Christen als Vorbild im Umgang mit Leben und Fürsorge
Im Römischen Reich erkannte man die Christen daran, dass sie ihre Kinder nicht töteten und sich um ihre Alten und Kranken kümmerten. Genau dorthin müssen wir zurückkehren. Wir töten unsere Kinder nicht, auch nicht vor der Geburt. Ebenso töten wir unsere Alten nicht und sorgen nicht dafür, dass sie sich selbst töten lassen, weil sie sich nutzlos und wertlos fühlen.
Christen neigen dazu, die familiäre Ebene zu betonen. Man hört oft Sätze wie: „Na ja, das hätte ja auch nicht sein müssen“ oder „Das Kind ist ja noch so jung.“ Diese Haltung mag moralisch und biblisch begründet und richtig sein. Doch in der Realität muss man erst einmal das Gefühl vermitteln, dass bei uns jedes Kind willkommen ist.
Es erfordert großen Mut, in jungem Alter ohne großartige Unterstützung ein Kind anzunehmen, es zu bekommen und großzuziehen. Das ist eine Heldenleistung. Viele rufen bei uns an, weil sie niemanden haben, mit dem sie darüber sprechen können. Das finde ich ganz furchtbar.
Einführung in den Bibelfittdienst und Vorstellung der Gesprächspartnerin
Und damit willkommen beim Bibelfittdienst, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzusteigen. Wir wollen Jesus im modernen Alltag nachfolgen und harte Fragen von Nichtchristen klar beantworten.
Jeden Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. Das gibt es alles gratis auf dieser Website. Dafür kannst du freiwilligen, monatlichen Unterstützern aus dem ganzen Land danken – Menschen wie du und ich.
Wer auch möchte, dass Videos wie dieses hier in unserem Land weiter ausgespielt und nicht verborgen werden, sollte jetzt die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken.
Gleich haben wir Alexandra Maria Linder zu Gast. Alexandra ist ein echtes Allround-Talent. Nach ihrer Berufsausbildung hat sie Sprachwissenschaften studiert. Dort war sie viele Jahre Dozentin und hat etliche Bücher übersetzt, die einige hier wahrscheinlich sogar zu Hause haben.
Vor allem aber kennst du sie wahrscheinlich als jemanden, der seit Jahrzehnten klug und engagiert in der Öffentlichkeit für das Lebensrecht einsteht. Sie ist in Aberdutzenden von Fachtagungen, Artikeln, Fernsehauftritten und vielem mehr aktiv und organisiert derzeit den Marsch für das Leben mit.
Was mich bei Alexandra aber am meisten beeindruckt, ist, dass sie einerseits diesen 360-Grad-Rundumblick hat – nach links und nach rechts – und andererseits auch eine große Sachkenntnis in den Details besitzt. Eines Tages werden wir wissen, wie viele Abertausende Menschen durch ihr Mitwirken leben und wie viele ihrer Mitstreiterinnen gerettet werden konnten.
Hier gibt sie uns jetzt ein paar kostbare Tipps, was du und ich in Gemeinden, Hauskreisen und Familien machen können und was unsere Rolle als Christen sein sollte.
Deshalb wollen wir jetzt so viel wie möglich aus diesem Gespräch herausholen. Das möchte ich dir auch empfehlen. Leg dir gern schon mal deinen Zettel, deinen Stift und deine Notiz-App bereit, denn wir starten jetzt.
Gesprächsbeginn und persönliche Motivation von Alexandra Maria Linder
Ja, lieber Alexander, ich freue mich sehr, dass du dich jetzt zugeschaltet hast. Danke, dass du da bist. Vielen Dank für die Einladung, lieber Markus. Ich bin gespannt, was mich jetzt erwartet. Die Spannung liegt ganz auf unserer Seite.
Alexandra, wir kämpfen ja wirklich an der gleichen Front. Es ist ja wirklich dasselbe Anliegen, das dich, mich und so viele Zuschauer hier bewegt. Wir wollen einfach auf ein immenses Unrecht hinweisen, das hier in unserem Land passiert. Außerdem wollen wir überlegen, was wir als 08/15-Bürger tun können und wie wir vielleicht Menschen in guten Entscheidungen stärken können.
Bevor wir darauf eingehen, bin ich auch gespannt, was du noch vorbereitet hast. Wir wollen ja auch über das Thema sprechen: Was sind Fragen, die sonst niemand stellt? Kannst du uns vielleicht ein bisschen in deine bemerkenswerte Geschichte mitnehmen und erzählen, warum dir das Thema so am Herzen liegt?
Das waren so viele Zufälle – wenn man an Zufälle glauben will – die da zusammentrafen. Eigentlich bin ich selbst so ein Fall, der möglicherweise gar nicht auf die Welt gekommen wäre. Das wusste ich damals aber überhaupt nicht.
Ich habe in Köln studiert – Köln war damals, Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger, eine Hochburg der Emanzipation. Ich fand das total spannend und war sozusagen die Super-Emanze. Gleiche Bezahlung und keine Diskriminierung – da war ich immer ganz auf der Seite der Frauen, die ich traf.
Doch bei einigen Themen dachte ich, da fehlt etwas. In meiner Umgebung habe ich immer wieder erlebt, wie Menschen in Not gerieten, weil sie zum Beispiel überraschend schwanger wurden oder weil plötzlich jemand pflegebedürftig wurde. So etwas erlebte man ja auch in der Ausbildung, die ich vor dem Studium gemacht habe, und im Studium selbst.
Ich stellte fest, dass es eine große Diskrepanz gab zwischen dem, was diese Frauen erzählten, und der Lage, in der sie tatsächlich waren. Besonders ging es dabei um Abtreibung. Ich beschäftigte mich immer mehr mit dem Thema.
Wie es der Zufall wollte, überlegte ich dann, mich zu engagieren – vielleicht in einer Hilfsorganisation oder Ähnlichem. Eines Abends war ich zu einer privaten Feier eingeladen. Dort waren einige Mitglieder der Alpha, der Aktion Lebensrecht für alle, anwesend. Von dieser der größten und ältesten Lebensrechtsorganisation hatte ich zuvor keine Ahnung.
In der Nacht bin ich dann eingetreten – und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Seitdem bin ich nie wieder davon losgekommen. Ich habe mich nie um ein Amt beworben und nie gesagt: „Oh, das muss ich jetzt machen.“ Es kam immer alles zu mir. Und ich dachte mir: Solange das so läuft, scheint es das Richtige zu sein.
Und du machst das Ganze jetzt seit wie vielen Jahren ungefähr?
Ich bin 1992 in die Alpha eingetreten. Von 2003 an war ich 16 Jahre lang im geschäftsführenden Bundesvorstand der Alpha, davon drei Jahre als Vorsitzende bis 2019.
2001 habe ich, weil ich mit anderen zusammen gesehen habe, wo es mangelt, eine Schwangerenberatung gegründet. Das war damals tatsächlich die erste in Deutschland mit einer Telefonnummer, die bundesweit erreichbar war. Man konnte dort immer jemanden erreichen. Diese Beratung gibt es heute noch. Sie heißt Lita L., Beratung für Schwangere.
Zwischenzeitlich wurde ich in den Bundesvorstand der CDL gewählt. Ich habe viel gemacht – angefangen mit Babybadewannen, die ich Studentinnen brachte, die schwanger waren. Also wirklich ganz die Bodenarbeit: mit Tapeziertischen in Köln in der Einkaufsstraße mit den Leuten diskutieren und den Schwangeren konkret helfen.
Das war eine schöne Zeit damals in Köln, muss ich sagen.
Im Moment bin ich immer noch im Vorstand der Alpha. Meine größte Aufgabe ist jedoch, dass ich Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht bin. Das ist der Dachverband der großen Lebensrechtsorganisationen. Wir haben 15 Mitglieder mit insgesamt etwa 25.000 organisierten Menschen.
Wir veranstalten den Marsch für das Leben, Fachtagungen und machen politische Lobbyarbeit. Im Grunde ist es so: Ich habe zwar mal etwas studiert, aber das meiste mache ich tatsächlich ehrenamtlich seit vielen Jahren – neben Familie, Beruf und allem anderen.
Wow, krass. Wir könnten jetzt ganz viel auf deinen Lebenslauf eingehen. Ich schwenke mal ein bisschen weiter zu den eigentlichen Themen.
Hauptargumente der Gegenseite und Realität der Selbstbestimmung
Das heißt, man kann sich jetzt, glaube ich, an einer Hand abzählen: Du hast sehr, sehr viel gesehen und erlebt in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Da ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen.
Du könntest jetzt sicherlich auf ein paar Beispiele eingehen, das können wir nachher gern noch machen. Aber mal ganz allgemein gestartet: Was sind denn so Dinge, die du immer wieder hörst von – ich sage jetzt mal – der anderen Seite? Die du vielleicht immer wieder von feministischer Seite hörst, oder von Leuten, die sagen, „nee, wir sind pro choice“, was immer das auch heißen soll. Was sind Sachen, die dir quasi fünfmal am Tag immer wieder begegnen würden?
Also der wesentliche Faktor ist das von der – ich sage es mal – Gegenseite. Es ist ja eigentlich keine Gegenseite, sondern letztendlich haben wir ja eigentlich dasselbe Ziel. Wir wollen ein selbstbestimmtes Leben für Frauen. Und ich gehe mal davon aus, dass die andere Seite das auch möchte: dass so wenig Abtreibungen wie möglich stattfinden, wenn wir jetzt bei diesem Thema sind.
Das würde ich jetzt mal unterstellen, dass das unser gemeinsames Ziel ist. Nur die Verwirklichung dieses Ziels – da gehen die Meinungen sehr auseinander. Und das wichtigste Wort ist immer die Selbstbestimmung. Also auf unserer Seite übrigens auch, aber eben auch vor allem auf der anderen Seite.
Da gibt es einfach ein paar Haken, also diese Selbstbestimmung und dann die angebliche Bevormundung von Frauen. Die andere Seite geht davon aus, von der perfekten Frau, die ihr absolut selbstbestimmtes Leben lebt. Und dahin gehört dann eben auch, dass sie ihre Fruchtbarkeit selbst kontrollieren kann, selbstbestimmen kann, wie sie sexuell lebt, was sie tut, mit wem sie es tut und was sie dann eben auch tut, wenn eine Schwangerschaft daraus hervorgeht.
Im Prinzip sehen wir das genau so. Das Problem ist in der Realität nur, dass die Frauen überhaupt nicht selbstbestimmt sind in dieser Situation. Das ist ein hehres Ziel und ein Ideal, dem nur leider die meisten Lebenslagen überhaupt nicht entsprechen.
Es gibt nur ganz, ganz wenige Frauen, die absolut selbstbestimmt jede sexuelle Beziehung leben und absolut selbstbestimmt und perfekt ihre Fruchtbarkeit beherrschen. Das ist relativ utopisch, dass das immer funktioniert. Und wenn dann eben so eine überraschende Schwangerschaft kommt, gibt es noch weniger Frauen, die dann total cool und überlegt und selbstbestimmt eine Entscheidung treffen.
Denn das ist ja einfach ein Über-den-Haufen-Werfen des gesamten Lebens, das man vorher hatte. Ich habe ja selber drei Kinder. Und selbst wenn man in einer wirklich guten Beziehung lebt und weiß, man ist nicht alleine, wirft es trotzdem das Leben über den Haufen. Das ist einfach so. Wenn ein neuer Mensch in ein Leben kommt, wirft das das Leben aller anderen Menschen in der Umgebung immer über den Haufen.
Und dann ist eben die Frage: Mache ich ein hehres Ideal, dem aber dann in der Realität niemand entspricht? Oder überlege ich, wie es den Leuten eigentlich wirklich in dieser Situation geht und wie ich dann ethische Prinzipien, die sich ja auf die Rechte sowohl der Mutter als auch des Kindes beziehen müssen – denn es geht ja um mehrere Menschen, übrigens auch um die Familie, den Vater usw. – wie gehe ich damit um?
Ich versuche, die Situation so zu lösen, dass möglichst alle Betroffenen – aus meiner Sicht natürlich – im wahrsten Sinne des Wortes damit leben können. Oder konstruiere ich eine angeblich perfekte Situation, die es so nicht gibt, die eben von der sogenannten anderen Seite gemacht wird, und lasse letztendlich die Betroffenen damit im Stich?
Das ist so die Frage, mit der wir immer konfrontiert sind in dem Thema.
Die Situation der Frauen in Konfliktsituationen und Beratungsarbeit
Kannst du diesen Punkt mit dem Im-Stich-Lassen noch etwas weiter ausführen? Gerade jetzt für Zuschauer oder Zuschauerinnen, die vielleicht noch niemals in Farbe und 3D mit einer Situation konfrontiert waren, in der jemand über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenkt?
Ja, ich könnte eigentlich tausend Geschichten aus unserer eigenen Beratungsarbeit erzählen. Früher habe ich selbst viel Dienst gemacht, zum Glück heute nicht mehr so viel, weil das andere viel besser können als ich. Aber wir haben ganz tragische Fälle erlebt.
Ich gehe jetzt mal von den sogenannten Normalfällen aus. Ein Normalfall ist zum Beispiel, wenn eine Familie schon zwei Kinder hat und sich etwas aufgebaut hat. Die Frau überlegt gerade, wieder arbeiten zu gehen. Die Kosten steigen enorm – Energiekosten, Lebenshaltungskosten – und jeder normale Mensch hat Schwierigkeiten, mit diesen unfassbar steigenden Kosten auf allen Ebenen zurechtzukommen.
In dieser Situation kommt plötzlich ein drittes Kind. Die Frau wird wieder schwanger. Das bringt viele Familien zum Überlegen: „Wir schaffen das nicht mehr“, „Wir schaffen das mental nicht mehr“, der Stress und der Druck sind zu groß. Leider leben wir in nicht besonders menschlichen Bedingungen. Von allen Seiten strömen Lärm, Stress, Druck und Verpflichtungen auf uns ein. Das ist wirklich unheimlich viel, was auf uns alle einströmt.
Und in dieser Situation kommt plötzlich noch ein neuer Mensch dazu, mit dem niemand gerechnet hat. Mental kann das in dem Moment niemand mehr bewältigen. Die Finanzen wurden durchgerechnet, es reicht gerade so. Das jüngste Kind kommt gerade in den Kindergarten, der Hauskredit muss abbezahlt werden, der Mann hat vielleicht seine Stelle verloren. Es gibt also wirklich handfeste Gründe zu sagen: „Das schaffen wir im Moment überhaupt nicht.“
Das ist ein ganz typischer Fall, in dem es tatsächlich um die äußeren Lebensumstände geht, für die man selbst nichts kann. Diese Familien mit mehreren Kindern – ich denke, wir leben in einem der reichsten Staaten der Welt. Dass eine Familie es nicht schaffen kann, mit Unterstützung des Staates oder anderer Stellen ein weiteres Kind großzuziehen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Dagegen wehre ich mich einfach.
Wir versuchen dann mit den Betroffenen zusammen eine Lösung zu finden, die tragbar ist. Es gibt Haushaltshilfen, verschiedene Zuschüsse, Möglichkeiten, die Zinsen später zu zahlen oder den Kredit anders zu gestalten. Es gibt tausend Wege, auf die diese Familie in diesem Moment einfach nicht kommt, weil es zu viel ist. Das ist eigentlich unsere Aufgabe als Staat und Gesellschaft: Hilfen zu bieten, damit niemand darüber nachdenken muss.
Das ist ein Aspekt, bei dem es natürlich auch um Finanzen geht. Aber die typischsten Fälle, die in Deutschland das Hauptmotiv sind, warum man über Abtreibung nachdenkt, sind instabile Beziehungen. Das betrifft alle Ebenen. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, für die niemand etwas kann oder vorausgesehen hat. Es ist einfach so, dass wir ein Land instabiler Beziehungen sind.
Das fängt in der Herkunftsfamilie an. Es gibt viele Familien, in denen Scheidung oder Trennung vorkommen, in denen ein Elternteil plötzlich weg ist oder vielleicht eine neue Beziehung sucht. Das Vertrauensverhältnis zwischen Kindern und Eltern ist aus verschiedenen Gründen nicht so, wie es sein könnte. Niemand muss daran schuld sein, es ist einfach so.
Gerade wenn eine Schwangerschaft kommt, wenn also ein junges Mädchen mit sechzehn, siebzehn oder achtzehn Jahren oder im Studium schwanger wird und niemand da ist, der ihr sagt: „Ich helfe dir“ oder wo sie hingehen kann. Diese jungen Frauen rufen nicht bei uns an, weil sie schon wissen, wie es läuft und wo sie Hilfe bekommen können, sondern weil sie niemanden haben. Und das finde ich ganz furchtbar: Sie können mit niemandem in der Familie oder auch niemandem in der Umgebung darüber sprechen.
Deshalb versuchen wir als Erstes herauszufinden, wie es der jungen Frau geht, die ganz alleine ist. Wir fragen immer zuerst: Wie geht es dir? In welcher Schwangerschaftswoche bist du? Fühlst du dich gut? Ist bei dir gesundheitlich alles in Ordnung? Ist mit dem Kind alles in Ordnung? Warst du überhaupt schon beim Arzt?
Viele waren nämlich noch gar nicht beim Arzt. In der Panik nach dem positiven Schwangerschaftstest rufen viele sofort an. Andere waren schon beim Arzt und haben sich die Schwangerschaft bestätigen lassen. Das muss man erst mal herausfinden: In welcher Situation ist sie? Konnte sie sich schon ein bisschen mit der Situation befassen, zur Ruhe kommen, mit jemandem sprechen? Das braucht viel Zeit.
Das ist das, was wir uns nehmen können, weil wir unabhängig und frei sind und keinen Vorgaben unterliegen. Wir können uns alle Zeit der Welt nehmen, um mit diesen Menschen zu sprechen. Das Hauptproblem ist tatsächlich das Alleinsein: Es kümmert sich niemand, ich weiß nicht, wohin ich gehen soll.
Dann passiert es manchmal, dass wir überlegen: Gibt es in deiner Umgebung irgendjemanden, in deiner Familie, vielleicht eine Lehrerin, eine Freundin? Es gibt ja immer ein Umfeld. Gibt es da jemanden, bei dem du dir vorstellen kannst, vertrauensvoll und entspannt darüber zu sprechen und der dir helfen könnte?
Einigen fällt da schon jemand ein, aber manchen eben auch nicht. Das ist ein ganz schweres Thema. Eine junge Frau sagt zum Beispiel: „Ich hatte so einen One-Night-Stand, ich lebe alleine in einer Universitätsstadt, und jetzt bin ich schwanger. Was mache ich jetzt?“ In dieser Situation ist sie natürlich völlig überfordert.
Ich halte es da immer ein bisschen so: Wir arbeiten bei vita mit dem Modell der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg, das ist sehr gut. Ich habe dabei auch immer Viktor Frankl im Hinterkopf – nicht über Schwächen reden, sondern die Stärken herausarbeiten. Das ist eines unserer Konzepte: Wir sagen, du hast doch schon das und das geschafft. Du hast einen Schulabschluss, bist umgezogen, hast dir einen Studienplatz organisiert, du hast dein Leben im Griff.
Und jetzt schauen wir gemeinsam, wie du das mit unserer Hilfe schaffen kannst, ganz nach dem Willen der Frauen. Wie schaffen wir es, dass du diese Herausforderung auch noch bewältigst? Das ist unser Ansatz: die Stärken hervorheben, das Positive betonen.
Viele wissen gar nicht, was sie eigentlich schon alles geschafft haben, und fühlen sich in dem Moment total schwach. Das ist völlig normal, weil die Hormone verrückt spielen. Ein typischer Fall ist dann, wenn die Frau sich etwas entspannen konnte und in Ruhe ihre Geschichte erzählt, dass man gemeinsam Perspektiven eröffnen kann: Was ist jetzt möglich?
Niemand muss in Deutschland mehr seine Ausbildung, sein Studium oder seine Schulausbildung abbrechen, nur weil er schwanger ist. Die Zeiten sind zum Glück längst vorbei. Es war noch nie so gut möglich wie heute, ein Kind zu bekommen und zu versorgen. Es wäre lächerlich, wenn das in unserem Land nicht möglich wäre.
Dann gibt es immer wieder Frauen, die sagen: „Okay, ich versuche das, ich traue mich das jetzt.“ Es ist ein großer Mut, in diesem Alter ohne große Unterstützung ein Kind anzunehmen, zu bekommen und großzuziehen. Das ist eine Heldenleistung, wirklich eine Heldentat.
Das ist ein ganz typischer Fall.
Dann hatte ich vor kurzem eine Dame, bei der es vor allem um instabile Beziehungen ging: sehr viel Scheidung, keine feste Beziehung, neue Beziehung, manchmal zwei Beziehungen gleichzeitig. Das ist ein weites Feld. Wenn dann ein Kind kommt, macht es die Situation nicht leichter.
Vor etwa zwei Jahren hatte ich einen Fall, den ich noch gut im Kopf habe. Ich bekam einen Anruf von einer Frau, die sagte: „Ich bin in der elften Woche und muss jetzt noch schnell abtreiben. Wo kann ich das machen?“ So sind oft die ersten Sätze.
Wir versuchen dann immer, ins Gespräch zu kommen: „Wie geht es Ihnen? Möchten Sie uns etwas erzählen?“ Manche wollen das nicht, was schade ist. Deshalb bin ich auch ein Freund der Pflichtberatung, wenn sie denn auch durchgeführt wird. Dann hat man wenigstens die Chance, Perspektiven zu eröffnen und mit den Frauen zu reden.
Bei dieser Frau war es so, dass sie eigentlich nicht in instabilen Verhältnissen lebte. Sie war gerade arbeitslos geworden, hatte aber ein Vorstellungsgespräch. Sie lebte in einem Haus ihrer Eltern, hatte also keine großen finanziellen Probleme und keine Wohnungsnot. Nur die Beziehung stimmte nicht.
Sie hatte eine Beziehung zu einem Mann, die schon länger bestand und eigentlich ganz gut lief. Keine Ehe, keine Verlobung, sondern eine Beziehung, die man heute so kennt: eine, die man jederzeit beginnen und beenden kann.
Als sie dem Mann sagte, dass sie schwanger ist – worauf sie sich eigentlich gefreut hatte und auch ihre Mutter sich freute – sagte der Mann: „Wenn du dieses Kind bekommst, verlasse ich dich.“ Alter!
Weil sie diesen Mann liebte und mit ihm schon Monate zusammen war und etwas aufbauen wollte, war ihre erste Reaktion: „Na gut, dann gehe ich abtreiben.“ Die Beziehung ist ihr so wichtig.
Man merkt am Anfang der Schwangerschaft noch wenig vom Kind. Man merkt natürlich, dass sich der Körper verändert, oft ist einem schlecht, die Hormone spielen verrückt. Aber das Gefühl, dass da ein Kind in einem wächst, ist für viele Frauen noch relativ abstrakt.
In dem Moment ist die Person des Mannes, mit dem sie eine tolle Beziehung hat, viel näher als eine Beziehung zu jemandem, der vielleicht irgendwann mal dabei sein wird.
Das heißt, die Reaktion vieler Frauen – andere werden auch schwer unter Druck gesetzt, was ein großer Faktor ist – ist: Ich möchte unbedingt die Beziehung zu dem Mann behalten.
Es gelang, ein Gespräch aufzubauen. Sie sagte, sie habe keinen Job, sei dann abhängig, aber sie liebe den Mann und wolle ihn nicht verlieren. Auf den ersten Blick sprach also alles dagegen, das Kind zu bekommen: Geld, Beruf, Beziehung – alles aus ihrer momentanen Situation heraus.
Wir haben dann besprochen, dass sie nach dem Vorstellungsgespräch noch mit mir reden kann. Ich habe ihr gesagt, dass sie bei dem Vorstellungsgespräch nicht unbedingt sagen muss, dass sie schwanger ist, weil die Schwangerschaft noch sehr früh war.
Wir haben überlegt, was man machen könnte. Wir arbeiten immer mit einem Zwei-Wege-Modell: Wenn das Gespräch lange dauert, gehen wir beide Wege einmal durch. Angenommen, du gehst jetzt zur Abtreibung – wie sieht dein und euer Leben in einem halben Jahr, einem Jahr, in fünf Jahren aus? Und der andere Weg: Du bekommst das Kind – wie könnte dann euer Leben aussehen? Mit deiner Beziehung, euren Berufen und so weiter.
Wenn man diese beiden Wege durchgeht, zeigt sich oft – das sagen auch alle Beratungsstellen mit jahrelanger Erfahrung –, dass das Kind im Wesentlichen gar nicht die Ursache des Problems ist. Es ist eher ein Anlass, der das Problem verstärkt oder zum Vorschein bringt.
Das heißt: Durch eine Abtreibung bleiben die Probleme der betroffenen Personen bestehen. Die Abtreibung löst sie nicht. Das ist auch etwas, was die andere Seite überhaupt nicht berücksichtigt oder was dort keine Rolle spielt.
Überzeugende Argumente für den Schutz ungeborenen Lebens
Okay, du hast Alexander gehört. Hier haben wir dir zusammengestellt, was auch mich nach jahrelanger Recherche überzeugt hat. Deshalb ist es sinnvoll, für Menschenleben und für Kinder vor der Geburt zu kämpfen. Und so kannst du in Gesprächen mit Andersdenkenden sie authentisch dafür gewinnen.
Ich sage das nicht einfach so, sondern ich kann mich sehr gut an eine Situation erinnern, in der ich genau diesen Workshop, um den es hier geht, an einer staatlichen Universität gehalten habe. Vor Beginn habe ich nach Handmeldungen gefragt, wer Abtreibungen für okay hält, und alle Hände gingen hoch – alle.
Nachdem ich dann genau diesen Workshop gehalten hatte, habe ich noch einmal gefragt, wie viele Abtreibung okay finden. Alle Hände blieben unten. Im Gegenteil: Die Teilnehmer, Frauen und Männer, sagten danach, so hätten sie über das Thema noch nie gedacht. Abtreibungen sind falsch, und wir müssen den Frauen helfen.
Okay, da kommen wir, glaube ich, gleich darauf zurück. Vielen, vielen Dank, schon mal, das war sehr, sehr hilfreich.
Ich will auf eine Sache kurz eingehen, die du gerade in dem Nebensatz gesagt hast, wo du meintest, die Pflichtberatung, wenn sie denn stattfindet. Kannst du das ein bisschen ausführen?
Ja, es ist so, dass man zur Beratung gehen muss, wenn man innerhalb der im Grunde 14 Schwangerschaftswochenfrist zu einer Abtreibung gehen will. Man braucht ja diese Bescheinigung.
Wenn die Beratung dazu dienen würde, dass die Frau sich wirklich hinsetzt und ein Beratungsgespräch führt, wäre das gut. Leider haben wir einen Passus im Schwangerschaftskonfliktgesetz, das ja ein Ergänzungsgesetz zum Paragraphen 218 ist. Dort steht, dass die Frau die Gründe, warum sie zu einer Abtreibung gehen will, gar nicht nennen muss.
Das ist natürlich völliger Blödsinn. Dann brauche ich auch nicht zu einer Beratung zu gehen. Da hat jetzt die Gegenseite mal Recht: Wenn ich gar nicht über die Gründe sprechen muss, dann brauche ich auch nicht hinzugehen. Dann ist ja der Sinn der Beratung natürlich obsolet.
Deswegen müsste man tatsächlich diesen Passus herausstreichen. Wenn ich schon die Beratung habe, dann muss das auch etwas sein, das den Frauen hilft.
Ich kann also zu einer Pro Familia-Beratungsstelle gehen und sagen: Ich möchte eine Abtreibung, ich brauche den Schein. Das dauert im schnellen Fall – das ist schon mal getestet worden – acht Minuten, und dann ist die Frau mit dem Schein wieder draußen und hat überhaupt keine Beratung bekommen, weil sie eben gesagt hat, ich möchte meine Gründe nicht nennen.
Also das ist gesetzlich in Ordnung, es ist legal. Aber es ist natürlich so, dass viele Beratungsstellen dann auch gar nicht versuchen, eine Beratung zu führen.
Wenn zu mir jemand kommt und sagt, ich möchte die Gründe nicht nennen, versuche ich trotzdem, sie in ein Gespräch zu bringen, um zu gucken: Vielleicht gibt es noch eine Chance, vielleicht hat sie noch irgendeine Perspektive nicht gesehen, vielleicht steht sie unter Druck – denn ganz viele Frauen stehen ja unter Druck.
Es ist tatsächlich so, dass bis zu zwei Drittel der Frauen in Deutschland nur deswegen zu einer Abtreibung gehen, weil der Mann das Kind nicht will.
Das habe ich in deinem Buch gelesen.
Ja, also entweder weil er sie zwingt, zur Abtreibung zu gehen, oder weil er einfach nicht will und die Frau dann sagt: Diese Beziehung ist für mich wichtiger, also gehe ich ihm zuliebe zu einer Abtreibung.
Und das ist etwas, das sich über die Jahrzehnte immer mehr manifestiert in den Beratungsprotokollen. Wir haben gerade mit den VitaL-Protokollen eine wissenschaftliche Studie als Dissertation erstellen lassen. Da kommt genau das heraus.
Und das ist ja alles andere als Selbstbestimmung.
Und das ist dann immer das, worüber ich mich frage: Warum sagt die andere Seite, dass es um Selbstbestimmung geht, wenn es bei praktisch allen Frauen eben nicht um Selbstbestimmung geht? Denn es gibt keine absolute Autonomie.
Das wird ja auch bei der Assistierten-Suizid-Diskussion behauptet, dass der Mensch eine absolute Autonomie habe. Die hat er praktisch nie. Er ist immer mitbestimmt von Umständen, von Personen, von Lebenslagen, von Erkrankungen, von schwierigen Situationen usw.
In dem Moment dann so schnell, wie man sie treffen muss, eine autonome Entscheidung zu wählen, ist sowieso schwer. Und wird dann durch diese Hektik, die wenige Zeit, die man hat, und den Druck von allen Seiten noch erschwert.
Also davon zu sprechen, dass es Selbstbestimmung ist, ist eigentlich sogar ziemlich zynisch, finde ich. Und da sind eben die Leute dann im Stich.
Danke dir.
Erste Hilfestellungen bei Schwangerschaftskonflikten im persönlichen Umfeld
Dann lassen Sie uns jetzt in eine fiktive Situation eintauchen, die tausendfach, ja zehntausendfach in Deutschland vorkommt. Man merkt bei seiner Schwester, seiner besten Freundin im Hauskreis, in der Gemeinde oder Familie – ganz egal – dass sie schwanger ist. Und man bemerkt, dass sie sich aus welchen Gründen auch immer sehr, sehr schwer damit tut.
Man hat das Gefühl, ihr beistehen zu wollen und auch dem Kind zum Leben helfen zu wollen. Was sind die ersten Schritte, wenn man noch niemals in so einer Situation war? Wie kann man ein Gespräch beginnen? Wie signalisiert man, dass es Möglichkeiten gibt, an die sie vielleicht gar nicht denkt?
Zunächst einmal ist es wichtig, sich für die Person und ihre Lage zu interessieren. Man spricht sie freundlich an, zum Beispiel mit der Frage: „Wie geht es dir denn?“ Dabei kommt es auch darauf an, wie gut man die Person kennt. In einer Gemeinde, die sich oft trifft, weiß man ja meist, ob jemand gerade etwas verändert oder sich anders verhält. Man könnte einfach hingehen und sagen: „Du wirkst ein bisschen blass und so, als ob du viel nachdenkst. Wie geht es dir denn? Kann ich dir irgendwie helfen?“
Solche einfachen Fragen sind oft schon ein Eisbrecher. Die Frauen merken dann: „Da interessiert sich jemand für mich, das ist ja toll.“ Denn gerade in dieser Situation tun das viele gar nicht – auch nicht in den besten Familien. Man sollte nicht denken, dass in den besten christlichen Vorzeigefamilien so etwas nicht vorkommt, dass dort unerwünschte Kinder abgetrieben werden. Das passiert überall. Es gibt weder heilige Familien noch andere, die das immer von sich behaupten.
Das Wichtigste ist also, sich erst einmal für die Person und ihre Lage zu interessieren. Dabei kann man, wie wir es auch in der Beratung machen, die Frau und ihre Situation in den Mittelpunkt stellen. Denn sie ist es, die die Entscheidungen trifft und die wesentlich ist für das weitere Vorgehen. Wirklich die Frau und ihre Situation – nicht etwas anderes.
Das Schlimmste, was man bei einer Beratung tun kann, ist, sofort über das Kind zu sprechen. Das steht ja sowieso im Raum und weiß auch jeder. Keine Frau glaubt, dass sie nur einen Zellhaufen in sich trägt. Und wer das glaubt, verdrängt die Realität. Eigentlich weiß es jeder. Deshalb muss man darüber nicht direkt sprechen.
Es geht zunächst darum, in welcher Situation die Frau ist und wie man ihr helfen kann, eine gute Lösung zu finden. Das ist das Entscheidende. Und in diesem Moment hilft kein moralischer Hinweis oder ethischer Appell. Wenn eine Frau in so einem Konflikt steckt, braucht sie vor allem persönliches Interesse und ein freundschaftliches, hilfsbereites Angebot: „Möchtest du mal miteinander reden? Kann ich dir irgendwie helfen?“ Das ist das Wichtigste in dieser Lage.
Fehler im Umgang mit Schwangeren aus männlicher Perspektive
Okay, okay. Jetzt drehen wir das Ganze mal auf den Kopf. Das heißt, ich spreche jetzt mal als Mann: Was wäre denn jetzt, wenn ich in der Gemeinde, Familie oder im Freundeskreis merke, dass eine Frau in dieser Situation ist, das Dümmste, was ich machen könnte?
Noch dazu als Mann auf der einen Seite zu sagen: „Ach ja, das soll ja die Frau entscheiden.“ Das ist deswegen dumm, weil es erstens zwar gesetzlich so ist. Das ist zum Beispiel ein großes Manko, dass bei der Abtreibung ausschließlich die Frauen die Entscheidung treffen dürfen. Dabei tun sie es ja gar nicht wirklich, wie wir gerade gehört haben. Da wird der Druck eben anders ausgeübt.
Damit nimmt man natürlich den Vätern auch jede rechtliche Möglichkeit, für ihre Frauen und für die Kinder etwas zu tun und einzustehen. Das führt dann natürlich dazu, dass sich die Männer zurückziehen. Sie sagen sich: „Wenn ich sowieso nichts zu melden habe, ich darf ja nicht mitentscheiden, du kannst machen, was du willst, dann ziehe ich mich zurück. Ich muss die Entscheidung ja sowieso dir überlassen.“ Und das ist alles falsch.
Eigentlich haben Männer dann tatsächlich, weil sie ja danebenstehen, eine andere Perspektive. Das heißt, sie können in dem Moment möglicherweise diese Realität ein bisschen entspannter sehen, weil sie eben nicht in dieser körperlichen und seelischen Situation sind, wie jemand, der gerade schwanger geworden ist.
Ich glaube, dass es da die Aufgabe der Männer sein sollte, einfach ein bisschen Ruhe und Entspannung reinzubringen. Dann gemeinsam in vernünftige Überlegungen einzusteigen, welche Lösungen es gibt. Da können Männer eigentlich eine gute Rolle spielen, weil sie eben nicht in diesem Hormonchaos sind. Also das wäre so eine männliche Aufgabe.
Und dann eben auch, wenn es sich um Männer handelt, die wirklich in der Familie oder im Freundeskreis sind, dann auch klipp und klar sagen: „Pass mal auf, ich helfe dir, ich stehe dir bei.“
Also so ein bisschen... Ich bin jetzt als emanzipierte Frau nicht so der Schutzfunktionstyp, aber in einem solchen Moment tut es einem auch ganz gut zu wissen, dass man ein paar Männer hat, die da stehen und sagen: „Ich bin da, egal was passiert.“ Das tut den Frauen dann einfach gut.
Und wenn man das Schutz nennt, dann soll man das auch Schutz nennen. Das ist völlig in Ordnung.
Rolle der Gemeinden im Umgang mit Schwangerschaftskonflikten
Wir gehen noch einen Schritt weiter. Als Gemeinde – das heißt, wir haben hier einige freikirchliche Zuschauer und Zuschauerinnen, einige Katholische und auch einige, die keiner dieser Gruppen angehören – ist das zunächst einmal egal.
Was würdest du denn sagen: Welche konstruktive Rolle können christliche Gemeinden und Kirchen im weiteren Sinne auf lokaler Ebene vor Ort spielen?
Als Allererstes ist es wichtig, das Wissen und Bewusstsein zu vermitteln, dass jedes Kind willkommen ist. Und zwar unabhängig davon, ob es unehelich geboren wird oder aus einem One-Night-Stand stammt. Christen neigen oft dazu, auf der familiären Ebene zu urteilen: „Na ja, das hätte ja nicht sein müssen“ oder „das Kind ist noch so jung“. Das mag moralisch und biblisch begründet und richtig sein, aber in der Realität muss man zunächst das Gefühl vermitteln: Bei uns ist jedes Kind willkommen.
Egal, ob die Mutter 16 Jahre alt und Schülerin ist, geschieden oder von mehreren Männern schwanger – das spielt in dem Moment keine Rolle. In diesem Moment braucht es das Bewusstsein, dass hier ein neuer Mensch ist, der zusammen mit seiner Mutter im Kampf steht. Und genau dort müssen wir helfen.
Das ist ganz wichtig: Keine überspitzten Moralpredigten oder Ähnliches. Ich kenne das ja selbst, dass gesagt wird: „Uns wäre das ja nicht passiert.“ Ich sage das jetzt nicht persönlich, aber man hört das oft, wenn in der Altersgruppe der eigenen Kinder jemand schwanger wird oder Vater wird. Dann heißt es schnell, dass es ja klar war, dass es denen so ergehen würde. Nein, weg davon!
Natürlich sollen grundsätzlich diese Prinzipien vermittelt und versucht werden, so zu leben. Aber wenn es dann anders läuft, muss man offen sein und sagen: Hier ist ein neuer Mensch, der zusammen mit seiner Mutter und Angehörigen unsere Unterstützung braucht.
Dieses Bewusstsein zu vermitteln, ist erst einmal sehr wichtig – und zwar lange im Vorfeld als grundsätzliche Einstellung. Das ist ein wichtiger und tiefer Punkt.
Alexandra hilft gern mit. Damit mehr Menschen diesen Beitrag hier sehen, drückt einfach die Glocke unten rechts unter diesem Video. Der YouTube-Algorithmus erledigt den Rest ganz von selbst.
Vielen Dank an alle, die das machen! Das ist eine schöne Wertschätzung für den Dienst aller, die sich für Kinderleben in unserem Land engagieren und Frauen in Not beistehen. Danke dafür!
Herausforderungen für junge Menschen und die Bedeutung von positiven Vorbildern
Das Leben in einer Einehe, die ein Leben lang hält, wird den jungen Leuten heute wirklich schwer gemacht. Sie werden sexuell in alle Richtungen animiert und auch beziehungsmäßig in viele verschiedene Richtungen beeinflusst. Ihnen werden Vorbilder gezeigt, die genau das Gegenteil von dem sind, was ein normaler Christ aus wichtigen Gründen für gut hält.
Deshalb müssen wir den jungen Leuten Stütze geben. Wenn ich immer nur sage: „Das machst du falsch“, „Das ist der falsche Freund“, „Warum bist du noch nicht verheiratet?“ oder „Warum hast du schon eine sexuelle Beziehung?“ – dann nützt das den jungen Leuten überhaupt nichts. Sie brauchen positive Vorbilder und echte Hilfe.
Diese Unterstützung muss schon lange im Vorfeld beginnen, bevor jemand schwanger ist. Wenn dann nämlich ein Pärchen oder ein junger Mann oder eine junge Frau kommt und sagt: „Ich habe da so ein Problem“, trauen sich diese Menschen oft, in die Gemeinde zu kommen. Sie wissen, dass sie dort nicht verurteilt werden, sondern aufgefangen, weil man schon immer wieder über solche Themen gesprochen hat. Wenn jemand in so einer Situation ist, dann kommt er, und wir helfen.
Das ist eine grundlegende Gemeindearbeit: Offen zu sein, den Menschen Hilfe und Unterstützung anzubieten. Gemeinden können hier sehr viel tun. Ich würde auch viel Gemeindearbeit für Frauen nach einer Abtreibung machen, denn das ist ein hochsensibles Thema.
In den letzten über 30 Jahren gab es in Deutschland wahrscheinlich acht bis neun Millionen Abtreibungen. Das bedeutet ungefähr sechs bis sieben Millionen Frauen, wenn man Mehrfachabtreibungen abzieht, bei denen die Belastung noch größer ist. Dazu kommen genauso viele Kindväter, Familienangehörige und sogar das medizinische Personal, das diese Eingriffe durchführen muss.
Es gibt einen unglaublich großen Bereich an seelsorgerlicher Not, der von den Gemeinden unbedingt aufgegriffen werden muss. Wenn man sich die Krankheiten bei Frauen über 50 anschaut, sind Depressionen mit großem Abstand der häufigste Grund. Depressionen können, gerade wenn sie verdrängt werden und niemand geholfen hat, eine große Folge von Abtreibungen sein.
Den betroffenen Frauen konnte oft niemand helfen, weil niemand den Zusammenhang erkannt hat. Ich kenne Frauen, die jahrelang Psychotherapeuten, Psychiater und verschiedene Auszeiten aufgesucht haben, bis bei einer Familienaufstellung herauskam, dass eine Abtreibung vor 25 Jahren die Ursache ihrer Depression war.
Das ist ein Beispiel dafür, was Gemeinden unbedingt tun sollten – indem sie das Thema positiv und unter dem Aspekt der christlichen Nächstenliebe, Unterstützung und Hilfe aufgreifen.
Wir haben zum Beispiel eine Stelle oder einen Kontakt eingerichtet, bei dem die Seelsorge für das Leben angeboten wird. Diese Gruppe ist überkonfessionell und versucht, Seelsorge zu leisten. Sie ist relativ neu. Gemeinden könnten einfach einen Flyer dieser Gruppe in ihrer Kirche oder Gemeinde auslegen. So gibt es eine Möglichkeit, sich an jemanden zu wenden, wenn nach einer Abtreibung Probleme auftreten.
Übrigens gibt es auch für die Kindväter Unterstützung, denn auch Männer können nach einer Abtreibung Probleme haben, weil sie ihr Kind nicht schützen konnten. In den USA sind sie in diesem Bereich schon viel weiter.
Ich halte diese Thematik für sehr wichtig, weil sie uns alle betrifft und leider nicht weniger wird. Das Thema sollte in der Gemeinde immer wieder in Predigten und Seelsorgegesprächen aufgegriffen werden – zum Beispiel wie man nach einer Abtreibung helfen kann oder wie man im Schwangerschaftskonflikt Unterstützung bietet.
Die Menschen sollen das Gefühl haben, dass sie hingehen können, ohne verurteilt zu werden, und dass sie aufgenommen werden. Das ist im Grunde immer dasselbe Prinzip, das Gemeinden unbedingt umsetzen sollten. Viele tun das auch schon.
Ich habe einmal eine Seelsorgebroschüre aus dem Amerikanischen übersetzt und einer Diözese angeboten. Dort hieß es, man könne sie in psychiatrischen Kliniken verteilen, sonst sei der Bedarf gering. Doch der Bedarf ist dringend und überall vorhanden.
In der Broschüre gibt es Tipps, wie man das Thema gut in die Gemeinde bringt. Zum Beispiel kann man eine Telefonnummer anbieten, an die man sich wenden kann, um an Seelsorger vermittelt zu werden. Oder man legt den Vita-L-Flyer mit der 0800-Nummer aus.
Wir bekommen immer mehr Anrufe von Frauen nach Abtreibungen und vermitteln sie an kompetente Fachstellen weiter. Wir sind in vielen Bereichen Vermittler, sodass die Frauen überhaupt erst einmal gehört werden und das Gefühl bekommen, jemand nimmt sie ernst.
Denn oft wird gesagt: Nach der Abtreibung ist die Sache vorbei, und dann führt man sein Leben einfach weiter. Wenn diese Frauen dann an eine Beratungsstelle kommen, hören sie häufig: „Was willst du denn? Dein Problem ist doch gelöst.“
Inzwischen gibt es eine oder zwei Beratungsorganisationen, die auch Treffen nach Abtreibungen anbieten, wenn jemand Probleme hat. Dabei denke ich manchmal, dass solche Gespräche vielleicht besser schon vorher stattgefunden hätten. Das zeigt, dass es in der Beratung noch Verbesserungsbedarf gibt.
Das ist ein riesiges Feld, und ich glaube, dass gerade die christlichen Gemeinden – weil Nächstenliebe der Urboden des Christentums ist – sehr viel tun können. Sie können den Boden schon so vorbereiten, dass, wenn jemand mit diesem Problem kommt, er sich sofort aufgefangen fühlt und alles schon vorbereitet ist. Dann muss die Person nur noch sagen: „Hier bin ich, bitte helft mir.“
Das ist sehr, sehr gut.
Wir könnten hier noch viel anknüpfen. Ich finde es richtig gut, dass wir unter dem Video die Organisation Vita-L, die angesprochen wurde, verlinken. Auch die Rufnummer wird entsprechend vermerkt.
Das heißt: Wenn jemand das Gefühl hat, mit jemandem reden zu wollen, aber nicht weiß, wie, oder wenn man einfach gehört hat, dass es solche Anlaufstellen gibt – all das findet man direkt unter der Videobeschreibung, einfach einmal nach unten scrollen.
Unbeachtete Fragen und gesellschaftliche Zusammenhänge im Lebensrechtsthema
Lieber Alexandra, da ich dich jetzt hier habe, möchte ich noch einmal auf das Thema zurückkommen, über das wir am Anfang kurz gesprochen haben. Es geht um das, was einem immer wieder begegnet, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt.
Lass uns jetzt mal ein bisschen hinter die Kulissen schauen: Welche Fragen werden zu wenig gestellt? Welche Aspekte haben die meisten nicht wirklich auf dem Schirm? Was ist deine Erfahrung?
Ein wichtiger Punkt ist die Lage der Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken. Das haben wir ja gerade besprochen. Ich hoffe, es ist klar geworden, worum es dabei eigentlich geht.
Ein zweiter Punkt ist, dass es immer problematisch wird, wenn eine Ideologie ins Spiel kommt – egal welche. Denn in dem Moment wird sehr stark auf die Formulierung und auf die Position geachtet, aber nicht mehr auf die Menschen.
Was sind noch Dinge, die man beim Thema Lebensrecht allgemein eher nicht auf dem Schirm hat? Viele Menschen wissen gar nicht, dass es sich um einen fundamentalen Bereich handelt, der uns alle betrifft.
Beim Thema Lebensanfang glauben viele, das betrifft sie nicht, weil sie ja schon leben. Ältere Menschen sagen oft: „Das betrifft uns jetzt gar nicht mehr, wir haben ja unsere Kinder und Enkel schon.“ Doch das stimmt nicht. Es betrifft sie sehr wohl. Erstens könnte es ihre Enkel treffen, zweitens könnten es ihre Nachbarn treffen, zum Beispiel koreanische oder Flüchtlingsfamilien, die sie bei sich aufgenommen haben. Das kann jeden treffen. Oder die Enkel von besten Freunden. Also alles, was Lebensrecht angeht, kann jeden betreffen.
Das gilt auch für den Embryonenschutz. Das sind alles Dinge, die gewahrt werden müssen. Denn wenn erst einmal die Tür geöffnet ist, wird es immer mehr. Viele Menschen glauben, wenn ich etwas erlaube, wird es weniger. Das ist ein Narrativ der Gegenseite. Das ist aber noch nie passiert. Wenn ich etwas erlaube, wird es immer mehr.
Ein weiterer Punkt sind die Zahlen, die in Sachen Müttersterblichkeit genannt werden. Diese Zahlen sind meist nur geschätzt oder sogar falsch. Das kann man so sagen.
Ich komme noch einmal auf Malawi zurück. Dort wurde behauptet, zwölf Frauen sterben jedes Jahr an illegaler Abtreibung. In Malawi ist Abtreibung verboten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten jedoch, dass in Malawi jährlich etwa 1.200 Frauen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt sterben. Davon sterben ungefähr zehn an illegaler Abtreibung, Eileiterschwangerschaft oder ähnlichen Ursachen. Das sind also keine zwölf, sondern etwa zehn, und die Zahl wird oft hochgerechnet und verzerrt dargestellt.
Das betrifft alle. Wenn ich Bevölkerungen bewusst reduziere, betrifft das auch andere Bevölkerungen. Es betrifft das ethische Bewusstsein der gesamten Menschheit. Wie gehe ich mit den Bewohnern anderer Staaten um?
Wenn wir ans Lebensende denken, etwa beim assistierten Suizid, glauben viele, das betrifft sie noch nicht. Aber es kann jeden treffen. Es gibt auch wirtschaftliche Zusammenhänge.
Wir haben ein System, das gerade zusammenbricht – das Rentensystem. Es ist ja schon faktisch zusammengebrochen. Wir bekommen mittlerweile über hundert Milliarden Euro Zuschüsse. Ich sage mal, ich war auch für die Rente meiner Eltern. Ohne diese Zuschüsse aus der Kfz-Steuer wäre die Rentenkasse jetzt schon pleite.
Der erste geburtenstarke Jahrgang ist 1964, also zwei Jahre vor mir. Wenn diese Menschen in Rente gehen, ist das System am Ende. Millionen Menschen gehen gleichzeitig in Rente, aber es kommen keine Millionen nach. Denn wir haben nicht genügend Kinder bekommen. Wir haben acht Millionen Kinder abgetrieben. Das heißt, es fehlen viele Millionen Menschen, die arbeiten und die anderen versorgen.
Das System funktioniert nicht mehr. Und auch das wird jeden betreffen.
Wenn ich das nun auf assistierten Suizid oder – wie in Kanada – auf Euthanasie beziehe, kann man das als Verschwörungstheorie abtun. Aber Tatsache ist: In den Niederlanden sterben inzwischen fünf Prozent aller Todesfälle pro Jahr durch Euthanasie. Das sind fast immer alte, kranke, oft alleinstehende Menschen, meist über 70 oder 80 Jahre alt. Ähnlich ist es in Kanada und Belgien.
Wenn man da nicht ein bisschen den Zusammenhang sieht, ist das schwer. Es kursierte mal der leicht ironisch gemeinte Begriff des „sozialverträglichen Frühablebens“. Man kann zumindest davon ausgehen, dass es eine gesetzliche Regelung geben wird. Diese wird gerade geplant. Das Verbot hat nicht funktioniert, wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Es wird also eine gesetzliche Regelung geben, bei der man assistierten Suizid erhalten kann.
Und diese Entscheidung ist fast nie völlig autonom. Sie hängt oft mit Druck, dem Verhalten der Familie oder Einsamkeit zusammen. Man muss davon ausgehen, dass es auch hier Zusammenhänge geben wird, die den assistierten Suizid nicht unbedingt verhindern wollen.
Und das betrifft uns alle.
Verantwortung für Alte, Kranke und Schwache als christliche Aufgabe
Was uns vor allem alle betrifft, ist die Frage: Wie gehe ich mit Menschen um, die noch nicht, nicht mehr oder gar nicht leistungsfähig sind?
Bin ich bereit, die Kosten dafür zu tragen, die Zeit dafür aufzuwenden, die Pflege zu übernehmen und regelmäßig hinzufahren?
Ich sehe das gerade bei unseren Eltern, also meinen Schwiegereltern und meinen Eltern. Das wird jetzt immer aufwendiger. Die Kinder sind gerade aus dem Haus, und nun kommen die Eltern. Ja, das ist das Leben.
Bin ich bereit dazu? Dabei spielen Christen eine unheimlich wichtige Rolle. Genau wie im Römischen Reich. Man erkannte die ersten Christen daran, dass sie ihre Kinder nicht töteten und sich um ihre Alten und Kranken kümmerten.
Und genau da müssen wir wieder hin. Wir töten unsere Kinder nicht, auch nicht vor der Geburt. Wir töten unsere Alten nicht und sorgen nicht dafür, dass sie sich selbst töten lassen, weil sie sich nutzlos und wertlos fühlen. Stattdessen sind wir diejenigen, die sich kümmern und die Arbeit übernehmen.
Es ist eine Wahnsinnsarbeit, aber wer, wenn nicht wir? Das gilt für jeden und eigentlich auch weltweit.
