I. Verschiedene Ansichten über die Geschlechter
Falsche Vorstellungen vom anderen Geschlecht (Folie: GEO)
Rabbiner des Spätjudentums[1]
Einige Rabbiner brachten der Frau extreme Verachtung entgegen.
Glücklich der, dessen Kinder Knaben sind, Unglück über den, dessen
Kinder Mädchen sind.
Bekannt ist das Gebet, das jeden Morgen von jedem männlichen Juden
gesprochen wurde:
Gesegnet bist du Gott, dass du mir nicht als Heiden, Sklaven oder als
Frau das Leben geschenkt hast.
Josephus Flavius sagt treffend für seine Zeit:
Das Gesetz sagt: Die Frau ist dem Mann in allen Dingen unterlegen.
Wo hatte er wohl dieses Gesetz gefunden?
Griechische Philosophen[2]
Pythagoras (6. Jhdt.v.Chr.)
Drei Dinge sind vor allem zu fürchten, das Feuer, das Wasser und eine
Frau.
Platon (5. Jhdt. v.Chr.) Er bedauert den Mann, der sich im Körper
einer Frau reinkarnieren muss.
Aristoteles (4.Jhdt. v.Chr.) sind die Frauen unvollkommene Männer
und alle Frauen sind ohne Wert. Sie wurden nur zur Bequemlichkeit der
Männer geschaffen (Solon).
Der römische Staatsmann Cato der Ältere (2.Jhdt. v.Chr.) warnt seine
Zeitgenossen:
Sobald die Frauen anfangen, euch gleich zu sein, werden sie euch
überlegen werden.
Im 1. Jhdt. sagte der stoische Philosoph Seneca:
Eine Frau und die Unwissenheit sind die zwei grössten Katastrophen
in der Welt.
Rückblick letzte Predigt
(Folie: Verlangen nach dem Mann, Herrschaft des Mannes.; Folie: Prinzip der Sünde)
Wir orientieren uns aber an der Schöpfungsordnung. Das wollen wir heute tun.
## II. Gleichwertige Geschlechter (Gen.1,27) Was der Schöpfungsbericht eigentlich lehrt, ist folgendes: Als Gott
den Menschen (Adam) in seinem eigenen Bild erschuf, erschuf er ihn als
Mann und als Frau (1.Mo.1,27). In diesem Bericht geht es nicht um die
Frage nach der Reihenfolge, in der die beiden erschaffen wurden, und
noch weniger um eine Rangordnung.[3]
Der Mensch wird – so lesen wir es eigentlich im Grundtext, männlich
und weiblich geschaffen.
Es wird hier kein Unterschied der Wertigkeit
gemacht. Das zeigt sich noch deutlicher am Auftrag, den Gott Adam und
Eva gegeben hatte. Er richtet sich nämlich nicht nur an Adam, sondern
an beide:
Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und
vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze
euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die
auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.« (Gen 1,28) Die Frau ist von Beginn der Schöpfung mit in diese Verantwortung
hinein genommen. Sie ist nicht einfach ein Anhängsel.
Die Gleichwertigkeit der Frau streicht auch Paulus ganz deutlich
heraus.
Es hat darum auch nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder
Nichtjude, ob im Sklavenstand oder frei, ob Mann oder Frau ist. Durch
eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle ein neuer Mensch
geworden. (Gal 3,28) Paulus löste sich ganz eindeutig von seinem als Pharisäer
gesprochenen Gebet:
Gesegnet bist du Gott, dass du mir nicht als Heiden, Sklaven oder als
Frau das Leben geschenkt hast.
Denn in Christus gibt es da keinen Unterschied. Mann und Frau stehen
gleichwertig vor Gott.
Das hat auch bis in die Ehe hinein Folgen. So lehrt Paulus für die
damalige Zeit Revolutionär:
Die Frau verfügt nicht über ihren Körper, sondern der Mann. Ebenso
verfügt der Mann nicht über seinen Körper, sondern die Frau.(1.Kor 7,4) Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn eine Zeitlang, wenn
beide es wollen, damit ihr zum Beten Ruhe habt; und dann kommt wieder
zusammen, damit euch der Satan nicht versucht, weil ihr euch nicht
enthalten könnt.(1.Kor 7,5) Der Mann übt selbst im intimen Bereich der Ehe keine Herrschaft über
die Frau aus. Paulus erwartet, dass sie in Übereinstimmung handeln.
## III. Gegenseitige Ergänzung (Gen.2,18) In der Schöpfungsordnung sind Mann und Frau gleichwertig, aber sie
sind verschieden.
Die Frau wurde dem Mann zur Seite gestellt, als Hilfe, die ihm
entspricht, oder wörtlich: als sein Gegenüber. Nicht wie Luther eher
missverständlich übersetzt: die um in sei.
Das könnte doch den Eindruck erwecken, als ob die Frau wie ein
Anhängsel den Mann umgibt.
In Wirklichkeit ist hier von Partnerschaft die Rede. Die Frau bildet
das Gegenüber des Mannes. Sie ist Ergänzung und nicht Anhängsel. Der
Mann braucht die Frau, so wie die Frau den Mann braucht. Mann und Frau
sind sozusagen aufeinander angewiesen.
Am deutlichsten wird das bei der Zeugung. Keine Frau kann ohne einen
Mann und kein Mann ohne eine Frau Kinder zeugen.
Unterschiedliche Wesen
Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist eine Grundgegebenheit
des biblischen Menschenbildes.[4]
Jeder Mensch ist von Anfang an und ganz entweder Mann oder Frau:
deshalb können sie die Erfüllung ihres Lebens auch nicht unter
Missachtung von ihrer Geschlechtlichkeit, sondern immer nur als Mann
oder als Frau finden, entsprechend ihrer von der Schöpfung her
vorgegebenen Struktur und Begabung.[5]
Die Frau als Hilfe
Das mit Hilfe" übersetzte Wort wird, wenn es sich um eine Person
handelt, im A.T. nur auf Gott bezogen, mit Ausnahme von 1.Mo.2,18.20.
Die Tatsache, dass Eva geschaffen wurde, um eine Hilfe für den Mann zu
sein, wird nicht geltend gemacht, um darauf ihre Minderwertigkeit zu
gründen, weil man erkannt hat, dass dasselbe Wort auf Gott in seiner
Beziehung zu Israel angewandt wird, wenn er seinem Volk zu Hilfe
kommt. – während die vier weiteren hebräischen Worte für Hilfe" die
Vorstellung einer Unterordnung einschliessen.
...
Gott ist unsere Hilfe darin, dass er uns inspiriert, uns Rat gibt, uns
gestaltet, indem er unsere Ansichten korrigiert und alle
Schattierungen unserer Persönlichkeit weiterentwickelt![6]
## IV. Unterschiedliche Stellung
Paulus zieht in Bezug auf das Verhältnis von Mann und Frau, und
damit bezieht er sich vorwiegend auf die Ehe, sein Schlussfolgerungen
aus dem was über die Schöpfung von Mann und Frau gesagt wird.
Denn Korinthern erklärt er, um einem Missverständnis zu begegnen:
Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt
der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. (Eph 5,23) Der Mann wurde nicht aus der Frau geschaffen, sondern die Frau aus dem
Mann. (1.Kor 11,8) Der Mann wurde auch nicht wegen der Frau geschaffen, wohl aber die Frau
wegen dem Mann.(1.Kor 11,9) Daraus leitet er ab, dass in dieser Beziehung dem Mann die
Hauptverantwortung zukommt, oder um es mit der Lutherübersetzung zu
sagen:
Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes
ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt
Christi. (1.Kor 11,3) Das scheint zuerst als Widerspruch zu den anderen Äusserungen des
Paulus. Als ob nun die Frau doch wieder nicht direkten Zugang zum
Vater hat, als ob sie doch über den Mann in Kontakt mit Gott kommt.
Wir müssen aber beachten, dass Paulus hier in der Gemeinde, in einer
ganz bestimmten Situation hineinspricht und Ordnung schaffen will.
Deshalb betont er dieses Prinzip der Unterordnung.
Wir wollen dieses Prinzip nun auch etwas genauer anschauen. Zuerst
einmal am Beispiel von Jesus und dem Vater.
Folie: Dreinigkeit
Genauso soll es in der Beziehung zwischen Mann und Frau sein.
Schluss
Frau und Mann sind völlig Gleichwertig vor Gott. Das wirkt sich bis
hin in den Intimsphäre einer Ehe aus.
Die Frau ist auch kein Anhängsel für die Mann, sondern sie Partner
den der Mann unbedingt nötig hat. Ob verheiratet oder nicht: Männer
brauchen Frauen und Frauen brauchen Männer.
Auf der anderen Seite lehrt uns die Bibel eine Zuordnung der beiden
Geschlechter. Doch ist diese Zuordnung nicht der Freipass für den
Mann, die Frau zu unterdrücken, denn damit hat die Zuordnung noch
Unterordnung etwas zu tun.
Denn der Mann ist aufgerufen, seine Frau so zu lieben, wie Christus
die Gemeinde liebt.
Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus die Gemeinde geliebt
hat! Er hat sein Leben für sie gegeben, (Eph 5,25)
Amen
[1] Alfred Kuen: Die Frau in der Gemeinde, S. 47.
[2] Alfred Kuen: Die Frau in der Gemeinde, S. 40.
[3] Alfred Kuen: Die Frau in der Gemeinde, S. 30.
[4] Alfred Kuen: Die Frau in der Gemeinde, S. 31.
[5] Alfred Kuen: Die Frau in der Gemeinde, S. 31.
[6] Alfred Kuen: Die Frau in der Gemeinde, S. 33.

