Zum Inhalt

Jünger wird man unterwegs

Zwei "Normalos" auf dem Weg mit Jesus
Psalm 25,4-517.01.2021
EventTeil 24 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2021
Hallo, ich bin Luise, 29 Jahre alt, und wohne in Hildesheim. Seit anderthalb Jahren bin ich verheiratet. Ich bin gelernte Sozial- und Gemeindepädagogin und arbeite seit sechs Jahren bei Frontiers. Dort betreue ich junge Leute, die einen Kurzeinsatz im Ausland machen.
Hallo, ich bin Rahel, 45 Jahre alt und verheiratet. Wir haben drei kleine Kinder. Ich habe Pädagogik studiert und arbeite jetzt bei Frontiers im Kurzzeitbereich. Momentan bin ich jedoch in Elternzeit.
Wir freuen uns, dass wir euch heute ein paar Gedanken weitergeben dürfen. Das Thema dieser Yumiko lautet: Immer jünger – Jesus an jedem Tag nachfolgen.

Persönliche Vorstellung und Thema der Predigt

Da weder Rahel noch ich ausgebildete Predigerinnen oder Langzeitmissionarinnen sind, haben wir uns ein wenig von dem Buch „Jünger wird man unterwegs“ von Dallas Willard inspirieren lassen.
Da wir auch sonst ziemlich normal sind, können wir euch über das Jüngersein nur das erzählen, was wir selbst erlebt haben. Schließlich sind wir genauso wie ihr zwei Normalos auf dem Weg mit Jesus. Ich habe euch ein paar Fakten über Jünger herausgesucht, die ich ganz interessant fand.
Das Wort „Jünger“ kommt dreißig Mal in der Bibel vor, der Begriff „Christ“ dagegen nur zwei Mal. Es ist eigentlich komisch, dass wir uns Christen und nicht Jünger Jesu nennen. Denn gewissermaßen ist die Bibel ein Buch von Jüngern für Jünger.
Ich habe versucht, eine Definition für Jünger zu finden. Jünger sind meiner Meinung nach ganz einfach gesagt Schüler oder Lernende. Schon im Alten Testament wird das Jüngersein thematisiert, zum Beispiel bei Jesaja 50,4. Dort steht: „Gott weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.“ Es geht also ums Hören, ums Zuhören – genau wie Schüler in der Schule.
Gleichzeitig geht es darum, ein Anwender zu sein; also jemand, der sich nicht nur zu einem Paket von Überzeugungen bekennt, etwa: „Yo, was in der Bibel steht, das glaube ich und fertig“, sondern jemand, der seine wachsenden Erkenntnisse über das Leben im Reich Gottes in jedem Bereich seines Lebens anwendet.
Beim Jünger-Sein geht es also ums Hören und ums Anwenden. Das gilt für jeden Bereich unseres Lebens: in Freundschaften, in der Familie, in der Schule, auf der Arbeit, genauso aber auch bei Berufs- und Partnerwahl – also eigentlich bei jeder Entscheidung, die wir treffen müssen.
Damals, zu Jesu Zeiten, ließen die Jünger, nachdem er sie berufen hatte, alles stehen und liegen und folgten ihm wortwörtlich nach. Sie beobachteten ihn, hörten ihm zu, lernten von ihm und probierten es danach selbst aus und setzten es um.
Heute können wir nicht so einfach mit Jesus gehen – Schuhe an und raus. Aber wir sollten mit der gleichen Entschiedenheit wie die Jünger damals unser ganzes Leben Jesus zur Verfügung stellen und von ihm lernen, um ihm immer ähnlicher zu werden.
Christsein ist leider oft etwas Theoretisches. Ein Fakt ist: „Ich bin evangelisch“ hört man oft, oder „Ich bin getauft.“ Für viele ist das aber nur ein Titel in unserer Gesellschaft, oft sogar eher etwas Negatives.
Jünger-Sein dagegen ist etwas Aktives, etwas Lebendiges, etwas Bewusstes. Genau das wollen wir euch heute ein bisschen mitgeben und euch mitnehmen in unser jeweiliges Leben, um gemeinsam zu schauen, wo wir Jesus als Lehrer erlebt und uns als Schüler erprobt haben.

Psalm 25 als Leittext für das Jüngersein

Dabei sind uns zwei Verse aus Psalm 25 besonders wichtig geworden: die Verse 4 und 5. Diese wollen wir im Hinblick auf das Jüngersein gemeinsam mit euch durchgehen. Ich lese sie vor:
„Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich, auf deinen Pfaden zu gehen. Führe mich durch deine Treue und unterweise mich, denn du bist der Gott, der mir Rettung schafft. Auf dich hoffe ich Tag für Tag.“
Schon in den ersten Versen steckt ein spannender Unterschied darin, wie wir als Schüler von unserem Lehrer Jesus lernen können. Ich lese den Anfang noch einmal: „Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich, auf deinen Pfaden zu gehen.“
Dieser Unterschied besteht für mich zwischen dem „Zeigen“ und dem „Lehren, auf Pfaden zu gehen“. Zeigen ist etwas für Erstklässler: Der Lehrer zeigt etwas, und der Schüler tut dann hoffentlich das, was ihm gezeigt wurde. Oft wünschen wir uns genau das von Gott – ein klares Schild vom Himmel, auf dem steht: „Tu dies“ oder „Tu das“.
Das Coole ist, dass Gott genau so zu uns sprechen kann. So habe ich es vor zehn Jahren erlebt, als ich mich entscheiden musste, wo ich studieren soll. Ich hatte zwei Möglichkeiten, und Gott hat mir durch ein ziemlich klares und eindrückliches Bild gezeigt, wohin ich gehen sollte. Bis heute bin ich sehr dankbar, dass es so gekommen ist, denn es war wirklich eine geniale Zeit.
Manchmal zeigt Gott also ganz eindeutig, wohin es gehen soll oder was wir tun sollen. Auf der anderen Seite will uns Jesus aber auch lehren, immer mehr zu denken wie er und dadurch immer mehr zu werden wie er. Das ist dann sozusagen für fortgeschrittene Schüler – und solche wollen wir ja alle werden.
Wenn wir bei Jesus in der Lehre sind, können wir lernen, Gottes Herz zu verstehen. Das Ziel ist, immer mehr intuitiv so zu handeln, wie er es tun würde. So lernen wir, auf seinen Pfaden zu gehen – genau so, wie Gott es sich von uns wünscht.

Dynamik und Grundvoraussetzung des Jüngerseins

Ja, ich verweile noch ein bisschen bei dem Wort „zeigen“ im Vers vier. Dort steht das ja, und ich komme doch kurz zurück zu unserem Thema: „Jünger wird man unterwegs“. Das ist etwas Dynamisches und wahrscheinlich ein lebenslanger Prozess.
Um dynamisch unterwegs zu sein, braucht es aber auch eine gute Grundlage, eine Startvoraussetzung. Wenn Jesus uns wirklich etwas zeigen möchte und soll, braucht es eine Grundvoraussetzung.
Da gibt es einen Vers, der in Galater 2, Vers 20 steht und mir sehr wichtig geworden ist. Als ich sechzehn war, hat Jesus mich zu sich gezogen, und seitdem begleitet mich dieser Vers. Dort steht: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20).
Dieser Vers ist mir in unterschiedlichsten Lebenssituationen immer wieder wichtig geworden. Wenn man sich das wirklich mal überlegt: Was bedeutet das, Christus in mir? Ist es dann nicht auch so, dass er uns in entscheidenden Lebenssituationen – im Großen und im Kleinen – Impulse und entscheidende Gedanken geben kann, die von ihm kommen?
Ich finde, dieser einfache und bestechende Gedanke verändert viel und macht auch vieles wirklich unkompliziert. Mit dieser Herzenshaltung habe ich zum Beispiel einmal eine größere berufliche Entscheidung getroffen.
Ich habe damals in Kassel gelebt, meiner Geburtsstadt und meinem Heimatort. Es ging mir gut, ich arbeitete in einer Missionsorganisation. Hauskreis, Gemeinde und Familie waren vor Ort – ein tolles, bequemes Leben. Nach einigen Jahren jedoch gab es eine Unruhe in mir, die mir unerklärlich war. Noch unerklärlicher war, dass ich als Nordhessin das Wort „Stuttgart“ immer wieder in meinen Gedanken hatte.
In Träumen kam Stuttgart vor, in Gesprächen, und dieses Drängen Gottes – so will ich es mal nennen – wurde später zu einer Gewissheit: Du sollst dich irgendwie in Richtung Stuttgart orientieren. Ich habe das dann geprüft, noch einmal mit meinen Freunden darüber gesprochen, gebetet und im Internet geschaut, welche Möglichkeiten es in Stuttgart gibt, wo ich mich beruflich orientieren könnte.
So bin ich auf christliche Fachkräfte und Coworkers International gestoßen und habe mich einfach initiativ dort beworben. Um es kurz zu machen: Es gab einen relativ kurzen Bewerbungsprozess. Man sagte zu mir: „Rahel, wunderbar, in gewisser Weise füllst du eine Lücke, du bist eine Art Gebetserhörung. Wir können dich hier gut gebrauchen.“ So hat Gott mich in meine Berufung, im Kurzzeitbereich zur Arbeit, noch mehr hineingeführt.
Die Zeit dort war großartig, und ich habe nicht zuletzt auch meinen Mann in Stuttgart kennengelernt – zwar nicht unbedingt bei Coworkers, aber in Stuttgart.
Was heißt das für uns, wenn wir uns von Gott etwas zeigen lassen, weil er in uns lebt durch seinen Heiligen Geist? Dann müssen wir manchmal auch aus unserer Komfortzone heraus. Es ist nicht immer bequem.
Auch wenn ich an die Jünger denke, die damals mit Jesus unterwegs waren: Sie sind ja nicht einfach stehen geblieben und haben weitergefischt, sondern sind mitgegangen. Sie sind losgegangen in eine ungewisse und in gewisser Weise unbequeme Zukunft. Dabei gehen wir teilweise auch über die Grenzen der menschlichen Vernunft hinaus.
Luise und ich arbeiten bei Frontiers. Das ist ein Werk, bei dem die Mitarbeiter sprichwörtlich dahin gehen, wo sonst keiner hingeht. Weil es gefährlich ist, weil sie durch ihren Einsatz das Reich Gottes erweitern. Sie gehen ganz an die vorderste Stelle. Und das, weil sie diese Gewissheit von Jesus ins Herz gelegt bekommen haben und er es ihnen gezeigt hat.

Eigenschaften eines guten Lehrers und praktische Erfahrungen

Ich liebe diesen Psalm, den wir hier lesen, und besonders bin ich beim Wort „Lehren“ noch einmal hängen geblieben. Dabei habe ich mich gefragt, was einen guten Lehrer ausmacht. Mir sind drei Dinge eingefallen:
Erstens: Ein guter Lehrer baut eine positive Beziehung zu seinen Schülern auf.
Zweitens: Er hat Vertrauen in das Potenzial seiner Schüler.
Drittens: Ein guter Lehrer stellt hohe Ansprüche.
Wenn wir diese Punkte als Schablone auf Jesus legen, finde ich, dass er diese Eigenschaften in einem absolut perfekten Maß vereint. Schon zu Lebzeiten war er ein großartiger Lehrer – der beste, den ich mir vorstellen kann. Und auch heute ist er das noch.
Wenn ich also erkannt habe, dass es keinen besseren Lehrer als Jesus gibt, dann bin ich immer wieder darauf angewiesen, mich von ihm lehren zu lassen. Manchmal sind das ganz kleine Schritte im Alltag.
Ich habe vorhin erwähnt, dass ich Mutter von drei kleinen Kindern bin. Mein Alltag ist oft unglamourös und vielleicht sogar monoton. Aber ich lerne – ich weiß nicht, wie es euch geht – am besten, indem ich Dinge tue. Deshalb habe ich mir angewöhnt, in meinem Alltag manchmal einfach innezuhalten und zu sagen: Herr, lehre mich jetzt in der nächsten Viertelstunde, in den nächsten fünfzehn Minuten, was dein Wille in dieser Situation ist. Welche Entscheidung soll ich treffen? Wen soll ich anrufen? Lehre mich, deine Liebe und deine Weisheit auch weiterzugeben.
Was heißt das? Eng heranrücken an den besten Lehrer von allen, an Jesus. Dann ist das ein ganz typisches Learning by Doing. Und ich bin sicher, dass wir als Jünger auf unserem Weg so Schritt für Schritt weiterkommen.

Vertrauen und Führung in schwierigen Zeiten

Wir springen jetzt zu Vers fünf und schauen uns diesen Begriff noch einmal genauer an. Dabei fällt mir ein Vers ein, den ich sehr liebe: Psalm 17,5. Dort steht: „Senke meine Tritte ein in deine Fußstapfen, dass mein Gang nicht wankend werde.“
Dieser Psalm 17 ist ein Gebet Davids, das er in einer schwierigen Zeit, in einer Art Anfechtungszeit, geschrieben hat. David wird immer wieder als ein Mann nach dem Herzen Gottes bezeichnet. Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Ein wichtiger Punkt ist, dass er ein Mann des Gebets war, also immer wieder im Austausch mit Gott stand.
Hier sehe ich auch einen wichtigen Faktor für Jünger: Wenn man als Jünger unterwegs weiterkommen möchte, ist das Gebet, der enge Austausch mit unserem Herrn im Himmel, entscheidend.
Zurück zu dem Vers aus Psalm 17: Ich liebe dieses Bild einfach. Stellt euch eine schneebedeckte Landschaft vor, noch unberührt, mit tiefen Fußspuren. Ich steige in diese Spuren hinein, hinterher. Vielleicht gibt es rechts oder links auch ausgetretene Pfade, die leichter zu gehen wären. Aber nein, ich bleibe in diesen Spuren, weil ich weiß, dass es da langgeht – hinter Jesus her.
Wir erleben das gerade als Familie. Mein Mann und ich haben, wie gesagt, drei kleine Kinder. Mein Mann hatte einen guten, gesicherten Job, verdiente gut und machte Karriere. Doch Gott hat uns ganz deutlich zu Frontiers gerufen – zu einem spendenfinanzierten Leben in Vollzeit. Dabei gab es viele kritische Stimmen aus unserem Umfeld.
Man fragte uns: Ist das verantwortungsvoll, mit drei kleinen Kindern so einen Schritt zu tun? Es gab Unverständnis von Familie und auch von Freunden. Das ist nicht immer einfach. Auch eigene Sorgen und Fragen kommen auf. Wir sind nicht immer die großen Helden.
Wir haben erlebt, dass vieles schieflief, wir sind krank geworden und fühlten uns verzagt. Es war und ist nicht immer bequem. Wir stehen ja noch am Anfang dieses Weges.
Bitte stellt euch noch einmal dieses Bild vor: Vielleicht schließt ihr die Augen und stellt euch diese verschneite Ebene im Wald in der Nacht vor. Als Familie erinnern wir uns oft an Gottes Treue, gerade in diesen Tagen und Wochen. Wir sagen: Er führt uns, wir sind sicher.
Auch wenn wir den nächsten Schritt manchmal nur mit so einer kleinen Taschenlampe sehen, mit einem kleinen Lichtkegel, stapfen wir mutig hinterher. Vielleicht ist „tapfer“ das richtige Wort, weil wir sicher sind, dass er führt und treu ist.
Ich bin mir ganz sicher: Wenn du dich vielleicht auch in einer vergleichbaren Situation befindest, dann werden in solchen Zeiten Jünger-Skills entwickelt, über die sich Gott freut.

Persönliche Erfahrungen mit Gottes Führung

Auch ich habe die treue Führung Gottes immer wieder in meinem Leben erlebt. Besonders in einem Lebensbereich fühlte ich mich oft wie eine Blinde, die einen Weg geht, den sie einfach nicht kennt. So bin ich, ähnlich wie im Beispiel von Rahel, Jesus blind durch den Schnee hinterhergestapft.
Ich habe ja vorhin erzählt, dass ich seit anderthalb Jahren verheiratet bin. Marvin, mein Mann, war mein einziger fester Freund, den ich je hatte. Deshalb war alles, was ich mit ihm in unserer Beziehung erlebt habe, ganz neu für mich. Ich hatte keinen Vergleich, denn ich bin diesen Weg noch nie gegangen.
Immer wieder hatte ich Zweifel und Ängste. Ich fragte Gott: Ist Marvin wirklich der Mann, mit dem ich zusammen sein soll? Den ich heiraten soll? Gott hat mir nie eine eindeutige Antwort gegeben, kein klares Ja ganz am Anfang, dass er es ist. Doch in seiner Treue hat Gott mir immer wieder durch viele kleine Zeichen gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass der nächste Schritt dran ist.
Ein Beispiel: Einmal saß ich im Auto und fragte Gott wieder zweifelnd, ob Marvin wirklich der Mann für mich ist. Ich war so unsicher, ob wir zusammenpassen und ob ich auf dem richtigen Weg bin. In diesem Moment musste ich plötzlich stark bremsen, weil ein Auto mit einem Anhänger vor mir abrupt stoppte. Ich schaute auf den Anhänger und sah einen riesigen Schriftzug: „Böckmann“. Heute heiße ich Luise Böckmann.
Das war für mich damals ein so cooles Zeichen mitten in meinem Gebet. Gott hat mir so ganz liebevoll gesagt: „Ja, Luise, bleib dran, mit Böckmann bist du auf einem guten Weg.“
Gott hat auch in vielen anderen Bereichen meines Lebens immer wieder treu geführt. So durfte ich seinen Spuren folgen. Ich habe gemerkt, dass das auch die beste Spur ist, der ich folgen will.

Die Bedeutung von Demut und Unterweisung

Jetzt schauen wir uns noch einmal das Wort „unterweisen“ in Vers fünf an, weil ich an diesem Wort hängen geblieben bin. Ich finde, es ist irgendwie ein altmodisches Wort, oder? Das hat mein Interesse geweckt. Gleichzeitig habe ich mich gefragt oder mir gedacht: Wir wissen doch schon relativ viel über die Bibel.
Wir haben die ersten Buchstaben im Alphabet gelernt, um mit Gott unterwegs zu sein. Vielleicht kommst du auch aus einem christlichen Elternhaus, arbeitest in der Gemeinde mit und liest täglich in der Bibel. Dann schaue ich mir David an, der diesen Psalm geschrieben hat. Er war, wie wir vorhin gehört haben, ein Mann nach dem Herzen Gottes.
Man geht davon aus, dass er, als er diese Verse schrieb, die wir uns hier anschauen, schon etwas älter war. Denn ein paar Verse später spricht er von den Sünden seiner Jugend. Ihr stimmt mir sicherlich zu, dass man das nicht schreibt oder sagt, wenn man sechzehn ist.
Also, zusammengefasst: Das ist ein gestandener Jünger im fortgeschrittenen Alter, und er erkennt, dass ihm einfach noch so vieles fehlt. Das heißt, um sich unterweisen zu lassen, machen wir uns in gewisser Weise ein bisschen klein. Wir lassen unseren Stolz beiseite.
Außerdem müssen wir noch einmal zwei Worte neu lernen. Diese sind auch nicht so populär oder modern, aber ich finde sie in diesem Zusammenhang sehr, sehr wichtig: Demut und Ehrfurcht vor Gott, dem besten Lehrer von allen.
Auch die zwölf Jünger Jesu waren ja keine Helden. Sie waren einfache Männer, nicht stolz. Sie wollten einfach nichts mehr, als in der Nähe ihres Rabbis zu sein und von ihm zu lernen.
Was hilft mir heute, um mich auch in diese Position zu begeben, neben natürlich dem Gebet, dem direkten Kontakt zu Gott? Bei mir ist das ganz praktisch ein Hauskreis.
Aus dem gehen wir immer mit konkreten geistlichen Aufgaben heraus. Beim nächsten Treffen legen wir dann auch Rechenschaft voreinander ab. So lassen wir uns unterweisen, stellen uns unter Gottes Wahrheiten und unter seine Weisheit.
Da gehe ich dann wieder kleine Schritte in die richtige Richtung als Jünger. Davon bin ich überzeugt.

Gottes Rettung und ewige Hoffnung

In Vers 4 unseres Psalms wird Gott um Leitung und Führung gebeten. Nun folgt in Vers 5 eine Art Lob oder Proklamation einer Eigenschaft Gottes, die der Psalmbeter hier bewusst hervorhebt: "Denn du bist der Gott, der mir Rettung schafft."
Dass Gott rettet und in das Leben von Menschen eingreift, können wir in unzähligen Geschichten im Alten und Neuen Testament lesen. Und Gott tut das auch heute noch. Ich durfte das erleben, auch wenn die Rettung damals für mich anders aussah, als ich es mir vorgestellt hatte.
Nach unserer Hochzeit zog ich zu meinem Mann nach Hildesheim, mitten hinein ins Ghetto. Die Nordstadt in Hildesheim ist bekannt für ihren hohen Ausländeranteil und außerdem auch für viele Bordelle und Spielcasinos. In so einem Haus lebten zwei Drogendealer, die uns täglich viele Konsumenten ins Haus brachten. Außerdem gab es Haschischhändler, Alkoholiker – also insgesamt viele sozial schwache Menschen.
Ich als überzeugte Sozialarbeiterin und Jesusjüngerin war motiviert und wollte mindestens unsere Nachbarn, wenn nicht das ganze Viertel retten. Aber leider kam es anders. Nach einigen Wochen, mehreren unschönen Situationen und einem für mich sehr traumatischen Erlebnis war das alles hinfällig.
Anstatt Liebe und Hingabe für die Leute zu empfinden, hatte ich nur noch Angst. Ich hatte Angst vor Begegnungen, fühlte mich unwohl, schlief schlecht, und sogar unsere Wohnung selbst wurde plötzlich zu einem Ort der Angst für mich. Natürlich haben wir viel gebetet – alleine, zusammen und mit Freunden. So sind wir in diesen geistlichen Kampf eingetreten, und ich habe auf Gottes Rettung gehofft, dass er alles verändert – in mir und in unseren Nachbarn.
Die Monate zogen sich hin, und schlussendlich hat Gott mich dann wirklich gerettet – aber ganz anders als gedacht. Er hat uns eine neue Wohnung geschenkt, ein neues Zuhause. Also zogen wir nach zehn Monaten aus unserer frisch renovierten und eingerichteten Wohnung wieder aus.
Trotz dieser Enttäuschung über mich selbst und dem Gefühl, gescheitert zu sein, weiß ich heute, dass Gott mich daraus gerettet hat. Ich bin sehr dankbar für sein Eingreifen. Ich finde es großartig, wie Gott uns nicht im Stich lässt und uns, wie wir eben von Luise gehört haben, auch Situationen rettet.
Wir wollen uns den Vers und den Begriff Rettung und Hoffnung aber noch einmal mit Ewigkeitsperspektive anschauen. Da fällt mir unser Vermieter ein: Wir leben mit ihm auf einem Grundstück. Er war ein rüstiger Rentner, wurde krank und starb innerhalb weniger Wochen an Krebs. Punkt. Nichts mehr. Leere, keine Hoffnung, nichts.
Wir leben mit seiner Frau, seiner Witwe, ja immer noch auf einem Grundstück. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was es bedeutet, ohne Hoffnung aus diesem Leben zu gehen. Es ist einfach ein schwarzes Loch.
Dann denke ich an meinen Onkel, der ein treuer, junger Jesusjünger gewesen ist, sein ganzes Leben lang. Er wurde alt, krank und dement. Ich besuchte ihn und habe das Bild noch so vor Augen: Er liegt auf seinem Bett, die aufgeschlagene Bibel auf dem Bauch. Er konnte sie schon gar nicht mehr lesen und verstehen in seinem Zustand der Demenz. Aber er lächelte mich voller Hoffnung an, mit so einer Freude und einem Frieden, und sagte: "Mein Jesus, mein Jesus, mein geliebter Jesus, zu ihm gehe ich mal."
Da wurde mir bewusst, was das bedeutet: Wenn das zu unserer DNA der Hoffnung geworden ist, kann uns das keiner mehr nehmen – keine Krankheit, kein Leid, keine Verfolgung, keine schwierigen Umstände.
Mein Onkel, der so ein gestandener Jünger Jesu war, hat sein Leben lang Bibelverse auswendig gelernt. Diese konnte er noch rezitieren, und sie haben ihm Hoffnung und Freude auf die ewige Rettung gegeben.
Wenn ich das so betrachte, denke ich: Sollte das nicht auch unser Ziel sein? Auf unserem Weg mit Jesus zu bleiben, als Jünger und Jüngerinnen, uns ganz nah an ihn zu binden, uns von ihm leiten und unterweisen zu lassen, von ihm zu lernen und uns ganz eins mit ihm zu machen.
Jünger unterwegs werden und dann aber auch andere zu Jüngern machen – denn welchen größeren Sinn könnte unser Leben haben, als anderen auch von dieser wunderbaren und großartigen Hoffnung weiterzusagen?