für uns!
Aber dann, dann hören wir, dass Gott solche Leute ruft, solche Leute
umgestalten will, das Leben neu machen will, mit solchen Menschen will er
arbeiten, will er Großes machen. Er will sie emporheben, mit Ehre krönen.
Solche Leute hat er in den Dienst genommen! Sie können in der Bibel lesen,
wo Sie wollen: es waren durch die Bank, waren es kleine, schwache Leute,
gescheiterte Leute, schuldige Leute. Einen Hirtenjungen, von dem der Vater
sagt, ach, den habe ich gerade im Blick auf seine Brüder vergessen, der
kommt aber wohl nicht in Frage, dass Gott den gebrauchen kann. Der wird
größte König Israels, der David. Der seine Lieder singt, was gibt es
Schöneres als diese Davids-Psalmen. Ein anderer, der unter dem Gespött
seiner Geschwister sehr gelitten hat, unheimlich lange im Gefängnis saß:
Joseph. Der wird erhöht zum Vizekönig Ägyptens. Das kann Gott machen, das
kann Gott machen, allen Menschen zum Trotz. Ein anderer junger
Kriegsgefangener, in Babel in der Fremde, wird weiser als alle Räte am Hof,
und wird später zum Superminister erhoben, weil Gott mit ihm war. Wir
können das einmal gerade entlanggehen: Die Fischer, in deren Leben Jesus
getreten war, die haben es fertig gebracht, dass der ganze römische
Erdkreis, so sagte man damals für die ganze bewohnte Erde im römischen
Reich, da erregten sie Unruhe, und Kaiser und Könige hörten zu, wenn die
sprachen. Einfache Fischer, ungelehrte Leute. Und die Frauen, da müsste man
extra... aber ich kann das jetzt nicht tun, wie Gott einzelne Frauen:
leidende, unterdrückte, geschlagene Frauen geehrt hat! Ihr Leben groß
gemacht hat, ihnen Wirkung verschafft hat. Also, das ist nur der Anfang
unserer Predigt: Wenn Gott in ihr Leben eintritt, wenn Sie seinen Ruf
hören, dann kann er Großes aus Ihnen machen: Fürchte dich nicht, ich bin
mit dir, sagt er, weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich
helfe dir auch. Ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner
Gerechtigkeit.
Gott befähigt
Mein erster Punkt: Gott befähigt. Ja wir denken immer: Wenn wir für Gott
etwas tun müssen, kann ich das? Da stehen wir vor den Spiegel, und sagen,
ja nun der Schönste bin ich nicht ganz, aber und der Gescheiteste bin ich
auch nicht ganz, sagen wir bescheiden, und dann prüfen wir unsere Gaben,
man darf es doch mal augenzwinkernd sagen, wie wir uns selber einschätzen.
Aber unsere Selbsteinschätzung hängt ja ganz stark ab von dem Lob der
Menschen um uns her. Wenn meine Frau zu mir sagt, du hast recht gemacht,
dann bin ich ganz erhoben, das tut mir wieder gut. Und wenn wir Fehler
gemacht haben, dann sinken wir wieder ab in bodenlose Tiefen. Wir haben
irgendwo keine Sicherheit, wir können uns selber schlecht einschätzen.
Sehen Sie, das ist der Grund, warum Gott gar nicht auf unsere natürlichen
Gaben spekuliert. Vielleicht meinen Sie immer wieder, Gott sei das nicht
wichtig, er hat Ihnen ja Ihre Begabungen gegeben, dass Sie so klug sind,
und so hübsch sind, und so gut ihre Sachen meistern. Das ist eine Gabe
Gottes, da dürfen Sie sich daran freuen, das achtet Gott nicht gering, aber
für ihn ist das gar nicht wichtig, er baut nicht auf diesen Teil unserer
Eigenleistung, unseres Könnens. Wenn's beim Seligwerden bei unserem
Glaubensweg, den wir gehen, auf unser Können, auf unsere Willenskraft, auf
unser Vermögen, auf unsere Treue ankäme, auf unser Wollen, auf unser Tun,
würde nie nie ein Mensch selig werden, nie. Und darum sagt das immer Gottes
Wort so klar, dass in uns allen so stark diese Schwäche drin steckt. Jetzt
verstehen Sie es noch einmal, weil Gott nicht will, dass wir darauf bauen,
wir tun das so gerne, wir schätzen uns selber so stark ein. Sondern dann
sagt Gott: es ist ganz allein aus Gnade geschehen, dass ihr selig werdet.
Das ist der Grund unseres Glaubens, der Grund unseres Lebens, das
Fundament, auf dem wir bauen können. Gott hat uns herausgeholt. Das ist wie
einer, der in den Fluss gefallen ist, in einen reißenden Strom. Und jetzt
wird er mit den Wellen fortgerissen, im reißenden Strom. Da ist das ganz
unwichtig, ob er ein guter Schwimmer ist, oder ein Nichtschwimmer, er wird
mitgerissen, und kommt unter. Und wenn er der beste Schwimmer ist, und wenn
er Olympia Medaillen um den Hals hat, er kann sich aus dem Strudel nicht
befreien. Das ist doch die Lage der Menschheit: Es kann keiner sein Leben
vor Gott retten. Darum sagt es der Paulus so klar: ihr seid aus Gnaden
selig geworden. Da hat Gott ein ganz großes Wunder getan: er hat seinen
Sohn Jesus gesandt, der zieht euch aus dem reißenden Strom heraus. Jetzt
steht er triefend mit den Kleidern am Ufer. Und können bloß sagen: es war
seine Wunderkraft. Wenn ich einmal in den Himmel komme, dann hat's er
fertig gebracht mit seiner großen Güte. Mit seiner wunderbaren Liebe. Gott
schafft mit solchen Leuten, wie wir sind. Und da hat Gott einen Plan, weil
er uns befähigt, und weil er uns brauchbar macht. Da gibt es gerade ein
Buch, das ist ein Bestseller, bei den evangelischen Christen. Das ist das
Buch vom frommen Chaoten. Ach, das liest man schmunzelnd, so wie nur
Engländer Bücher schreiben können: witzig und frech geschrieben, da ist so
ein junger Christ, der ein Künstler, und wirklich ein exzentrischer Typ,
man müsse eigentlich viel mehr von diesem komischen Mann erzählen. Aber der
will immer sein Glaubensleben mit einer übertriebenen Frömmigkeit
durchbringen und durchreißen. Da steht in seinem Tagebuch drin: Wieder
versuchte ich fünf Stunden zu beten, aber ich schaffe es nicht. Er wollte
immer Rekorde aufstellen, wollte die Bibel in einem Satz durch lesen. Aber
nach einer halben Stunde war er schon wieder müde. Oder am tollsten dann,
als er Zahn wiederkommt und im Spiegel sieht, das er ein großes Loch im
Zahn hat, das sagt er, Gott heilt alle meine Gebrechen. Jetzt muss ich es
bloß glauben, jetzt will er es durch Glauben erzwingen. Und dann sagt er:
Die ganze Nacht renne ich in meinem Zimmer herum, und ich klage Gott schon
an, und der Schmerz wird immer schlimmer statt besser. Nicht, er will es
mit seinem Glauben erzwingen, bis er endlich am fünften Tag klug wird, und
zum Zahnarzt läuft. Der fromme Chaot, da muss man wissen, das war wirklich
die Lebensgeschichte von den Adrian Plass. Aber der Mann hat's soweit
getrieben mit seiner Frömmigkeit, bis er einen Nervenzusammenbruch hatte.
Das ist heute so ein Wahn, bei uns allen, das wir meinen: Ich muss da mit
meinem Eifer, und mit meiner Hingabe das irgendwie gestalten und fertig
bringen. Dabei guckt doch aus jedem Knopfloch unseres Lebens die Sünde
heraus. Aus Gnaden seid Ihr selig geworden, aus Gnaden. Zum Nulltarif, es
ist euch einfach gratis geschenkt, du musst es bloß nehmen, und dann nimmt
dich Gott einfach so im Dienst. Ja und das Alte? Weg, vergeben,
ausgelöscht. Das muss doch auch bei Ihnen wieder die Mitte des Glaubens und
Lebens werden. Freuen Sie sich doch daran, das er alles wegnimmt! Auf
diesem Fundament müssen wir stehen. Einem solchen Armen, welchem alles
fehlt, den hat er zum seligen Eigentum erwählt. Gott holt sich solche
Leute, ganz tief unten, und ich kann bloß davor stehen, und sagen: Vielen
Dank! Herr, meine Bilanz, die nur lauter rote Zahlen kennt, die streichst
du durch, und schreibst schwarze Zahlen hinein. Ich bin gespannt, was Gott
aus Ihrem Leben machen kann, wenn Sie seine Gnade annehmen.
Wir können Großes wagen
Mein nächster Punkt: Wir können Großes wagen. Wir können Großes wagen.
Wenn Paulus das so beschreibt, dann will er Ihnen doch nicht den Mut
nehmen; im Gegenteil: er will Sie aufrichten, stärken. Ja wie er selber in
seinem Leben erfahren hat, will er das jedem sagen: Gott kann Großes aus
unserem Leben machen. Das ist eine so völlige Umkehr. Ein totaler
Neuanfang. Er gebraucht ein merkwürdiges Wort, ein Bild, das ist uns fremd.
Er sagt: wir waren alle Leichname. Nun sagen wir: ich war noch kein
Leichnam! Wir waren doch alle aktiv, sprühen voller Vitalität. Paulus sagt:
Ja sicher! Wenn Sie eine Leiche betrachten, da sehen sie noch die schönen
Züge des verstorbenen drin. Aber das wird über kurz oder lang verwesen und
stinken. Das verfällt. Und unser irdisches Leben, das uns so wunderbar
aktiv erscheint, das was wir ohne Gott alles machen, sagt, das ist sagte
ist alles in den Augen Gottes schon der Verwesung preisgegeben. Und das
Merkwürdige ist, dass Paulus alle über einen Kamm schert: Die Gottlosen,
und die Atheisten, und die Frömmler, und alle! Er sagt, eigentlich ist das
über all das gleiche. Es ist immer der eigenmächtige Mensch, der vor Gott
etwas will. Und unser Leibestod – man sagt unser Fleisch, unsere ganze
Persönlichkeit, da zählte auch unser Gemüt dazu, unser Kunstgefühl und
alles was wir haben, ist von den nichtigen Trieben besetzt. Das ist oft so
egoistisch, und so selbstsüchtig was wir tun. Also, da erwartet Paulus gar
nichts davon, dass man das veredelt und verbessert, aber er sagt: die
größte Wende geschieht, wenn Menschen ihr Leben Jesus hingeben, wenn Jesus
in das Leben von Menschen tritt, wenn Menschen im Glauben Jesus aufnehmen.
Da kommt plötzlich die Auferstehungskraft hinein, unter werden diese toten
Glieder lebendig. Ahnen Sie das, was aus Ihrem Leben werden kann, wenn sie
sich Jesus verschreiben? Wenn er Ihr Herr wird, wenn er durch Ihrer Hände
hindurch wirkt, wenn er Ihre Gedanken beherrscht. Wenn er ihre trägen
Glieder erfüllt, wenn Sie planen mit ihm, wenn ihre Zunge brennt von der
Freude an Jesus. Dann ist das so, dass eine ganz neue Kraft uns beseelt,
wir sind lebendig geworden. Vormals waren wir Kinder des Zorns, kann er
ganz hart sagen. Da stand der Zorn Gottes über uns, aber jetzt sind wir
lebendig geworden, ein neues Leben bricht an. Man kann das gar nicht genug
sagen, wie das Menschen verändert. Die Bekehrung. Da werden Sie plötzlich
sozial aktiv, da werden plötzlich Ehen neu. Da werden Familien geheilt, da
werden Süchtige los von ihren Bindungen, das steht ganz tief hinein bis in
unserer Prägungen, die uns oft tief belasten. Ich darf es Ihnen an einem
Beispiel deutlich machen: Wir hatten neulich hier im Gottesdienst unseren
Roland Lausch, der in einem Urlaub hier war. Der ist Entwicklungshelfer
ganz tief im Süden Äthiopiens. Und dem ist im letzten Jahr, wie er hier in
Deutschland in Heidenheim geheiratet hat, was Furchtbares passiert: Drei
Wochen vor der Hochzeit kam die Nachricht, dass dort unten in der
Revolution, in den Revolutionswirren, sein Heim zerstört wurde von diesen
Bürgerkriegstruppen. Alles gestohlen, was er hat. Der hat mit Liebe für
seine Frau, wenn sie nach der Hochzeit kommt, alles eingerichtet gehabt, so
wie man das in diesen ärmlichen Zuständen im Süden Äthiopiens überhaupt tun
kann. Und der Roland Lausch sagte, das Schlimmste war, als ich dort nach
Süd-Äthiopien kam, 600 km südlich der Hauptstadt, alle die Baumschulen, die
er angelegt hatte zum Aufforsten, waren nieder getrampelt, und verwüstet.
Er sagte: Dass Menschen das überhaupt machen können. Und dieses junge
Ehepaar begann mutig wiederaufzubauen: Wir müssen in dieser trostlosen Welt
etwas anderes machen. Und jetzt erzählte er uns, wie er hier war: Da
passiert nach Monaten etwas: am Morgen stehen plötzlich eine Menge Leute
vor seinem Haus. Was wollen die? Jetzt tragen die alle Dinge her. Die
bringen alle gestohlenen Dinge wieder zurück, und Roland Lausch sagte:
sogar die Kamera funktionierte noch. Ja, was war passiert? Der Häuptling
dieser Stämme, das sind ja nicht Amharen, sondern ganz wilde, blutrünstige
Stämme im Süden, kam durch einen Missionar unter den Einfluss des
Evangeliums von Jesus. Und er sagte an einem Morgen zu seinen Untergebenen:
Wir haben Unrecht getan. Und dann ordnete er mit seiner Häuptlingsautorität
an: Jetzt wird alles, was wir denen gestohlen haben, zurückgebracht. Sehen
Sie, das ist eine Umkehr, wenn Jesus lebendig macht, Menschen lebendig
macht, die tot waren. Die waren auch aktiv, aber es war letztlich alles vom
Tod gezeichnet, Nichtiges, was vor Gott nichts austrägt. Und eine solche
Umwandlung brauchen die Afrikaner und brauchen wir als Europäer. Dass unser
Leben lebendig gemacht wird, und neu gemacht wird, durch Christus, er kann
das. Aber ich will aus einem anderen Brief auch noch erwähnen, weil das
manchmal nicht so leicht geht, und jeder auch nicht so schnell sieht. Eine
unserer Krankenschwestern, die in einem moslemischen Land Afrikas arbeitet,
schrieb in ihrem Brief vor wenigen Tagen: in unserem Hospital arbeiten wir
nun 22 Jahre. Und versuchen von Jesus zu reden, wo wir nur können. Es hat
sich in 22 Jahren noch niemand bekehrt. So lange muss man manchmal warten.
Sie meinen das gehe im Eiltempo? Und doch werde ich ihr zurückschreiben:
Bleib dran, bleib dran, weil die Kraft Jesu nie vergebens ist, und unsere
Arbeit ist nie vergeblich in dem Herrn. Wir dürfen Großes erwarten, Großes
wirken. Bleiben Sie dran, bleiben Sie in seinem Dienst, und verlieren Sie
die Hoffnung nie.
Allein geht es nicht
Noch einen letzten Punkt: Allein geht es nicht. Allein geht es nicht. Ich
kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt. Aber komischerweise probieren
Christen es immer wieder allein zu machen. Allein. Vielleicht kommt Ihnen
das manchmal ein bisschen zu komisch vor, dass man immer so mit Jesus
rechnen sollte, am Werktag, und alles so von seiner Kraft her nehmen.
Genieren Sie sich vielleicht auch daran. Und Sie sehen das ja auch um sich
her, es gibt viele Christen ohne Jesus. Die brauchen Jesus gar nicht, die
machen das selber. Und die können das offenbar. Ganz tüchtig und ganz gut,
Nein, es kann keiner allein. Er wird über kurz oder lang in die tiefste
Depression absinken, er wird an sich selber scheitern. Es gibt andere
Gefahr, die mich viel mehr bedrängt, die ist bei frommen Leuten viel mehr
üblich: Dass sie sich hineinsteigern in ein ganz tolles Reden, und da reden
sie so: Ach, ich bin in meinem Christenstand so gewachsen! Das sagen sie
richtig mit feierlichem Pathos und mit Betonung; und dann reden sie, was
sie alles schon wirken, und wie sie ausstrahlen, und dann kann man sich
auch in Emotionen hineinschwingen, in unheimliche Emotionen, aber das
stimmt alles nicht. Gucken Sie doch ihr Herz mal an. Wir bleiben bis in die
Todesstunde solche, die nur durch die Gnade Jesu gerettet werden. Es ist
alles sein Wunder, wenn uns etwas gelingt, alles seine Gabe, und das steht
da im letzten Vers: wir sind sein Werkstück. So wie ein Werkzeugmacher
seine Form macht. Im Griechischen steht da ein Wort, das ist noch viel
schöner, das hängt ganz eng mit dem Englischen zusammen. Im Englischen wird
das heißen: etwa Kunstwerk, oder Gedicht, Poem, das ist ganz ähnlich. Das
ist heute mal dran. Wir sind von Gott sein Meisterstück. Wie? Wir? Jetzt
denken sie nochmal an Ihre Erbanlagen. An Ihre Komplexe, denken Sie mal an
ihre frühkindlichen Erlebnisse, die Sie prägen! Denken Sie mal an Ihre
ganze Lebensgeschichte, die Sie zeichnet. Wenn wir uns selber mal ansehen,
und analysieren müssen, was sind wir für komische Leute. Schwierige Leute,
wir haben es gar nicht leicht. Und Gott kann das, er kann mit diesem
Material, mit Ihrer Schwäche, mit Ihrer Ohnmacht, mit Ihren Komplexen, mit
ihrer Furcht, mit Ihrer Seelenlage, mit Ihrem Temperament, mit der
Eigenart, die Ihnen nun mal eigen ist, mit ihrem Körperbau, kann Gott ein
Meisterwerk bauen. Sie dürfen sich bloß nicht immer vergleichen mit
anderen. Sie brauchen auch nicht denken, Sie sollten sein wie der, oder
jener, der Ihnen gerade imponiert. So wie sie sind, hat Gott vor, Sie als
Meisterwerkstück zu gestalten. Sie müssen nur bei Jesus bleiben. Wir sind
sein Werk: Jesu Meisterstück. Nicht nur der Petrus und der Johannes aus dem
Apostelkreis, sondern auch wir. Und er hat uns so geschaffen, und er hat
sogar die Werke, die wir tun sollen, schon vorfabriziert, die liegen schon
in Schränken bereit, in Magazinen. Wir brauchen sie nur holen, und dann
dürfen wir sie weitergeben. Er wird uns das alles zureichen, was wir
brauchen. Kann es eine größere Ermutigung, und eine größere Freude zum
Wirken geben? In der Tat ist das die tollste Befähigung zum Dienst. Das ist
das Allergrößte, was ich wagen darf. Ich weiß nicht, wo Gott Sie gebraucht!
In Ihrer Familie, an Ihrem Arbeitsplatz, unter Ihren Mitmenschen, Sie
werden gebraucht, aber achten Sie darauf: Bleiben Sie ein Werkstück Gottes.
Gehen Sie in die Stille! Lesen Sie sein Wort! Werden Sie eins mit Jesus!
Geben Sie ihm Raum in Ihrem Leben, damit er wirklich Sie zubereiten kann.
Er hat die größte Mühe, damit er an uns arbeiten kann. Da gehören auch die
Leidenszeiten dazu, und das Schwere, das er Ihnen auferlegt. Dann verstehen
Sie: erst jetzt arbeitet er wieder tüchtig an mir, jetzt muss wieder
Einiges runtergeschlagen werden. Wie so ein Bildhauer, der aus einem
Steinklotz eine wunderbare Plastik formt. Wie herrlich ist das, wenn wir
ihn machen lassen. Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu
guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.
Kommt denn es ist alles bereit. Nehmt! Amen.
