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Das Leben ist nicht fair?

Matthäus 25,14-3023.09.2018
Serie•Teil 7 / 7Da berühren sich Himmel und Erde
Gott misst dich nicht an anderen, sondern an dem, was du erkannt hast. Wer das Kleine treu lebt, wächst; wer Wahrheit vergräbt, verliert am Ende alles.

Ein Blick auf Reichtum und ein missverstandenes Bibelwort

Herr Präsident, Herr Präsident! Herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst!
Es freut mich, dass ich nochmals ein Gleichnis mit Ihnen anschauen darf.
Jedes Jahr veröffentlicht das Schweizer Magazin Bilanz im November eine Ausgabe mit den dreihundert reichsten Familien, die in der Schweiz leben. Das sind natürlich nicht alle Schweizer, die in der Schweiz leben und reich sind. Im Jahr 2014 wurde dieses Vermögen auf 589 Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Eine Milliarde hat, nur zur Erinnerung, tausend Millionen. Das ist ein Vermögen, das wir uns nicht wirklich vorstellen können.
Natürlich haben diese Leute das Geld nicht einfach auf ihren Bankkonten liegen und holen dann ab und zu einige Milliarden ab. Vielmehr sind diese Vermögen in Firmen und Konzerne investiert und schaffen natürlich auch Arbeitsplätze. Und wie das so ist bei sehr reichen Leuten: Sie werden interessanterweise meistens immer noch reicher. Jedenfalls wuchs im Jahr 2014 ihr Vermögen um 25 Milliarden, nicht Millionen.
Als 10 vor 10, ein bekanntes Nachrichtenmagazin im Schweizer Fernsehen, darüber berichtete, gab es in der Schweiz jedes Mal einen riesigen Hype um diese Novemberausgabe der Bilanz. Da die Verkaufszahlen eine riesige Auflage erreichen, ist es interessant zu wissen, wer jetzt wieder reicher geworden ist und wer wieder dazugehört usw. Also: Ich stehe nicht dort drin, nicht, dass ihr falsche Vermutungen hegt. Das sind nicht alle Schweizer in diesem Magazin, die da vorkommen.
Auf jeden Fall wird das dann immer kommentiert, auch in den grossen Sendungen und Magazinen. Und der Kommentator sagt Folgendes: Wer hat, dem wird gegeben. Das ist kein Prinzip der Wirtschaftslehre, sondern ein Zitat aus der Bibel. So kann es denn nicht unrecht sein, wenn die Reichsten in der Schweiz noch einmal reicher geworden sind. Das hat der Kommentator in die ganze Schweiz verkündet.
Zugutehalten muss ich ihm, dass er noch etwas aus der Bibel kennt, mindestens dieses Zitat. Vielleicht weiss er auch mehr. Aber ob das gerecht ist oder nicht, dass die Reichen immer reicher werden, dazu möchte ich mich jetzt nicht äussern. In jedem Fall ist unser Vermögen, selbst wenn es nicht so gross ist, immer auch ungerecht. Das haben wir schon einmal gesehen in einem Gleichnis diese Woche.
Das Schema „Die Reichen sind die Bösen und wir, die weniger Geld haben, sind die Guten“ funktioniert auch nicht. Das ist ebenfalls sehr oberflächlich. Es gibt auch Menschen, die sehr reich sind und sehr viel Gutes tun. Und man kann genauso geldgierig sein, ob man reich ist oder arm.
Jedenfalls hat das 10 vor 10 Magazin das, was Jesus gesagt hat, in einen völlig falschen Zusammenhang gestellt. Jesus sagt nämlich: „Jedem, der hat, wird im Überfluss gegeben, und er wird im Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ Dieses Zitat finden wir übrigens an ungefähr vier Stellen im Neuen Testament.
Doch Jesus verstand dieses Prinzip nie, nicht einmal in materieller Hinsicht. Es ist nicht richtig, wenn man Jesus aufgrund dieser Aussage unterstellen will, er würde die Art, wie wir uns im Kapitalismus bereichern, befürworten. Wie gesagt: Mit einer materiellen Bereicherung hat das, was Jesus sagte, überhaupt nichts zu tun.
Nun schauen wir uns das genauer an. Wir sind jetzt beim letzten Gleichnis in dieser Bibelwoche angekommen, und ich lese zuerst den Text aus dem Matthäusevangelium.

Das anvertraute Vermögen und die erste Abrechnung

Es ist wie bei einem Mann, der vorhatte, in ein anderes Land zu reisen. Er rief seine Diener zu sich und vertraute ihnen sein Vermögen an. Einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei und wieder einem anderen eines, jedem seinen Fähigkeiten entsprechend. Dann reiste er ab.
Der Diener, der fünf Talente bekommen hatte, begann sofort, mit dem Geld zu arbeiten, und gewann fünf weitere dazu. Ebenso gewann der, der zwei Talente bekommen hatte, zwei weitere dazu. Der aber, der nur ein Talent bekommen hatte, grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück und forderte seine Diener auf, mit ihm abzurechnen. Zuerst kam der, der fünf Talente erhalten hatte. Er brachte die anderen fünf Talente mit und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben, diese fünf hier habe ich dazugewonnen.
Sehr gut, erwiderte der Herr. Du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem Wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!
Dann kam der, der zwei Talente erhalten hatte. Herr, sagte er, zwei Talente hast du mir gegeben, hier sind die zwei, die ich dazugewonnen habe.
Und auch ihm sagte der Herr dasselbe: Sehr gut. Du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem Wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn!
Zuletzt kam auch der, der ein Talent bekommen hatte. Herr, sagte er, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und du sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast. Deshalb hatte ich Angst und vergrub dein Talent in der Erde. Hier hast du zurück, was dir gehört.
Da gab ihm sein Herr zur Antwort: Du böser und fauler Mensch! Du hast also gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Da hättest du mein Geld doch wenigstens zur Bank bringen können. Dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückbekommen.
Nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat. Denn jedem, der hat, wird gegeben, und er wird im Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
Doch diesen unnützen Diener werft in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.

Warum die Verteilung nicht gleich, aber dennoch gerecht ist

Der Herr, der auf Reisen geht, sorgt dafür, dass seine Diener während seiner Abwesenheit handlungsfähig sind und in seinem Sinn sein Vermögen verwalten. Er rief seine Diener zu sich und vertraute ihnen sein Vermögen an. Einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei und einem anderen eines, jedem seinen Fähigkeiten entsprechend. Dann reiste er ab.
Ein großes Vermögen, das er seinen Dienern überlässt: Ein Talent entsprach damals ungefähr sechstausend Tagelöhnen eines Arbeiters. Diese acht Talente, die er verteilt, entsprachen also nach unserer Rechnung mindestens hundertsechzig Jahresgehältern eines Arbeiters. Ein Arbeiter bräuchte also mindestens drei Leben, um eine solche Summe zu verdienen. Und dann hatte er es ja nicht bar, er musste dann auch noch davon leben. Also sehen wir das doch noch nicht so beachtlich.
Ein Diener bekam fünf, ein anderer zwei und ein dritter ein Talent. Auf den ersten Blick scheint das ungerecht zu sein. Warum bekommt einer mehr als die beiden anderen zusammen? Die beiden haben drei, der andere hat fünf. Also hat einer mehr als die anderen beiden zusammen.
Wir müssen zuerst verstehen, dass sie diese Talente nicht als Lohn oder für den persönlichen Gebrauch erhalten. Sie müssen diese Talente verwalten, denn sie sind immer noch das Eigentum ihres Herrn. Dieser berücksichtigte bei der Verteilung ein ganz wichtiges Kriterium: Er gab jedem seinen Fähigkeiten entsprechend. Er achtete darauf, dass er keinen Diener überforderte. Er gab jedem so viel, wie er aufgrund seiner Fähigkeiten und Begabungen bewältigen konnte. Deshalb geht es in diesem Gleichnis nicht um Gerechtigkeit in dem Sinne, dass jeder gleichbehandelt wird. Die Gleichbehandlung, wenn jeder gleich viel bekommen hätte, hätte dazu geführt, dass die einen überfordert und die anderen unterfordert gewesen wären.
Es geht hier vielmehr um Fairness. Es wäre nicht fair, wenn dieser Herr ungeachtet der Fähigkeiten jedem gleich viel anvertrauen würde. Die einen wären von Beginn an zum Scheitern verurteilt, sie wären nicht in der Lage, diese Talente zu verwalten. Je mehr man bekommt, desto größer wird auch die Verantwortung. Die Erwartungen an den, der fünf Talente bekam, sind wesentlich höher als an den, der nur eines bekam. Jesus sagte das einmal so: Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert, und wem viel anvertraut wurde, von dem wird umso mehr verlangt. Ein Prinzip, das wir auch im ganzen Neuen Testament nachzeichnen können.
Es wäre sehr bedenklich, wenn dieser Herr allen Gleiches gegeben hätte, obwohl er wissen musste, dass nicht alle dieser Verantwortung gewachsen sein würden. Das wäre herzlos, lieblos, und er würde von Anfang an die einen in ein Fiasko stürzen. Gott ist fair, und das ist für uns ganz wichtig zu wissen. Ich muss mich nicht mit anderen Christen messen, die fähiger und begabter sind als ich.
Es ist wie wenn uns ein Kind eine Zeichnung macht. Wenn das Kind zu mir kommt und mir die Zeichnung zeigt, dann beurteile ich die Zeichnung im Verhältnis zum Kind. Ich sage nicht: Oh, das hast du jetzt so schlecht gemacht, schau mal, das Bild, das an der Wand hängt, ist viel schöner. Nein, dann sage ich: Wie toll hast du das gemacht. Das ist wunderschön, du hast dir wirklich Mühe gegeben. Ich beurteile das Bild als Vater oder als Lehrer oder wie auch immer immer im Verhältnis zu den Fähigkeiten und Möglichkeiten, die das Kind eben hat, das diese Zeichnung gemacht hat.
Und genau so, bin ich der Überzeugung, schaut Gott uns an. Er schaut uns an im Verhältnis zu unseren Fähigkeiten. Er hat nicht einen absoluten Maßstab, an dem er mich misst. Er misst mich nicht an einem Picasso oder weiß ich was für Künstler es gibt. In einer chassidischen Erzählung weiß Rabbi Susya, dass er in der kommenden Welt nicht gefragt wird, warum bist du nicht Mose gewesen. Sondern er meinte, er würde dann gefragt: Warum bist du nicht Susya gewesen? Warum bist du nicht du selbst gewesen?
Jedenfalls haben die drei Diener eine faire Ausgangslage. Zwei der Diener beginnen sofort, mit den Talenten zu arbeiten, und einer entschließt sich, dieses Talent zu vergraben. Nun, eines Tages kommt der Herr zurück, und in diesem Gleichnis betont Jesus nicht den überraschenden Moment seiner Rückkehr, wie es in anderen Gleichnissen der Fall ist, wo es um die Endzeit geht. Im Vordergrund steht hier die Abrechnung und somit das Gericht.
Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück und forderte seine Diener auf, mit ihm abzurechnen. Die Diener mit fünf und zwei Talenten konnten ihre Talente verdoppeln. Der Herr freut sich riesig über diesen Erfolg, und beide bekommen eben genau dasselbe Lob, denselben Lohn: Sehr gut. Du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist mit dem Wenigen treu umgegangen, darum will ich dir viel anvertrauen. Komm herein zum Freudenfest deines Herrn.
Er sagt nicht dem Fünften, der das verdoppelt hat: Du bist viel besser gewesen, und du bekommst noch viel mehr als der mit zwei. Du bist zwar auch gut, aber der andere ist besser. Nein, beides exakt dasselbe.
Was der Herr den beiden anvertraut, ist wesentlich wertvoller als das, was sie zurückgeben. Das ist ein Bild für das Erbe im Reich Gottes, das für die Kinder Gottes bereitliegt. Das, was uns Gott versprochen hat. Wir sind ja, wenn wir Jesus nachfolgen, Kinder Gottes, und damit sind wir auch erbberechtigt. Das ist ja diese Aussicht, dass wir Erben Gottes sind, und das spricht hier von diesem Erbe. Dazu sind die beiden zum Freudenfest eingeladen. Es ist das Fest, an dem wir das Wiedersehen mit Jesus feiern werden, eben das Hochzeitsfest, von dem wir gestern schon gesprochen haben. Für die beiden hat sich der Einsatz gelohnt, sie werden reich beschenkt.

Was die Talente eigentlich bedeuten

Doch was haben die beiden mit diesen Talenten eigentlich getan? Wie haben sie sie vermehrt? Oder anders gefragt: Welche Bedeutung haben diese Talente? Was bezeichnet Jesus mit diesen Talenten?
In der Sprachforschung vermutet man, dass unser Verständnis von Talent im Sinne von Begabung von diesem Gleichnis abgeleitet wurde. So liegt es nahe, dass wir dazu neigen, anzunehmen, Jesus spreche hier von Gaben und Begabungen, die er jedem Diener schenkte. Möglich wäre das schon.
Aber was wäre dann der Unterschied zwischen Gaben und Fähigkeiten? Eine Gabe ist doch eine Fähigkeit. Im Gleichnis bestimmt die Fähigkeit eines Dieners darüber, wie groß das Talent ist, das ihm anvertraut wird, oder wie viele Talente er erhält. So vermute ich, dass es sich hier nicht um Talente im Sinne unseres heutigen Sprachgebrauchs handelt.
Davon gehe ich aus: Es geht um Erkenntnis. Man könnte vielleicht auch sagen, um die Wahrheit oder um die Erkenntnis der Wahrheit. Das würde bedeuten, dass Jesus jedem ein Maß an Erkenntnis gibt, über das er verfügen kann. Es ist die Erkenntnis der Wahrheit, die automatisch wächst, wenn ein Mensch dieser Erkenntnis entsprechend lebt.
Im Grunde geht es um das geistliche Wachstum dieser Diener. Der Mensch, der das, was Gott ihm offenbart, ernst nimmt und sein Leben dementsprechend gestaltet, wird in der Erkenntnis wachsen. Gott wird ihm weitere Erkenntnisse offenbaren.
Auf diesen Gedanken hat mich folgende Aussage von Jesus gebracht: Achtet auf das, sagt Jesus, was ihr hört. Nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch euer Teil zugemessen werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben werden. Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.
Also spricht Jesus hier von einem Maß, und diese Maße sind verschieden. Es geht um die Umsetzung des Willens Gottes. Je mehr wir unserer Erkenntnis entsprechend leben, desto mehr werden wir in der Erkenntnis wachsen. Und die Erkenntnis ist ein Geschenk Gottes.
Für Paulus war diese geistliche Entwicklung der Christen ein wichtiges Gebetsanliegen. Er schreibt nach Kolosse: „Wir bitten Gott, dass er euch durch seinen Geist alle nötige Wahrheit und Einsicht schenkt, um seinen Willen in vollem Umfang zu erkennen.“ Doch beim Erkennen bleibt es nicht stehen. Wichtig ist, dass man seine Erkenntnis entsprechend lebt. Deshalb fährt er mit diesem Gedanken fort: Dann könnt ihr ein Leben führen, durch das der Herr geehrt wird und das ihm in jeder Hinsicht gefällt. Ihr werdet imstande sein, stets das zu tun, was gut und richtig ist, sodass euer Leben Früchte tragen wird, und werdet Gott immer besser kennenlernen.
Und damit es nicht verwechselt wird: Da geht es jetzt nicht primär um Arbeit, sondern um die Lebensweise, auch um moralische Dinge. Es geht darum, ob wir ein Leben führen, das Gott gefällt, also eben nicht lügen, betrügen usw. Es geht jetzt nicht darum, wie viel ich evangelisiere oder wie viel ich arbeite, wie oft ich die Kirche putze oder so. Es geht um dieses Wachstum, dass wir wachsen, unser Leben Früchte bringt und wir Gott immer besser kennenlernen.
Und das geschieht nicht bei jedem Menschen im gleichen Maß, sondern entsprechend seiner Erkenntnis. Das fällt uns oft schwer, einfach so zu akzeptieren, aber es ist so. Menschen sind nun mal ganz verschieden. Das sehen wir auch, wenn wir um uns herum schauen. Wir sind alle verschieden, alle sind Originale. Und das bezieht sich nicht nur auf das Äußere, sondern auch auf unsere Fähigkeiten und auf das geistliche Leben.
Gott erwartet von uns nur, dass wir entsprechend unserer Erkenntnis leben. Wenn wir das tun, dann werden wir automatisch in der Erkenntnis wachsen. Die Talente werden sich vermehren, denn Paulus schreibt: Wir alle, die der Glaube an Christus zu geistlich reifen Menschen gemacht hat, wollen uns ganz auf dieses Ziel ausrichten. Und wenn euch eure Einstellung in dem einen oder anderen Punkt davon abweicht, wird Gott euch darin die nötige Klarheit schenken.
Also: Wenn wir nicht überall übereinstimmen, wenn unsere Erkenntnis noch nicht auf dem gleichen Stand ist, wird Gott es euch irgendwann offenbaren. Mit anderen Worten: Gott wird dafür besorgt sein. Ihr müsst nur dafür besorgt sein, das zu tun, was ihr bis jetzt erkannt habt. Bis es so weit ist.
Und das finde ich wirklich das Faszinierende: Hier sollen sie einfach entsprechend ihrem aktuellen Erkenntnisstand leben. Denn Paulus sagt: Von dem, was wir bereits erreicht haben, wollen wir uns auf keinen Fall wieder abbringen lassen. Also halten wir fest, was schon da ist; das, was noch aussteht, wird dann noch kommen. Wenn wir dem Kleinen treu sind, dann wird uns Gott immer mehr anvertrauen.
Die beiden Diener haben nichts anderes getan, als entsprechend ihren Fähigkeiten und gemäss ihrer Erkenntnis zu leben, die Gott ihnen geschenkt hat. In der Anwendung der Erkenntnis sind sie in der Erkenntnis der Wahrheit gewachsen. Der Diener mit den fünf Talenten hatte zum Schluss sechs Talente mehr als der zweite Diener. Er hat über das Doppelte mehr gemacht als der andere.
Doch jeder der beiden gab sein Bestes. Jeder war seinem Herrn treu ergeben. Und so erhielten sie das gleiche Lob und die gleiche Einladung zum grossen Fest. Es hat sich gelohnt, ihrem Herrn treu zu bleiben und zu dienen, für beide gleichermassen.

Die Haltung des dritten Dieners

Der dritte Diener entschloss sich, das eine Talent zu vergraben. Seinem Herrn begründete er das folgendermaßen: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast. Deshalb hatte ich Angst und vergrub dein Talent in der Erde. Hier hast du es zurück, was dir gehört.“
Sollen wir mit diesem Mann jetzt Mitleid haben? Er schildert seine Situation so, als hätte ihn der Auftrag zu einem Opfer werden lassen. Aus purer Angst habe er sein Talent in der Erde vergraben. Es ist eine schöne Verhaltensweise von uns, dass wir uns schnell mit dem scheinbar Schwachen identifizieren und uns loyal zeigen. Deshalb haben viele Leute mit diesem Diener Mitleid. Sie bleiben, wenn sie das Gleichnis lesen, bei diesem armen Mann hängen. Dieser arme Mann, der so viel Angst hatte und aus lauter Angst das Talent vergrub, der tut uns leid, weil er die falsche Entscheidung traf. Und er wollte es doch so gut machen. Wir denken, das kann doch jedem passieren. Und jetzt hat er einfach Pech gehabt, und jetzt bekommt er kein Lob.
Doch so harmlos, wie es auf den ersten Blick aussehen mag, ist es nämlich nicht. Was dieser Mann seinem Herrn sagt, ist schlicht und ergreifend eine absolute Frechheit und Verleumdung seines Herrn. Dass er es überhaupt wagt, ihm so frech zu begegnen. Ich habe mit diesem Mann kein Mitleid. Das war kein armer Mann, das war ein frecher Kerl.
Wie kommt denn dieser Mann auf eine solche Idee, dass er seinen Herrn so verleumdet? Von wem hat er denn das Talent bekommen? Das entsprach immerhin einem Wert von sechstausend Tagelöhnen, also nicht wenig. Dafür hätte er zwanzig Jahre arbeiten müssen. Ja, er hat es vom Herrn bekommen, und was sagt er ihm? „Du erntest, wo du nichts sähst.“ Also, wie dumm ist das denn? Das wäre auch Dummheit eigentlich, dass er nicht gemerkt hat, wie dumm seine Antwort ist, wie er mit dem Herrn spricht: „Du holst dir das zurück“, dabei hat er ja nur das gefordert, was er ihm zur Verwaltung gegeben hat.
Wenn der Herr nun über das Talent abrechnen will, dann will er nur Rechenschaft über das, was er gesät hat, über nichts anderes. Der Herr forderte nichts, was er ihm nicht gegeben hätte. Dieser Mann wollte von diesem Talent eigentlich gar nichts wissen. Es war ihm egal. Er vergrub es, damit er sich damit nicht beschäftigen musste. Ihm waren andere Dinge wichtiger. Das ist der Punkt. Aber das wollte er natürlich nicht sagen. Er wollte nicht sagen: Ja, mir ist es egal. Mir ist es egal, dass du mir auch gegeben hast. Ich habe andere Interessen verfolgt. Das wollte er nicht sagen. Das tönt nicht so schön, dann ist er ein Täter. Aber wir machen uns lieber zum Opfer, dann haben alle Mitleid. „Ah, du bist ein strenger Herr, und du bestrafst mich, und du säst und du erntest, wo du nichts säst, und deshalb hatte ich Angst, und siehst du, wie ein armes Ding ich bin.“
Aber das funktioniert bei Gott eben nicht. Dieser Diener steht für die Menschen, die nicht bereit sind, Gott die Ehre zu geben, die er verdient. Sie vergraben die Erkenntnis, die ihnen von Gott geschenkt ist. Und wie dieses Vergraben aussehen kann, schreibt Paulus den Christen in Rom. Wir haben diesen Text schon gehört:
„Seit der Schaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen. Die Menschen haben also keine Entschuldigung.“
Also jeder Mensch hat zumindest eine Grunderkenntnis von der Existenz Gottes. Niemand hat eine Entschuldigung, niemand kann sich herausreden: Nein, ich habe nichts gewusst. Paulus sagt, die Menschen haben die Erkenntnis Gottes. Gott hat ihnen die Wahrheit offenbart. Aber statt auf dieser Offenbarung zu reagieren und Gott die Ehre zu geben, vergraben sie diese Erkenntnis. Es interessiert sie nicht, sie wollen nicht mit dem leben.
Trotz allem, was sie über Gott wussten, erwiesen sie ihm nicht die Ehre, die ihm zukommt, und blieben ihm den Dank schuldig. Sie verloren sich in sinnlosen Gedankengängen, und in ihrem Herzen, dem es an Einsicht fehlte, wurde es finster. Es fehlte an Einsicht genau deshalb, weil sie alles vergraben haben, was Gott von sich offenbart.
Da sind wir ja heute Weltmeister in unserem Kulturkreis. Haben wir das perfekt vergraben? Alles, was Gott geschaffen hat und auf Gott hinweist, weisen wir dem Zufall zu. Alles ist durch Zufall entstanden, sagen wir. Damit haben wir Gott begraben, damit haben wir die Erkenntnis, die uns Gott gegeben hat, beerdigt, damit wir unser Leben nach unseren Maßstäben gestalten können.
Und wenn Sie dann in den Naturfilmen entdecken, wie wunderbar und faszinierend die Welt erschaffen ist, Sie nicht mehr wissen, wie Sie das jetzt erklären sollen, und Zufall dann ein bisschen zu wenig ist, dann sagen Sie: Die Natur hat das wunderbar gemacht. Sie personifizieren dann doch irgendwie, weil Sie doch irgendwie meinen, es muss ja irgendwer, jemand muss es konstruieren. Aber es darf nicht Gott sein, dann ist es die Natur. Und an die Stelle der Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes setzen Sie das Abbild des vergänglichen Menschen und die Abbilder von Vögeln, vierfüßigen Tieren und Kriechtieren.
Und Sie müssen nur einmal in der ganzen Welt umherschauen, was für Gottheiten verehrt werden. Das sind Tiere, das sind Halbmenschen, das ist ganz verrückt. Irgendwie, wie gesagt, der Mensch ist religiös. Er wird dann irgendetwas anbeten, leider nur nicht den lebendigen Gott, warum auch immer.
Dieser Diener vergrub die Erkenntnis, damit er ein Leben ohne Gott führen konnte. Die Antwort, die er seinem Herrn gab, zeigte, wie negativ seine Meinung über seinen Herrn war. Er traute seinem Herrn nicht zu, dass er von ihm Gutes empfangen würde. Und genauso wie dieser Diener haben viele Menschen eine falsche Vorstellung vom Schöpfer. Sie behaupten, Gott sei unbarmherzig, und er würde uns unterdrücken und hohe Forderungen an uns stellen.
Es gibt sogar Leute, die ereifern sich, denn sie sagen: Wenn es dann wirklich einen Gott gibt und ich einmal vor diesem Gott stehe, dann werde ich ihm dann meine Meinung schon sagen, wie ungerecht er ist. Aber ich sage dir, der wird weder Pieps noch Papp sagen, wenn er vor Gott steht. Der wird nur noch vor Ehrfurcht auf die Knie fallen, er wird nichts mehr sagen. Aber so arrogant sind wir Menschen oft. Dass wir meinen, wir müssten, wenn wir etwas nicht verstehen, wie das läuft in dieser Welt, diejenigen sein, die Gott dann unsere Meinung sagen müssen.
Und wir glauben der Lüge, dass das Leben ohne Gott besser ist und fröhlicher und erquicklicher, als wenn wir ein Leben führen, das Gott gefällt. Wir glauben der Lüge, dass Gott unser Leben vermiesen will. Dann vergraben wir die Erkenntnisse. Und setzen sie mit menschenerdachten Theorien von Zufall und weiß ich was alles. Sie behaupten, Gott sei unbarmherzig.
Dabei vergessen die Menschen, dass sie alles, was sie haben und sind, letztlich von Gott haben. Das Vertrauen zu Gott ist eine grundlegende Voraussetzung, um von Gott die wirklichen Reichtümer zu bekommen. Im Hebräer heißt es: Ohne Glauben ist es unmöglich, zu Gott zu kommen und Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. Der muss glauben, dass es Gott gut meint.
Was war dann bei der Sünde? Bei der Sünde war doch genau das der Punkt. Die Schlange sagte zu Eva: „Gott wollte euch das nur verbieten, von dieser Frucht zu essen, weil er weiß: Sobald ihr davon esst, werdet ihr sein wie Gott.“ Mit anderen Worten: Eva, hast du nicht begriffen, dass Gott dir das Beste nicht geben will? Gott will dir das Leben vorenthalten. Er will nicht, dass es dir besser geht, deshalb hat er gesagt, du darfst nicht von dieser Frucht essen. Das ist die alte Lüge, die bis heute bei vielen Menschen funktioniert. Geh ja keine Beziehung zu Gott ein, er meint es nicht gut mit dir.
Aber hier sagt der Hebräer: Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass es ihn gibt und dass er die belohnt, die ihn aufrichtig suchen. Und nicht wie dieser freche Kerl, der sagt: „Du holst dir alles, was du gar nicht gesät hast.“ Das stimmt ja gar nicht, das ist die Arroganz des Menschen. Das glaubte der Diener eben nicht, dass Gott gut ist. Und der Herr sagte ihm: „Du böser und fauler Mensch, du hast also gewusst, dass ich ernte, wo ich nichts gesät habe, und einsammle, wo ich nichts ausgestreut habe. Wenn du das ernsthaft geglaubt hättest, dann hättest du das nicht einfach vergraben.“ Da entlarvt er ihn nämlich der Ausrede. Wenn du gedacht hättest, dass das so ein harter Herr ist, dann hättest du ja erst recht alles dransetzen müssen. Dann hättest du rackern müssen, wie einer meint, er müsse sich das Himmelreich verdienen. Dann hättest du ja Grund gehabt. Da hättest du mein Geld doch wenigstens zur Bank bringen können, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückbekommen, dann hätte ich ein bisschen etwas rausgeschaut.
Aber wenn du glaubst, dass ich so bin, wie du gesagt hast, und das Geld vergräbst, dann hast du eigentlich nur eine Ausrede. Hättest du das wirklich geglaubt, hättest du anders gehandelt. Du hättest mehr gerackert als die anderen beiden.
Das Talent wird ihm abgenommen, statt der Einladung zum Fest wird der Bestrafung. Der Herr befiehlt: „Werft diesen unnützen Diener in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben.“
Dieser Mann hat sein Leben verkalkuliert. Er hatte sozusagen auf das falsche Pferd gesetzt. Leider wird das vielen Menschen so ergehen. Statt Gott die Ehre zu geben, verleumden sie ihn, sagen: Es gibt keinen Gott, und wenn es einen gibt, will ich mit ihm nichts zu tun haben, weil es da so viele Kriege gibt und so viele Hungersnöte usw. Man gibt dann Gott die Schuld, obwohl der Mensch ja in der Lage wäre, die Hungersnot weltweit zu beseitigen. Wir könnten das, es ist genug Nahrung, nur die Verteilung funktioniert nicht. Aber dann Gott dafür verantwortlich zu machen, wenn wir Menschen das nicht schaffen, finde ich ein bisschen billig.
Doch wenn Jesus kommt, dann wird er abrechnen, und Ausreden und falsche Anschuldigungen werden keine Wirkung zeigen. Gott lässt sich nicht betrügen, er durchschaut uns. Es ist wunderbar, dass Gott jeden Menschen als ein Original sieht. Er erwartet von niemandem etwas, das wir nicht bewältigen könnten. Deshalb ist es auch nicht nötig, dass wir uns ständig mit anderen vergleichen und messen.
Vielmehr sollten wir uns auf das konzentrieren, was wir erkannt haben, und dementsprechend leben. So werden wir in der Erkenntnis wachsen, und so werden wir zu reiferen Christen. Wenn wir in entsprechender Erkenntnis leben, die uns geschenkt ist, werden wir immer reicher an Erkenntnis. So ist das Prinzip zu verstehen, das Jesus aufzeigt, wenn er sagt: „In jedem, der hat, wird gegeben, und er wird Überfluss haben. Wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“
Wer hingegen die Erkenntnis der Wahrheit vergräbt, der wird am Schluss alles verlieren. Man könnte das auch mit einer anderen Aussage von Jesus verdeutlichen: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er dabei sich selbst ins Verderben stürzt und unheilbaren Schaden nimmt?“

Schlussgebet und Zuspruch

Ich bete mit uns.
Ich möchte dir danken, Vater, dass du ein gnädiger, barmherziger und gütiger Gott bist. Und du bist auch gerecht und heilig.
Ich danke dir, dass wir, wenn wir mit dir unterwegs sind, nicht zu 08/15-Menschen werden, sondern Originale bleiben. Ich danke dir auch, dass du uns nicht an einem absoluten Maßstab beurteilst, sondern immer im Verhältnis zu unseren Fähigkeiten.
Und ich danke dir, dass wir vertrauen dürfen, dass du ein guter Gott bist und es gut mit uns meinst. Dass wir nicht ständig in Angst leben müssen, irgendetwas falsch zu machen oder etwas nicht richtig zu tun, wenn wir mit dir in Verbindung sind. Sondern dass wir das tun, was wir erkennen, was du uns offenbarst, und so Schritt für Schritt leben und in unserem Glauben reifer werden können.
Ich danke dir, dass du wirklich wie ein guter Vater mit uns Kindern unterwegs bist und jedes einzelne Kind entsprechend seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten beurteilst und förderst.
Amen.