Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 664: Zachäus, der Oberzöllner, Teil I.
Einführung in die Heilungsgeschichten als Theologisches Bild
Die Heilung der beiden Blinden liegt nun hinter uns. Jetzt können sie sehen und folgen Jesus nach. Wir haben die Heilung der beiden unter der Prämisse betrachtet, dass es sich dabei um ein Bild für die Errettung des Menschen von der Sünde handeln könnte.
Dahinter steckt die Idee, dass Erzähltexte mithilfe historischer Ereignisse Theologie vermitteln wollen. Wenn wir chronologisch weitermachen, stoßen wir jetzt auf eine andere Heilung.
Diesmal wird kein Blinder von seiner Blindheit geheilt, sondern ein Oberzöllner von seiner Habsucht. Nur Lukas berichtet uns von dem, was geschieht, als Jesus durch Jericho zieht.
Die Begegnung von Jesus und Zacchaeus
Überblick über das Ereignis in Lukas 19,1-10:
Jesus zog durch Jericho. Dort lebte ein Mann namens Zachäus, der Oberzöllner war und reich. Zachäus wollte Jesus sehen, wusste aber nicht wie, da er klein von Gestalt war und die Volksmenge ihn daran hinderte.
Er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus sehen zu können, da Jesus an diesem Ort vorbeikommen würde. Als Jesus an den Baum kam, schaute er nach oben, sah Zachäus und sagte zu ihm: „Zachäus, steig schnell herunter! Heute muss ich in deinem Haus bleiben.“
Zachäus stieg schnell herunter und freute sich, Jesus aufzunehmen. Die Leute, die das sahen, murrten und sagten, Jesus sei eingekehrt, um bei einem Sünder zu wohnen.
Doch Zachäus stand auf und sagte zu Jesus: „Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen. Und wenn ich von jemandem etwas durch falsche Anklage genommen habe, erstatte ich es vierfach.“
Jesus antwortete ihm: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“
Vergleich der Heilungen: Bartimäus und Zacchaeus
Was fällt uns auf, wenn wir Bartimäus mit Zachäus vergleichen? Der eine ist reich, der andere arm, aber beide haben ein ähnliches Problem: Sie wollen sehen. Bartimäus ist blind, Zachäus hingegen ist klein.
Die Lösung ist unterschiedlich. Der eine schreit, der andere klettert auf einen Maulbeerfeigenbaum.
Noch etwas fällt auf: Bei Bartimäus dreht sich die Rettung um Glauben – ein Glauben, der aktiv sucht. Während der blinde Bettler die Heilung bewusst anstrebt, wird Zachäus von seiner Rettung eher gefunden. Nicht er spricht Jesus an, sondern Jesus spricht ihn an, lädt sich bei ihm ein und führt ihn so zur Buße.
Was machen wir damit? Antwort.
Verantwortung und göttliche Initiative in der Errettung
Wir halten fest, was wir durch Bartimäus und seinen anderen blinden Freund gelernt haben. Wer weiß, dass er blind ist, der soll schreien, wenn Jesus vorbeikommt. Wer seine Verlorenheit spürt und eine Ahnung von Jesus hat, der soll rufen, Jesus anrufen, um gerettet zu werden.
Aber vielleicht ist das nicht alles, was man zum Thema Errettung sagen kann. Die blinden Bettler zeigen uns die Verantwortung des Menschen. Doch da ist noch mehr: Ein Gott wird Mensch und beschreibt seinen Dienst auf der Erde so, wie Lukas in Kapitel 19, Vers 10 schreibt: "Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist."
Wenn Menschen gerettet werden, dann geschieht das nicht nur, weil sie so schlau und so aktiv sind. Natürlich macht sich auch ein Zachäus auf den Weg, denkt nach und klettert auf den Maulbeerfeigenbaum. Auch unser Oberzöllner ist nicht passiv. Und doch wird er von den Ereignissen völlig überrascht.
Es ist Jesus, der das Herz des Zachäus besser kennt, als er es selbst tut. Es ist Jesus, der weiß, was es braucht, damit ein geldverliebter Oberzöllner Buße tut, die Hälfte seiner Güter an Arme verschenkt und vierfach erstattet, was er durch Betrug erworben hat.
Das „Muss“ Jesu und seine Bedeutung
Mich fasziniert die Geschichte, weil Jesus sagt, dass er im Haus des Oberzöllners einkehren und übernachten muss. Besonders beeindruckt mich dieses Muss. Woher nimmt Jesus dieses Muss?
Nun ja, das ist einfach. Jesus tut das, was er den Vater tun sieht. Es ist der Vater, der durch den Sohn wirkt. Jesus weiß einfach durch seine exklusive Verbindung mit dem Willen des Vaters, was jetzt dran ist – eben eine Übernachtung bei Zachäus, dem Oberzöllner.
Und es ist genau dieses Muss, das dem Oberzöllner signalisiert, dass es für ihn Hoffnung gibt. Dass Gott ihn noch nicht abgeschrieben hat, auch wenn die Menschen ihn zu Recht für einen Sünder halten.
Die innere Sehnsucht und die Begegnung mit Jesus
Bartimäus will gerettet werden, Zacchaeus hingegen möchte nicht, zumindest nicht bewusst, von seiner Habsucht geheilt werden. Zunächst ist er nur neugierig.
Er ist neugierig, doch in ihm steckt auch eine Sehnsucht. Diese Sehnsucht besteht nicht nur darin, Jesus zu sehen, sondern von Jesus gesehen zu werden. Es geht nicht nur darum, einen flüchtigen Blick auf Jesus zu erhaschen, sondern von ihm gefunden zu werden.
Ich weiß nicht, inwieweit sich Zacchaeus dieser Sehnsucht bewusst war. Eines ist jedoch klar: In dem Moment, in dem diese Sehnsucht auf Jesu Wunsch trifft, sein Gast zu sein, gibt es für Zacchaeus kein Halten mehr.
Dann findet in ihm ein kompletter Bruch mit seinem alten Leben statt, vor allem mit den Werten, die sein altes Leben geprägt haben.
Drei Aspekte der Bekehrungsgeschichte von Zacchaeus
Wenn wir uns fragen, inwiefern die Bekehrungsgeschichte von Zachäus die Heilungsgeschichte des Bartimäus ergänzt, dann stechen für mich drei Aspekte besonders hervor.
Erstens: Gott macht sich auf die Suche nach Zachäus. Jesus schaut bewusst in den Baum, sieht dort den Oberzöllner und spricht ihn an. Gott wartet nicht nur darauf, dass wir glauben, sondern er initiiert die Begegnung. Für uns, die wir mit Mitmenschen über das Evangelium reden und sie zur Versöhnung mit Gott einladen, sollte das ein sehr ermutigender Gedanke sein. Wir arbeiten Hand in Hand mit Gott. Er selbst lädt zur Begegnung mit ihm ein.
Zweitens: Während Bartimäus weiß, was er will, und ein ziemlich klares Verständnis von Jesus als dem Messias hat, ist das bei Zachäus anders. Er will eigentlich nur einen Blick auf diesen Prediger werfen, der Stadtgespräch ist. Erst die Begegnung mit Jesus öffnet sein Herz. Vielleicht sollte uns das ermutigen, mit suchenden Menschen mehr in der Bibel zu lesen. Vielleicht erleben wir dann, dass auch sie sich von Gottes Wort angesprochen fühlen und auf eine Sehnsucht treffen, die schon lange in ihnen schlummert.
Drittens: Rettung finden geht Hand in Hand mit einem erneuerten Leben. Rettung bedeutet, Jesus in mein Haus aufzunehmen. Damit er sich bei mir wohlfühlt, räume ich komplett auf. Praktisch heißt das: Sünde fliegt raus, ich lebe so, wie es Jesus gefällt – oder wenigstens so, wie ich denke, dass er es gern hätte. Es gibt keine echte Bekehrung zu Gott ohne der böse würdige Werke. Paulus kann deshalb in Apostelgeschichte 26,19-20 formulieren:
„Daher, König Agrippa, war ich nicht ungehorsam der himmlischen Erscheinung, sondern verkündigte denen in Damaskus zuerst und in Jerusalem und in der ganzen Landschaft von Judäa und den Nationen, Buße zu tun und sich zu Gott zu bekehren, indem sie der böse würdige Werke vollbrachten.“
Die Komplexität der Errettung und praktische Anwendung
Ist es nicht spannend, wie komplex Errettung ist? Auf der einen Seite glaube ich, lasse mich nicht aufhalten und bitte Jesus, mich zu retten. Auf der anderen Seite bin ich neugierig, lasse mich finden und beschenke Gott mit einem erneuerten Denken und Handeln.
Irgendwie gehören all diese Punkte zusammen, wenn ein Mensch gerettet wird.
Was könnte jetzt getan werden? Gehe in Gedanken dein Leben durch. Wo finden sich Bereiche, die noch nicht für Jesus vorbereitet sind?
Das war es für heute. Formuliere doch für eine deiner Lieblingssünden eine neue gute Gewohnheit, um ihr zu widerstehen.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
