Lukas 1,18-2510.03.2021
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Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 24: Der Stumme und die Schwangere
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 24 Der Stumme und die Schwangere
Der Beginn einer langen Erwartung
Das Alte Testament endet mit einer Verheißung. „Siehe, ich sende euch den Propheten Elija“, lässt Gott seinem Volk durch Maleachi ausrichten. Und das Neue Testament beginnt damit, dass uns Lukas davon berichtet, wie diese Prophetie erfüllt wird.
Ein älteres Ehepaar, Elisabeth und Zacharias, bekommt einen Sohn, einen ganz besonderen Sohn. Er sollte in dem Geist und in der Kraft des Elija das tun, wofür der Elija des Alten Testaments bekannt war, nämlich das Volk Israel vor die Wahl stellen, ob sie religiös oder gläubig sein wollten, ob sie Gott von ganzem Herzen folgen wollen oder ob ihnen ein bisschen Scheinheiligkeit reicht.
Im Tempel erscheint der Engel Gabriel. Wir erinnern uns: „Fürchte dich nicht.“ Er erscheint dem Zacharias. Hören wir uns an, was Zacharias ihm jetzt antwortet. Lukas 1,18-20.
Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich dies erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen.
Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu verkündigen.
Und siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, dafür, dass du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden.
Zweifel, Prüfung und ein mögliches Zeichen
Normalerweise versteht man diese Zeilen als Gericht über den Unglauben von Zacharias. Anstelle von Freude stellt er eine zweifelnde Rückfrage: Woran soll ich dies erkennen? Und der Engel identifiziert sich: Ich bin Gabriel. Statt Zacharias für seinen Unglauben einfach tot umfallen zu lassen, wird Zacharias bis zur Geburt seines Sohnes stumm.
Aber ich bin mir nicht sicher, ob das die beste Auslegung ist.
Punkt eins: Der Engel hatte sich noch nicht vorgestellt. Und ich bin definitiv nicht verpflichtet, jeder himmlischen Erscheinung und jedem Geist, der sich mir offenbart, sofort Glauben zu schenken. Der Apostel Johannes schreibt völlig zu Recht: Prüft die Geister. Ein bisschen Skepsis im Umgang mit geistlichen Wesen und Erfahrungen erscheint mir mehr als angebracht. Da gibt es diesen Lügengeist, der in den Propheten des Königs Ahab sein Unwesen getrieben hat. Oder ich denke an Eliphas, einen der Freunde Hiobs. Der hatte seine falsche Theologie von der Begegnung mit einer nächtlichen Geistererscheinung.
Fazit: Glaube nicht jedem, der behauptet, im Namen Gottes zu sprechen, und glaube auch nicht jedem Geist, der dir erscheint. Man kann Zacharias im Blick auf seine Skepsis eigentlich keinen großen Vorwurf machen.
Noch dazu ist das dann Punkt zwei, wenn er eine durchaus gerechtfertigte Frage stellt. Maria wird kurz darauf demselben Engel eine ähnliche Frage stellen. Gabriel wird ihr verkünden, dass sie schwanger werden wird, und sie wird fragen: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? Und interessanterweise macht Gott ihr dafür keinen Vorwurf.
Ich denke deshalb, dass das Stummsein von Zacharias weniger ein Gericht Gottes über seinen Unglauben ist, als vielmehr das Zeichen, das er haben wollte. Er fragt ja: Woran soll ich das erkennen? Und Gott gibt ihm ein Zeichen: Daran, dass du nicht reden kannst, und zwar bis zur Geburt deines Sohnes.
Wie gesagt, für mich ist das hier weniger Gericht als vielmehr ein Zeichen. Durchaus ein Zeichen, das mit Unannehmlichkeiten verbunden war, aber eben ein Zeichen, auch für die Menschen drumherum.
Das Schweigen des Priesters und das Ende einer göttlichen Pause
Denn Zacharias beginnt kurz nach der Geburt seines Sohnes wieder zu sprechen und zu prophezeien. Ich habe also Zacharias, einen Priester und Propheten, der nicht reden kann. Und sein Schweigen wird gebrochen, als sein Sohn zur Welt kommt. Aber es ist nicht nur sein Schweigen, das dann gebrochen wird. Zacharias wird zu einem Bild für das, was Gott selbst tut.
Gott hatte seit Maleachi nicht mehr gesprochen, fast vierhundert Jahre lang herrschte Funkstille, keine neuen Propheten, keine neuen Prophezeiungen. Und in dem Moment, in dem Zacharias wieder zu reden anfängt, beginnt Gott selbst wieder zu reden. Die Zeit des göttlichen Schweigens war vorbei.
Das Zeichen, das Zacharias sich für sich gewünscht hatte, wird zu einem Zeichen für alle Außenstehenden. Und es fängt mit denen an, die draußen vor dem Tempel warten. Lukas 1,21-22.
Und das Volk wartete auf Zacharias, und sie wunderten sich, dass er so lange im Tempel verweilte. Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden, und sie erkannten, dass er im Tempel eine Erscheinung gesehen hatte. Und er winkte ihnen zu und blieb stumm.
Draußen wartet das Volk auf den Priester. Sie hatten gebetet, und ich gehe mal davon aus, dass sie auf so etwas wie eine Bestätigung warteten. Darauf, dass der Priester, der im Bild gesprochen ihre Gebete als Rauchopfer zu Gott hatte aufsteigen lassen, dass dieser Priester herauskommt und ihnen Gottes Segen zuspricht. Aber stattdessen passiert gar nichts.
Sie warten, sie wundern sich, warum es so lange dauert, ein bisschen Räucherwerk zu verbrennen, und dann kommt Zacharias heraus, kann nicht reden, und sie merken, woran wissen wir nicht, dass er eine Erscheinung gesehen hatte. Und Zacharias kann ihnen nur zuwinken, aber er kann nicht mehr sprechen. Und wahrscheinlich kann er auch seinen Dienst nicht mehr tun.
In 3. Mose 21,17-23 wird der Dienst am Altar oder im Heiligtum dem verboten, an dem ein Makel ist. Und stumm sein sollte eigentlich auch dazugehören.
Heimkehr, Schwangerschaft und die verborgene Freude
Aber lesen wir weiter: Lukas 1,23-25.
Und es geschah, als die Tage seines Dienstes zu Ende waren, da ging er weg in sein Haus. Nach diesen Tagen aber wurde Elisabeth, seine Frau, schwanger und zog sich fünf Monate zurück. Und sie sagte: So hat mir der Herr getan in den Tagen, in denen er mich angesehen hat, um meine Schmach vor den Menschen wegzunehmen.
Zacharias kommt nach Hause, er ist stumm. Wir dürfen davon ausgehen, dass er seiner Frau erklärt hat, was ihm passiert war, was der Engel gesagt hatte. Und es dauert auch gar nicht lange, bis das Wunder geschieht.
Elisabeth, viel zu alt für eine Schwangerschaft, wird im Text zweimal betont, dass sie in ihren Tagen weit vorgerückt war. Diese eigentlich zu alte Frau wird schwanger, und ihre Reaktion ist: raus. Sie zieht sich für fünf Monate zurück.
Ich weiß nicht, ob ihr das verstehen könnt, aber wenn ich mir vorstelle, was das heißt: Jahrzehntelang auf ein Kind zu warten, darüber alt zu werden, die bedauernden Blicke der Nachbarinnen zu ertragen und irgendwann zu wissen, dass das Warten keinen Sinn mehr macht; sich dann mit der Tatsache anzufreunden: Ich bin unfruchtbar. Und dann kommt mein Mann eines Tages vom Tempel zurück und kann nicht mehr reden. Er berichtet mir etwas von einem Engel, der ihm im Tempel erschienen sei, davon, dass wir einen Sohn bekommen sollen. Und dazu noch einen ganz besonderen: einen, der in Gottes Heilsgeschichte einen Ehrenplatz einnehmen würde, einen, der nur noch mit Elija vergleichbar wäre, ein Naziräer, einer, in dem der Heilige Geist wohnen würde.
Und zuerst kann ich es nicht glauben. Aber dann: Nein, die Menstruation bleibt nicht aus. Die Frau ist schon alt. Aber dann spüre ich, dass etwas mit mir anders wird. Mein Körper verändert sich, er wird straffer, mir wird morgens übel, meine Nachbarinnen fangen an, über mich zu tuscheln. Ich merke: Es ist wahr. Irgendwann spüre ich das Kind, wie es sich bewegt. Die Übelkeit verschwindet, aber der tiefe Wunsch nach Ruhe kommt, der Wunsch danach, nachzudenken, was das alles soll.
Und so zieht sich Elisabeth zurück. Gott hatte ihre Schmach weggenommen. Die Unfruchtbare war fruchtbar geworden. Noch schwieg ihr Mann, aber er sollte wieder reden, hatte der Engel gesagt. Er sollte reden, weil Gott reden wollte. Und sie, die Unfruchtbare, sollte ein Kind bekommen, weil Gott seinem Volk verheißen hatte, dass die Zeit der geistlichen Unfruchtbarkeit ein Ende finden sollte. Ein Elija sollte kommen, ihr Sohn, und vor dem Herrn hergehen. Gott selbst wollte kommen und seine Herrschaft als König antreten.
Ausblick und Schluss
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir noch Lukas 1 anhören, um dir die Ereignisse rund um die Geburt von Jesus und Johannes noch besser einzuprägen.
Das war’s für heute. Wenn du für mich beten willst: Einmal im Monat gibt es von mir eine E-Mail mit drei Gebetsanliegen. Infos dazu findest du auf www.frogwords.de.
Der Herr segne dich. Erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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