Serie•Teil 30 / 64Apostelgeschichte
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einordnung in die Apostelgeschichte und der Blick auf den Text
Also, wir befinden uns in der Apostelgeschichte. Für alle, die mich nicht kennen: Mein Name ist Jürgen Fischer. Ich schlage hier etwa einmal im Monat auf, und dann mache ich meistens Apostelgeschichte.
Heute befinden wir uns am Ende von Kapitel 14, am Ende der ersten Missionsreise. Ich möchte mir Zeit nehmen, einfach nur zwei Verse mit euch anzuschauen. Das ist eine Steigerung: Letztes Mal hatten wir nur einen Vers, wenn ihr euch erinnert. Also, es geht voran. Aber mehr brauche ich heute nicht.
In der vorletzten Predigt – das ist schon eine Weile her, das ist jetzt fies – ging es um eine Frage. Es ging um die Frage: Wie reagiert eigentlich die Finsternis, wenn das Licht eindringt? Und wir haben gesehen, dass die Apostel auf zweierlei Weise davon abgehalten werden, das Evangelium zu predigen. Auf der einen Seite durch Verfolgung, auf der anderen Seite durch Verführung. Also, man bewirft sie entweder mit Steinen oder man bewirft sie mit Komplimenten. Das sind so die zwei Möglichkeiten.
Aber beides führte, und das ist auch gut so, nicht dazu, dass sie aufgehört haben. Man hat sie also nicht zum Schweigen gebracht. Und Barnabas und Paulus predigen einfach immer weiter und machen ihre Missionsreise auch immer weiter, ihre erste Missionsreise.
Irgendwann hören sie auf. Ganz lustig: Man liest das so und erwartet eigentlich, dass es immer weitergeht. Und irgendwann kommt dann ein Wendepunkt, und man merkt, die sind weit genug gereist, und dann kehren sie einfach um. Ich lese euch das mal vor. Apostelgeschichte 14,21 heißt es: Und als sie in jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochia zurück.
Also, sie gehen bis zu einem bestimmten Punkt, und dann predigen sie nochmals das Evangelium, und dann gehen sie wieder nach Hause. Sie kehren zurück.
Ich habe den Satz gelesen und frage: Fällt euch etwas auf? Es heißt hier nicht: Und als sie in jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Christen gemacht hatten, sondern es heißt: zu Jüngern gemacht hatten. Die Nachfolger Jesu werden nur ein einziges Mal in der Bibel überhaupt Christen genannt. Die Stelle hatten wir schon: Apostelgeschichte 11,26. Da steht etwas dazu.
Einmal sagt man zu den Christen Christen, aber überall sonst ist immer ganz klar, dass die Apostel Menschen nicht zu Christen machen, sondern zu Jüngern. Also, ein Jünger ist einer, der einem Herrn folgt, und dieser Herr, das ist der Herr Jesus.
Was Evangelium und Nachfolge zusammengehören lässt
Warum ist es wichtig, diese vielleicht etwas formale Unterscheidung zwischen einem Christen und einem Jünger zu machen?
Mir ist das deshalb wichtig, weil ich vor vielleicht zwanzig Jahren, als ich so zum Glauben gekommen bin, also ein bisschen länger her, diese Frage in der christlichen Szene immer wieder gehört habe: Kann man eigentlich Christ sein, ohne Jünger zu sein?
Die Frage kam deshalb auf, weil man, wenn man die Evangelien liest, Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, auf einen Jesus trifft, der sehr, sehr deutlich etwas über Jüngerschaft sagt. Und es gab damals einen ziemlich offensichtlichen Widerspruch zwischen dem, was Jesus über Jüngerschaft gesagt hat, und der Art und Weise, wie man evangelisiert hat. Zumindest ist mir das damals, und auch anderen, ziemlich deutlich aufgefallen.
Wie hat man in meiner Jugend evangelisiert? Vergebt mir, das ist schon eine Weile her, ich weiß nicht genau, wie man es heute macht. Aber in meiner Jugend wurde ungefähr so evangelisiert: Punkt eins: Gott hat dich lieb. Punkt zwei: Du hast ein Problem, und zwar mit Sünde. Punkt drei: Du hast deshalb ein Problem, weil die Sünde dich direkt in die Hölle bringt. Du hast da so ein One-Way-Ticket. Jetzt kommt Punkt vier: Jesus ist für deine Sünde gestorben. Und dann kommt das Halleluja. Punkt Nummer fünf: Glaube an Jesus und lass dich retten.
Das war so die Art und Weise, wie damals evangelisiert wurde. Und das ist auch irgendwie nicht falsch. Ich, Jürgen Fischer, bin persönlich gerettet durch meinen Glauben an Jesus. Also das ist überhaupt nicht der Punkt, um den es mir geht.
Mir geht es darum, dass, wenn man das so präsentiert, wie ich es eben gesagt habe, da etwas fehlt. „Glaube an Jesus und lass dich retten“ – das ist irgendwie richtig, aber es trifft leider nicht ganz das, was die Apostel gepredigt haben. Da fehlt etwas. Das ist ein Stück zu kurz. Es ist notwendig, aber nicht hinreichend, würde der Mathematiker sagen. Ich bin kein Mathematiker, aber ich mag die beiden Begriffe.
Die Frage ist: Wie beendet Paulus die Pfingstpredigt, also ganz am Anfang unserer Reihe zur Apostelgeschichte? Wie endet die erste große Predigt?
Apostelgeschichte 2,36.
Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass Gott ihn, gemeint ist Jesus, sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
Also ist Petrus am Ende der ersten Predigt Folgendes wichtig: Achtung, aufgepasst, Jesus ist Herr und Christus. Zwei Aspekte.
Etwas später dann vor dem Hohen Rat, Apostelgeschichte 5,31, noch einmal genau diese Dualität, diese zwei Aussagen, mit etwas anderen Worten. Da heißt es: Diesen Jesus hat Gott durch seine Rechte zum Führer oder zum Anführer oder zum Fürsten und Retter erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben.
Herr, Christus, Anführer, Retter. Es gibt Jesus nicht als Retter, ohne dass er auch Herr oder Anführer ist. Denn es gibt ja nur einen Jesus, und Gott macht ihn eben zu beidem. Wer Jesus begegnet, der begegnet dem Christus. Und das Wort Christus bedeutet Gesalbter. Also ist er der im Alten Testament vorhergesagte Knecht Gottes, der mich rettet, indem er meine Sünden auf sich nimmt.
Wer das einmal auf eine faszinierende prophetische Weise nachlesen möchte, kann einfach Jesaja 53 noch einmal durchlesen. Das ist der Gesalbte, der kommt.
Aber der Gesalbte ist biblisch nie nur Retter. Durch Kreuz und Auferstehung tritt Jesus die Herrschaft über diese Welt an. Das ist das, was wir nächsten Sonntag feiern. Ostern ist eigentlich die Intronisation des ewigen Königs. Die absolute Nummer eins besteigt den Thron und wird König in Ewigkeit. Das ist Ostern. Jesus wird die Nummer eins in der sichtbaren und unsichtbaren Welt.
Kreuz und Auferstehung sind, wie soll ich das sagen, der Durchbruch des Lichts in diesem kosmischen Kampf gegen die Finsternis. Am Kreuz wird der Teufel besiegt, am Kreuz werden seine Dämonen ein für alle Mal geschlagen, und es wird Sünde gesühnt. In Jerusalem wird in dem Moment, in dem Kreuz und Auferstehung Realität werden, tatsächlich der König aller Könige gekrönt. Gottes Reich ist angebrochen. Vorher wurde es gepredigt: Das Reich Gottes ist nahegekommen, das war das Evangelium. Und jetzt, mit einem Mal, ist das Reich Gottes da, und zwar auf eine noch nie dagewesene Weise.
Rettung ist plötzlich möglich für jeden, der glaubt. Aber Achtung: Woran glauben wir? Wir glauben an Jesus, an Jesus als den Herrn und Christus. Also niemand wird dadurch gerettet, dass er sich so einen, ich sage mal, selbstgestrickten Patchwork-Jesus bastelt.
Ich habe das manchmal, dass Leute aus komischen Richtungen kommen und sagen: Ja, ich habe auch so irgendwie einen Glauben an Jesus. Aber sagen: Hey, es gibt nur einen. Wenn du an mich glauben würdest, ja, musst du auch mich nehmen, wie ich bin. Und so müssen wir Jesus nehmen, wie er ist: als Christus und als Herrn, als Retter und als unseren Anführer.
An Jesus glauben heißt immer auch, dass wir seine Jünger werden. An Jesus glauben heißt, nüchtern darüber nachzudenken, ob ich wirklich Jesus zum Herrn haben möchte. Dieser rettende Glaube an Jesus beinhaltet etwas, was in dieser etwas oberflächlichen Präsentation des Evangeliums, die ich vorhin gegeben habe, häufig zu kurz kommt.
Glaube heißt: Ich habe einen neuen Chef in meinem Leben. Das heißt, mit Haut und Haar, auf Gedeih und Verderb unterwerfe ich mich Jesus. Mit meinen Gedanken, mit meinem Portemonnaie, mit meinem Leben unterwerfe ich mich ihm.
Und jetzt wird einer sagen: Unterwerfung? Huh, das klingt ja fast nach Islam. Aber es ist genau das, was Jesus verlangt.
Jesus unterscheidet nicht zwischen Christen und Jüngern. Versteht ihr mich? Das war so dieses falsche Verständnis: Christen, das sind irgendwie die, die irgendwann mal geglaubt haben und sich so ein Ticket für den Himmel gelöst haben. Und die Jünger, das ist sowas wie die Elite. Das sind die, die in der Bibel lesen, den Zehnten spenden, in der Gemeinde mitarbeiten und das mit dem Glauben richtig ernst nehmen.
Diese Unterscheidung Christ, Jünger gibt es in der Bibel nicht. Wenn die Apostel predigen, machen sie Leute nicht erst zu Christen und hoffen dann, dass die, wenn sie lange genug in Gottesdienst gehen und im Hauskreis auftauchen und Kurse und Bibelwochen besuchen, irgendwann mal merken: Ja, jetzt müsste ich es auch mal mit der Jüngerschaft ernst nehmen. Das ist kein biblischer Gedanke.
Es werden Leute immer zu Jüngern gemacht, zu Menschen, die Jesus als dem Christus nachfolgen. Wer Jesus nicht nachfolgt, wer ihm nicht gehorcht, wer kein Interesse daran hat, von ihm zu lernen, wer nicht für ihn lebt, der ist, und vergebt mir, wenn ich das so deutlich sage, nicht nur kein Jünger, er ist auch kein Christ.
Und ich predige das so deutlich, weil ich mehr und mehr Angst habe, dass wir womöglich in unseren Gemeinden Menschen haben, bei denen das nie wirklich durchgedrungen ist, die jahrelang und jahrzehntelang in einem geistlichen Kleinkindstadium verharren, weil sie vielleicht nie wirklich durchgebrochen sind zu einer echten Bekehrung.
Und weil mich das Thema persönlich gerade so anzieht, möchte ich euch einfach auch mitgeben, von diesem Text aus, und möchte kurz mit euch nachdenken, wie ernst Jesus das Thema Jüngerschaft nimmt.
Die radikale Forderung Jesu an seine Nachfolger
Er sagt in Lukas 14,25:
Es gingen aber große Volksmengen mit ihm, und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht – und das ist ein Hebraismus, also eine übertriebene Formulierung, gemeint ist: liebt nicht weniger, setzt nicht auf Nummer zwei in seinem Leben –, also wenn jemand nicht hasst seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein.
Also: Jesus nimmt nicht jeden. Christwerden ist eine Entscheidung. Jesus soll die Nummer eins in meinem Leben werden. Ihn mehr zu lieben als jeden Menschen in meinem Leben. Ihm mehr zu vertrauen, mehr zu gehorchen, mehr zu dienen als jedem anderen Menschen in meinem Leben.
Und das ist, wie gesagt, keine Option für Extraheilige. Jesus beschreibt hier das ganz Normale. Das ist der Normalo-Nachfolger. Ein Jünger, also ein Christ, ist einer, der Jesus mehr schätzt als irgendeinen anderen Menschen. Und jetzt kannst du sagen: irgendeine andere Idee, Philosophie, irgendein anderes Ziel auf der Erde.
Das ist der Einstieg in Jüngerschaft. Das steht am Anfang. Das ist nicht das Ziel am Ende meines Lebens, das ist der Startpunkt.
Und Jesus sagt dann in Vers 27: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein.
Und jetzt ist Kreuztragen ein bisschen mehr als nur Schwierigkeiten im Leben haben. Hier verwendet Jesus das Bild vom Kreuztragen vor seiner eigenen Kreuzigung. Und wenn damals jemand sein Kreuz getragen hat, das heißt: Wenn man aus dem Fenster schaute und jemanden sah, der sein Kreuz trug, dann war klar: Der hatte mit dem Leben abgeschlossen.
Und Jesus sagt: Nachfolge. Von einem Nachfolger erwarte ich, dass er nichts mehr von seinem Leben erwartet. Ich erwarte, dass du bereit bist, dass ich als Jünger bereit bin zu sagen: In meinem Leben bin ich bereit, verachtet zu werden, verspottet zu werden, gedemütigt zu werden und den Weg zu gehen, den Jesus für mich hat.
Ich habe mit meinem Leben abgeschlossen. So wie einer, der diesen Querbalken trägt – man hat ja nicht das ganze Kreuz getragen, sondern nur diesen Querbalken –, der mit dem Querbalken auf der Schulter durch die Stadt zieht. Und du schaust dir den an und du weißt: Der hat aufgegeben. Der erwartet nichts mehr vom Leben.
Das ist das, was Jesus hier sagt. Das ist ein ganz hartes Bild. Und ich wünsche mir, dass wir es immer wieder an uns heranlassen, dass wir es nicht verzerrteln, nicht kastrieren, nicht domestizieren, sondern dass wir diesen Gedanken zulassen.
Und dann erzählt Jesus zwei Geschichten, eigentlich ganz simple Geschichten für Leute, die kurz davor stehen, wir würden sagen, Christen zu werden. Ich möchte lieber sagen: Jünger zu werden.
Zwei Bilder, die zum Nachdenken zwingen
Vers 28 Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe? Wir bauen jetzt nicht Türme, stellt euch vor, ihr wollt ein Haus bauen. Das Bild geht genauso.
Na, jeder macht das! Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann – das heißt, er fängt an zu bauen, aber er schafft es nicht, irgendwann geht das Geld aus –, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden.
Seht ihr, wie simpel die Geschichte ist? Jemand baut. Er hat schlecht geplant, am Ende fehlt das Geld, und was übrig bleibt, ist eine Bauruine. Drum herum stehen Menschen, die ihn dafür auslachen.
Wisst ihr was, ich kenne solche Menschen, Menschen, die Jesus hier beschreibt: Ex-Christen, die vor ihrer Bekehrung nicht nachgedacht haben, was es sie kosten würde, Jesus nachzufolgen. Menschen, die irgendwie dachten, dass man Jesus auf der einen Seite und so die Prioritäten meines alten Lebens, die mir auch noch wichtig sind, dass man das irgendwie übereinander bekommt – frei nach dem Motto: Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Tut mir leid, an der Stelle schon: Jesus meint, was er sagt. Und das ist der Grund dafür, warum diese Christen in Anführungs- und Schlusszeichen irgendwann aufhören, Christen zu sein. Irgendwann wird ihnen nämlich klar, dass Jesus Dinge fordert. Er fordert Gehorsam, Loyalität, dass ich Zeugnis gebe. Aber er fordert auch mein Geld, meine Zeit, mein Opfer, mein Gebet und vieles mehr. Das ist alles komplett selbstverständlich für Jesus.
Dass ich mein Herz an Jesus verlieren muss, eigentlich verloren haben muss, um Jesus nachzufolgen, ist für ihn selbstverständlich. Und irgendwann merken die das, und dann wird es ihnen zu viel. Das waren Leute, die bereit sind, einmal die Woche in den Gottesdienst zu gehen, und dann vielleicht noch ein bisschen Smalltalk im Hauskreis. So weit gehe ich mit. Aber mein ganzes Leben? Ganz ehrlich: alles? Auch meine Karriereplanung, meinen Besitz und womöglich meine Gesundheit? Das auch? Nein! Da möchte ich schon etwas davon behalten.
Ich hatte vor kurzem ein Gespräch, in dem jemand genau an dieser Stelle sagte: Jürgen, wenn Christsein darin besteht, alles aufzugeben, dann bin ich eigentlich nicht dazu bereit. Also, wir reden jetzt über einen langjährigen Gemeindebesucher, der wahrscheinlich auch als Gemeindeglied gedacht wird von vielen. Eigentlich bin ich dazu nicht bereit.
Dann habe ich gesagt: Du, das ist toll, dass du ganz ehrlich das sagen kannst. Es ist total wichtig, dass wir feststellen: Eigentlich bin ich nicht dazu bereit. Ich meine, dann bist du kein Christ, aber es ist gut zu wissen, dass man kein Christ ist. Es ist viel schlimmer zu glauben, man sei einer, man stirbt und wacht auf der falschen Seite auf. Das ist viel, viel schlimmer.
Es ist eine gute Sache, dass du jetzt sagen kannst: Eigentlich bin ich kein Christ. Ja, dann können wir irgendwo starten mit dem Reden. Für uns klingt das so dramatisch, da spricht einer einem den Glauben ab. Nein, nein, andersherum wird ein Schuh draus. Zu wissen, wo ich stehe, ist eine total wichtige Sache.
Das ist der Grund, warum der Herr Jesus dann noch eine Geschichte erzählt. Er sagt in Vers 31: Oder welcher König, der auszieht, um sich mit einem anderen König im Krieg einzulassen, setzt sich nicht vorher hin und ratschlagt, ob er imstande sei, dem mit zehntausend entgegenzutreten, der gegen ihn mit zwanzigtausend anrückt? Wenn aber nicht, so sendet er, während er noch fern ist, eine Gesandtschaft und bittet um die Friedensbedingungen.
Also, das, was für den Turmbau gilt, gilt anscheinend auch für den Krieg. Denk nach, bevor es zu spät ist, und lass es sein, wenn du nicht bereit bist, mit ganzer Hingabe zu kämpfen.
Wisst ihr, wenn jemand mit zehntausend Mann gegen einen zieht, der mit zwanzigtausend Mann kommt, dann weiß ich vorher: Das wird eine taffe Veranstaltung. Ich muss nämlich mit doppelter Mühe kämpfen, das wird mir doppelten Einsatz abverlangen. Und was Jesus hier deutlich macht, ist: Jüngerschaft ist kein Spiel. Das ist nichts, was du nebenbei noch machst, so wie Tomaten züchten.
Ich weiß nicht, wer von euch Tomaten züchtet. Die packt man dann in so ein Gefäß, stellt sie in die Sonne, und dann schaut man, dass da keine Blattläuse draufkommen und all das Kram und das R und so weiter, bis gießt man ein bisschen. Da kommt man abends nach Hause und kann sich noch so ein bisschen um seine Tomaten kümmern, das geht.
Aber Jüngerschaft? Jüngerschaft ist: Wir sind Kämpferinnen und Kämpfer des Lichts, die an der Seite Jesu gegen die Mächte der Finsternis ziehen, um Menschen tatsächlich aus den Klauen des Bösen zu retten. Deswegen schreibt Paulus an Timotheus: Nimm teil an den Leiden als ein guter Soldat Christi! Niemand, der in den Krieg zieht, verwickelt sich in die Beschäftigungen des Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat.
Ist doch klar: Denk vorher nach. Du musst nicht Christ werden, du darfst dich frei entscheiden. Hier der Aufkleber: Jesus rettet, wenn du willst. Du musst nicht in den Himmel. Du musst Jesus nicht nachfolgen, du musst nicht Vergebung der Sünden kriegen. Aber wenn du es willst, dann musst du dir darüber im Klaren sein, was es dich kostet.
Der Preis der Hingabe und die Wirklichkeit des Reiches Gottes
Vers 33 So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein.
Hinter der Entscheidung, ein Jünger zu werden und, wie wir jetzt wissen, ein Christ zu werden, steht die Entscheidung, zu mir und zu meinem alten Leben Tschüss zu sagen. Ich hänge mich auf Biegen und Brechen, auf Gedeih und Verderb an Jesus. Er wird Herr in meinem Leben, und alles andere zählt tatsächlich nicht mehr.
Ich folge ihm. Ich lebe zu seiner Ehre. Ich lebe nach seinen Regeln. Ich lebe als sein Botschafter in der Welt, und zwar genau das Leben, das er mir gibt, da, wo ich hingehöre. Das hat er sich nämlich ausgedacht.
Okay, noch ein kurzes Beispiel. Matthäus 13,45. Wiederum gleicht das Reich der Himmel, und Reich der Himmel beschreibt diese lebendige Gemeinschaft mit Gott, das Jüngersein, das ist einfach nur ein anderes Wort dafür, wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Leben heißt: Ich mache mich auf die Suche nach Gott und auf die Suche nach einer Beziehung mit Gott. Und jetzt finde ich diese Beziehung. Es ist, als würde ich im Bild gesprochen Perlen suchen und nun die eine kostbare Perle finden. Und jetzt bin ich da so unterwegs, und was weiß ich, auf dem Basar, und da sehe ich diesen Stand. Und da liegt sie. Und ich gehe an diesen Stand ran, ich sehe diese eine, boah, Perle, die ich unbedingt haben möchte. Und ich frage: Was kostet die? Und der Verkäufer sagt: Die ist richtig teuer. Aber es ist so, dass jeder es sich leisten kann.
Ja, was soll die kosten? Ja, was hast du denn? Na ja, und du holst deinen Geldbeutel raus und sagst: 50 Euro und noch ein bisschen Kleingeld. Na, das gibst du mal her. Was denn noch? Was hast du denn noch? Gib mir mal gleich das Portmonee mit dazu. Was muss ich noch? Ja, was hast du denn noch? Und irgendwann sagt der Verkäufer mir: Diese Perle kostet alles, was du hast.
Alles, was ich habe? Ja, also auch mein Auto? Ach, du hast ein Auto, her damit. Wo wohnst du denn? Ich habe da so ein kleines Häuschen in Norderkrämer. Her damit, auch meins. Musst du auch investieren. Wer wohnt mit dir da? Ja, meine Familie. Ja, deine Familie gehört mir auch. Was denn noch? Na ja, nur ein Hund und ein Hamster. Na, die natürlich auch. Und hast du noch mehr? Ja, ich habe da noch ein Sparbuch. Das Sparbuch gehört mir auch. Und ich habe da, was weiß ich, noch ein Stückchen Wald. Das gehört mir auch.
Und irgendwann steht der da und sagt: Jetzt hast du alles. Und der Verkäufer sagt: Nee, da fehlt noch was. Ich habe dich noch nicht. Ich möchte auch dein Leben.
Das ist die Geschichte, die hier erzählt wird. Du möchtest das Reich der Himmel haben: dein Portmonee, dein Auto, dein Haus, deine Familie, alles, was du hast, dein ganzes Leben, das ist der Preis.
Und der Clou ist: In dem Moment, in dem du sagst, jetzt habe ich alles, und der Verkäufer dir die Perle gibt, sagt der Verkäufer: Aber weißt du was, eigentlich brauche ich dein Leben und dein Haus und deine Familie und dein Auto eigentlich gar nicht. Ich gebe dir das jetzt mal zurück. Vergiss nicht, es ist meins, aber ich gebe es dir zurück, damit du es in meinem Sinn verwaltest.
Das ist, was es heißt, ein Jünger zu sein, den Preis gezahlt zu haben für die eine kostbare Perle. Und zu wissen, dass das Leben, das ich heute lebe, ein anvertrautes Leben ist, das mir nicht gehört, das unter einem König gelebt wird, in einem neuen Reich, im Reich Gottes. Darum geht es.
Und das ist das, was Barnabas und Paulus gepredigt haben. Sie waren einfach schonungslos ehrlich. Es ist kein Spaß, ein Jünger zu sein. Es ist ein schwieriges Bauprojekt, das muss man sich vorher darüber im Klaren sein. Das Leben mit Gott, das ist nicht so die Glücks-App, die ich noch herunterlade, damit mein an sich schon wohlhabendes, nettes Leben noch ein bisschen wohlhabender, netter und runder wird. Das ist es nicht.
Es ist kein Spaß, Jünger zu sein. Schwieriges Bauprojekt. Es ist ein Krieg, weil die Mächte des Bösen, obwohl sie am Kreuz geschlagen wurden, Ostern ist der große Sieg. Das ist das, was wir feiern, nächstes Jahr, nächste Woche. Ostern ist der große Sieg. Aber obwohl die Mächte des Bösen geschlagen sind, geben sie nicht auf, und sie werden versuchen, die Jünger Jesu in diesem Leben in die Knie zu zwingen.
Ermutigung, Standhaftigkeit und der Weg durch Bedrängnis
Und deswegen heißt der zweite Vers in Apostelgeschichte 14,22: Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.
Das eine ist, dass Jesus sagt: Mach dir vorher wirklich klar, ob du bereit bist, den Preis zu bezahlen. Es bedeutet wirklich, aus dem Reich der Finsternis herauszutreten, durch Buße und Glauben und Taufe durch die enge Pforte zu gehen und von Neuem geboren zu werden. Es bedeutet, Gottes Geist zu empfangen und auf der Seite des Lichts zu stehen.
Und zu wissen: Ich bin in dieser Welt ein Fremdkörper. Ich passe hier nicht her, weil ich für eine Kultur des Lebens stehe, mitten in einer Kultur des Todes. Ich stehe für einen Herrn, dem ich bedingungslos folge, für Jesus, obwohl jeder andere auf diesem Planeten einem anderen Herrn folgt. Und wenn wir der Bibel glauben dürfen, ist die Welt letztlich ein Spielball des Bösen. Ich stehe also auf der falschen Seite. Und man wird versuchen, mich mundtot zu machen.
Und deswegen dieser Vers: Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen. Und hier ist das Reich Gottes etwas Zukunftiges. Darauf gehe ich jetzt nicht so ein. Das möchte ich am Ende der Predigt tun.
Ich möchte euch stärken, ermahnen und unterweisen. Und das Erste ist: Ich möchte euch stärken.
Vielleicht sitzt du hier, und wir hatten das im Vorprogramm schon mit diesem Gedanken. Vielleicht sitzt du hier und sagst: Ich fühle mich schwach. Ich habe diese Entscheidung getroffen, für Jesus alles zu geben. Aber manchmal wache ich morgens auf und denke mir: Was kann Jesus mit mir eigentlich anfangen? Es ist ja schön, dass ich diese Entscheidung getroffen habe und grundsätzlich das will. Aber was bleibt denn wirklich übrig für Jesus?
Und wenn du heute hier sitzt und sagst: Ich bin so ein Schwacher, dann lass dir sagen: Das ist völlig okay. Die Aufgabe, in der du als Jünger Jesu in dieser Welt stehst, ist eine absolute Herausforderung, und manchmal ist es tatsächlich eine Überforderung, jedenfalls für den Moment. Und wenn wir das nicht akzeptieren, wenn wir das nicht wirklich glauben, dann denken wir am Ende noch, dass unsere Schwäche unser Fehler sei. Aber das stimmt nicht. Wir sind einfach, wie wir sind, und Gott weiß das. Und weil er sich zutiefst eine Beziehung mit uns wünscht, gibt er uns seinen Geist als einen Geist der Kraft.
Und deswegen sage ich das einfach mal ganz platt: Du darfst schwach sein. Du darfst ehrlich schwach sein, weil du schwach bist. Wenn du denkst, du musst aus dir heraus irgendeine Stärke ziehen, da ist nichts. Tut mir leid. Da ist bei dem einen ein bisschen mehr Disziplin und bei dem anderen ein bisschen mehr Kreativität, und der dritte kann sich Dinge besser merken, und der andere ist ein bisschen geschickter im Umgang mit Geld. Wir haben so unterschiedliche Talente, das ist schon klar. Aber jetzt wirklich zu glauben, dass du fähig wirst, in dieser Welt als Christ zu leben, einfach aus dem heraus, was du an natürlichen Gaben mitbringst, vergiss es. Du wirst an deine Grenzen stoßen.
Der Teufel wird alles dazu tun, damit du auf die Knie kommst und aufgibst, damit du im Staub liegst und sagst: Ich will nicht mehr. Und deswegen: Wenn du dich schwach fühlst, ist es völlig okay. Das Einzige, was du nicht tun darfst, ist aufgeben.
Und deswegen ist es so wichtig, wenn du heute hier sitzt und sagst: Jürgen, ich möchte so gerne mit mehr Kraft durchs Leben gehen, mit mehr Mut, mit mehr Einsatz. Es gibt ein Mittel, um Kraft zu schöpfen, und das findet sich im Hebräerbrief. Da heißt es in Hebräer 12,1: Deshalb lasst nun auch uns, ich überspringe was, jede Bürde und die leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf.
Das ist unser Leben. Ja, und du denkst: Ja, das will ich, so richtig mit Ausdauer und Kraft mein Leben leben. Wie mache ich das denn? Jetzt kommt es: indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens.
Versteht ihr? Wie gewinnen wir Kraft, wenn du heute hier sitzt und sagst: Jürgen, ich habe diese Entscheidung getroffen, ich möchte all in für Jesus. Das ist gar keine Frage, mein Leben gehört ihm. Und wenn du merkst, in dir ist Gottes Geist, und das solltest du merken, wenn du wiedergeboren bist, und wenn du dann gleichzeitig merkst: Ich bin eigentlich schwach, boah, ich krieg's nicht hin, dann ist das der Tipp: Nimm dir Zeit, einen langen, tiefen Blick auf Jesus zu werfen. Nimm dir Zeit, ein langes, tiefes Gespräch mit ihm zu führen, über ihn nachzudenken.
Und du wirst, indem du das tust, bei ihm finden, im Kontakt mit ihm, in der Auseinandersetzung mit ihm, das finden, was du brauchst, um neu stark zu sein. Du wirst es nicht in dir finden. Es ist nicht so ein Tschakatschaka-Ding. Es ist ein Sich-mit-Jesus-Beschäftigen und von ihm die Kraft holen. Das ist der eine Punkt.
Dann sagte er ja: Die Jünger, sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren. Das ist so der zweite Punkt.
Vielleicht sagst du: Jürgen, Schwäche ist gar nicht mein Thema. Aber vielleicht stehst du kurz davor, faule Kompromisse einzugehen, weil du merkst: Ich habe jetzt so viele Angriffe des Bösen überstanden, und immer wieder geht es gegen die gleiche Stelle. Irgendwann kann ich und will ich nicht mehr kämpfen. Wenn du heute hier sitzt und sagst: Ich stehe kurz davor, oder vielleicht hast du schon an der einen oder anderen Sünde einfach aufgegeben zu kämpfen, wo du wusstest: Vor fünf Jahren war ich da noch richtig dagegen und habe noch dagegen gehalten, aber heute nicht mehr. Ich will einfach nicht mehr kämpfen.
Wenn du an der Stelle stehst, dann lass dich ermahnen: Gib deinen Glauben nicht auf. Lass dich herausfordern, heute Nachmittag die Sache mit Jesus neu festzumachen. Also wenn sich in deinem Leben so eine Portion Unglaube eingeschlichen hat oder Zweifel oder Misstrauen oder Sünde, das ist leider normal. Denk bloß nicht, das würde nur dir passieren und nie den anderen. Das ist völlig normal. Wir alle leben geistlich so ein Sägezahnmuster. Wir driften immer ein bisschen von Jesus weg und müssen dann wieder zurück. Und dann driftet man wieder so ein bisschen weg und muss wieder zurück.
Und wenn du merkst, eigentlich stimmt, wenn ich so ganz ehrlich bin, so dieses letzte Quäntchen, da bin ich nicht mehr. Jürgen, das habe ich gerade nicht. Denk an die Perle. An den Preis, den du bezahlt hast: dein Leben. Und nimm dieses Leben und weihe es heute Nachmittag neu deinem Herrn. Geh zu Jesus und sag: Herr, ich bin da abgewichen, ich habe da Dinge zugelassen in meinem Leben, die waren nicht in Ordnung. Ich bin da ein Stück lau geworden, dumm geworden, habe mich reinlegen, mich wegführen lassen, keine Ahnung.
Ey, wenn das so ist, das ist nicht dramatisch. Wir leben aus Gnade. Wir leben als Kinder Gottes in einem Verhältnis zu Gott, wo wir immer wieder hingehen können. Wir können immer wieder sagen: Vater, wir haben es nicht geschafft, tut mir leid. Aber wir müssen auch hingehen, versteht ihr? Wir müssen dann auch sagen: Okay, stimmt, ich möchte das in Ordnung bringen.
Je mehr wir vom Glauben verstehen, desto tiefer dürfen wir in den Glauben eindringen und desto radikaler dürfen wir Glauben leben. Und ihn immer wieder festhalten, damit wir merken, er flutscht uns davon, wieder zurückkommen.
Standhalten unter Druck und die Entscheidung für Christus
Dritter Punkt: Ich lese noch einmal vor: Apostelgeschichte 14,22. Sie stärkten die Seelen der Jünger, ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen müssen.
Wenn du gerade unter Druck stehst, wenn du gemobbt wirst, wenn man dich auslacht, wenn man dich für dein Christsein ausgrenzt, dann ist das leider normal. Je klarer wir uns auf die Seite Jesu stellen, je klarer wir Nein sagen zu einem Lebensstil, der Menschen kaputt macht, der Zeit vergeudet, den Verstand verblödet, der sich an Grausamkeit, an Habgier, an Perversion und Unfreiheit aufgeilt, desto mehr sind wir unten durch.
Je klarer wir sagen: Nein, das will ich nicht, und uns davon distanzieren und nicht mehr mitmachen, desto mehr sind wir unten durch. Wir sind nur dann akzeptiert und geliebt, wenn wir mitmachen. Aber wenn wir es nicht tun und du das jetzt gerade erfährst und merkst: Christian, das ist echt schwer, dann entschuldige, wenn ich das so sage. Tut mir leid, das ist Teil des Deals.
Wir haben uns entschieden, wir folgen Jesus. Und wenn das bedeutet, dass wir Außenseiter sind, herzlich gerne! Wir sind Jünger Jesu, er ist unser Herr, und wir werden tun, was er sagt. Ganz gleich und gern für den König. Amen!
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.

