"Geistesgaben: Ehelosigkeit"
20.01.2013
Serie•Teil 17 / 17Gaben in der Gemeinde
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Einleitung und Ausgangspunkt
Ich finde es total spannend, über ein Thema zu predigen, vor dem ich richtig Angst habe. Das ist mir lange nicht mehr passiert, dass ich dachte: Boah, aber es ist mal wieder passiert.
Ja, ich lese mal den Bibeltext vor. 1. Korinther 7,5-7 als Einstieg. Da schreibt der Apostel Paulus Folgendes. Er redet hier zuerst zu Ehepaaren:
Entzieht euch einander nicht. Da geht es darum, dass man miteinander schlafen soll. Entzieht euch einander nicht, es sei denn nach Übereinkunft für eine Zeit lang, damit ihr euch dem Gebet widmet. Und dann seid wieder zusammen, damit der Satan euch nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. Dies aber sage ich als Zugeständnis, nicht als Befehl.
Nicht dass irgendjemand denkt, Paulus würde sich wünschen, dass Ehepaare immer wieder darauf verzichten, um zu beten. Das ist nicht sein Blick.
Der Blick auf Ehelosigkeit
Jetzt kommt unser eigentlicher Text. Ich wünsche aber: „Alle Menschen wären wie ich“ – gemeint ist: Single, ehelos. Doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.
Paulus bezeichnet seine eigene Fähigkeit, als Single zu leben, als Gnadengabe. Und deswegen ist das jetzt der endgültig abschließende Vortrag zum Thema Gnadengaben. Und doch irgendwie nur so ein bisschen rangebabst, weil es so eine ganz besondere Gabe ist. Und ich möchte mit euch nachdenken über das Thema Ehelosigkeit.
Als ich vor anderthalb, zwei Jahren so eine Liste gemacht habe, worüber man alles predigen könnte, wenn man über Gaben predigt, fand ich das eine total coole Idee. Das wäre super, ja, aber noch nie hat man so etwas gemacht, muss man mal machen. Und das geht mir oft so, dass ich, wenn ich dann denke: Boah, habe ich noch nie gemacht, da ist so ein Sieper dahinter, ja, muss man mal was sagen zu.
Dann habe ich vor anderthalb, zwei Wochen realisiert, dass das Thema wirklich kommt, und habe angefangen, beim Beten darüber nachzudenken. Und dann habe ich festgestellt, dass ich irgendwie der Falsche bin, um darüber zu predigen. Also, das geht dann so sukzessiv: Am Anfang denkt man noch, ja, du hast schon was zu sagen. Dann geht man ein bisschen tiefer in die Vorbereitung hinein und stellt fest, wie wenig man darüber eigentlich zu sagen hat.
Eigentlich, und das möchte ich vornewegschicken, habe ich keine Ahnung von Ehelosigkeit. Ich war in dem Sinn nie Single. Wenn ich drei Tage von meiner Frau getrennt bin, beginnt für mich die Katastrophe. Wenn Paulus, wir werden das lesen, so zumindest im Ansatz davon spricht, dass der Verheiratete geteilt ist und dann weniger Kraft hat für das Reich Gottes, ist das bei mir so: Ich gewinne Kraft aus dem Zusammensein mit meiner Frau.
Und wenn ich meine Frau nicht habe, und das wisst ihr ja alle, wenn ich dann mal, ja, manch einer von euch hat das schon erlebt, wenn Bärbel mal zu ihren Eltern fährt, dann geht meine Leistungsfähigkeit so auf fünfzig Prozent. Und ich liege irgendwo in so einem, ich weiß nicht, so einem Motivationstief. Und ich bin immer wieder froh. Ich zähle dann die Stunden, bis sie wiederkommt.
Was Ehelosigkeit angeht, bin ich also so ein bisschen der Blinde, der vom Sehen redet. Okay, das möchte ich vornewegschicken. Und deswegen lebt diese Predigt von der Mithilfe zweier Frauen, die ich vorneweg schicken möchte.
Stimmen, die das Thema geprägt haben
Das eine ist Astrid Eichler, die dieses Buch geschrieben hat. Es muss etwas anderes geben. Sie setzt sich als eine Frau, die sich sehr bewusst für das Alleinsein entschieden hat, mit der Frage auseinander, wie Singles ihr Single-Sein leben können.
Ein total spannendes Buch, vor allem für mich, der ich nicht Single bin. Um einen Einblick zu bekommen, wie es den Singles geht. Das wusste ich nämlich nicht. Oder natürlich ahnt man es ein bisschen. Aber wo wirklich die Probleme liegen, das war wertvoll.
Die zweite Frau, die diese Predigt wesentlich geprägt hat, ist Anne, die mir immer wieder zugearbeitet hat und auch eine E-Mail geschrieben und gesagt hat: Hier, darauf musst du achten. Und das ist toll. Ja, auch hier Zitate. Vielen herzlichen Dank, Anne. Ohne diese beiden Frauen wäre diese Predigt inhaltlich eigentlich nicht möglich gewesen. Ich möchte Ihnen deshalb einfach an dieser Stelle auch die Anerkennung dafür geben.
Auf unserer The Rock Liste stehen 70 erwachsene Personen, davon sind 14 Singles. Das heißt, 20 Prozent unserer Gemeindeglieder sind Singles. Jetzt stimmt das vielleicht nicht ganz. Aber eins, zwei, drei, vier, Single; eins, zwei, drei, vier, Single; eins – das stimmt jetzt auch. 20.
Und ich merke plötzlich: Bei 20 der Leute habe ich eigentlich gar keine so richtige Vorstellung, wie es denen geht. Und deswegen möchte ich heute so ein bisschen versuchen, mal eine Schneise zu schlagen für dieses Thema. Wenn jemand erwartet, alles zu hören, das wird nicht gehen. Aber es ist so eine Schneise. Es wird so eine Idee geben, was heißt das eigentlich, Single in einer Gemeinde zu sein, und was bedeutet eigentlich das ganze Thema Ehelosigkeit?
Ich möchte auf drei Punkte eingehen. Ich möchte zuerst einmal den Wert von Ehelosigkeit betonen. Dann möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, wie Singles ihr Single-Sein annehmen können, Überschrift: Kontra-Bahnhofsmentalität. Und dann gibt es einen dritten Block: Singles in der Gemeinde – was bedeutet das für uns?
Der Wert eines unverheirateten Lebens
Punkt eins: Welchen Wert hat Ehelosigkeit in der Gemeinde?
Mein Eindruck ist, und da bin ich selbst mit dran schuld: Wenn wir 1. Mose 2,18 lesen, „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, dann ist das wie zu einer Art Credo, zu einem Leitvers für die frommen Kreise geworden. Das heißt, dieser Vers steht so sehr im Vordergrund, dass die Frage, ob ich eigentlich zur Ehe berufen bin oder zur Ehelosigkeit, ob es für mich klug ist zu heiraten oder ob ich nicht vielleicht lieber Single bleiben sollte, für die meisten Christen in unseren Kreisen ganz weit in den Hintergrund tritt.
Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich für meine Töchter bete. Was bete ich denn? „Herr, schenke ihnen bitte den richtigen Partner.“ Und ich weiß: Es hat Jahre bei mir gedauert, bis ich dahin kam, so zu beten: „Herr, schenke es bitte, dass meine Tochter mit ihrem Leben einen Unterschied macht, dass sie geistlich etwas bewegt. Und wenn sie dazu heiraten soll, dann schenke ihr den richtigen Partner. Und wenn nicht, dann lass sie bitte ein fröhlicher Single sein.“
Das war für mich eine Entwicklung; das war nicht von Anfang an so. Das geht schon eine Weile so, aber ich merke: Der erste Impuls ist dieses „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Warum eigentlich nicht? Woher kommt das eigentlich, und was sagt die Bibel dazu? Und woher kommt Paulus mit diesem komischen Gedanken, den wir gemeinsam gelesen haben, dass er sich wünscht, dass alle Menschen wären wie er, nämlich ehelos?
Das klingt ja genau andersherum. Wir denken so ein bisschen: Na ja, wenn wir halt ... könnt ihr euch das vorstellen, keine Enkel? Das ist doch verrückt, oder? Das kommt so ganz natürlich hier. Nein, und das verstehe ich. Aber Paulus sagt, es wäre besser, wenn wir es irgendwie hinkriegen, ohne Ehe zu leben.
1. Korinther 7 ist der Text, den wir jetzt durchgehen müssten, was wir nicht tun werden. Denn 1. Korinther 7 ist ein langes Kapitel. Und wer sagt: Mich interessiert dieses Thema, und ich möchte das gerne studieren, ich habe euch auf der Homepage von unserer Gemeinde, also the-rock-spandau.de, unter „Neues“ – das sind unsere Termine – und ich habe euch zu diesem Sonntag heute eine kleine Notiz eingestellt, und zwar den Link zu einer Predigt, die ich letztes Jahr in Schwander EFG Oberkrimmer gehalten habe. Es ist eine Doppelpredigt, eine Bibelreihe zum 1. Korintherbrief, zwei Vorträge nur zu 1. Korinther 7.
Wir können das jetzt nicht gemeinsam studieren, aber das ist der Text. Wenn du sagst: Das Thema interessiert mich, ich möchte wissen, wie Paulus im Detail dazu kommt zu sagen, es ist gut, es ist vielleicht sogar besser, wenn man in dieser Welt ohne Ehepartner durchs Leben geht, dann hör dir diese Doppelpredigt an. Da gehe ich Vers für Vers durch den ganzen Text. Heute kann ich das nicht machen. Heute möchte ich einfach nur ein bisschen etwas herausgreifen und möchte euch erklären, warum Paulus in der Ehelosigkeit ein Plus sieht.
Man könnte es so zusammenfassen: Paulus sagt, es ist gut, mit leichtem Gepäck durchs Leben zu gehen, um Gott möglichst effektiv zu dienen. Das ist sein Ziel. Es ist gut, mit leichtem Gepäck durchs Leben zu gehen und Gott möglichst effektiv zu dienen.
Warum Paulus darin einen Vorteil sieht
Er beschreibt das so und möchte doch zwei Verse vorlesen: 1. Korinther 7,34 und 1. Korinther 7,35.
Da sagt er in 1. Korinther 7,34: Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die Sache des Herrn besorgt, damit sie heilig sei an Leib und Geist. Die Verheiratete aber ist für die Sache der Welt besorgt, wie sie dem Mann gefallen möge.
Das ist bitte nicht negativ gemeint, das ist einfach nur eine Beschreibung. Die eine, die keinen Mann hat, kann mit aller Kraft so leben, dass es Gott gefällt. Die andere, wenn ich meine Frau anschaue: Meine Frau muss sich um mich Gedanken machen. Diese Zeit könnte sie theoretisch, wenn sie Single wäre, ins Beten stecken. Also statt sich Gedanken zu machen, wie geht es meinem Mann, braucht er wieder ein neues Hemd, er muss doppelte Wäsche waschen und so weiter, was da so alles passiert und hintendran hängt, das ist Zeit, die meine Frau hätte, wenn sie Single wäre.
Vers 35: Diese aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht um euch eine Schlinge überzuwerfen. Das ist das, was Paulus hier schreibt: kein Totschlagargument gegen die Ehe. Hört euch bitte den Doppelvortrag an. Das ist sehr ausgewogene Theologie, wo er immer wieder zeigen will, dass beide Seiten möglich sind. Es ist keine Sünde zu heiraten, aber es ist auch klug, sehr klug darüber nachzudenken, ob Heiraten wirklich angesagt ist. Dies sage ich nicht, um euch eine Schlinge überzuwerfen, sondern damit ihr ehrbar und beständig ohne Ablenkung beim Herrn bleibt.
Interessanter Gedanke: Gott wünscht sich, dass Menschen ehrbar, beständig beim Herrn bleiben, dass sie die Möglichkeit haben, aus ihrem Leben möglichst viel für Gott herauszuholen. Und deswegen ist der Verheiratete geteilt. Wie gesagt, nicht schlimm, es ist nur die Beschreibung einer Realität, aber er hat einfach mehr auf dem Schirm.
Wenn ich als Verheirateter durchs Leben gehe, dann muss ich mich um die Kinder kümmern. Dann muss ich überlegen, was mein Partner braucht. Da muss ich, das geht ja so ein Rattenschwanz hinterher. Dann muss ich mehr Geld verdienen, einfach mehr Geld, weil irgendwie muss das ja bezahlt werden, was da alle haben wollen. Dann brauche ich ein größeres Haus, ein größeres Auto, ich brauche von allem immer irgendwie mehr. Ich muss mir über Dinge Gedanken machen, wo der Single einfach sagt: Das interessiert mich nicht, das interessiert mich nicht, der Ansatz ist mir egal.
Es ist ein Nachteil. Und das kann man sich sparen, wenn man allein bleibt. Man kann sich Stress sparen und mehr für das Reich Gottes erreichen, wenn man alleine bleibt.
Zwei Gründe aus der Perspektive Jesu
Und dieser Blick, dieser grundsätzliche Blick, den Paulus hier einnimmt, wird von ihm noch durch zwei Dinge unterstrichen. Zwei Argumente sind dabei wichtig.
Das erste Argument hat damit zu tun, dass die Zeit auf dieser Erde begrenzt ist und dass diese Welt tatsächlich vergeht. Das ist ein Punkt, den wir immer wieder vergessen, gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft. Das würden wir nicht so leicht vergessen, wenn wir im Krieg leben würden. Aber hier zu sagen: Diese Welt vergeht, diese Welt ist nicht alles. Das beste, das eigentliche Leben, zu dem du berufen bist, das Beste kommt noch.
Unsere Berufung in dieser Welt ist nicht, zu heiraten, Kinder zu kriegen und die Schöpfungsordnung zu erfüllen. Wenn das unsere wesentliche Berufung wäre, dann wäre Jesus ein gigantischer Versager. Aber das ist er nicht, obwohl er nicht verheiratet war und keine Kinder hatte. Im Alten Testament, wenn wir da hineinschauen, ist ein Leben ohne Ehe, ohne Kinder ein armes und ungesegnetes Leben. Aber man merkt schon: Wenn Jesus kommt, dann ändert sich etwas im Blick, da kommt etwas Neues.
Wenn die Pharisäer ihn fragen, ob man sich eigentlich aus jeder x-beliebigen Ursache scheiden lassen darf, dann kommt bei ihm eine Doppelantwort. Die eine Seite ist die, dass er die Heiligkeit und die Unauflöslichkeit der Ehe massiv unterstreicht. Er sagt: Das ist etwas ganz, ganz Kostbares, Mann und Frau in Christus vereint, ein Fleisch. Und dann, in Matthäus 19, kommt er auf Menschen zu sprechen, die nicht heiraten.
Er sagt da etwas ganz Interessantes. Schlagen wir Matthäus 19,11-12 auf, er spricht an der Stelle über Singles. Das ist ein schwieriger Text, weil er ein Wort gebraucht, das „Verschnittene“ heißt, also eigentlich ein Eunuch. Das Wort wird als Bild gebraucht für Leute, die nicht heiraten, weil Eunuchen in der damaligen Zeit der Inbegriff für Leute waren, die nicht geheiratet haben. Das war halt einfach so: Man hat den wichtigen Teil ihres Körpers weggenommen und damit auch die Möglichkeit, eine Ehe einzugehen.
Er gebraucht dieses Wort als Bild, um Prinzipien deutlich zu machen. Ausgehend von der Heiligkeit der Ehe zeigt er, dass die Heiligkeit der Ehe und damit das Prinzip der Standesehe nicht mehr alles ist. Er sagt in Vers 11: Er sprach aber zu ihnen, seinen Jüngern: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es gibt Verschnittene, also Menschen, die nicht fähig sind zur Ehe. Es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind. Leute werden geboren, und irgendetwas stimmt bei ihnen nicht, sie sind einfach nicht fähig zur Ehe. Es kann körperliche Ursachen haben, ich denke, es kann auch andere Ursachen haben. Das ist eine Gruppe.
Und es gibt Verschnittene, die von Menschen verschnitten worden sind. Menschen, die erlebt haben, dass andere Menschen – das muss nicht gleich Kastration wie bei den Eunuchen sein – mit ihnen Dinge erlebt haben, wo sie sagen: Ich lasse mich auf eine Beziehung nicht mehr ein. Wir würden heute von traumatischen Erlebnissen reden, die einfach sagen: Für Beziehung, das ist für mich nicht mehr drin, das will ich nicht mehr.
Und dann geht er weiter: Es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben. Bitte lasst es beim Bild, ihr müsst nicht wie Origenes wirklich das Messer nehmen und euch etwas abschneiden. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass Leute eine Entscheidung treffen und sagen: Ich entscheide mich bewusst so zu leben wie einer, der verschnitten ist, wie einer, der unfähig zur Ehe ist, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen.
Das ist die Kernaussage. Es gibt Menschen, die sagen: Ja, ich könnte mir schon vorstellen zu heiraten, aber um des Reiches Gottes willen sage ich zu dieser Möglichkeit ganz bewusst Nein. Das ist dieses ohne Ablenkung beim Herrn sein, 1. Korinther 7, um einen Job zu tun, den ich ohne Frau tun kann und mit Frau und Familie vielleicht einfach nicht schaffe.
Und bitte, damit wir nicht aneinander vorbeireden: Hier ist nicht gleich der lebenslange Verzicht gemeint. Ich erinnere mich noch, als wir eine Biografie von William MacDonald hörten. Er erzählte, dass er in seinem Leben mehrfach entschieden hatte, für einen bestimmten Zeitraum das Thema Ehe hintanzustellen. Er war so mit Missionsschiffen unterwegs, hat dann später einen Kommentar zur Bibel geschrieben, und ihm war klar: Wenn ich jetzt so einen Kommentar schreiben will, so ein großes Werk über die gesamte Bibel, dann muss ich mir einfach Zeit dafür nehmen. Da passt eben nicht noch eine Hochzeit hinein und noch einmal Frau und so. Also verzichte ich einfach, sage ich mir, die nächsten drei Jahre ist das kein Thema, und dann denke ich wieder darüber nach. Und so ist er Stück für Stück dann als Single alt geworden.
Das ist eine Möglichkeit, und das ist das, was Jesus hier sagt. Auf der einen Seite Ehe heilig, und auf der anderen Seite Singles, die begreifen, dass sie mit ihrem Leben eine echte Chance haben. Also: Für Jesus ist Ehelosigkeit eine Option, weil erstens die Zeit auf dieser Erde begrenzt ist und die Welt vergeht. Wir sind hier im Qualifying, das ist nicht das Eigentliche. Aber es kommt noch ein zweiter Punkt dazu, und den machen wir uns, denke ich, oft nicht so klar.
Und ich zitiere mal aus diesem Buch hier, Es muss etwas anderes geben, von Astrid Eichler. Auf Seite 34 schreibt sie: Die Schöpfungsordnung hat ihre Begrenzung, in der Auferstehung findet sie ihr Ende. Die Schöpfungsordnung hat ihre Begrenzung, in der Auferstehung findet sie ihr Ende. Ich will sagen: In der Ewigkeit werden wir alle ehelos sein.
Dann kommen die Sadduzäer zu Jesus und sagen ihm: Sag mal, wie ist denn das, wenn jetzt jemand verheiratet ist, erst nur einmal, dann nochmal, dann nochmal, dann nochmal, dann nochmal, dann nochmal, und am Ende, wenn die dann alle wieder tot und wieder lebendig sind, wer ist denn da mit wem verheiratet? Das ist ja ganz schön das Kuddelmuddel. Wenn eine Frau mit sieben Männern war, wer hat sie denn jetzt in der Ewigkeit? Hat jeder ein Siebtel von ihr? Wird sie siebenmal geklont und dann kriegt jeder sie einmal ganz? Wie läuft denn das in der Ewigkeit?
Und Jesus sagt an der Stelle: Denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sind wie Engel Gottes im Himmel. Also Engel heiraten anscheinend nicht, und wir werden sein wie die Engel. Wenn du heute glücklich verheiratet bist, ist das schön. Aber wenn du dir die Frage stellst, wie du die Ewigkeit verbringen wirst, und das ist für manch einen ein kleiner Schreck, dann ist das so, dass du an der Stelle nicht mehr verheiratet bist. Egal, wie glücklich deine Ehe ist, du bist dann wie die Engel ehelos.
Das heißt: Der Single, der jetzt sagt: Hm, das würde mir auch so jemanden wünschen, der ist eigentlich dichter mit seinem Lebensstil an der Ewigkeit dran als der Verheiratete.
Noch ein Zitat aus diesem Buch hier, weil ich es so schön fand, ein klein bisschen länger. Frau Eichler schreibt: Zweifelsohne ist die Entscheidung für eine Ehe nach der Entscheidung für Jesus Christus die gewichtigste in unserem Leben. Das glaube ich auch. Ich entscheide mich für Jesus, wenn die Sache klar ist. Dann ist die Frage, wen ich heirate, die nächste große Sache. Alles andere leitet sich letztlich von dieser Grundentscheidung her ab. Du heiratest den Falschen und hast ein Leben lang Zeit, dich darüber zu ärgern.
Ehe oder Ehelosigkeit prägt unser Leben sehr nachhaltig. Ich finde es wichtig, dass die Frage nach der Ehe und Ehelosigkeit überhaupt gestellt wird. Es ist nicht biblisch, immer gleich auf der Suche nach einem Partner zu sein, sofort zu fragen, wen ich heiraten soll, ohne überhaupt erst zu überlegen, in welchem Stand ich leben soll: Ehe oder Ehelosigkeit.
Ich glaube, wir haben uns diese Frage, die sie hier in den Raum stellt, in welchem Stand soll ich leben, Ehe oder Ehelosigkeit, in unseren Gemeinden arg vernachlässigt. Und wir neigen dazu, vielleicht aus dem Wunsch heraus, die nächste Generation dahinter zu erleben. Denn es ist doch etwas Schönes, dass da noch einmal so kleine Würmer entstehen und dass man dann doch irgendwann sagen kann: Ich bin Oma und Opa. Das erlebe ich ja auch nicht anders.
Wenn ich jetzt durch meinen Kopf gehe und feststelle, ich fange an, weil ich immer so ein Typ bin, der Jahre im Voraus plant, ja, ich lebe jetzt so im Jahr 2016, was meine Planung angeht ungefähr, und ich baue gerade nebeneinander verschiedene Konzepte, und ein Konzept heißt Opa. Und es ist ein lustiges Konzept. Ich schleiche gerne durch den Wald und bete ein bisschen für das Konzept Opa, ja, weil ich mir einfach denke: Ja, was würdest du? Und ich merke, wie es mein Herz erwärmt.
Deswegen: Es ist völlig normal, dass wir so ticken. Und es ist trotzdem ein Stück weit zu sehr bezogen auf diese Welt und wahrscheinlich auch ein Stück weit bezogen auf uns. Es ist ein klein bisschen egoistisch. Es hat nicht im Blick das Reich Gottes. Es hat nicht im Blick die Möglichkeit, dass jemand, der Single bleibt, oder auch jemand, der von mir aus ohne Kinder bleibt – das Prinzip ist sehr ähnlich – die Chance hat, im Reich Gottes etwas zu bewirken, was einem, der normal verheiratet ist, ein paar Kinderchen hat und mit dem ganzen Rattenschwanz an Verantwortung hinterher unterwegs ist, auf Dauer verschlossen sein wird.
Die innere Haltung von Singles
Ich möchte heute gar nicht viel mehr zu diesem Punkt sagen. Ich habe nur Sorge, dass wir auf eine sehr subtile Weise — weil wir, denke ich, so ticken, wir, die wir Kinder haben, und weil wir aus einem frommen Kreis kommen, in dem unausgesprochen die Familie das Ideal ist — in manchen Kreisen schon dann die Frage gestellt bekommen, wenn man nur zwei Kinder hat, ob denn da keine mehr gekommen seien. Und wenn man dann ehrlich sagt: Doch, da wären schon noch welche gekommen, nur haben wir irgendwann darauf verzichtet, dann ist das schon kritisch, weil Familie so hoch hängt.
Und jetzt kommt Paulus und sagt: Ich würde mir eigentlich wünschen, dass jeder, bevor er heiratet, sich gut überlegt, was möchte ich mit meinem Leben erreichen. Ist für mich wirklich der Stand der Ehe dran? Das kann ich für mich persönlich so sagen. Deswegen auch dieser Einstieg. Wenn ich ohne Frau unterwegs wäre, da wäre ich eine wandelnde Zeitbombe auf zwei Beinen. Ich bin froh, dass ich jemanden habe, der mich ausgleicht, der mich immer wieder erdet und mir hilft. Aber es mag andere geben, die sagen: Nein, ich komme damit klar, ich schaffe das.
Und dann ist die Frage im Raum: Wenn du diese Gabe hast, bist du bereit, dich berufen zu lassen zu einer Aufgabe, die du nur allein, quasi als Single, leisten kannst? Und deswegen möchte ich einen Schritt weiter gehen. Ich wollte zunächst sagen: Es ist gut, von der Bibel her positiv über Ehelosigkeit nachzudenken.
Der zweite Punkt heißt: Kontra Bahnhofsmentalität. Das hat damit zu tun, dass auch wenn ich sage, etwas ist gut und etwas hat Wert oder etwas birgt in sich tolle Möglichkeiten, das ja noch nicht bedeutet, dass man deshalb gleich damit richtig umgehen kann. Das hat damit zu tun, dass, wenn ich mir das Label Single mal vorstelle für unsere Gemeinde oder mal noch ein bisschen größer, und wir haben an der Stelle etwa ein Verhältnis von fünf zu eins, was Frauen zu Männer angeht, das heißt, ich nehme jetzt einfach mal ein paar Beispiele, die ein bisschen frauenlastig sind.
Was verbirgt sich denn hinter dem Label Single? Da ist auf der einen Seite zum Beispiel so das Teenie-Mädchen, das immer noch vom Prinzen träumt. Ja, das ist so ein Aspekt von Single. Ja, da ist aber auch die, ich nenne sie mal, Mitdreißigerin, die sehr deutlich ihre Uhr ticken hört. Da ist vielleicht die Witwe, die verheiratet war und deren Mann vor ihr gestorben ist. Auch das ist Single. Da ist die Alleinerziehende, die aus welchem Grund auch immer jetzt sich in dieser Situation wiederfindet und sich vielleicht gar nicht wiederfinden will. Da ist vielleicht auch der Mann, um mal ein männliches Beispiel zu bringen, der von seiner Frau verlassen wurde. Oder da gibt es Menschen, die sind Singles aus Berufung, die sagen: Ja, ich möchte das so, ich genieße das.
So, jetzt überlegt mal: All diese Gruppen fallen unter die eine Rubrik Single. Was kann man denen sagen, wenn die einen Single sein wollen und vielleicht eine Gnadengabe zur Ehelosigkeit haben, aber bei weitem nicht alle Singles das für sich so klar sagen können? Was ist für jeden Single wichtig?
Vom Warten zum Ankommen
Und ich kann hier an dieser Stelle, weil ich blind bin, nur aus diesem Buch hier zitieren. Ich will das ganz ehrlich sagen, damit nicht jemand denkt: Boah, hat Jürgen aber ein so großes Einfühlungsvermögen. Nein, ich bin immer noch der alte Jürgen. Ich habe kein Einfühlungsvermögen, ich bin kein Seelsorger. Ich kann nur wiedergeben, was ich irgendwo gelesen habe. Und deswegen zitiere ich mal.
Ich zitiere eine Stelle, die mir gefallen hat, weil das, was Astrid Eichler beschreibt, wie sie ihr Single-Sein beschreibt, mir sehr gefällt. Ich habe mich lange Zeit als Single gefühlt wie auf so einem zugigen Bahnhof. Jetzt stellen wir uns alle mal vor, wir stehen so am Bahnhof auf dem Bahnsteig, bei dem der Wind dreht. Dann kommt ein Zug vorbei, es zieht so ein bisschen. Es ist der Bahnhof, wo ich stehe und darauf warte, dass der Zug Ehe endlich auch für mich vorbeikommt und ich einsteigen kann. Und ich bin ständig in so einer Warteposition.
Und sie sagt, und ich gebe ihr uneingeschränkt recht, weil das für viele, viele andere Aspekte des Lebens auch gilt: Wenn ich Single bin, muss ich mich aus dieser Bahnhofsmentalität, aus dieser Wartementalität, wann ist es endlich so weit, dass ich auch dran bin, entfernen. Ich muss das hinter mir lassen. Ich zitiere mal aus ihrem Buch. Sie sagt: Die Gegenwart muss sich von der Zukunft befreien, um nicht ruhelos, friedlos und unzufrieden zu sein. Die Gegenwart muss sich von der Zukunft befreien.
Du kannst nicht in der Gegenwart leben und immer sagen: Ja, wenn nur endlich ... Und du träumst die ganze Zeit von deiner Hochzeit, von deinem Traummann, von deinem Schloss und deinen Kindern und so. Und die Gegenwart wird Stück für Stück immer ruheloser, immer friedloser. Dann sagt sie: Unfrieden und Unzufriedenheit gehören eng zusammen. Es ist wichtig, in der Gegenwart des Single-Seins anzukommen. In der Gegenwart. Ich bin heute Single, egal, ob ich die Gabe habe oder ob ich in diese Situation hineingestolpert bin und da nie rein wollte, sei es, weil mein Partner abgehauen ist, mein Mann gestorben ist, weil irgendetwas passiert ist. Es ist wichtig, in der Gegenwart des Single-Seins anzukommen und nicht immer auf dem Bahnsteig einer Vielleicht-Ehe zu warten.
Ehrlich gesagt, ich finde einen Bahnhof sehr ungemütlich. Es ist gut, die ständige Erwartung, jetzt kommt der Zug, der mich zur Ehe bringt, zu verlassen. Und das ist das, was ich den Singles unter uns wünsche, dass sie es schaffen, anzukommen in ihrem Stand, egal, ob sie sich den Stand ausgesucht haben oder nicht. Denn ihr könnt im Moment im Zweifelsfall gar nicht viel daran ändern. Dieses Ankommen, was wichtig ist für die Seele, das ist ein Kampf.
Es ist ein Kampf, wo ich aufhöre, Gott als den zu sehen, der mir nicht das gibt, wonach ich mich sehne. Es ist ein Kampf, wo ich anfange, mein Mannsein und mein Frausein anzunehmen, auch ohne sexuell aktiv zu sein. Ich versöhne mich mit meiner Situation, und ich höre auf, davonzulaufen. Man kann ständig aus der Situation fliehen, in der man drinsteckt. Das gilt für alle Lebenssituationen, und das kann man auch als Single. Man kann fliehen in einen Aktivismus, in Alkoholismus, in Hobbys, man kann fliehen in Geselligkeit. Aber das sind immer nur Fluchtmechanismen.
Und wenn Single-Sein gelingen soll, wenn ich sage, das hat einen eigenständigen Wert, dann muss ich in der Gegenwart diesen Kampf durchkämpfen und ein Ja finden zu meinem Single-Sein. Dasselbe gilt für Ehepaare. Also, man kann auch aus einer Ehe ständig herausfliehen in Aktivismus, Geselligkeit, Hobby, Alkohol und Arbeit und Kinder und Urlaub und ... Ja, auch da gilt genau dasselbe, nur wir reden heute mal ausnahmsweise über Singles.
Deswegen ist es für Singles wichtig, dass sie nicht länger dieser Lüge glauben: Ach, ich bin ja so arm dran, sondern dass sie sich etwas gönnen, was von größter Wichtigkeit ist, nämlich Trauer. Trauer, die zu Trost führt. Ich habe euch das oft gesagt, und wir haben heute einen ... Ich möchte nachher mit euch noch ein bisschen klagen und trauern. Das wird ganz lustig werden, hoffe ich. Also lustig, ja, ihr versteht schon.
Es gibt diesen Vers, der mir persönlich so unendlich viel bedeutet: Matthäus 5,4. Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Ich empfinde das als ein unendlich großes Vorrecht, mit meinen Ängsten und Nöten und Sorgen immer wieder zu Gott zu gehen. Ich habe einen Gott des Trostes. Ich hoffe, dass ihr das genießen könnt. Ich genieße das unheimlich.
Ich habe irgendetwas auf der Seele, und ich gehe zu Gott und sage: Vater im Himmel, mir geht es so und so. Und ich bringe das so lange, ich bin so lange vor Gott traurig, bis Gott mich tröstet, bis ich das fast körperlich spüre, dass er mir seine Hand auf die Schulter legt und sagt: Hey, ich bin da, ich gehe mit dir zusammen hier durch die Dunkelheit. Das ist unsere große Chance.
Es ist selten so, dass Gott direkt unsere Lebensumstände ändert, aber es ist immer so, dass Gott uns Trost schenken möchte, wenn wir vor ihm trauern. Und genau diese Trauer brauchen wir, um anzukommen in einer Gegenwart, wo sie ein Ja finden zu ihrem Single-Sein. Und das ist eine Trauer, die Arbeit macht, ist das Gegenteil von Selbstmitleid. Selbstmitleid ist dieses: Ich drehe mich um mich selber, ja, ich bade in meinem eigenen Elend, kein Stück zielführend, kein Stück versöhnend. Selbstmitleid, aber Trauer ist das.
Trauer bringt mich an den Punkt, wo Gott in mein Leben eingreift und mir die Kraft gibt, ein Ja zu finden, mich mit meiner Lebenssituation versöhnt. Und das ist das, was Singles und darüber hinaus jeder andere von uns immer wieder braucht.
Singles in der Gemeinde
Also, der erste Punkt war: Lasst uns nüchtern darüber nachdenken, was wirklich gut für uns ist. Wenn wir verheiratet sind, ist die Sache gelaufen. Aber wenn du nicht verheiratet bist, denk noch einmal darüber nach: Ist es wirklich dran für dich zu heiraten? Wie sollten wir unsere Kinder dahingehend erziehen?
Und das Zweite: Wenn du dich in der Situation wiederfindest, ob nun gewollt oder ungewollt, dann starte diesen Prozess, dich durch Trauer und durch Nähe zu Gott zu einem Ja durchzuringen. Zu sagen: Ja, das bin ich. Ja, ich möchte das Leben. Ich bin nicht zweite Klasse. Ich bin nicht der, den Gott vergessen hat. Alle anderen sind gefunden worden, nur bei mir hat Gott immer drübergeschaut. Ich bin in so eine Schublade gerutscht, so wie wir heute: Wir haben Bilder von Neuseeland gesucht, sie waren weg. Und heute beim Aufräumen sagt David: Ja, in der zweiten Reihe, da hinten habe ich unser Album gefunden. Schön.
Und manchmal denke ich, Singles fühlen sich wie Bücher in der zweiten Reihe, die man versteckt hat. Die Gott, da wird auch nicht mehr abgestaubt, da denkt Gott irgendwie nicht mehr dran. Falsch. Sie sind gleichwertig, und sie haben die Aufgabe, in ihrem Singlesein anzukommen, wie das für Verheiratete auch ist.
Singles in der Gemeinde, letzter Punkt: Tja, was soll ich dazu sagen? Ich habe dieses Buch gelesen, und irgendwo hier drin beschreibt sie Singlefreizeiten und wie Singles sich gegenseitig ermutigen, mit den Verletzungen, die ihnen von verheirateten Leuten zugefügt wurden, richtig umzugehen. Ich habe das gelesen und dachte mir: Boah, das ist schon irgendwie dramatisch, dass Menschen sich gegenseitig Mut zusprechen, weil sie in der Gemeinde von diesem fröhlichen Miteinander der Familien und der Ehepaare verletzt werden.
Ich bin sicher, dass ich das auch schon gemacht habe, und sei es auch nur dadurch, dass man dann über sein eigenes Verhalten reflektiert und ich noch ein Predigtbeispiel bringe von meiner tollen Ehe, wo ich mir sicher bin, dass irgendwann der letzte Single sagt: Danke. Niemand will verletzen, aber ich glaube, wir verletzen. Wir werden das auch nicht ganz abschalten können. Aber was ich mir wünsche, ist, dass wir sensibel dafür werden in den Gemeinden.
Ich will ehrlich sagen: Ich weiß noch nicht genau, wie das gehen soll. Ich sage jetzt mal von hier vorne: Wenn ich euch Singles verletzt habe mit meinen Predigten, es tut mir herzlich leid. Das will ich nicht. Ich kann vielleicht manchmal aus meiner Haut, aus meinem Erfahrungsschatz, nicht raus. Und ich weiß manchmal auch nicht, was für Beispiele man bringen soll, weil man irgendwie immer irgendjemandem auf die Füße tritt. Aber ich möchte es einmal von hier vorne auch sagen: Es tut mir wirklich leid.
Und dann hat mich ein Satz getroffen in dem Buch, den zitiere ich mal. Da heißt es: Da, wo Ehelosigkeit auf Zweckmäßigkeit verkürzt wird, wird das Leben von Singles recht schnell austrocknen. Es kann und darf in unseren Gemeinden nicht so sein, dass Singles immer die sind, die die Arbeit tun, für die sonst niemand da ist, da sie ja keine Familie haben. Boah, dachte ich mir, stimmt, ja. Familien haben immer so: Ja, ich muss jetzt nach Hause, die lieben ja. Und dann bleiben sehr schnell natürlich die Singles über. Logisch, ja? Und irgendwo wird der Stand der Singles der Stand der Mulis, das heißt derer, die die Jobs tun, weil alle anderen müssen ja mal schnell nach Hause.
Und irgendwann kann ich mir vorstellen, dass die Singles sich auch in ihrer Rolle überhaupt nicht mehr wohlfühlen, weil sie sagen: Ja, klasse. Ja, unser Wert besteht also darin, die Jobs zu machen, die die anderen, weil sie Familie haben, nicht schaffen. Schön, vielen herzlichen Dank.
Ich wünsche mir, und ich bitte euch, ihr lieben Singles, dass da, wo ihr den Eindruck habt, dass so eine Entwicklung in unserer Gemeinde läuft, ihr die Ältestenschaft ansprecht, dass wir sie tatsächlich sofort beenden. Ich wünsche mir persönlich eine Gemeinde, wo jung und alt, reich und arm, quirlig und lethargisch, Single und Familie zusammen Gott dienen und wo wir miteinander in Gerechtigkeit, Frieden und Freude alt werden.
Ich möchte das lernen, und ich hoffe, dass ihr mit mir einstimmt, dass wir als Gemeinde es schaffen, den Singles die Würde zuzusprechen, die sie als Kinder Gottes haben, und ihnen die Hilfe geben, die sie tatsächlich brauchen. Ich wünsche mir zu verstehen, wie eine Gemeinde funktionieren kann, in der auf der einen Seite Ehen heilig und leidenschaftlich sind, während auf der anderen Seite die Singles stolz und selbstbewusst ihren Stand leben. Ich weiß noch nicht genau, wie man das zusammenkriegen soll, aber ich würde mich unglaublich freuen, wenn wir als Gemeinde mit den Singles in den Dialog treten, weil ich glaube, dass da eine Gruppe ist, die selten so deutlich im Blick ist.
Und ich habe mich mit Markus abgesprochen. Wir haben uns vorgenommen, dass wir das nächste Kümmerertreffen. Für die Gäste: Kümmerertreffen, das ist bei uns das Treffen der Seelsorger. Da treffen sich die Ältesten, die Kleingruppenleiter und jeder, der Interesse an Menschen hat. Dass wir das nächste Kümmerertreffen im März tatsächlich unter diese Überschrift Singles stellen.
Und dass wir miteinander mal darüber nachdenken: Was heißt das eigentlich? Ich habe hier ein paar Fragen aufgestellt, die ich dann mit euch besprechen möchte. Da heißt es zum Beispiel: Wie kann man den Single-Themen genügend Aufmerksamkeit schenken? Wie ermutigen wir die unterschiedlichen Gruppen von Singles? Was brauchen Singles, und wir haben es nicht im Blick? Welche Gebetsanliegen haben Singles? Wo machen wir als Gemeinde die größten Fehler im Umgang mit Singles?
Ich möchte das gerne wissen, weil ich merke, dass da eine Gruppe ist, die schnell durchs Raster fällt und wo wir eine Verantwortung haben. Und vielleicht kann uns Gott an dieser Stelle helfen. Das ist das, was ich mir wünsche. Amen.
Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.
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